Der Tele-Visionär
Dominic Geisseler will als neuer Chefredaktor die Tele wieder zum Programm machen.
Dominic Geisseler will als neuer Chefredaktor die Tele wieder zum Programm machen.
Man soll beim Trüffelessen nie sein Handy ausschalten. Ausser man möchte den folgenden Hauptgang weiterhin ohne plötzlich anderweitig beherrschte Gedanken geniessen können. Es war in den Sommerferien im Piemont, als Dominic Geisseler über den Äther das Angebot an den Tisch serviert wurde, neuer Chefredaktor der Tele zu werden.«Ich wartete nicht auf den Job. Aber es war ein guter Zeitpunkt zum Wechseln.» Als Chefredaktor der Coop-Zeitung hatte Geisseler aus dem Kundenmagazin die grösste Zeitung der Schweiz mit einer Auflage von 1,66 Millionen und 2,5 Millionen Leserinnen und Lesern gemacht. 400000 neue Leser waren während seiner fünf Jahre auf der Redaktion in Basel dazugekommen. Eine weitere Entwicklung schien kaum mehr möglich. Auch für Geisseler nicht.
«Bei Coop ist die Zeitung zwar ein wichtiges, aber kleines Rädchen im grossen Getriebe. Als Journalist hätte ich innerhalb des Unternehmens kaum eine Alternative gehabt.» Im weiten Gehege von Ringier fühlt er sich wieder mehr unter Artgenossen.
Zwar noch nicht schon beim Grappa im Piemont, aber trotzdem mit einem guten Gefühl im Bauch hat der 43-Jährige deshalb die Herausforderung angenommen, die Tele nach gesunkener Auflage und Entlassungen wieder auf Erfolgskurs und in ruhigere Gewässer zu bringen.
Das Zappen von der Coop-Zeitung zum Fernsehmagazin fiel dem ansonsten erklärten Nichtzapper auch leicht, weil er weiss, dass bei der Coop-Zeitung ein eingespieltes Team seine Linie weiterführen will. Geisseler, damals von der Schweizer Illustrierten kommend, hat die einstige Genossenschaftszeitung mit People-Elementen aufgepeppt, Unterhaltung und Kolumnen eingeführt, mehr Service geboten und den ganzen Mix mit seiner «positiven Grundstimmung» auch noch trend- setzend auf Tabloid angerichtet.
Die ersten Erfahrungen für solche Medienarbeit hat Dominic Geisseler bereits in der Mittelschule gesammelt. Er gründete eine Pfadizeitung, belieferte die Luzerner Neusten Nachrichten (LNN) mit Filmkritiken und Berichten aus dem Theater. Nach der Matur wollte er seine Leidenschaft sofort zum Beruf machen und arbeitete zwei Jahre als Lokalredaktor und schliesslich in der Abschlussredaktion der LNN.
«Das kann es noch nicht sein», sagte er sich. Auf umgekehrtem Weg wie andere Journalisten wechselte Geisseler vom sicheren Job noch einmal an die Uni. Und anders als viele Journalisten hat er in Zürich abgeschlossen, in Publizistik und Germanistik. Seine Lizenziatsarbeit über Trivialliteratur war nicht ohne Witz. Es sollten die Texte von Max Frisch und Mario Simmel verglichen werden. Die Studenten gaben zu Simmel-Texten nur vernichtende Kommentare ab, während Frischs Sprache in höchsten Tönen gelobt wurde. Was sie nicht wussten: Die Texte wurden vorgängig vertauscht …
Finanziert hat er sich solche akademischen Scherze als Werkstudent von abends zehn bis ein Uhr nachts bei der LNN. Später wechselte er auch kurz in die Werbung. Es langweilte ihn aber, dass er für eine kurze Headline «unendlich viel mehr Zeit» als für einen fundierten Artikel aufwenden sollte.
Den richtigen Rhythmus fand Geisseler bei der Schweizer Illustrierten. Zehn Jahre wirkte er in den verschiedensten Funktionen vom Unterhaltungs- und Nachrichtenchef bis zum stellvertretender Chefredaktor von Peter Rothenbühler.
Bei der Tele lockt ihn jetzt, dass er die Programmzeitschrift wie in ihren besten Jahren zu einer aktuellen Fernsehzeitschrift machen soll. Dank einem «guten Draht» in die Welt von Leutschenbach sollen auch in der
Tele wieder mehr News aus den Nähkörbchen der TV-Stars zu finden sein. «Nicht vergessen» will der neue Chef auch, dass seine Tele mit wöchentlich zwölf Seiten Kino «auch das grösste Filmmagazin der Schweiz» ist. Dazu kommen über 150 Filmbesprechungen im TV-Programmteil. Sechs Leute bewerten jeden Film mit Sternchen. «Filme sind auch privat eine meiner grossen Leidenschaften», freut sich Geisseler.
Ein weiteres Hobby sind Sportflugzeuge. Statt eine «langweilige Sprachschule» hat Geisseler während eines Sabbaticals in Kalifornien eine Flugschule besucht. Da bekam er zwei Fliegen auf einen Streich. Ein paar Flugstunden hatte er auch schon im Cockpit eines Helikopters geschwitzt. Diesen Traum musste er aus Zeitgründen aber aufgeben.
Dafür will er jetzt als Ersatz die Tele wie einen Helikopter lenken. Anders als eine Coop-Zeitung, die, einmal auf Kurs, wie ein Langstreckenflieger ohne Loopings zum Erfolg segelt, brauche eine TV-Zeitschrift ständig wieder kleine Korrekturen. «Die heutige Fernsehwelt funktioniert sehr aktuell und spontan», weiss Geisseler. Auch das hat ihn, nach den Trüffeln damals im Piemont, am neuen Job besonders gereizt.
Nach turbulenten Phasen soll die Tele unter Dominic Geisseler wieder an ihre grosse Zeit anknüpfen.
Andreas Panzeri
Man soll beim Trüffelessen nie sein Handy ausschalten. Ausser man möchte den folgenden Hauptgang weiterhin ohne plötzlich anderweitig beherrschte Gedanken geniessen können. Es war in den Sommerferien im Piemont, als Dominic Geisseler über den Äther das Angebot an den Tisch serviert wurde, neuer Chefredaktor der Tele zu werden.«Ich wartete nicht auf den Job. Aber es war ein guter Zeitpunkt zum Wechseln.» Als Chefredaktor der Coop-Zeitung hatte Geisseler aus dem Kundenmagazin die grösste Zeitung der Schweiz mit einer Auflage von 1,66 Millionen und 2,5 Millionen Leserinnen und Lesern gemacht. 400000 neue Leser waren während seiner fünf Jahre auf der Redaktion in Basel dazugekommen. Eine weitere Entwicklung schien kaum mehr möglich. Auch für Geisseler nicht.
«Bei Coop ist die Zeitung zwar ein wichtiges, aber kleines Rädchen im grossen Getriebe. Als Journalist hätte ich innerhalb des Unternehmens kaum eine Alternative gehabt.» Im weiten Gehege von Ringier fühlt er sich wieder mehr unter Artgenossen.
Zwar noch nicht schon beim Grappa im Piemont, aber trotzdem mit einem guten Gefühl im Bauch hat der 43-Jährige deshalb die Herausforderung angenommen, die Tele nach gesunkener Auflage und Entlassungen wieder auf Erfolgskurs und in ruhigere Gewässer zu bringen.
Das Zappen von der Coop-Zeitung zum Fernsehmagazin fiel dem ansonsten erklärten Nichtzapper auch leicht, weil er weiss, dass bei der Coop-Zeitung ein eingespieltes Team seine Linie weiterführen will. Geisseler, damals von der Schweizer Illustrierten kommend, hat die einstige Genossenschaftszeitung mit People-Elementen aufgepeppt, Unterhaltung und Kolumnen eingeführt, mehr Service geboten und den ganzen Mix mit seiner «positiven Grundstimmung» auch noch trend- setzend auf Tabloid angerichtet.
Die ersten Erfahrungen für solche Medienarbeit hat Dominic Geisseler bereits in der Mittelschule gesammelt. Er gründete eine Pfadizeitung, belieferte die Luzerner Neusten Nachrichten (LNN) mit Filmkritiken und Berichten aus dem Theater. Nach der Matur wollte er seine Leidenschaft sofort zum Beruf machen und arbeitete zwei Jahre als Lokalredaktor und schliesslich in der Abschlussredaktion der LNN.
«Das kann es noch nicht sein», sagte er sich. Auf umgekehrtem Weg wie andere Journalisten wechselte Geisseler vom sicheren Job noch einmal an die Uni. Und anders als viele Journalisten hat er in Zürich abgeschlossen, in Publizistik und Germanistik. Seine Lizenziatsarbeit über Trivialliteratur war nicht ohne Witz. Es sollten die Texte von Max Frisch und Mario Simmel verglichen werden. Die Studenten gaben zu Simmel-Texten nur vernichtende Kommentare ab, während Frischs Sprache in höchsten Tönen gelobt wurde. Was sie nicht wussten: Die Texte wurden vorgängig vertauscht …
Finanziert hat er sich solche akademischen Scherze als Werkstudent von abends zehn bis ein Uhr nachts bei der LNN. Später wechselte er auch kurz in die Werbung. Es langweilte ihn aber, dass er für eine kurze Headline «unendlich viel mehr Zeit» als für einen fundierten Artikel aufwenden sollte.
Den richtigen Rhythmus fand Geisseler bei der Schweizer Illustrierten. Zehn Jahre wirkte er in den verschiedensten Funktionen vom Unterhaltungs- und Nachrichtenchef bis zum stellvertretender Chefredaktor von Peter Rothenbühler.
Bei der Tele lockt ihn jetzt, dass er die Programmzeitschrift wie in ihren besten Jahren zu einer aktuellen Fernsehzeitschrift machen soll. Dank einem «guten Draht» in die Welt von Leutschenbach sollen auch in der
Tele wieder mehr News aus den Nähkörbchen der TV-Stars zu finden sein. «Nicht vergessen» will der neue Chef auch, dass seine Tele mit wöchentlich zwölf Seiten Kino «auch das grösste Filmmagazin der Schweiz» ist. Dazu kommen über 150 Filmbesprechungen im TV-Programmteil. Sechs Leute bewerten jeden Film mit Sternchen. «Filme sind auch privat eine meiner grossen Leidenschaften», freut sich Geisseler.
Ein weiteres Hobby sind Sportflugzeuge. Statt eine «langweilige Sprachschule» hat Geisseler während eines Sabbaticals in Kalifornien eine Flugschule besucht. Da bekam er zwei Fliegen auf einen Streich. Ein paar Flugstunden hatte er auch schon im Cockpit eines Helikopters geschwitzt. Diesen Traum musste er aus Zeitgründen aber aufgeben.
Dafür will er jetzt als Ersatz die Tele wie einen Helikopter lenken. Anders als eine Coop-Zeitung, die, einmal auf Kurs, wie ein Langstreckenflieger ohne Loopings zum Erfolg segelt, brauche eine TV-Zeitschrift ständig wieder kleine Korrekturen. «Die heutige Fernsehwelt funktioniert sehr aktuell und spontan», weiss Geisseler. Auch das hat ihn, nach den Trüffeln damals im Piemont, am neuen Job besonders gereizt.
Nach turbulenten Phasen soll die Tele unter Dominic Geisseler wieder an ihre grosse Zeit anknüpfen.
Andreas Panzeri
