Kölliker bleibt der Radioszene treu

Vermarkter Spot Promotion wartet nicht auf PubliGroupe, sondern startet voll durch – allerdings unter neuen Vorzeichen.

Vermarkter Spot Promotion wartet nicht auf PubliGroupe, sondern startet voll durch – allerdings unter neuen Vorzeichen.
Im August gab Hansruedi Kölliker, Alleininhaber von Spot Promotion, bekannt, dass er Ende Jahr mit der Radiovermarktung aufhören und sich neu orientieren werde. Jetzt hat er sich doch anders entschlossen. «Viele Kunden, Radiobetreiber und sogar Konkurrenten baten mich weiterzumachen», sagt der 55-Jährige.Eigentlich wollte sich Kölliker, der seit Anfang 2003 an der Zuger Euphony Holding AG beteiligt ist, künftig dem Telefonie-Preselection-Geschäft widmen. Doch nun verkaufen er und sein Geschäftspartner Peter Hänggi die in Deutschland tätige Firma per 1. Dezember. «Ein gutes Angebot für Euphony sowie die Reaktionen aus dem Radio- und Werbemarkt gaben den Ausschlag, dass ich mich wieder voll und ganz der Spot Promotion zuwende», sagt er.
Allerdings mit geänderter Philosophie. Kölliker: «Bisher haben wir das Medium Radio bei den Werbekunden vertreten, neu werden wir den Radios die Kundeninteressen präsentieren.» Spot Promotion bleibt dabei ungebunden, ein Joint Venture mit PubliGroupe steht für Kölliker nicht mehr zur Diskussion (siehe WW 27/04). «Wir haben auch nichts mehr aus Lausanne gehört», sagt er.
Damit steht er nicht allein. Auch Bruno Oetterli, Inhaber von Radiotele, signalisierte im Sommer eine gewisse Offenheit für die P, sagt aber, es sei seither zu keinem ernsthaften Kontakt gekommen.
(mk)

BaZ erlässt Grosskunden die Agenda-Gebühr

Zeitungen Seit September ist ein Eintrag im Veranstaltungskalender «Ausgehen heute» der Basler Zeitung (BaZ) kostenpflichtig.

Zeitungen Seit September ist ein Eintrag im Veranstaltungskalender «Ausgehen heute» der Basler Zeitung (BaZ) kostenpflichtig.Die Gebühr von 5 bis 20 Franken pro Eintrag hat zu einem Aufschrei bei den lokalen Veranstaltern und zu Boykottdrohungen geführt. Vergangenen Freitag trafen sich darum BaZ-Herausgeber Matthias Hagemann und Verlagsleiter Daniel Sommer mit Vertretern der Kulturszene. Sie brachten ein neues Angebot mit: Wer in der BaZ jährlich für mehr als 20000 Franken Inserate schaltet, muss für «Ausgehen heute» nichts bezahlen. Vom neuen Gratisangebot könnten allerdings nur ganz wenige Veranstalter profitieren.

Winterthur setzt auf Angelink Yourposition

Assekuranz Die Winterthur-Versicherungen haben Angelink Yourposition nach einem mehrstufigen Pitch mit dem Suchmaschinenmarketing für ihr Aussendienstnetz Winteam betraut.

Assekuranz Die Winterthur-Versicherungen haben Angelink Yourposition nach einem mehrstufigen Pitch mit dem Suchmaschinenmarketing für ihr Aussendienstnetz Winteam betraut.Angelink Yourposition ist künftig verantwortlich für die Keyword-Analyse sowie die technische und inhaltliche Beratung bei der Optimierung des Netzwerks von über 120 Winteam-Agentursites. Zudem leistet sie Unterstützung bei der Erfolgskontrolle.

Havas gewinnt Mandate von Sanofi Aventis

Pharma Der französische Pharmariese Sanofi Aventis hat Euro RSCG Life mit den weltweiten Kommunikationsbudgets für drei Medikamente betraut.

Pharma Der französische Pharmariese Sanofi Aventis hat Euro RSCG Life mit den weltweiten Kommunikationsbudgets für drei Medikamente betraut.Die Healthcare-Agentur betreut Werbung, Public Relations, medizinische Erziehung, Direktmarketing und Online-Aktivitäten für das Thrombosemittel Lovenox sowie die Diabetes-Medikamente Lantus und Apidra. Über die Höhe der Etats wurde nichts bekannt gegeben. Sanofi Aventis gehört nun zu den fünf grössten Kunden der Euro-RSCG-Mutterholding Havas.

«Die Werber sollten sensibel sein»

Werbung Die Kunst verkörpert Wohlstand. Damit eignet sie sich bestens, Konsumenten zu umgarnen.

Werbung Die Kunst verkörpert Wohlstand. Damit eignet sie sich bestens, Konsumenten zu umgarnen.
Bettina Richter hat die Kunstzitate der Plakatsammlung des Museums für Gestaltung Zürich für eine Ausstellung an der Schweizerischen Nationalbank ausgewählt. Mit der Werbewoche unterhielt sie sich über den Déjà-vu-Effekt solcher Werbemotive.
WW Warhols Motive als Schaufensterdekoration einer Modekette oder sein Stil für Autowerbung – in der Werbung haben Kunstzitate immer Hochkonjunktur. Wann macht die Anlehnung an die Kunst für Sie als Kunsthistorikerin Sinn, wann wirkt sie anbiedernd?
Bettina Richter Werbung muss ein Stück weit anbiedernd sein, schliesslich muss sie die Konsumenten ködern und bestätigen. Kunstzitate in der Werbung gründen kaum auf Liebhaberei, sondern allein auf kommerziellem Interesse des Auftraggebers. Ein Kunstzitat ist in meinen Augen gelungen, wenn es mehrschichtig ist und mit eingelagerten Erinnerungen an bestimmte Bilder und Codes arbeitet. Ist das Zitat zu vordergründig, wird es platt und verliert an Wirkung.
Wo kann man die Grenze zur Banalität ziehen?Das lässt sich nur am konkreten Plakat beurteilen. Grundsätzlich kann man sagen, dass je häufiger Bilder verwendet werden – statistisch gehören die «Mona Lisa» und der «David» zu diesen –, desto höher sind die Anforderungen an den Werber, Abnutzungserscheinungen mit einer innovativen Idee wettzumachen.
Kunstwerke, die zum kulturellen Allgemeinbesitz zählen, geniessen einen hohen Wiedererkennbarkeitswert und lenken die Aufmerksamkeit schneller auf sich. Behelfen sich die Kreativen nicht mit solchen
Bildern, um über ihre eigene Ideenlosigkeit hinwegzutäuschen?
Heute operieren viele Werber geschickt mit solchen abgegriffenen Bildern. Den Déjà-vu-Effekt, der ja nur funktioniert, wenn ein Bild tief in unserem Unterbewusstsein gespeichert ist, setzen sie bewusst und gezielt ein. Beim Betrachter passiert am ehesten dann wirklich etwas, wenn er eine Veränderung am gewohnten Bild entdeckt.
Dient es einem Kunstwerk und seiner öffentlichen Anerkennung, wenn es häufig zitiert wird?Ob Kunstzitate in der Werbung dem Kunstwerk dienen oder eher schaden, hängt stark vom Kunstbegriff ab, den jeder Einzelne hat. Wenn man dem David Jeans anzieht, dann ist das für die einen ein raffinierter Hingucker, weil seine biblische Rolle und also Werte wie Schönheit und geistige Stärke unbewusst mitschwingen und auf die Jeansmarke abstrahlen. Für jene, die Kunst als etwas Auratisches, vom Alltag Abgehobenes verstehen, grenzt hingegen ein David in Jeans an Blasphemie. Handkehrum würden Kunstwerke in der Werbung kaum auffallen, wenn sie nicht verfremdet sind, sondern einfach eins zu eins zitiert werden.
Skandalträchtig warb Otto Kern in den 90er-Jahren für seine Jeans. Das Plakat inszenierte da Vincis «Letztes Abendmahl Jesu» zu Marketingzwecken neu, indem Jesus nur mit Jeans bekleidet war und die zwölf Jünger durch Frauen ersetzt wurden, die auch nur Jeans trugen. Kann man sagen, dass Werbung Kunst auch zerstören kann?
Auch die Entzauberung von Kunstwerken hängt sehr stark davon ab, welchen Kunstbegriff, welche Wert- und Weltvorstellung der Rezipient hat. Trotz unseres erweiterten Kunstbegriffs und der Verschränkungen von hoher Kunst und Alltagskultur verkörpert Kunst für die Masse immer noch das klassische Tafelbild im Museum mit seiner Aura. Dass für ein solches Publikum das Bild von Leonardo da Vinci durch diesen Einsatz in der Werbung entstellt wird, ist verständlich.
Für andere Leute wie auch für mich persönlich ist Kunst in jeder Epoche Spiegelung des Alltags der Zeit und dem Leben verbunden und kann daher auch durch ein solches Bild nicht entzaubert werden. Eine gewisse Sensibilität beim Einsatz von symbolbeladenen Werken müssen die Werber aber schon aufbringen. Das ist ein ständiger, schwieriger Balanceakt zwischen mediumsspezifischer Aufmerksamkeitsbeschaffung und gezielter, die Grenzen überschreitender Provokation. Ähnlich hat sich die Frage der Rücksichtnahme auf gewisse religiöse, ethische oder kulturelle Empfindungen bei den berühmten Benetton-Plakaten gestellt.
Viele zeitgenössische Künstler haben keine Berührungsängste gegenüber Werbung und Kommerz und glauben sogar, dieses System zu ihren eigenen Zwecken einsetzen zu können. Wie glaubwürdig sind sie und ihre Werke mit dieser «unkritischen» Haltung?
Das ist eine komplexe Frage, die sich nicht allgemein gültig beantworten lässt, weil hier so viele Aspekte zusammenfliessen. Es ist einfach eine Tatsache, dass die Entgrenzung zwischen Kunst und Alltagskultur stattgefunden hat. Einerseits hat diese sehr positive Komponenten. Andererseits birgt sie auch grosse Gefahren in sich, nämlich die der abnehmenden Wertbeständigkeit und der Kommerzialisierung und Vereinnahmung selbst kritischer Künstler.
Machen sich Marken, die sich mit künstlerischen Werbeauftritten einer kritischen Öffentlichkeit präsentieren, nicht auch angreifbar?Da aus kommerziellen Gründen praktisch immer klassische Bilder
zitiert werden – Déjà-vu-Effekt –, macht man sich höchstens angreifbar, wenn das Zitat, wie erwähnt, Richtung Blasphemie geht oder wenn die Grenzen im Sittlichkeitsempfinden überschritten werden. Manchmal legen es allerdings Auftraggeber und Werbeagentur auch darauf an, einen Skandal zu provozieren – da steht dann aber oft knallhartes kommerzielles Interesse dahinter …
… was sich dann auch schnell wieder abnützt. Natürlich. Im schnellen Schockeffekt und im aggressiven Auftritt, die oft genauso rasch verhallen, gleichen sich Werbung und Kunst auch immer mehr.
Seit den 90er-Jahren gehört zeitgenössische Kunst besonders bei Luxusgüterkonzernen zur Corporate-Identity-Strategie, frei nach dem Motto, die Anhäufung von kulturellem Kapital dient dazu, die hierarchische Position im Markt zu festigen. Führt das nicht auch zu einer Kunstinflation und -abnützung?
Davon bin ich überzeugt. Aber das ist ein Phänomen unserer Zeit, ein Trend, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Sehr viele Künstler, ohne dies verallgemeinern zu wollen, verkaufen sich selbst wie ein Markenprodukt.
Das tradierte Bild des Künstlergenies, abgeschieden in seinem Atelier arbeitend, dessen Name sich der Nachwelt einschreibt, gehört der Vergangenheit an, ist aber dennoch ein Klischee, dem noch viele nachhängen. Kunst selbst wird immer kommerzieller und wie ein Werbeprodukt behandelt. Wir leben in einer Zeit der Sinnesüberflutung – nicht nur der visuellen Überflutung –, und das führt zwangsläufig zu Überforderungen und Abnützungserscheinungen.
Wenn also das Déjà-vu-Erlebnis den klassischen Kunststücken vorbehalten ist und die moderne Kunst schwer zugänglich bleibt, welche Chancen geben Sie den zeitgenössischen Werken, künftig in der Werbung zitiert zu werden?Heute leben wir, wie gesagt, wohl weniger in der Epoche der Künstlergenies. Von daher verankern sich auch weniger konkrete Namen und Bilder im allgemeinen Bewusstsein. Es mag wenige Ausnahmen geben, beispielsweise einen Georg Baselitz, bei dem alle schnell an KopfüberBilder denken.
Aber dann wird sein Schaffen auf einzig und allein diese Phase beschränkt, und alles, was er danach gemacht hat, ist aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgelöscht. Es geht bei der Anlehnung der Werbung an zeitgenössische Kunst weniger um direktes Zitieren einzelner Werke als um die Aufnahme gewisser Codes, Bildsprachen und bestimmter Haltungen. Dies allerdings passiert heute immer schneller – wiederum eine Erscheinung der Entgrenzung zwischen hoher Kunst und Alltagskultur mit allen ihren komplexen positiven und negativen Folgen.
Michael EngelmannIn einer gemeinsamen Produktion mit der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin und Lars Müller Publishers widmet das Museum für Gestaltung Zürich die kommende Ausstellung dem deutschen Grafikdesigner Michael Engelmann (1928 bis 1966). Mit seiner schmucklosen Fotografie, der entschiedenen Farbigkeit sowie den lakonischen Texten schaffte er in den 1950er-Jahren
eine dichte Zeichensprache in sachlicher Typografie, welche die biedere Anpreisung aus der deutschen Werbung zu vertreiben versuchte.
In der ästhetischen Neuorientierung zwischen Funktionalismus und Pop wurde Engelmann mit seinen Arbeiten für Roth-Händle, Pirellioder Renault richtungsweisend. (la)
9. November 2004 bis 25. Februar 2005 im Plakatraum, Limmatstrasse 55, Dienstag bis Freitag, 13 bis 17 Uhr.
Hingucker oder Blasphemie? Ob Kunstklassiker wie «David» und «Mona Lisa» als Werbesujets verfremdet werden dürfen, ist umstritten.
Van Gogh und Warhol: Werbung mit Kunstsujets ist ein Spagat zwischen Aufmerksamkeits-beschaffung und Provokation.
Typisch Michael Engelmann.
Interview: Luca Aloisi

Die grosse Spotflut

US-Wahlen Drei Gewinner stehen schon fest: die grossen TV-Networks. Am meisten Geld fliesst in Swing States – Regionen mit unklaren Mehrheiten.

US-Wahlen Drei Gewinner stehen schon fest: die grossen TV-Networks. Am meisten Geld fliesst in Swing States – Regionen mit unklaren Mehrheiten. Wahlkampf läuft in den USA vor allem über ein Medium: das Fernsehen. Die überwältigende Mehrheit der Amerikaner bezieht politische Informationen sowieso via TV, und alle vier Jahre kommt ein weiterer Aspekt hinzu: 70 Prozent aller Wahlberechtigten bilden sich ihre Meinung über die Präsidentschaftskandidaten durch Parteienwerbung, sagt Karen Cartee, Publizistikprofessorin an der University of Alabama und Autorin von «Manipulation of the American Voter». Dies sei kein neues Phänomen, sondern werde schon seit 1978 beobachtet. «Diese Leute sind passiv, schenken der Politik kaum Aufmerksamkeit und kennen politische Positionen nur in Schlagwörtern.»Wie man eine solch träge Klientel anspricht, bereitet den Strategen von Bush und Kerry wenig Kopfzerbrechen: Beide Seiten bombardieren sie mit Wahlspots, so häufig und so lange es nur geht. Und zwar möglichst im Umfeld der Primetime-News-Shows, weil die Zuschauer dann (noch) weniger zwischen Fakten und Fiktionen zu unterscheiden wissen, meint Cartee.
Bis zu zehn Spots pro Stunde …
Da in vielen Bundesstaaten – die im US-Wahlsystem ja die entscheidende Rolle spielen – die Mehrheiten für den einen oder anderen Kandidaten längst feststehen, konzentriert man sich dabei auf eine Hand voll so genannter «Swing States». In diesen ist entweder das Verhältnis zwischen demokratischen und republikanischen Wählern relativ ausgewogen oder die Zahl der Unentschlossenen hoch. Dazu gehören etwa Florida, Pennsylvania, Ohio, Wisconsin oder Nevada.
Die TV-Anbieter in diesen Bundesstaaten können sich die Hände reiben, bringt ihnen die Wahlwerbung doch Rekordumsätze. Laut Joel Rivlin, Vizedirektor des Wisconsin Advertising Projects an der Universität Madison, machen diese Sender «derzeit die höchsten Gewinne ihrer Geschichte». Doch die Dollars werden ungleich verteilt. In den Top 50 dieser Fernsehmärkte, so Rivlin, leben insgesamt lediglich 27 Prozent aller US-Wähler. Allerdings wurden und werden hier 87 Prozent aller Werbespots ausgestrahlt. Laut der aktuellen Projektstudie lag Miami in einem Zeitraum von zwei Wochen im September und Oktober an der Spitze (siehe Tabelle). Das können in der Primetime dann schon mal zehn Spots pro Stunde sein.
Vor allem jene Regional- oder Stadtsender, die zu den quotenstarken Networks ABC, NBC und CBS gehören, können sich vor Parteienwerbung derzeit kaum retten. Dennoch müssen sie eine Balance finden zwischen den Bedürfnissen ihrer Stammkundschaft und den Polit-Werbern, gibt Rivlin zu bedenken. «Denn nach dem 2. November fallen diese Einnahmen genauso plötzlich wieder weg, wie sie gekommen sind.»
Die Profiteure selbst knausern mit Angaben über ihre Zusatzerlöse. Der Milwaukee Journal Sentinel in Wisconsin etwa, dem sieben TV-Stationen gehören, meldet Mehreinnahmen von 136 Prozent bei der TV-Werbung. Für die Sender in Philadelphia, jenem TV-Markt also, in dem nach Cleveland das meiste Geld für Wahlspots ausgegeben wird, fallen laut Advertising Age insgesamt 160 Millionen Extra-Dollar ab – die höchste Summe in der Geschichte der Wahlwerbung. Davon wird ABC voraussichtlich
10 Millionen Dollar kassieren, NBC 7 und CBS 6,5 Millionen.
Besonders willkommen ist den regionalen Network-Ablegern die Wahlwerbung unabhängiger politischer Gruppen. Sie werden laut den neuen Finanzierungsgesetzen «527 Committees» genannt. Dazu gehören zum Beispiel Moveon.org und The Media Fund, die den Demokraten nahe stehen, oder Progress for America und Veterans for Truth auf republikanischer Seite.
… dafür werbefreie Debatten
Sie allein sammelten seit Anfang Juli bundesweit 55 (Kerry-Fraktion) respektive 45 Millionen Dollar (Bushisten), wovon der Löwenanteil umgehend in Fernsehwerbung angelegt wurde.
Der immense Einfluss der Präsidentschaftswahlen auf die US-Medienwirtschaft kann aber auch negativ zu Buche schlagen. So verloren die drei nationalen Networks ABC, CBS und NBC laut einer Berechnung des Analysten Jack Myers während der drei Debatten insgesamt um die 150 Millionen Dollar, weil sie diese von Gesetzes wegen ununterbrochen und werbefrei übertragen müssen.
Zudem müssen sich Medienunternehmen auch zu Zeiten von Michael Moore und Fox-News davor hüten, politisch allzu deutlich Farbe zu bekennen. Sinclair Broadcast etwa, dessen Topmanager zu den grössten Spendern der Republikaner gehören, hatte vor wenigen Wochen die Ausstrahlung einer Anti-Kerry-Dokumentation angekündigt. Worauf der Kurs des börsenkotierten Konzerns einbrach und einzelne Grosskunden ad hoc ihre Buchungen stornierten. Erst als Sinclair relativierte, man wolle «selbstverständlich» nur kurze Ausschnitte des Propagandastreifens zeigen, erholte sich die Aktie wieder.
TV-Politwerbung und -debatten prägen das Meinungsklima in den USA.
Gerti Schön

ADCE öffnet Award für Nichtmitglieder

Awards Der Kreativwettbewerb des Art Directors Club of Europe (ADCE) steht künftig auch Nichtmitgliedern offen.

Awards Der Kreativwettbewerb des Art Directors Club of Europe (ADCE) steht künftig auch Nichtmitgliedern offen.Wie bisher nehmen automatisch alle Arbeiten teil, die in den 13 nationalen Jurierungen der Mitgliedsverbände mit Gold, Silber und Bronze prämiert wurden. Neu dürfen auch Gewinner wichtiger nationaler Awards aus Ländern, die noch keine ADCE-Vollmitgliedschaft haben, eingereicht werden. Mittelfristig wolle man natürlich noch mehr Vollmitglieder gewinnen, sagt ADCE-Präsident Johannes Newrkla. Die Mission des Clubs sei erst erfüllt, wenn alle Länder Europas eingebunden seien.

Internet zieht erneut an

Onlinewerbung Mit einem Sprung um 4,6 Punkte hat der PWA-Index im September einen Stand von 128,6 Punkten erreicht.

Onlinewerbung Mit einem Sprung um 4,6 Punkte hat der PWA-Index im September einen Stand von 128,6 Punkten erreicht.Damit ist die Sommerflaute der Schweizer Onlinewerbung von Mai bis Juli (mit einem Rückgang um 2,8 Punkte) offensichtlich überwunden. Bereits der August hatte ein Plus von 1,9 Punkten gebracht. 100 Punkte entsprechen dem Stand von Ende 2003. Das positive Ergebnis verdanke die Onlinewerbung wohl nicht zuletzt der aktuellen Entwicklung in den USA und Deutschland, kommentiert Publimedia Webadvertising (PWA). In Amerika würden sogar Vergleiche mit den Boom-Zeiten Ende der 90er-Jahre angestellt.

M wie Multifunktionalität

Kaffee Delizio ist das neue Kapselsystem der Migros. Exxtra lanciert die Marke sinnlich über die Leistungsvorteile.

Kaffee Delizio ist das neue Kapselsystem der Migros. Exxtra lanciert die Marke sinnlich über die Leistungsvorteile.Der Dämpfer kam kurz vor der viel versprechenden Markteinführung aus dem Leutschenbach: In einem Blindtest für den Kassensturz haben Kaffeefachleute das Kaffeesystem der Migros auf den zweitletzten Rang verwiesen.Bei den Migros-Betrieben Birsfelden, wo jährlich über 13000 Tonnen Kaffee geröstet werden – rund die Hälfte des Schweizer Verbrauchs –, reagiert Annette Bernath, Leiterin Product Management, mit der Ruhe der Erfahrenen auf das Ergebnis: Mehrere unabhängige Degustationen seien zum gegenteiligen Urteil gekommen, sagt sie und stellt klar, wohl nicht zum letzten Mal, dass die Migros nicht in den Kampf gegen die bisherige Kapselsystem-Monopolistin Nespresso steigt. Genau genommen stimmt diese Einschätzung, denn Delizio, so der Name des Systems, braut mehr als nur einen «qualitativ hochstehenden» Kaffee und ist deshalb nicht einfach ein Me-too-Produkt. Delizio steht ebenso für hochwertigen Teegenuss. Daher der optisch zusammengeschweisste Markennamenzusatz: Non solo caffè.
Boommarkt KaffeekapselnFür die Entwicklung eines eigenen Systems nahm sich der Migros-Genossenschafts-Bund über eineinhalb Jahre Zeit – und gewann für das Projekt sogar Eric Favre, einen der Nespresso-Entwickler.
Es galt, im stagnierenden Kaffeemarkt die bröckelnden Marktanteile durch die Erweiterung in den margenträchtigeren Gourmet-Bereich aufzufangen und gegenüber der Konkurrenz die Markenkompetenz zurückzugewinnen. Kontrollierte der orange Riese noch bis vor wenigen Jahren über 50 Prozent des Bohnenkaffeemarkts, so ging dieser gemäss ACNielsens Detailhandelspanel zwischen 2000 und 2002 wert- wie mengenmässig überdurchschnittlich zurück. Und das trotz Halbpreisaktionen.
Analog präsentierte sich das Bild bei den Anteilen im Kaffeemaschinenmarkt, der im selben Zeitraum – vor allem dank der Vollautomaten und der Kapselsysteme – um über 15 Prozent gewachsen war. Auch hier entwickelten sich die Migros-Zahlen entgegen dem positiven Trend, der vor allem von Nespresso geprägt war. 2002 befanden sich unter den Top 5 der Kaffeemaschinen vier Nespresso-Maschinen. Mit der Fokussierung des Nischenmarktes Premium-Kaffee auf die Haushalte generierten Lizenzmaschinen- und Kapselhersteller laufend zweistellige Zuwachsraten, wobei für Nespresso der Kapsel- und nicht der Maschinenverkauf profitabel war.
Während der Bohnenkaffeeabsatz über die Jahre relativ konstant blieb, stieg der Konsum von Kapseln und Pads rasant an. Zwar sind gegenwärtig keine Zahlen von Marktleader Nespresso (in der Schweiz vor dem weltweiten Leader Lavazza) erhältlich. Doch Eric Favre schätzt, dass sich der verwöhnte Schweizer Konsument immer mehr mit den teureren Convenienceprodukten anfreundet, und geht davon aus, dass Nespressos Kapselabsatz 2005 im Vergleich zum laufenden Jahr um weitere 30 Prozent wachsen wird.
Seine Prognosen und Marktforschungen zeigen, dass das Potenzial beim anhaltenden Espresso-trend noch nicht ausgeschöpft ist. Durchgesickert sind zudem Coops Bemühungen um ein eigenes System. Offenbar gehen beide Grossverteiler davon aus, dass viele Konsumenten auch in jüngeren Segmenten auf ein günstigeres Konkurrenzangebot gewartet haben. «Für die Migros war von Anfang an klar, dass sie ein Kapselsystem vertreiben wollte, das nicht mit Nespresso kompatibel ist», sagt Michael Broglin, Berater bei Werbemandathalterin Exxtra. Damit ist klar, dass mit dem Launch von Delizio im Vorweihnachtsmarkt der Vorsprung gegenüber Coop ausgenützt werden soll, vor allem aber die ganze Branche wachgerüttelt wird. Denn die Migros durchbricht gleich zwei wichtige Marketingpfeiler in Nespressos Heimmarkt: die Distributionskanäle und die Preispolitik.
Profilstarke KonkurrenzstrategieSchon die Motivationsaktion für die 85000 Migros-Angestellten, bei der alle je zwei Delizio-Maschinen zum Schnäppchenpreis kaufen können, ist auf eine enorme Resonanz gestossen. Innert weniger Wochen gingen Bestellungen für über 60000 Einheiten ein. Das Interesse an Delizio wurde durch Medienberichte (PR: Burson Marsteller) bereits im Sommer geweckt, als der neue Markenname noch unbekannt war.
Um Engpässe beim Launch zu verhindern, musste Maschinenhersteller Gaggia die Werkkapazitäten aufstocken. Entsprechend euphorisch dürften die Verantwortlichen auf die Absatzkurve der fünf Delizio-Kaffee- und vorerst zwei -Teesorten blicken.
Um sich gegenüber der elitär-kultivierten Marktführerin abzuheben, hat das Exxtra-Kreativteam eine Kampagne entwickelt, in der die Leistungsvorteile – breite Erhältlichkeit, Preis-Leistungs-Verhältnis und Multifunktionalität – vermittelt werden. Dieser Mehrwert wird in zwei TV-Spots auf sinnlich-ironische Art und Weise kommuniziert: Genau so, wie Delizio nicht nur Kaffee, sondern auch Tee braut, will sich die Femme fatale des einen Spots bei der Wahl ihrer Dates alle Optionen offen halten – mal Claudio, mal ein anderer. Ähnlich differenzierend ist die Tonalität der Copy-Inserate, in denen die Vorteile mit der unkomplizierten und charmanten Markenpersönlichkeit von Delizio verknüpft werden. Konsistent wurde diese auch im Internet, im Packaging Design wie in den Below-the-line-Massnahmen – von den zwei Degustationswellen über die Delizio-Points bis zum speziellen Regal – weiterentwickelt. Ganz zu schweigen von neuen Delizio-Produkten, die noch in der Pipeline sind.
Traditionsmarke1938 erfand Achille Gaggia die moderne Kaffeemaschine, die nicht mit Dampf, sondern mit Wasserdruck den Espresso mit dem typischen Schäumchen produziert. Seit 1977 stellt die Firma in Robecco bei Mailand nebst Gastromaschinen auch Geräte für den Haushalt her. Gaggia produziert die Delizio-Maschinen für die Migros. (la)
Delizio-TV-Spot: Mal diesen Mann, mal jenen – mal Kaffee, mal Tee.
Luca Aloisi

Second hand, first choice

Automobil Matter & Partner bewirbt das neue Gebrauchtwagenmagazin Car4you, indem es die Bedürfnisse des Zielpublikums direkt aufnimmt.

Automobil Matter & Partner bewirbt das neue Gebrauchtwagenmagazin Car4you, indem es die Bedürfnisse des Zielpublikums direkt aufnimmt.
Seit Mitte Oktober gibts Car4you, das Gebrauchtwagenmagazin von Tamedia. Die wöchentliche Zeitung im Tabloid-Format will sich als grösster und aktuellster Fahrzeugmarkt der Schweiz etablieren und verbindet im Bereich Kleinanzeigen Online mit Print. Matter & Partner hat sich für dieses neue Projekt eine Lancierungskampagne ausgedacht, die bewusst einfach und plakativ das grosse Segment der Occasionskäufer anspricht. Mit der Absicht, möglichst schnell und effizient etwas im Markt zu bewegen, werden Menschen in Lebenssituationen gezeigt, die gerade eine Occasion brauchen könnten. Die Zeitung ist rund 100 Seiten dick und ergänzt die aktuellsten der 60000 Angebote auf der Online-Plattform mit etwa 8000 zum Teil bebilderten Inseraten.
So wird in der Kampagne das breite Spektrum an Angeboten aufgezeigt. Car4you kann etwa einer kessen, jungen Frau «1620 Cabrios mit bequemem Rücksitz» bieten und, wenn sie Kinder bekommen hat, «2410 Kombis mit Stauraum für den Kinderwagen». Ein anderes Sujet verspricht einem Musiker vor dem Durchbruch «1830 Kleintransporter für den langen Weg nach oben» an und «710 Stretchlimos für den kurzen Weg in die Luxussuite», wenn er es als Star geschafft hat.
Die Kampagne ist in der Deutschschweiz auf F200- respektive F12-Plakaten zu sehen sowie auf 1/1- und 1/2-Seiten in der deutschsprachigen Presse.
Kauf mich: Anzeige für Car4you.
Andreas Panzeri

Taxi-Werbung kooperiert über den Röstigraben

Verkehrsmittel Die in Windisch domizilierte Taxi Werbung Schweiz (TWS) und Swisstaximedia in Genf-Carouge haben eine verstärkte Zusammenarbeit beschlossen.

Verkehrsmittel Die in Windisch domizilierte Taxi Werbung Schweiz (TWS) und Swisstaximedia in Genf-Carouge haben eine verstärkte Zusammenarbeit beschlossen.TWS bietet Taxi-Werbung in der Deutschschweiz und im Tessin an, Swisstaximedia vermarktet die Taxis in der Romandie. Durch die Kooperation werden in einem ersten Schritt die Preise und Formate der Werbeflächen harmonisiert. Nationale Kampagnen können so effizienter über alle drei Sprachregionen gebucht werden.

Frontal vorläufig auf Eis gelegt

Zeitungen Ende September kolportierte die Frankfurter Rundschau unter dem Titel «Ein neuer Blickwinkel», das Boulevardprojekt «Frontal» solle – ausgestattet «mit einer 50-köpfigen Redaktion»

Zeitungen Ende September kolportierte die Frankfurter Rundschau unter dem Titel «Ein neuer Blickwinkel», das Boulevardprojekt «Frontal» solle – ausgestattet «mit einer 50-köpfigen Redaktion»– im kommenden Frühjahr starten. Ex-20-Minuten-Chefredaktor Markus Eisenhut, der das Konzept für den Jean Frey Verlag erstellt hat, dementiert diesen Zeithorizont. «Bis die Finanzierung gesichert ist, dauert es noch. Frühester Launchtermin ist deshalb Herbst 2005.»Für JF-CEO Filippo Leutenegger hingegen gewinnt die rechtsbürgerliche Blick-Alternative über-haupt erst dann Projektcharakter, wenn ein Geldgeber gefunden und der Verwaltungsrat in Kenntnis gesetzt worden ist. Beides sei bislang nicht geschehen und die Sache insofern «nach wie vor nicht spruchreif».
Seriöse Financiers gesucht
Für Eisenhut hat die Verschiebung auch positive Seiten: «Dank des geringer gewordenen Zeitdrucks können wir uns nun mit umso grösserer Sorgfalt nach seriösen, langfristigen Financiers umsehen.» Da er bis Ende Jahr als Redaktions-coach für den Vorarlberger Verleger Eugen Russ und im März am MAZ in Luzern (Kurstitel: «Grosse Kniffe für kleine Zeitungen») tätig ist, herrscht für ihn wohl auch persönlich kein Grund zur Eile.
(oc)
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