Nebengeschäfte Mit seiner Rock-CD-Aktion will der Blick die Auflage stabilisieren, aber nichts verdienen. Vorerst zumindest .
Als erster der Deutschschweizer Verlagsriesen ist am 22. Januar Ringier aus dem Dornröschenschlaf der Branche erwacht. Seit jenem Samstag gibts am Kiosk zum Blick wöchentlich wechselnde Rock-CDs zum Sammeln – gegen einen Aufpreis von jeweils 8.10 Franken. Jenes Prinzip, auf das italienische Zeitungshäuser schon seit Jahren (und deutsche immerhin seit Anfang 2004) bauen, hat also auch das Medienland hinter den sieben Bergen erreicht: die Stabilisierung der Auflage durch mehr oder minder exklusive Beigaben.Strategisches Ziel ist laut Zeitungschef Bernhard Weissberg folglich «nicht – oder wenigstens noch nicht – die Generierung substanzieller Zusatzerlöse», wie dies etwa die Süddeutsche Zeitung vormacht (siehe Kasten). Dazu sei der hiesige Markt «vermutlich auch zu klein». Auflagemässig habe das ohne vorgängige Marktforschung lancierte Liveexperiment jedoch schnell Wirkung gezeitigt. Quantifizierbar ist diese freilich erst Ende März, wenn das Ende dieser Woche auslaufende Pilotprojekt ausgewertet ist. Dann wird entschieden, wann welche weiteren Aktionen folgen. Und mit wem.
100000er-Grenze durchbrochenKey Partner des Blick bei seinen insgesamt fünf Rock-CDs, deren Inhalt Musikredaktor H. Elias Fröhlich ausgesucht und im eigenen Blatt lautstark promotet hat, sind der für Produktion und eigene wie Fremdlizenzen zuständige Musikverlag EMI sowie die Valora. Gemäss Karin Rüeger (Verlag) und Markus Rohr (Redaktion) besteht in beiden Bereichen aber noch Optimierungspotenzial. Konkret denken die beiden Projektleiter «an eine Erweiterung des Vertriebsnetzes und an bessere Konditionen bei den Partnern». Dies angesichts des Umstands, dass exklusive Direktverkauf an die Abonnenten bereits jetzt schon über 100000 CDs abgesetzt worden sind, was nach Rüeger «über allen Erwartungen» liegt.
Eine andere Erkenntnis aus der lange erwogenen, dann aber ziemlich spontan zu Stande gekommenen Aktion ist gemäss Rohr, wie vorbehalt- und reibungslos die kommerziell und publizistisch Verantwortlichen bei Ringier zusammenarbeiten. «Dabei profitieren wir sicher davon, dass es beim Blick diesbezüglich auch seitens der Leserschaft weniger Bedenken gibt als beispielsweise bei einem Tages-Anzeiger oder gar einer NZZ.»
Massgeblich zum Erfolg beigetragen hat auch der via TV, Radio, Eigentitel und POS-Präsenz aufgebaute Werbedruck. Das dazu aufgeworfene Budget hielt sich dem Vernehmen nach indes in einem Rahmen, der in Bälde schon weitere solche Massnahmen zur Lesergewinnung respektive -bindung erwarten lässt. Auf Nachfrage der Werbewoche bestätigen die Projektverantwortlichen denn auch, dass bereits «weitere Aktionen in der Pipeline» sind.
Mit anderen Worten: Als Marktinnovator möchte Ringier das, was Ökonomen die «First Mover Advantage» nennen, ausnutzen – zur Stabilisierung der Auflage, mittelfristig aber wohl auch zur Erschliessung einer dritten Umsatzquelle namens Nebengeschäfte.
Süddeutsche doppelt mit «Cinemathek» nachAm 26. Februar erscheint der 50. und letzte Band der vor Jahresfrist lancierten «SZ-Bibliothek». Nach aktuellen Verlagsangaben wurden bislang knapp 10 Millionen Bücher verkauft. Ende Juni erlöschen die
Lizenzrechte an den literarischen Werken. Bis dahin will die Süddeutsche Zeitung weitere zwei Millionen Einheiten losschlagen – wie bis anhin auch über den Schweizer Buchhandel. 2004 bescherte dieser Nebengeschäftszweig dem Münchner Qualitätsblatt einen Zusatzerlös von deutlich über 20 Millionen Euro.
Fürs laufende Jahr peilt SZ-CEO Klaus Lutz gar Zusatzerlöse von 30 Millionen Euro an. Für diesen Umsatzsprung soll unter anderem ein dem redaktionellen und vertrieblichen Erfolgskonzept der SZ-Bibliothek nachempfundenes Anschlussprojekt sorgen: Am 5. März liegt der Süddeutschen Zeitung die erste von insgesamt wiederum 50 DVDs bei. Die 600000 Kopien von Viscontis Klassiker «Der Leopard» gibts für Abonnenten wie Kioskkäufer gratis, die Nachfolgefilme (darunter auch fünf DVD-Premieren) kosten dann jeweils 9.90 Euro. (oc)
Heavy: Die Verkäufe der Blick-Rock-CDs übertreffen die Erwartungen.
Oliver Classen