Grosser Sprung

Jakob Nef will als CEO die neue AZ Direct Schweiz zur besten Adresse im Direct Marketing machen.

Jakob Nef will als CEO die neue AZ Direct Schweiz zur besten Adresse im Direct Marketing machen.Über den Hag fressen kann es auf die Dauer nicht bringen. In der Vergangenheit war es so, dass die dm-plus Direktmarketing AG in St. Gallen im Bereich der Firmenadressen immer wieder versucht hat, in das Spezialgebiet der SPDS in Luzern einzudringen, sagt Jakob Nef. Umgekehrt hätte diese Konkurrenz auch angefangen, mit Adressen aus dem Consumer-Bereich zu arbeiten. Seit Oktober haben deshalb «ernsthafte Gespräche» über eine Fusion der beiden stattgefunden. «Wir haben bald eingesehen, dass es nicht ideal ist, wenn man die doppelten Investitionen machen muss», erklärt Jakob Nef. An der X’04 wurde der bisherige Chef aus St. Gallen nun als neuer CEO einer fusionierten Firma vorgestellt. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass die deutsche Direktmarketingfirma AZ Direct in die Schweiz expandiert.
Die Tochter des Bertelsmann-Konzerns übernimmt die beiden Unternehmen dm-plus in St.Gallen und dm michelotti ag in Rotkreuz sowie die dm-plus Direktmarketing GmbH in Wien von der zu IHA-GfK gehörigen bwv-Holding AG, die sich somit aus dem Direktmarketing verabschiedet. dm-plus wird mit der bestehenden Schweizer AZ-Tochter SPDS in Luzern zur schweizerischen AZ Direct AG zusammengeführt; auch die dm michelotti hat ihren Platz unter der Dachmarke AZ Direct gefunden.
«Unsere Strukturen ergänzen sich ausgezeichnet», begründet Nef die neue Form der Zusammenarbeit. Man hat «praktisch keine doppelten Funktionen», und auch im technischen Know-how arbeiten alle Beteiligten auf den gleichen Plattformen. Und: «Von der Firmenkultur her sind wir uns sehr ähnlich», freut sich der CEO.
Das neue Gebilde AZ Direct ist nun grösster Anbieter der Branche in der Schweiz. Nef betont aber, dass ihm Qualität wichtiger als Grösse ist. «Durch das Zusammenlegen haben wir grundsätzlich mehr Datenquellen. Durch das Zusammenlegen sollten auch mehr Ressourcen für unsere Kunden frei werden», hofft der neue DM-Leader.
Jakob Nef ist nicht auf direktem Weg in das Business des Direktmarketings gekommen. Nach einer Lehre als Elektroniker hat er die Matura nachgeholt und anschliessend in St. Gallen und München Volkswirtschaft und Raumplanung studiert. Nach Abschluss der Studien hat der frisch gekürte Spezialist für Standortplanung eine erste Stelle bei Yves Rocher angetreten. Mehr als Standort-fragen musste er aber aktuelle Probleme mit dem Planen der Versandhandelsaktivitäten lösen. «Damit bin ich ins Direct Marketing rein- und nicht mehr rausgekommen», erinnert sich Nef. Künzler-Bachmann und die Curti-Gruppe waren die nächsten Stationen seiner Karriere, bervor er sich in St. Gallen an der bwv AG, der früheren Mutterfirma der dm-plus Direktmarketing AG, beteiligte.
Jakob Nef entspannt sich am liebsten beim Velofahren. In diesem Sommer hat er die deutsch-polnische Grenze sowie die Ostseeküste abgefahren. Dabei sind «sogar der Sohn und eine der erwachsenen Töchter mitgekommen», freut sich der Familienmensch.
Durch Firmenfusion zum Komplettanbieter geworden: Jakob Nef, Chef der neuen AZ Direct Schweiz.
Andreas Panzeri

Rado wird Co-Sponsor der Swisscom Challenge

Tennis Die Swisscom Challenge hat Rado als zweiten Co-Sponsor neben Peugeot gewonnen.

Tennis Die Swisscom Challenge hat Rado als zweiten Co-Sponsor neben Peugeot gewonnen.Tennis Die Swisscom Challenge hat Rado als zweiten Co-Sponsor neben Peugeot gewonnen. Die Uhrenmarke, die zur Swatch-Gruppe gehört, hat mit dem Damen-Tennisturnier einen Dreijahresvertrag unterzeichnet. Rado ist seit 20 Jahren im Tennis-Sponsoring aktiv. Bei der Swisscom Challenge war die Marke schon bisher für die Zeitangabe und die Messung der Aufschlagsgeschwindigkeit verantwortlich.

Stocks im Aufwind

Zeitschriften Auch im garstigen Börsenklima vermag sich das Anlegermagazin Stocks gut zu behaupten.

Zeitschriften Auch im garstigen Börsenklima vermag sich das Anlegermagazin Stocks gut zu behaupten.
Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte Stocks für seinen Start im November 2000 kaum wählen können: Konzipiert für den einmaligen Boom an den Finanzmärkten, kam das Anlegermagazin der Verlagsgruppe HandelsZeitung in den Markt, als die Party zu Ende war und die privaten Anleger der Börse den Rücken kehrten: Noch in der Lancierungsphase war Stocks mit einer massiven Schrumpfung und Umschichtung seiner Zielgruppe konfrontiert.Das Magazin hat die Hürde erfolgreich genommen. «Die Leser sind zurückgekehrt. Wir setzen mehr als 20000 Exemplare ab», so Verleger Ralph Büchi bei der Präsentation der Resultate einer Leserbefragung durch die Publicom. Die Noten, mit welchen die Stocks-Leserschaft ihr Magazin bewertet, sind überdurchschnittlich. «Noch besser kann eine Zeitschrift kaum abschneiden», sagte Publicom-Chef René Grossenbacher. Den Break-even für das schlank produzierte Heft erwartet Büchi im nächsten Jahr.
In die Hände gespuckt: Stocks trotzt der Börsenbaisse.
(dse)

TBS Identity gibt Sehhilfe Bern ein neues Gesicht

Sozialwesen Die Zürcher Agentur TBS Identity realisiert einen neuen Auftritt für die Sehhilfe Bern.

Sozialwesen Die Zürcher Agentur TBS Identity realisiert einen neuen Auftritt für die Sehhilfe Bern.Er solle die Institution und ihre Dienstleistungen transparent kommunizieren, heisst es in einer Mitteilung. Die Sehhilfe bietet blinden, seh- und mehrfachbehinderten Menschen im Kanton Bern Wohn-, Arbeits-, Beratungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten. Sie vereint die drei Institutionen Neufeldhaus, Vereinigte Blindenwerkstätten und Beratungs- und Rehabilitationsstelle für Sehbehinderte und Blinde des Kantons Bern.

Als die Aargauer das Brauen lernten

Getränkemarkt Wie anno 1876 braut Feldschlösschen sein Urtrüb. SFLB schürt dafür den Geschlechterkampf.

Getränkemarkt Wie anno 1876 braut Feldschlösschen sein Urtrüb. SFLB schürt dafür den Geschlechterkampf.Die gleichen Werber, die vor kurzem noch das Glas auf die Einführung des Frauenstimmrechts erhoben, schwelgen seit neuestem in präemanzipatorischen Erinnerungen: «Bier wie in den guten alten Zeiten – als Frauen noch kochen konnten» und «als Männer noch keine Hausarbeiten verrichten mussten». So provokativ die Copys von Spillmann Felser Leo Burnett klingen, auf das neue Feldschlösschen Urtrüb, das sie einführen sollen, treffen sie zu. Denn die Rezeptur des urchigen Biers stammt noch vom Firmenmitgründer Theophil Roniger, der 1876 sein erstes Feldschlösschen braute. Spezialbiermarkt ankurbeln
Vor 128 Jahren steckte die Emanzipation wahrlich noch in den Kinderschuhen. Trotzdem: Die frauenfeindlichen Headlines und zumindest aus Männersicht nostalgischen Bilder könnten einigen Frauen sauer aufstossen. Das nimmt die Feldschlösschen Getränke AG in Kauf, rechnet gar damit. Anders als der Uhrenhersteller IWC, der mit chauvinistisch angehauchten Headlines gerade Frauen ansprechen will, zielt Feldschlösschen ausschliesslich auf eine männliche Zielgruppe. «Das naturtrübe Bier spricht von der Produktecharakteristik eher Männer an», meint Matthias Kiess, Senior-Brand-Manager bei Feldschlösschen. Und er ist sogar überzeugt, dass das traditionelle Gebräu, schon fast als Mutter aller Biere, ein Männerprodukt ist. Dieses Merkmal habe man durch die Kampagne verstärkt hervorheben wollen, so Kiess weiter.
Tatsächlich ist das Marktsegment der Spezialitätenbiere, zu denen auch die naturtrüben zählen, rückläufig. Rund 4,3 Millionen Hektoliter Bier trank die Schweizer Bevölkerung im vergangenen Jahr. Davon entfallen nur gerade 5,4 Prozent auf Spezialitätenbiere. Im Detailhandel ergibt sich gemäss Matthias Kiess zwischen Lager- und Spezialitätenbieren ein Verhältnis von 91 zu 9. Mit dem neu eingeführten Feldschlösschen Urtrüb will der Marktführer den Konsum von Spezialitätenbieren wieder ankurbeln. Dafür hat das Brauereiunternehmen das Vorläuferprodukt Quinto vom Markt genommen. Dieses habe, so der Senior-BM, seinen Zenit mehr als überschritten und zudem auf Grund des schwierig zu kommunizierenden Fünfkornkonzepts bei den Kunden nicht richtig positioniert werden können.
Das soll jetzt mit der breiten Kampagne für Urtrüb geschafft werden. Das junge Bier nach dem alten Rezept geniesst gegenüber seinem Vorgänger das Privileg, bereits vom Namen her als naturtrübes Bier erkennbar zu sein. Und weil die gute alte Zeit für Männer nicht nur zu Hause schöner war, haben die SFLB-Kreativen für das Urtrüb nicht nur frauenfeindliche Plakate und Inserate konzipiert. Das Sujet «Als Männer noch Männer waren» zeigt die glücklichen Tage, als das starke Geschlecht den Bären noch schoss, bevor es das Fell verkaufte. Aus Frauensicht zwar unbedenklich, ist das Bild dafür bereits bei Jagdgegnern auf Protest gestossen.
Und wer im Zürcher Hauptbahnhof die Headline liest «Als es in Zürich noch weniger Aargauer hatte» und meint, dass Aargauer Witze selbst in der Werbung abgedroschen sind, der muss wahrhaftig ein Zürcher sein. Die Aargauer Pendler nämlich verstehen den Wink – schliesslich braut Feldschlösschen seit über 125 Jahren Bier in ihrem Kanton.
Werbung wie zu Omas ZeitenBilder von gestern für Produkte von heute: Nostalgie scheint anzukommen. Für Swisscom IT Services bediente sich bereits Euro RSCG vergilbter Porträts von Frauen berühmter Männer. Auch Hofer Kommunikation blättert für Visana Services im Familienalbum und peppt Schnappschüsse von damals mit Copys von heute auf. Alte Zeiten beschwört auch die Agentur Zünd herauf, hier für das Trendgetränk Cooler (s. Bild). Die Retrowelle ist
also auch in die Kreativagenturen übergeschwappt. Wen wunderts: Ein Shooting ist nicht ganz billig, und alte Fotos gibts nach Ablauf
der Urheberrechte umsonst. (sk)
Als man das Bier noch trüb trank und die Männer noch das Sagen hatten: Feldschlösschen erinnert an seine Gründerjahre, und SFLB steuert zeitgemässes Macho-Gehabe bei. >> Seite 9
Mannhafte Zeiten bei Feldschlösschen: Nach der Jagd gehts gleich zum Bier.
Simone Keller

Sunrise wechselt komplett zu Advico

Telecom Sunrise betraut Advico Young & Rubicam (AY&R) per Anfang 2005 mit seiner gesamten Marketingkommunikation. AY&R ist seit Januar 2003 für den Bereich Geschäftskunden zuständig.

Telecom Sunrise betraut Advico Young & Rubicam (AY&R) per Anfang 2005 mit seiner gesamten Marketingkommunikation. AY&R ist seit Januar 2003 für den Bereich Geschäftskunden zuständig.Der Privatkunden-Etat des Telecomkonzerns wird seit 2001 von Wirz Werbung betreut. Diese Zusammen-arbeit wird per Ende Jahr aufgelöst. Wirz verliert damit einen ihrer grössten Kunden. Die Konsolidierung soll segmentübergreifende Marketingkommunikation ermöglichen.

Altes Rezept für junge Leser

Programmpresse Mit TV und Kino pur will Tele mehr junge Leser gewinnen. Deutsche Blätter habens vorgemacht – und sind schon viel weiter.

Programmpresse Mit TV und Kino pur will Tele mehr junge Leser gewinnen. Deutsche Blätter habens vorgemacht – und sind schon viel weiter.Ein eigentliches Medienmagazin wollte Tele mit dem letzten Relaunch im Herbst 2002 werden. Um in der jungen Zielgruppe attraktiv zu bleiben, rückte Chefredaktor Klaus Kriesel Internet, Elektronik, Musik und DVD ins Scheinwerferlicht.Zwei Jahre später dreht Herausgeber Ringier das Rad zurück. Nachdem Kriesel die Zeitschrift bereits im Frühling verlassen hat, positioniert sich Tele ab 15. Oktober als «Das Schweizer TV- und Kino-Magazin». Alles soll sich um Film und Fernsehen drehen – mit klarem Schweizer Bezug. Dadurch werden in der Redaktion 8,1 Stellen überflüssig, der Umfang wird leicht angepasst. Die Leser sollen davon aber wenig merken, so Alexander Theobald, Ringiers Zeitschriftenleiter: Verzichtet werde auf Inhalte, die man in einer Programmzeitschrift nicht erwarte.
Für Theobald bedeutet der Relaunch nicht, dass das bisherige Konzept gescheitert ist. Er spricht von einer Weiterentwicklung, die bestehende Stärken ausbaut. Dennoch ist klar: Als «Medienmagazin» konnte Tele den Auflagenschwund nicht stoppen. Für 2002 wies die Wemf einen Rückgang um 4,3 Prozent aus. 2003 sank die Auflage nochmals um 6,4 Prozent auf 200500 Exemplare.
«International verlieren alle TV-Zeitschriften an Auflage», wiegelt Theobald ab. Die Ausnahme ist ausgerechnet Erzrivale TR7 aus dem Haus Jean Frey. Es legte 2002 um 0,6 Prozent und 2003 um 2,1 Prozent zu. Dieses Wachstum gegen den Trend verdanke TR7 hauptsächlich seinen Vertriebskooperationen mit diversen Zeitungen, glaubt Theobald.
Deutschland machts vor
Ob man den Relaunch nun als Kehrtwende sieht oder als Evolution: Auch die künftige Ausrichtung zielt klar auf das junge Publikum. Das zeigt ein Blick auf den Markt der Programmzeitschriften in Deutschland. TV Spielfilm und TV Movie tragen Ringiers neues Konzept bereits im Titel. Laut dem deutschen Fachmagazin Horizont besitzen diese beiden Blätter die jüngste Leserschaft im dichten Wald der so genannten «Programmies». Durchschnittsalter: rund 39 Jahre.
Eine Überalterung der Tele-Leserschaft bestreitet Theobald. Tele habe ein recht junges Publikum. Tatsächlich zeigt die Mach Basic, dass 66,5 Prozent der 711000 Tele-Leser zwischen 14 und 49 Jahre alt sind. Das Schweizer Publikum von TV Spielfilm liegt aber zu 88,5 Prozent in dieser Zielgruppe. Drei Viertel sind gar unter 39 Jahre alt.
Und TV Spielfilm wird in der Schweiz immerhin von 313000 Personen gelesen. Neben dem Magazin aus der Verlagsgruppe Milchstrasse ist auch Bauers TV Movie hier zu Lande erhältlich, zusammen mit einem Dutzend weiterer deutscher Titel, deren Schweizer Leserschaft nicht erhoben wird. Diesen Inspill abzuwehren und das heimische Publikum zurückzuerobern, ist die Herausforderung, der sich Tele mit dem neuen Konzept stellt.
Ringier habe den deutschen Programmie-Markt studiert und dabei einige Erkenntnisse gewonnen, bestätigt Theobald. Als Beispiele nennt er Preissensitivität, Erscheinungsintervall und die Qualität der Listings, die bei den deutschen Titeln vorbildlich sei. Welche Lehren der Verlag daraus für Tele zieht, lässt sich der Zeitschriftenleiter dagegen nicht entlocken.
Der Lernprozess verläuft mit schweizerischer Langsamkeit. Immerhin wurde TV Spielfilm bereits 1990 lanciert. Mittlerweile sind im deutschen Markt andere Entwicklungen aktuell. Mit TV Sünde (Erotik) und TV Spass (Serien) erscheinen Programmies, die sich an spezielle Zuschauersegmente richten. Mit TV Piccolino und TV 4×7 hält das Pocketformat in diesem Segment Einzug. Zum wichtigsten neuen Schlachtfeld wird aber das digitale Fernsehen. Es vervielfacht die Zahl der empfangbaren Kanäle und damit auch das Bedürfnis nach Programmübersicht. Sechs Millionen deutsche Haushalte besitzen zurzeit digitale Anschlüsse. Bis 2010 sollen es 35 Millionen sein. Nachdem der Abosender Premiere sein eigenes TV-Magazin im Juni eingestellt hat, streiten sich die Verlagsriesen Springer und Bauer mit den Neulancierungen TV Digital und TV World um die heimatlos gewordene Leserschaft. Andere Verleger bieten Supplements zu ihren Programmies an.
Digitale Programmexplosion
Auch in der Schweiz nimmt der Digital-TV-Zug Fahrt auf. Neben Teleclub und Cablecom plant die Swisscom den Einstieg. Bei Ringier wird offenbar erst einmal abgewartet. Eine eigene Zeitschrift für digitale Programme zu lancieren, wäre für Alexander Theobald «eine grosse Kiste». Fraglich sei immer, ob solche Projekte beim geringen Leserpotenzial der Schweiz wirtschaftlich arbeiten könnten. Als «charmante Idee» bezeichnet Theobald den Vorschlag, das digitale Programm von Teleclub – an dem Ringier beteiligt ist – in Tele aufzunehmen.
Einen ersten Schritt in Sachen Digital-TV hat TR7 gemacht. In knapper Form präsentiert es die Angebote der Pay-per-view-Filmkanäle von Cablecom. Den Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland betont aber auch TR7-Chefredaktor René Hildbrand: TV-Zeitschriften hätten im deutschen Anzeigenmarkt einen höheren Stellenwert, «die deutschen Werbekunden haben begriffen, wie gut diese Titel funktionieren. Da blicke ich manchmal neidisch über die Grenze.»
TV vier stärkt Ringiers MarktanteilGleichzeitig mit dem Relaunch von Tele hat Ringier den Kauf von TV vier bekannt gegeben. TV vier beschränkt sich inhaltlich auf Programmlisten und Rätsel. Der Monatstitel wird ohne eigene Redaktion von externen Zulieferern konfektioniert. Lanciert wurde TV vier Anfang 2001 von der Vierwaldstätter Verlags GmbH. Zuerst mit angeblich 300000 Exemplaren breit gestreut, wurde die Auflage nach einem Jahr auf 80000 zurückgefahren. Laut Ringier werden zur Zeit 60000 Exemplare gedruckt. TV vier enthält nahezu keine Inserateseiten. Dennoch arbeitet es laut Ringier-Zeitschriftenleiter Alexander Theobald profitabel.
«TV vier hat sich klar auf die Auflagen der etablierten TV-Zeitschriften ausgewirkt», begründet Theobald die Übernahme. Mit der Zeitschrift baut Ringier seinen Anteil am Lesermarkt im Programm-Segment weiter aus. Tele und das Tamedia-Joint-Venture TV täglich deckten bereits 50 Prozent ab. «Wie sich die Übernahme von TV vier genau auswirkt, wissen wir, wenn die Zahlen von Mach und Auflagenbeglaubigung vorliegen», erklärt Theobald. An beiden solle TV vier so bald wie möglich teilnehmen. Die Anmeldung in diesem Jahr sei allerdings nicht mehr möglich gewesen. (sm)
Die Tele wird neu: Deutsche Blätter standen Pate beim Konzept.
Stefano Monachesi

Bündner Etat für Ideart

Hotellerie Die Luzerner Design- und Werbeagentur Ideart realisiert einen neuen Auftritt für das Hotel Centrale in Poschiavo GR.

Hotellerie Die Luzerner Design- und Werbeagentur Ideart realisiert einen neuen Auftritt für das Hotel Centrale in Poschiavo GR.Ideart gestaltet zunächst Logo, Schriftzug und Homepage neu. Später werden Briefschaften und ein Hotelprospekt realisiert.

Das Happy End liegt in der Urne

Filmförderung Krieg Schlupp Springer & Jacoby haben dem Schweizer Film ein paar neue Titel gegeben.

Filmförderung Krieg Schlupp Springer & Jacoby haben dem Schweizer Film ein paar neue Titel gegeben.Schweizer Filme sorgten in den letzten Jahren wie schon lange nicht mehr für Gesprächsstoff. «Achtung, fertig, Charlie» hat über eine halbe Million Kinobesucher erreicht. «Ernstfall in Havanna» hat Kritik und Publikum einhellig begeistert. Studiofilme wie «Utopia Blues», «Strähl» oder «Forget Bagdad» haben internationale Preise gewonnen. Trotzdem können solche Filme aber kaum ihre Produktionskosten decken, weil die Reichweite in der Schweiz zu klein ist. Ohne öffentliche Gelder ist – wie in anderen europäischen Staaten – kaum ein ambitioniertes Kinoprojekt realisierbar.Massive Aufstockung geplant
Das Zentrum des Deutschschweizer Filmschaffens ist die Region Zürich. Stadt und Kanton wollen ihre gemeinsame Filmförderung neu ordnen und ihre Jahressubventionen auf gegen 8 Millionen Franken vervierfachen. Voraussetzung dafür ist, dass der städtische Beitrag von 3 Millionen bei der Abstimmung am 26. September durchkommt. Dann würde eine Filmstiftung mit einem Startkapital von 20 Millionen Franken aus dem kantonalen Lotteriefonds eingerichtet.
Abstimmungskampagne läuft: Filme werben um Subventionen.
Logischerweise steht die Schweizer Filmbranche hinter dieser Vorlage. Filmförderung ist ein Thema, das aber auch die Werbewirtschaft betrifft – wer mithelfen kann, die Abstimmung zu gewinnen, sollte das deshalb tun.
Für den Verein Zürich für den Film (VZF) hat Krieg Schlupp Springer & Jacoby eine der Sache entsprechende kreative Abstimmungskampagne realisiert. Gezeigt werden Filmplakate und die Filmtrailer der erfolgreichsten Schweizer Filme. Diese sind neu getextet und neu vertont worden.
«Wir haben uns gern in den Dienst der Sache gestellt, und auch von Seiten Druckerei und Repro wird diese Kampagne mit sehr viel Goodwill unterstützt», darf die Zürcher Agentur Krieg Schlupp Springer & Jacoby stolz verkünden. Die neu geschnittenen Filmtrailer sind bereits Kult. Für die Neuvertonungen waren immer die originalen Schauspieler selbst im Studio. Von Viktor Giacobbo über Mathias Gnädinger bis Mike Müller und Melanie Winiger.
Andreas Panzeri

Radios ellbögeln mit Power

Gattungsmarketing Im harten Kampf um Werbemarktanteile soll Radiopower.ch Wachstum bringen.

Gattungsmarketing Im harten Kampf um Werbemarktanteile soll Radiopower.ch Wachstum bringen.Ob Hochkonjunktur oder Rezession, der Anteil der Radiowerbung am gesamten Werbemix dümpelt in der Schweiz seit Jahren bei drei bis vier Prozent, für mehr reichte es bislang nicht. Verglichen mit dem Durchschnitt aller westeuropäischen Länder (sechs Prozent) hat die Branche Nachholbedarf. Das hat sie auch erkannt und in den letzten Monaten ihre Anstrengungen punkto Gattungsmarketing intensiviert. Den Auftakt machten Radiospots für mehr Radiowerbung, die im letzten Frühling auf den Sendern zu hören waren, einige Sender strahlten zudem auf eigene Faust Werbung für (lokale) Radiowerbung in den Äther aus.Nun gaben sich die Deutschschweizer Privatradios einen erneuten Ruck und gründeten zusammen mit den vier Vermittlern Radiotele, IP Multimedia, Spot Promotion und CoverMedia sowie mit vier Tonstudios die IG Radiopower.ch, die sich am Radio-Day am 1. September erstmals mit grossem Stand, eigenem Logo und einem Flyer präsentierte. Dasselbe gilt auch für die Homepage www.radiopower.ch.
Konzertierte Aktion
Ab 2. September strahlen zudem sämtliche Sender eine neue Testimonialkampagne aus: In jedem der zehn Spotsujets erklärt je ein Werbeleiter oder Mediaberater, weshalb er (auch) auf Radiowerbung setzt. Stefan Nägeli von Denner tut es, weil er so ein jüngeres Publikum erreicht und diesem die Werbebotschaften «hörbar, originell und unterhaltend» übermitteln kann. Und Beat Fingerhut von Ikea bezeichnet Radiowerbung als «flexibel, qualitativ gut und günstig». Den gesamten Radiopower.ch- Auftritt gestaltete die Agentur Aformat in Luzern, die Spots kreierte das Tonstudio Jingle Jungle.
«Unser Ziel ist, dass künftig das ganze Gattungsmarketing unter
Radiopower.ch läuft», sagt Initiant Richi Gasser, Leiter Verkauf und Marketing bei Radio 24. Und Felix Kilchsperger von Radiotele ergänzt: «Mit der Homepage wollen wir den Zugang zum Medium Radio erleichtern. Die führenden Deutschschweizer Pools, Vermarkter und Tonstudios sind auf einen Click zu finden.»
Initianten haben ehrgeizige Ziele
Ein weiteres Ziel von Radiopower.ch formuliert Michi Frank von der IP Multimedia: «Wir wollen den Mediamix verändern, indem wir mehr Werbung ins Radio holen.» Eine Steigerung des Radioanteils auf sechs Prozent in drei Jahren hält er für möglich. «Radio ist nicht nur für kurzfristige Aktionen, sondern auch für Branding-Kampagnen geeignet», weiss er.
Wofür braucht es eine IG neben dem Verband Schweizer Privatradios (VSP)? Das Gattungsmarketing war VSP-intern immer schon ein Thema, doch behandelte die Arbeitsgruppe (Taskforce) auch politische und programmliche Fragen. Als Anfang Jahr die fünf City-Pool-Radios dem VSP den Rücken kehrten, wurde ein neues Gremium für das Gattungsmarketing nötig (siehe auch Interview). So ist Gassers Initiative als Schneise aus der Selbstisolation zu sehen, auch sollen «endlich Kommerz und Verband» (Zitat Gasser) beziehungsweise Gattungsmarketing und Politik getrennt werden.
Rabatte und neuer Radiospot-AwardDie weiter gesteckten Ziele von Radiopower.ch: Felix Kilchsperger will in Kürze auch die Westschweizer Radios einbeziehen. Weiter laufen Anstrengungen, dass alle Radios und Pools auf Anfang Oktober ihre Tarife 2005 vorlegen. Für den Sommer in einem Jahr arbeitet man an einem einheitlichen Sommerrabatt. Zudem wird Radiopower.ch einen neuen Award für Radiospots lancieren, der jeweils Ende März präsentiert wird.
Eine Arbeitsgruppe legt demnächst Kriterien fest und wählt die Jury. Dass der Award den bisherigen Preis «Das goldene Ohr» konkurrenzieren wird, ist man sich bewusst. «Wir haben uns seinerzeit darum bemüht, dass die Radios beim «goldenen Ohr» mitmachen und mitzahlen», sagt Kilchsperger. «Doch nun wurden die Privatradios plötzlich ausgeladen. Wir wissen weder warum noch wie es dort weitergeht.» (mk)
Trister Vergleich: In der Schweiz ist der Werbemarktanteil der Radios sehr tief. Zusammenstellung: Allmediaconsulting
Markus Knöpfli

Missbrauchte Verlagsmacht

Aufgefallen Eine konzertierte Verlagsaktion stilisierte die unsägliche Rechtschreibreform zum noch unsäglicheren Sommerlochfüller. Mit solchen Kampagnen in eigener Sache diskreditiert sich die Journaille.

Kolumne Eine konzertierte Verlagsaktion stilisierte die unsägliche Rechtschreibreform zum noch unsäglicheren Sommerlochfüller. Mit solchen Kampagnen in eigener Sache diskreditiert sich die Journaille.In der nachrichtenarmen Sommerzeit «entdecken» die Medien Jahr für Jahr irgendein Thema und blasen es zur Sensation auf – sei es das Ungeheuer von Loch Ness, sei es die Gefahr, die von Kampfhunden ausgeht, sei es jene ostdeutsche Flutkatastrophe, die im Wahljahr 2002 alle anderen Themen verdrängte und erheblich zum Ausgang der Bundestagswahl beigetragen hat. Spannend, weil nicht vorhersagbar, ist eigentlich nur, was von Journalisten oder ihren Einflüsterern, den PR-Strategen und Medienberatern, auf die Agenda gesetzt und dann wochenlang ausgelutscht wird.Heuer war es erst in Deutschland, dann auch in der Schweiz die Rechtschreibreform. Im Frühling schien es noch undenkbar, dass sie neuerlich so die Gemüter erhitzt – vor allem angesichts all der anderen Probleme, mit denen man sich dies- wie jenseits des Rheins herumschlagen muss. Doch dann erklärten einflussreiche Verlagshäuser wie Springer, Spiegel und Süddeutsche Zeitung ihre Rückkehr zur alten Rechtschreibung und inszenierten – gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich von Anfang an der Reform verweigert hatte – als Begleitmusik eine bislang beispiellose Medienkampagne.
Die Bild-Zeitung etwa titelte «Weg mit der Schlechtschreibreform» und behauptete, die Mehrheit der Deutschen wolle zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Als Beleg wurde allerdings nicht eine repräsentative Umfrage angeführt. Es genügten Statements von Fussballstars und anderen Promis, bei denen man durchaus zweifeln darf, ob sie je die alten oder die neuen Schreibweisen beherrscht haben. Die FAZ füllte über Wochen hinweg ihre Seiten mit Meldungen und Meinungsbeiträgen zum Thema. Eine ganze Feuilleton-Seite wurde einem Beitrag frei geräumt, der am Beispiel Chinas (!) zeigen sollte, wie man eine missglückte Schreibreform zurücknehmen kann, ohne das Gesicht zu verlieren.
Gewiss, die Rechtschreibreform war und ist das Werk regelungswütiger Bürokraten und Politiker. Andererseits hat die Neugestaltung nur einen Erosionsprozess beschleunigt, der in modernen Gesellschaften ohnehin kaum aufhaltbar erscheint: dass die Verbindlichkeit von Schreibregeln ab- und die Unsicherheit über Schreibweisen zunimmt. Irgendwie mutet der so erbitterte wie verspätete Widerstand grotesk an. Er ähnelt, so der Publizist Ansgar Fürst, «der Beherztheit eines Mannes, der sich entschlossen hinter den fahrenden Zug wirft».
Zudem hat der Protest einen überaus fragwürdigen Aspekt. Ärgerlich ist, mit welcher Hemmungslosigkeit Verlage und ihre Journalisten von der geballten Macht der veröffentlichten Meinung Gebrauch machen, sobald ihre Eigeninteressen berührt sind. Das lässt erahnen, wie skrupellos Fernsehsender und Verlage ihre Positionen vertreten, wenn es mal nicht bloss um orthografische Besitzstandwahrung geht. Beängstigend ist also weniger diese überflüssige Reform als die Dreistigkeit, mit der (Chef-)Redaktionen – statt sich auf ihre Rolle als «Merker» zu konzentrieren – an Parlamenten vorbei in eigener Sache Politik machen.
Die wahre populistische Gefahr der Zukunft gehe nicht von den Le Pens, Finis, Schills oder Möllemanns dieser Welt aus, sondern von den Medien, warnte vor geraumer Zeit schon der Publizist Roger de Weck. Das Tamtam um die Rechtschreibreform im Sommerloch 2004 war nicht zuletzt eine Niederlage des seriösen, distanzierten, auf Trennung von Nachricht und Meinung bedachten Journalismus. Höchste Zeit also, an ein geflügeltes Wort des verstorbenen «Tagesthemen»-Moderators Hajo Friedrichs
zu erinnern: «Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten.»
> Stephan Russ-Mohl ist Publizistikprofessor an der Universität Lugano.

X’04 besser besucht

Total 11670 Personen (+10,6%) besuchten die Marketingmesse X'04. 2003 verbuchte sie noch einen Rückgang von 7,1%.

Total 11670 Personen (+10,6%) besuchten die Marketingmesse X’04. 2003 verbuchte sie noch einen Rückgang von 7,1%.Messen Messeleiterin Iris Sorgalla zeigte sich mit dem Ergebnis und der gebesserten Stimmung bei den Ausstellern überaus zufrieden. Auf besonderes Interesse der Besucher seien der neue Ausstellungsbereich E-Marketing, der Gemeinschaftsstand des SDV, der eStarter-Park für Jungunternehmen sowie das von Swiss Marketing betriebene Mediencafé gestossen.
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