Karin Rhomberg will nach 13 Jahren Credit Suisse ihren guten Ruf nutzen und macht sich selbstständig.
Angefangen hat sie mit Couvertzukleben in einer PR-Agentur. Dann aber ging alles sehr schnell. Karin Rhomberg, heute Stiftungsrätin beim SPRI und viel versprechende Jungunternehmerin, hat sich ihr Studium der Geschichte und Publizistik in Zürich mit einem 40-Prozent-Job in einem Kommunikationsbüro verdient. Nach dem Lizenziat meldete sie sich für eine Praktikumsstelle bei der Credit Suisse. Eigentlich sollte sie dort irgendetwas mit Marktforschung machen. Aber dann wurde ein Platz in der Presseabteilung frei, den sich Karin Rhomberg vielleicht dank ihrer Liz-Arbeit – einer Feldstudie über die Ausbildung für Public Relations – sichern konnte. Nach wenigen Monaten erfolgte die Übernahme der Volksbank durch die Credit Suisse, und es brauchte beim neuen Bankriesen plötzlich Leute in einem Restrukturierungsprojekt. Karin Rhomberg schien ideal für dieses Team geeignet. «Ein Glücksfall», sagt sie heute dazu, denn in den folgenden drei Jahren lernte sie bei der Reorganisation die Bank so detailliert kennen, wie es viele andere wohl in einer ganzen Karriere nicht schaffen.
Zurück in der Linie, war diese Kenntnis aller Abteilungen die perfekte Qualifikation, als – «zum zweiten Mal Glück» – der Chefposten der Pressestelle neu besetzt werden musste. Und nach dem Umbau der Credit Suisse Group Ende 1996 wurde Rhomberg zur Kommunikationschefin ernannt. Die PR-Frau bekam die Aufgabe und Chance, erstmals eine integrierte Kommunikationsabteilung auf Gruppenstufe aufzubauen. Diese ist bis zu Rhombergs Austritt in diesem November von einer Hand voll auf über hundert Leute angewachsen, wobei der Übersetzungsdienst sowie Intranet und Internet einen grossen Teil ausmachen.
«Ein faszinierender Job», blickt Rhomberg zurück. Sie hat nicht nur eine ganze Reihe Topbanker persönlich betreut, sondern auch etliche Höhen und Tiefen miterlebt. «Am spannendsten waren die intensiven Projekte, in denen das ganze Team über sich selbst hinauswuchs», meint Rhomberg. «In der Presseabteilung eines globalen Unternehmens bekommt man zudem sehr interessante Einblicke in fremde Medienwelten», erinnert sich die «verhinderte Journalistin» an die Aufgabe, als sie und einige ihrer Teammitglieder mehrmals fast aus dem Büro heraus auf das nächstmögliche Flugzeug nach Tokio hetzen mussten.
«Es war mir in 13 Jahren nie einen Tag langweilig», fasst Rhomberg ihre Arbeit zusammen. Befriedigt hat sie bei ihrem Job vor allem auch das Zusammenarbeiten mit den verschiedensten Leuten. «In einem Grossbetrieb hat man aus der Kommunikationsabteilung heraus viel Kontakt – vom Portier über die Druckerei bis zum Topmanagement.»
Trotzdem hat sich Karin Rhomberg nun für eine komplette Neuorientierung von der globalen Bank weg zum Einfraubetrieb entschlossen. Es war «schon länger im Hinterkopf», dass sie einmal selbstständig werden wollte. «In einer anderen Firma das ‹Gleiche› machen hatte für mich keinen Reiz», sagt sie.
Mit ihrem eigenen Unternehmen will Karin Rhomberg sich entgegen den Tipps einiger Kollegen nicht nur auf den Finanzbereich spezialisieren. Neben klassischer Wirtschaft will sie auch etwas Kulturelles machen, Nonprofit-Organisationen oder Einzelpersonen betreuen. «Mich interessieren nicht nur CEOs, sondern auch Politiker und andere Führungspersönlichkeiten.»
In ihrem Büro in einer ehemaligen Druckerei an der Zürcher Hornbachstrasse, wo sich verschiedene illustre Medienleute eingemietet haben, arbeitet Karin Rhomberg zurzeit noch allein und mit freien Mitarbeitenden. «Ich will zuerst einmal unabhängig die Konturen der Agentur entwickeln, dann kann ich gezielt weitere Leute suchen.» Für die Administration der Finanzen hilft ihr Ehemann. Obwohl sie ja selber mal bei einer Bank gearbeitet hat.
Karin Rhomberg bleibt nicht aufs Banking fixiert: «Mich interessieren auch Politiker und andere Führungspersönlichkeiten.»
Andreas Panzeri