Neues Wachstum nach Kahlschlag

Konzernzahlen Ein harter Sparkurs hat Tamedia in die schwarze Zahlen zurückgeführt. Doch die Sorgen sind noch nicht vergessen.

Konzernzahlen Ein harter Sparkurs hat Tamedia in die schwarze Zahlen zurückgeführt. Doch die Sorgen sind noch nicht vergessen.Es grünt im Garten von Tamedia. Nach dem viel geschmähten «Kallschlag», den rigorosen Sparmassnahmen von Konzernchef Martin Kall, wachsen die Gewinne wieder. Das Zürcher Medienhaus weist für das erste Halbjahr 2004 ein Konzernergebnis von 18 Millionen Franken aus. Im Vorjahr sind 3,8 Millionen Verlust angefallen. Die schwarzen Zahlen verdanken sich weitgehend den Restrukturierungen. Weiter sinkende Umsätze konnten durch den verringerten
Betriebsaufwand kompensiert werden. Dies gilt vor allem für das klassische Printgeschäft. Die Zeitungen büssten zwar 4,1 Millionen Franken ein, sparten aber zugleich 20,4 Millionen Franken. Bei den Zeitschriften stehen 4,9 Millionen fehlende Einnahmen um 19,3 Millionen reduzierte Ausgaben gegenüber. So konnte der Zeitungsbereich sein
Betriebsergebnis fast vervierfachen (von 6,1 Millionen auf 23,1 Millionen Franken). Die Zeitschriften, die im Vorjahr mit 11,1 Millionen Franken in den roten Zahlen standen, erzielten 3,5 Millionen Gewinn.
Ein einziger Tamedia-Titel schaffte es, seinen Umsatz zu steigern: Die Schweizer Familie verbuchte mit 18,5 Millionen Franken 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Erstaunlich solid zeigt sich auch der Tages-Anzeiger. Der Rückgang von 1,8 Prozent auf 108,6 Millionen Franken nimmt sich gering aus gegenüber dem Einbruch der Anzeigenvolumen um
10 Prozent, den die Inseratestatistik der Schweizer Presse für die zehn grossen Deutschschweizer Tageszeitungen ausweist. Zu viel Optimismus lässt Anzeigenleiter Fridolin Holdener aber nicht aufkommen: Dem Tagi gehe es «ein bisschen besser» als anderen Blättern, weil er am ehesten auch in den Genuss von Kampagnen komme, die sich sonst auf Wochentitel beschränken, erklärt er. Tageszeitungen blieben aber ein schwieriges Pflaster.
Elektronische Medien legen zuBesonders harten Boden beackert nach wie vor das Newsmagazin Facts. Es hat weitere 22 Prozent Umsatz eingebüsst und noch 11,3 Millionen Franken eingenommen. Im Jahresabschluss 2003 wies Facts bereits einen Rückgang von 18 Prozent aus. Der Relaunch von Anfang April scheint auf dem Werbemarkt bisher wenig Wirkung zu zeigen.
Erfreuliche Tendenzen zeigen dagegen die elektronischen Medien. Sie schreiben zum ersten Mal ein positives Betriebsergebnis vor Abschreibungen (200000 Franken). Nach Abschreibungen bleibt ein Minus von 3,8 Millionen. Als einziger Konzernbereich verzeichnen die elektronischen Medien steigende Umsätze, um 6,2 Prozent auf 25,3 Millionen. Mit 5,5 Prozent weniger Aufwand wurde hier zugleich am wenigsten gespart. Mehr Geld in die Kassen brachten vor allem die Belcom-Sender Radio 24 und TeleZüri. Ihr Umsatz wuchs um über einen Fünftel auf 13,3 Millionen Franken. Einen Rekordzuwachs von 71 Prozent oder 1,8 Millionen Franken melden die Online-Aktivitäten. Radio Basilisk verdiente dagegen 7,5 Prozent weniger. Die Produktionsfirma Condor Communications büsste wegen mangelnder Grossaufträge aus dem Unterhaltungsbereich 2,2 Millionen – einen Drittel des Umsatzes – ein.
Keine Verbesserung der Geschäftszahlen trotz Restrukturierung zeigt der Bereich Services mit Druck und Vertrieb. Der Umsatz (inklusive Eigenaufträge) ging um 20,6 Millionen auf 101,2 Millionen Franken zurück. Der Aufwand konnte derweil nur um 18,7 Millionen gesenkt werden, so dass dem letztjährigen Gewinn (1,4 Millionen) im 1. Halbjahr 2004 ein
Verlust von 800000 Franken gegenübersteht. Vor Abschreibungen (Ebitda) meldet der Bereich immerhin schwarze Zahlen. Damit kann Tamedia zum ersten Mal in allen vier Bereichen ein positives Ebitda ausweisen.
An der Börse liess diese frohe Botschaft allerdings keine Fantasien keimen. Der Kurs der Tamedia-Aktie ist seit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen um rund 4 Prozent gesunken.
Stefano Monachesi

Catsky wirbt weltweit für Unaxis

Chips Die Zürcher Werbeagentur Catsky & Partner hat den Technologiekonzern Unaxis als neuen Kunden gewonnen.

Chips Die Zürcher Werbeagentur Catsky & Partner hat den Technologiekonzern Unaxis als neuen Kunden gewonnen.Sie setzte sich laut einer Mitteilung in einer Konkurrenzpräsentation gegen die bisherige Etathalterin durch. Inhalt der Präsentation waren Strategie und Kreation für eine internationale Fachkampagne über Chipherstellung, die nächstes Jahr in Europa, Asien und den USA eingesetzt wird. Unaxis beschäftigt weltweit über 6500 Mitarbeitende. Das früher als Oerlikon-Bührle bekannte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Pfäffikon SZ.

New kids on the block

Pierre C. Meier über neue Mitspieler im überreglementierten TV-Markt.

Pierre C. Meier über neue Mitspieler im überreglementierten TV-Markt.Das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG), das im Frühjahr in einer Monsterdebatte durch den Nationalrat gepaukt wurde, schont die SRG. Eine Mehrheit der Politiker will keine starke Konkurrenz zur SRG. So betreibt man Kosmetik, lockert Werberichtlinien und stellt den lokalen Fernsehveranstaltern gnädigst Gelder aus dem Gebührentopf in Aussicht. Niemand ist so ganz zufrieden, der Protest hält sich aber in Grenzen. Ein guteidgenössischer Kompromiss halt: Die bestehenden Marktpartner haben sich geeinigt. Auch der neuste Vorschlag eines Bildungsfernsehens, der vom Präsidenten der Konferenz der Erziehungsdirektoren unterstützt wird, ist problemlos mehrheitsfähig. Dieser wurde bereits der ständerätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) unterbreitet und soll in der laufenden RTVG-Beratung berücksichtigt werden. Finanziert werden soll das Projekt laut SonntagsZeitung durch Werbung einerseits, aber auch durch mindestens ein Prozent der SRG-Gebührengelder. Diese dreizehn Millionen Franken täten der SRG nicht wirklich weh, auch wenn Armin Walpen das Begehren als «Zweckentfremdung» seiner Mittel bezeichnet. Ein neuer alter Marktpartner mehr, mit dem man sich einigen kann.
Nun aber mischen neue Mitspieler das Feld der elektronischen Medien auf und stören die Ruhe. Triple Play (Sprache, Daten und bewegte Bilder über einen Kanal) heisst das Stichwort. Den Startschuss gab die Cablecom mit ihrem Einstieg ins Telefongeschäft. Im Gegenzug will die Swisscom mittels ihrer Internet-Tochter Bluewin im Fernsehgeschäft mitmischen. Swisscom-CEO Jens Alder träumt von 400 Kanälen und von einer mobilen Fernsehnutzung. So ist es nur logisch, dass Cablecom ihren Servicekanal zu einem eigentlichen Programm ausbauen will und ein entsprechendes Gesuch um Konzessionserweiterung eingereicht hat (siehe auch Seite 16).
Das neue RTVG überreglementiert die elektronischen Medien,
ausgehend von den heutigen technischen Gegebenheiten. Es berücksichtigt aber in keiner Weise, was in naher Zukunft machbar sein wird.
> Pierre C. Meier, Chefredaktor

Einfach anders normal

Sexualität Die Luzerner Jugendgruppe Whynot will jugendliche Schwule und Lesben zum Coming-out ermuntern. Publicis hilft dabei kreativ mit.

Sexualität Die Luzerner Jugendgruppe Whynot will jugendliche Schwule und Lesben zum Coming-out ermuntern. Publicis hilft dabei kreativ mit.Auch wenn die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben gestiegen ist, werden gleichgeschlechtliche Beziehungen längst nicht überall akzeptiert. Entsprechend scheuen sich viele, ihre Neigung zu offenbaren.Da das Coming-out ein wichtiger Schritt ist, haben es die Verantwortlichen von Whynot dieses Jahr zum Kampagnenthema gewählt. Die Luzerner Jugendgruppe ist Anlaufstelle für 16- bis 25-jährige Homosexuelle, die den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten suchen. Wie schon in der Vergangenheit hat die Zürcher Agentur Publicis Whynot kreativ unter die Arme gegriffen und fünf Plakatsujets konzipiert. Diese porträtieren jugendliche Schwule und Lesben, die ähnlich wie Schildkröten ihre Extremitäten aus dem schützenden Panzer beziehungsweise ihrem Rumpf strecken, um zu ihren Gefühlen zu stehen.
Für Whynot-Auftritte hat Publicis vor fünf Jahren sogar Schweizer Ex-Missen eingespannt – damals richtete sich die Luzerner Jugendgruppe noch ausschliesslich an Schwule.
Schützender Panzer: Das Coming-out ist eine heikle Angelegenheit.
Simone Keller

Kölliker vor dem Ausstieg

Vermarkter Die Zürcher Radiovermarkterin Spot Promotion AG wird ihre Tätigkeit in der bisherigen Art per Ende Jahr beenden. Dies sagte Alleininhaber Hansruedi Kölliker auf Anfrage. Er wolle sich neu orientieren, erklärte er.

Vermarkter Die Zürcher Radiovermarkterin Spot Promotion AG wird ihre Tätigkeit in der bisherigen Art per Ende Jahr beenden. Dies sagte Alleininhaber Hansruedi Kölliker auf Anfrage. Er wolle sich neu orientieren, erklärte er.Was mit der Firma selbst geschehen wird, sei derzeit noch offen, sagte der langjährige Branchenkenner weiter. Möglich sei sowohl ein Verkauf als auch eine Weiterführung, Letzteres allerdings nur mit einer neuer Philosophie und Ausrichtung.Kölliker, der vor zwei Wochen gegenüber der Werbewoche «lose, jedoch länger zurückliegende Kontakte» zu der am Radiomarkt interessierten PubliGroupe bestätigt hatte, liess jetzt offen, ob sich diese Kontakte unterdessen vertieft haben. Damals hatte er gesagt, er schliesse eine Kooperation oder ein Joint Venture mit der PubliGroupe nicht ganz aus.
(mk)

Poleposition beim Run auf Zapper

Privatfernsehen Cablecom hat beim Bakom ein Konzessionsgesuch für einen eigenen TV-Sender eingereicht.

Privatfernsehen Cablecom hat beim Bakom ein Konzessionsgesuch für einen eigenen TV-Sender eingereicht.Der Kabelnetzbetreiber will in Zukunft selber Fernsehen machen. Die Cablecom GmbH hat am 14. Juli ein Konzessionsgesuch für ein sprachregionales TV-Programm ein-gereicht. Es geht dabei «um den Ausbau des eigenen Infokanals mit Beiträgen, die im Rahmen der Weiterverbreitungskonzession nicht mehr abgedeckt sind und eine TV-Konzession voraussetzen», schreibt das Bakom in einem Rundbrief zur Anhörung des neuen Gesuchs.Die neue Konzession soll für einen «sprachregionalen Informationskanal» genutzt werden können. Im Konzept der Cablecom ist dabei zu lesen, dass der Kabelnetzbetreiber auf seinem bisherigen Infokanal nicht mehr nur Cablecom relevante Hinweise wie bisher, sondern auch weiterführende Themen zu Gesellschaft, Tourismus, Wetter, Freizeit und Sport verbreiten darf. Der heisse Nebensatz dabei lautet: «Es soll die Möglichkeit bestehen, gesponserte und werbeunterstützte Inhalte verbreiten zu können.»
Mit anderen Worten: Die Cablecom will nicht mehr nur die Programme der anderen verbreiten, sondern selber aktiv in den TV-Markt einsteigen. Was die Konkurrenz dabei beunruhigt, ist natürlich die Poleposition des Netzbetreibers beim Rennen um die Gunst der Zapper.
Kanal 3 oder 30
Bisher war der Infokanal weit hinten unter «ferner liefen» programmiert. Wird der neu aufgewertete Kanal jetzt nach vorne eingewechselt? Welchen der kleineren Privatsender wird er von dort verdrängen? Beunruhigt zeigt sich zum Beispiel Dominik Kaiser, Präsident des Verwaltungsrates von Elevator TV. Dieses Unternehmen hat beim Bakom ein Konzessionsgesuch für die Veranstaltung eines sprachregionalen Jugendfernsehprogramms hängig. Die Cablecom verweigert bisher – wie auch in anderen Fällen von privaten Veranstaltern – die Verbreitung über ihr Kabelnetz und macht geltend, dieses verfüge über keinen Platz für die analoge Verbreitung weiterer Fernsehprogramme.
Wenig glücklich über das Konzessionsgesuch der Cablecom ist auch Paul Grau. Sein Star TV profitiert mit deutlich besseren Zuschauerwerten, seit es den bisherigen Programmplatz von TV 3 in den vordersten Rängen der Zappskala beerben konnte. Wird das so bleiben?
Keine leichte Aufgabe bildet die Anhörung des Bakom für Walter Bosch. Der umtriebige Unternehmer und Medienmann ist nämlich gleichzeitig Verwaltungsrat und Teilhaber bei Star TV sowie im Verwaltungsrat der Cablecom. Gemäss RTVG kann die Konzession für ein TV-Programm nur an
Bewerber mit Sitz in der Schweiz erteilt werden. Die Gesellschafterin der Cablecom GmbH ist die Cablecom Luxembourg mit Sitz in Luxembourg.
Dieses Unternehmen seinerseits hat die CCom Holdings in Gibraltar zur Gesellschafterin, die wiederum eine Tochtergesellschaft der Cablecom Holdings AG ist. Der neue Konzessionssteller ist demnach «schweizerisch beherrscht», wie die Cablecom in ihrem Gesuch geltend macht. Gemäss anderer Sichtweise haben bei der Cablecom U.S.-Investoren das Sagen.
Erste Programmvorschau
Das Zuschauerpotenzial des neuen Senders wird auf 1,1 Millionen
Franken geschätzt. Die geplanten neuen Inhalte sind zum Beispiel Tourismusinformationen mit bezahlten Präsentationen von Ausflugszielen, Hotels und «Sonderangeboten». Über eine «Partnerschaft mit Veranstaltern» können Konzerthinweise platziert werden. Am interessantesten – weil inhaltlich völlig offen – steht im Gesuch, dass der neue Sender Kooperationen mit Programmanbietern eingehen kann und damit auch «neue TV-Formate» anbieten will.
Das Programm wird aufgeschlüsselt in 70 Prozent Informationen, davon sind 60 Prozent Eigenleistung und 10 Prozent Kultur. Sie sollen mit 30 Prozent Eigenleistung bewältigt werden. Für die Unterhaltung sind 20 Prozent des Programms mit 10 Prozent Eigenleistung eingeplant.
Die Stellungnahmen in der Anhörung zum TV-Konzessionsgesuch der Cablecom muss bis zum 3. September 2004 an das Bakom zurückgeschickt werden.
Swisscom goes TVUnter dem Motto «What TV can be» steigt auch die Swisscom-Tochter Bluewin ins Fernsehbusiness ein und wird so – wie Cablecom – zur Mitspielerin im digitalen «Triple Play» (Telefon, Internet und TV über denselben Kanal und Anbieter). Dies jedoch nicht als zusätzliche Programmanbieterin, sondern als reiner «TV-Content-Aggregator» und «Video-Service-Provider». In einem von September bis Dezember 2004 dauernden Marktversuch testet «Bluewin TV» dazu als weltweit erster Internet-Provider das Potenzial der von Microsoft entwickelten «Internet Protocol Television Technology» (IPTV).
Den 630 repräsentativ ausgewählten Teilnehmern bringt «Bluewin TV» via Telefonkabel in diesem ersten Schritt neben den 4 SRG-Sendern, 21 weiteren Free-TV-Stationen sowie 5 Pay-TV-Anbietern auch Video on demand ins Haus. Die dazu nötige Settopbox bietet neben einem Electronic Program Guide (EPG) auch die Möglichkeit, per «Live Pause»-Taste Werbeblöcke zu überspringen. Diese Funktion sei bei den Sendern «weniger auf Ablehnung als auf Neugier gestossen», so Projektleiter Michael Zumsteg. Denn umgekehrt eröffne IPTV völlig neue Wege für «die interaktive, punktgenaue und entsprechend effiziente TV-Werbung der Zukunft». (oc)
Cablecom will nicht mehr nur die Programme der anderen verbreiten, sondern selber aktiv TV machen.
Auch Bluewin will im TV-Business mitmischen.
«Beide bleiben Distributeure»Triple Play Medienberater Andreas Hürlimann* über die Motivationen und Optionen von Swisscom und Cablecom.
WW Herr Hürlimann, handelt es sich beim Kopf-an-Kopf-Rennen im TV-Geschäft zwischen Cablecom und Swisscom um einen reinen
Infrastruktur-Wettbewerb?
Andreas Hürlimann Dem ist so. Dass derzeit in der Öffentlichkeit ein anderer Eindruck entstehen kann, liegt daran, dass die Schweiz mit ihrer sehr hohen Breitband-Durchdringungsrate von über 20 Prozent ein idealer Testmarkt für Triple Player ist, die Telefonie, Internet und TV aus einer Hand anbieten. Begünstigend wirkt auch das europaweit tiefste Preisniveau für Breitband-Internet-Anschlüsse. Selbst wenn Cablecom Schritte in Richtung eigenes Programm plant und Swisscom mit The 13th Street, SciFi und National Geographic erste Broadcast-Rechte erworben hat: Beide Unternehmen bleiben letztlich Distributeure.
Die bestehenden Schweizer TV-Marktteilnehmer brauchen also keine neue Konkurrenz zu fürchten.
Jeder Infrastruktur-Betreiber hegt Wunschvorstellungen, eines fernen Tages auch mit eigenen Inhalten und Programmen Geld zu verdienen. Die Wirklichkeit bestimmen aber die Rechteinhaber in Hollywood, München und anderswo. Und die wollen die Übertragung ihrer Premium-Inhalte unter Kontrolle behalten. Der kleine Schweizer Markt lässt allenfalls zwei, drei Nischenansätze zu, mehr nicht.
Wenn nicht um Rentabilität, worum geht es für Swisscom und Cablecom beim Triple Play dann? Um Prestige oder Kundenbindung?Das mag beides eine gewisse Rolle spielen. Wichtiger ist aber, dass Swisscom in ihrem Heimmarkt einzig durch solche Geschäftsfelderweiterungen noch zulegen könnte. Und Cablecoms Eintritt in den hier zu Lande relativ hochpreisigen Telefoniemarkt hängt sicher mit den Wachstumserwartungen der Investoren zusammen.
Welche Erwartungen darf die Werbewirtschaft an die neuen Mitspieler und ihre Produkte haben?Für Auftraggeber und deren Agenturen sind digitale Innovationen wie zeitversetztes Fernsehen und Personal Video Recording ein äusserst zweischneidiges Schwert. Die neue Technologie ermöglicht nämlich nicht nur das Ausblenden von Unterbrecher- und Scharnierwerbeblocks, sondern auch interaktive Werbeformen und genaue Zielgruppenkommunikation. Denn rein technisch könnte der Konsument per IPTV nicht nur seine Programme, sondern auch Produktinteressen selektionieren. Ob die Schweizer Werbewirtschaft diese neuen Dienste deshalb unterstützt oder aber Kannibalisierungsängste die Oberhand behalten, bleibt abzuwarten.
Sicher scheint hingegen, dass die hängige RTVG-Revision dieser Entwicklung bereits heute meilenweit hinterherhinkt.
Völlig richtig. Meines Erachtens bräuchten wir statt dieses Flickwerks erstens ein nüchternes Infrastrukturgesetz – im Sinne einer Erweiterung vom Fernmeldegesetz in alle relevanten Bereiche – und zweitens ein allgemeines Mediengesetz mit separatem SRG-Anhang. Alles andere läuft an den technologischen Entwicklungen und am Markt vorbei. Interview: Oliver Classen
*Andreas Hürlimann ist Partner und Global Head of Telecommunications, IT and Media bei Arthur D. Little in Zürich.
Andreas Panzeri

Best of Print Advertising

Marktforschung Coop, Globus und Helvetia Patria schalteten im zweiten Quartal dieses Jahres die beliebtesten Anzeigen in den Schweizer Medien.

Marktforschung Coop, Globus und Helvetia Patria schalteten im zweiten Quartal dieses Jahres die beliebtesten Anzeigen in den Schweizer Medien.
Best of SouthwestAffinität der Anzeigen bei den Supportern in der «bürgerlichen Ecke»
Gold (167) Emmi Caffè latte (Schmid Riedmann & Partner)
Silber (161)McDonald’s Das neue Happy Meal (Heye, Zürich)
Bronze (156) Raiffeisen Member Plus (Pucci Sulzer)
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der Werbewoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der Resultate aus dem Advertising-Index (AX-Print). Dieser Index (siehe unten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigen. In den Kästen links und rechts befinden sich Anzeigen, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top Three» gezeigt.

(ww)

Last Call for Edi

Auftragsfilm Der Countdown läuft: Am 28. August ist Einsendeschluss für den Edi-Wettbewerb der besten Spots, Corporate-Filme und Videoclips. Neu wird neben den bisherigen Kategorien auch der Gesamteindruck beurteilt und prämiert.

Auftragsfilm Der Countdown läuft: Am 28. August ist Einsendeschluss für den Edi-Wettbewerb der besten Spots, Corporate-Filme und Videoclips. Neu wird neben den bisherigen Kategorien auch der Gesamteindruck beurteilt und prämiert.Auftragsfilm Der Countdown läuft: Am 28. August ist Einsendeschluss für den Edi-Wettbewerb der besten Spots, Corporate-Filme und Videoclips. Neu wird neben den bisherigen Kategorien auch der Gesamteindruck beurteilt und prämiert. Die Preisverleihung am 15. November findet im exklusiven Ambiente des Schauspielhauses am Pfauen statt. Infos und Anmeldeformulare unter www.edinet.ch.

Bindfäden am Sommerfest

Manche Veranstalter von Werberpartys haben mehr, andere etwas weniger Glück.

Manche Veranstalter von Werberpartys haben mehr, andere etwas weniger Glück.Zu Letzteren zählt der Jean Frey Verlag mit der zweiten Auflage des JF-Sommerfests, bei dem es pünktlich auf den Start begann, Bindfäden zu regnen. Nomen war leider nicht gleich Omen.Nichtsdestotrotz fanden sich eine ganze Menge Leute im Innenhof der Bilanz-, Weltwoche-, Beobachter- und TR7-Herausgeberin ein. Wie man noch vom letzten Jahr weiss, werden dort nämlich vorsorglich Zelte aufgestellt, damit die Party nicht ins Wasser fallen kann. Und da die Sommerpause erst seit kurzem vorbei ist, hatten sich die Leute auch einiges zu erzählen.
Von Mediaxis-Inhaber Peter Hofstetter hiess es, er sei unter die Bierlieferanten gegangen. Mit seiner Pferdekarre hatte er es nämlich beinahe geschafft, den Belagerungsring ums Gotthelf-Haus von SF DRS zu durchbrechen. Die Bieridee zur Lancierung des neuesten Feldschlösschen-Hopfensafts hat übrigens ein ziemliches Medienecho ausgelöst.
Die Party war eigentlich auch so etwas wie der erste offizielle Auftritt von Sandra Geiger und Roger Knabenhans für die Jean Frey AG. Geiger wird demnächst die Verlagsleitung der Bilanz übernehmen und Knabenhans die Geschäftsführung von TR7. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahm dies wiederum Sandro Rüegger zur Kenntnis. Einerseits freut er sich auf seine neue Aufgabe als Zeitschriften-Anzeigenchef der Tamedia, andererseits fällt ihm der Abschied von seinem bisherigen Team auch nicht gerade leicht. Was sich dadurch erahnen lässt, dass Rüegger die Stellung bei TR7 fast bis zum letzten Tag vor seinem Stellenwechsel halten wird.
Beat Fritschgenoss letzte Woche ein Erholungsprogramm. Mit dem Sommerfest im Innenhof der Jean Frey AG stand nur ein Anlass auf dem Programm. Allerdings kann auch ein einzelner Event am nächsten Tag zu einem schweren Kopf führen, vor allem wenn die Bar so gut bestückt ist wie an der Förrlibuckstrasse.
Farbenprächtige Drinks setzten trotz Regen sommerliche Akzente.
Neu im Hause Frey I: Daniel Strobel und René Hildbrand stellten sich zu Roger Knabenhans (v. l.), künftiger Geschäftsführer des TR7.
Neu im Hause Frey II: Sandra Geiger, mit René Lüchinger und Michael Ebnöther (r.), wird bald die Geschicke der Bilanz in die Hand nehmen.

Budgetträume? Othmar Geeser (l.) und Lukas Roos (r.) von der Werbeagentur Festland mit Jean-Frey-CEO Filippo Leutenegger.

Sabrina Arthur, Pascale Baumann, Ivana D’Addario und Sacha Baer (v. l.): Leider fehlt Thomas Enderling auf diesem Foto.

Kommunikationsfrauen unter sich: Nathalie Ziswiler von 4B-Fenster, Jasna Smojvir, Sulzer Sutter, und Tanya Barlogis (v. l.), KSSJ.

Neue Berufung gefunden: Bierlieferant Peter Hofstetter mit Partnerin Cornelia Kristoffy (l.), Sonja Eberhard und Susann Rickenbacher (r.).

Trotz Regen das Sommerfest geniessen, war die Devise von Sonja Hürlimann (l.), Euro RSCG und Tina Näf, Head of TV bei Aegis Media.

Philippe Meyer (l.), Senior Account Director bei Publicis, mit den Mediaspezialisten Jenni Best und Werni Baumann.

Von Sunny und Martin K. Parsons von Hyundai erhielt der Shortlistautor eine kleine Nachhilfe in koreanischer Zeichensprache.

Referate für Mediaforschungstag schon geschrieben: René Schmutz (l.) und Harald Amschler (r.), Wemf, mit Marco Peng, Data-Science.

Haben Licht und Raum im Griff: Christian Burtolf, Oliver Königs und Thomas Mika (v. l.) vom Lichtplanungsunternehmen Reflexion.

Plakatierer und Werber: Jürg Knecht (l.) von City-Lights und Beat Stähli (r.) von Clear Channel Plakanda mit Peter Lesch, Lesch + Frei.

Hat momentan einiges zu erzählen: Michela Krouzel von Cinecom, eben zurück von einem Ecuador-Trip, traf Autor Darko Milenkovic.

Sonnige Stimmung trotz Regenwetter bei PKZ-Werbeleiterin Caroline Rösli (l.), Golf-Fan Dany Kielholz, Exxtra, und Liane Gebert.

Und tschüss: Der letzte offizielle Auftritt von TR7-Geschäftsführer Sandro Rüegger (mit Francine Bruni) vor dem Wechsel zur Tamedia.

Jünger und selbstbewusster

Lokalradio Ein Jahr nach dem Start hat Energy Zürich kräftig zugelegt. Gefahr droht aber vom Jugendradio.

Lokalradio Ein Jahr nach dem Start hat Energy Zürich kräftig zugelegt. Gefahr droht aber vom Jugendradio. Ein wichtiges Ziel hat Energy Zürich bereits erreicht: Der vielfach beklagte Radio-Einheitsbrei in der Limmatstadt ist Vergangenheit. «Man kann im Grossraum Zürich jetzt ein junges Radiopublikum ansprechen, mit klar weniger Streuverlusten», urteilt Philipp Brunner, Radiospezialist bei Optimedia. Das war noch ganz anders in der Ära vor dem 15. August 2003, als sich Hitradio Z und Radio 24 mit austauschbaren Inhalten und praktisch identischem Musikteppich kaum mehr voneinander unterschieden. «Aus planerischer Sicht kam es damals nicht gross darauf an, ob man 24 oder Z buchte, es war eher die Entscheidung, welches Image besser zum Produkt passt», so Brunner. Nach Einbrüchen im Dezember 2003 und Januar 2004 im Hörermarkt hat das Publikum Energy Zürich mittlerweile ins Herz geschlossen. Dies bestätigt der klare Aufwärtstrend bei den Hörerzahlen. Allein im ersten Halbjahr 2004 vermochte der neu positionierte Sender sein Publikum um fast neun Prozent auszubauen. Zwar ist der Aufwind bei allen Altersgruppen spürbar, eine überdurchschnittliche Verstärkung vermochte der Sender aber wunschgemäss bei den ganz jungen Zielgruppen zu generieren. Am meisten Zulauf gab es mit einem Plus von 16,3 Prozent bei den 15- bis 24-Jährigen. Aber auch der Zuwachs um 11,2 Prozent im Segment der 15- bis 34-Jährigen bestätigt die erfolgte Verjüngung des Publikums. Minderwertigkeitsgefühl ade Doppelt freuen über den Gewinn können sich die Auftraggeber, denn das Pricing stellt noch auf den alten Hörerzahlen ab. «Bis Ende Jahr gibt es bei Energy Zürich zehn Prozent mehr Leistung zum gleichen Preis», freut sich Michi Frank, CEO bei der Vermarkterin IP Multimedia.
Am meisten Genugtuung bereitet ihm aber der «interne Motivationsschub», der mit der Neupositionierung Wirklichkeit geworden sei. «Mit Hitradio Z waren wir nur eine Ergänzung zu Radio 24 und damit kein wichtiger Player. Mit dem eigenständigen Energy Zürich tragen wir jetzt aber eine Fahne, auf die wir stolz sind», sagt Frank.
Dies zeige sich auch in einem gestärkten Selbstwertgefühl der Mitarbeitenden. «Früher war es keine Ehre, bei Hitradio Z zu arbeiten. Das hat sich radikal geändert. Die Identifikation mit dem Sender und der Glaube ans Programm sind stärker denn je. Dies ist auch die Basis des Erfolgs», so Jürg Bachmann, Geschäftsleiter von Energy Zürich.
Eine hohe Motivation sei aber auch dringend nötig, denn nun stehe die «harte Knochenarbeit an, um den bisher erzielten Erfolg
weiterzuführen». «Wir wollen uns noch klarer im Segment der 15- bis 49-Jährigen positionieren», erklärt Bachmann. Inhaltlich sollen dabei keine grossen Sprünge mehr gemacht werden, jetzt gehe es um das Feilen an den Details. Besonders wichtig: «Bei den News müssen wir noch besser werden im Finden mehrheitsfähiger Themen.» Formatradio hat Schwächen
Doch Energy bereitet nicht allen Hörern nur Freude. Besonders nerven können Eigenschaften, die ein Formatradio wie Energy Zürich zwangsläufig mit sich bringt. «Durch die vielen Wiederholungen einzelner Hits, neigen die Zuhörer eher dazu, den Sender zu wechseln», kritisiert Philipp Brunner von Optimedia. Bachmann widerspricht dem nicht, wendet aber ein, auch Sender, die auf das wiederholte Abspielen derselben Musikstücke verzichteten, seien von solchen Effekten nicht gefeit. «Denn dann werden auch weniger beliebte Titel gespielt, die ebenfalls als Rausschmeisser wirken.»
Seit Radio 24 nicht mehr der Referenzsender ist, den es um jeden Preis zu überbieten gilt, ist das Radiomachen zwar laut Bachmann befriedigender, aber nicht unbedingt einfacher geworden. Besonders der Mainstream-Sender DRS 3, der ins Gärtchen der Lokalradios getrampelt ist, werde sehr genau beobachtet. «Der SRG-Sender kann uns das Leben schwer machen, denn die haben ganz andere Mittel als wir», so Bachmann. Und Michi Frank ergänzt: «Wir verlangen eine restriktivere Handhabung des Sponsorings auf DRS 3.»
Gefahr droht den jungen Zielgruppen von Energy Zürich aber auch seitens des Zürcher Jugendradios, das anfangs nächstes Jahr starten wird. «Wir betrachten es als klare Aufgabe des Bundesamtes für Kommunikation, dafür zu sorgen, dass der neue Sender weder Radio 24 noch Energy Zürich Hörer wegnimmt», betont Frank.
NRJ sucht AnschlussIn den vorangegangenen Jahren ist NRJ geglückt, worauf der französische Radiogigant 17 Jahre lang gewartet hatte: Beteiligungen bei Energy Zürich (49 Prozent) und bei Basel One (24 Prozent) konnten realisiert werden. Aktuell besteht Potenzial für den Einstieg bei Sunshine und BE1, die neue Partner suchen und im Moment mitten in den Evaluationsverfahren stecken. Bei beiden hat sich auch NRJ beworben.
Vor allem eine Beteiligung beim Berner Lokalradio würde Sinn machen, denn damit wäre NRJ in allen drei Städten des goldenen Dreiecks vertreten. Falls der Einstieg beim Berner Sender nicht gelinge, wolle sich die europaweit tätige Gruppe aus der Schweiz zurückziehen, rumorte es in der Gerüchteküche in den vergangenen Wochen. Francis Rivollet, der CEO von NRJ Schweiz, bezeichnet dies als «puren Unsinn». «Es war nie ein Thema, die Schweiz zu verlassen, zumal wir ja gerade erst eine Grossinvestition in Zürich getätigt haben.» Und er fügt an: «Wir haben weiterhin ein klares Interesse an der Präsenz in grossen Schweizer Städten. Aber wir respektieren in jedem Fall die Entscheide des Bundesamtes für Kommunikation.» (dse)
Stars wie Christina Aguilera sind auch als Pappfiguren ein Hingucker.
Daniel Schifferle

«Gewohnt anders»

Möbelhandel «Come to Sweden» fordert Ikea die Kundschaft zum Launch des neuen Katalogs auf. Die Inserate, TV- und Radiospots sowie die schwedischen Pässe stellt Unikat her.

Möbelhandel «Come to Sweden» fordert Ikea die Kundschaft zum Launch des neuen Katalogs auf. Die Inserate, TV- und Radiospots sowie
die schwedischen Pässe stellt Unikat her.
Länder sind als Promotionsplattformen besonders im Food-Handel beliebt. Auch wenn sich diese zeitweiligen Aktionen meist auf ein erweitertes und günstigeres Sortiment und ein paar Kochrezepte beschränken, sind sie wegen der persönlicheren Ansprache bei den Konsumenten wie beim Verkaufspersonal geschätzt.Ikeas Einrichtungshäuser haben auch Food-Abteilungen. Viel mehr als diese schaffen hier die Möbel und vor allem die gelebte Geschäftsphilosophie den Bezug zum Herkunftsland. Bei der Sympathie der Schweizer für das skandinavische Land setzt denn auch die Kampagne zum Start des neuen Katalogs an: Hat sich Ikea zum letzt-jährigen «30-Jahre Ikea Schweiz»-Jubiläum für das langjährige Gastrecht mit einem originellen Spot und mehreren Preispromotionen bedankt, so setzt man dem heuer noch eins drauf.
Einladung nach Schweden
Zum neuen Geschäftsjahr, das im September mit der Einführung des neuen Katalogs startet, lädt das Unternehmen die Schweizer Bevölkerung nach Schweden ein. «Hierbei handelt es sich um eine nationale Kampagne, die wir einsetzen, um der Marke Ikea zum Jahresbeginn zusätzliches Momentum zu geben», präzisiert Carlos Friedrich, Marketingleiter bei Ikea.
Damit soll der neue Ikea-Katalog und die Schaltung in 20 Minuten die Passaktion bekannt machen. Das wichtigste Werbemittel des Einrichters dürfte so auch die fehlende halbe Million Haushalte auf sich aufmerksam machen. Mit der schwierigen Aufgabe haben Carlos Friedrich und Werbeleiter Beat Fingerhuth die Zürcher Agentur Unikum betraut, der eine schräge Umsetzung gelungen ist.
3,2 Millionen fingierte Pässe
Brav dem Ikea-Leitbild folgend – «Warum Andersdenken vieles möglich macht» –, entwickelte das Kreativ-Team die erleichterte
Einbürgerung für Schweizer und Schweizerinnen, mit der über
3,2 Millionen fingierte Schwedenpässe für die Promotionszeit aus-
gestellt werden. Ihren Weg zu den neuen Staatsbürgern finden sie mittels Beilagen, Zeitungsbeikleber, Ikea-Family-Mailings und Katalogen. Zwar wurde auf biometrische Angaben grosszügig verzichtet. Dafür enthält der Pass die Teilnahme an Wettbewerben, Schwedenschnäppchen sowie Informationen über Aktionen und Events, die in den sechs schwedischen Enklaven stattfinden, erklärt CD Daniel Meier. Zusammen mit Berater Jan Maurer und Texter Christoph Hess hat er parallel zu den Pässen weitere Werbemittel kreiert. «Den grotesk-amüsanten TV-Spot haben wir selbstverständlich in Schweden gedreht», so Meier launig. Darin durchstreift eine Familie mit ihrem Möbeleinkauf idyllische
Naturlandschaften und tritt, durch eine eigenartige elektrische Schiebetüre, ins «Freie» – auf den Ikea-Parkplatz in der Schweiz. Demnach sollen die Märkte in Spreitenbach, Dietlikon, Pratteln, Lyssach, Aubonne und Grancia diesen Lifestyle pur vermitteln. Nebst Radiospots werden vor
allem die zahlreichen POS-Massnahmen dazu beitragen. Täglich wird die Kundschaft aus schwedischer Optik an ein anderes Einrichtungsthema herangeführt.
Unübliche Werbeideen
So findet sich im Passeintrag vom 6. September eine spassige Erklärung für die Affinität der Schweden zur Dekoration: «Bei uns Schweden hatten die Frauen schon die Hosen an, als die Männer noch in Wikingerschiffen die Meere unsicher machten. Und weils draussen meist kalt zu und her ging, haben sie sich vor allem aufs gemütliche Einrichten des Zuhauses spezialisiert.»
Zudem sollen originelle Wettbewerbe die erhöhten Besucherfrequenzen in gesteigerte Umsatzvolumina verwandeln. Allen, die am Thementag Familie & Kind eine Doppelbett-Matratze kaufen und sieben bis 13 Monate später Nachwuchs kriegen, schenkt Ikea das Kinderbett dazu. Ob auch das eine schwedische Tradition oder ein typischer Ikea-Gag ist? Tatsache ist, dass Ikeas Erfolg nicht nur auf tiefen Lager- und Transportkosten, dem kniffligen Selberbauen und der Preisausrichtung des Designs beruht. Die unüblichen Werbe-ideen dürften ihren Anteil am Umsatzwachstum (in weniger als acht Jahren auf über 550 Millionen Franken verdoppelt) haben. Dieser Andersartigkeit will die Kampagne im neuen Claim Rechnung tragen: ‹Gewohnt anders› soll als Klammer über die unterschiedlichsten Werbeaktivitäten hinweg den Ikea-Spirit intern wie extern verstärken.
Eine Oase für die schlaflose GesellschaftAusgerüstet mit einer internationalen Isopublic-Studie widmet sich der neue Ikea-Katalog dem Hauptthema Schlafen. Länderübergreifend schläft eine Person durchschnittlich 7 Stunden und 6 Minuten, jüngere und Frauen länger, ältere und Männer weniger. 36% kommen heute zu weniger Schlaf als vor fünf Jahren. Doch wird das Schlafzimmer deswegen nicht weniger genutzt: Zu den anderen Zwecken zählen Lesen/Lernen (50%), Romantik (47%), Entspannung tagsüber (43%) und Unterhaltung wie TV und Musik (40%).
Die Kategorie «Romantik» spielt eine wichtige Rolle. Während in Island 72% im Schlafzimmer intim werden, sind es in China nur 20%. Typisch für Schweizer Schlafzimmer sind Latexmatratzen und Accessoires, aber nicht zu bunt, schliesslich würden wir dieses Zimmer als persönliche Oase und Insel der Romantik wahrnehmen, so die Studie. (la)
Der in Schweden gedrehte, grotesk-amüsante Ikea-TV-Spot soll schwedischen Lifestyle pur vermitteln.
Luca Aloisi

«Nicht im luftleeren Raum»

Presseförderung CHP-Geschäftsführer Daniel Kaczynski will auf dem politischen Parkett keine voreiligen Schritte.

Presseförderung CHP-Geschäftsführer Daniel Kaczynski will auf dem politischen Parkett keine voreiligen Schritte.WW Am 17. August blitzte die direkte Presseförderung in der staatspolitischen Kommission des Ständerates (SR) ab – ganz im Sinn des Verbandes Schweizer Presse (CHP).Daniel Kaczynski: Es war im Sinn der Mehrheitsmeinung, die wir als CHP- Geschäftsstelle zu vertreten haben. Doch wir haben auch Mitglieder, vornehmlich Kleinverlage, die gern eine direkte Presseförderung hät-
ten. An der Mitgliederversammlung 2002 hat man entschieden, dass wir uns gegen eine direkte und für eine indirekte Presseförderung aussprechen. Letztes Jahr wurde dies bestätigt. Insofern freuen wir uns nun über diesen Kommissionsentscheid.
Umgekehrt erhielt aber auch die vom Verband Schweizer Presse (CHP) vorgeschlagene Stiftung für Presseförderung keine Unterstützung. Warum drangen Sie damit nicht durch?
Man muss die zwei Dinge trennen. Beim Kommissionsentscheid ging es in erster Linie um den parlamentarischen Vorstoss von Andreas Gross, der eine Systemänderung von der indirekten zur direkten Presseförderung verlangt – mittels Medienartikel. Die Kommission sagte nun, dass sie diesen Systemwechsel nicht will. Zudem blickte sie in die Zukunft und suchte nach Wegen, die mit diesem Grundsatzentscheid kompatibel sind. Eine Möglichkeit ist unsere Stiftung oder eine Verlängerung des Postgesetzes. Aber diesbezüglich ist noch alles offen. Unser Stiftungsmodell ist auch noch gar nicht fertig ausgearbeitet.
Heisst das, dass der CHP das Stiftungsmodell in den Hearings mit der Kommission noch gar nicht präsentiert hat?In den Hearings ging es in erster Linie um den Medienartikel, nicht um die Stiftung. Aber natürlich sagten wir, dass wir derzeit eine Alternative ausarbeiten. Dazu wurden wir seitens der Politik ja auch aufgefordert.
Aber der Verband hat noch keine formulierte Vorlage für die Stiftungsidee?Wir sind fast so weit. Wir warten den Entscheid des Ständerates ab und machen dann eine Auslegeordnung. Vielleicht geht das Ganze nochmals zurück an den Nationalrat (NR), der als Erstrat den Medienartikel befürwortet hatte. Jedenfalls sollte man jetzt nichts übereilen.
Trotzdem kommt der CHP jeweils etwas zu spät. Die Stiftungsidee wurde bloss fünf Tage vor der NR-Debatte über den Medienartikel lanciert, der schliesslich deutlich angenommen wurde. Und jetzt haben Sie es verpasst, die Stiftungsidee frühzeitig der SR-Kommission vorzulegen.
Bei der SR-Kommission standen Alternativen nicht im Vordergrund, sondern die Frage, ob man den Medienartikel samt Systemwechsel will oder nicht. Wir hinken nicht hinterher. Klar, in früheren Jahren hat der Verband oft nur auf die Politik reagiert, aber jetzt agierten wir richtig, indem wir nur mal den Medienartikel bekämpften. Es gibt ja nur sehr wenige Politiker, die sich eingehend mit der komplexen Materie befassen können. Deshalb muss man immer einen Schritt nach dem andern machen. Wir sind gut unterwegs.
Die Kommission will die heutige Verbilligung der Posttaxen weiterführen, die Mittel jedoch gezielter einsetzen. Das heisst wohl: Mehr für die Kleinen, weniger für die Grossen, und für Kundenzeitschriften wie Migros-Magazin oder TCS-Revue nichts mehr. Sie hat also bereits eine gewisse Alternative zum Medienartikel. Ihre Idee ist hingegen gar nicht in der Diskussion. Der Ständerart wird dann …
Der Ständerat wird sich mit der parlamentarischen Initiative auseinander setzen und sich fragen, ob es den Medienartikel braucht oder nicht.
Und da bringt es nichts, die Stiftungsidee als Alternative sowohl zum Medienartikel als auch zur Verlängerung des Postgesetzes zu präsentieren?
Nein, weil die Frage eine andere ist. Zudem sind die Vorstellungen der Kommission noch in einem sehr frühen Stadium – da muss auch erst etwas ausgearbeitet werden. Dazu kommt, dass wir die von Ihnen angedeuteten kritischen Punkte am heutigen System ebenfalls in unserem Modell aufgenommen haben. Wir sind nicht im luftleeren Raum.
Ist es denn nach wie vor so, dass die Stiftung in erster Linie den Pressevertrieb, aber auch Ausbildung und Datenverbreitung finanziell unterstützen soll?Ja, richtig.
Und soll sie weiter mit 150 Millionen Franken dotiert werden?Nein, mit diesem Betrag sind wir sehr unglücklich. Die Zahl ist mal aufgetaucht, sie wurde aber nie von unserer Arbeitsgruppe als Zielgrösse angegeben. Wir können keinen Betrag fordern, bevor feststeht, wer überhaupt Beiträge leistet und wie der Verteilschlüssel aussieht. Die Höhe des Betrags ist dann ein politischer Entscheid.
Das Beispiel Zeitungslogistik, wie es anfangs August von der Post und den Verlagen umgesetzt wurde (siehe WW 24/04), senkt die Vertriebskosten. Das zeigt doch, dass der Bund Recht tat, als er die Presseförderung zurückstutzte.
Die gekürzten Posttaxen brachten auf der Seite der Verlage keine verbesserten Prozesse, nur höhere Posttarife – ein grosser Brocken in einer Zeit, in der es der Branche nicht besonders gut ging. Ob es bei der Post diesen Anstoss brauchte, um die Strukturen zu verbessern, weiss ich nicht. So oder so: Bei der neuen Logistik wird ja nicht derselbe Postservice neu mit einer schlankeren Organisation erbracht, sondern viele Zeitungsabonnenten und Verlage müssen Abstriche hinnehmen, einige Verlage gar Mehrkosten.
Divergierende IdeenDie heutige Presseförderung über die Verbilligung der Posttaxen (80 Millionen Franken pro Jahr) läuft Ende 2007 aus. Zwei Alternativen stehen zur Diskussion. Zum einen der von Kleinverlegern favorisierte Medienartikel, der direkte Förderungsmassnahme des Bundes an Presseunternehmen vorsieht. Der Nationalrat stimmte ihm letztes Jahr zu, die vorberatende Ständeratskommission lehnte ihn hingegen ab. Sie sähe lieber ein modifiziertes Weiterführen der Posttaxenverbilligung. Der Verband Schweizer Presse seinerseits brachte vor einem Jahr die Idee für eine Stiftung für Presseförderung in die Diskussion ein. Über sie sollte unter anderem der Pressevertrieb unterstützt werden. (mk)
Widerspricht dem Vorwurf, der Politik hinterherzuhinken: CHP-Geschäftsführer Daniel Kaczynski.
Interview: Markus Knöpfli
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