Neues Wachstum nach Kahlschlag
Konzernzahlen Ein harter Sparkurs hat Tamedia in die schwarze Zahlen zurückgeführt. Doch die Sorgen sind noch nicht vergessen.
Betriebsaufwand kompensiert werden. Dies gilt vor allem für das klassische Printgeschäft. Die Zeitungen büssten zwar 4,1 Millionen Franken ein, sparten aber zugleich 20,4 Millionen Franken. Bei den Zeitschriften stehen 4,9 Millionen fehlende Einnahmen um 19,3 Millionen reduzierte Ausgaben gegenüber. So konnte der Zeitungsbereich sein
Betriebsergebnis fast vervierfachen (von 6,1 Millionen auf 23,1 Millionen Franken). Die Zeitschriften, die im Vorjahr mit 11,1 Millionen Franken in den roten Zahlen standen, erzielten 3,5 Millionen Gewinn.
Ein einziger Tamedia-Titel schaffte es, seinen Umsatz zu steigern: Die Schweizer Familie verbuchte mit 18,5 Millionen Franken 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Erstaunlich solid zeigt sich auch der Tages-Anzeiger. Der Rückgang von 1,8 Prozent auf 108,6 Millionen Franken nimmt sich gering aus gegenüber dem Einbruch der Anzeigenvolumen um
10 Prozent, den die Inseratestatistik der Schweizer Presse für die zehn grossen Deutschschweizer Tageszeitungen ausweist. Zu viel Optimismus lässt Anzeigenleiter Fridolin Holdener aber nicht aufkommen: Dem Tagi gehe es «ein bisschen besser» als anderen Blättern, weil er am ehesten auch in den Genuss von Kampagnen komme, die sich sonst auf Wochentitel beschränken, erklärt er. Tageszeitungen blieben aber ein schwieriges Pflaster.
Elektronische Medien legen zuBesonders harten Boden beackert nach wie vor das Newsmagazin Facts. Es hat weitere 22 Prozent Umsatz eingebüsst und noch 11,3 Millionen Franken eingenommen. Im Jahresabschluss 2003 wies Facts bereits einen Rückgang von 18 Prozent aus. Der Relaunch von Anfang April scheint auf dem Werbemarkt bisher wenig Wirkung zu zeigen.
Erfreuliche Tendenzen zeigen dagegen die elektronischen Medien. Sie schreiben zum ersten Mal ein positives Betriebsergebnis vor Abschreibungen (200000 Franken). Nach Abschreibungen bleibt ein Minus von 3,8 Millionen. Als einziger Konzernbereich verzeichnen die elektronischen Medien steigende Umsätze, um 6,2 Prozent auf 25,3 Millionen. Mit 5,5 Prozent weniger Aufwand wurde hier zugleich am wenigsten gespart. Mehr Geld in die Kassen brachten vor allem die Belcom-Sender Radio 24 und TeleZüri. Ihr Umsatz wuchs um über einen Fünftel auf 13,3 Millionen Franken. Einen Rekordzuwachs von 71 Prozent oder 1,8 Millionen Franken melden die Online-Aktivitäten. Radio Basilisk verdiente dagegen 7,5 Prozent weniger. Die Produktionsfirma Condor Communications büsste wegen mangelnder Grossaufträge aus dem Unterhaltungsbereich 2,2 Millionen – einen Drittel des Umsatzes – ein.
Keine Verbesserung der Geschäftszahlen trotz Restrukturierung zeigt der Bereich Services mit Druck und Vertrieb. Der Umsatz (inklusive Eigenaufträge) ging um 20,6 Millionen auf 101,2 Millionen Franken zurück. Der Aufwand konnte derweil nur um 18,7 Millionen gesenkt werden, so dass dem letztjährigen Gewinn (1,4 Millionen) im 1. Halbjahr 2004 ein
Verlust von 800000 Franken gegenübersteht. Vor Abschreibungen (Ebitda) meldet der Bereich immerhin schwarze Zahlen. Damit kann Tamedia zum ersten Mal in allen vier Bereichen ein positives Ebitda ausweisen.
An der Börse liess diese frohe Botschaft allerdings keine Fantasien keimen. Der Kurs der Tamedia-Aktie ist seit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen um rund 4 Prozent gesunken.
Stefano Monachesi
