Rubriken Im Kleinanzeigenmarkt schlägt die PubliGroupe die Brücke zwischen Online und Print. Dafür wird ein Kompetenzzentrum aufgebaut.«Wir gehen von einem klaren Kundenbedürfnis aus», erklärt Andreas Göldi. Der Webspezialist leitet die neue Key Account Unit Rubrikenmarkt der PubliGroupe. Dank einer Umfrage weiss Göldi, was sich Rubrikeninserenten von den Printmedien vor allem wünschen: Einfaches Handling und multimediale Angebote. Beides will das neue Kompetenzzentrum, das unter dem Arbeitstitel «Classified House» läuft, anbieten. Mit Kunden sind in erster Linie professionelle Inserenten gemeint, so beispielsweise Stellenvermittler, Immobilienmakler oder auch Garagisten. Sie können ab Sommer 2005 aus einer Hand Annoncen auf Online-Plattformen und in Zeitungen planen, buchen und abrechnen. Der Service umfasst laut Göldi einerseits die Beratung für Globallösungen, anderseits die Automatisierung bei den einzelnen Schaltungen.
Die Zahl der professionellen Inserenten schätzt Göldi auf 1000 bis 2000. Mit diesem Kundenstamm soll das «Classified House» rund ein Drittel des Rubrikenumsatzes der PubliGroupe betreuen. Im vergangenen Jahr wären das rund 110 Millionen Franken gewesen.
Dieser Bedeutung entsprechend will die PubliGroupe in die neue Geschäftseinheit investieren. Für das laufende Jahr sind 7 Millionen Franken vorgesehen. So soll das bestehende Online-Planungs- und Dispotool «My Publicitas» ausgebaut werden. Neue Stellen wird es dagegen nur wenige geben – «eine einstellige Zahl», sagt Otto Meier, Generaldirektor des Bereichs PubliPresse, dem das «Classified House» angegliedert ist. Die meisten der 40 Angestellten waren bereits bisher als Spezialisten für Rubrikenwerbung und Online-Technologie bei der PubliGroupe tätig. So auch Projektleiter Göldi: Er führte bis im vergangenen Herbst die Geschäfte von Namics, dem Internetdienstleister der PubliGroupe. Arbeitsort ist hauptsächlich am Sitz der Publicitas in Zürich. In Lausanne wird ebenfalls eine Niederlassung eingerichtet.
Differenzierte LösungenNicht nur den Inserenten, auch den Online-Plattformen und den Verlegern bietet das Kompetenzzentrum Dienste an: neben der Vermittlung von Inserenten auch Softwarelösungen für das Handling und die Präsentation der Annoncen. Bei diesen «White Label»-Lösungen bleibt die PubliGroupe im Hintergrund, die Verleger treten unter eigener Marke auf. Ein solches Konzept wurde mit NZZdomizil.ch im November bereits umgesetzt.
Mit dem «Classified House» versucht die PubliGroupe, ihre dominante Marktstellung in der Presselandschaft auch ins Internet auszudehnen. Laut Otto Meier bestehen mit einigen Online-Rubrikenplattformen schon Verträge, weitere sollen dazukommen. Ein Fall für die Wettbewerbskommission seien diese Pläne gemäss rechtlichen Abklärungen nicht, betont Meier. Schliesslich handle es sich nur um eine interne Reorganisation. Eine stärkere Stellung im Internet könnte allerdings künftige Weko-Entscheidungen bei Übernahmevorhaben der PubliGroupe beeinflussen.
Konkurrenz belebtMit dem Media Manager vermarktet auch die Xmedia Annoncen AG ein Tool, mit dem Inserenten ein Print-Inserat aus ihrer Online-Annoce gestalten und (direkt oder via Publicitas) schalten können. Es wird bereits von Scout24, Homegate und Mediaswiss (Gate24.ch) eingesetzt.
Geschäftsführer Thomas Schwabe ist von den Plänen der PubliGroupe (P) nicht beunruhigt: «Das zeigt doch, dass wir auf dem richtigen Pfad sind.» Kunden suchten heute vor allem den (Kosten sparenden) Weg von Online nach Print, wo Xmedia schon heute eine bewährte Lösung anbiete. Schwabe sieht die P auch nicht als direkten Konkurrenten: «Wir liefern ihnen über den Media Manager ja auch zu.» Gleich sieht es P-Generaldirektor Otto Meier: «Wir werden Konkurrenten und Partner gleichzeitig.» (sm)
«Wir gehen von einem klaren Kundenbedürfnis aus»: Andreas Göldi, Leiter der neuen Key Account Unit Rubrikenmarkt der PubliGroupe.
Stefano Monachesi