Dekore aufdrucken oder übertragen
Verfahren Um Bilder, Schriften und Logos auf Werbegeschenke und Verpackungshohlkörper aufzubringen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Verfahren Um Bilder, Schriften und Logos auf Werbegeschenke und Verpackungshohlkörper aufzubringen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.Besonders vor wichtigen Messen oder vor Jahresende machen sich viele Werbeleiter Gedanken, was sie als mehr oder weniger nützliche und originelle Geschenke verteilen wollen. Dann lässt man von spezialisierten Dienstleistern Gegenstände aller Art mit Firmenlogo, Slogan und Webadresse verzieren. Das Dekorieren – so der Fachausdruck für das direkte Drucken (Körperdruck) bzw. indirekte Übertragen von Sujets auf Gegenstände – ist aber nicht nur auf Werbegeschenke beschränkt. Über Give-aways und Streuartikel hinaus gibt es massenhaft produzierte Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens sowie als Hohlkörper ausgebildete Verpackungen, die dekoriert werden müssen.Nahezu unbegrenzt sind Grösse, Form und Material der zu dekorierenden Gegenstände. Es braucht also Verfahren, die möglichst flexibel auf die Vielfalt der Objekte einstellbar sind. Viele Dekorieraufgaben liessen sich mit mehreren Verfahren bedienen; letztendlich entscheiden Wirtschaftlichkeit, Design und notwendige Farbschichtdicke über die jeweilige Wahl des Verfahrens (siehe Kasten «Dekorierverfahren»).
Wirklich geschmackvollDass Tabletten und Pharmakapseln mit Lebensmittelfarbe bedruckt werden, überrascht nicht weiter. Etwas Besonderes ist das Bedrucken von Schokolade und Pralinen mit farbiger Schokoladenmasse oder bunter Paste, manchmal in Verbindung mit individuellen Gussformen – der Krea-tivität sind kaum Grenzen gesetzt. Hierfür gibt es sogar spezielle Lebensmittel-Siebdruckmaschinen, z. B. die RukoPrint RP 2.2. Das Repertoire des Schokoladendrucks reicht von Confiserie-Kleinauflagen bis hin zu industriellen Grossauflagen von Hohlkörpern, z. B. Weihnachtsmänner und Osterhasen. Traditionsbedingt gehört die Schweiz zu den Schokoladendruckpionieren.
Gegenstände bedruckenViele Druckdienstleister, die auf die Bedruckung von Gegenständen und Textilien spezialisiert sind, setzen Sieb- und Tampondruckmaschinen gemeinsam ein. Die Siebdruck- wie auch die Tampondruckmaschinen sind nach bestimmten Logistikszenarien ähnlich konzipiert. So gibt es getaktete Linien mit Druckstationen, die das Objekt passiert, oder das Druckmodul befindet sich über einem drehenden Rundschalttisch, auf dem die Objekte positioniert, bedruckt und ausgeworfen werden. Andere Lösungen sehen eine Schwingförderzu- und -abführung der Objekte vor. Weiter gibt es Karussellmaschinen, bei denen sich vier oder mehr Druckmodule über dem Objekt drehen und nacheinander zum Bedrucken absenken. Im Rotationstampondruck laufen die zumeist kleinen Objekte auf Förderketten dicht über- und nebeneinander.
Im Sieb- und Tampondruck kommt es auf eine exakte und sichere Positionierung der Objekte an. Für viele zu bedruckende Gegenstände wird ein genau passendes Gegenstück benötigt, das als zuverlässige Halterung agiert. Denn nicht immer reichen universelle Förder-, Greif- und Klemmwerkzeuge aus. Auch in der Dimensionierung der Maschinen spiegelt sich die Eignung für bestimmte Objektgrössen wider. So gibt es eine Vielzahl dedizierter Maschinenkonzepte. Diese werden auch mit Siebdruckmodulen kombiniert, z. B. für die Weissgrundierung im CD- oder Glasdruck.
Digitaldruck ist im KommenDie Zeiten sind vorbei, in denen Indigo, Anbieter von Digitaldrucksystemen, krampfhaft nach exotischen Vermarktungsmöglichkeiten und abenteuerlichen Anwendungen suchte. Die an der Fachmesse drupa 95 vorgestellte Indigo Omnius für das direkte und individualisierte Bedrucken von Getränkedosen verschwand nach dem Verkauf weniger Systeme aus dem Portfolio. Heute, unter der Firmierung HP Indigo, bezieht sich das «Industrial Printing» im Wesentlichen auf die Bedruckung zweidimensionaler Objekte wie Mousepads und Plastikkarten.
Für zwei- und dreidimensionale Objekte empfiehlt sich mehr denn je das Inkjetdruckverfahren. Längst hat es das Stadium der simplen Markierung von Schraubverschlüssen, Deckeln, Dosenböden, Faltschachteln und anderen Verpackungen mit dem Verfallsdatum überwunden. Zweidimensionale Gegenstände wie CDs, Plastikkarten, Mousepads und Leder sind leichte Übungen.
Im Kommen sind Flachbett-Drucksysteme, die mit optimierten UV-Tinten mühelos starre Substrate mit mehreren Zentimetern Dicke bedrucken: Schilder, Türen, Keramikfliesen. Damit machen sie dem Siebdruck weiteres Terrain streitig, selbst der grossflächige Weissvordruck wird bereits angeboten.
Nach dem Durst Rho drängen heute mehrere Systeme auf den Markt: Lüscher JetPrint UV, Spühl Virtu rs und Zünd UVjet aus der Schweiz sowie Gandinnovations JetiUV, Grapo Octopus, Inca Columbia/Spyder, NUR Tempo L, Océ Arizona UV, Tampoprint CP/DMD und Vutek PressVu UV aus dem Rest der Welt.
Eine Sonderstellung nimmt der Tampoprint DMD U 1500 ein: In Sonderausführungen, bei denen das Druckmodul entsprechend hoch über dem Flachbett arretiert ist, kann er Gegenstände bis zu einem Meter Dicke bedrucken, z. B. komplette Kühlschränke. Sogar gewölbte und strukturierte Objekte stellen für ihn kein Problem dar: fotorealistisch bedruckte Motorhauben (war letzten Mai an der drupa zu sehen), Garagentore und Heizkörper, mit Werbung bedruckte Biergartenbänke und -tische, mit Holzimitation dekorierte Möbel. Darüber hinaus kann der DMD U 1500 alle Arten von Tinten verarbeiten. Die deutsche Tampoprint, einer der grössten Tampondruckmaschinenhersteller, begreift das Inkjetverfahren als digitale Ergänzung – genau wie schon seit Jahren für den Siebdruck.
Indirekte DekorationOft ist es fertigungstechnisch unvorteilhaft oder unmöglich, die Gegenstände direkt zu bedrucken. Ein Ausweg ist der Druck und Transfer von Vordrucken. Bedruckt werden in solchen Fällen entweder Etiketten, Schiebebilder und Dekorbahnen, mit denen die Gegenstände ausgerüstet werden, oder die Materialien, aus denen später die Gegenstände geformt werden. Neben der jeweiligen Drucktechnik ist dann zusätzlich eine dem Objekt entsprechende Transfertechnologie notwendig – meistens ein Zwischenträgermaterial und eine Vorrichtung zum Übertragen des vorgedruckten Sujets. Damit erweitert sich prinzipiell die Auswahl der einsetzbaren Druckverfahren.
Etiketten und StickerDie trivialste Lösung ist der Offset- oder Flexodruck von Etiketten, die anschliessend z. B. auf Glas- oder Plastikflaschen aufgespendet werden. Gebräuchlich sind auch selbstklebende Sticker aus dem Sieb-,
Offset-, Flexo- und Digitaldruck. Mit oder ohne Bedruckung erweisen sich Schneidplotter für die Beschriftung von Schaufenstern, Autoheckscheiben und -türen sowie von Wänden für Messestände als vorteilhaft.
DecalsAnspruchsvoller ist die Herstellung und Übertragung von Decals – neudeutscher Sammelbegriff für Schiebe- und Abziehbilder. Immer wieder gern miteinander verwechselt, unterscheiden sich diese Druckprodukte jedoch eindeutig voneinander. Ihnen gemeinsam ist lediglich der Druck auf ein spezielles Trägerpapier, das eine wasserlösliche Schicht besitzt, um die Bilder nach einem Wasserbad auf das Objekt zu übertragen. Das Wasserbad bewirkt das Auflösen der oberen Papierbeschichtung, so dass entweder das Trägerpapier nach dem Aufbringen auf die Objektoberfläche abgeschält werden kann (Abziehbilder) oder die Bilder auf den aufgelösten Schichtresten gleitend auf die Objektoberfläche geschoben werden können (Schiebebilder). Aus dem unterschiedlichen Aufbringen resultieren entgegengesetzte Bedruckungssequenzen: Beim Schiebebilderdruck wird eine wasserfeste, membranbildende Grundierung (Schiebelack) gedruckt, darauf folgen gegebenenfalls Deckweiss und dann die bunten Druckfarben in seitenrichtiger Wiedergabe. Bei Abziehbildern ist alles umgekehrt: erst die bunten Farben in seitenverkehrter Wiedergabe, dann die Deckschicht aus Lack, der ebenfalls eine transparente Membran ausbildet, die nach dem Wasserbad zuverlässig das Druckbild trägt. Ohne Wasserbad kommen so genannte Anreiber aus, die ansonsten wie Abziehbilder gedruckt werden.
Über das einzusetzende Druckverfahren entscheiden aber andere Kriterien. Sieb- und Offsetdruck sind die erste Wahl, wenn dem Transfer kein weiterer Verarbeitungsschritt folgt – also beim Aufbringen auf Plastik (z. B. Modelleisenbahnwagen, Spielzeug, Gerätegehäuse, Computertastaturen), Holz (Spielzeug) und optisches Glas (Fenster, Brillen). Wenn nach dem Aufbringen eingebrannt oder glasiert und gebrannt werden soll, sind spezielle Druckfarben gefragt. Das Einbrennen (ca. 630 °C) wird vor allem auf dickeren bzw. gehärteten Trinkgläsern praktiziert, um die Glasbrennfarben kratz- und spülmaschinenfest zu konservieren (siehe z. B. www.rastal.ch). Keramikbrennfarben sind für Keramikfliesen, Schmuckkeramik und Porzellanmassenware erforderlich; hier werden die Decals auf die raue Objektoberfläche übertragen, bevor das ganze Objekt mit einer Glasur überzogen wird, die schlussendlich bei bis zu 1400 °C gebrannt wird. Solche Farben können zwar auch auf Glasschmelzebasis formuliert sein, müssen aber zusätzlich einen Farbumschlag kompensieren, der durch den Glasurbrand eintritt. Als wäre die Herausforderung ans Colormanagement noch nicht gross genug, hängt die gezielte Farbänderung nicht nur von der Temperatur, sondern auch von der Farbschichtdicke ab! Deshalb müssen die Keramikbrennfarben in exakter Schichtdicke verdruckt werden. Möglich ist dies nur im Siebdruck mit optimaler Schablonendicke und Gewebequalität oder im Bogentiefdruck mit gelasertem und tiefenvariabel geätztem Druckformzylinder.
Aufbügeln und AufklebenViele Copyshops bieten «Ihr Foto auf Ihrem T-Shirt» oder «Motiv Ihrer Wahl auf Ihrer Kaffeetasse» an. Am schnellsten ist der seitenverkehrte Druck mit einem digitalen Farbkopierer oder Farblaserdrucker auf eine Transferfolie, von der das Druckbild in speziellen Heisspressen auf das T-Shirt aufgebügelt wird. Kopierer und Inkjetdrucker kommen für den Transfer via Folie auf Kaffeetöpfe und ähnliche Souvenirs in Frage. Vergleichbare Verfahren gibt es auch für Siebdruckfolien, dann meistens, um unter Verwendung von Transfervorrichtungen mit ebenen oder gewölbten Druckflächen das Bild auf Textilien und Baseball-Caps zu übertragen.
Dekorbahnen für MöbelHier regiert der Rollentiefdruck. Einige wenige spezialisierte Betriebe produzieren Tonnen von Dekoren mit Holzimitationen für die Möbelindustrie. Die Druckformzylinder müssen endlos-nahtlos graviert sein, also ein Rapportdekor drucken können. Der Druck selbst läuft innerhalb engster Farbwiedergabe- und Passertoleranzen. Bevor die Drucker die bedruckte Papierbahn wieder aufrollen bzw. konfektionieren, wird als Finishing Kunstharz aufgetragen bzw. die Bahn in Harz getränkt. Von den Möbelbaubetrieben werden die Dekorpapiere dann mit Kaltleim auf die Holz- und Pressspanteile kaschiert. Ist Hochglanz gewünscht, wird ein zusätzlicher Lack aufgetragen, der poliert werden muss.
Blechtafeln und GetränkedosenBlechtafeln schliesslich werden auf umgebauten Bogenoffsetmaschinen mit UV-Farben und -Lack bedruckt. Diese Blechvordrucke sind oft das Halbprodukt, aus dem auf speziellen Verarbeitungsanlagen Getränkedosen, Kronkorken, Blechschachteln etc. geformt und zusammengesetzt werden. Nicht selten passiert dies in Verbindung mit dem Befüllen der Verpackung.
Dekorierverfahren im ÜberblickSiebdruck Das älteste direkte Dekorierverfahren ist der Siebdruck. Die Siebdruckform besteht aus Siebgewebe, das partiell mit Schablonenmaterial abgedeckt ist, und dem Rahmen. Entweder ist das Siebgewebe mit mittlerer Spannung in einen Rahmen eingespannt (Flachsieb) oder mit hoher Spannung zu einer Trommel geformt (Rundsieb). Die Druckfarbe gelangt auf das Objekt, indem eine Rakel die Farbe in die Siebmaschen hineindrückt und somit die bereits in den Maschen befindliche Farbe herauspresst. Siebdruckmaschinen sind unterschiedlich weit automatisiert; vollautomatische Strassen findet man vor allem beim Bedrucken von leicht zu handelnden Objekten, z. B. CDs/DVDs, Plastikkarten und Textilbahnen. Ein Vorteil des Siebdrucks sind die hohen Farbschichtdicken. Dadurch lassen sich ohne weiteres grössere Effektpigmentpartikel einbetten. Da das Druckbild fühlbar erhaben aufgebracht wird, eignet sich der Siebdruck z. B. für Blindenschrift, gedruckte Schaltkreise und Keramikschiebebilder.
Tampondruck Wenn die Farbschichtdicke nicht sonderlich hoch sein muss, ist der Tampondruck der einfachste Weg: Auf Grund der zahlreichen und leicht austauschbaren Tamponformen und -grössen lässt sich immer die ideale Art und Weise der Bedruckung finden. Tampons sind so elastisch, dass sie sich regelrecht an die Objektform anschmiegen und sogar Innenwandungen erreichen. Immer erfordert die Bebilderung der Tampondruckklischees die Berücksichtigung der Objektoberflächenform bzw. der entsprechenden Tamponform. Die Sujets müssen in Abhängigkeit davon verzerrt werden.
Indirekter Tiefdruck Der indirekte Tiefdruck ist der Anwendung in Tampondruckmaschinen vorbehalten. Im Flachformdruck werden flache Fotopolymerklischees verwendet. In Geräten, die einem Kontaktgrill oder Waffeleisen ähneln, erfolgt die Belichtung durch den Kopierfilm hindurch. Tampoprint entwickelte lasergravierbare Aluminiumoxidklischees als Alternative. Für den Rotationstampondruck sind Polymer- und Metallklischees erforderlich, die auf einen Zylinder aufgespannt werden und über rotierende Tamponwalzen massenhaft kleine Oberflächen bedrucken, z. B. Verschlusskappen.
Blechdruck Schon über 130 Jahre alt ist der Blechdruck, das erste indirekte Druckverfahren überhaupt. Heute werden die Blechtafeln auf umgebauten Bogenoffsetmaschinen mit UV-Farben und -Lack bedruckt. (dk)
Bedruckte oder gravierte Schweizer Messer zählen zu den beliebtesten Werbegeschenken.
Computer-to-Screen mit dem Lüscher JetScreen.
Optimale Qualität liefert der wasserlose Offsetdruck mit UV-härtenden Farben auf CDs/DVDs mit der Metronic CD-Print.
Computermäuse und Mousepads sind Klassiker für Sieb- und Tampondruck.
Drehknöpfe für Heizungen und Maschinen – ein Fall für den Tampondruck. Foto: Printing Intl.
Mit solchen Give-aways stellen sich die Druckindustrie und ihre Lieferanten dar. Vertreten sind alle möglichen Dekorierverfahren.
Dieter Kleeberg
Wirklich geschmackvollDass Tabletten und Pharmakapseln mit Lebensmittelfarbe bedruckt werden, überrascht nicht weiter. Etwas Besonderes ist das Bedrucken von Schokolade und Pralinen mit farbiger Schokoladenmasse oder bunter Paste, manchmal in Verbindung mit individuellen Gussformen – der Krea-tivität sind kaum Grenzen gesetzt. Hierfür gibt es sogar spezielle Lebensmittel-Siebdruckmaschinen, z. B. die RukoPrint RP 2.2. Das Repertoire des Schokoladendrucks reicht von Confiserie-Kleinauflagen bis hin zu industriellen Grossauflagen von Hohlkörpern, z. B. Weihnachtsmänner und Osterhasen. Traditionsbedingt gehört die Schweiz zu den Schokoladendruckpionieren.
Gegenstände bedruckenViele Druckdienstleister, die auf die Bedruckung von Gegenständen und Textilien spezialisiert sind, setzen Sieb- und Tampondruckmaschinen gemeinsam ein. Die Siebdruck- wie auch die Tampondruckmaschinen sind nach bestimmten Logistikszenarien ähnlich konzipiert. So gibt es getaktete Linien mit Druckstationen, die das Objekt passiert, oder das Druckmodul befindet sich über einem drehenden Rundschalttisch, auf dem die Objekte positioniert, bedruckt und ausgeworfen werden. Andere Lösungen sehen eine Schwingförderzu- und -abführung der Objekte vor. Weiter gibt es Karussellmaschinen, bei denen sich vier oder mehr Druckmodule über dem Objekt drehen und nacheinander zum Bedrucken absenken. Im Rotationstampondruck laufen die zumeist kleinen Objekte auf Förderketten dicht über- und nebeneinander.
Im Sieb- und Tampondruck kommt es auf eine exakte und sichere Positionierung der Objekte an. Für viele zu bedruckende Gegenstände wird ein genau passendes Gegenstück benötigt, das als zuverlässige Halterung agiert. Denn nicht immer reichen universelle Förder-, Greif- und Klemmwerkzeuge aus. Auch in der Dimensionierung der Maschinen spiegelt sich die Eignung für bestimmte Objektgrössen wider. So gibt es eine Vielzahl dedizierter Maschinenkonzepte. Diese werden auch mit Siebdruckmodulen kombiniert, z. B. für die Weissgrundierung im CD- oder Glasdruck.
Digitaldruck ist im KommenDie Zeiten sind vorbei, in denen Indigo, Anbieter von Digitaldrucksystemen, krampfhaft nach exotischen Vermarktungsmöglichkeiten und abenteuerlichen Anwendungen suchte. Die an der Fachmesse drupa 95 vorgestellte Indigo Omnius für das direkte und individualisierte Bedrucken von Getränkedosen verschwand nach dem Verkauf weniger Systeme aus dem Portfolio. Heute, unter der Firmierung HP Indigo, bezieht sich das «Industrial Printing» im Wesentlichen auf die Bedruckung zweidimensionaler Objekte wie Mousepads und Plastikkarten.
Für zwei- und dreidimensionale Objekte empfiehlt sich mehr denn je das Inkjetdruckverfahren. Längst hat es das Stadium der simplen Markierung von Schraubverschlüssen, Deckeln, Dosenböden, Faltschachteln und anderen Verpackungen mit dem Verfallsdatum überwunden. Zweidimensionale Gegenstände wie CDs, Plastikkarten, Mousepads und Leder sind leichte Übungen.
Im Kommen sind Flachbett-Drucksysteme, die mit optimierten UV-Tinten mühelos starre Substrate mit mehreren Zentimetern Dicke bedrucken: Schilder, Türen, Keramikfliesen. Damit machen sie dem Siebdruck weiteres Terrain streitig, selbst der grossflächige Weissvordruck wird bereits angeboten.
Nach dem Durst Rho drängen heute mehrere Systeme auf den Markt: Lüscher JetPrint UV, Spühl Virtu rs und Zünd UVjet aus der Schweiz sowie Gandinnovations JetiUV, Grapo Octopus, Inca Columbia/Spyder, NUR Tempo L, Océ Arizona UV, Tampoprint CP/DMD und Vutek PressVu UV aus dem Rest der Welt.
Eine Sonderstellung nimmt der Tampoprint DMD U 1500 ein: In Sonderausführungen, bei denen das Druckmodul entsprechend hoch über dem Flachbett arretiert ist, kann er Gegenstände bis zu einem Meter Dicke bedrucken, z. B. komplette Kühlschränke. Sogar gewölbte und strukturierte Objekte stellen für ihn kein Problem dar: fotorealistisch bedruckte Motorhauben (war letzten Mai an der drupa zu sehen), Garagentore und Heizkörper, mit Werbung bedruckte Biergartenbänke und -tische, mit Holzimitation dekorierte Möbel. Darüber hinaus kann der DMD U 1500 alle Arten von Tinten verarbeiten. Die deutsche Tampoprint, einer der grössten Tampondruckmaschinenhersteller, begreift das Inkjetverfahren als digitale Ergänzung – genau wie schon seit Jahren für den Siebdruck.
Indirekte DekorationOft ist es fertigungstechnisch unvorteilhaft oder unmöglich, die Gegenstände direkt zu bedrucken. Ein Ausweg ist der Druck und Transfer von Vordrucken. Bedruckt werden in solchen Fällen entweder Etiketten, Schiebebilder und Dekorbahnen, mit denen die Gegenstände ausgerüstet werden, oder die Materialien, aus denen später die Gegenstände geformt werden. Neben der jeweiligen Drucktechnik ist dann zusätzlich eine dem Objekt entsprechende Transfertechnologie notwendig – meistens ein Zwischenträgermaterial und eine Vorrichtung zum Übertragen des vorgedruckten Sujets. Damit erweitert sich prinzipiell die Auswahl der einsetzbaren Druckverfahren.
Etiketten und StickerDie trivialste Lösung ist der Offset- oder Flexodruck von Etiketten, die anschliessend z. B. auf Glas- oder Plastikflaschen aufgespendet werden. Gebräuchlich sind auch selbstklebende Sticker aus dem Sieb-,
Offset-, Flexo- und Digitaldruck. Mit oder ohne Bedruckung erweisen sich Schneidplotter für die Beschriftung von Schaufenstern, Autoheckscheiben und -türen sowie von Wänden für Messestände als vorteilhaft.
DecalsAnspruchsvoller ist die Herstellung und Übertragung von Decals – neudeutscher Sammelbegriff für Schiebe- und Abziehbilder. Immer wieder gern miteinander verwechselt, unterscheiden sich diese Druckprodukte jedoch eindeutig voneinander. Ihnen gemeinsam ist lediglich der Druck auf ein spezielles Trägerpapier, das eine wasserlösliche Schicht besitzt, um die Bilder nach einem Wasserbad auf das Objekt zu übertragen. Das Wasserbad bewirkt das Auflösen der oberen Papierbeschichtung, so dass entweder das Trägerpapier nach dem Aufbringen auf die Objektoberfläche abgeschält werden kann (Abziehbilder) oder die Bilder auf den aufgelösten Schichtresten gleitend auf die Objektoberfläche geschoben werden können (Schiebebilder). Aus dem unterschiedlichen Aufbringen resultieren entgegengesetzte Bedruckungssequenzen: Beim Schiebebilderdruck wird eine wasserfeste, membranbildende Grundierung (Schiebelack) gedruckt, darauf folgen gegebenenfalls Deckweiss und dann die bunten Druckfarben in seitenrichtiger Wiedergabe. Bei Abziehbildern ist alles umgekehrt: erst die bunten Farben in seitenverkehrter Wiedergabe, dann die Deckschicht aus Lack, der ebenfalls eine transparente Membran ausbildet, die nach dem Wasserbad zuverlässig das Druckbild trägt. Ohne Wasserbad kommen so genannte Anreiber aus, die ansonsten wie Abziehbilder gedruckt werden.
Über das einzusetzende Druckverfahren entscheiden aber andere Kriterien. Sieb- und Offsetdruck sind die erste Wahl, wenn dem Transfer kein weiterer Verarbeitungsschritt folgt – also beim Aufbringen auf Plastik (z. B. Modelleisenbahnwagen, Spielzeug, Gerätegehäuse, Computertastaturen), Holz (Spielzeug) und optisches Glas (Fenster, Brillen). Wenn nach dem Aufbringen eingebrannt oder glasiert und gebrannt werden soll, sind spezielle Druckfarben gefragt. Das Einbrennen (ca. 630 °C) wird vor allem auf dickeren bzw. gehärteten Trinkgläsern praktiziert, um die Glasbrennfarben kratz- und spülmaschinenfest zu konservieren (siehe z. B. www.rastal.ch). Keramikbrennfarben sind für Keramikfliesen, Schmuckkeramik und Porzellanmassenware erforderlich; hier werden die Decals auf die raue Objektoberfläche übertragen, bevor das ganze Objekt mit einer Glasur überzogen wird, die schlussendlich bei bis zu 1400 °C gebrannt wird. Solche Farben können zwar auch auf Glasschmelzebasis formuliert sein, müssen aber zusätzlich einen Farbumschlag kompensieren, der durch den Glasurbrand eintritt. Als wäre die Herausforderung ans Colormanagement noch nicht gross genug, hängt die gezielte Farbänderung nicht nur von der Temperatur, sondern auch von der Farbschichtdicke ab! Deshalb müssen die Keramikbrennfarben in exakter Schichtdicke verdruckt werden. Möglich ist dies nur im Siebdruck mit optimaler Schablonendicke und Gewebequalität oder im Bogentiefdruck mit gelasertem und tiefenvariabel geätztem Druckformzylinder.
Aufbügeln und AufklebenViele Copyshops bieten «Ihr Foto auf Ihrem T-Shirt» oder «Motiv Ihrer Wahl auf Ihrer Kaffeetasse» an. Am schnellsten ist der seitenverkehrte Druck mit einem digitalen Farbkopierer oder Farblaserdrucker auf eine Transferfolie, von der das Druckbild in speziellen Heisspressen auf das T-Shirt aufgebügelt wird. Kopierer und Inkjetdrucker kommen für den Transfer via Folie auf Kaffeetöpfe und ähnliche Souvenirs in Frage. Vergleichbare Verfahren gibt es auch für Siebdruckfolien, dann meistens, um unter Verwendung von Transfervorrichtungen mit ebenen oder gewölbten Druckflächen das Bild auf Textilien und Baseball-Caps zu übertragen.
Dekorbahnen für MöbelHier regiert der Rollentiefdruck. Einige wenige spezialisierte Betriebe produzieren Tonnen von Dekoren mit Holzimitationen für die Möbelindustrie. Die Druckformzylinder müssen endlos-nahtlos graviert sein, also ein Rapportdekor drucken können. Der Druck selbst läuft innerhalb engster Farbwiedergabe- und Passertoleranzen. Bevor die Drucker die bedruckte Papierbahn wieder aufrollen bzw. konfektionieren, wird als Finishing Kunstharz aufgetragen bzw. die Bahn in Harz getränkt. Von den Möbelbaubetrieben werden die Dekorpapiere dann mit Kaltleim auf die Holz- und Pressspanteile kaschiert. Ist Hochglanz gewünscht, wird ein zusätzlicher Lack aufgetragen, der poliert werden muss.
Blechtafeln und GetränkedosenBlechtafeln schliesslich werden auf umgebauten Bogenoffsetmaschinen mit UV-Farben und -Lack bedruckt. Diese Blechvordrucke sind oft das Halbprodukt, aus dem auf speziellen Verarbeitungsanlagen Getränkedosen, Kronkorken, Blechschachteln etc. geformt und zusammengesetzt werden. Nicht selten passiert dies in Verbindung mit dem Befüllen der Verpackung.
Dekorierverfahren im ÜberblickSiebdruck Das älteste direkte Dekorierverfahren ist der Siebdruck. Die Siebdruckform besteht aus Siebgewebe, das partiell mit Schablonenmaterial abgedeckt ist, und dem Rahmen. Entweder ist das Siebgewebe mit mittlerer Spannung in einen Rahmen eingespannt (Flachsieb) oder mit hoher Spannung zu einer Trommel geformt (Rundsieb). Die Druckfarbe gelangt auf das Objekt, indem eine Rakel die Farbe in die Siebmaschen hineindrückt und somit die bereits in den Maschen befindliche Farbe herauspresst. Siebdruckmaschinen sind unterschiedlich weit automatisiert; vollautomatische Strassen findet man vor allem beim Bedrucken von leicht zu handelnden Objekten, z. B. CDs/DVDs, Plastikkarten und Textilbahnen. Ein Vorteil des Siebdrucks sind die hohen Farbschichtdicken. Dadurch lassen sich ohne weiteres grössere Effektpigmentpartikel einbetten. Da das Druckbild fühlbar erhaben aufgebracht wird, eignet sich der Siebdruck z. B. für Blindenschrift, gedruckte Schaltkreise und Keramikschiebebilder.
Tampondruck Wenn die Farbschichtdicke nicht sonderlich hoch sein muss, ist der Tampondruck der einfachste Weg: Auf Grund der zahlreichen und leicht austauschbaren Tamponformen und -grössen lässt sich immer die ideale Art und Weise der Bedruckung finden. Tampons sind so elastisch, dass sie sich regelrecht an die Objektform anschmiegen und sogar Innenwandungen erreichen. Immer erfordert die Bebilderung der Tampondruckklischees die Berücksichtigung der Objektoberflächenform bzw. der entsprechenden Tamponform. Die Sujets müssen in Abhängigkeit davon verzerrt werden.
Indirekter Tiefdruck Der indirekte Tiefdruck ist der Anwendung in Tampondruckmaschinen vorbehalten. Im Flachformdruck werden flache Fotopolymerklischees verwendet. In Geräten, die einem Kontaktgrill oder Waffeleisen ähneln, erfolgt die Belichtung durch den Kopierfilm hindurch. Tampoprint entwickelte lasergravierbare Aluminiumoxidklischees als Alternative. Für den Rotationstampondruck sind Polymer- und Metallklischees erforderlich, die auf einen Zylinder aufgespannt werden und über rotierende Tamponwalzen massenhaft kleine Oberflächen bedrucken, z. B. Verschlusskappen.
Blechdruck Schon über 130 Jahre alt ist der Blechdruck, das erste indirekte Druckverfahren überhaupt. Heute werden die Blechtafeln auf umgebauten Bogenoffsetmaschinen mit UV-Farben und -Lack bedruckt. (dk)
Bedruckte oder gravierte Schweizer Messer zählen zu den beliebtesten Werbegeschenken.
Computer-to-Screen mit dem Lüscher JetScreen.
Optimale Qualität liefert der wasserlose Offsetdruck mit UV-härtenden Farben auf CDs/DVDs mit der Metronic CD-Print.
Computermäuse und Mousepads sind Klassiker für Sieb- und Tampondruck.
Drehknöpfe für Heizungen und Maschinen – ein Fall für den Tampondruck. Foto: Printing Intl.
Mit solchen Give-aways stellen sich die Druckindustrie und ihre Lieferanten dar. Vertreten sind alle möglichen Dekorierverfahren.
Dieter Kleeberg
