Tagi wartet mit Zusatzgeschäft

Verlage Was immer mehr europäische Zeitungshäuser als einen Ausweg aus der Branchenstrukturkrise sehen, ist in der Schweiz noch kein Thema.

Verlage Was immer mehr europäische Zeitungshäuser als einen Ausweg aus der Branchenstrukturkrise sehen, ist in der Schweiz noch kein Thema.Auch der Tages-Anzeiger folgt vorerst nicht dem Business-Beispiel seines deutschen Vertriebs- und Anzeigenpartners. Dabei wird die Süddeutsche Zeitung mit ihren redaktionell begleiteten Buch- und CD-Reihen dieses Jahr bereits um die 30 Millionen Euro umsetzen (siehe Seite 21).Tagi-Verlagsleiterin Maili Wolf nennt auf Anfrage drei Gründe für die Zurückhaltung: eine zu geringe Grösse des Schweizer Markts für solch ein Massengeschäft, doppelte Portokosten im Vergleich zu Deutschland und andere interne Prioritäten. «Vor der Eröffnung neuer Baustellen wollen wir erstmal unsere Hausaufgaben beenden.» Seitens der Chef- und
Kulturredaktion gebe es indes «keine grundsätzlichen Vorbehalte» gegen solcherlei Aktivitäten, weshalb sich Nebengeschäftsfelder prinzipiell jederzeit beackern liessen.
Von allfälligen Zusatzgeschäften verspricht sich Tagi-Verlagsleiterin Maili Wolf jedoch ohnehin nur einen Image- und keinen Umsatz- oder gar Auflagengewinn.
(oc)

Zwei Seelen in der Brust

Theatermarketing Kommerz und Kunst rücken für SchweizerTheater immer näher zusammen.

Theatermarketing Kommerz und Kunst rücken für SchweizerTheater immer näher zusammen.
Seit letztem Monat warten die Schweizer Theater mit ihren neuen Spielplänen auf. Klassische oder zeitgemässe Bühneninszenierungen sollen die Zuschauer möglichst zahlreich anlocken. Dies gestaltet sich aber im Zeitalter des Überangebots an kommerziellen und kulturellen Veranstaltungen immer schwieriger. Mit zunehmend heterogenem Freizeitangebot und zersplitterten Zielgruppen verschiebt sich auch das Konkurrenzumfeld der Sprechbühnen. Längst treten sie im Kampf um die Gunst der Unterhaltungshungrigen gegen Clubs, Bars oder Kinos an. Der Einsatz umfangreicher Werbe-kampagnen würde aber den finanziellen Rahmen der meisten Theater sprengen. Zwar werden sie als Kul-
turinstitutionen staatlich subventioniert, doch stehen viele Bühnen
unter verstärktem Druck, die Einspielergebnisse zu maximieren. Während das Zürcher Volk dem Schauspielhaus 2002 eine Subventionserhöhung zugestand, will der Kanton Basel seinem Theater ab kommendem Sommer die Beiträge kürzen.
Kommerzkunst oder Kunstkommerz: Im Gegensatz zu einem rein kommerziellen Unternehmen ist ein Theater neben der Gewinnmaximierung – beziehungsweise Verlustminimierung – vor allem auch dem künstlerischen Anspruch verpflichtet, was die Verantwortlichen oft zur Gratwanderung zwingt: «Wir wollen ein hochstehendes künstlerisches Programm anbieten, aber am Ende des Jahres mindestens eine ausgeglichene Rechnung haben», erklärt Christoph Stuehn, Verkaufsleiter des Zürcher Schauspielhauses, den Konflikt.
Kontakt zum PublikumDie Breite des Spagats zwischen der künstlerischen und der kaufmännischen Leistung variiert allerdings von Bühne zu Bühne, wie Dietmar Seiler, Leiter Dramaturgie und Kommunikation des Theater am Neumarkt, erklärt: «Ein kleines, intimes Haus, das viel weniger von seinen Einspielergebnissen abhängig ist, muss sich nicht nach den Bedürfnissen des Publikums richten.» Er ist überzeugt, dass jegliche Marktforschung für ein Theater gefährlich wäre. «Wir sollten umgekehrt versuchen, konsequent und kompromisslos unser Programm zu machen und dann die Leute dafür gewinnen», sagt er weiter. Dies ist für das Experimentaltheater am Zürcher Neumarkt 5 leichter, da es dank seiner intimeren Atmosphäre ein Stammpublikum stärker binden kann.
Obwohl auch beim Schauspielhaus die Auslastung nicht die einzige Zielgrösse ist und sein kann, versucht die Direktion immer wieder in Kontakt zum Publikum zu treten und dessen Wünsche und Bedürfnisse zu eruieren – letztmals bei einer grossen Besucherbefragung in der Saison 2003/04. Dieses Marketinginstrumentes bedienten sich auch die Verantwortlichen des Luzerner Theaters. Bei beiden Erhebungen stellte sich unter anderem heraus, dass sich der Theaterkonsument nicht in ein Schema pressen lässt: Er stammt aus allen demografischen Segmenten.
Tatsache ist aber, dass die Bindung des Publikums an eine Bühne stark von der jeweiligen Intendanz abhängt. Die Saison 2004/05 ist denn auch bei mehreren Schweizer Theatern unter neuer Leitung gestartet, darunter sind das Theater Luzern, das Theater am Neumarkt und das Schauspielhaus – dieses wird bis zum Amtsantritt von Matthias Harmann durch den kaufmännischen Direktor Andreas Spillmann geführt. Mit
einem Neuanfang steigt zwar die Neugierde auf das Programm, aber auch die Erwartungen an die neuen Intendanten nimmt zu. Beim Schauspielhaus ist man mit dem Saisonstart nach der Marthaler-Ära sehr zufrieden, auch der Aboverkauf sei wieder gestiegen, so Christoph Stuehn.
Kommunikation inhouseZufrieden ist auch Dietmar Seiler mit den Ergebnissen der ersten Produktion unter seiner und Wolfgang Reiters Leitung. Mit dem Abgang des Intendanten-Duos Otto Kukla und Crescentia Dünsser ist auch die Zusammenarbeit mit der Walliseller Agentur FCB Leutenegger Krüll zu Ende gegangen. Heute entwickelt das Theater am Neumarkt seine Kommunikation inhouse. Man wolle das, was im Haus an Programm geboten werde, «ohne Reibungsverlust» nach aussen kommunizieren, so Seiler. Das sei auch der Grund, weshalb er selbst sowohl die Dramaturgie als auch die Kommunikation leite.
Dies wird beim Schauspielhaus ähnlich gehandhabt: Alles, was mit dem Programm zu tun hat, wird in enger Zusammenarbeit zwischen Grafik, Regie und Dramaturgie erarbeitet. Nur für Imagekampagnen und Markteinführungen wie jene für den Theater-Montag setzt das gröss-
te Sprechtheater der Schweiz auf die Hausagentur Publicis.
Aus einer Hand hingegen stammt das gesamte Kommunikationspaket des Luzerner Theaters. Zum Saisonauftakt unter der neuen Leitung von Dominique Mentha hat sich das Haus an der Reuss durch die Zürcher Agentur TBS Identity vom Corporate Design über das neue Spielplanheft – eine völlig neue Optik verpassen lassen. Dass gleich alle Werbemittel durch die Agentur konzipiert wurden, erklärt der kaufmännische Direktor Adrian Balmer unter anderem damit, dass das Theater auf Grund seiner «Grösse» auf Fachleute angewiesen sei. Bei der Umsetzung standen aber auch die Werbeprofis vor der Problematik, dass die Sprache des Markts nicht unbedingt jene ist, die zur Identität des Theaters passt.
Ohne die grosszügige, oft auf Sponsoring basierende Mitarbeit von Kommunikationsagenturen könnte sich kaum ein Theater einen sichtbaren Auftritt leisten. Denn im ohnehin eingeschränkten Kommunikationsbudget müssen nicht nur Stückplakate und -inserate untergebracht werden. Sämtliche Druck-sachen wie Monatsspielpläne, Spielzeitbroschüren oder Programm-Flyer müssen durch dieses finanziert werden. Hinzu kommt die nicht billige Publikation des Programms in den Tageszeitungen, wie das «Theater-Magnet» in NZZ und Tagi.
Letzteres setzt auch im Marketingmix des Zürcher Theaters an der Winkelwiese einen Schwerpunkt. Daneben zählt das Spielzeitheft «Winkel» zu einem seiner wichtigsten Kommunikationsmitteln. Zur aktuellen Saison hat das auf zeitgenössisches Autorentheater spezialisierte Haus seine Stückplakate und das Spielzeitheft von der Zürcher Agentur Viznerborel konzipieren lassen. Auch dies sei nur möglich, da die Kreativen zu günstigen Konditionen für das Theater arbeiteten, so Ste-phan Roppel, Leiter der Winkelwiese. Denn man bewege sich werbemässig am oberen Limit dessen, was sich das Haus mit seinem knappen Budget leisten könne. «Letztendlich», ist Roppel aber überzeugt, «entscheidet die Qualität einer künstlerischen Produktion über ihren Erfolg und dieser verbreitet sich am effizientesten durch Mundpropaganda». Entsprechend geniesst die klassische PR bei den Sprechbühnen einen hohen Stellenwert. Eine Rezension oder ein Feuilleton-Bericht bringt den Theatern oftmals viel mehr Besucher ins Haus, als sie mit der klassischen Werbung je erreichen könnten. Das bestätigt auch Adrian Balmer: «Unsere Publikumsumfrage hat ergeben, dass sich die meisten Leute auf Grund von Zeitungskritiken für
einen Theaterbesuch entscheiden.»
Wie schon bei Goethes jungem Werther wohnen auch in der Brust von Theaterkommunikatoren zwei Seelen. Dies führt dazu, dass sie sich bisweilen auf ihr Gefühl verlassen müssen, wann und in welcher Form sie an die Öffentlichkeit treten. Christoph Stuehn: «Unter den vielen externen Einflüssen, denen wir ausgesetzt sind, ist es insbesondere werbetechnisch eine grosse Herausforderung, Massnahmen zu ergreifen, die einen positiven Einfluss auf die Auslastung haben und das jeweils richtige Zielpublikum möglichst direkt ansprechen.»
Jedes Theater verfolgt seine eigene Kommunikationsstrategie, um das Publikum möglichst zahlreich in die Säle zu locken.
Jedes Schweizer Theater verfolgt seine eigene Kommunikations-strategie, um möglichst viel Publikum anzulocken. >> Seite 8
Simone Keller

«Schweizer Talente für den Export»

Events Karl Spoerri und Tim Geser holen Onedotzero, das weltweit wichtigste Digital-Film-Festival, in die Schweiz.

Events Karl Spoerri und Tim Geser holen Onedotzero, das weltweit wichtigste Digital-Film-Festival, in die Schweiz. WW: Vom 29. bis 31. Oktober geht an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich erstmals Onedotzero in der Schweiz über die Bühne, also knapp drei Wochen vor dem ähnlichen Festival Viper in Basel. Eine Kampfansage?Karl Spoerri: Nein, zumal wir ein völlig anderes, nicht selbst konzipiertes und generiertes Programm vorführen.
Tim Geser: Uns ging es darum, die international erfolgreiche Plattform, das fixfertige Digital-Film-Programm, aus London nach Zürich zu holen, wo es bis heute nichts Vergleichbares gab. Ich glaube nicht, dass Onedotzero das Publikum von der Viper abzweigt, die Interessierten werden bestimmt auch weiterhin nach Basel gehen.
Von der heimischen Eigenleistung
her könnte man Ihr Programm mit den Vorführungen der Cannes-Rolle vergleichen.
Geser: In Bezug auf Content-Zusammenstellung, Organisation und Tour-Logistik, die in London geschehen, ist der Vergleich durchaus erlaubt. Auch bei Onedotzero gibt es kein Franchise-Konzept, das uns einengt. Inhaltlich hingegen hat unser Anlass, welcher die State of the Art des artifiziellen Films vorführt, kaum Gemeinsamkeiten mit der Cannes-Rolle, die bei aller Originalität auch mit neuen Medien immer dem
kommerziellen Grundgedanken verpflichtet bleibt. Deshalb haben wir statt eines Kinos, der klassischen Festival-Location, die Hochschule als Partner gesucht, weil wir das kreative Konzept in einem Ort vorführen wollen, wo Kreativität gelebt wird. Entsprechend bieten wir ein voll bepacktes Programm an – Music Video Directors’ Clash, bei dem sich internationale VJs messen, eine Doku über den Turnschuh-Kult und die Verschmelzung von Mode mit der animierten Grafik, ein visuelles Ideenlaboratorium mehrerer Künstler.
Spoerri: Bei uns ist das Spektrum breiter. Man sieht nicht nur Arbeiten, die mit Riesenbudgets produziert wurden, sondern auch kleinere Arbeiten: Tolle Ideen, die am Heimcomputer entstanden oder mit ganz neuen Animationstechniken umgesetzt worden sind, die als Inspirationsquellen für den kommerziellen Kontext dienen und in konventionellen Werbeclips zum Einsatz kommen.
Gibt es auch Schweizer Beiträge?
Spoerri: Dieses Jahr nicht.
Welches sind Ihre Zielgruppen?Geser: Leute aus der kreativen Industrie wie Werbung, Fotografie, Film oder Kunst. Vom Inhalt und von der Technologie her sprechen wir auch die breite Masse an, die das Programm einfach konsumieren kann.
In London lockt das Filmfestival gut 12000 Zuschauer an. Sie rechnen bei der ersten Schweizer Austragung mit über 3000 Besuchern. Woher kommt dieser Optimismus?
Spoerri: Einerseits sind Bedeutung und Publikumsakzeptanz des digitalen Films in den letzten Jahren grösser geworden. Zum anderen können wir vom mehrjährigen Vorlauf des Festivals und seinem ständig ausgebauten Paket profitieren. Zudem generieren wir mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst im Rücken automatisch ein interessiertes Publikum.
Geser: Abrechnen werden wir zwar erst nach den drei Tagen, die Resonanz ist aber jetzt schon von allen Seiten her positiv und motivierend.
Künstler wie Spike Jonze (Being John Malkovich, Adaption), Tim Hope (REM, Coldplay) oder Chris Cunningham (Madonna, Björk) wurden von Onedotzero, das heute als Talentschmiede für Nachwuchsregisseure gilt, entdeckt. Wie schätzen Sie das Potenzial in der Schweiz ein?
Geser: Aus der E-Mail-Korrespondenz mit London wird klar, dass sie dort viele Kreative aus der Schweiz kennen. Und: Die Schweizer Grafik – auch jüngeren Datums wie François Chalet – hat im Ausland immer noch einen sehr guten Ruf. Es gibt immer wieder Leute, denen es gelingt, von der Tummelwiese des digitalen Films ganz gross rauszukommen, aber es
ist auch einleuchtend, dass nicht jedes Jahr Überflieger wie ein Michel Gondry entdeckt werden können.
Im kleinen Schweizer Markt sind die Voraussetzungen für einen Erfolg allerdings nicht viel versprechend.
Spoerri: Der Film ist ein sehr teures Medium, und wenn das Publikum dafür nicht vorhanden ist, klappt die Finanzierung nur selten. Damit muss man umgehen können.
Geser: Das Problem wird aber durch die sehr konservativ denkende Werbeklientel in der Schweiz verschärft, obwohl die Werbung mehr Möglichkeiten hätte, weil sie nicht so sprachorientiert ist wie der klassische Film. Das Talent und das Potenzial müssen deshalb meist exportiert werden. Das Berner Büro Destruct zum Beispiel feiert grosse Erfolge im Ausland, vor allem in Japan.
«Float»: Im digitalen Film gehen Mode und Grafikdesign bisher ungesehene Symbiosen ein.
«Take me out»: Onedotzero präsentiert ein Labor voller Kreativität.
«River»: Auch in der digitalen Welt hat es Platz für Träume.
Interview: Luca Aloisi

Goldbach vermarktet Österreicher Radios

Werbezeit Goldbach Media verkauft künftig auch in Österreich Radiowerbezeit. Als Erstes übernimmt Goldbach Media Wien die exklusive Vermarktung der Radiostationen HitFM und PartyFM.

Werbezeit Goldbach Media verkauft künftig auch in Österreich Radiowerbezeit. Als Erstes übernimmt Goldbach Media Wien die exklusive Vermarktung der Radiostationen HitFM und PartyFM.Werbezeit Goldbach Media verkauft künftig auch in ÖsterreichRadiowerbezeit. Als Erstes übernimmt Goldbach Media Wien die exklusive Vermarktung der Radiostationen HitFM und PartyFM. Als «Szene-Kombi» erreichen sie laut einer Mitteilung täglich 86000 Personen in der Zielgruppe der 10- bis 39-Jährigen in den Regionen Niederösterreich und Burgenland.

Tele M1 will mehr

TV Weil die Konzession von Tele M1 demnächst ausläuft, hat das Aargauer Lokal-TV beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ein neues Gesuch eingereicht und gleichzeitig ein grösseres Sendegebiet beantragt.

TV Weil die Konzession von Tele M1 demnächst ausläuft, hat das Aargauer Lokal-TV beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ein neues Gesuch eingereicht und gleichzeitig ein grösseres Sendegebiet beantragt.Seine Expansionsabsichten zielen nach Norden über den Hauenstein bis zum Rhein und nach Westen bis vor Biel. Konkret will der Sender aus dem Hause AZ-Medien-Gruppe künftig das Baselbiet östlich der Linie Pratteln-Liestal-Waldenburg zusätzlich bedienen sowie sich südwestlich von Olten bis nach Langenthal, Herzogenbuchsee,
Solothurn und Grenchen ausdehnen. Das Bakom führt bis zum
8. November eine Anhörung bei Konkurrenten, betroffenen Kantonsregierungen und Verbänden durch, wie Alfred Hostettler, zuständiger Sachbearbeiter des Bundesamtes für Kommunikation, auf Anfrage bestätigte.
Mit den beantragten Erweiterungen würde sich das neue M1-Sendegebiet mit jenen von Tele-basel, NordWest 5, TeleBärn und auch von TeleBielingue stark überschneiden. Das Gebiet von IntroTV wird gar vollständig abgedeckt. Von den meisten betroffenen Sendern war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme erhältlich. Telebasel teilte bloss mit, dass man ob der M1-Konkurrenz nicht in Jubel ausbreche. Beat Alder von NordWest 5 begrüsste hingegen die M1-Ausdehnung und will sie zum Anlass nehmen, mit den Verantwortlichen in Baden «wieder einmal über Kooperationen zu reden.» Bei M1 selbst war niemand erreichbar.
(mk)

Bayerns Medienminister will «Big Brother» stoppen

TV Antisemitische Kandidaten bringen die Reality-Show «Big Brother» in Bedrängnis.

TV Antisemitische Kandidaten bringen die Reality-Show «Big Brother» in Bedrängnis.In der Live-Übertragung von Pay-TV Premiere war zu sehen, wie ein Teilnehmer Judenwitze erzählte und damit Lacher erntete. Der Medienminister des Landes Bayern fordert nun Konsequenzen. Premiere soll auf die Ausstrahlung von «Big Brother» verzichten. Den Containerkanal haben rund 50000 Personen abonniert. Auf RTL 2 wurden die antisemitischen Witze nicht ausgestrahlt. Bei Premiere wurden zwei Redaktoren entlassen, die das LiveProgramm überwachen sollten.

Starckes Gebräu

Design Der weltweit bekannte Designer Philippe Starck hat für die Elsässer Biermarke 1664 von Kronenbourg eine neue Bierdose, eine Flasche und ein passendes Bierglas gestaltet.

Design Der weltweit bekannte Designer Philippe Starck hat für die Elsässer Biermarke 1664 von Kronenbourg eine neue Bierdose, eine Flasche und ein passendes Bierglas gestaltet.Die edlen Behälter sollen eine nüchterne und raffinierte Gediegenheit ausstrahlen. Starcks Design verleihe dem Biertrinken so eine neue Ästhetik, die das ordinäre Durstlöschen zu einem edlen Lifestyle-Akt hochleben lasse, heisst es. «Ich wollte dem Bier die Ehre zurückgeben, die es verdient, etwas mehr Noblesse», meint Starck, der seit 20 Jahren an der Verschönerung von Alltagsgegenständen arbeitet.

Der Preis ist (Sc)heiss

Aufgefallen Online liesse sich Zeitungs-Content differenzierter vermarkten als offline. Doch die meisten Verlage dilettieren weiter fröhlich vor sich hin.

Kolumne Online liesse sich Zeitungs-Content differenzierter vermarkten als offline. Doch die meisten Verlage dilettieren weiter fröhlich vor sich hin.Zeitungsverleger mögen Grund zur Klage haben, weil ihr bisheriges Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, seit die Stellen- und Kleinanzeigen ins Internet abwandern und sich auch Leserinnen und Leser immer öfter online versorgen, statt News in Papierform zu konsumieren. Doch ein Teil der Misere ist – zumindest bei den Online-Zeitungen – schlichtes Marketing-Versagen: Warum offerieren Zeitungshäuser im Internet Inhalte zum Nulltarif, die sie in gedruckter Form verkaufen wollen? Das ist so, als würde Mercedes seine neue A-Klasse mit allem elektronischen Schnickschnack verschenken und gleichzeitig versuchen, Ladenhüter aus der letzten Baureihe zum Höchstpreis zu verkaufen.
Kaum minder absurd scheinen allerdings normale Zeitungsabopreise für Online-Angebote, wie sie einige Verlagshäuser inzwischen durchzudrücken versuchen. Zeitungslektüre im Netz ist kein Zusatzvorteil, sondern für viele – vor allem junge – Leute eine echte, obendrein meist aktuellere Alternative zur gedruckten Version. Warum dem Online-Nutzer also nicht Preisvorteile weitergeben, wenn die Verlage für ihn kein Papier
kaufen, keine Zeitung drucken und das Blatt auch nicht mehr zustellen müssen?
Und warum kann man im Web nicht einfach nur den Wirtschaftsteil, den Sportteil, das Lokale oder die Medienseite zu einem niedrigeren Preis abonnieren anstatt das Gesamtkunstwerk einer Zeitung oder Zeitschrift? Als Publizistikprofessor habe ich nicht genügend Zeit, um täglich zehn verschiedene Blätter zu lesen. Aber zehn verschiedene Medienseiten würde ich gerne, auch gegen einen angemessenen Obolus, geliefert bekommen.
Diesbezüglich geht es Bankern und Ärzten und Juristen wohl kaum anders: Auch sie würden gerne auf mehr Informationen zurückgreifen können, die für ihr jeweiliges Berufsfeld wichtig sind, ohne zusätzlich zehn Sport-, Kultur- und Lokalteile mitabonnieren zu müssen.
Und weshalb verkaufen die Verleger einzelne Artikel aus ihrem Archiv zu so astronomischen Preisen, dass ich dreimal darüber nachdenke, ob ich mir diesen Luxus wirklich leisten soll? Joey Anuff vom Online-Magazin Suck spottete einmal, nur Zeitungsverlage könnten es sich leisten, eine alte Filmkritik zu einem höheren Preis zu verkaufen, als ihn die Videothek nebenan für die Ausleihe des ganzen Films verlangt.
Lange Klage, kurzer Sinn: Einerseits ist Information, zumal journalistisch recherchierte, natürlich etwas wert, und es gibt keinen Grund, sie zum Nulltarif anzubieten. Andererseits sollten die Preise aber marktgerecht sein.
Für ihr gedrucktes Kernprodukt nutzen viele Zeitungshäuser die vier Basisinstrumente des Marketings durchaus virtuos: Sie machen ordentliche Produkte – lesbar, bunt und inzwischen auch immer handlicher. Der Preis fürs Printprodukt ist – gemessen am Informationsgegenwert – erstaunlich niedrig. Auch den Vertrieb haben die Verlage im Griff, soweit sie herkömmliche Vertriebskanäle (also Zustellung, Kiosk, stumme Verkäufer) nutzen.
Selbst in der Kommunikation haben sie viel dazugelernt: Viele Zeitungshäuser machen erstklassige Werbung und pflegen ihre
Marken. Einige Medienkonzerne betreiben inzwischen genauso professionell PR wie Autohersteller oder Pharmakonzerne.
Umso verwunderlicher sind die abenteuerlichen Marketing-Konzepte, mit denen die meisten Verleger noch immer im Internet agieren. Viele könnten bei der Preisgestaltung für ihre Online-Ableger von Discountern wie Denner und Aldi noch eine Menge lernen.
> Stephan Russ-Mohl ist Publizistikprofessor an der Universität Lugano.

Brückenschlag

Mode Seit 1999 versucht dasTessiner Familienunternehmen Monn in seinen Katalogen das Bild in der Werbung mit dem Bild in der Kunst zu verknüpfen.

Mode Seit 1999 versucht dasTessiner Familienunternehmen Monn in seinen Katalogen das Bild in der Werbung mit dem Bild in der Kunst zu verknüpfen.Mode Seit 1999 versucht das Tessiner Familienunternehmen Monn in seinen Katalogen das Bild in der Werbung mit dem Bild in der Kunst zu verknüpfen. So auch in der aktuellen Ausgabe, die zugleich eine Hommage an die expressionistische Künstlergruppe «Rot-Blau» darstellt. Die Gruppierung wirkte in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts zwischen dem Tessin und Basel. Der Brückenschlag zwischen den beiden Regionen hat bei Monn einen guten Grund: Seit einem Jahr betreibt das Modegeschäft neben Bellinzona, Lugano, Locarno und Chiasso auch in Basel eine Filiale. Iniziant und Konzepter der künstlerischen Modekataloge ist der Fotograf und Kreative Adriano Heitmann.

Neuer Schnitt beim Splitting

Gebühren Nach dem Splitting für das TV hat das Bakom nun auch das Splitting für Radios neu aufgegleist.

Gebühren Nach dem Splitting für das TV hat das Bakom nun auch das Splitting für Radios neu aufgegleist.Dieser Tage erhielten alle Lokalradios dicke Gebührensplitting-Post vom Bakom. Dieses hat – nach einer Vernehmlassung unter den Sendern – die Kriterien für gebührenberechtigte Radios revidiert und nun publiziert. Die Anmeldefrist für das Gebührensplitting 2005 läuft bis zum 5. November.An den Kriterien hat sich einiges geändert. Gemäss Radio- und TV-Verordnung (RTVV) waren jene Radios gebührenberechtigt, in deren Versorgungsgebiet weniger als 150000 Personen über 15 Jahren leben. In der Praxis gewährte das Bakom aber auch zweisprachigen oder werbefreien Radios Gebührengelder, ebenso jenen, die einen hohen Anteil Berggebiete aufwiesen. Was als Berggebiet gilt, wird mittels Investitionshilfegesetz für Berggebiete festgelegt.
Viele Kriterien neu definiert
Die neuen Kriterien verzichten auf die Grenze von 150000 Personen über 15 Jahren, auch ein hoher Anteil Berggebiete reicht nicht. Statt dessen sind UKW-Sender bezugsberechtigt, deren Versorgungsgebiet «zu einem überwiegenden Teil» aus Berggebieten besteht, weiter solche, deren Versorgungsgebiet keine Gemeinden mit mehr als 50000 Einwohnern über 15 Jahren umfassen. Gebührengelder fliessen auch dorthin, wo ausländische Sender mit «grossem Markteinfluss» einstrahlen. Und zweisprachige Sender sowie werbefreie Radios sind neu ebenfalls klar als berechtigte Gebührenbezüger aufgeführt.
Die zur Verfügung stehenden Gelder – im 2004 wurden 7,4 Millionen Franken verteilt – werden nach bestimmten Positionen zugesprochen. Mit je 30 Prozent der Gelder wird die technische Verbreitung der Radios und die journalistische Qualität subventioniert. Letztere wird nach der Zahl der angestellten Journalisten mit Eintrag im Berufsregister (BR) der Journalistenverbände bemessen, unterstützt werden aber auch Aufwände für externe Weiterbildung. Die restlichen 40 Prozent sind für die Radio-Betriebskosten (15 Prozent), für werbefreie Sender (15 Prozent), für die Abgeltung besonders starker Auslandskonkurrenz und für die Publikumsresonanz (nach Marktanteilen) vorgesehen.
Kürzlich hat das Bakom auch das Gebührensplitting 2004 für TV-Stationen nach teilweise neuen Kriterien vergeben (siehe Tabelle). Dort flossen erstmals ebenfalls Qualitätskriterien ein, die sich wie bei den Radios nach der Zahl der angestellten BR-Journalisten richtet. Während die neuen Kriterien für das TV-Gebührensplitting fast kritiklos geschluckt wurden, gingen jene für das Radio-Gebührensplitting nicht so einfach über die Bühne. Dem Vernehmen nach soll Radio Grischa via Bündner Regierung einen geharnischten Brief an das Bakom geschrieben haben. Beim Sender will man dies allerdings weder bestätigen noch dementieren. Anders bei
Radio Central. Dort bestätigt Geschäftsleiter Alfons Spirig eine Anfrage an den Bundesrat via einen Schwyzer Nationalrat. Radio Emme soll einen ähnlichen Weg gewählt haben.
Bergradios fahren schlechterDer Grund: All diesen Bergradios drohen gemäss neuen Kriterien zum Teil deutlich geringere Splittinganteile. Bei Central zum Beispiel sollen es gemäss einer ersten Modellrechnung nächstes Jahr rund 45 Prozent weniger sein als noch im 2004. Aus diesem Grund hat sich denn auch der Verband der Bergradios in der Vernehmlassung deutlich bemerkbar gemacht. Mittlerweile wurden nun aber gewisse Bestimmungen noch einmal überarbeitet, weshalb die Radios die Post des Bakom nun mit grossem Interesse und da und dort auch mit Bangen erwarten. Denn wie sich die neuen Kriterien konkret auswirken, ist noch nicht genau abzusehen.
Eine Kritik kam da und dort aus aktuellem Anlass auf: Zweisprachige Sender profitierten schon bisher und werden gemäss neuem Modell kaum schlechter gestellt. Das ärgert all jene, die sich gegen eine Übernahme des Bieler Canal 3 (siehe auch oben) durch die Espace Media Goupe aussprechen. Soll der Berner Konzern künftig tatsächlich mit rund einer halben Million Franken jährlich unterstützt werden, wird teils noch hinter vorgehaltener Hand gefragt.
Und noch ein Umstand führte schon bisher immer wieder zu Deutschschweizer Kritik: Sowohl bei den TVs als auch bei den Radios erhalten die Westschweizer Sender verhältnismässig mehr Geld als jene in der Deutschschweiz. Dieses «Missverhältnis» erklärt Marcel Regnotto vom Bakom so: Seit Jahren organisieren die Westschweizer Sender wie verlangt ihre Weiterbildung extern, während die meisten gebührenberechtigten Deutschschweizer Radios dies noch immer inhouse durchführen. Externe Kurse seien aber vorgeschrieben, um sicher zu gehen, dass nur vollwertige Weiterbildung subventioniert werde, sagt Regnotto. «Darum kommen die Westschweizer Sender verhältnismässig besser weg.»
Schnippschnapp: Die Radio-Gebührengelder werden inskünftig nach veränderten Spielregeln verteilt.

Markus Knöpfli

Fensterpläne von RTL 2 wanken

TV RTL-2-Chef Josef Andorfer stösst mit den Plänen für ein Schweizer Programmfenster auf wenig Begeisterung bei den eigenen Gesellschaftern.

TV RTL-2-Chef Josef Andorfer stösst mit den Plänen für ein Schweizer Programmfenster auf wenig Begeisterung bei den eigenen Gesellschaftern.Das Projekt sei ihnen bislang nicht vorgestellt worden, sagte RTL-Chef Gerhard Zeiler gegenüber TR7. Deshalb liege auch keine Genehmigung dafür vor. Die RTL Group hält 35,9 Prozent an RTL 2.

Überholter Führerkult

Aufgefallen Der Arbeitsmarkt ist das gesellschaftliche Schlachtfeld unserer Postmoderne. Niemand weiss das besser als unsere leid- und hartzgeprüften nördlichen Nachbarn.

Stellenanzeiger Der Arbeitsmarkt ist das gesellschaftliche Schlachtfeld unserer Postmoderne. Niemand weiss das besser als unsere leid- und hartzgeprüften nördlichen Nachbarn.Stellenanzeiger Der Arbeitsmarkt ist das gesellschaftliche Schlachtfeld unserer Postmoderne.Niemand weiss das besser als unsere leid- und hartzgeprüften nördlichen Nachbarn. Und keiner weiss diesen Tatbestand gravitätischer zu illustrieren als die notorisch geschichtsbewusste Frankfurter Allgemeine. Mit diesem Ölschinkeninserat für ihren wie überall serbelnden Stellenmarkt hat sich die Zeitung für Deutschland allerdings selbst übertroffen. Vorgestrig ist bereits der implizite Aufruf ans bildungsbürgerliche Zielpublikum zum heiteren Historienraten (Ist das nun Waterloo oder nicht doch Trafalgar?). Noch antiquierter und peinlicher wirkt freilich die Palm-bewehrte Business-Amazone im Gianna-Nannini-Look. Denn beides – die Italo-
Rockerin wie der Deux-Pièce-Feminismus – sind Relikte aus den «Roaring Eighties». Und bekanntlich ist nichts älter als der Trend von gestern. Aber was tut man(n) nicht alles, damit Führerfiguren im einschlägig vorbelasteten Deutschland wieder salonfähig werden.
(oc)
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