Kaiser Beckenbauer auf Radio 105

Fussball-EM Keinen Geringeren als «Kaiser» Franz Beckenbauer hat Radio 105 für seine Berichte von der Fussball-Europameisterschaft 2004 verpflichtet.

Fussball-EM Keinen Geringeren als «Kaiser» Franz Beckenbauer hat Radio 105 für seine Berichte von der Fussball-Europameisterschaft 2004 verpflichtet.Der Präsident von Bayern München kommentiert gemeinsam mit Servette-Trainer Marco Schällibaum täglich das aktuelle EM-Geschehen auf dem Jugendkabelsender. In drei- bis fünfminütigen Rubriken sollen die beiden Fussball-Experten die Topthemen aufgreifen und Analysen, aber auch Kurioses liefern.

Schweizer Werbekunden mögen «Anke Late Night»

Privat-TV In Deutschland ist «Anke Late Night» umstritten – in der Schweiz hingegen hat die neue Sat1-Show offenbar etlichen Kredit.

Privat-TV In Deutschland ist «Anke Late Night» umstritten – in der Schweiz hingegen hat die neue Sat1-Show offenbar etlichen Kredit.Die Slots des Schweizer Werbefensters im Umfeld der Sendung sind jedenfalls ausgebucht. Wer neben Anke Engelke werben will, «muss sich mindestens bis Anfang Juli gedulden», sagte Christian Gartmann, Chef des Vermarkters SevenOne Media, gegenüber der Aargauer Zeitung.

Werbung in Wachs

Branding In Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett in London zieht erstmals ein Markensymbol ein.

Branding In Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett in London zieht erstmals ein Markensymbol ein.Zwischen Königin Elisabeth und Michael Jackson nimmt aber weder Mr. Proper noch Ronald McDonald Platz – es ist Puppy, ein putziger kleiner Labradorwelpe. Puppy wirbt in England seit 32 Jahren für die Klopapiermarke Andrex von Kimberly-Clark. Das Hündchen ist ein Star. Als Stofftier soll es in jedem zehnten Haushalt Grossbritanniens wohnen. In einer Umfrage von Madame Tussaud’s entpuppte sich Puppy als beliebteste fiktionale TV-Figur der Nation. Seit 2002 bringt Kimberly-Clark den niedlichen Welpen auch in anderen Ländern zum Einsatz. In der Schweiz ist er seit kurzem in Fernsehspots für Hakle zu sehen. Auch die Website der Toilettenpapiermarke widmet sich dem niedlichen Vierbeiner. Mit Malbogen und Quiz werden vor allem Kinder angesprochen.
(sm)

«Beobachter – was für eine Marke!»

Roland Oetterli will als neuer Verlagsleiter den Beobachter wie einen Markenartikel mit Nutzwert verkaufen.

Roland Oetterli will als neuer Verlagsleiter den Beobachter wie einen Markenartikel mit Nutzwert verkaufen.
Kunststoff oder Werbung? Das war die Frage, als Roland Oetterli sich für einen kaufmännischen Lehrmeister entscheiden musste. Zur Auswahl in Luzern standen die Viscosuisse und die Publicitas. «Das tönte irgendwie nach Securitas», erinnert sich der neue Verlagsleiter des Beobachters. Als er aber merkte, dass es bei der P um Zeitungen geht, fand der Heranwachsende das «extrem spannend». Immerhin gab es in Luzern damals Tagblatt, Vaterland und Luzerner Neuste Nachrichten.In diesem Umfeld hat Oetterli die Werbung gepackt, und er hat sich nach der Lehre innerhalb der Filiale bis in die Medialeitung für Werbeagenturen und Grosskunden entwickelt. Parallel folgte die Werbeassistentenausbildung, und mit 24 Jahren unterrichtete er bereits am Sawi. «Damals waren meine Schüler älter als ich, heute bin ich älter», schmunzelt er über seine nach wie vor liebste Nebenbeschäftigung: «Als Lehrer ist man gefordert, immer am vordersten Punkt der Entwicklungen zu sein.»
Seine eigene Entwicklung hat den Mediamann später zum Milchverarbeiter Emmi geführt. Vier Jahre hat er dort auf Kundenseite als Werbeleiter Erfahrungen gesammelt und gleichzeitig die Ausbildung zum Werbeleiter abgeschlossen.
Zurückberufen in die Medienwelt wurde er 1990 als Anzeigenleiter der LNN. «Ich war der Nachfolger von Otto Meier, dem heutigen Direktor der P», verrät der jetzige Verlagsleiter leicht stolz. Als nach vier Jahren die Fusion zwischen Vaterland und LNN über die Bühne ging, hat Oetterli «als Verfechter der Eigenregie» als Anzeigenchef zur Berner Zeitung gewechselt. «Da ich eher eine unternehmerische Denke und Haltung habe und ein stolzer ‹Eigenregieler› bin, überzeugt mich dieses Modell, weil damit ein Unternehmen seine wichtigste Einnahmequelle zu einem grossen Teil selber bestimmen und kontrollieren kann.»
Auch beim Beobachter ist es Oetterli nun wichtig, dass er den Markt in diesem Sinn bearbeiten kann. Der Verlagsleiter findet es etwas vom Dankbarsten an seiner neuen Aufgabe, dass er den Anzeigenmarkt und den Lesermarkt gleichzeitig bearbeiten darf. «Ich akzeptiere aber, dass die Publicitas ganz viele gute Sachen macht für den Bereich der Presse und andere Medien.»
Beim Rückblick auf seine Karriere sinniert Roland Oetterli, dass es «ganz sicher auch etwas Interessantes» ergeben hätte, wenn er seinen weiteren Weg in einer Werbeagentur gesucht hätte. «Ich bin ein Fan von Markenartikeln. Das habe ich bei Emmi gelernt. Emmi Jogurt
sind heute noch meine liebsten.» Die Positionierung eines Produkts interessiert ihn sehr: «Das habe ich umfassend gelernt, und das biete ich heute als Verlagsmann an.»
Keine Lust auf StabsarbeitVor seinem Einstieg beim Beobachter war Oetterli kurzzeitig Leiter eines Instituts für Kaderschulung in Bern sowie zuletzt Mediachef, Verlagsleiter und Verantwortlicher für das Gruppenmarketing bei der AZ Medien Gruppe in Baden. Nach sechs Monaten in dieser Funktion musste Oetterli aber feststellen, dass er kein Stabsmitarbeiter ist. «Ich bin kein Stäbler, weil ich eine eigene Verantwortung in der Linie haben will.» Nur planerische Aufgaben erfüllen und dann wieder warten, gefällt ihm nicht. «Sobald ich etwas fertig habe, will ich es umsetzen.» Wenn er die Aufgabe wieder zurück an die Linie delegieren muss, befriedigt ihn das nicht. «Ich bin nicht gern eine Denkfabrik, ohne die Verantwortung übernehmen zu können, dass meine Ideen umgesetzt werden.» Oetterli sieht sich als ein Machertyp. Deshalb hat er sein Arbeitsverhältnis bei der AZ aufgelöst.
Beim Beobachter hat er eine Zeitschrift gefunden, die einzigartig ist – «einen super Markenartikel». Als Knabe habe er mit dem Beobachter gelernt zu lesen. Seine Grosseltern meinten: «Den
Beobachter kannst du nicht anschauen, den musst du lesen.» Inzwischen weiss er, wieso der Beobachter als Medium mehr sein kann als nur Vermittler von Information und Unterhaltung.
«Der Beobachter hat strategisch ein Feld besetzt, wo ihm niemand den Platz streitig machen kann». Der Servicegedanke ist extrem ausgelebt und der Beobachter hat die multimediale Entwicklung auf allen Ebenen mitgemacht. Diesen Nutzen, den der Beobachter zur Verfügung stellt, will Oetterli nun verständlicher und noch effizienter kommunizieren. «Viele Leute wissen noch zu wenig, was alles um den Beobachter herum auch noch genutzt werden kann», weiss er. Zum Titel als Printartikel kommt neben dem Sachbuchverlag mit gegen hundert Titeln auch die Beratung mit 80000 Auskünften pro Jahr über
Telefon und Internet.
Oetterli ist überzeugt, dass er eine sinnvolle Arbeit vollbringt. Sein Medium hat eine hohe Glaubwürdigkeit. Die Mitarbeiter identifizieren sich voll mit dem Produkt und wollen Qualität. Die Leser schätzen den Titel. «Ich bin deshalb stolz, dass ich jetzt all das als verantwortlicher Verlagschef führen darf.»
Seine wichtigsten Herausforderungen beim Beobachter: Den Abonnententeil im Verlauf des Generationswechsels halten und junge Lesersegmente neu ansprechen. Im Anzeigenmarkt will er die Attraktivität des Titels, von der er selber überzeugt ist, auch bei den Kunden überzeugend anbringen. Viele hätten noch das Vorurteil, das Umfeld im Beobachter sei zwar glaubwürdig, aber nicht sexy. «Ich halte da die Kontaktqualität dagegen. Die Zeitschrift wird sehr intensiv genutzt.
Da sollten wir jede Imagekampagne der Schweiz auch in unserem Blatt haben», ist der neue Verlagsleiter überzeugt.
Auch im Auto dauernd auf DrahtRoland Oetterli hat sich in seiner Zeit bei der Berner Zeitung ein Haus in Moosseedorf gekauft und will auch weiter mit seiner Frau und den Kindern aus zwei Ehen dort wohnen. Ihm selber macht das Pendeln nichts aus. Die Zeit im Auto nutzt er für intensives Telefonieren.
Seine Frau hat einen ähnlich orientierten Job als Leiterin des Marketing Service bei der Berner Zeitung und ist diplomierte Mentaltrainerin. In seiner Freizeit schätzt Oetterli deshalb vor allem den anregenden Gedankenaustausch mit seiner Partnerin. Dabei kann auch schon mal über den Traum vom eigenen Bauernhof mit Grossfamilie und vielen Tieren diskutiert werden. «Das ist als Kind mein Wunsch gewesen.»
Dass es nicht so gekommen ist, kann er vor dem Hintergrund der Entwicklung in der Landwirtschaft verkraften. Jetzt erfreut er sich dafür beim Joggen an wilden Hasen und Rehen und findet auch Naturersatz beim abenteuerlichen Bräteln mit seinen Buben im Wald.
Roland Oetterli will das Vorurteil abbauen, der Beobachter sei zwar «glaubwürdig, aber nicht sexy».

Andreas Panzeri

Vom wilden Affen gebissen

Aufgefallen «Bin ich drin?», fragt sich der Orang-Utan und versucht die verzweifelnd-lustvolle Mimik seines menschlichen Vorbildes Boris Becker zu kopieren.

Hardware «Bin ich drin?», fragt sich der Orang-Utan und versucht die verzweifelnd-lustvolle Mimik seines menschlichen Vorbildes Boris Becker zu kopieren.Dank dem Notebook von Maxdata ist der haarige Waldmensch aus Sumatra endlich online und erfüllt von einer tiefen «wireless happiness». Vielleicht denkt nun der eine oder andere Betrachter der Anzeige, dass ihn der Affe laust. Tatsächlich ist die Frage nach dem tieferen Sinn dieser Werbung berechtigt. Der Trieb der Kreativen, den Consumer-Benefit möglichst überspitzt zu dramatisieren, ist nachvollziehbar. Aber dieses elementare Bedürfnis der Spezies Werber hätte selbst ein Homo sapiens befriedigt, wäre er mit dem Laptop in der Wildnis ausgesetzt worden. Es sei hier die Vermutung erlaubt, dass ein Mensch die Botschaft glaubwürdiger transportiert hätte als sein Evolutionsbruder. Oder ist die Bedienung von Maxdata Hardware so leicht, dass sogar ein Affe damit umgehen kann?
Spätestens nach dem Auftauchen von E-Mails mit dem Betreff «Schnupper an meiner Banane» oder «Rettet meinen Lebensraum» würde sich diese Version bestätigen. Vielleicht will uns das Inserat auch nur
sagen, dass wir alle Affen sind, wenn wir uns im Wireless-Zeitalter noch täglich ins Büro hangeln, um unsere Bananen zu verdienen.
(sk)

Plädoyer für den Stutz

Aufgefallen Die Diskussion um die Gesundheit Sprechstunde ist recht. Ob die Argumente gerecht sind, ist eine andere Frage.

Kolumne Die Diskussion um die Gesundheit Sprechstunde ist recht. Ob die Argumente gerecht sind, ist eine andere Frage.Der Kalauer ist so billig, dass ich ihn nicht für mich behalten kann. Dr. Samuel Stutz ist der ehrlichste Arzt der Schweiz. Schon sein Name sagt, um was es wirklich geht …Haha … Die Kollegen aus den konkurrierenden Häusern – allemal die verlässlichsten PR-Helfer und Imageträger für Akteure im Medienumfeld – hatten in den letzten Wochen ausreichend Gelegenheit, die Verflechtungen des populären Fernseharztes mit der Pharmaindustrie und die Techniken der Quersubventionierung von Fernsehsendungen zu diskutieren. Was der «Beobachter» an den Tag brachte – immerhin einem Hause zugehörig, das ebenfalls von Presse-TV profitiert –, sollte zu einer grundsätzlichen Klärung der Fragen um Produktnennungen, Sponsoring, Medienpartnerschaften und andere Mischformen in einem winzigen und deshalb Fixkosten-anfälligen Fernsehmarkt wie der Schweiz führen.
Aus eigener Erfahrung möchte ich dazu nur zwei Aspekte beitragen: Erstens gehört es zu den journalistischen Pflichten, die kleinstmögliche Einheit genau zu benennen, das heisst also auch Produktenamen zu nennen, wenn sie für die Aussage der Geschichte wesentlich sind. (Die Alternativen wären unzählige Rückfragen und frustrierte Nutzer). Dies dann allerdings unabhängig von Produktionsbeiträgen oder Sponsoring-Zuwendungen. Zweitens erledigen sich die meisten hygienischen Probleme um «Stutz für Inhalt» durch Transparenz. Wenn klar und lückenlos benannt ist, wer eine Mediendarbietung finanziell unterstützt, kann sich der an die Wirklichkeiten des Lebens gewöhnte Nutzer seinen Reim selber machen.
Im Hintergrund der aktuellen Stutz-Diskussion steht allerdings ein Phänomen, das die meisten Ringier-Kritiker schlicht verschlafen haben. In den 70er-Jahren war es noch fast unmöglich, das Bild eines Arztes zu publizieren, der gegenüber einer Publikumszeitschrift ein (selbstverständlich sorgfältig gegengelesenes) Statement abgab: Standesregeln! Heute staune ich nicht einmal mehr, wenn ich erfahre, dass nicht nur Ärztegesellschaften, sondern sogar einzelne Praxisgemeinschaften Werbeagenturen und PR-Berater beschäftigen.
Das Gesundheitswesen und der Medienbetrieb haben voneinander gelernt. Auf beiden Seiten hat nicht nur die Einsicht, die gegenseitige Abhängigkeit betreffend, zugenommen, sondern vor allem die Kompetenz. Die meist von Amerika-Erfahrungen geprägte neue Ärzte-Generation weiss, dass sie die Leitwährung des öffentlichen Lebens, die Aufmerksamkeit, braucht, um ihre Ziele zu erreichen. Und die Medien ihrerseits haben gemerkt, dass sie ihren Aufklärungsanspruch und ihre Wächterrolle nicht mehr mit unverantwortbaren Geschichten über obskure Krebsheiler glaubwürdig aufrechterhalten können, sondern allein mit gesteigerter fachlicher Kompetenz.
Samuel Stutz ist der Erste, der mit dem Rückhalt von Ringier diese riesige publizistische Marktlücke ausgefüllt hat.
Ich habe persönliche Erfahrungen mit seiner Arbeitsweise, denn ich war zweimal als Patient in seiner Sendung und bezeuge gerne, dass ich von diesem Doktor immer gut behandelt worden bin. Ich habe Samuel Stutz als sensiblen, überaus gewissenhaften und taktvollen Profi erlebt. Jede schriftliche und mündliche Aussage war abgesprochen und gegengelesen. Es gab keine Suggestiv-Fragen und keine Überfall-Situationen. Für jedermann – Interviewpartner wie Zuschauer – war klar: Der weiss zwar mehr, aber er nimmt diesen Vorsprung zurück, weil er wirklich interessiert ist an dem, was der andere, der Betroffene, zu sagen hat. Seine Interviews sind auf Erkenntnisgewinn ausgelegt, nicht auf Konfrontation.
In unserer Medienwelt herrschen zwei journalistische Techniken vor, die mich anöden: erstens die «Schawinskisierung» – grundsätzliche Aggression an der Anstandsgrenze bei mangelhafter Vorbereitung. Zweitens die «Sommarugisierung» – Schutz des Konsumenten notfalls gegen dessen Willen durch aufsässige Ignoranz, verbunden mit der jakobinischen Forderung nach Staatskontrolle.
Damit dieser Unfug nicht stilbildend wird, braucht es unaufgeregte, kompetente Journalisten wie Samuel Stutz, die direkt fragen, aber fair. Die auf wesentlichen Antworten bestehen, diese aber nicht schon im vorneherein zu kennen glauben.
Dr. Samuel Stutz plant seine Sendungen und Publikationen mit einer Genauigkeit, die ich vorher nur bei Wysel Gyr beobachtet habe. Bei aller Geschäftstüchtigkeit weiss er offenkundig, dass er mit fragilen Gütern hantiert: mit der Verletzlichkeit kranker Menschen – und mit der eigenen Glaubwürdigkeit. Nur mit dieser Mischung aus Kompetenz und Respekt ist es möglich, über Jahre hinweg Hunderte von Menschen zu finden, die bereit sind, öffentlich über ihr Übergewicht, ihren Alkoholismus, ihren Krebs zu sprechen.
Karl Lüönd hält Samuel Stutz für gewissenhaft und taktvoll.

> Karl Lüönd ist Publizist und Leiter des Medieninstituts vom Verband

Mit der Schere gegen die Folter aufstehen

Social Advertising Publicis hilft Amnesty International mit einer Inserateserie im Kampf um Menschenrechte.

Social Advertising Publicis hilft Amnesty International mit einer Inserateserie im Kampf um Menschenrechte. Die Folterbilder aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak dokumentieren einmal mehr, dass die Menschenrechte meist nur auf dem Papier gelten – und das nicht nur in den so genannten Schurkenstaaten. In ihrem Jahresbericht 2004 bezichtigt Amnesty International (AI) 155 Länder des Verstosses gegen die Menschenrechte. Kritisiert werden darin auch die «Misshandlungen von ausländischen Personen durch die Schweizer Polizei» sowie der hiesige «übermässige Einsatz von Gewalt gegen Demonstrierende». Seit 1961 setzt sich die durch den britischen Anwalt Peter Beneson ins Leben gerufene Organisation weltweit für die Einhaltung der vor 56 Jahren gesetzlich verankerten Menschenrechte ein. Trotz erfolgreichem Engagement zieht AI im aktuellen Jahresbericht eine niederschmetternde Bilanz: «Auf internationaler Ebene sind die Menschenrechte und das Völkerrecht seit mehr als einem Jahrhundert nie mehr derart missachtet worden, wie im vergangenen Jahr.»Kampf um SpendengelderDie finanziellen Mittel für ihr Engagement bezieht AI hauptsächlich aus Zuwendungen von Mitgliedern und Spendern. Diese Gelder stellten 2003 bei der Schweizer Sektion 76 Prozent oder rund sieben Millionen Franken aller Erträge.
Mit vielen weiteren Organisationen buhlt AI Schweiz um Anteile des schrumpfenden Spendenvolumens. Kreative Unterstützung dabei hat die in den 70er-Jahren gegründete Schweizer Sektion von der Zürcher Agentur Publicis erhalten. Im vergangenen Dezember hat das Team um CD Markus Gut mit schockierenden Spots und einer U-Boot-Anzeige auf die Missstände in der Einhaltung der Menschenrechte aufmerksam gemacht.
Unter dem Motto «Holen Sie ihn da raus», starten AI Schweiz und Publicis in diesem Monat erneut eine Inserateserie. Die Sujets zeigen Folterszenen und Misshandlungen, wobei das Opfer stets mit einer gestrichelten Linie umrahmt ist, die ein Adressfeld einschliesst. Dazu Gut: «Die Opfer aus den Händen ihrer Peiniger zu befreien, ist durch das Ausschneiden des Coupons eine Sache von Sekunden». Da dies in Wirklichkeit länger braucht, wird, wer den Talon an AI Schweiz einsendet, Mitglied und unterstützt die Organisation jährlich mit 75 Franken.
Etwa 30 Prozent dieses Betrages werden gemäss Angaben von AI Schweiz in Öffentlichkeitsarbeit investiert. Darunter fällt auch eine Aktion, die kürzlich lanciert wurde: Basierend auf dem letztjährigen Inseratesujet, das einen Folterkeller symbolisiert, werden Karten mit der Aufschrift «Stopp der Folter durch die Besatzungstruppen im Irak!» verteilt. Die Flyer sind an die amerikanische Botschafterin in der Schweiz adressiert und verlangen eine sofortige Untersuchung aller Foltervorwürfe. Beim Sujet handelt es sich sinnigerweise um das Pressebild eines irakischen Gerichtssaals, dessen ursprünglich exemplarischer Zweck damit einen konkreten Bezug erhält.
Aktiv werden: AI-Plakate animieren zur Mitgliedschaft.

Simone Keller

Cinecom stellt saisonale Kinoprognosen

Mediaplanung Cinecom lanciert ein Prognose- und Postcontrol-Tool, das erstmals präzise Aussagen zur Besuchersituation in den Schweizer Kinos ermöglicht.

Mediaplanung Cinecom lanciert ein Prognose- und Postcontrol-Tool, das erstmals präzise Aussagen zur Besuchersituation in den Schweizer Kinos ermöglicht.Der «Cinema-Admission-Monitor» (CAM) basiert auf den Zahlen der Mach Basic und einem pro Woche errechneten Zuschauerdurchschnitt der vergangenen drei Jahre, der aus den Meldungen der Kinobetreiber errechnet wird. Damit werden erstmals die saisonalen Unterschiede berücksichtigt.

cR Kommunikation berät Parship.ch

Datingplattformen cR Kommunikation hat Parship.ch als neuen Kunden gewonnen. Sie berät die Online-Partneragentur in allen Belangen der Medienarbeit.

Datingplattformen cR Kommunikation hat Parship.ch als neuen Kunden gewonnen. Sie berät die Online-Partneragentur in allen Belangen der Medienarbeit.Der Schwerpunkt liege darin, die Seriosität und Professionalität von Parship.ch zu kommunizieren und sie gegenüber anderen Flirting- und Datingplattformen sowie Kontaktanzeigenmärkten im Internet abzugrenzen.

Schon radikal genug?

Daniel Schifferle über die Lust der Verlage, ihre Zeitungen neu zu erfinden.

Daniel Schifferle über die Lust der Verlage, ihre Zeitungen neu zu erfinden.
Das schönste Kompliment bekommt das Neukonzept der Basler Zeitung (BaZ) vom Regierungsrat ihres Stadtkantons. Aber nicht, weil er des Lobes voll wäre über den mutigen Relaunch (siehe Seite 14). Nein, die Behörden haben den Zeitungsmachern ihre Besorgnis kundgetan bezüglich des schärferen Kurses, den das bislang brave Blatt ab dem 4. September fahren wird. Die BaZ will weg vom Verlautbarungsjournalismus und unterstreicht dies mit der Installierung eines Rechercheteams, das künftig auf Samthandschuhe verzichten soll. Dass die Regierung dies als Bedrohung empfindet, ist nur eine Bestätigung für die seriöse Art, mit der die Basler Mediengruppe den Relaunch angepackt hat.
Einen vergleichbar kompromisslosen Weg haben auch andere Schweizer Printmedien mit Neukonzepten bereits eingeschlagen. Diese Woche der Blick, nur kurze Zeit vorher die Berner Zeitung sowie – ebenfalls in diesem Frühjahr – die Aargauer Zeitung und Facts. Auch sie gehen weit über das hinaus, was Printmedien bis dato unter einem Relaunch verstanden hatten. Mutigere und kreativere Zeitungen, aber vor allem nutzergerechtere Blätter wachsen heran.
Mit diesen lobenswerten Schritten ist aber die dringend nötige Suche nach der Zeitung, welche den Bedürfnissen und Lesegewohnheiten der heutigen Mediennutzer besser gerecht wird, nicht abgeschlossen. Der Tages-Anzeiger, dessen jüngster Relaunch erst zweieinhalb Monate zurückliegt, hat bereits die nächste und noch radikalere Runde eingeläutet. Schon 2005, wenn die neuen Druckmaschinen durchgehenden Vierfarbendruck ermöglichen, will er sein Publikum damit überraschen.
Dabei geht es um viel mehr als nur um eine weitere optische Aufwertung. Der Tages-Anzeiger macht sich daran, die Zeitung neu zu erfinden. Inhalte kommen grundsätzlich auf den Prüfstand. Radikal neues Denken wird von den unorthodox zusammengesetzten Konzeptgruppen verlangt. Es geht um die Frage, für welche Art von Zeitung das Publikum in der Zukunft noch bereit sein wird zu bezahlen. Wir warten mit Hochspannung auf die neuen Ideen.
> Daniel Schifferle, Ressorleiter Media & Medien

An der Realität vorbei

Gastkommentar Urs Renner über die Vorstellungen des Nationalrates, mit dem RTVG Minderjährige vor gezielter Werbung zu schützen: «Untauglich», lautet sein Verdikt.

Gastkommentar Urs Renner über die Vorstellungen des Nationalrates, mit dem RTVG Minderjährige vor gezielter Werbung zu schützen: «Untauglich», lautet sein Verdikt. Der Nationalrat hat bei der Behandlung des RTVG einige problematische Beschlüsse gefasst, die auf der einen Seite in klarem Widerspruch zu den europäischen Werberegelungen (EÜGF) stehen und auf der anderen in der Praxis nicht umsetzbar sind. Besonders krass wird dies beim Schutz von Minderjährigen sichtbar. Der durch den Nationalrat neu formulierte Artikel 15 heisst jetzt: «Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring, die sich an Minderjährige richten, sind verboten.» Diese Formulierung erscheint auf den ersten Blick einfach. Einfach heisst aber noch lange nicht klar. Denn die Umsetzung dieses Artikels in eine entsprechende Verordnung ist praktisch unmöglich. Die Hauptfrage lässt der Gesetzesartikel offen: Welches sind die Kriterien, die festlegen, ob sich eine Werbung, eine Verkaufsförderung oder ein Sponsoring an Minderjährige richtet?Gibt die beworbene Ware oder Dienstleistung den Ausschlag? In diesem Fall führt diese Formulierung zu einem faktischen Verbot für die Bewerbung von Produkten, die sowohl von Minderjährigen als auch von Erwachsenen genutzt werden. Dazu gehören zum Beispiel praktisch alle Lebensmittel, der öffentliche Verkehr, Fahrräder, Motorfahrräder und noch viele andere Produkte und Dienstleistungen. Es dürfte wohl kaum in der Absicht des Nationalrates liegen, in Radio und Fernsehen alle Werbung dafür zu verbieten.
In den Köpfen der Damen und Herren Parlamentarier dürfte vermutlich eher die inhaltliche Gestaltung eines Spots herumgegeistert sein. In diesem Fall müsste eine Expertenkommission im Stil einer Zensurbehörde gegründet werden, die jeden Spot, jede Verkaufsförderung und jedes Sponsoring vor der Ausstrahlung dahingehend beurteilt, ob sie sich an Minderjährige richtet. Ein Minenfeld für alle Beteiligten und vor allem ein unbezahlbarer Aufwand.
Man könnte sich auch auf den Standpunkt stellen, dass das Publikum des Senders massgebend ist, in dem der Spot ausgestrahlt wird. Allerdings ergeben sich daraus auch wieder mehr Fragen als Antworten: Ab welchem Prozentanteil Zuschauer unter 18 Jahren richtet sich eine Sendung oder ein Programm an Minderjährige? Gibt das Publikum der Sendung vor oder nach der Ausstrahlung der Werbung den Ausschlag? Oder geht es um das Zielpublikum, das durch ein Programm angesprochen wird? In diesem Fall wäre es ein Unsinn, jetzt noch eine Konzession für ein Zürcher Jugendradio zu vergeben. Denn dieses liesse sich nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes schlicht nicht mehr finanzieren. Ausserdem würde dieser Ansatz zu einer krassen Diskriminierung bestimmter Programme führen.
Klar ist eigentlich nur etwas: Der einfach formulierte Artikel ist in der Praxis nicht umsetzbar. Die Interessengemeinschaft elektronische Medien IGEM hat den Mitgliedern der Ständeratskommission deshalb vorgeschlagen, den Schutz der Minderjährigen im Einklang mit den europäischen Vorschriften im EÜGF zu regeln. Denn auch die Schweizer Kinder konsumieren tagtäglich ausländische Programme – und zwar inklusive Werbung.
> Urs Renner, Mediaedge:cia, Präsident der Interessengemeinschaft Elektronische Medien IGEM.

Rückendeckung für Strassenverkäufer

Social Marketing

Social MarketingDas Strassenmagazin Surprise bietet seit 1997 Arbeitsplätze für Ausgesteuerte, Working Poor, Suchtkranke oder andere Menschen, die sich ihren Wiedereinstieg in die Gesellschaft selbst erarbeiten wollen. Rund 200 Strassenverkäufer bringen heute eine Auflage von 27000 Heften unters Volk. Damit dieser Erfolg weiter anhalten kann, hat jetzt die Agentur Publicis eine Kampagne für Surprise realisiert. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, sondern «mit Selbstbewusstsein und Respekt, um den Surprise-Mitarbeitern gerecht zu werden», ist eine Anzeigen- und Plakatkampagne entstanden, die durch ihre Idee genauso überrascht wie durch ihre visuelle Umsetzung. Zu sehen sind im Stil der Strasse typografierte Stellenanzeigen, in welchen Leute gesucht werden, die bei keinem Unternehmen eine Chance bekommen – ausser bei Surprise. So wird nicht nur das Projekt Strassenmagazin präzise auf den Punkt gebracht. Es wird auch eindrücklich deutlich, wen man da jeden Tag auf der Strasse arbeiten sieht und direkt unterstützen kann.
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