Wettbewerbe Umfrage zum Cannes Open 2005: Was der Karriere bestandener Werber auf die Sprünge geholfen hat.Das Cannes Open wird mit einer witzigen Website aus der Kreation Jung von Matt/Limmat beworben. Auf www.cannes-open.ch geben Jurymitglieder und andere Kreative ulkige Tipps, wie man in der Werbung Karriere machen könnte. Die Werbewoche hat die Idee aufgenommen und ein paar Persönlichkeiten aus der Schweizer Werbeszene gefragt:Was war ein wichtiger Tipp, der mir in meiner Karriere echt geholfen hat?
Welche Weichenstellung war in meiner Laufbahn entscheidend, dass ich heute da bin, wo ich bin?
Reini Weber «Üben, üben, üben – und zwar nicht nur im Proberaum, sondern live auf der Bühne! Deshalb würde ich als Youngster in Cannes unbedingt mitmachen wollen.
Dazu: Hungrig bleiben, dann stellen die Weichen sich von selbst. Ich zum Beispiel war immer in den zurzeit heissesten, aber auch unbequemsten, knausrigsten und ‹härtesten› Agenturen: bei Lürzer, Conrad, GGK Düsseldorf, Aebi und dann nochmals GGK Basel. Da gab es einfach die besten Lehrmeister von Conrad über Jacoby und Schirner bis hin zu Jean Etienne – und die meisten Möglichkeiten, mit anderen ‹Verschworenen› die Agentur mitprägen zu können, sich gegen den Chef zu verschwören usw. Ich hatte keinen müden Pfennig auf dem Konto, als ich von Düsseldorf in die Schweiz zurückkam, aber einen grossen Sack voller guter und schlechter Erfahrungen – und ich würde es wieder so halten wollen.»
Markus Ruf «Immer noch hilfreich finde ich, was der damalige CD von Publicis, Claude Martin, mal in Cannes anregte: dass wir wohl bessere Werbung machen würden, wenn wir davon ausgehen würden, dass die Leute, die wir ansprechen wollen, unsere Sprache nur beschränkt beherrschen oder unsere Kultur nur begrenzt kennen. Das würde helfen, weniger Wert auf oberflächliche Stilmittel wie zum Beispiel Wortspiele zu legen. Und mehr darauf, wirklich relevante Ideen zu finden. Denn die kennen keine Grenzen.
Eine Weichenstellung war, dass ich mit 15 Jahren anhand der Toni-Jogurt-Kampagne im Tagi-Magi gemerkt habe: Hey, es gibt einen Beruf, in dem man verblüffende Ideen aushecken und damit auch noch Geld verdienen kann. Da habe ich meinen damaligen Berufswunsch Journalist schnell begraben und wollte nur noch in die Werbung.»
Jean Etienne Aebi «Als Werbetwen las ich das Buch von Howard Gossage und darin: ‹Die Menschen lesen keine Werbung. Sie lesen, was sie interessiert, und manchmal ists eine Anzeige.› Ab da nahm ich die Werbung weniger wichtig und versuchte sie stattdessen richtig zu machen.»
Markus Gut «‹Um die Menschen zu erreichen, muss man sie mögen.› Diesen Ausspruch von Beatrice Tschanz halte ich mir immer vor Augen, wenn es wieder etwas elitär zugeht und verächtlich über die Leute gesprochen wird.
Auch für die Weichenstellung habe ich ein treffendes Zitat als Antwort. ‹Von meiner ursprünglichen Absicht, Diplomat zu werden, hat mich eine Definition von Winston Churchill abgebracht: ‹Ein Diplomat ist ein Mann, der zweimal nachdenkt, bevor er nichts sagt.›»
Patrick Lienert «An einen wegweisenden Tipp kann ich mich nicht erinnern, und zudem liegen noch etliche Ziele vor mir. So gesehen nehme ich Vorschläge weiterhin gerne entgegen.
Der legendäre, unterdessen verstorbene Max Hofer in Bern hat mich als Kreativen dazu gezwungen, die Prüfung zum Werbeleiter zu machen. Das hat mir unglaublich gestunken, war aber im Nachhinein ein Glücksfall. Denn wer die Werbung als Ganzes zu verstehen versucht, ist auch gegenüber seinen Kunden glaubwürdiger.»
Markus Cavegn «Keith Reinhard sagte mir: ‹Weil Ideen auch Nahrung brauchen, soll man raus in die Welt gehen. Bücher lesen, Bilder anschauen und Leute treffen. Wenn wir die ganze Zeit damit verbringen, unsere Nasen in die ADC–Bücher zu stecken, stundenlang vor Show-Reels zu sitzen, stumpfen wir ab.›
Ich habe genug Zeit und Energie damit verschwendet, vorherzusehen, was an den nächstjährigen ADC–Awards ‹in› sein könnte. Und ich habe oft genug versucht, der Jury zu gefallen. Aber am Schluss musste ich realisieren: Nur wenn du deiner Idee treu bleibst, wird der Reward kommen. Unter Umständen.»
Simone Fennel «Der wichtigste Tipp war eine Frage: (von wem, habe ich allerdings vergessen). ‹Kann man das nicht noch besser machen?›
Wer sich diese Frage immer wieder stellt, kommt um eine beinharte Analyse der eigenen Arbeit nicht herum. Sie (die Analyse) verlangt absolute Ehrlichkeit – gegenüber der Sache und gegenüber sich selbst.»
Pius Walker «Nach Dutzenden von Jobinterviews in London mit positiver Resonanz auf meine Arbeitsmappe gab es schliesslich ein Gespräch, welches mich wirklich weitergebracht hat. Tim Delaney sagte mir damals: ‹Most of your book is crap, but you can start here on Monday.›
Weichenstellung: Das Schöne im Leben eines Kreativen ist, dass jeder Moment entscheidend sein kann.»
Philipp Skrabal «Den entscheidenden Tipp in meiner Laufbahn gibt es nicht, das wäre auch zu einfach. Wenn, dann gibt es eher eine entscheidende Erkenntnis: Wer auch jenseits von fiktiven Aufträgen Kreatives schaffen möchte, soll nicht auf Briefings warten. Denn wer seine Kunden kennt, kann sie auch unaufgefordert mit treffenden Ideen überraschen. Ohne seitenlanges Briefing im Kopf entscheidet meist der Bauch des Kunden.»
Dominik Imseng «‹Alles, was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht.› Die Erkenntnis ist von Goethe. Und sie gilt auch für Ideen.
Eine Weichenstellung war der Entschluss, eine Familie zu gründen.»
Jürg Brechbühl «Der wichtigste Tipp stammt von Mathias Babst und lautet: ‹Es gibt auch ein Leben ne-ben der Werbung.› Entscheidend für meine Laufbahn war, dass ich Hannes Weber im richtigen Moment auf dem Berner Märit getroffen habe. So einfach ist es manchmal.»
Matthias Freuler «Sich niemals mit der zweitbesten Idee zufrieden geben. Und dass ich eine wirklich tolle Idee gefunden habe, erkenne ich daran, dass ich sie auf der Stelle meinem Büronachbarn zeigen will. Und dass ich die 9 andern Ideen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls supersensationell fand, auf der Stelle wegschmeissen will.»
Umfrage:
Fünfter Jahrgang gestartetDas Cannes Open ist von Keystone im Jahre 2001 gegründet worden, um den Nachwuchs in der Werbung zu fördern und ihm eine kreative Plattform zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit der Agentur Jung von Matt/Limmat realisiert und unterstützt von der Werbewoche, Cinecom, Clear Channel Plakanda, Reprotechnik Kloten RTK und Helvetic Airways, entwickelte sich das Projekt zu einem anerkannten und begehrten Wettbewerb in der Branche.
Zur Teilnahme aufgerufen sind kreative Köpfe bis 30 Jahre. Die Bedingungen: die Verwendung des Bildmaterials aus den Keystone-Archiven sowie ein reeller Auftraggeber. Eine ausgewählte Jury verleiht den Arbeiten zusätzliches Gewicht: Simone Fennel (Simone Fennel Atelier), Daniel Comte (Advico Young and Rubicam), Matthias Freuler (Wirz Werbung) und Markus Ruf (Ruf Lanz).
Das Siegersujet wird auf F12-Grösse in verschiedenen Schweizer Städten veröffentlicht. In Zürich, Bern, Basel, Luzern, St. Gallen, Lausanne, Genf und Lugano findet das Plakat jeweils einen prominenten Platz. Zusätzliche Motivation: Die Gewinner werden zum renommierten Werbefestival in Cannes eingeladen und haben so die Chance auf einen Goldenen Löwen in der Kategorie «Print & Poster Award».
Abgabetermin für die Arbeiten ist der 18. März 2005. Die Vernissage mit den eingereichten Arbeiten, mit der Bekanntgabe des Siegers und der Shortlist findet am 23. März bei Keystone an der Grubenstrasse 45 in Zürich statt.
Anmeldung und weitere Informationen seit Anfang Februar 2005 unter www.cannes-open.ch oder bei Keystone, Frau Cristina Tonitto, 044 200 13 00 oder
[email protected]Ehrenplatz: Die Siegerarbeit 01 «More Hair» von Marietta Albinus hängt an der Zürcher Weinbergstrasse (oben links).
Siegerarbeit des Keystone Cannes Open 04 «Ohr – Extreme Carving», Hanna Zimmermann und Chantal Ehrensperger von Wirz Werbung.
Die Siegerarbeit 03 «Haar-M. Der Theatercoiffeur» vom Team Staar, Art Direction Martin Stauch und Text Armin Arnold.
«The power of carots», so heisst das Siegerplakat 02 von Moritz Staehelin, Text, und Gian Andrea Maurizio, Art.
Tipps von kreativen Köpfen auf www.cannes-open.ch
Die Jury bei der Beurteilung.
Andreas Panzeri