Exzessives Exklusiv-Sponsoring

Lizenzen Der deutsche Fachverband für Sponsoring ist besorgt über den Anstieg lizenzrechtlicher Beschränkungen für Sponsoring und Werbung im Umfeld von Sportevents.

Lizenzen Der deutsche Fachverband für Sponsoring ist besorgt über den Anstieg lizenzrechtlicher Beschränkungen für Sponsoring und Werbung im Umfeld von Sportevents.Als Ursache nennt er die immer extensivere Aus-legung der Exklusivrechte der Hauptsponsoren, Massnahmen gegen Ambush-Marketing und die zunehmende Aufsplittung der Lizenzrechte. Die Reglemente von IOC, Fifa oder Uefa würden exzessiver und Bannmeilen um die Veranstaltungsorte immer weiter ausgedehnt. So benachteiligt etwa die Vergabe der Ausschankrechte an internationale Brauereien oft nationale und regionale Biermarken. Grundsätzlich trete der Verband zwar für den Schutz der Rechte und Exklusivität von Sponsoren ein. Kreative Kommunikationsmassnahmen im Umfeld von Sportevents seien jedoch zu begrüssen, sofern sie nicht gegen rechtliche Vorschriften und bestehende Verträge verstiessen.

Projekt ohne Konzession

Radio Aus der Asche des Bieler Radios Canal 3 soll RadioBilingue erstehen. Die Chancen sind allerdings gering.

Radio Aus der Asche des Bieler Radios Canal 3 soll RadioBilingue erstehen. Die Chancen sind allerdings gering.
Das zweisprachige Bieler Radio Canal 3 steht zweifellos auf schwachen Beinen. Die deutschsprachige Hörerschaft hat sich seit 2001 von 93000 auf 54000 beinahe halbiert, und die 30000 französischsprachigen Hörer hören nur gerade 10 Minuten pro Tag hin. Kommt dazu, dass Radio Jura Bernois im Raum Biel zwei- bis dreimal höhere Werte erreicht. Kein Wunder schrieb die Trägerschaft, eine Stiftung, per Ende 2003 rot. Frederik Stucki, einer der beiden Canal-3-Direktoren, relativiert zwar: «Eine fünfstellige Zahl.» Aus diesem Grund entliess der Stiftungsrat anfangs Jahr beide Chefredaktoren und strich insgesamt eine Redaktionsstelle. «Die Zweisprachigkeit des Senders war aber nie gefährdet», betont Stucki. Allerdings nahmen die Probleme zu, sodass der Sender gemäss Stucki hätte Konkurs anmelden müssen, wenn nicht die Espace Media Groupe im September eingesprungen wäre.Prominente Kritikerin
Doch in Biel formierte sich Widerstand. Im Juni bildete sich der Verein Canal Bilingue und etwas später eine Spurgruppe aus Vertretern der lokalen Wirtschaft, Politik und Behörden, die gemeinsam ein Konzept für einen neuen Sender namens RadioBilingue ausarbeiteten. Präsidiert wird die Gruppe von der Ex-FDP-Ständerätin Christine Beerli. «Man muss nicht an der Front abspecken, sondern auf der Direktionsebene. Wofür braucht Canal 3 zwei Direktoren?», übt Beerli an den Canal-3-Sparübungen Kritik – und weist damit auch auf einen Hauptpunkt des Neukonzeptes: Ein Direktor statt deren zwei. Weiter sieht das Konzept als Trägerschaft eine AG mit gegen 50 Aktionären vor. Derzeit stehen zehn Aktionäre fest – Beerli selbst gehört nicht dazu, hingegen das Verlagshaus Gassmann (Journal du Jura / Bieler Tagblatt), das Büro Cortesi sowie Thomas Eichelberger, Inhaber einer Autogarage. Vorgesehen sind je paritätische Beteiligungen und ein maximal fünfköpfiger Verwaltungsrat.
Die Spurgruppe rechnet mit den bisherigen städtischen und kantonalen Subventionen und mit Anteilen aus dem Gebührensplitting (siehe auch Seite 13.). Auf der Basis der derzeit tiefen Werbeumsätze von Canal 3 setzt der Businessplan von RadioBilingue aber auf steigende Einnahmen. Beerli: «Bisher wurde der lokale Markt zu wenig bearbeitet. Zudem glauben wir, dass dank der lokalen Verankerung eine gewisse Solidarität spielen wird.»
Mitte September ist nun aber die Espace Media Groupe den lokalen Bemühungen zuvorgekommen und hat angekündigt, Canal 3 zu übernehmen und in eine AG zu überführen. Der Spurgruppe wurde angeboten, sich zu beteiligen. Da für Biel keine zweite Radiokonzession erhältlich ist, schliesst diese zwar Kooperationen nicht aus, will aber am 25. Oktober dennoch für ihr Radio ein Konzessionsgesuch einreichen.
Lokale Verankerung zwingend
«Da sich die französische Frequenz von Canal 3 nie selbst finanzierte, besteht die Gefahr, dass ein Deutschschweizer Konzern diesen einstellt», befürchtet Beerli. Und Eichelberger ergänzt: «Wir wollen eine lokal verankerte Führung, deshalb wollen wir mindestens einen Anteil von 51 Prozent.» Bei Espace Media wollten sich weder CEO Albert P. Stäheli noch VR-Präsident Charles von Graffenried äussern.
Bei der Spurgruppe hofft man, dass das UVEK die Übernahme von Canal 3 durch Espace Media ablehnt. Dann hätte man wohl mit der maroden Stiftung leichtes Spiel. Dass in den nächsten Wochen auch noch Konzessions-Erneuerungen für alle Radios anstehen, beflügelt die Hoffnungen. Darob schüttelt René Wehrlin, zuständiger Sachbearbeiter beim Bakom, den Kopf, zumal die Spurgruppe bisher nicht bei ihm anklopfte. Er stellt deshalb klar: Eine zweite Konzession für Biel stehe nicht zur Verfügung und jene von Canal 3 nicht zur Disposition. Selbst wenn das UVEK die Lösung der Espace Media ablehnen würde, bliebe die Konzession von Canal 3 bei der Stiftung. Nur wenn diese Konkurs anmelden würde, werde die Konzession frei – und würde dann ausgeschrieben. Wehrlin: «Es kann sich heute niemand für die Konzession von Canal 3 bewerben, auch nicht im Rahmen der Konzessionserneuerungen.»
Dass die Zweisprachigkeit des Senders gefährdet sei, stellt Wehrlin ebenfalls in Frage. Diese sei für den einzigen Bieler Sender zwingend vorgegeben, nicht nur in der Konzession, sondern auch in den bundesrätlichen Weisungen. Andernfalls käme es zu einem Verfahren wegen Konzessionsverletzung, an dessen Ende ein Konzessionsentzug stehen könnte.
«On verra»Das Bieler Verlagshaus Gassmann kooperiert seit Jahren relativ intensiv mit der Espace Media – Bieler Tagblatt und Berner Zeitung sind wohl redaktionell und werblich im Berner Zeitungspool verbunden. Das abrupte Eindringen der Espace Media im
Bieler Radiomarkt kam deshalb auch für Verleger Marc Gassmann überraschend. «Damit ergibt sich vor allem ein verschärftes Konkurrenzverhältnis bei den elektronischen Medien», sagt er diplomatisch. Wird auch die Zusammenarbeit der beiden Zeitungen belastet? «On vera», sagt der Verleger. Und fügt hinzu: «Das ist derzeit nicht abzuschätzen.»
Eines aber stellt er klar: Der Aktienanteil von zwei Prozent, den die Stiftung Canal 3 bei TeleBielingue hält, soll niemals an die Espace Media gehen, obwohl diese offen damit liebäugelt. Gassmann würde dies aber mit seinem Vorkaufsrecht zu verhindern wissen. «TeleBärn strahlt schon heute in Biel ein. Da wäre es nicht vernünftig, den direkten Konkurrenten im
selben VR oder Aktionariat zu haben», sagt Gassmann. (mk)
Zwei Sprachen, ein Radio: Was immer aus Canal 3 wird, der Bieler Lokalsender muss bilingue sein.
Markus Knöpfli

Go west!

Markus Knöpfli über die Absichten der Espace Media Groupe in Biel.

Markus Knöpfli über die Absichten der Espace Media Groupe in Biel.Sollte die Espace Media Groupe das Bieler Radio Canal 3 übernehmen dürfen, ist dessen Zweisprachigkeit aus wirtschaftlichen Gründen mittelfristig gefährdet. Das wiederholen einige Initianten des neuen Radio-Bilingue-Projektes immer wieder (siehe auch S. 15). Als Beweis tischen sie eine alte Geschichte auf: Das zur Espace Media gehörende TeleBärn habe gemäss ursprünglicher Konzession den Auftrag gehabt, Biel auch mit einem französischen Programm zu bedienen, sei diesem Auftrag aber nie nachgekommen. Darum sei das zweisprachige TeleBielingue bewilligt worden.Doch die Geschichte ist falsch, wie eine Anfrage beim Bakom ergab.
TeleBärn hat in Biel nichts vernachlässigt, vielmehr hat das Bakom den Auftrag von Anfang an sistiert, um TeleBielingue, das erst im Entstehen war, eine Chance zu geben. Später wurde der Auftrag gestrichen.
Hier soll keine Lanze für die Espace Media gebrochen werden. Doch unwahre Geschichten werden durch Nachbeten nicht wahrer, sie lenken vom Wesentlichen ab. Und das Wesentliche am Canal-3-Interesse der Espace Media ist die dahinterstehende Absicht des Berner Konzerns: Dieser will expandieren – nach Solothurn und in die Romandie. Nicht umsonst hat sich die ehemalige Berner Tagblatt Medien AG vor drei Jahren einen französischen Namen gegeben. Canal 3 ist nun für die Espace Media ein erstes Tor zur Westschweiz, wie sie längst eines gesucht hat. Beim darniederliegenden Canal 3 kann sie dem Westschweizer Publikum und den dortigen Werbetreibenden beweisen, dass sie es mit dem Schritt Richtung Westen ernst meint und auch inhaltlich etwas zu bieten hat. Deshalb ist die Zweisprachigkeit des Senders nie und nimmer gefährdet.
Gefährdet oder zumindest belastet ist jedoch die bisherige Kooperation zwischen Berner Zeitung und Bieler Tagblatt. Zwar wird die Espace Media diese kaum aufkündigen, aber die Art, wie die Berner nun in den Bieler Markt eingedrungen sind und selbst den langjährigen Partner vor den Kopf stiessen, signalisiert: «Dieses Radio hol ich mir, auch auf Kosten unserer Partnerschaft.» Die Kooperation mit dem BT ist jedenfalls für die Espace Media zweitrangig geworden – aus strategischen Gründen.
> Markus Knöpfli, redaktioneller Mitarbeiter

Smarte Aufsteiger

Sybille Erdmann und Gabriel Peisker haben mit erdmannpeisker in Biel keine Angst vor den Zürcher Agenturen.

Sybille Erdmann und Gabriel Peisker haben mit erdmannpeisker in Biel keine Angst vor den Zürcher Agenturen.In nur fünf Jahren hat sich erdmannpeisker in Biel von einem Zweipersonenbetrieb zu einer Werbeagentur mit 16 Mitarbeitenden entwickelt. Die Newcomer, 115 Kilometer westlich von Zürich, arbeiten für smart, Montblanc, Regionalverkehr Mittelland oder zum Beispiel Credit Suisse und Swisscom Mobile. Bei diesen beiden Kunden ist erdmannpeisker «eigentlich nur als Joker» eingesetzt worden, um den bisherigen Grossagenturen «ein bisschen Dampf» zu machen. Dann aber haben Sybille Erdmann und Gabriel Peisker mit ihrem Team den Wettbewerb gewonnen. Wer sind die kreativen Köpfe von erdmannpeisker, die sich in der Marketingabteilung von smart kennen gelernt haben? Sybille Erdmann ist als Profi Radrennen für die Nationalmannschaft der ehemaligen DDR gefahren und hat schon die Tour de Suisse absolviert. «Aus Abenteuerlust» ist sie noch vor Öffnung der Mauer in den Westen geflüchtet. Sie studierte in Hannover Kommunikationswissenschaft und machte Karriere als Marketingfrau bei Blaupunkt und später Bosch. Dann wurde sie zu smart nach Biel abgeworben. Genau- so wie Gabriel Peisker.
Dieser war nach der Kunstgewerbeschule in Basel Balletttänzer in München. Weil Peisker sah, dass er nie in die Tanzschuhe von Nurejew treten könnte, kehrte er ins Design zurück. Er machte ein Masterdiplom in Amsterdam, arbeitete als Freelancer in Zürich und bei Zintzmeyer & Lux, bevor ihn ebenfalls ein Ruf von smart in Biel erreichte.
Peisker durfte dort die Corporate Identity verantworten. Sybille Erdmann musste als Leiterin des Handelsmarketings «die schönen Ideen anschliessend auf das Verständnis der Autohändler runterbrechen».
Viel «Gefetze» zwischen den beiden war damit vorprogrammiert. Auf jeden Fall hätten alle Kollegen «sehr verwundert reagiert», als das ungleiche Duo beim Wegzug der smarten Kreativküche nach Stuttgart beschloss, in Biel zu bleiben und eine Agentur zu gründen.
Die mit mutigem Kalkül gestartete Werbeagentur hat im letzten Jahr einen Umsatz von drei Millionen Franken erreicht. Die ersten Kunden sind von ehemaligen smart-Kollegen zugeführt worden. «Das waren alles sehr kreative Leute, die heute an wichtigen Jobs sitzen.» Allerdings könne dieses persönliche Netzwerk höchstens die Eintrittskarte für eine Präsentation bedeuten. «Dass wir dann die Pitches gewonnen haben, hat allein mit unserer Arbeit und Philosophie zu tun.»
Die Kreativen in Biel sind stolz, dass sie solche Wettbewerbe inzwischen auch schon gegen zwei der besten Agenturen aus Zürich gewonnen zu haben. Trotzdem will erdmannpeisker weiter in der Provinz bleiben. «Hier finden wir Ruhe und eine bezahlbare Infrastruktur.»
Weil es Vermieter und Behörden schätzen, dass junge Unternehmer etwas für den Standort Biel tun wollen, hat erdmannpeisker jetzt mit einer Sonderbewilligung ihren Bürobau aufstocken dürfen. Designt
haben das visionär gestylte Projekt zwei junge Ex-Angestellte von Herzog & de Meuron. «Die echten Star-Architekten hätten wir uns nicht leisten können», meint Sybille Erdmann. Oder man könnte auch sagen: Wieso müssen es immer die Etablierten sein, wenn es auch neuere Netzwerke gibt …
Erdmannpeiskers Lob der Provinz: «Hier finden wir Ruhe und eine be-zahlbare Infrastruktur.»
Andreas Panzeri

Adlink lanciert «City Pool Online»

Vermarkter Der Online-Vermarkter Adlink bietet neu eine Werbekombination namens «City Pool Online» an. Dieser vereint die WebsitesTagesanzeiger.ch, Espace.ch und 20min.ch.

Vermarkter Der Online-Vermarkter Adlink bietet neu eine Werbekombination namens «City Pool Online» an. Dieser vereint die WebsitesTagesanzeiger.ch, Espace.ch und 20min.ch.Vermarkter Der Online-Vermarkter Adlink bietet neu eine Werbekombination namens «City Pool Online» an. Dieser vereint die Websites Tagesanzeiger.ch, Espace.ch und 20min.ch. Damit werden in denAgglomerationen Zürich, Bern und Basel rund 1,2 Millionen Unique Users erreicht. Alle Websites im Pool schalten ihre Werbung exklusiv über Adlink. Weitere Titel sollen das Konzept schon bald ergänzen.

Hochzeit in Rot-blau?

Gastkommentar Für die Werbewirtschaft wäre ein Kombiangebot von Blick und 20 Minuten nur ein schlechter Witz, warnt die Mediaplanerin Dominique Schilling.

Gastkommentar Für die Werbewirtschaft wäre ein Kombiangebot von Blick und 20 Minuten nur ein schlechter Witz, warnt die Mediaplanerin Dominique Schilling.Ich habe nichts gegen Gratiszeitungen, auch nichts gegen Kaufzeitungen. Auch nicht, wenn diese «warm» und «rot» ist, wie Bernhard Weissberg die Kernunterschiede seines Blick zu 20 Minuten beschreibt. Aber ich habe etwas dagegen, wenn man die Werbewirtschaft quasi belehrend auf die qualitativen Vorzüge seines Titels hinweist und sämtliche Mediastudien entgegen früherer Argumentationen plötzlich bar aller Wahrheit sein sollen.Wir Planerinnen und Planer wissen sehr wohl, wie wir uns durch den Dschungel aus Reichweiten-zahlen und Qualitätsargumenten bewegen müssen. Wir wissen auch, dass Regionalzeitungen und Pendlerblätter jeweils völlig andere Kommunikationsaufgaben erfüllen als überregionale oder sprachnationale Titel. Nicht zuletzt deshalb hinken alle Versuche, Blick und 20 Minuten einander gegenüberzustellen.
Nachdem Bernhard Weissberg und Rolf Bollmann in der Werbewoche die Unterschiede ihrer Titel zur Genüge dargelegt haben, erstaunt es mich umso mehr, dass laut Tages-Anzeiger von letzter Woche in den Verlagen dennoch ernsthaft Kombinationsmöglichkeiten von Blick und 20 Minuten erwägt werden. Was, bitte schön, soll denn da kombinierbar sein?
Über einen solchen Kombi-Rabatt würden sich allenfalls Werbeauftraggeber mit der Universalzielgruppe «alle und jeder» freuen. Sie könnten von einer zusätzlichen Preisreduktion in jenen Titeln profitieren, in denen sie sowieso schon vertreten sind. Doch was bitte haben Kunden von dieser Kombination zu erwarten ausser eklatante Streuverluste und damit letztlich eine Kostenexplosion?
Einen kleinsten gemeinsamen Nenner haben die beiden Titel tatsächlich: das Tabloid-Format. Dabei bleibt es aber. Denn wenn man sich etwa auch die Tarifstrukturen oder die Farben beider Zeitungen genauer ansieht, gibt es Grund zum Rechnen. Ein Preisvergleich: Obschon beide Titel vierfarbig aufgebaut sind, kostet alleine der Farbzuschlag für eine Viertel- Seite im Blick gleichviel wie eine Viertel-Seite in der Gesamtausgabe von 20 Minuten. Soll heissen: Ringiers stärkste Zeitung hat zwar ihr Format umgestellt, die Farbzuschläge aber nicht angepasst. Das macht für den Leser keinen Unterschied, für die Werbetreibenden aber einen äusserst bedeutsamen.
Ich kann die Diskussion um eine Hochzeit von Blau und Rot sowieso nicht ganz ernst nehmen. Schliesslich wollen bollende Männer ja doch keine weissen Berge versetzen. Und das ist auch gut so.
> Dominique Schilling ist Mediaplanerin bei The Generation Media in Zürich.

Drei positive Quartale

Werbemarkt Die Schweizer Medien haben in den ersten drei Quartalen des Jahres 0,8 Prozent mehr Werbeeinnahmen erzielt. Laut Media Focus wurden insgesamt 2,665 Milliarden Franken umgesetzt.

Werbemarkt Die Schweizer Medien haben in den ersten drei Quartalen des Jahres 0,8 Prozent mehr Werbeeinnahmen erzielt. Laut Media Focus wurden insgesamt 2,665 Milliarden Franken umgesetzt.Fürs 1. Semester hatte Media Focus noch ein Plus von 0,9 Prozent ausgewiesen. Gebremst wurde das Wachstum des Fernsehens. Es legte bis September um 10,5 Prozent zu, während der Semesterwert bei 14,7 Prozent lag.

Musik- statt Banknoten

Banken Nicht GRPs sondern dramatisierte Identitätswerte sollen Bank Coop unverwechselbar machen.

Banken Nicht GRPs sondern dramatisierte Identitätswerte sollen Bank Coop unverwechselbar machen.In kaum einer anderen Branche ist das Differenzierungspotenzial zur Konkurrenz so klein wie in der Bankbranche und der traditionelle Kunde so träge oder – aus Sicht der Institute – so treu. Tendenziell stagnierende Werbespendings dürften diese Lage zusätzlich verstärkt haben. Umso mehr ist Bank Coop, die nicht über das Werbebudget einer Grossbank verfügt und es sich nicht leisten kann, die Aufmerksamkeit des Publikums mit reinem Werbedruck einzukaufen, auf einen verblüffenden Werbeauftritt angewiesen. Ethische und soziale Kriterien
Den hat sie von der Agentur Ruf Lanz erhalten: 2003 setzte deren Imagekampagne neue Akzente in der Bankenwerbung und profilierte den historisch begründeten UAP der Basler Bank – Wohlstand mit Anstand. Den Beweis führte die national wie international mehrfach ausgezeichnete Imagekampagne über gewisse Gepflogenheiten, die oft der Konkurrenz nachgesagt würden. Nämlich, dass dort nachrichtenlose Konten sowie Schmier- und Korruptionsgelder liegen.
Die Resonanz auf die Negativassoziationen des Werbeauftritts blieb nicht aus. «Die gestützte Bekanntheit stieg in den letzten beiden Jahren um stolze 14 Prozent», sagt CD Markus Ruf. Bestätigt vom Erfolg ihrer eindrücklichen Umsetzung führen die Verantwortlichen jetzt die Kommunikationsstrategie von der Image- auf die Produktebene. In insgesamt sechs neuen TV-Spots wird seit Wochenbeginn gezeigt, was Wohlstand mit Anstand konkret für die Kundschaft bedeutet: beispielsweise nachhaltige Wertschriftenfonds, die nebst finanziellen auch ethische und soziale Kriterien berücksichtigen, oder das gebührenfreie Privatkonto ab einem Kontostand von 1000 Franken. «Diesmal haben wir darauf verzichtet, uns über die Schwächen der anderen zu profilieren», erklärt CD Danielle Lanz schmunzelnd.
Die neue Werbeidee baue auf dem Grundgedanken, dass, wer sein Geld bei der Bank Coop angelegt hat, gut schlafen kann. Zum einen, weil er sein Geld in professionellen Händen weiss. Zum anderen, weil er dabei gleich noch ein gutes Gewissen haben darf, da sein Geld moralischen und sauberen Prinzipien folgend arbeitet.
Deshalb singen in den TV-Spots namentlich erwähnte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank Coop im Brustton der Überzeugung bekannte Schlaflieder. Ob bei «Schlaf, Kindlein, schlaf», «Au clair de la lune» oder «Buonanotte fiorellino», die Angestellten der anständigen Bank wünschen, dass alle ruhig schlafen können. Auch jene Zuschauer, die «noch nicht von unserem gebührenfreien Privatkonto» oder «von den Oeko-Hypotheken profitieren können», reiben die Einblendungen mit genüsslicher Ironie die Vorteile von Bank Coop unter die Nase.
Mit solchen Anspielungen und der polarisierenden Umsetzung peilt die Bank über ihre Markenwerte und Produkte direkt auf die Zielgruppen, die kritischer und preisempfindlicher geworden sind. Regisseur Serge Höltschi ist es zu verdanken, dass die Situationen in den Räumlichkeiten des Hauptsitzes der Bank Coop für die «Chormitglieder» nicht ins Lächerliche abfallen.
Für die im Grossraumbüro, im Sitzungszimmer und im Börsenraum vorgetragenen Wiegenlieder lud die Agentur interessierte Angestellte aus der ganzen Schweiz zu einem aufwändigen Casting ein. Und zwar so, dass alle Regionen in den Spots vertreten sind: Zürich, Basel, das Mittelland, die Romandie und das Tessin. «Dabei haben die Bankerinnen und Banker bewiesen, dass sie nicht nur von Geldnoten, sondern auch von Musiknoten etwas verstehen», blickt Markus Ruf zufrieden zurück.
Pointierte TV-Spots: Coop-Bankerinnen und -Banker sorgen mit Schlafliedern für Aufsehen.

Luca Aloisi

Vom Filmen und Weinen

Zum ersten Mal durfte letzte Woche der Kommunikationsverband Idée-VfW die Cannes-Rolle im Studio Bellerive im Seefeld zeigen. Eigentlich ein triftiger Grund, dieser Aufführung im kleinen Rahmen beizuwohnen.

Zum ersten Mal durfte letzte Woche der Kommunikationsverband Idée-VfW die Cannes-Rolle im Studio Bellerive im Seefeld zeigen. Eigentlich ein triftiger Grund, dieser Aufführung im kleinen Rahmen beizuwohnen.Ermöglicht wurde die Veranstaltung dank des Engagements von Martin Fueter und Nicole Schärer von Condor Communications. Neben einem Podiumsgespräch mit Produzentin Michèle Seligmann und Regisseur Michi Fueter gabs am Event traditionell einen Apéro mit Snacks und portugiesischem Wein, an welchem die Gäste genüsslich den edel vergärten Traubensaft degustieren konnten.
Leider enttäuscht zeigte sich ein Teil des Idée-Vorstandes. Es habe eine hohe Anzahl von so genannten No-Shows gegeben – das heisst Leute, die sich gratis angemeldet hätten und dann nicht erschienen seien. Was natürlich für Events eines Goodwill-Verbandes, wie die Idée einer ist, tödlich sein kann, wie Vorstandsmitglied Christian Staub treffend bemerkte. Nichtsdestotrotz ist die Rolle sehenswert, und wer sie noch nicht visioniert hat, sollte dies unbedingt nachholen. Was übrigens auch Gastredner Daniel Pauletto, Verkaufsleiter von Cinecom, in seinem Speech betonte.
Wie es sich gehört für ein neues Produkt wurde die Lancierung des Inserate-Kombis Metropool gefeiert. Und zwar im neuen Park Hyatt Hotel im Enge-Quartier. Da mit Tagi-Anzeigenleiter Fridolin Holdener kein schlechter Weinkenner mit von der Partie war, gab es mit dem gereichten Chateau de Pibaron einen exzellenten Roten zu verkosten. Neben anderen Weinen, deliziösen Häppchen und einem frisch geschulten Hotelpersonal, das einem auf Verlangen sogar die für den Trüffelrisotto bereit- gestellten Edelknollen pur und «à part» reichte, fiel auch die anschliessend frequentierte Hotelbar positiv auf. Alles in allem ein sehr gelungener Anlass.
Apropos Trüffel. Diese gabs – in Form von kalter Kartoffel-Trüffelsuppe – ebenfalls an der Vernissage von Chandra Kurts neuem Buch Wine Tales. Eine exzellente Sammlung von niedergeschriebenen Gedanken zum Thema Genuss – in flüssiger und gerollter Form.
Ein Genuss auch das Vernissage-Catering, extra zubereitet von Beat Caduff. Das Süppchen zum Schlürfen in Shot-Gläsern hatte es in sich. Neben all den anderen Köstlichkeiten, die Caduff frisch zubereitet den Gästen reichte. Beispielsweise ein kaltes Steinpilz-Gulasch, Curry-Crevetten, Gemüse-Mousse oder auch der Graved-Lax à la Caduff. Einzig mit Wild geizte der Chefkoch. Wie man hörte, sei nämlich die Aroser Jagd nicht so ausgegangen wie erhofft. Einzig einen Bock (Stein) und zwei Geissen (Gams) habe der begnadete Jäger (?) und Koch (!) diese Saison erlegen können. Was hingegen einen weiteren Ehrengast punkto Jagd nicht weiter störte. Die Erfinderin des Kriminal-Jägers Commissario Brunetti, Autorin Donna Leon, genoss schlicht und einfach die Buchvernissage ihrer Kollegin Chandra Kurt in der Kellergalerie an der Gessnerallee und liess den lieben Gott einen guten Mann sein.
Beat Fritschzu Tisch mit Produzentin Michèle Seligmann von Condor Communications und dem freien Commercials-Regisseur Michael Fueter. Das Podiumsgespräch über Werbespots fand anlässlich der Vorführung der Cannes-Rolle der Idée – Vereinigung für Werbekommunikation statt. Die
momentane Event-Schwemme scheint übrigens kein Ende zu nehmen. Denn auch die Einladung zur Lancierung des Inseratekombis Metropool und die Vernissage des neuen Oeuvre von Weinautorin Chandra Kurt wollten letzte Woche besucht sein.
Stramm in Reih und Glied – Titel des Metropool-Kombis.
Gehört ins Regal bei jedem Wein- und Cigarrenfan: Wine Tales von Chandra Kurt.
Monika Schneider vom Idée-Vorstand mit Texter und Konzepter Urs Steudler beim Cannes-Rolle-Apéro im Studio Bellerive.

Waser-Werbeleiter Lukas Gschwind mit Idée-Vorstandsmitglied Christian Staub und Gastredner Daniel Pauletto, Cinecom (v. l.).
Interesse an Werbespots: Paul Baumgartner von Publicitas diskutierte während des Apéros mit Andrea Staub von Wirz Werbung.
Tomi Paroubek (l.) vom MGB und Reto Frei, Tibits, liessen sich die Cannes-Rolle im kleinen Rahmen ebenfalls nicht entgehen.
Langjährige Mitglieder der Idée-VfW: Pius Hauser fühlte sich sichtlich wohl zwischen Sylvia Weber (l.) und Erika Jud.
Standen Red und Antwort beim Podiumsgespräch über Werbespots – Michèle Seligmann, Condor, und Regisseur Michi Fueter.
Gemeinsam sind wir stark: Franziska von Weissenfluh von der Berner und Daniel Sommer von der Basler Zeitung.
Tagi-Verlagsleiterin Maili Wolf (l.) und Verkaufsleiter Fridolin Holdener mit Ursula Schneebeli, CEO-Assistant bei Euro RSCG.
Sonnige Gemüter: Auch die P-Ladys Isabelle Kropf (l.) und Alessia Freitag helfen bei der Vermarktung des Metropool mit.
Gemischtes Publikum: Sandra Schmidt, Coop, Adriano Valeri, Tamedia, und Gabriela Böcker-Flamm (r.) von Mediacom.
Hatten Spass an der Metropool-Lancierung: Publimedia-CEO Daniel Strobel (l.), Rolf Steiner und Ingrid Ziegler, Annex Werbe AG.
Dominik Hofstetter (l.) von OMD Zürich City mit Elisabeth Demidoff und Yannick Chevailler von der Westschweizer Presse Publicité.
Verwöhnen uns mit ihrem schönsten Lachen: Sabrina und Jean-Christophe Francet mit BZ-Anzeigenleiter Michael Seiler (v. l.).
Gaben sich beeindruckt von der Architektur des neuen Hotels: Mario Buchmann (l.), Marcela Hohl und Sascha Müller von BG Media.
Treffen am Zeitungskiosk des Park Hyatt: Oliver Huber (l.), OMD Zürich See, Carla Fuhlrott, Mediaschneider und Jano Berni vom Tagi.
Un ospite illustre: Die Bestseller-Autorin Donna Leon (l.) mit Gastgeberin Chandra Kurt an der Wine-Tales-Vernissage.
Für Leib und Seele sorgte Beat Caduff von der Wine Loft mit seiner Weinselektion und frisch zubereiteten Köstlichkeiten vom Buffet.
Heike Findeis (l.), GL-Vorsitzende Springer Science+Business Media, mit Fabienne Vonesch, Absolventin Weinbauschule Wädenswil.
Fachpublikum: Connie Voigt (l.), Leiterin Corporate Communications Gate Gourmet, und Swiss-Weineinkäuferin Sarah Klatt-Walsh.
Sorgten mit ihren exklusiven Single Malts fürs hochprozentige Vergnügen: Bruno Bergamini (l.), Francine Cuagnier und Kurt Frey, Diageo.
Marius Hagger (l.), Leiter der Migros-Presse, mit Carlo Bernasconi, Chefredaktor des Fachmagazins Schweizer Buchhandel.

Zahl der Woche

Telefonie Immer mehr Amerikaner verzichten ganz aufs Festnetztelefon und setzen lieber aufs Handy und Wireless Internet. Bereits haben 5,5 Prozent aller Haushalte (5,8 Mio.) im Trendland USA keinen Festnetzanschluss mehr.

Telefonie Immer mehr Amerikaner verzichten ganz aufs Festnetztelefon und setzen lieber aufs Handy und Wireless Internet. Bereits haben 5,5 Prozent aller Haushalte (5,8 Mio.) im Trendland USA keinen Festnetzanschluss mehr.5 800 000 Im Jahr 2001 waren es noch 1,4 Prozent. Die Hälfte der Aus- bzw. Umsteiger gehört der Zukunftsgeneration der 18- bis 34-Jährigen an. Diese Entwicklung bekommen vor allem die traditionellen Telekom-Konzerne wie AT&T zu spüren.

Neue Zeitung: Neuer Anlauf

Presse Bei Ringier wird zurzeit an einer neuen Nullnummer für das Projekt «Neue Zeitung» gearbeitet. Das bestätigt Ringiers Medienentwickler Jacques Pilet der Werbewoche.

Presse Bei Ringier wird zurzeit an einer neuen Nullnummer für das Projekt «Neue Zeitung» gearbeitet. Das bestätigt Ringiers Medienentwickler Jacques Pilet der Werbewoche.Einen Kalender für das weitere Vorgehen gebe es aber noch nicht. Projektleiter Rudolf Bächtold gibt sich zugeknöpft. Zurzeit werde das Feedback auf die Bekanntmachung der Zeitungspläne verarbeitet, lässt er durchblicken. Dabei passe sich die Zusammensetzung der Projektgruppe ad hoc an die Bedürfnisse an. Weiter gebe es dazu nichts zu sagen – «das ist eine Nullmeldung im Augenblick», diktiert er der Werbewoche.
Ringiers Absicht, ein anspruchsvolles, tägliches Nachrichtenblatt zu lancieren, machte die SonntagsZeitung im März publik. Der Tabloid-Titel solle am Kiosk einzeln oder zum Kombipreis mit dem Blick verkauft
werden.
Der Verlag bestätigte die Existenz des Projekts, verweigerte jedoch weitere Angaben zu den Details. Laut dem Bericht war ein Start im Herbst geplant. Daraus wird nichts: «So schnell, dass es noch für die Mediapläne von 2005 reicht, kommt die Neue Zeitung nicht», winkt Projektleiter Rudolf Bächtold ab.
(sm)

Schweizerkreuz unter der Lupe

Ausstellungen Das Schweizerkreuz taucht immer häufiger in neuen Zusammenhängen auf.

Ausstellungen Das Schweizerkreuz taucht immer häufiger in neuen Zusammenhängen auf.Das Berner Museum für Kommunikation (MfK) fragt in der neuen Sonderausstellung «Weiss auf Rot – United Colours of Switzerland» nach der Bedeutung dieser Karriere. Schauplatz ist eine ins-zenierte Shopping Mall mit einer Mischung aus Konsum und Unterhaltung. Sie ist in vier Themenbereiche gegliedert: Staat, Swissair/Swiss und SRG; Nationalität und Sport; Schweizer Qualitätslabel; Folklore in Kultur und Lifestyle zwischen Patriotismus und Vergnügen.
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