Auf gute Nachbarschaft

Telecom Eine Werbe-Sitcom von Contexta soll das Image von Swisscom Fixnet auf Hochglanz polieren.

Telecom Eine Werbe-Sitcom von Contexta soll das Image von Swisscom Fixnet auf Hochglanz polieren.Die Volkszählung im Jahr 2000 löste zwiespältige Gefühle aus. Um das Volk zum Mitmachen zu motivieren, schlug das Bundesamt für Statistik damals neue Wege ein und liess die überspitzt dargestellten Volkerts mit Erfolg in einer Werbe-Sitcom für Verständnis weibeln.Heute, vier Jahre später, greifen auch die Kreativen der Berner Contexta für die Kundin Swisscom Fixnet aufs bewährte, aber teure Kommunikationskonzept Sitcom zurück. Dieses soll helfen, das schwächelnde emotionale Swisscom-Fixnet-Image vor allem bei den jüngeren und preissensibleren Segmenten zu verbessern.
Beck und Bondi im Alltagsstress
Um hier den unterdurchschnittlichen Marktanteil im Vergleich zur Konkurrenz wettzumachen, will die Festnetzanbieterin jetzt auch Imagefaktoren wie menschliche Nähe, Sympathie oder Verbundenheit betonen.
Deshalb hat man sich für eine zielgruppenaffine Ansprache, eine integrierte Sitcom-Kampagne an Stelle der üblichen Spots entschieden. Jeweils mittwochs nach «Meteo» unterhalten die 90-Sekunden-Episoden die Zuschauer, die im folgenden Produkt-Tag-on sogleich umworben werden. Im Zentrum der monatlich neuen Geschichten und der parallel laufenden Print- und Below-the-line-Kampagnen stehen zwei benachbarte vierköpfige Familien, die der Serie auch den Namen geben: Beck und Bondi.
Die acht Schweizer Zeitgenossen erleben Situationen und Konflikte, wie sie alle kennen, und verleihen Swisscom so mehrere neue Gesichter. Inhalte wie der Kampf um die Beförderung zwischen den beiden Familienvätern oder der Wettstreit um den schöneren Balkon nehmen auf sehr amüsante Art indirekt Bezug auf ein Swisscom-Thema. Nach dem dreiminütigen Teaser und den ersten zwei Folgen – bis Ende 2005 seien weitere Episoden geplant – blickt Bene Abegglen, CD und Mitinhaber von Contexta, zurück: «Es war ein weiter Weg mit vielen Stopps und Umwegen bis zu den fertigen Filmen. Aber ich denke, er hat sich gelohnt.»
Den Sitcom-Spots sieht man das grosse Vertrauen an, das er und die Mannschaft um Jürg Brechbühl und Paolo Tonti bei der Auftraggeberin geniessen. «Es braucht schon Mut, Werbefilme zu machen, in denen während 90 Sekunden keine Produktnamen vorkommen», bestätigt auch Thomas Ulrich, Verantwortlicher bei Swisscom Fixnet. Über das Budget hingegen, welches mit Optimedias Einsatzplänen siebenstellig sein dürfte, schweigen sich die Macher aus. «Das Gesamtbudget ist unverändert geblieben», gibt Jürg Brechbühl preis.
Amüsant und doch Image fördernd: Bis Ende 2005 soll monatlich eine neue Folge der Sitcom-Spots ausgestrahlt werden.
Luca Aloisi

Basel Today

Gastkommentar Die neue Basler Zeitung kommt in einem durchaus passablen Layout, aber mit pitoyablen Inhalten daher, meint Jürg Altwegg.

Gastkommentar Die neue Basler Zeitung kommt in einem durchaus passablen Layout, aber mit pitoyablen Inhalten daher, meint Jürg Altwegg.
War der ganze Widerstand umsonst? Mehrmals haben Basler Persönlichkeiten gegen den Kulturabbau in «ihrer» Zeitung und gegen die Einstellung des Magazins protestiert. Jetzt ist die neue «baz» da. «Und sie ist», schreibt ihr Chefredaktor Ivo Bachmann im Bemühen, nicht nur die Kritiker, sondern auch sich selbst zu überzeugen, «schau an, nach wie vor eine Zeitung.» Aber weder der grosse Wurf noch die ganz grosse Kulturkatastrophe.Dass die Protestaktionen weit über Basel hinaus auf breites Echo stiessen, hat mit der Einmaligkeit des Vorgangs und mit der Bedeutung der Zeitung zu tun. Denn im Vergleich mit viel grösseren Regionalzeitungen war die Basler Zeitung nicht provinziell. Feuilleton und Magazin wurden im ganzen deutschsprachigen Raum geschätzt, ja zum Teil kultisch verehrt.
«Wer in der Vergangenheit verharrt, geht unter», begründet Verleger Matthias Hagemann das neue Konzept. Daraus spricht der Schock der letzten Jahre. Minus 50 Prozent bei den Anzeigenerlösen, neue Konkurrenten, katastrophale «Rah- menbedingungen»: Eine Milliarde Franken bekommt die SRG, der Presse werden 500 Millionen entzogen. Die Schweiz betreibe eine Politik «gegen die Lesemedien» und für die «analphabetischen Medien».
Muss, um überleben zu können, auch die Basler Zeitung dazu werden? Viel Violett und viel Luft, farbige Fotos, Infografiken, penetrante «Leserführung»: Im Vergleich zur BaZ erschliesst die baz eine schöne neue Welt. Nur sind die Texte leider holpriger als das Layout. Ein Feuilleton gibt es nicht mehr, dafür ein Kulturmagazin. Ausgerechnet mit Madonna hat man begonnen! Und die erste – tägliche? – Kulturreportage ist den Brücken von Basel gewidmet. Dieses Magazin betreibt keine Kulturkritik, sondern Lifestyle im Bereich Kulturkonsum – mit einem Philosophen als Ratgeber. DVDs und CDs sind so wichtig wie Bücher. Zuletzt fliesst das Ganze nahtlos ins Fernseh- und Ausgehprogramm über: Basel Today. Täglich Züri-Tip.
Fünf «Autoren» verzeichnet das Impressum. Zwei von ihnen sind die beiden letzten Feuilletonchefs. Ihre Namen sind kursiv gedruckt. Das heisst «ständige redaktionelle Mitarbeit». Genauer: Sie dürfen schreiben, haben aber nichts zu sagen. Ein Sternchen beim Namen haben andere: «*=Mitglied erweiterte Redaktionsleitung». Und es gibt weitere Skurrilitäten in diesem Blatt: Über Kleinanzeigen im Text steht – herrlich altbacken – «Reklameteil».
Zur Premiere schliesslich die obligate Umfrage über das Leben in der Region, Seitentitel: «Hobby und Arbeit stellen auf, Politik frustriert». Das tönt fast wie das Programm einer Zeitung, die – wie ihr Chefredaktor ständig betont – auf ihre Leser hören will. (Im Internet kann man die Artikel benoten!) In und um Basel lebt es sich besser als im Landesschnitt. Schlagzeile der nächsten Seite: «Ein Fünftel lebt sogar superzufrieden.» Nach dem Leben wird nun also auch das Lesen noch mehr super. Vielleicht ist die neue baz tatsächlich die Zeitung, die Basel braucht. Man kann es Hagemann und der nichtanalphabetischen Bevölkerung nur wünschen.
Ausserhalb Basels jedoch wird kein Mensch sie lesen müssen.
> Jürg Altwegg ist Kultur- und
Medienkorrespondent der FaZ für die Schweiz und Frankreich.

Affichage sucht Namen und Sparpotenzial

Aussenwerbung Die Affichage Holding will offenbar ihren Namen ändern. Der Aussenwerbekonzern habe dazu eine Task Force namens «Brand new» gebildet, meldet die Wirtschaftszeitung Cash.

Aussenwerbung Die Affichage Holding will offenbar ihren Namen ändern. Der Aussenwerbekonzern habe dazu eine Task Force namens «Brand new» gebildet, meldet die Wirtschaftszeitung Cash.Sie solle Vorschläge ausarbeiten, um den alten Namen binnen eines Jahres zu ersetzen. «Wir wollen unsere Tochterfirmen auch optisch unter einem Dach vereinen», wird Affichage-Chef Christian Kauter von Cash zitiert. Kauter wolle zudem weiterhin auf die Kosten drücken. Die Zusammenlegung oder Schliessung weiterer Regionalagenturen der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) stehe zur Diskussion.

Jean Frey macht Lüönd zum Ombudsmann

Verlage er Jean Frey Verlag hat Anfang September eine Ombudsstelle für seine Publikumszeitschriften eingerichtet. Sie soll die journalistische Qualität und die Einhaltung berufsethischer Regeln sichern.

Verlage er Jean Frey Verlag hat Anfang September eine Ombudsstelle für seine Publikumszeitschriften eingerichtet. Sie soll die journalistische Qualität und die Einhaltung berufsethischer Regeln sichern.Verlage Der Jean Frey Verlag hat Anfang September eine Ombudsstelle für seine Publikumszeitschriften eingerichtet. Sie soll die journalistische Qualität und die Einhaltung berufsethischer Regeln sichern. Zum Ombudsmann wurde Karl Lüönd berufen. Der Publizist und Leiter des Medieninstituts der Schweizer Presse übernimmt das Amt im freien Mandatsverhältnis zunächst für ein Jahr. Der Ombudsmann soll laut Communiqué Beschwerden aus dem Publikum unbürokratisch behandeln und in Konfliktfällen zwischen Beschwerdeführern und der Redaktion vermitteln.

Landbote: Auflage um ein Viertel verfälscht

Presse Die Winterthurer Tageszeitung Der Landbote hat ihre Auflage massiv nach unten korrigiert. Statt wie bisher 48448 beträgt die Normalauflage in der Nachbeglaubigung noch 38689 Exemplare.

Presse Die Winterthurer Tageszeitung Der Landbote hat ihre Auflage massiv nach unten korrigiert. Statt wie bisher 48448 beträgt die Normalauflage in der Nachbeglaubigung noch 38689 Exemplare.Das bedeutet, dass die bisherigen Zahlen um 25,2 Prozent aufgebläht waren. Im Juni waren Manipulationen des früheren Verlagsleiters an der Wemf-Beglaubigung aufgeflogen.

Das Licht ist an, und es ist orange

Ambient Media Mit «Orange Lightscape» geht Orange Schweiz neue Wege in der Kommunikation.

Ambient Media Mit «Orange Lightscape» geht Orange Schweiz neue Wege in der Kommunikation.Orange Schweiz ziehts an den Flughafen Zürich: Nach Swisscom Mobile und Sunrise mietet sich auch der dritte grosse Mobilfunkanbieter auf einer Gesamtfläche von 700 Quadratmetern am begehrten Standort ein. Die bislang grösste dreidimensionale Werbe-Installation der Schweiz umfasst mehrere architektonische Elemente und liegt mitten im renovierten Airport-Shopping.Für den dreidimensional nutzbaren Anteil der Fläche galt es, sicherheitstechnische und gestalterische Auflagen zu erfüllen sowie die Transparenz des Raumes zu erhalten. Beim Mobilfunkanbieter standen die hohe Sichtbarkeit, die Einzigartigkeit und die Verbundenheit mit dem Claim «The future’s bright, the future’s orange» im Vordergrund.
Unaufdringlich Blicke fangen
«Mit dem Lightscape wollen wir eine neue Dimension von Werbung schaffen, den Raum zusätzlich aufwerten und unsere Botschaft un-
aufdringlich kommunizieren», sagt Sven Jasper, Projektverantwortlicher bei Orange Schweiz. Derzeit gehe man von einem mindestens dreijährigen Placement aus. Das Projekt stammt vom Zürcher 3D-Kommunikationsspezialisten The GCGroup, der das Branding als Generalunternehmer von der Konzeption bis zur Umsetzung betreut und in den letzten vier Jahren alle Orange-3D-Projekte realisiert hat.
Für die Licht-Installation werden 475 zwischen Boden und Decke eingespannte LED-Lichtstäbe eingesetzt. Sie sind individuell ansteuerbar und vermitteln dem Betrachter den Eindruck eines im Raum schwebenden Rechtecks, das in pulsierendes Licht getaucht ist. Damit versuche man, einen Gegentrend zu den Megapostern zu setzen und Emotionen zu wecken, meint Patrick Gubser, Geschäftsführer der GCGroup.
Weitere Branding-Möglichkeiten Clear Channel Schweiz vermarktet am Zürcher Flughafen rund 825 Wer-
beflächen: «Die jährlichen Mietkosten für die Brandings betragen
zwischen 150000 und 1 Million Franken», sagt Luzia Tellenbach von Clear Channel Schweiz. Die Chancen für andere Unternehmen, ebenfalls ein grosses Branding zu realisieren, seien intakt: «Es gibt immer wieder Wechsel in der Nutzung dieser Zonen sowie neue Branding-Möglichkeiten im Airside-Centre», so Tellenbach.
Orange will mit der 3-D-Lichtinstallation neue Dimensionen schaffen.
Boris Schneider

Bitte nicht schiessen

Verkehr Eine beliebte Schiene der Werbekampagne von Ruf Lanz für die Verkehrsbetriebe Zürich sind Sujets, die das Fahrangebot an Stadtzürcher Anlässen bewerben.

Verkehr Eine beliebte Schiene der Werbekampagne von Ruf Lanz für die Verkehrsbetriebe Zürich sind Sujets, die das Fahrangebot an Stadtzürcher Anlässen bewerben.Das neuste Sujet betrifft das Knabenschiessen und zeigt, wie nahe die VBZ die Fahrgäste ans Geschehen bringen. So nahe, dass in der Fahrerkabine nur eine Hand mit weisser Fahne sichtbar bleibt: die bekannte Aufforderung, nicht zu schiessen. Im Kleingedruckten wird dann empfohlen, das Geld erst am Knabenschiessen zu verpulvern.

RTL 2 plant Fenster

Fernsehen Der deutsche TV-Sender RTL 2 will im Frühling ein Programmfenster in die Schweiz öffnen. Dies gab Geschäftsführer Josef Andorfer an der «screen-up» bekannt.

Fernsehen Der deutsche TV-Sender RTL 2 will im Frühling ein Programmfenster in die Schweiz öffnen. Dies gab Geschäftsführer Josef Andorfer an der «screen-up» bekannt.Das Fenster soll schweizerische Inhalte ausstrahlen und von IP Multimedia vermarktet werden. Vorerst wartet RTL 2 auf die Zustimmung der Landesmedienanstalt Hessen, wo der Sender eine Lizenz beantragt hat. Ob eine Genehmigung von deutscher Seite ausreicht, ist strittig.

«Wir sind Televisionäre»

Fernsehen Bluewin-CEO Urs Schmidig über sein TV-Projekt, Programm-Packaging und das Ende der Unterbrecherwerbung.

Fernsehen Bluewin-CEO Urs Schmidig über sein TV-Projekt, Programm-Packaging und das Ende der Unterbrecherwerbung.WW Herr Schmidig, ist Bluewin TV gut aus den Startblöcken gekommen?Urs Schmidig Wir liegen mit unserem Trial voll im Zeitplan. Die ersten der total 630 Settopboxen werden dieser Tage an die Testteilnehmer verschickt – eine davon an mich. Die Startblöcke in Ihrer Frage suggerieren, bei dieser Markteinführung handle es sich um einen Sprint. Wir aber rechnen mit einem Marathon und teilen unsere Kräfte entsprechend ein.
Ihr Chef Jens Alder sagte kürzlich, «wir sind Neulinge im TV-Geschäft und werden darum Fehler machen». Ein erster dürfte denn auch bereits der Name sein: Bluewin steht für Internet …
… das ja im Hintergrund auch als Basistechnologie unseres neuen TV-Service fungiert. Was wäre denn die Alternative?
Swisscom-TV. Schliesslich kommen die Kanäle via Telefonkabel in die
gute Stube.
Wir wollen aber nicht den «Schlauch» betonen, über den unser TV-Angebot letztlich zum Kunden gelangt. Unser Marketingfokus liegt klar auf der im Electronic Programm Guide (EPG) und Personal Video Recorder (PVR) gebündelten Interaktivität. Das ist unser zentraler USP. Zudem wissen die meisten Leute, dass wir zu Swisscom gehören.
Bluewin TV versteht sich also als reiner Infrastruktur-Player, der den Satellit- und Kabel-Providern, nicht aber bestehenden Programmveranstaltern Konkurrenz machen will.
Wir sind Infrastruktur- und Service-Player, würde ich sagen. Wir bieten dem Kunden die Möglichkeit, über die Telefonleitung auf eine neue Art und Weise fernzusehen. In diesem Angebot haben die Programmveranstalter eine wichtige Rolle und ebenfalls neue Möglichkeiten, ihre Angebote zu präsentieren.
Ist eine Konzessionserweiterung, wie sie Cablecom für den Infokanal anstrebt, für Bluewin kein Thema?
Wie gesagt, uns ist das Access Providing auch im TV-Business das Wichtigste. Für den Bluewin-EPG sehen wir dabei, ähnlich wie für das Bluewin-Portal im Internet, eine zentrale Funktion. Produktion und Vertrieb von Swisscom-eigenen Contents standen und stehen indes nicht zur Diskussion. Unsere Chance sehen wir vielmehr im intelligenten, das heisst interaktiven Packaging und Bundling der heute verfügbaren Programmvielfalt. Dort wollen wir uns etablieren und auch Geld verdienen…
… schliesslich erwartet Jens Alder auch von seinem – nach Swisscom Broadcast – zweiten TV-Abenteuer irgendwann schwarze Zahlen. Für wann peilen Sie den Break-even an?
Wir starten jetzt mit dem Versuch. Daraus werden wir Erkenntnisse gewinnen, die uns dann erlauben, das Geschäft zu planen und den Case zu rechnen.
Welchen Stellenwert haben Werbeeinnahmen im Business-Plan von Bluewin TV?
Bislang keinen. Werbung ist für uns zurzeit bloss etwas, das wir unseren Lieferanten anbieten, damit die in Form traditioneller Trailer, aber auch interaktiver Links auf gewisse Sendegefässe oder aktuelle Miet-
video-Angebote aufmerksam machen können.
Diese Möglichkeiten zur Eigenwerbung werden Sie wohl kaum gratis anbieten.
In einer ersten Phase geht es darum, das neue Angebot zu fördern. Bevor wir nicht 100000 Kunden haben, sehe ich keine Priorität auf einem kommerziellen Produkt. Wir machen allenfalls mal ein paar Showcases mit möglichen neuen Werbeformen. Denn eine Lektion aus der Internetwerbung haben wir gelernt: Konfrontiere den Markt erst dann mit Werbeangeboten, wenn diese von Agenturen und Auftraggebern auch verstanden werden und, wichtiger noch, wenn dein Service eine kritische Masse von Usern erreicht hat.
Wie ernst nehmen Sie die Ängste der TV-Sender bezüglich der integrierten Werbeüberspringfunktion von Bluewin TV?
Sehr ernst. Was einige unserer Lieferanten fürchten, ist jedoch nicht das «Live-Pause»-Feature unseres Dienstes, sondern die neue Technologie, auf der sie basiert. Die kommt aber sowieso. Nun sind wir die Televisionäre, welche sie im Markt einführen und deshalb auch erst mal verständlich machen müssen. Das so genannte Time Shifting gefährdet zwar potenziell die Unterbrecherwerbung, so wie sie heute praktiziert wird, doch Point-to-
Point-Fernsehen eröffnet auch völlig neue Kommunikationshorizonte. Diese möchten wir gemeinsam mit den Anbietern erst anschauen und dann erschliessen.
Wie sehen diese neuen Optionen aus?Werbung kann beispielsweise segmentorientiert platziert werden oder es können interaktive Elemente in die Spots respektive die Sendungen eingebaut werden. Zudem vergrössert sich dank der Wiederverwertung von Programmen das Potenzial für Inhaltsanbieter ganz grundsätzlich.
Interview:
Oliver Classen

Kein Geschenk

Daniel Schifferle über unverhofft gealterte Leserschaften.

Daniel Schifferle über unverhofft gealterte Leserschaften.Den grössten Streich hat dieses Jahr die Demografie den Schweizer Printmedien gespielt: Die Leserschaften der Zeitungen und Zeitschriften sind statistisch gealtert, ohne dass auch nur ein einziger Titel tatsächlich zusätzliches Publikum im reiferen Alter angezogen hätte.Der Grund für die problematische Entwicklung ist die Anpassung der Mach Basic an die Daten der Volkszählung 2000; bisher bildeten jene von 1990 die Rechenbasis. Mit diesem Schritt wird die in den letzten zehn Jahren erfolgte Alterung der Gesellschaft, die eigentlich ein schleichender Prozess ist, nun mit einem Schlag sichtbar. Die von der Werbewirtschaft begehrten jungen Zielgruppensegmente werden dadurch zahlenmässig dünner, die weniger beliebten alten schwellen immer mehr an.
Für die einzelnen Titel hat dies einschneidende Konsequenzen. So stehen Blätter mit vorwiegend jungen Zielgruppen klar schwächer da, wie das Beispiel 20 Minuten zeigt. Statt 720 000 Leser sind es bei den neu gewichteten Vorjahreszahlen nur noch 692 000. Ursache ist das massiv schrumpfende Alterssegment der 20- bis 29-Jährigen, das in der Deutschschweiz um ein ganzes Viertel oder fast 200 000 Personen kleiner geworden ist.
Das Umgekehrte ist hingegen bei Titeln mit eher älteren Zielgruppen eingetroffen. Ihre Leserschaft hat praktisch über Nacht Verstärkung erhalten, was anhand der Neuen Zürcher Zeitung besonders deutlich wird: Statt 324 000 Leser hatte der Titel im Vorjahr in Tat und Wahrheit 343 000. Der unverhoffte Anstieg ist vor allem das Resultat der kräftigen Vermehrung im Segment 50 bis 59 Jahre, das um mehr als 16 Prozent angewachsen ist.
Angesichts einer Werbewirtschaft, die vorab auf das junge Publikum zielt, ist dies keine willkommene Entwicklung. Ein kleiner Trost: Nicht nur die Presse leidet darunter, sondern die Medien generell. Denn überall, wo Publikumsforschung durchgeführt wird, hat die neue Altersstruktur der Gesellschaft die gleichen negativen Konsequenzen.
> Daniel Schifferle, Ressortleiter
Media & Medien.

Kraftwerk für Weka und K+D

Verlage Der Zürcher Fachverlag Weka hat die junge St. Galler Werbeagentur Kraftwerk mit der Umsetzung ihrer DM-Massnahmen beauftragt. Sie konzipiert Kampagnen, Mailings und Anzeigen.

Verlage Der Zürcher Fachverlag Weka hat die junge St. Galler Werbeagentur Kraftwerk mit der Umsetzung ihrer DM-Massnahmen beauftragt. Sie konzipiert Kampagnen, Mailings und Anzeigen.Verlage Der Zürcher Fachverlag Weka hat die junge St. GallerWerbeagentur Kraftwerk mit der Umsetzung ihrer DM-Massnahmen beauftragt. Sie konzipiert Kampagnen, Mailings und Anzeigen. Als
Erstes kommt ein Mailing zum Einsatz, mit dem Abonnenten für die Internetplattform zum Schweizer Arbeitsrecht gewonnen werden
sollen. Zudem hat die K+D AG in St. Gallen, Verpackungsherstellerin, Kraftwerk mit der Neugestaltung ihres Internetauftritts beauftragt.

Daheim ist es am schönsten

Möbelhandel Micasa will sich mit einem neu geschnürtenKommunikationspaket Top of mind setzen.

Möbelhandel Micasa will sich mit einem neu geschnürtenKommunikationspaket Top of mind setzen.
Wenn sich im September die Blätter der Bäume verfärben, wird es auch im Briefkasten bunter: Die Kataloge der Einrichtungshäuser flattern ins Haus. Im neuen Kleid präsentiert sich diesen Herbst das Wohnbuch der Micasa. Das komplett überarbeitete Layout soll die Leserführung verbessern und das Sortiment mit moderner Bildsprache präsentieren. Der Katalog ist Vorbote des Kommunikationskonzepts, welches neu von Wirz Werbung umgesetzt wird. Die Zürcher Agentur hat sich vergangenen Dezember im Pitch gegen zwei Konkurrentinnen durchgesetzt und den Micasa-Etat von Rüegg Fontana Heiderich abgezügelt. Hintergrund der Neuausrichtung ist einerseits das – für die gesamte Einrichtungsbranche – schlechte Geschäftsjahr 2003: Der Umsatz von Micasa sackte von 356 Millionen im Jahr 2002 auf 320 Millionen ab. Andererseits ergaben Marktforschungen, dass die Migros-Unit ein markantes Defizit beim Bekanntheitsgrad aufweist. «Unsere spontane Bekanntheit liegt lediglich um die 11 und 13 Prozent», sagt Micasa- Kommunikationsleiter Caesar Keller. «Wenn die Konsumenten etwas aus dem Einrichtungsbereich benötigen, denken sie spontan an drei bis vier Anbieter und zu diesen wollen wir in Zukunft gehören». Das sind in der Schweiz allen voran Marktleader Möbel Pfister und die Nummer zwei Ikea. Aber auch Interio und Top Tip, die umsatzmässig hinter der drittplatzierten Micasa liegen, weisen eine höhere spontane Bekanntheit auf.
Das soll das von Wirz geschnürte Massnahmenpaket nachhaltig ändern. Dafür wurde das Werbebudget um rund 20 Prozent aufgestockt und ermöglicht so erstmals in der Micasa-Geschichte die Produktion eines TV-Spots. Dieser dokumentiert mit einem Ferienerlebnis der besonderen Art, dass es nirgendwo schöner ist, als zu Hause – erst recht, wenn die-
ses mit Micasa-Möbeln und -Accessoires bestückt ist. Der Kurzfilm wird ab 2005 national eingesetzt. Mit dem witzigen Plot beschreitet Micasa dramaturgisch neue Wege. Dazu Caesar Keller: «Wir
haben den Unterhaltungswert der Werbung in der Vergangenheit vernachlässigt. In guter alter Migros-Tradition wollen auch wir künftig auf einer witzigen Schiene fahren».
Diese Anlehnung kommt nicht von ungefähr: Nachdem Micasa vor ein paar Jahren klar von der Migros abgetrennt wurde, soll die Zugehörigkeit wieder betont und damit vom Vertrauen der Kunden in den Detailisten profitiert werden. Das Migros-typische Preisleistungsverhältnis wolle man, so Keller, in den Vordergrund stellen. Dementsprechend wolle man das Sortiment
korrigieren. Die Positionierung soll indes bestehen bleiben: Micasa sieht sich designmässig zwar hinter Möbel Pfister, in Sachen Qualität aber klar vor Ikea.
Lebensplanung à la PfisterWitzige Werbung hat sich diesen Herbst auch Branchenleader Möbel Pfister bestellt. Mit humorvollen Headlines, die teilweise Bezug auf aktuelle Geschehnisse nehmen, peilt das Einrichtungshaus ein jüngeres
Publikum an. So leistet Möbel Pfister, gemäss den Slogans, einen Beitrag zur Familienplanung oder lockt mit Sofas zum Stubenhocken. Konzipiert hat die Anzeigenkampagne die Agentur Publicis, die das Unternehmen seit zwei Jahren betreut.
Im vergangenen Jahr büsste auch Möbel Pfister gut drei Prozent des Umsatzes ein, blieb mit rund 519 Millionen Franken aber an der
Spitze des Schweizer Einrichtungsmarktes. (sk)
Micasa leistet sich erstmals in seiner über 20-jährigen Geschichte einen TV-Spot.
Möbel Pfister peilt mit humorvollen Headlines ein jungesPublikum an.
Das neue Wohnbuch der Micasa wartet mit überarbeitetem Konzept auf.
Simone Keller
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