Werbeartikel 93 von 100 Firmen setzen auf die Werbewirkung kleiner Geschenke – ein 600-Millionen-Markt.
Wem sind sie nicht schon auf die Nerven gefallen? Die kleinen, hin und wieder nichtsnutzigen Werbeartikel, denen als Kugelschreiber mit etwas Pech schon nach fünf Minuten der Saft ausgeht oder die in Form eines T-Shirts in der hintersten Ecke des Kleiderkastens auf Nimmerwiedersehen verschwinden.Werbeartikel, ein klarer Fall von überflüssig also? Mitnichten, immerhin setzten mittlerweile 93 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz das Geschenk als Werbemedium ein. Irgendetwas muss also an den manchmal kleinen, manchmal auch grösseren Präsenten dran sein. «Menschen lassen sich einfach gerne beschenken», bringt es Beat Suter von der Eckert Werbeartikel AG in Zürich auf den Punkt. Und ergänzt dann: «Kleine Geschenke erhalten eben die Kundschaft.»
Dies tun sie offenbar gut. Werbeartikelberater Robert Scheidegger von der Promo’Plus AG in Münsingen schätzt, dass hier zu Lande 400 bis 600 Millionen Franken mit Werbeartikeln umgesetzt werden. Suter geht gar von bis zu 800 Millionen Franken aus. Und der Fachverband Promoswiss, in dem 28 Werbeartikelhändler organisiert sind, rechnet mit einem Volumen von 600 Millionen Franken.
Unterschiedliche Schätzungen
Zum Vergleich: Laut der AG für Werbemedienforschung (Wemf) beliefen sich die Netto-Werbeausgaben aller Werbemittel 2003 auf 5,1 Milliarden Franken (siehe Grafik unten). Somit wurde mehr als jeder zehnte Werbefranken mit Geschenken umgesetzt. Indes: Die Wemf selbst führt keine Untersuchungen zu Werbeartikeln mehr durch. 1999, im Jahr der letzten Erhebung, ermittelte sie noch ein Volumen von lediglich 121 Millionen Franken.
Die Diskrepanz zwischen den Wemf-Zahlen und den Schätzungen von Promoswiss und Fachleuten sind riesig. Der Grund dafür liegt in der vagen Definition des Werbeartikels. Fallen T-Shirts, Kappen und sonstige bedruckte Kleider, die bei der Arbeit getragen werden, schon darunter? Wie verhält es sich mit Gags, deren Glanz in Sekundenschnelle verblasst? «Und was ist mit der Weinflasche mit Ascom-Etikett, zählt sie auch schon zu den Werbeartikeln?», fragt Scheidegger.
Wie dem auch sei, den Werbeartikelhändlern ists einerlei. Hauptsache, die Kasse stimmt – auch in Zeiten von Konjunkturdellen, wie etwa jener zwischen 2001 und 2003, als die Werbeumsätze laut Wemf stark rückläufig waren (von 5,7 auf 5,1 Milliarden Franken). «Wir haben nichts gemerkt von einem Rückgang. Im Gegenteil, wir sind im einstelligen Prozentbereich gewachsen», sagt Elisabeth Riwar von der Racol Partner AG in Rotkreuz. Auch Hans Lindauer, Compagnon bei der Immowerb Werbe-Presents in Horgen, und Beat Suter zeigen sich zufrieden. Die Umsätze seien trotz konjunktureller Probleme stagnierend bzw. nur leicht rückläufig.
Andere Erfahrungen macht hingegen Robert Scheidegger, der auch im Vorstand des Fachverbands Promoswiss sitzt. «Heute wird jeder Werbefranken doppelt umgedreht», verrät er, «und dann spart man zuerst bei den Werbeartikeln». Allerdings seien die grösseren, bei Promoswiss organisierten Händler davon offenbar weniger betroffen. Anfälliger auf sinkende Werbeetats sind wohl aus Gründen fehlender Grösse und Professionalität die Klein- und Kleinstbetriebe.
Insgesamt zeichnet sich die Branche durch eine starke Fragmentierung und hohe Fluktuation aus. Laut Scheidegger tummeln sich zwischen 300 und 400 Anbieter im Markt. «Nur eine Hand voll der Firmen macht einen Umsatz von 10 bis 15 Millionen.» Suter doppelt nach: «Es gibt kaum ein Werbeartikel-Unternehmen mit einem Marktanteil von mehr als drei bis vier Prozent.» Dagegen würden viele «One-Man-Shows» jedes Jahr ihre Türe öffnen – und vielfach schon bald wieder schliessen. Grund: Die Hürden für den Markteintritt sind relativ niedrig. «Man braucht anfangs praktisch keine Investitionen und kein grosses Vorwissen», sagt Scheidegger. Wolle man aber nachhaltig Erfolg haben, müsse man professionell arbeiten. Viele der Kleinstanbieter scheiterten daran.
Starke emotionale Komponente
Mittlerweile haben sich die Werbeartikel einen wichtigen Platz im Marketingmix erkämpft. «Werbegeschenke gehören heute einfach dazu», sagt Elisabeth Riwar. Kein Wunder, verfügen Werbeartikel doch dadurch, dass sie grösstenteils persönlich übergeben werden, über frappante Vorteile gegenüber anderen Werbemitteln. «Bei keinem anderen Medium erhalte ich als Werbender ein ‹Merci›», sagt Scheidegger. Zudem sei man zum Zeitpunkt der Übergabe absolut konkurrenzlos; der Empfänger könne nicht einfach wegzappen oder umblättern. Nicht zu unterschätzen ist auch das dreidimensionale, emotionale Element: «Ein Werbegeschenk kann man anfassen», sagt Hans Lindauer, «man erhält ein Erlebnis, das man nicht so schnell wieder vergisst.»
Kommt hinzu, dass kaum ein Werbeinstrument so breit eingesetzt werden kann: Von A wie Abonnentenwerbung über D wie Dankeschön-Sagen oder M wie Messen bis V wie VIP-Anlässe gibt’s wohl keine Events, an denen auf Werbeartikel verzichtet werden muss. Laut Beat Suter erfreuen sich Werbeartikel derzeit besonderer Beliebtheit als Mailing-Verstärker (wie etwa Teebeutel, Post-it-Zettel oder Kaugummi), aber auch als Türöffner für den Aussendienst.
Dauerbrenner Feuerzeug
Im Gegensatz zu früher arbeiten Firmen heute aber viel effizienter mit Werbeartikeln. Das Präsent muss zur anvisierten Zielgruppe passen und die mit dem Artikel verknüpfte Botschaft zum Anlass. Sprich: Einem Automobilisten nach dem Service seines Wagens einen Schlüsselanhänger zu überreichen, macht Sinn. Ihm in Anwesenheit seiner Frau aber ein Präservativ schenken zu wollen, verstösst dagegen wohl gegen die Etikette und sorgt definitiv für schlechte Gefühle.
So breit die Einsatzmöglichkeiten, so vielfältig ist auch die Produktpalette: Luftmatratzen, Bälle, Schreibgeräte, Agenden, Mausmatten, Kleider, und, und, und. Trotzdem wird laut Schätzung von Robert Scheidegger noch immer rund 20 Prozent des Marktvolumens mit Feuerzeugen und Kugelschreibern umgesetzt, gar 40 Prozent fallen auf Textilien wie Kleider, Mützen und Taschen. «Sehr gut verkauft werden derzeit auch die Schlüsselbänder, die man um den Hals trägt», sagt Elisabeth Riwar.
Gut im Trend liegen auch Gebrauchsgegenstände. «Unsere Kunden wollen etwas Nützliches, das die Beschenkten täglich brauchen können», sagt Hans Lindauer, «oder dann den absoluten Gag, der sie erst noch nichts kostet.» In die gleiche Richtung geht auch Riwars Einschätzung: «Die Kunden wollen Gebrauchsgegenstände und keine schnelllebigen Gags, deren Wirkung rasch verpufft.» Grundsätzlich tendiert die Branche klar zu hochwertigen Produkten: «Die Werbeartikel müssen qualitativ und auch im Design stimmen», sagt Scheidegger. «Die Kunden wollen Marken- und keine Billigprodukte», bestätigt Riwar. Dies gelte für die günstigen Streuartikel, die so genannten Give-aways, ebenso wie für teurere, individualisiertere Geschenke wie etwa Victorinox-Sackmesser.
Und noch etwas: «Das Geschenk muss von Herzen kommen», mahnt Scheidegger. Übergibt der um die Gunst des Kunden Werbende das Präsent mit säuerlicher Miene oder schiebt er diesem das Geschenk sogar verschämt zu, fast wie Bestechungsgeld, kann wohl nichts das avisierte positive Gefühl auslösen – nicht einmal eine 6000 Franken teure Uhr, von der Scheidegger zu berichten weiss.
Das originelle Geschenk für Firmen mit Schweiz-Bezug: das Swiss Travel Kit, das standardmässig mit einer Tafel Swiss Army Chocolate, einer Box Swiss Navy-Pfefferminz Bonbons, einer Swiss-Lippenpomade und einer Packung Swiss-Papiertaschentücher gefüllt ist. Gesehen bei Pandinavia.
Integriert in einem originellen Kommunikationspaket dürfte die Smile-Bettflasche positiv auffallen, ist man bei Siegrist Werbeartikel überzeugt.
Mit System zu mehr Erfolg Soll eine Werbeartikel-Aktion gelingen, braucht es ein Konzept.
Folgende Fragen sollten darin beantwortet werden:
Was sind die Ziele?
Egal, ob Umsatzsteigerung, Memo-Effekt, Einladung oder Kontaktaufbau- oder -pflege: Beim Konsumenten ist der Werbeartikel erinnerungs- und aktivierungsstark.
Welches sind die Zielgruppen?
Diese sollten etwa nach Alter, Beruf oder Lifestyle definiert werden.
Welche messbaren Ergebnisse werden erwartet?
Ob Kontaktvolumina, Mehrumsätze oder Besucher an Messeständen: Wichtig zu wissen ist, dass die Wirkung stark von der kreativen Idee des Werbeartikels abhängt.
Welche Mittel sollen investiert werden?
Auf welcher Basis auch immer budgetiert wird: Nicht der materielle Wert des Werbeartikels ist entscheidend. Auch günstige Artikel können eine grosse Wirkung entfalten.
Wie lange soll der Artikel wirken?
Die Lebensdauer eines jeden Werbeartikels ist begrenzt und erreicht damit eine bestimmte Multiplikatorwirkung. Obwohl Standard-Werbeartikel wie Notizblöcke oder Kugelschreiber weniger beliebt sind, ist ihr Nutzungs- und Erinnerungswert zufrieden stellend.
Wie wird der Artikel übergeben?
Per Versand oder persönlich an einem Anlass, mit oder ohne verbale Botschaft: Allein schon der Prozess der Werbeartikelverteilung hat gerade bei Events eine hohe Aufmerksamkeit. Quelle: Promoswiss
Vorteile der Werbegeschenke • Sie sind fassbar und fühlbar: Werbung zum Anfassen wirkt nachhaltig.
• Sie gehen in den Besitz des Kunden über: Die hohe Präsenz ist garantiert.
• Sie sind individuell einsetzbar; Der Streuverlust ist deshalb gering bis null.
• Sie sind nützlich und brauchbar: Werbung mit echtem Gebrauchswert ist beste Imagepflege.
• Sie sind gestaltbar und können individuell auf die Beschenkten ausgerichtet werden.
• Sie wecken Emotionen und können Gesprächsstoff werden.
• Sie haben Langzeitwirkung und werden mehrfach genutzt.
• Sie schaffen Sympathie, denn beschenkt werden macht Freude.
• Sie öffnen Türen und stellen wirksame persönliche Kontakte her.
• Sie sind dreidimensional und machen die Botschaft unmissverständlich klar.
• Sie machen Direkt-Mailings erfolgreicher, denn sie vermitteln zusätzlichen Nutzen.
Quelle: Promo’Plus AG
Patrick Imper