Der Tele-Visionär

Dominic Geisseler will als neuer Chefredaktor die Tele wieder zum Programm machen.

Dominic Geisseler will als neuer Chefredaktor die Tele wieder zum Programm machen.
Man soll beim Trüffelessen nie sein Handy ausschalten. Ausser man möchte den folgenden Hauptgang weiterhin ohne plötzlich anderweitig beherrschte Gedanken geniessen können. Es war in den Sommerferien im Piemont, als Dominic Geisseler über den Äther das Angebot an den Tisch serviert wurde, neuer Chefredaktor der Tele zu werden.«Ich wartete nicht auf den Job. Aber es war ein guter Zeitpunkt zum Wechseln.» Als Chefredaktor der Coop-Zeitung hatte Geisseler aus dem Kundenmagazin die grösste Zeitung der Schweiz mit einer Auflage von 1,66 Millionen und 2,5 Millionen Leserinnen und Lesern gemacht. 400000 neue Leser waren während seiner fünf Jahre auf der Redaktion in Basel dazugekommen. Eine weitere Entwicklung schien kaum mehr möglich. Auch für Geisseler nicht.
«Bei Coop ist die Zeitung zwar ein wichtiges, aber kleines Rädchen im grossen Getriebe. Als Journalist hätte ich innerhalb des Unternehmens kaum eine Alternative gehabt.» Im weiten Gehege von Ringier fühlt er sich wieder mehr unter Artgenossen.
Zwar noch nicht schon beim Grappa im Piemont, aber trotzdem mit einem guten Gefühl im Bauch hat der 43-Jährige deshalb die Herausforderung angenommen, die Tele nach gesunkener Auflage und Entlassungen wieder auf Erfolgskurs und in ruhigere Gewässer zu bringen.
Das Zappen von der Coop-Zeitung zum Fernsehmagazin fiel dem ansonsten erklärten Nichtzapper auch leicht, weil er weiss, dass bei der Coop-Zeitung ein eingespieltes Team seine Linie weiterführen will. Geisseler, damals von der Schweizer Illustrierten kommend, hat die einstige Genossenschaftszeitung mit People-Elementen aufgepeppt, Unterhaltung und Kolumnen eingeführt, mehr Service geboten und den ganzen Mix mit seiner «positiven Grundstimmung» auch noch trend- setzend auf Tabloid angerichtet.
Die ersten Erfahrungen für solche Medienarbeit hat Dominic Geisseler bereits in der Mittelschule gesammelt. Er gründete eine Pfadizeitung, belieferte die Luzerner Neusten Nachrichten (LNN) mit Filmkritiken und Berichten aus dem Theater. Nach der Matur wollte er seine Leidenschaft sofort zum Beruf machen und arbeitete zwei Jahre als Lokalredaktor und schliesslich in der Abschlussredaktion der LNN.
«Das kann es noch nicht sein», sagte er sich. Auf umgekehrtem Weg wie andere Journalisten wechselte Geisseler vom sicheren Job noch einmal an die Uni. Und anders als viele Journalisten hat er in Zürich abgeschlossen, in Publizistik und Germanistik. Seine Lizenziatsarbeit über Trivialliteratur war nicht ohne Witz. Es sollten die Texte von Max Frisch und Mario Simmel verglichen werden. Die Studenten gaben zu Simmel-Texten nur vernichtende Kommentare ab, während Frischs Sprache in höchsten Tönen gelobt wurde. Was sie nicht wussten: Die Texte wurden vorgängig vertauscht …
Finanziert hat er sich solche akademischen Scherze als Werkstudent von abends zehn bis ein Uhr nachts bei der LNN. Später wechselte er auch kurz in die Werbung. Es langweilte ihn aber, dass er für eine kurze Headline «unendlich viel mehr Zeit» als für einen fundierten Artikel aufwenden sollte.
Den richtigen Rhythmus fand Geisseler bei der Schweizer Illustrierten. Zehn Jahre wirkte er in den verschiedensten Funktionen vom Unterhaltungs- und Nachrichtenchef bis zum stellvertretender Chefredaktor von Peter Rothenbühler.
Bei der Tele lockt ihn jetzt, dass er die Programmzeitschrift wie in ihren besten Jahren zu einer aktuellen Fernsehzeitschrift machen soll. Dank einem «guten Draht» in die Welt von Leutschenbach sollen auch in der
Tele wieder mehr News aus den Nähkörbchen der TV-Stars zu finden sein. «Nicht vergessen» will der neue Chef auch, dass seine Tele mit wöchentlich zwölf Seiten Kino «auch das grösste Filmmagazin der Schweiz» ist. Dazu kommen über 150 Filmbesprechungen im TV-Programmteil. Sechs Leute bewerten jeden Film mit Sternchen. «Filme sind auch privat eine meiner grossen Leidenschaften», freut sich Geisseler.
Ein weiteres Hobby sind Sportflugzeuge. Statt eine «langweilige Sprachschule» hat Geisseler während eines Sabbaticals in Kalifornien eine Flugschule besucht. Da bekam er zwei Fliegen auf einen Streich. Ein paar Flugstunden hatte er auch schon im Cockpit eines Helikopters geschwitzt. Diesen Traum musste er aus Zeitgründen aber aufgeben.
Dafür will er jetzt als Ersatz die Tele wie einen Helikopter lenken. Anders als eine Coop-Zeitung, die, einmal auf Kurs, wie ein Langstreckenflieger ohne Loopings zum Erfolg segelt, brauche eine TV-Zeitschrift ständig wieder kleine Korrekturen. «Die heutige Fernsehwelt funktioniert sehr aktuell und spontan», weiss Geisseler. Auch das hat ihn, nach den Trüffeln damals im Piemont, am neuen Job besonders gereizt.
Nach turbulenten Phasen soll die Tele unter Dominic Geisseler wieder an ihre grosse Zeit anknüpfen.
Andreas Panzeri

Bell versammelt sich mit Allcomm

GV Die Allcomm Productions ist erneut für die technisch-organisatorische Durchführung der Generalversammlung von Bell verantwortlich.

GV Die Allcomm Productions ist erneut für die technisch-organisatorische Durchführung der Generalversammlung von Bell verantwortlich.Die Aktionäre der Fleisch verarbeitenden Coop-Tochter kommen am 13. April im Kongresszentrum Basel zusammen. Allcomm ist als Generalunternehmerin für Licht, Ton und Projektionen für die GV zuständig.

Viel Lärm um Lauterkeit

Selbstkontrolle Bei der Lauterkeitskommission sind im vergangenen Jahr 290 Beschwerden über unlautere Werbung eingegangen – nur sechs weniger als im Rekordjahr 2003.

Selbstkontrolle Bei der Lauterkeitskommission sind im vergangenen Jahr 290 Beschwerden über unlautere Werbung eingegangen – nur sechs weniger als im Rekordjahr 2003.Gemäss Tätigkeitsbericht ging es am häufigsten um Irreführung. Beschwerden zu diesem Thema nahmen von 15,1 Prozent auf 23,2 Prozent zu und verdrängten die Gewinnspiele (18,9 %) von der Spitze.

Casino-Gewinn für Ottiger & Partner

Glücksspiele Ottiger & Partner betreut neu das Grand Casino Luzern. Die Werbeagentur in Reussbühl LU hat das Mandat in einem Pitch gewonnen.

Glücksspiele Ottiger & Partner betreut neu das Grand Casino Luzern. Die Werbeagentur in Reussbühl LU hat das Mandat in einem Pitch gewonnen.Das Grand Casino lanciert einen neuen Auftritt, der durch integrierte Kommunikation abgestützt ist. Ottiger & Partner wurde beauftragt, Profil und Image des Grand Casino den sich wandelnden Anforderungen des Marktes anzupassen. Nebst Corporate Identity Management umfasst das langfristig ausgerichtete Mandat die gesamte Werbekonzeption.

Goldener Mittelweg

Gastkommentar Die Zeit? Zu sperrig! Die Times? Zu klein! Der Guardian? Der hat mit seiner Umstellung auf das «Schweizer Format» ins Schwarze getroffen, meint Francesco Benini.

Gastkommentar Die Zeit? Zu sperrig! Die Times? Zu klein! Der Guardian? Der hat mit seiner Umstellung auf das «Schweizer Format» ins Schwarze getroffen, meint Francesco Benini.Vor einer Woche habe ich Die Zeit abbestellt. Das Hamburger Wochenblatt ist ja nicht schlecht, aber ich lebe in einer Dreizimmerwohnung, und da war mir das einfach zu viel Papier. Kommt hinzu, dass mir der deutsche Journalismus mit seinem Hang zur Langfädigkeit zunehmend auf die Nerven geht. Zum Beispiel dieser Artikel über das italienische Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen. Der Journalist belegt die Tatsache, dass sich die Italiener bisher erstaunlich diszipliniert daran halten, nicht mit dem Besuch von zwei, drei Bars, sondern mit einem Streifzug durch neunundachtzig Lokale. Hinein verwoben sind Exkurse zur Kulturgeschichte des Rauchens und die Entwicklung des italienischen Nationalcharakters seit Garibaldi.Nichts würde ich den deutschen Zeitungen dringender raten, als ihren Schreibern Platz wegzunehmen. Das ist zwar eine Grausamkeit, wie jeder Journalist weiss, der bei der NZZ sozialisiert wurde und Längenvorgaben getreu dem Credo der Selbstverantwortung grundsätzlich ignoriert. Doch sie wirkt, wie die Briten den Deutschen mit der Verabschiedung vom Broadsheet vormachen. Einige Zeitungen gehen dabei freilich zu weit, wie die Times, die gleich auf Tabloid umstellt. Wenn ich eine Zeitung dieses Formats in den Händen halte, fühle ich mich stets in meine Kindheit zurückversetzt, als Vater mir das Mickey-Mouse-Heft vom Kiosk mitbrachte. Wobei anzumerken ist, dass dieses auch heute noch mehr Informationen enthält als 20 Minuten und Blick zusammen.
Die Schweizer Boulevardzeitung hat mit der Änderung ihres Formats kein Problem gelöst. Solange sich der Blick weigert, richtigen Boulevard zu machen, solange man dort unbeholfene Theaterkritiken statt gruseliger Hetzkampagnen liest, wird er weiter Auflage verlieren. Dass die Times auf Tabloid umgestellt hat, ist letztlich auch Ausdruck eines publizistischen Bedeutungsverlusts. Jenes Renommee, das die Times in den letzten zwei Jahrzehnten einbüsste, gewann der Economist dazu.
Der Guardian macht es besser. Auch er verkleinert sich, aber nicht auf Tabloid, sondern auf die Grösse der meisten Schweizer Tageszeitungen. Der guteidgenössische Kompromiss zwischen sperriger Wandtapete und aufgemotztem Klopapier ist das richtige Format für eine Zeitung. Sollte sich auch Die Zeit gesundschrumpfen, abonniere ich sie wieder. Oder vielleicht reichts mir ja schon bald für eine grössere Wohnung.
> Francesco Benini ist Inlandredaktor bei der NZZ am Sonntag.

Schein verschwindet vom Kiosk

Zeitschriften Das bisher im Zweimonatsrhythmus erschienene Szenemagazin Schein wird nur noch als Website weitergeführt.

Zeitschriften Das bisher im Zweimonatsrhythmus erschienene Szenemagazin Schein wird nur noch als Website weitergeführt.Laut Herausgeber Sacha Ercolani wurde die letzte Ausgabe bereits vor vier Monaten publiziert. Die Druckkosten seien zu hoch geworden gegenüber dem Ertrag, sagte Ercolani der Werbewoche. Zudem sei er durch Aufträge als freier Journalist, etwa für den SonntagsBlick, ausgelastet gewesen. Schein war im Frühling 2004 als Gratiszeitschrift lanciert worden und wechselte im Sommer in den Kioskverkauf.

Aufwärts, wenn auch langsam

Vermarkter Die PubliGroupe verbessert ihr operatives Geschäftsergebnis und ist verhalten optimistisch.

Vermarkter Die PubliGroupe verbessert ihr operatives Geschäftsergebnis und ist verhalten optimistisch.Die PubliGroupe hat ihren Umsatz 2004 um 2 Prozent auf 1,98 Milliarden Franken gesteigert. Während der Umsatz im heimischen Werbemarkt (PubliPresse) gegenüber dem Vorjahr erneut um 1 Prozent sank, konnte die Gruppe im Ausland (Publicitas Promotion Network, PPN) eine Steigerung um 9 Prozent erzielen. Diese kam primär in den asiatischen und europäischen Märkten zu Stande; in Nordamerika büsste PPN jedoch 11 Prozent ein. Der Bereich PubliDirect (Gelbe Seiten) entwickelte sich weiter positiv und übertraf trotz nunmehr dreijähriger Rezession sogar die Erwartungen. In der Schweiz konnte sich diese Division um 7 Prozent und in Frankreich um 10 Prozent verbessern, der Gesamtumsatz ist um 7 Prozent höher als im Vorjahr.Auch der Webdienstleister Namics setzte 17 Prozent mehr um, indem er seine Aktivitäten in der Schweiz ausbauen und markante Fortschritte auf dem deutschen Markt realisieren konnte. Die Mitte Jahr zugekaufte Cinecom wurde erstmals konsolidiert, deren Einnahmen aus dem Verkauf von Kino- und Fernsehwerbung beliefen sich im zweiten Halbjahr auf 25 Millionen Franken, ihr Gesamtumsatz betrug im selben Zeitraum insgesamt 40 Millionen Franken.
Sämtliche Divisionen der Gruppe konnten ihre Ergebnisse verbessern, sei es durch Umsatzsteigerung und/oder durch weitere signifikante Kostensenkungen. Das Betriebsergebnis werde die Marke von 60 Millionen Franken übertreffen, schreibt die PubliGroupe. Im Vorjahr resultierten nur 34 Millionen Franken. Das konsolidierte Konzernergebnis soll sich in der Grössenordnung von 50 Millionen Franken bewegen. Die detaillierte Jahresrechnung 2004 wird am 23. März publiziert.
Bezüglich Prognosen für das laufende Jahr gibt sich die PubliGroupe vorsichtig. Das Verhalten der Inserenten lasse auf keinen allgemein gültigen Trend schliessen, heisst es. Während zur gleichen Zeit und manchmal in derselben Branche einzelne Inserenten ihre Kommunikationsbudgets sprunghaft aufstockten, würden andere ihre Etats ebenso plötzlich zurückfahren. Die Werbemärkte seien dadurch sehr volatil geworden.
Berechenbarer sind einzig die einzelnen Rubriken. Die Stellenanzeigen, die im zweiten Halbjahr 2004 einen Wachstumsschub von 11,2 Prozent verzeichneten, liegen im Jahresvergleich erstmals seit drei Jahren wieder im Plus (+1 Prozent), ebenso die Immobilieninserate (+5 Prozent). Auf Grund der aktuellen Einschätzung rechnet die PubliGroupe für 2005 mit einem leichten inneren Wachstum, das zusätzlich durch die Übernahme der NZZ-Regie und die volle Konsolidierung von Cinecom beflügelt werden dürfte.
Ferner hat der PubliGroupe-Verwaltungsrat beschlossen, auf Stufe Konzernleitung zwei neue Funktionen zu schaffen. Mit Brigitte Schleipen als Direktorin der neuen Konzernabteilung Human Resources und Moritz Wuttke als Direktor für Business Development hat er zwei neue Mitglieder in die Konzernleitung berufen.
Marcel Kohler wird Direktor40 Prozent des Zürcher Unterländers und 20 Prozent der Zürichsee Presse tritt die PubliGroupe der NZZ ab – im Austausch gegen die Anzeigenregie der NZZ sowie eine Minderheitsbeteiligung an der NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH). Wie gross der P-Anteil an der FPH sein wird, steht aber noch immer nicht fest. Klar ist, dass die Publicitas-Zweigniederlassung NZZ Media mittlerweile gegründet ist. Als Direktor amtet der bisherige NZZ-Anzeigenleiter Marcel Kohler, flankiert von nicht weniger als drei Vizedirektoren, nämlich Stefan Bernet, Markus Stettler und Daniel Truttmann. (mk)
2004 konnte die PubliGroupe ihren Umsatz steigern, für das laufende Jahr sind die Prognosen vorsichtig.
Markus Knöpfli

Adam & Adam führt My Driver ein

Fahrservice Die Agentur Adam & Adam Unternehmenskommunikation in Forch ZH übernimmt die Medienarbeit des Zürcher Start-ups My Driver.

Fahrservice Die Agentur Adam & Adam Unternehmenskommunikation in Forch ZH übernimmt die Medienarbeit des Zürcher Start-ups My Driver.Seit Anfang Jahr bietet My Driver einen Fahrdienst für alle, die mehr als 0,5 Promille im Blut haben, ihr Auto aber nicht stehen lassen möchten. Der Gast nimmt im Fond seines eigenen Wagens Platz und wird von einem My-Driver-Chauffeur nach Hause gefahren – samt Annehmlichkeiten wie einem Glas Champagner für unterwegs.

Lausanner Business-Know-how für Ukraine

Zeitschriften Unter dem Titel Commerce lanciert Edipresse ein Wirtschaftsmagazin in der Ukraine.

Zeitschriften Unter dem Titel Commerce lanciert Edipresse ein Wirtschaftsmagazin in der Ukraine.Die quartalsweise erscheinende Zeitschrift wird in Zusammenarbeit mit der örtlichen US-Handelskammer publiziert. In englischer Sprache gibt Commerce Ratschläge für die unternehmerische Tätigkeit. Verantwortlich für das Projekt ist Innes Doig. Der schottische Journalist ist seit vergangenem März für Edipresse in der Ukraine tätig.

Wortlos und doch lautstark

Bonbons Für Läkerol will Zogg Kettiger Gasser einmal mehr auch deren Werbung in aller Munde bringen.

Bonbons Für Läkerol will Zogg Kettiger Gasser einmal mehr auch deren Werbung in aller Munde bringen.
International heisst der Claim von Läkerol: «Makes people talk.» Und genau das soll auch die für die Schweiz realisierte Kampagne aus dem Mund von Zogg Kettiger Gasser bewirken. «Die Leute werden darüber reden», hofft Client Service Director Max Winiger. Der Grund für den geplanten Aufreger: Auf den ersten Blick fehlen bei den neuen Plakaten für Läkerol eine Headline wie auch das Logo, und es gibt auch keinen Claim. Aber nur auf den ersten Blick. Die Headline ist nämlich da. «Nicht in Worten, sondern in Bildern», erklärt AD Beni Kurz. Das Logo ist auch da. «Auf der abgebildeten Packung.» Und der Claim?Die Zürcher Agentur Zogg Kettiger Gasser hat bewusst auf Text
verzichtet. «Wir wollen mit dieser Kampagne auch mal wieder zeigen, dass weniger manchmal mehr sein kann, vor allem in der heutigen Zeit mit total überfüllten Botschaften ohne Raum, fehlendem Mut zu plakativen Umsetzungen und dem offensichtlichen Drang, auch den letzten Zentimeter Freiraum noch zu verstopfen», begründet Winiger. Dem Management von Läkerol in Schweden hat die Frische solchen Denkens gefallen.
Mehr Umsatz dank WettbewerbObwohl viele Schweizer Läkerol für ein heimisches Produkt halten, sind die Pfleger für Hals und Rachen 1909 als semimedizinische Bonbons in Schweden erfunden worden. In der Schweiz ist die Marke seit bald 80 Jahren auf dem Markt. Dieser ist umkämpft. 1,25 Millionen Menschen greifen mindestens einmal pro Woche zu Fruchtgummis, Gummibärchen und Bonbons. Läkerol erreicht volumenmässig einen Marktanteil von 6,6 Prozent. In diesem Umfeld lässt der Importeur Cruspi SA in Dällikon das internationale Produkt in der Schweiz mit einer eigenen Kommunikationsstruktur verkaufen.
Bereits im Jahr 2004 hat Zogg Kettiger Gasser eine starke nationale Kampagne kreiert. Der Claim: «Häschs derbii, bisch derbii.» Das Raffinierte an dieser Kampagne war ein Wettbewerb. Wer beim unerwarteten Auftauchen der Läkerol-Fahnder eine Packung bei sich trug, konnte bei 50 Einsätzen der Glücksbringer auf öffentlichen Plätzen je 2000 Franken gewinnen. Die Folge: Fast doppelt so viele Leute wie vor der Kampagne kauften sich ein Läkerol, um beim eventuellen Auftauchen der Fahnder für das Spielchen gerüstet zu sein. Und die Kampagne kam ins Gerede. «Der alte Claim ‹Makes people talk› wurde mit neuem Leben gefüllt.»
Das soll ab dem 20. Februar für die drei Flavours Red & Spicy, Eucalyptus und Blue Fruit wieder sowie neu für Läkerol Dents das Ziel sein. Allerdings nicht mehr mit einem Wettbewerb, sondern mit mehr künstlerischen Ansprüchen. Die Agentur umschreibt das Konzept mit «Colours & Flavours». Beworben wird Läkerol auf E-Boards mit Zehn-Sekunden-Spots in den grössten Bahnhöfen der Schweiz sowie national mit Plakaten in den Formaten F12 und F200.
Mutiger AuftraggeberLäkerol kennt in der Schweiz fast jeder. Die Marke ist in den Köpfen der Konsumenten verankert. Marken müssen aber trotzdem immer wieder neu animiert werden. Vor allem im Genussbereich. Zogg Kettiger Gasser fühlt sich glücklich, dass der Geschäftsführer Lorenz Vogel und die Productmanagerin Alexandra Rohrer bei Cruspi nicht zur Sorte Kunden gehören, die «alles Menschenmögliche in die Werbung hineinquetschen wollen»: das Produkt noch grösser, das Logo noch grösser, alle denkbaren Features und natürlich das ganze Sortiment auf dem Plakat. «Das hat mit Werbung schon lange nichts mehr zu tun», meint Winiger. Für ihn muss Werbung verführen, überraschen und in der Lage sein, im Kopf des Konsumenten etwas auszulösen. Inmitten dieser überfüllten Botschaften sollen die Läkerol-Plakate «wie Inseln wirken». Farbig und plakativ – «Colours & Flavours».
Weil diese Kampagne, um derart auffallen zu können, «ein bisschen Kunst» sein musste, ist auch die Bildumsetzung entsprechend konzipiert worden. Roth & Schmid fotografierte kein sauber herausgepützeltes Packshot-Bild. Sie hat das Thema «Colours & Flavours» deshalb mit nicht nur Hals und Rachen, sondern auch die Augen erfrischenden Farben künstlerisch interpretiert.
Die Agentur hätte an dieser Kampagne «wochenlang gehirnt und die Idee immer wieder hinterfragt». In 16 Jahren Werbung hat Winiger noch nie eine Kampagne ohne Headline und Claim realisiert. «Aber es gibt hier schlicht keine Headline, welche die Botschaft verstärken könnte.»
Hals und RachenDer Markt um die Bonbons im Pocketsize ist hart umkämpft. Starke Mitbewerber von Läkerol sind Ricola als Nummer 1 in der Schweiz, Fisherman’s Friend, Tic Tac, Smint oder Larry’s als Migros-Eigenmarke. Diese Produkte drängen sich um die begehrtesten Plätze an der Kasse und an vorderster Front der Kiosk-Sweeters.
Eine Studie aus dem Jahr 2003, die vom Marktforschungsinstitut IHA-GfK bei 1000 Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren durchgeführt wurde, zeigt, dass der Bekanntheitsgrad von Läkerol in der Schweiz noch vor der letztjährigen Grosskampagne bereits bei 95 Prozent lag.
Im Ursprungsland Schweden ist die Werbung für Läkerol schon immer unkonventionelle Wege gegangen. Adolf Ahlgren, der Erfinder der «medizinischen Bonbons», bediente sich als einer der Ersten des Product Placement. Er hat bereits in den späten Zwanzigerjahren Postautos in ganz Schweden mit Läkerol-Postern dekoriert. Er verstand es auch, Berühmtheiten wie die Showstars Josephine Baker, Maurice Chevalier oder später das Tennisass Björn Borg für Statements zu gewinnen.
Inseln inmitten überfüllter Werbebotschaften: Die Läkerol-Kampagne verzichtet auf Headline und Claim.
Andreas Panzeri

Die nächste Kiste kommt bestimmt

Glücksspiele Contexta will für Swiss Lotto den Jackpot wieder füllen. Andere wollen ihn leeren.

Glücksspiele Contexta will für Swiss Lotto den Jackpot wieder füllen. Andere wollen ihn leeren.Dass man beim Swiss Lotto unglaublich viel Geld gewinnen kann, hat das letzte Wochenende gezeigt. 12,6 Millionen Franken hat eine zahlenkundige Person einziehen können, weil er oder sie die richtigen Feldchen auf dem Lottoschein leer gelassen hat. Nun ist allerdings auch der Jackpot wieder leer. Doch diese Ebbe im Glücksschwein soll nicht lange anhalten. Es gibt nämlich mehr Lottomillionäre, als man sich landläufig vorstellt. Im vergangenen Jahr konnten sich beispielsweise gleich 29 Lottospieler über einen Millionengewinn freuen. Insgesamt sind seit der Einführung des Zahlenlottos 1970 in der Schweiz 389 Millionengewinne ausgezahlt worden. Lamborghini im Multipack
Diese überzeugende Häufung des Glücks nutzt die Berner Werbeagentur Contexta für ihre aktuelle Kampagne und realisierte zwei Fernsehspots unter dem Motto «Swiss Lotto. Niemand macht mehr Millionäre».
In den zwei neuen Spots «Lamborghini» und «Yacht» wird diese Tatsache, dass es in der Schweiz immer mehr Lottomillionäre gibt, gewohnt humorvoll und übertrieben kommuniziert. So fahren auf Schweizer Strassen plötzlich auffällig viele gelbe Lamborghini umher. Und das einmalig luxuriöse Offshore-Boat ist auf einmal gar nicht mehr so einmalig – auch wenn die realistische Chance immer noch nur 1:8145000 beträgt, dass man sich aus dem Lottogewinn ein solches Schiffchen kaufen kann.
Der Einsatz der neuen TV-Spots aus der Produktion von Wirz + Fraefel ist bestens getimt und wurde am letzten Montag – dem ersten Werktag als Multimillionär des Tippers mit den magischen Zahlen 8, 15, 36, 21, 6, 22 – erstmals geschaltet.
Mehr Millionen, mehr Millionäre: Die Glücksjagd geht weiter.
Andreas Panzeri

Blick über die Grenze

Oliver Classen über mögliche Verlagskooperationen im Bereich Nebengeschäfte.

Oliver Classen über mögliche Verlagskooperationen im Bereich Nebengeschäfte.Nachdem Ringier den Schweizer Bann endlich gebrochen hat, scheint es nur eine Frage von Monaten, vielleicht gar Wochen, bis die Konkurrenz auf den Nebengeschäftezug aufspringt. Nördlich des Rheins ist der Kampf um Anteile am Zusatzbusiness mit Büchern, CDs und DVDs bereits voll entbrannt: Holtzbrincks Flaggschiff Die Zeit kontert die «Cinemathek» der Süddeutschen Zeitung (siehe Seite 16) mit einer ebenfalls 50-teiligen Filmsammlung, die via amazon.de vertrieben wird. Und der Stern versucht sein Glück mit zwölf Oscar-prämierten DVDs im Alleingang.Im Gegensatz zum hiesigen verfüge der deutsche Markt halt über die nötige Grösse für lukrative Nebengeschäfte: So rechtfertigten Schweizer Verlagsmanager bis dato ihre diesbezügliche Einfalls- und Mutlosigkeit. Der Überraschungserfolg des qualitativ gewiss optimierbaren Blick-Experiments enttarnt dieses Totschlagargument als blosse Schutzbehauptung. Wo ein unternehmerischer Wille ist, ist auch ein gangbarer Weg.
Diesen geht man vorzugsweise gestützt auf valable Partner. Womit nicht nur Produktions- und Vertriebskooperationen gemeint sind. Denkbar wäre auch eine Ausdehnung bestehender Allianzen wie zum Beispiel Anzeigenpools auf kommerzielle Nebengeschäfte. Warum nicht dasselbe Gadget via Tages-Anzeiger, Basler Zeitung und Berner Zeitung vertreiben? Oder warum nicht mit einem der genannten deutschen Grossverlage zusammenspannen,
deren Buch- und Filmreihen sich in der Deutschschweiz ebenso gut vermarkten liessen?
Denn für diesen Bereich gilt: Nur die Masse machts. Woraus folgt: Je kleiner der Markt, desto teurer das Produkt. Deshalb sind die Rock-CDs des Branchenpioniers Blick mit netto 8.10 Franken eigentlich noch viel zu teuer. Dass sie dennoch weggehen wie warme Weggli, lässt das Schweizer Potenzial für hochwertigere Zeitungsbeigaben erahnen. Fragt sich nur, wer diesen Braten zuerst riecht und seiner Leserschaft ein der eigenen Marke angemessenes Menü serviert.
> Oliver Classen, Redaktor
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