TV-Werbung Schweiz Tourismus und Effact haben zwei Spots produziert, die für Ferien in der Schweiz werben. Dabei wird eine Idylle gezeigt, die einen trendgerecht entschleunigt und dabei glatt den Alltag ausblenden lässt.Die Werbung von Schweiz Tourismus hat eine lange Tradition mit vielen idyllischen Plakaten und praktischen Prospekten. Erstmals in seiner Geschichte hat das oberste Verkehrsbüro der Schweiz jetzt auch zwei Werbespots für eine Imagekampagne produzieren lassen. Konzipiert wurden die Spots von der Zürcher Agentur Effact AG für Kommunikation. In Szene gesetzt haben sie Ernst Wirz und Stefan Fraefel.Beide Spots dauern 30 Sekunden und werben jeweils saisongerecht für Sommer- oder Winterferien, in denen man «alles vergessen» kann. Allerdings nicht mit diesem Claim und auch nicht handlungsbezogen wie die berühmt gewordene Werbung von Kuoni.
Bei diesen Ferien in der Schweiz vergisst man nicht passiv irgendwelche Routinen, sondern man soll aktiv die Sorgen im Büro oder die privaten Problemchen zu Hause in der Wohnung für ein paar Momente verdrängen können.
In beiden Spots wird ein Tourist von einem Anruf auf sein Handy in den Ferien gestört. Der Sommerspot bietet eine Parallelmontage zwischen einem Paar, das erholsame Ferien an einem Bergsee macht, während zu Hause ein Rohrbruch die Waschküche unter Wasser setzt. Ein verzweifelter Notruf vom Hauswart kann das Paar am Bergsee aber nicht aus der Ruhe bringen. Beim Wintersport kommt der störende Anruf aufs Handy aus dem Büro. Dort ist in einer Sitzung der Teufel los. Den Angerufenen lässt das aber kalt, denn ihm eröffnet sich bei der Fahrt mit der Gornergratbahn eben ein fantastischer Blick aufs Matterhorn.
Keine Budgets à discrétion«Man kommt in eine Landschaft, die so beeindruckend ist, dass einem der ganze Rest der Welt egal ist», erklärt Urs Emch die Idee hinter diesen Spots. Der Leiter Marketing Services & Brand Management bei Schweiz Tourismus lässt den Sommerspot aktuell in der Schweiz sowie in Italien und Deutschland senden. Der Winterspot soll in der Schweiz sowie in weiteren europäischen Ländern gezeigt werden. Für den Sommerspot steht in der Schweiz ein Mediabudget von 500000 Franken zur Verfügung. In Deutschland sind es 300000 Euro und in Italien noch weniger. Auf der Südseite der Alpen will man die Werbung auf den Mailand-Gürtel fokussieren und dort vor allem von günstigen Angeboten der privaten TV-Stationen profitieren.
Beim Drehen musste Rücksicht auf eine ausgewogene Verteilung der Regionen genommen werden. Der Sommerspot ist deshalb an einem neutral wirkenden Alpsee im Kanton Uri aufgenommen worden. Beim Wintersport wollte man bewusst auf das Markenzeichen Matterhorn setzen, weil man sich von dieser Ikone vor allem im Ausland Beachtung verspricht.
Beide Spots zeigen eine fantastisch wirkende Postkartenidylle. Dennoch sind sie ohne Computertricks zu Stande gekommen. Der Sommerspot wurde am 27. August und damit genau am letzten Tag des letztjährigen Jahrhundertsommers gedreht. Am 28. August ist nach Monaten mit Hochtemperaturen wieder der erste Regen gefallen.
Beide Spots funktionieren mit dem Claim: «Alles über Ferien in der Schweiz unter MySwitzerland.com.» Diese Website ist weltweit etabliert und sehr beliebt, weshalb man nicht erstrangig auf die inzwischen ebenfalls dazugekaufte Domain Switzerland.com setzt.
«Schweiz. Ganz natürlich.», heisst die Copy der Kampagne. Diese Aussage soll einen aktuell feststellbaren Trend in der Gesellschaft aufnehmen, nämlich die wieder entdeckte Freude am Natürlichen. Man will sich «entschleunigen und auf wahre Werte zurückbesinnen», weiss Berater Nicolas Edelmann bei Effact. Das Produkt Schweiz soll bei diesem Entschleunigen helfen.
Die Spots bedienen eine Imagekampagne. Daneben arbeitet Schweiz Tourismus weiterhin mit Plakaten für spezielle Themen sowie Prospekten, die für alle Ferienverkäufer nach wie vor das wichtigste Werbemedium sind.
Mit dem erstmaligen Projekt Spots sollen neue Erfahrungen gesammelt werden. Die Imagewerbung soll als Türöffner für das Internet funktionieren, wo alles und auch alle Regionen bis ins kleinste Detail präsentiert werden können.
Die Website MySwitzerland.com gewinnt regelmässig internationale Preise. Die Page hat 30000 «Unique Visitors» pro Tag, mit durchschnittlich 7,5 Minuten Verweildauer. Das Internet ist für Schweiz Tourismus ideal, weil jede zusätzlich angeforderte «Broschüre» über das Netz nichts kostet.
Mehr Service via SMSNeu finden sich seit ein paar Tagen auch die Badewettertemperaturen aufgeschaltet. Mit der gleichen Infrastruktur, über die bereits der beliebte Schneebericht über SMS, Teletext, Radio- und TV-Stationen funktioniert, wird jetzt auch dieser Service zum Badewetter von Schweiz Tourismus koordiniert. Grundlage bildet ein SMS-basierter Dienst, über den Bademeister ihre Werte an die Zentrale durchgeben. Von dort werden sie von MySwitzerland.com an alle Interessierten weitergegeben.
Die Agentur Effact ist seit zwei Jahren mit dem Mandat für Schweiz Tourismus betraut. Die Agentur im Besitz von CD Nino Haslach und Ueli Utzinger war für das letzte Redesign zuständig und gestaltet im Rahmen der Gesamtverantwortung für die klassische Kommunikation auch die ganze Palette von Prospekten. Als freier Texter neben Serge Deville ist Martin Denecke an der Werbung für Schweiz Tourismus involviert. Effact beschäftigt 14 Leute, Schweiz Tourismus ist der grösste Kunde der Agentur. Daneben arbeitet man auch für Freddy Burger Management, Starbucks sowie im touristischen Bereich ebenfalls für Montreux und Bern.
Heile Welt: Ferien in der Schweiz lenken vom Alltagsverdruss ab.
Andreas Panzeri