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Konsumentenmagazine In den neuen Beobachter-TV-Spots spielt Matter & Partner gekonnt mit den Ängsten der Zuschauer.

Konsumentenmagazine In den neuen Beobachter-TV-Spots spielt Matter & Partner gekonnt mit den Ängsten der Zuschauer.«Gefördert, gefeiert, gefeuert»und ähnlich gepfefferte Kürzestgeschichten haben bis vor wenigen Tagen für den Beobachter prägnant geworben. Schon folgen auf die Plakate zwei Low-Budget-Spots als neue Werbemassnahme im TV und bald auch im Kino. Pars pro toto setzen sich die Streifen mit den Gesellschaftsthemen Scheidungsgericht und AHV auseinander – und das auf eine unkonventionelle und provokative Art, indem der Off-Text die Bilder mit den bedrohlichen Szenarien assoziiert: «Stellen Sie sich vor, das passiert mit Ihrer AHV» und der Wasserhahn hört plötzlich auf zu tropfen. Der auffordernde Claim bleibt bestehen – wenn auch ohne Einblendung der Telefonnummer.
So drastisch die Mittel, so klar und unverhohlen ist die Absicht. Hier spielt man mit diffusen Ängsten und Ohnmachtsgefühlen. Unmissverständlich erklärt auch der neue Marketingleiter Adi Brugger den Auslöser für die neue Dachmarkenstrategie: «Der Beobachter wurde in den vergangenen Jahren eher verwaltet anstatt aktiv vermarktet. Wir wollen den Brand als Ganzes positionieren und gezielt neue Segmente ansprechen.»
Gemäss der neu zusammengestellten Verlagsführung unter Roland Oetterli soll der Beobachter als Magazin auch mit seinen exklusiven Zusatzleistungen wie Buchverlag, Beratungs- und Kompetenzzentrum sowie die Wissensdatenbank «Help Online» als Nutzen orientierte Marke profiliert und emotionalisiert werden. «Das Kommunikationsbudget wird aber kaum aufgestockt, sondern der Mix und die spezifischen Zielgruppen neu definiert», erklärt Adi Brugger.
Der Beobachter wartet mit originellen Low-Budget-Spots auf.
Luca Aloisi

Nestlé konsolidiert Mediabudgets weltweit

Food Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat eine halbjährige Überprüfung seiner Mediaagenturbeziehungen abgeschlossen.

Food Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat eine halbjährige Überprüfung seiner Mediaagenturbeziehungen abgeschlossen.Künftig sollen weltweit die Publicis-Tochter Zenith Optimedia und die Group M der WPP Holding (Mindshare und Mediaedge-CIA) für Planung und Einkauf zuständig sein. Ausnahme ist Japan, wo Nestlé weiterhin mit der einheimischen Agentur
Dentsu zusammenarbeitet. Nestlé beziffert den Umfang des Etats, der sämtliche Marken und Tochterfirmen umfasst, auf 2 Milliarden Franken. Rund ein Drittel davon wurde laut Advertising Age bisher von Universal McCann betreut, hauptsächlich in den USA. Die IPG-Tochter ist in der Endrunde des Review ausgeschieden. Die Neuordnung der Mediabudgets habe keinen Einfluss auf die Kreativetats, hält Nestlé in einer Mitteilung fest. Die Stammagenturen des Konzerns sind McCann Erickson, Publicis, J. Walter Thompson, Ogilvy, Lowe und Dentsu.

Tele setzt aufs TV

TV-Presse Seit letzter Woche zeigt sich Tele im neuen Kleid. Überflüssiges wurde entrümpelt. Schweiz ist Trumpf.

TV-Presse Seit letzter Woche zeigt sich Tele im neuen Kleid. Überflüssiges wurde entrümpelt. Schweiz ist Trumpf.Programmzeitschriften sind Wegweiser. Sie helfen den Lesern, die Orientierung im TV-Dschungel zu behalten. Doch wer Wege weisen will, muss selbst wissen, wo er steht. Das war bei Tele nicht immer der Fall: «Wir wollten in den vergangenen Jahren immer mehr bieten und haben dabei etwas die Orientierung verloren», gesteht Interims-Chefredaktor Stephan Sutter. Mit dem letzte Woche vollzogenen Redesign will er darum zu klaren Strukturen zurückkehren.Das gilt zunächst einmal für die Gestaltung. Die Schriftenfamilie wurde radikal entrümpelt. Nur drei Schriften werden noch verwendet. Eine davon ist Poynter, eine Entdeckung von Tele-Art-Director Stéphane Carpentier. Sie wurde gezielt für Listings entwickelt und soll die Programmspalten lesbarer machen.
Verschwunden ist auch die Farbcodierung an den Seitenrändern, die bisher die verschiedenen Rubriken signalisierte. Sie war Sutter ein besonderer Dorn im Auge. Im neuen Tele werden nur die einzelnen Programmtage mit Farben markiert. Dabei kommen deutlich buntere, knalligere Töne zum Einsatz als bisher.
Als Grundfarbe, etwa bei Inhalt und Editorial, hat Tele ein kühles Hellblau gewählt. Auch das Logo auf der Titelseite wurde entsprechend eingefärbt. Das soll aber nicht so bleiben. «Das rote Logo biss sich einfach mit der Covergestaltung und dem Thema Winter-Hits», erklärt Stephan Sutter. In den nächsten Ausgaben werde es wieder rot. «Wir erlauben uns, damit etwas zu spielen.»
Programm rutscht nach vorn
Auch dem Inhalt gibt Tele klarere Strukturen. Aus dem «Schweizer Medienmagazin» wird das «Schweizer TV- und Kinomagazin». Fernsehen steht im Mittelpunkt. Der Filmteil wurde nach hinten verlagert, sodass das Programm nun bereits nach rund 20 Seiten statt nach 40 Seiten beginnt. Der Multimediateil wurde weitgehend gestrichen. Geblieben sind eine Doppelseite mit Games und Technik und die DVD-Tipps, die nun in die Rubriken TV und Kino integriert wurden.
Diese Beschränkung aufs Kerngeschäft sieht Stephan Sutter nicht
als Relaunch, sondern als Weiterentwicklung. Die Erkenntnis, dass sich Tele zu weit in fremde Bereiche vorgewagt hatte, war bereits seinem Vorgänger Klaus Kriesel gekommen, der die Finanz-Seite wieder einstellte. Sutter seinerseits verabschiedete die Rubrik Science noch vor der Umsetzung des Redesigns.
Viel Raum für SF DRS
Bei den Listings sticht vor allem eine Neuerung ins Auge: Die Programme von SF 1 und SF 2 werden jetzt – als einzige – zwei Spalten breit abgedruckt. Sendungshinweise erhalten so deutlich mehr Platz. Die fünfte Spalte der ersten Programmseite füllen jetzt die Lokalsender TeleZüri, TeleBärn, Telebasel und Tele M1/Tele- Tell, die bisher in ein kleines Kästchen auf Seite 3 gequetscht wurden. Auch 3sat hat mehr Platz zur Verfügung. Dagegen wurde U1 ins allerletzte Kästchen der Listings verbannt.
Diese Ausrichtung auf Schweizer Programme ist der Trumpf von Tele, den Herausgeber Ringier gegen die starke deutsche Konkurrenz ausspielt. Sie ist auch in den Themen der redaktionellen Beiträge zu finden. Ins Lokale verbeissen will sich Stephan Sutter aber nicht. Wie bei der Reihenfolge der Sender in den Listings orientiere sich die Gewichtung der Themen quasi an den Einschaltquoten, erklärt er. Grosse Kisten wie etwa «Wetten, dass …» hätten in Tele auch in Zukunft ganz vorne ihren Platz.
Rettungsplan RedesignSinkende Auflagezahlen sind der Hintergrund des Redesigns von Tele. In der Wemf-Zwischenbeglaubigung vom Oktober hat das Magazin
wiederum 4,5 Prozent verloren. Seit 2001 ist die Auflage von 223739
auf 191424 Exemplare gerutscht.
Rivale TR7 hat mit 173720 Exemplaren stark aufgeholt. Schmerzhaft ist auch der Inspill der deutschen Programmies.
TV Spielfilm zum Beispiel weist in der Mach Basic 2003 fast halb so viele Leser aus wie Tele (313000 gegenüber 711000). Hier möchte
Tele mit der Fokussierung auf Schweizer Fernsehthemen Boden gutmachen.
Zugleich ist die Umpositionierung auch eine Sparübung. In der Redaktion wurden 8,1 Stellen abgebaut. Die Seitenzahl sank mit der Relaunchausgabe von 124 auf 116. Sobald sich die Anzeigensituation verbessert, soll der Umfang aber wieder hochgefahren werden.
Für die Inserenten verändert das Redesign wenig. Die Preise bleiben gleich. Innerhalb der Programmlistings hat Tele neue Kleinformate eingeführt. Neben Drittel- und Sechstel-Seiten sind nun auch Neuntel- und Achtzehntel-Seiten im Angebot. (sm)
Tele kehrt mit dem Redesign zu klaren Strukturen zurück und gibt Schweizer Programmen mehr Raum.
Stefano Monachesi

Blättern mit der Maus

E-Papers Digitale Zeitungsausgaben bilden in den Schweizer Verlagsrechnungen nur eine Marginalie. Gern genutzt werden sie von viel reisenden Lesern.

E-Papers Digitale Zeitungsausgaben bilden in den Schweizer Verlagsrechnungen nur eine Marginalie. Gern genutzt werden sie von viel reisenden Lesern. «Bitte warten. Die Applikation wird geladen.» «Veuillez patienter.»: So oder ähnlich wird empfangen, wer im Internet eine der mittlerweile recht zahlreichen E-Paper-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften anwählt. Fast fühlt sich der Surfer in die Anfangszeiten des World Wide Web zurückversetzt, als er – im Gefühl, Pionier zu sein – andächtig dem Rauschen und Knacken der Telefonleitung lauschte und tief beeindruckt den zögernden Aufbau der ersten Webseite beobachtete.Knapp zehn Jahre später scheint ein Teil der Userinnen und User erneut bereit zum «World Wide Waiting». In der Hoffnung, den einen oder anderen Leser zurück- oder dazuzugewinnen, vor allem aber wegen des in der Branche verbreiteten Herdentriebs geht nämlich ein Verlag nach dem anderen dazu über, sein Printprodukt auch digital anzubieten.
Zurück in die Zukunft
Rund 25 Software-Schmieden preisen laut Katja Riefler, Beraterin für neue Medien und Verfasserin einer umfassenden E-Paper-Studie, derzeit Lösungen zur Generierung elektronischer Zeitungen an. Und das Geschäft scheint rund zu laufen. Während Riefler im Oktober 2003 europaweit noch 90 digitale Zeitungsausgaben zählte, waren es ein halbes Jahr später bereits 220. Allein für die Schweiz lassen sich gegenwärtig rund zwei Dutzend E-Papers auflisten.
Ein Grund für den E-Paper-Boom dürfte der Umstand sein, dass sie in den Teppichetagen kaum auf Widerstand stossen. Schliesslich lässt sich so für Verleger und Chefredaktoren endlich Altbekanntes und Vertrautes auf den Bildschirm zaubern – und dies erst noch ohne zusätzliche Redaktionskosten. Die elektronische Zeitung bietet den Verlagen überdies handfeste Vorteile. So können nun zu vernachlässigbaren Vertriebskosten erstmals auch Kunden in den entlegensten Weltregionen am Erscheinungstag mit der aktuellen Ausgabe bedient werden.
Dieser Aspekt stand gemäss Christoph Bauer, Marketingleiter der NZZ, denn auch im Vordergrund, als die digitale Zeitung im März vergangenen Jahres unter dem Brand «NZZ Global» lanciert wurde. Vor allem den ausserhalb des deutschsprachigen Raums lebenden Abonnenten, die für das per Luftpost zugestellte Blatt jährlich bis zu 1358 Franken (!) bezahlen, sollte mit elektronischen Versionen der internationalen Ausgabe sowie der NZZ am Sonntag eine kostengünstige Alternative geboten werden. Die Bereitschaft der Überseekunden, die physische durch die virtuelle NZZ zu ersetzen, hält sich bislang indes in engen Grenzen. Für den Schweizer Geschäftsmann in Schanghai oder die deutsche Professorin in Harvard ist die verzögerte Lieferung des wohl ohnehin als Zweit- oder Drittzeitung genutzten Referenzblatts offenbar von geringer Bedeutung.
Ein Fanal für Paid Content
Auf mehr Gegenliebe stossen die «Bildschirmzeitungen» laut Bauer bei Geschäftsleuten, Vielreisenden und ganz allgemein bei mobilen Lesern im Inland, die gegenwärtig rund zwei Drittel der NZZ-Global-Kunden ausmachen. Speziell für Abonnenten mit mehreren Domizilen stelle das E-Paper eine willkommene Ergänzung zur Printausgabe dar. Auch der mit dem Digital-Abo verbundene Zugang zum NZZ-Monatsarchiv werde als Zusatznutzen geschätzt.
Marcel Sennhauser, Leiter Interaktive Medien bei Tamedia, stellt für die Produkte seines Hauses Ähnliches fest. Auch die E-Paper-Angebote von Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung und Facts würden überwiegend von Inlandkunden genutzt: Einerseits in Gebieten ohne Frühzustellung, anderseits aber auch als Zusatzabo zur gedruckten Ausgabe, die das Haus ja oft bereits frühmorgens mit einem zur Arbeit reisenden Familienmitglied verlässt. E-Papers werden gemäss Sennhauser auch zunehmend als Ersatz für Ferienumleitungen verwendet. Und selbst als virtuelle Belegexemplare liessen sich die elektronischen Faksimiles einsetzen.
Die Euphorie der Branche über diese Innovation rührt auch daher, dass es damit erstmals zu gelingen scheint, Kunden zum Bezahlen journalistischer Internet-Inhalte zu bewegen: Die User sind offenbar eher bereit, für ein ihnen vertrautes Format zum Geldbeutel zu greifen. So nutzen viele Verlage die E-Paper-Einführung auch dazu, um erstmals ernsthaft mit webbasierten Geschäftsmodellen und Abrechnungssystemen zu experimentieren (siehe Kasten oben).
Eine Ergänzung, kein Ersatz
Dennoch: E-Paper ist nach wie vor ein ausgesprochenes Nischenprodukt. Nicht nur können die vielerorts noch nicht vorhandenen Breitbandanschlüsse die Lektüre der digitalen Ausgaben zur Qual machen. Auch die eingeschränkte Lesbarkeit der auf Bildschirmgrösse verkleinerten Zeitungen sowie zumeist noch fehlende Hypertextfunktionen lassen die Angebote im Vergleich zu herkömmlichen Online-Diensten als statisch erscheinen.
Experten empfehlen E-Papers deshalb als Ergänzung und nicht als Ersatz traditioneller Zeitungs-Websites. Ob die Schweizer Verleger dies auch so sehen, darf füglich bezweifelt werden. Im Gegensatz etwa zu New York Times, Washington Post oder USA Today sind führende hiesige Zeitungen seit der Aufschaltung ihrer E-Papers nämlich dazu übergegangen, auf ihren Portalen immer weniger Print Content anzubieten.
Die regulären Zeitungs-Websites entwickeln sich demnach immer mehr zu von ihren Print-Müttern unabhängigen Lieferanten aktueller (Agentur-)Nachrichten. Hintergründiges und Langlebiges aus den Papierprodukten findet sich im kostenlosen Bereich kaum mehr und wird somit von den Suchmaschinen auch nicht erfasst. Damit laufen aber gerade die grossen Zeitungen Gefahr, ihrer Bedeutung als Referenzmedien allmählich verlustig zu gehen. Verabschieden sich die Qualitätszeitungen mit E-Paper also vom Internet?
Mit 2500 zahlenden Abonnenten ist die digitale NZZ das auflagenstärkste E-Paper unter den Schweizer Tageszeitungen.
Unterschiedliche GeschäftsmodelleExperimentellen Charakter hat auch (noch) die verlegerische Preispolitik im E-Paper-Bereich. Zwar gewähren die meisten Publikationen bestehenden Print-Kunden mehr oder minder substanzielle Preisnachlässe auf digitale Zusatzabos. Abonnenten von SonntagsZeitung und Le Temps können deren elektronische Ausgabe gar gratis nutzen. Während aber Tages-Anzeiger, Blick und SonntagsBlick für E-Paper-Vollabos einen Teil der Einsparungen im Produktions- und Vertriebsbereich an ihre Kunden weitergeben, hat sich die NZZ nach Auskunft ihres Marketingleiters «ganz bewusst für eine stringente Anwendung des Geschäftsmodells Print» entschieden und bietet E-Paper- und Print-Abo zum gleichen Preis an.
Diesen Ansatz vertreten auch Cash, Finanz und Wirtschaft, Basler Zeitung, Corriere del Ticino und La Regione. Kuriosum bei den beiden Tessiner Blättern: E-Paper-Abonnenten wird im Inland auch die gedruckte Zeitung zugestellt, ob sie dies nun wünschen oder nicht. Auch Le Temps stellt die PDF-Zeitung nur Abonnenten der Printausgabe zur Verfügung. (mhz)
KleinstauflagenSelbst die New York Times, das Blatt mit der international grössten Ausstrahlung, bringt es mit 3172 abonnierten E-Papers derzeit gerade mal auf 0,28 Prozent der Printauflage. Gar nur 900 elektronische Exemplare oder 0,05 Prozent ihrer Gesamtauflage verkauft die Zeitung USA Today. Nicht viel besser sieht es in Deutschland aus, wo die E-Paper-Auflagen seit Anfang 2003 zwar von der IVW beglaubigt werden, sich mit wenigen Ausnahmen aber auch heute noch im zwei- oder tiefen dreistelligen Bereich bewegen.
Einzig die NZZ gibt in der Schweiz ihre Zahlen bekannt. 2500 Exemplare – 1700 als Zusatz- und 800 als Vollabos – werden über NZZ Global derzeit abgesetzt, was beachtlichen 1,6 Prozent der Gesamtauflage entspricht. Tamedia hingegen ist lediglich zu entlocken, dass ihre Prozentwerte mit
denen der amerikanischen Zeitungen vergleichbar sind. Die Auflage des E-Tages-Anzeigers dürfte sich somit irgendwo zwischen 200 und 600 Exemplaren bewegen. Auch die E-Paper-Ausgabe von Cash liegt nach
Auskunft von Online-Geschäftsführer André Michel «im tiefen dreistelligen Bereich». (mhz)
Martin Hitz

Mehr Geld für TV-Profis

Gebührensplitting Der Bund verteilt für das laufende Jahr gut 5 Millionen Franken aus den Empfangsgebühren an private TV-Stationen, 1 Million weniger als im Vorjahr.

Gebührensplitting Der Bund verteilt für das laufende Jahr gut 5 Millionen Franken aus den Empfangsgebühren an private TV-Stationen, 1 Million weniger als im Vorjahr.Dabei kommt ein neuer Verteilschlüssel zum Einsatz: 80 Prozent werden wie bisher gemäss den Finanzzahlen der Sender aufgeteilt, der Rest neu nach der Berufserfahrung der angestellten Journalisten ausgeschüttet. Damit will das Bundesamt für Kommunikation das Bemühen der Stationen um eine hohe Programmqualität belohnen, wie die SDA berichtet.

Zahl der Woche

Online In England haben die Online-Werbeausgaben in der 1. Hälfte 2004 um 76 Prozent zugelegt. Damit hat das Internet das Kino als Werbeträger schon im zweiten Jahr überholt und verbucht nun 3,24 Prozent der gesamten Werbeausgaben. Verantwortlich für

Online In England haben die Online-Werbeausgaben in der 1. Hälfte 2004 um 76 Prozent zugelegt. Damit hat das Internet das Kino als Werbeträger schon im zweiten Jahr überholt und verbucht nun 3,24 Prozent der gesamten Werbeausgaben. Verantwortlich für dieses Wachstum sind die gestiegene Verbreitung von Breitbandzugängen und die Verwendung von Suchmaschinen, weiss PricewaterhouseCoopers.

Die NZZ sucht eine Farbphilosophie

Presse Die Neue Zürcher Zeitung übt verschiedene Grade der Zurückhaltung mit Farbbildern. Ein Konzept fehlt.

Presse Die Neue Zürcher Zeitung übt verschiedene Grade der Zurückhaltung mit Farbbildern. Ein Konzept fehlt.Seit dem 30. September wird die NZZ vollständig auf neuen Rotationsmaschinen im Druckzentrum in Schlieren gedruckt. Längst vorbei die Zeiten, als das Anwerfen der alten Druckmaschinen im Parterre den Hauptsitz an der Falkenstrasse 11 erzittern liess. Was an digitalen Bild- und Textdaten in der Redaktion entsteht, das bringt die neue Rotation in der Schlieremer «Kathedrale der Technik» (Zitat NZZ) jetzt auch tatsächlich aufs Blatt.Kein Farbkonzept in Sicht
Bis anhin hatten die Drucker besonders dort Mühe, wo Gutenbergs Kunst schwarz ist. Die Bildreportagen in der Rubrik «Zeitbilder» am Wochenende verflachten regelmässig unter einem milchigen Wolkenschleier in den schwarzen Bildbereichen. Das ist vorbei. Neuerdings versucht man sich in den Redaktionsstuben vermehrt in Farbe. Kein leichtes Unterfangen, denn die Marke NZZ schreibt eine bald 225-jährige Tradition fort und ist akribisch auf Beständigkeit bedacht.
«Wir werden wohl nie eine durchgehend farbige Zeitung machen, sonst unterscheiden wir uns nicht mehr von einem Regionalblatt», sagt NZZ-Koordinator Beat Brenner kategorisch. Somit ist Zurückhaltung bereits Programm. Ein Farbkonzept jedoch ist noch keines ersichtlich, nimmt man einmal die Ausgaben der vergangenen Woche zur Hand. Die Zahl der pro Ausgabe zum Einsatz kommenden Farbbilder und deren Platzierung scheinen zufällig. Bereits regelmässig anzutreffen sind hingegen farbig unterlegte Grafiken und Karten. Grundsätzlich zeigen die Seiten mit Service- und Kulturthemen sowie der Sportteil weniger Berührungsängste mit der Farbe.
Obwohl laut Beat Brenner die Veränderung eine «diffizile» Angelegenheit sei und man der Redaktion, die übrigens wie beim Text auch beim Bild die Hoheit hat, keine expliziten Anweisungen erteile, scheint man sich in einigen Punkten schon einig zu sein. So sollen wo qualitativ möglich die Aufschlagsseiten von Beilagen wie «Automobil», «Luftfahrt», «Zeitfragen»,
«Literatur» und «Kunst» und so fort Farbbilder enthalten. Im Hauptblatt soll der Sport farbig aufmachen und im Wirtschaftsteil sollen farbige Grafiken die Lesbarkeit erhöhen. Ansonsten werde Farbe dort gesetzt, wo es sich aufdränge, sagt Brenner. Doch darüber gingen die Meinungen auseinander. «Im Zweifelsfall verzichten wir auf Farbe», sagt er. Und wenn sich die Redaktoren mit der Bildredaktion oder mit den Fotografen überwerfen, entscheidet Brenner zusammen mit dem jeweiligen Ressortchef. «Wir sammeln Erfahrungen und müssen unsere Farbphilosophie noch entwickeln.»
Brenner rechnet, dass sich der Prozess bis in einem halben Jahr eingeschliffen habe. So rigid wie die Frankfurter Allgemeine, mit starrem Farbkonzept, wolle die NZZ indessen nicht werden.
Sicher ist sicher: Die NZZ nimmt in ihrer Headline zur Münsterhof-Story auch Rücksicht auf Farbenblinde.
René Worni

Havas: Raider hält bereits ein Fünftel der Aktien

Börse Der Investor Vincent Bolloré hat seine Beteiligung an der französischen Werbeholding Havas auf 20,19 Prozent aufgestockt.

Börse Der Investor Vincent Bolloré hat seine Beteiligung an der französischen Werbeholding Havas auf 20,19 Prozent aufgestockt.Bollorés Ziele sind unklar. In der Presse hat er sein Engagement zwar als langfristige Investition bezeichnet. Laut Havas-Chef Alain de Pouzilhac warte die Holding aber immer noch darauf, dass Bolloré seine Absichten verdeutliche.

Die BaZ bleibt einziger Rappenspalter

Verlage Kulturtipps will sich die BaZ in Zukunft bezahlen lassen. Eine Praxis, die wohl kaum Nachahmer finden wird.

Verlage Kulturtipps will sich die BaZ in Zukunft bezahlen lassen. Eine Praxis, die wohl kaum Nachahmer finden wird.Mit der Begründung, Kulturhinweise seien keine redaktionellen Beiträge, sondern kostenpflichtige Einträge, will die Basler Zeitung (BaZ) ab November für solche Tipps zwischen 5 und 20 Franken verlangen. Die Basler Kulturszene boykottiert deshalb die BaZ. Verhandlungen sind im Gang. Doch wie gehen andere Zeitungen mit dem BaZ-Vorstoss um?«Die tabellarischen Ausgehtipps in unserer Agenda sind und bleiben gratis. Wir bringen so viele Hinweise wie möglich, über Auswahl und Länge entscheidet aber die Redaktion. Damit bieten wir unseren Lesern eine Übersicht, was in unserem Einzugsgebiet kulturell läuft.» So umreisst Markus Gisler, Chefredaktor der Aargauer Zeitung, die Philosophie im Rüebliland.
Ähnlich klingt es beim St. Galler Tagblatt (SGT). «Gebühren für dieses Kundenbindungsinstrument sind nicht geplant», sagt Verlagsleiter Daniel Ehrat und führt dafür langfristige Überlegungen an: «Unser Ziel ist es, das SGT zu dem Informationslieferanten zu machen, den man beizieht, sobald zu unserer Region ein Informationsbedürfnis besteht.»
Auch in Zürich will man aus den Kulturtipps keine Rubrikeninserate machen. «Kurzeinträge im ZüriTipp oder auf der Bellevue-Seite des Tages-Anzeigers sind gratis, eine Gebühr steht derzeit nicht zur Diskussion», sagt Eta Pavlovic von Tamedia. NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan betont: «Bei der NZZ erfolgt die Auswahl der Tipps nach publizistischen Kriterien.» Bei den Börsenkursen sei dies genau gleich. «Sie sind ebenfalls gratis und die Redaktion ist frei, kaum gehandelte Titel wegzulassen.»
Als Leserservice betrachtet Marco Boselli, 20-Minuten-Chefredaktor, den Gratiseintrag in der Ausgeh-Agenda What’s up. Man werde die Agenda sogar noch ausbauen. Mit dem Streit in Basel habe dies nichts zu tun. 20 Minuten Basel sei für die Basler Kulturszene denn auch keine Ersatzplattform. «Für unser junges Zielpublikum fokussieren wir auf Partys und Events.»
Markus Knöpfli

Hamstern nach Punkten

Telefonie Advico Young & Rubicam lockt Junge mit attraktiven Prämien.

Telefonie Advico Young & Rubicam lockt Junge mit attraktiven Prämien.Der Telefonanbieter Sunrise zeigt der Konkurrenz die Hamsterzähne (siehe Seite 11) und kommuniziert auf attraktive Weise ein Bonusprogramm für Prepaid-Mobiltelefonierende: Sunrise lässt Kunden Prämien hamstern. Die von AY&R realisierte Kampagne mit Biss zielt auf jüngere, preissensitive Menschen. Mit Sunrise Prontomax hat Sunrise ein Prepaid-Angebot für Mobiltelefonierende bis 27 Jahre entwickelt, das exakt auf die Bedürfnisse
eines jüngeren, spassorientierten Segments zugeschnitten ist. Bonuspunkte sammeln, übers Internet verwalten und Gewinn bringend eintauschen – das macht Sunrise Prontomax zum attraktiven Sparprogramm für scharf kalkulierende Mobiltelefonierende wie auch zum kurzweiligen Erlebnis mit Unterhaltungswert.
Reduktion aufs Wesentliche
Sunrise Prontomax stellte besondere Anforderungen an die Kreativen: Es galt, eine thematische Umsetzung zu finden, die verbal und visuell sowohl in der klassischen Werbung als auch auf dem Web funktioniert. Kunden von Sunrise Prontomax können ihren gehamsterten Bonus via Internet verwalten und einlösen: auch dort musste das Hamsterthema funktionieren. «Wer im Telecom-Markt Mehrwert kommunizieren will – und das wollen praktisch alle –, der muss ebenso einfach wie verblüffend sein», erklärt Daniel Comte, CD der «Hamster»-Kampagne.
Hamstern, was das Zeug hält, soll zeigen, wie viel Spass Mehrwertkommunikation machen kann, wenn sie den Mut zur Reduktion aufs Wesentliche hat.
Andreas Panzeri

Die Edi-Shortlist 04

Wettbewerbe Mit 187 Einsendungen verzeichnet der Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis eine Rekordbeteiligung.

Wettbewerbe Mit 187 Einsendungen verzeichnet der Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis eine Rekordbeteiligung.18 TV-Spots sind auf der Shortlist für einen Edi: Alpenarena (Auftraggeber), Spillmann/Felser/Leo/Burnett (Agentur), Solid Film (Produktion);
Blindenwohnheim Mühlehalde, Ruf Lanz, Condor Communications;
Lotérie Romande, Graber Communication, les réalisateur;
Migros, Publicis, Pumpkin Film; Emmentaler, Publicis, Pumpkin;
Hospiz Lighthouse, Cavegnwerbung, H273 Hallerfilm;
Ovomaltine, Advico Young & Rubicam, Condor;
Pneu Egger, Wirz Werbung, Pumpkin;
Tibits, Wirz, blood, sweat & tears;
Rest. Hiltl, Wirz, blood, sweat & tears;
Suva (Bürostuhl), Catsky & Partner, SOHO at Topic Film;
Pet Recycling, Spillmann/Felser/Leo Burnett, Solid & Haller Film;
Swiss Life, SFLB, Chocolate Films;
Schweizer Radio, SFLB, Ideenproduktion Martin Uebele;
Bluewin, (Rennpferd) Jung von Matt/Limmat, Pumpkin;
Ja zum Film, Krieg, Schlupp, Springer & Jacoby, Topic;
Suva (Toilette), Ruf Lanz, Chocolate.

Qualitäter und andere Blender

Aufgefallen Zur journalistischen Qualitätssicherung brauchts keine verlegerischen Feigenblätter (wie Ombudsstellen), sondern eine redaktionelle Debattenkultur.

Kolumne Zur journalistischen Qualitätssicherung brauchts keine verlegerischen Feigenblätter (wie Ombudsstellen), sondern eine redaktionelle Debattenkultur.Sie sind zu einem Podium über Qualitätsjournalismus eingeladen worden, Mbwana? Und Sie fragen sich, was Sie dort sagen sollen?Mit Sicherheit nicht Folgendes: Das Präfix «Qualitäts-» ist ein sicheres Indiz, dass eine schon etwas angegammelte Ware verkauft werden soll. «Superqualität!»: Diesen Slogan findet man nur in Trödelgeschäften. Wirklich Praktisches, Schönes, Zweifelsfreies braucht diesen Zusatz nicht. Es gibt keinen Qualitäts-Rolls-Royce.
Um die Qualität steht es ähnlich wie um die Ethik, von der Bankier Hans J. Bär schrieb: «Wenn nicht alle Zeichen trügen, hat der Terminus Ethik fabelhafte Aussichten auf eine Präfix-Karriere, wie wir sie nur vom Bio-
Label kennen: Es wird zum Gütesiegel für unbedenklichen Verzehr.»
In der Tat wird unter der Flagge «Qualität im Journalismus» (sozusagen als Tante-Emma-Laden im Schatten des Ethikkonzerns) ebenfalls ein kleines, aber florierendes Gewerbe aufgezogen. Dessen Teilhaber sind Publizistikprofessoren, Presseräte, Ombudsmänner, Medienausbildungszentren, Podiumsveranstalter und Vereine wie www.quajou.ch.
Bei fast allen Qualitätsjournalismusdebatten fällt ein leicht pastoraler Ton auf. Das ist kein Zufall, denn das Kerngeschäft ist uralt: grauhaarige Prediger, bekehrte Sünder, finstere Prophezeiungen, gelegentliche Selbstgeisselungen und viele fromme Worte. Wir befinden uns in der uralten Branche des Ablasshandels. Und hier gilt: Grosse Sünder sind grosszügige Spender. Das zeigte sich zuletzt am Verlegerkongress, wo zahlreiche Damen und Herren begeistert die Busspredigten von Ex-Kollegen und Bundesräten beklatschten. (Kurz nachdem sie fast den Gesamtarbeitsvertrag gekippt hatten: mit dem schönen Gedanken, dass schlecht bezahlte Journalisten kreativer arbeiten.)
Das Ärgerliche am Schweizer Journalismus – die lauwarme Luft, das Geschrei, die Gleichförmigkeit – hat auch handfeste Gründe: Inseraterückgang, Geldmangel und als Folge überall Angst. Alles versucht, auf der sicheren Seite zu sein, Trends nicht zu verpassen und die ebenfalls kopierende Konkurrenz zu kopieren. (Nur als Beispiel: Die NZZ-Sonntagszeitungskopie.)
Das Pseudo-Heilmittel heisst Opportunismus: mehr Provinz (in der Kaninchenzüchterreportage liest du, Kaninchenzüchter, deinen Namen), mehr Serviceservilität (deine Zeitung optimiert dir Ehe und Steuererklärung) und last but not least die Boutique-Idee: Köpfe, Köpfe, Köpfe schreiben Kolumnen, Kolumnen, Kolumnen. In der Hoffnung, dass Witz, Wärme und Intelligenz aus fotografierten Schädeln kommen wie Senf aus der Tube.
Und fürs Fussvolk und das Gewissen gibts Qualitätssicherungsprogramme, Weiterbildungen und Ombudsmänner. Doch lässt sich Qualität kaufen wie eine Gesichtscreme? Natürlich! Nur wirken wird sie genauso wenig. Mit Qualität steht es wie mit Stil und Persönlichkeit: Sie ist kein Accessoire, sondern das Resultat eines Prozesses, einer Haltung.
Genau hier aber liegt das Problem: Welche Redaktion hat schon ein Ziel, einen Standpunkt, eine Debattenkultur? Die Qualität einer Zeitung ist das Produkt journalistischer Wachheit, Neugier und Überzeugung – also von etwas, was sich nicht trainieren, sondern nur leben lässt. Und eine Frage von Tradition (welche etwa eine fast führungslose NZZ auf Kurs hält) und verlegerischem Willen (warum sonst wäre der Blick bei allem Unfug das wachste, intelligenteste Medium des Landes?).
Kurzum: Auch der in Zeitungspapier eingewickelte Fisch stinkt vom Kopf her. Wer auf Podien und in Leitartikeln über Qualität statt in seinen Redaktionen über Ideen, Ziele, Haltungen debattiert, schminkt Leichen.
PS: All das heisst natürlich nicht, dass Sie gegen Honorar nicht auf dem Podium auftreten sollen, Mbwana!
> Constantin Seibt ist Redaktor für Politik und Wirtschaft bei der Wochenzeitung (WOZ).
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