Affichage kann die Durststrecke beenden

Aussenwerbung Nach zwei Jahren mit einem Umsatzrückgang verzeichnet die Affichage Holding im ersten Halbjahr 2004 wieder ein Wachstum.

Aussenwerbung Nach zwei Jahren mit einem Umsatzrückgang verzeichnet die Affichage Holding im ersten Halbjahr 2004 wieder ein Wachstum.Die Mutterfirma der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) steigerte den Verkaufserlös um 5,1% auf 149,4 Millionen Franken. Der Umsatz in der Schweiz wuchs um 4,1% auf 134,2 Millionen, jener in Zentraleuropa um 15,4% auf 15,1 Millionen Franken. Auch der Aufwand vergrösserte sich um 4,5%. Das Betriebsergebnis lag mit 13,4 Millionen um 11% über dem Vorjahressemester, das Konzernergebnis legte um 3,3% auf 9 Millionen Franken zu.

«Die Radiobranche ist kein Basar»

Martin Muerner, Leiter von Radiopower.ch, über die Vorzüge des Radios als Werbemedium, schwarze Schafe in den eigenen Reihen und die ungleich langen Spiesse von SRG-Sendern und privaten Stationen.

Martin Muerner, Leiter von Radiopower.ch, über die Vorzüge des Radios als Werbemedium, schwarze Schafe in den eigenen Reihen und die ungleich langen Spiesse von SRG-Sendern und privaten Stationen.
WW Radiopower will die Radiowerbung fördern. Was sind denn die USPs des Mediums Radio?Martin Muerner Radiowerbung ist sehr schnell realisierbar. Sie können heute buchen, und der Spot läuft noch gleichentags oder spätestens am nächsten Tag. Radiowerbung ist effizient und punkto TKP sehr günstig. Die Nettoreichweite der Deutschschweizer Privatradios beträgt rund 2,3 Millionen Hörer. Weiter lassen sich Emotionen besser transportieren als etwa via Inserat. Deshalb glauben wir, dass das Medium im Mediamix an Gewicht gewinnen wird. Dass sich die PubliGroupe nun auch für dieses Medium interessiert, bestärkt uns in dieser Meinung. Aber es ist klar, dass Radio in der Schweiz verglichen mit dem Ausland zu schwach positioniert ist.
Was können die Radios selbst noch besser machen?
Unter den bestehenden Rahmenbedingungen ist die Privatradiogeschichte eine Erfolgsstory. Aber gewisse Rahmenbedingungen sind schlecht, etwa punkto Frequenzverteilung: Die SRG hat rund 90 Prozent der Frequenzen und dazu noch die besten. So sendet die SRG im Berner Oberland mit 5000 Watt ab 2000 Metern, während Radio BeO mit 100 Watt ab 1000 Metern auskommen muss. Mangels Frequenzen können die Privatradios zudem kein Zweitprogramm machen.
Trotzdem, was lässt sich verbessern?
Man könnte den Service public regional ausbauen. Dann hoffen wir via RTVG auf Verbesserungen bei der technischen Verbreitung. Auch die Vermarktung lässt sich verbessern. Diese war in den vergangenen 20 Jahren nicht immer optimal, was auch mit Persönlichkeiten zu tun hat, die heute nicht mehr im Markt sind.
In der Werbewoche schrieb Reinhold Weber, die Radios würden debile Wortbeiträge und geklonte Musik senden. In einem solchen Umfeld sei Werbung nicht interessant.
Dem muss ich heftig widersprechen. Unsere Inhalte sind sicher nicht schlechter als die anderer Medien. Es wäre auch vermessen, 2,3 Millionen Hörerinnen und Hörern Debilität vorzuwerfen. Dass alle Sender gleich tönen, stimmt auch nicht. Gerade im regionalen Service public unterscheiden sich die Sender enorm. Dasselbe gilt bei der Musikauswahl: Wenn unser Publikum gewisse Titel will, so spielen wir sie. Alles andere wäre dumm. Aus diesen Gründen kann ich Webers Abneigung gegen das Werbemedium Radio in keiner Weise nachvollziehen.
Heute starten Homepage und Kampagne von Radiopower. Was geschieht weiter?
Wir wollen zum Beispiel auch die Spotqualität fördern, indem wir einen Radiospot-Award ins Leben rufen. Zwar gibt es bereits die Auszeichnung «Das goldene Ohr», doch dieses Jahr findet sie offenbar nicht statt. Niemand weiss genau, was los ist. Fest steht aber, dass die Privatradios beim bisherigen «goldenen Ohr» nicht mehr mitmachen.
Jahrelang herrschten in der Radioszene Gärtlidenken und Neid vor. Deutet Radiopower einen Gesinnungswandel an?
Es hat sich sicher etwas getan. So ist es uns gelungen, alle Radios in einem Verband zu vereinen. Zwar traten Anfang Jahr Radios aus, dies aber allein wegen politischer Differenzen zu zwei RTVG-Artikeln. In den übrigen Fragen sind wir uns weitgehend einig. Deshalb gliederten wir unsere verbandsinterne Marketinggruppe namens Taskforce aus und nannten sie Radiopower. So können wir im kommerziellen Bereich nicht nur die ausgestiegenen Radios wieder integrieren, sondern auch die Vermittler und die Tonstudios. Radiopower ist zudem eine Art Klammer, die uns auch bei veränderten Poolkonstellationen zusammenhalten wird.
Immer wieder ist zu hören, dass Privatradios den Kunden preislich entgegenkommen, wenn diese direkt statt über die Vermittler buchen. Solche Aktionen machen doch das Gattungsmarketing zur Kosmetik.
Schwarze Schafe gibt es überall. Ich würde aber sagen, dass sie bei uns höchstens ein Prozent ausmachen. Tariftreue ist bei uns oberster Grundsatz. Die Radiobranche ist kein Basar. Kommt dazu, dass wir schon bisher in der Taskforce und künftig auch bei Radiopower solche Fragen thematisieren. Wenn etwa ein Kunde bei Radios oder Vermittlern höhere Rabatte, Freespace oder einen zusätzlichen Wettbewerb wünscht, besprechen wir dies gemeinsam. Meist lehnen wir ab. Wir wollen uns an unsere Tarife halten, sonst machen sie wenig Sinn.
Zu hören ist auch, dass die IP Multimedia (IPM) ihre TV-Kunden häufig mit Radio-Freespace ködere (siehe Kasten unten). Das schadet der Branche doch auch?
Dazu kann ich nichts sagen, da müssen Sie direkt bei der IPM nachfragen. Zwar habe ich auch schon solche Gerüchte gehört, doch Zahlen, die das belegen würden, sah ich noch nie. Und auf Gerüchte gehe ich sowieso nicht ein.
IPM kontert Den oft gehörten Vorwurf, die IP Multimedia (IPM) ködere ihre TV-Kunden mit Freespace bei der Radiowerbung, kontert Michi Frank wie folgt: «Wir haben kein Interesse, Werbebudgets aus dem Radio ins TV abzuziehen. Auch umgekehrt nicht. Das würde für unsere Electronic Division, über die wir beide Gattungen vermarkten, keinen Sinn machen.» Der Vorwurf werde von Vermittlerkonkurrenten gestreut, stehe aber auf schwachen Beinen. «Die hatten über 25 Jahre im Radiomarkt ein Monopol, nun sind sie bequem geworden. Was vor 20 Jahren galt, muss heute nicht mehr stimmen.» (mk)
Interview: Markus Knöpfli

Best of Print Advertising

Marktforschung Coop, Globus und Helvetia Patria schalteten im zweiten Quartal dieses Jahres die beliebtesten Anzeigen in den Schweizer Medien.

Marktforschung Coop, Globus und Helvetia Patria schalteten im zweiten Quartal dieses Jahres die beliebtesten Anzeigen in den Schweizer Medien.Best of NorthwestAffinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland»
Gold (173)
Spanisches Fremdenverkehrsamt Spanien prägt Sie (Media Planning Group Madrid/Zürich)
Silber (168) Swisscom Mobile 168 Stunden pro Woche (Jung von Matt/Limmat)
Bronze (156) Bilanz Mission impossible (Publicis)
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der Werbewoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der Resultate aus dem Advertising-Index (AX-Print). Dieser Index (siehe unten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigen. In den Kästen links und rechts befinden sich Anzeigen, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top Three» gezeigt.

(ww)

That’s Live: Quorum hat die Nase vorn

Kino Der Westschweizer Roland Ray kann jetzt mit seinen drei Zeitschriften, zwei Drittel der Kinos abdecken.

Kino Der Westschweizer Roland Ray kann jetzt mit seinen drei Zeitschriften, zwei Drittel der Kinos abdecken.Seit zwei Monaten besitzt die Genfer Quorum Communication die Westschweizer Filmzeitschrift Live, die mit 117700 Exemplaren exklusiv in den Kinos der Europlex-Kette aufliegt. Quorum-VR-Präsident Roland Ray übernahm das Gratismagazin vom Lausanner Verlag Télimage und integrierte es in die Quorum-Tochter Promoéditions. Über die Quorum-Tochter Promoguide gibt Ray seit Jahren die ähnlichen Titel Avant Première (AP, 86150 Exemplare) und Film demnächst (FD, 108300 Exemplare) heraus. Weil AP in der Romandie in allen Nicht-Europlex-Kinos aufliegt, kann Ray nun alle Westschweizer Kinos abdecken. In der Deutschschweiz bedient er mit FD nur einen Drittel der Kinos, in den übrigen Sälen liegt Teleclubs Konkurrenztitel Close-up (160000 Exemplare) auf.Zwischen Télimage und Quorum kam es schon im Februar 2003 zur Annäherung. Damals beauftragte Télimage Promoéditions mit der Produktion von Live. Als Verlagsleiter setzte Ray damals Jean-Pierre Grey ein, den Product Manager von FD und AP.
Er werde Live weiter als eigenständigen Titel führen, sagte Grey. Und: «Ein Zusammenlegen mit AP ist nicht geplant, solange der Markt zwei Titel erträgt.» Derzeit wird Live von der Lausanner Agentur General Media vermarktet, während für AP und FD eine Quorum-eigene Verkaufscrew weibelt. Den Verkauf von Teleclubs Close-up hingegen besorgt die Cinecom.Letzteres gibt nun der Sache zusätzliche Würze: Denn Ray ist auch VR-Präsident der Lausanner Werbevermittlerin Mediapresse, die für die Cinecom und damit für die PubliGroupe die Westschweizer Kinos vermarktet (WW 27/04). Mit andern Worten: Im Kinowerbemarkt steht Ray im Solde der P, im Bereich Kinomagazine ist er deren stärkster Konkurrent. Zudem schnappte er kurz bevor er in P-Dienste trat, seiner neuen Auftraggeberin noch schnell Live weg, an dem sie als Pendant zu Close-up wohl ebenfalls interessiert war.
Markus Knöpfli

Gesundheit in neuem Outfit

Gesundheit Sprechstunde auf neuem Weg: Das Ringier-Blatt ändert auf 2005 das Konzept und rückt näher zur TV-Sendung.

Gesundheit Sprechstunde auf neuem Weg: Das Ringier-Blatt ändert auf 2005 das Konzept und rückt näher zur TV-Sendung. Die Konzeptänderung des Heftes Gesundheit Sprechstunde (GES) hat mit dem Mai-Wirbel um das Magazin und die gleichnamige TV-Sendung nichts zu tun, sie war schon vorher geplant. Gemäss Verlagsleiter Martin Tamas hatten die Vorwürfe auch kaum Aboabbestellungen zur Folge. «Wir sind jedenfalls mit den neuen Leserzahlen zufrieden», sagt er. Beim Zielpublikum wurden denn auch keine Korrekturen vorgenommen. Weiterhin stehen Frauen ab 40 Jahren im Vordergrund, die an Gesundheit und Prävention interessiert sind. «Sie sind nach wie vor die Gesundheitsmanagerinnen der Familie», erklärt Tamas. Die Leserschaft des vierzehntäglich erscheinenden Magazins und die Zuschauer der TV-Sendung sind fast deckungsgleich, weiss Tamas aus der Marktforschung. «Das Publikum der TV-Sendung ist tendenziell etwas älter. Das bringt wohl das Medium TV mit sich», sagt er.
Fokussierung auf Medizin
Mit der Konzeptänderung sollen zwei Ziele erreicht werden: Zum einen will Ringier das Heft stärker auf die Bedürfnisse der Leser ausrichten – und diese wollen eine Printergänzung zum TV und so eine stärkere Fokussierung auf Medizin und Prävention sowie mehr Tipps und Service. Das haben Leserbefragungen ergeben. Grosszügige Grafiken und Bilder, Info-Boxen und konkrete, direkt verwendbare Tipps prägen das neue Heft.
Im Werbemarkt will sich GES ebenfalls eindeutiger positionieren und verstärkt auf potenzielle Kunden im Pharma- und OTC-Bereich zugehen. Diese sollen mit neuen Angeboten aus der Reserve gelockt werden (siehe Interview). Dass GES-Heft und -Sendung zusammenwachsen sollen, kommt Ringier entgegen. Denn die beiden Redaktionen rücken auch räumlich zusammen, was bei allen Abläufen, insbesondere beim Rekrutieren von Patienten und Experten, beim Beschaffen von Bildmaterial und bei der Recherche Synergien ermöglicht. Doppelspurigkeiten werden vermieden und somit selbst ohne Personalabbau Kosten gesenkt.
Früher oder später könnte darüber hinaus ein solches Gesundheitskompetenzzentrum («Health Unit») auch für weitere Ringier-Medien tätig werden (Schweizer Illustrierte, Blick).
Gleichzeitig – und dort zeitigt der Maiwirbel nun doch Folgen – werden im GES-Medienverbund Content und Kommerz personell und organisatorisch sauberer getrennt. Die Führung der neuen Einheit liegt bei Ringier-TV. Betreut wird sie von Hans-Jürg Deutsch, der schon bisher die GES-Sendung verantwortet hatte. Für den Inhalt der gesamten Gesundheitsplattform ist neu Regula Käch als Chefredaktorin verantwortlich. Verlagsleiter Martin Tamas, bisher im Bereich Zeitschriften, leitet den kommerziellen Teil der «Health Unit».
Aufsichtsverfahren läuft nochAm 27. Mai 2004 hatte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom)
gegen die TV-Sendung Gesundheit Sprechstunde ein Aufsichtsverfahren eröffnet.
Nach den Vorwürfen von Beobachter und 10 vor 10 untersucht man nun, ob Ringier-TV die Sponsoring-Richtlinien tatsächlich übertreten hatte. «Wir können frühestens im Oktober ein Resultat präsentieren, derzeit steht noch nichts fest», sagt Susanne Marxer vom Bakom-Aufsichtsdienst. Man habe Ringier-TV erst mal das rechtliche Gehör gewährt und sei mit umfangreichem Material – unter anderem Videokassetten und Verträgen – ausgestattet worden. (mk)
«Es muss mehr drinliegen»Martin Tamas, Verlagsleiter bei Gesundheit Sprechstunde, zum neuen Konzept, zu erhofften Mehreinnahmen und zur Trennung von Geld und Geist.
WW Bei Gesundheit Sprechstunde (GES) gabs vor zwei Jahren einen
Relaunch – warum nun wieder?
Martin Tamas In den letzten zwei Jahren legte GES an Lesern und Auflage zu, trotzdem sind wir mit der Performance nicht zufrieden. Wir kamen nun zum Schluss, dass das Heft stärker mit der TV-Sendung zusammengehen und sich auf Medizin, Gesundheit und Service konzentrieren sollte.
Wellness und Beauty fallen weg?Klassische Beauty, also dekorative Kosmetik oder Parfumdüfte, wird künftig sicher weniger stattfinden. Beauty oder Wellness müssen nun einen Zusammenhang mit Gesundheit oder Prävention haben.
GES sei noch nicht dort, wo Sie es haben wollen. Ärgert es Sie, dass der Puls-Tipp die Nase vorn hat?
Nein, ich sagte dies auf den Werbemarkt bezogen. Im Stammheft hatten wir eine Stagnation, weil mit der jetzigen Positionierung der Markt im klassischen Pharma- und OTC-Bereich nicht mehr hergab. Deshalb schufen
wir mit Sonderheften zusätzliche Gefässe. Eigentlich müsste aber im Trendmarkt Gesundheit mehr drinliegen.
Gemäss VSW-Statistik ist GES nach einem Jahr Flaute wieder auf dem Level vom Jahr 2000.
Das ist so, der Zuwachs kam aber ausschliesslich aus dem Tourismusbereich – dank unserer Specials zu Themen wie Wellness oder Wandern.
Nun schränkt sich GES thematisch ein und verkleinert damit den Kreis potenzieller Inserenten. Trotzdem hoffen Sie auf Mehreinnahmen?
Wir sehen durch die neue, klare Positionierung im OTC- und Pharma-Bereich bisher nicht erreichtes Potenzial – zudem erhoffen wir uns eine Zunahme durch zusätzliche Werbeformen. Neben den klassischen Anzeigen bieten wir sechs- bis achtseitige Auftragsproduktionen an, die als Publireportagen erscheinen. Weiter können themen- oder produktspezifische Booklets und Sonderbroschüren bei uns in Auftrag gegeben und gebucht werden. Firmen können auch das neue Anatomie-Poster in der Heftmitte unterstützen.
Nach den Vorwürfen im Mai ist eine Trennung von Content und Kommerz angesagt. Wie packen Sie dies an?
Durch eine personelle Trennung von Redaktion und Verkauf. Zu-
dem werden alle Werbeformen und Kundenauftritte klar als solche bezeichnet.
Wird Doktor Stutz weiterhin Sponsoren akquirieren?Als Berater steht er sowohl dem Inhalt- als auch dem Kommerz-Bereich unterstützend zur Verfügung. Aber die Akquisition von Sponsoren wird eine der Hauptaufgaben von mir, meinem Team sowie der TV-Marketingabteilung sein.
Sponsoringverträge gingen bisher über den Tisch von Hans-Jürg Deutsch.
Künftig werden wir sie gemeinsam unterzeichnen.
Interview: Markus Knöpfli
Gesundheit Sprechstunde im neuen Kleid.

Markus Knöpfli

Flowcube kommuniziert für Tivoli Audio

Radios Die Zürcher Kommunikationsagentur Flowcube übernimmt inskünftig die PR- und Öffentlichkeitsarbeit für Tivoli Audio.

Radios Die Zürcher Kommunikationsagentur Flowcube übernimmt inskünftig die PR- und Öffentlichkeitsarbeit für Tivoli Audio.Sie soll die erfolgreiche Designer-Radiomarke noch stärker als bisher in der Schweiz profilieren. Tivoli Audio mit Sitz im amerikanischen Boston brachte sein minimalistisches Tischradio «Model One» 2002 auf den Markt. Diesen Juni folgte der jüngste Streich mit dem iPAL, der als Ergänzung zu Apples iPod gedacht ist ist und dessen Look mit dem typischen Tivoli-Design kombiniert ist.

Eugster baut Marken für Hangl und Locher

Branding Die Ostschweizer Agentur Eugster Kommunikation hat zwei neue Kunden gewonnen.

Branding Die Ostschweizer Agentur Eugster Kommunikation hat zwei neue Kunden gewonnen.Branding Die Ostschweizer Agentur Eugster Kommunikation hat zwei neue Kunden gewonnen. Das Familienunternehmen Hangl in Samnaun
umfasst eine breite Dienstleistungspalette: vom Hotel über mehrere
gastronomische Betriebe, Sport- und Modegeschäfte, Bijouterien, eine Skischule und diverse Zollfreiangebote bis zur Tankstelle. Eugster hat den
Auftrag erhalten, diese Angebote künftig unter einer Marke zu bündeln. Für die Locher & Co. AG in Altstätten übernimmt die Agentur den Aufbau
der Familienmarke für Schmierstoffe «Viscotex». Erste, dialogorientierte
B2B-Massnahmen sollen bereits diesen Herbst zu sehen sein.

PR-Pflotsch statt Songs

Gastkommentar Geklonte Musik und debile Wortbeiträge degradieren das Radio zum Abfallmedium, moniert Reini Weber im Vorfeld des Radio Day.

Gastkommentar Geklonte Musik und debile Wortbeiträge degradieren das Radio zum Abfallmedium, moniert Reini Weber im Vorfeld des Radio Day.Heute mache ich mir wieder Freunde, aber es ist reine Notwehr: Wir hören in unserer Agentur bloss noch Internetradio. Und es kommt noch dicker. Wolfram, unser famoser Texter und Elektrogitarrenspieler, hat sein Autoradio neuerdings von «DRS Einerlei» (DRS 3) auf DRS 2umprogrammiert, «um Brahms statt Schrott» zu hören. Und im Büro summt er zu «Radiostorm Classic Rock». ADSL sei Dank.
Der Urs Leierer gleich nebenan mag eh seit Jahren nur Sound, der «blue» ist und «Balls» hat und von einem Silberling kommt. Und so stapeln sich neben mir auf der Fensterbank (sie dürfen mitschreiben): Walter Trout (live), Eric Sardinas, Scott Henderson, Curtis Mayfield (live), Free (live), Buddy Guy, Joe Satriani, Donny Hathaway (live), Aretha Franklin (live), AC/DC (live), Eagles (live), Aerosmith (live), Maceo Parker, Jeff Beck, Ben Harper, David Bowie, Till Brönner, James Brown (live), India.Arie, das weisse Album der Beatles, Stevie Ray Vaughan (live), Zucchero, Dan-
ny Gatton, Nina Hagen, Billy Bob Thornton sowie ein halber Meter Neuerscheinungen, die Blue Balls Music halt so zugeschickt bekommt.
Was uns zugestossen ist? Um offen zu sein: Wir haben wohl zu
viel Radio gehört. Zur Erinnerung: Das sind diese geklonten Langweiler, die zwischen Wortbeiträgen («Skandal! Basler Drämmlifahrer bekommen zu kleine T-Shirts ausgeliefert!») oder Phone-Ins («Und was machsch du gäge diä Summerhitz?» – «I lige noch em Fiiraabig i d’Badi!» – «Genial, schpiiiiiizemässig!») kein Musikprogramm mehr verbreiten. Sondern ungefiltert PR der Musikindustrie. Das sind diese Sender mit
Quotencomputern an Stelle von Musikredaktoren, weshalb alle
den gleichen MAFO-Beat in den Äther scheissen: Girlie-Gezirpe, Schunkelrock und Britpop-Geschwuchtel. Lauter Hits. Aber kein einziger Song.
Und in einem solchen Umfeld, heisst es, sollen wir bitte schön Werbung machen. Würden Sie in der NZZ inserieren, wenn das Umfeld nicht mehr aus Journalismus, sondern in gewisser Weise ebenfalls aus Reklame bestünde? Wenn der Chefredaktor Stöhlker statt Bütler hiesse? Die Leserschaft der NZZ zu einer Mainstreambewegung verkommen wäre?
Ich habe 1000 Jahre vor Erfindung von MP3 einmal gelernt, dass «the Medium auch the Message» sei. Und dass man mit Profil mehr Profit macht, mit welchem man wiederum für mehr Profil sorgen kann. Bei Radiosendern und Plattenindustrie gelten offenbar andere Regeln. Und so schraubt man sich munter gegenseitig in den Sumpf der Beliebigkeit, des Schwachsinns und der zweistelligen Gewinnmargen – hinter der Null und dem Komma wohlverstanden.
Trotz allem. Schalten Sie gelegentlich das Radio ein. Hüpfen Sie ein wenig durch die Werbeblöcke. Sie werden leider unschwer erkennen können: Die Reklame ist bereits infiziert worden. Mega fair, oder? Scho.
> Reinhold Weber war in den 80er-Jahren Radio-Werbepionier und ist heute Inhaber vom (Werbe)Büro Reinhold.

Der Beschleuniger

Christian Toberer vermittelt mit seiner Agentur Weissgrund erfolgreich brauchbare Inhalte.

Christian Toberer vermittelt mit seiner Agentur Weissgrund erfolgreich brauchbare Inhalte.
Er war früher internationaler Orientierungsläufer. Da kann nur gewinnen, wer viel Routine hat und Mut zeigt, in jedem Gelände immer wieder nach neuen Wegen zu suchen. Nun hat sich der Ex-Orientierungsläufer Christian Toberer auch beruflich in ein neues Gebiet vorgewagt: Er positioniert seine Agentur auch in der Unternehmenskommunikation. Vor 29 Jahren gründete der als links-grün bekannte Gaudenz Tscharner das TSR-Kampagnenbüro. Seit 15 Jahren ist Toberer dort im Verwaltungsrat. Vor zehn Jahren hat er die Agentur übernommen und führt
sie seither mit konstantem Erfolg. «Klein, fein und mittendrin», erwirtschaftet das Unternehmen an der Zürcher Bellerivestrasse seit fünf
Jahren mit einem halben Dutzend Mitarbeitenden konstant rund 1,2 Millionen Franken Honorar pro Jahr.
Zu den auffallendsten Arbeiten der Agentur gehört die kommunikative Begleitung der Stauprobleme während der sechsjährigen Bauphase des Baregg-Tunnels. Bis vor zwei Jahren haben Toberer und sein Team auch entscheidend mitgeholfen, die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ «vom Verkehrsmittel für alte Leute zum modernen Lifestyle-Produkt» zu ent-
wickeln. Weitere Kunden waren oder sind Pro Helvetia, das Bakom, Uni Zürich und ETH, der WWF, aber auch Swisscom Mobile und IKEA.
Mit «Kommunikation zu Projekten und Themen» könnte man eine Spezialität der Agentur umschreiben. Toberer interessieren die Schub-
laden PR und Werbung nicht. «Heute ist die Auseinandersetzung mit Themen gefragt. Viel mehr als eine aufgeblasene Verpackung.»
Vor knapp zwei Jahren hat das Kampagnenbüro eine Tochtergesellschaft gegründet, mit der vor allem neue Kunden mit anspruchsvollen Bedürfnissen im Bereich Unternehmenskommunikation bedient werden sollten. Unter dem Namen Weissgrund wollte man «ein Jahr lang ausprobieren, was passiert».
Passiert ist viel, denn seit diesem Sommer nennt sich die ganze Agentur Weissgrund. Die Unternehmensentwicklerin Gaby Wyser leitete auf nationaler Verbandsebene und bei den VBZ die Kommunikation, bevor sie bei Toberer als Partnerin einstieg. Am wichtigsten für die Firmenkultur bei Weissgrund ist aber, dass in der Agentur «viel Lebenserfahrung versammelt ist». Toberer ist überzeugt, dass sich dies positiv auf die Inhalte der Kampagnen überträgt. Die Agentur ermöglicht darum bewusst Arbeitsmodelle, die «normalerweise in der Werbung kaum realisierbar sind». So gibt es bei Weissgrund Teilzeitstellen, die von Familienvätern oder Müttern besetzt werden.
Als eine typische Arbeit für seine Agentur verweist Toberer aktuell auf Präventionskampagnen gegen Sucht und sexuelle Übergriffe im Sport. «Das sind heikle Themen, bei denen man nicht mit irgendeiner Werbung vorfahren kann. Da bewegt man sich im Bereich Opfer und Täter und muss subtiler argumentieren, um jemanden dahin zu bringen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.»
Toberer kann für solche Themen als Referenz «ein abgebrochenes Stu-
dium in Psychologie und Publizistik bieten», wie er flachst. Bei Ascom baute er über vier Jahre lang für eine Division die Werbe- und Kommunikationsabteilung auf. Vorher textete er bei einer Agentur Bedienungsanleitungen und lernte nachhaltig, «Inhalte zu vermitteln, die man brauchen kann», wie er heute seine Arbeit umschreibt.
Christian Toberer glaubt, dass heute die Auseinandersetzung mit Themen wichtiger ist als eine aufgeblasene Verpackung.

Andreas Panzeri

Zahl der Woche

12 Prozent Nicht im Kopf, sondern im Kino beginnt der Aufschwung: Nach einem deutlichen Besucherrückgang im letzten Jahr verzeichnet die Schweizer Kinobranche einen deutlichen Eintrittszuwachs.

12 Prozent Nicht im Kopf, sondern im Kino beginnt der Aufschwung: Nach einem deutlichen Besucherrückgang im letzten Jahr verzeichnet die Schweizer Kinobranche einen deutlichen Eintrittszuwachs.Kino Nicht im Kopf, sondern im Kino beginnt der Aufschwung: Nach einem deutlichen Besucherrückgang im letzten Jahr verzeichnet die Schweizer Kinobranche einen deutlichen Eintrittszuwachs. Im ersten Semester 04 stiegen die Besucherzahlen auf 9 Millionen – fast 12 Prozent mehr als im Vorhalbjahr. Die Einnahmen kletterten von 113,5 Mio. auf 128,5 Mio. Franken. Davon gehen 69 Prozent auf US-, 20 Prozent auf europäische und gerade noch 3,3 Prozent auf Schweizer Produktionen.

Gut zum Text

Bücher Ohne Verlage wären Bücher wohl nichts mehr als ein Papierstapel zwischen zwei Deckeln. Erst der Verlag mit seinem Lektorat, der Marketingabteilung und seinen Vertriebskanälen macht aus dem Manuskript ein Buch.

Bücher Ohne Verlage wären Bücher wohl nichts mehr als ein Papierstapel zwischen zwei Deckeln. Erst der Verlag mit seinem Lektorat, der Marketingabteilung und seinen Vertriebskanälen macht aus dem Manuskript ein Buch.Leone Ming führt für den Verlag Frank P. van Eck mit dem Werk «dein Buch» Schritt für Schritt von der Idee zum Buch. Seine kreative Idee hat das Lehrbuch gleich zum Werbemittel selbst gemacht und zeigt alle Stationen auf, die ein Manuskript durchlaufen muss, um über den Ladentisch zu gehen.

Poleposition beim Run auf Zapper

Privatfernsehen Cablecom hat beim Bakom ein Konzessionsgesuch für einen eigenen TV-Sender eingereicht.

Privatfernsehen Cablecom hat beim Bakom ein Konzessionsgesuch für einen eigenen TV-Sender eingereicht.Der Kabelnetzbetreiber will in Zukunft selber Fernsehen machen. Die Cablecom GmbH hat am 14. Juli ein Konzessionsgesuch für ein sprachregionales TV-Programm ein-gereicht. Es geht dabei «um den Ausbau des eigenen Infokanals mit Beiträgen, die im Rahmen der Weiterverbreitungskonzession nicht mehr abgedeckt sind und eine TV-Konzession voraussetzen», schreibt das Bakom in einem Rundbrief zur Anhörung des neuen Gesuchs.Die neue Konzession soll für einen «sprachregionalen Informationskanal» genutzt werden können. Im Konzept der Cablecom ist dabei zu lesen, dass der Kabelnetzbetreiber auf seinem bisherigen Infokanal nicht mehr nur Cablecom relevante Hinweise wie bisher, sondern auch weiterführende Themen zu Gesellschaft, Tourismus, Wetter, Freizeit und Sport verbreiten darf. Der heisse Nebensatz dabei lautet: «Es soll die Möglichkeit bestehen, gesponserte und werbeunterstützte Inhalte verbreiten zu können.»
Mit anderen Worten: Die Cablecom will nicht mehr nur die Programme der anderen verbreiten, sondern selber aktiv in den TV-Markt einsteigen. Was die Konkurrenz dabei beunruhigt, ist natürlich die Poleposition des Netzbetreibers beim Rennen um die Gunst der Zapper.
Kanal 3 oder 30
Bisher war der Infokanal weit hinten unter «ferner liefen» programmiert. Wird der neu aufgewertete Kanal jetzt nach vorne eingewechselt? Welchen der kleineren Privatsender wird er von dort verdrängen? Beunruhigt zeigt sich zum Beispiel Dominik Kaiser, Präsident des Verwaltungsrates von Elevator TV. Dieses Unternehmen hat beim Bakom ein Konzessionsgesuch für die Veranstaltung eines sprachregionalen Jugendfernsehprogramms hängig. Die Cablecom verweigert bisher – wie auch in anderen Fällen von privaten Veranstaltern – die Verbreitung über ihr Kabelnetz und macht geltend, dieses verfüge über keinen Platz für die analoge Verbreitung weiterer Fernsehprogramme.
Wenig glücklich über das Konzessionsgesuch der Cablecom ist auch Paul Grau. Sein Star TV profitiert mit deutlich besseren Zuschauerwerten, seit es den bisherigen Programmplatz von TV 3 in den vordersten Rängen der Zappskala beerben konnte. Wird das so bleiben?
Keine leichte Aufgabe bildet die Anhörung des Bakom für Walter Bosch. Der umtriebige Unternehmer und Medienmann ist nämlich gleichzeitig Verwaltungsrat und Teilhaber bei Star TV sowie im Verwaltungsrat der Cablecom. Gemäss RTVG kann die Konzession für ein TV-Programm nur an
Bewerber mit Sitz in der Schweiz erteilt werden. Die Gesellschafterin der Cablecom GmbH ist die Cablecom Luxembourg mit Sitz in Luxembourg.
Dieses Unternehmen seinerseits hat die CCom Holdings in Gibraltar zur Gesellschafterin, die wiederum eine Tochtergesellschaft der Cablecom Holdings AG ist. Der neue Konzessionssteller ist demnach «schweizerisch beherrscht», wie die Cablecom in ihrem Gesuch geltend macht. Gemäss anderer Sichtweise haben bei der Cablecom U.S.-Investoren das Sagen.
Erste Programmvorschau
Das Zuschauerpotenzial des neuen Senders wird auf 1,1 Millionen
Franken geschätzt. Die geplanten neuen Inhalte sind zum Beispiel Tourismusinformationen mit bezahlten Präsentationen von Ausflugszielen, Hotels und «Sonderangeboten». Über eine «Partnerschaft mit Veranstaltern» können Konzerthinweise platziert werden. Am interessantesten – weil inhaltlich völlig offen – steht im Gesuch, dass der neue Sender Kooperationen mit Programmanbietern eingehen kann und damit auch «neue TV-Formate» anbieten will.
Das Programm wird aufgeschlüsselt in 70 Prozent Informationen, davon sind 60 Prozent Eigenleistung und 10 Prozent Kultur. Sie sollen mit 30 Prozent Eigenleistung bewältigt werden. Für die Unterhaltung sind 20 Prozent des Programms mit 10 Prozent Eigenleistung eingeplant.
Die Stellungnahmen in der Anhörung zum TV-Konzessionsgesuch der Cablecom muss bis zum 3. September 2004 an das Bakom zurückgeschickt werden.
Swisscom goes TVUnter dem Motto «What TV can be» steigt auch die Swisscom-Tochter Bluewin ins Fernsehbusiness ein und wird so – wie Cablecom – zur Mitspielerin im digitalen «Triple Play» (Telefon, Internet und TV über denselben Kanal und Anbieter). Dies jedoch nicht als zusätzliche Programmanbieterin, sondern als reiner «TV-Content-Aggregator» und «Video-Service-Provider». In einem von September bis Dezember 2004 dauernden Marktversuch testet «Bluewin TV» dazu als weltweit erster Internet-Provider das Potenzial der von Microsoft entwickelten «Internet Protocol Television Technology» (IPTV).
Den 630 repräsentativ ausgewählten Teilnehmern bringt «Bluewin TV» via Telefonkabel in diesem ersten Schritt neben den 4 SRG-Sendern, 21 weiteren Free-TV-Stationen sowie 5 Pay-TV-Anbietern auch Video on demand ins Haus. Die dazu nötige Settopbox bietet neben einem Electronic Program Guide (EPG) auch die Möglichkeit, per «Live Pause»-Taste Werbeblöcke zu überspringen. Diese Funktion sei bei den Sendern «weniger auf Ablehnung als auf Neugier gestossen», so Projektleiter Michael Zumsteg. Denn umgekehrt eröffne IPTV völlig neue Wege für «die interaktive, punktgenaue und entsprechend effiziente TV-Werbung der Zukunft». (oc)
Cablecom will nicht mehr nur die Programme der anderen verbreiten, sondern selber aktiv TV machen.
Auch Bluewin will im TV-Business mitmischen.
«Beide bleiben Distributeure»Triple Play Medienberater Andreas Hürlimann* über die Motivationen und Optionen von Swisscom und Cablecom.
WW Herr Hürlimann, handelt es sich beim Kopf-an-Kopf-Rennen im TV-Geschäft zwischen Cablecom und Swisscom um einen reinen
Infrastruktur-Wettbewerb?
Andreas Hürlimann Dem ist so. Dass derzeit in der Öffentlichkeit ein anderer Eindruck entstehen kann, liegt daran, dass die Schweiz mit ihrer sehr hohen Breitband-Durchdringungsrate von über 20 Prozent ein idealer Testmarkt für Triple Player ist, die Telefonie, Internet und TV aus einer Hand anbieten. Begünstigend wirkt auch das europaweit tiefste Preisniveau für Breitband-Internet-Anschlüsse. Selbst wenn Cablecom Schritte in Richtung eigenes Programm plant und Swisscom mit The 13th Street, SciFi und National Geographic erste Broadcast-Rechte erworben hat: Beide Unternehmen bleiben letztlich Distributeure.
Die bestehenden Schweizer TV-Marktteilnehmer brauchen also keine neue Konkurrenz zu fürchten.
Jeder Infrastruktur-Betreiber hegt Wunschvorstellungen, eines fernen Tages auch mit eigenen Inhalten und Programmen Geld zu verdienen. Die Wirklichkeit bestimmen aber die Rechteinhaber in Hollywood, München und anderswo. Und die wollen die Übertragung ihrer Premium-Inhalte unter Kontrolle behalten. Der kleine Schweizer Markt lässt allenfalls zwei, drei Nischenansätze zu, mehr nicht.
Wenn nicht um Rentabilität, worum geht es für Swisscom und Cablecom beim Triple Play dann? Um Prestige oder Kundenbindung?Das mag beides eine gewisse Rolle spielen. Wichtiger ist aber, dass Swisscom in ihrem Heimmarkt einzig durch solche Geschäftsfelderweiterungen noch zulegen könnte. Und Cablecoms Eintritt in den hier zu Lande relativ hochpreisigen Telefoniemarkt hängt sicher mit den Wachstumserwartungen der Investoren zusammen.
Welche Erwartungen darf die Werbewirtschaft an die neuen Mitspieler und ihre Produkte haben?Für Auftraggeber und deren Agenturen sind digitale Innovationen wie zeitversetztes Fernsehen und Personal Video Recording ein äusserst zweischneidiges Schwert. Die neue Technologie ermöglicht nämlich nicht nur das Ausblenden von Unterbrecher- und Scharnierwerbeblocks, sondern auch interaktive Werbeformen und genaue Zielgruppenkommunikation. Denn rein technisch könnte der Konsument per IPTV nicht nur seine Programme, sondern auch Produktinteressen selektionieren. Ob die Schweizer Werbewirtschaft diese neuen Dienste deshalb unterstützt oder aber Kannibalisierungsängste die Oberhand behalten, bleibt abzuwarten.
Sicher scheint hingegen, dass die hängige RTVG-Revision dieser Entwicklung bereits heute meilenweit hinterherhinkt.
Völlig richtig. Meines Erachtens bräuchten wir statt dieses Flickwerks erstens ein nüchternes Infrastrukturgesetz – im Sinne einer Erweiterung vom Fernmeldegesetz in alle relevanten Bereiche – und zweitens ein allgemeines Mediengesetz mit separatem SRG-Anhang. Alles andere läuft an den technologischen Entwicklungen und am Markt vorbei. Interview: Oliver Classen
*Andreas Hürlimann ist Partner und Global Head of Telecommunications, IT and Media bei Arthur D. Little in Zürich.
Andreas Panzeri
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