Marco Simonetti ist mit Walhalla gross geworden. Als CD soll er die Design-Kompetenz von Heads vorantreiben.Mit der Verpflichtung des Creative Director Marco Simonetti baut die Heads Corporate Communications in Zürich ihre Kreation weiter aus. Anfang der 90er-Jahre war Simonetti Mitbegründer der später weltweit renommierten Designagentur Walhalla in Bern. «Das war zu Beginn ein reines Hobby», erinnert sich der preisgekrönte Designer, dessen Arbeiten schon in Büchern und Designzeitschriften rund um den Globus abgedruckt worden sind. Das Büro von Walhalla befand sich zu Beginn in unmittelbarer Nähe des Berner Kulturtreffs Dampfzentrale. Die ersten Kunden waren deshalb Veranstalter, die Flyer brauchten, oder ein DJ, der ein neues Logo suchte. Walhalla machte sich mit solchen Aufträgen im kulturellen Bereich einen Namen, wurde professioneller und bald auch zum Spezialisten im kommerziellen Jugendbereich. «Eine 60-Stunden-Woche war damals normal», erinnert sich Marco Simonetti an 1993, als er für Kunden wie Nidecker (Snowboards) oder Casio (Uhren) gearbeitet hat. Da ihre Arbeiten auch in branchenbekannten Heften wie Tyler Brûlés Wallpaper oder GQ Eingang fanden, wurden immer mehr auch internationale Kunden auf Walhalla aufmerksam.
Wie der ominöse Anruf aus Hollywood für einen Schauspieler wirkte deshalb für die Designer ein Fax aus Paris, in welchem Renault eine Agentur für die Gestaltung eines neuen Kulturzentrums suchte. «Die hatten einen Bericht über uns im französischen Designheft Etapes graphiques gesehen», erinnert sich Simonetti. Zwar dauerte das Evaluationsverfahren mit zwei ebenfalls eingeladenen Agenturen aus London und Frankreich noch mehr als ein halbes Jahr. Dann war der Pitch gewonnen, und die Berner durften für Renault an den Champs-Elysées ein Imagecenter gestalten. In diesem sollten keine Autos gezeigt werden, sondern mit Restaurants, Bars und Ausstellungen sollte den Kunden ein neuartiges Markenversprechen abgegeben werden. Walhalla hat für dieses «L’atélier» von Renault das ganze Corporate Design gestaltet. Dieser Auftrag hat ihnen auch einen Auftritt im Pariser Museum für Kommunikation eingebracht. Seither durfte Walhalla regelmässig neues Material in das Werbemuseum im Louvre schicken.
Das Modespektakel Gwand in Luzern oder Kangaroos Shoes waren weitere Kunden, mit denen Walhalla stetig wuchs. Trotzdem sollte für Simonetti nach acht Jahren etwas Neues kommen. Die Walhalla-Crew löste sich auf, weil sich die beiden Partner in verschiedene Richtungen entwickelten. Er wechselte zu einer Webagentur nach Biel. Dort gestaltete er zwei Jahre lang das Webdesign für Kunden wie Mövenpick und Swisscom. Als seine Freundin mit einem beruflichen Wechsel nach Zürich liebäugelte, kam auch für Simonetti die Anfrage von Heads gerade im richtigen Zeitpunkt.
Bei Heads überzeugt den neuen CD «das grosse Know-how in strategischen Fragen». Neben diesem will er jetzt im Design die Kompetenz weiter ausbauen. Durch den Mitbegründer Mike Stillhard hat die Agentur bereits ihre Ursprünge im CI-Bereich. Ralph Hermann hat Heads später durch den klassischen Agenturbereich ergänzt. Heads beschäftigt zehn Köpfe. Wichtige Kunden sind die ETH mit ihrem 150-Jahre-Jubiläum sowie die Swiss Re mit der weltweiten Implementierung ihrer «Corporate Philosophy».
Marco Simonetti hat seinen Beruf «on the job» gelernt. Nach der Matura studierte er zuerst im Informatikbereich und arbeitete dann in der IT-Branche. Als Anfang der 90er-Jahre die ersten Computer für Normalbürger erschwinglich wurden, hat er sich «voll reingestürzt» und als Autodidakt «mit innerem Trieb und Leidenschaft» sich der Computergrafik zugewandt.
Auch privat lebt er für das Design. Simonetti arbeitet nebenbei an künstlerischen Projekten wie SoulEngineer oder entwickelt mit einem griechischen Kollegen Produktedesign für Alltagsgegenstände.
Vom Job für alternative Kulturveranstaltungen zu globalen Brands: Marco Simonetti erhielt immer wieder «the right call».
Andreas Panzeri