Gesundheit Sprechstunde auf neuem Weg: Das Ringier-Blatt ändert auf 2005 das Konzept und rückt näher zur TV-Sendung. Die Konzeptänderung des Heftes Gesundheit Sprechstunde (GES) hat mit dem Mai-Wirbel um das Magazin und die gleichnamige TV-Sendung nichts zu tun, sie war schon vorher geplant. Gemäss Verlagsleiter Martin Tamas hatten die Vorwürfe auch kaum Aboabbestellungen zur Folge. «Wir sind jedenfalls mit den neuen Leserzahlen zufrieden», sagt er. Beim Zielpublikum wurden denn auch keine Korrekturen vorgenommen. Weiterhin stehen Frauen ab 40 Jahren im Vordergrund, die an Gesundheit und Prävention interessiert sind. «Sie sind nach wie vor die Gesundheitsmanagerinnen der Familie», erklärt Tamas. Die Leserschaft des vierzehntäglich erscheinenden Magazins und die Zuschauer der TV-Sendung sind fast deckungsgleich, weiss Tamas aus der Marktforschung. «Das Publikum der TV-Sendung ist tendenziell etwas älter. Das bringt wohl das Medium TV mit sich», sagt er.
Fokussierung auf Medizin
Mit der Konzeptänderung sollen zwei Ziele erreicht werden: Zum einen will Ringier das Heft stärker auf die Bedürfnisse der Leser ausrichten – und diese wollen eine Printergänzung zum TV und so eine stärkere Fokussierung auf Medizin und Prävention sowie mehr Tipps und Service. Das haben Leserbefragungen ergeben. Grosszügige Grafiken und Bilder, Info-Boxen und konkrete, direkt verwendbare Tipps prägen das neue Heft.
Im Werbemarkt will sich GES ebenfalls eindeutiger positionieren und verstärkt auf potenzielle Kunden im Pharma- und OTC-Bereich zugehen. Diese sollen mit neuen Angeboten aus der Reserve gelockt werden (siehe Interview). Dass GES-Heft und -Sendung zusammenwachsen sollen, kommt Ringier entgegen. Denn die beiden Redaktionen rücken auch räumlich zusammen, was bei allen Abläufen, insbesondere beim Rekrutieren von Patienten und Experten, beim Beschaffen von Bildmaterial und bei der Recherche Synergien ermöglicht. Doppelspurigkeiten werden vermieden und somit selbst ohne Personalabbau Kosten gesenkt.
Früher oder später könnte darüber hinaus ein solches Gesundheitskompetenzzentrum («Health Unit») auch für weitere Ringier-Medien tätig werden (Schweizer Illustrierte, Blick).
Gleichzeitig – und dort zeitigt der Maiwirbel nun doch Folgen – werden im GES-Medienverbund Content und Kommerz personell und organisatorisch sauberer getrennt. Die Führung der neuen Einheit liegt bei Ringier-TV. Betreut wird sie von Hans-Jürg Deutsch, der schon bisher die GES-Sendung verantwortet hatte. Für den Inhalt der gesamten Gesundheitsplattform ist neu Regula Käch als Chefredaktorin verantwortlich. Verlagsleiter Martin Tamas, bisher im Bereich Zeitschriften, leitet den kommerziellen Teil der «Health Unit».
Aufsichtsverfahren läuft nochAm 27. Mai 2004 hatte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom)
gegen die TV-Sendung Gesundheit Sprechstunde ein Aufsichtsverfahren eröffnet.
Nach den Vorwürfen von Beobachter und 10 vor 10 untersucht man nun, ob Ringier-TV die Sponsoring-Richtlinien tatsächlich übertreten hatte. «Wir können frühestens im Oktober ein Resultat präsentieren, derzeit steht noch nichts fest», sagt Susanne Marxer vom Bakom-Aufsichtsdienst. Man habe Ringier-TV erst mal das rechtliche Gehör gewährt und sei mit umfangreichem Material – unter anderem Videokassetten und Verträgen – ausgestattet worden. (mk)
«Es muss mehr drinliegen»Martin Tamas, Verlagsleiter bei Gesundheit Sprechstunde, zum neuen Konzept, zu erhofften Mehreinnahmen und zur Trennung von Geld und Geist.
WW Bei Gesundheit Sprechstunde (GES) gabs vor zwei Jahren einen
Relaunch – warum nun wieder?
Martin Tamas In den letzten zwei Jahren legte GES an Lesern und Auflage zu, trotzdem sind wir mit der Performance nicht zufrieden. Wir kamen nun zum Schluss, dass das Heft stärker mit der TV-Sendung zusammengehen und sich auf Medizin, Gesundheit und Service konzentrieren sollte.
Wellness und Beauty fallen weg?Klassische Beauty, also dekorative Kosmetik oder Parfumdüfte, wird künftig sicher weniger stattfinden. Beauty oder Wellness müssen nun einen Zusammenhang mit Gesundheit oder Prävention haben.
GES sei noch nicht dort, wo Sie es haben wollen. Ärgert es Sie, dass der Puls-Tipp die Nase vorn hat?
Nein, ich sagte dies auf den Werbemarkt bezogen. Im Stammheft hatten wir eine Stagnation, weil mit der jetzigen Positionierung der Markt im klassischen Pharma- und OTC-Bereich nicht mehr hergab. Deshalb schufen
wir mit Sonderheften zusätzliche Gefässe. Eigentlich müsste aber im Trendmarkt Gesundheit mehr drinliegen.
Gemäss VSW-Statistik ist GES nach einem Jahr Flaute wieder auf dem Level vom Jahr 2000.
Das ist so, der Zuwachs kam aber ausschliesslich aus dem Tourismusbereich – dank unserer Specials zu Themen wie Wellness oder Wandern.
Nun schränkt sich GES thematisch ein und verkleinert damit den Kreis potenzieller Inserenten. Trotzdem hoffen Sie auf Mehreinnahmen?
Wir sehen durch die neue, klare Positionierung im OTC- und Pharma-Bereich bisher nicht erreichtes Potenzial – zudem erhoffen wir uns eine Zunahme durch zusätzliche Werbeformen. Neben den klassischen Anzeigen bieten wir sechs- bis achtseitige Auftragsproduktionen an, die als Publireportagen erscheinen. Weiter können themen- oder produktspezifische Booklets und Sonderbroschüren bei uns in Auftrag gegeben und gebucht werden. Firmen können auch das neue Anatomie-Poster in der Heftmitte unterstützen.
Nach den Vorwürfen im Mai ist eine Trennung von Content und Kommerz angesagt. Wie packen Sie dies an?
Durch eine personelle Trennung von Redaktion und Verkauf. Zu-
dem werden alle Werbeformen und Kundenauftritte klar als solche bezeichnet.
Wird Doktor Stutz weiterhin Sponsoren akquirieren?Als Berater steht er sowohl dem Inhalt- als auch dem Kommerz-Bereich unterstützend zur Verfügung. Aber die Akquisition von Sponsoren wird eine der Hauptaufgaben von mir, meinem Team sowie der TV-Marketingabteilung sein.
Sponsoringverträge gingen bisher über den Tisch von Hans-Jürg Deutsch.
Künftig werden wir sie gemeinsam unterzeichnen.
Interview: Markus Knöpfli
Gesundheit Sprechstunde im neuen Kleid.
Markus Knöpfli