Premedia & Print Katalogproduktionen verlangen passende Druckverfahren und einen standardisierten Crossmedia-Workflow.Standardisierung ist das A und O der Gewinn bringenden Katalogproduktion. Vorgefertigte Produktstrukturen und Schnittstellen sowie automatisierte Abläufe sind dabei kein Widerspruch zu individuellen Kundenwünschen und flexiblen Lösungen, sondern eine Voraussetzung. Denn heute handelt es sich bei Katalogproduktionen fast immer um Crossmediaprojekte. Das bedeutet, dass aus ein und demselben Datenbestand verschiedene Medien bedient werden: Print, Web und CD-ROM. Aus diesem Grund muss die Planung sehr detailliert erfolgen (siehe Kasten).Bei einer Fullservice-Betreuung des Kunden umfasst der Premedia-Workflow das Erstellen, Übernehmen und Verwalten von Textinhalten, Bildern und Grafiken. Die übernommenen Textinhalte (Warengruppen/-namen, Erläuterungen/ Testimonials, Optionen, Schlüssel-/ Bestellnummern, Abmessungen/Gewichte/Konfektionsgrössen, Preise, Querverweise) bilden das Gerüst des Kataloges. Ideal ist der Import strukturierter Daten direkt aus dem Warenwirtschaftssystem des Kunden. Sollen Foto- und Videoaufnahmen erfolgen, müssen die Waren und eine Liste auf Basis des Warenwirtschaftssystems bereitgestellt werden. In dieser Phase empfiehlt sich bei geplanten Sprachversionen die Übersetzungsarbeit unter Berücksichtigung eventueller Auslandspreise.
Die Bilder kommen meistens aus der digitalen Studiofotografie. Die Fotografen betten heutzutage oft ICC-Profile in die Photoshop-Dateien ein, um damit eine konsistente Farbwiedergabe der Bilder zu ermöglichen. Übernommen oder erstellt werden müssen auch Corporate-Design-Elemente des Kunden, also Logos, Schriften, Schmuckfarbendaten und digitale Grafiken.
Contentmanagement mit XMLAlle erstellten und übernommenen Inhalte landen in einer Mediendatenbank, die von einem Content-management-System verwaltet wird. Dazu «markiert» das System diese Dateien mit Metadaten, das heisst, es werden Schlagworte (Warenname, Schlüssel-/Bestellnummern, Preise, Versionen etc.) teils automatisch durch XML-Export, teils manuell zugeordnet. Dabei sollten seitens der Urheber (Kunden, Fotografen) Rechtevermerke bereits eingetragen sein (Microsoft Office «Eigenschaften», Photoshop «Datei-Informationen»). Dann lassen sich die Dokumente auch nach den Metadaten ablegen, sortieren und aufrufen.
Die Extensible Markup Language (XML), ein wichtiger Automatisierungsfaktor, ist eine HTML-verwandte Metasprache, die zum Markieren der Dateien mit Metadaten verwendet wird. Das besondere Potenzial von XML liegt darin, dass bei Texten, Bildern und Grafiken, die aus elektronischen Dokumenten stammen (z. B. Word-, Excel-, PDF- oder Layoutdatei), welche nach XML exportiert wurden, die Beziehungen untereinander erhalten bleiben. Diese Seitenelemente können also ohne weiteres skaliert, ein-/umgefärbt, gedreht, verschoben, in der Auflösung verändert oder zwischen Versionen ausgetauscht werden.
Printlayout als Basis
In der Regel gilt der gedruckte Katalog als Hauptprodukt; Web und CD sind technisch gesehen Nebenprodukte. Deshalb ist der nächste Schritt die Gestaltung der Druckseiten. Hierbei greifen die Layouter, die mit QuarkXPress oder Adobe InDesign arbeiten, auf die Mediendatenbank zurück. Sollen verschiedene Versionen erzeugt werden, bietet sich dank XML die Roundtrip-Methode an: Aus der Layoutdatei werden die Inhalte samt XML-Daten exportiert, hinsichtlich der neuen Sprach- und/oder Preisversion bearbeitet (z. B. durch die entsprechenden XML-markierten neuen Daten ersetzt) und wieder ins unangetastete Layout importiert. Den Abschluss der Premedia-Schiene für den Druck bildet der Export der Katalogseiten via Acrobat Distiller ins PDF.
Grosse Versandhäuser lassen oft zusätzlich Special-Interest-Editionen mit ausgewählten Warengruppen produzieren. Interessant ist auch der Trend zu massstäblich verkleinerten Zweitausgaben des Gesamtkataloges im Taschenbuchformat.
Das XML-exportierte Printlayout dient zugleich als Basis für die CD- und Webproduktion. Nun können, zum Beispiel mit Adobe FrameMaker, die Seitenelemente entsprechend dem neuen Zielmedium optimiert werden – weitestgehend automatisch in Verbindung mit der Mediendatenbank: Die Warengruppen werden in übersichtlichen Menüs zusammengefasst und verlinkt, die Bilder und Grafiken erhalten niedrigere Auflösungen und werden als JavaScript-klickbare SVGs (Scalable Vector Graphics) mit einer vergrösserten Darstellung oder einem kurzen Videoclip verknüpft, Buttons und elektronische Formulare ergänzen bzw. verändern das Erscheinungsbild. SVGs sind Bilddateien, die mit Interaktivität versehen wurden oder die mehrere Sprachversionen in ihren Bildebenen aufweisen.
Im Gegensatz zu einer CD, die wie der gedruckte Katalog ein Offline-Medium ist, bietet der Katalog im Internet nahezu unbegrenzte
E-Commerce-Möglichkeiten! Auch hier sind Standardbausteine wieder von Vorteil: Der Mediendienstleister wird nicht jedes Mal von null an programmieren, sondern fertige Lösungen nutzen, beispielsweise eSystems Shopmaker, in deren vorgegebene Strukturen lediglich die Kundeninhalte aus der Mediendatenbank und die Layoutideen einfliessen – spezielle XML-Vokabulare für E-Commerce und Online-Marktplatzsysteme
(z. B. BMEcat, ebXML, eCl@ss, UNSPSC, XForms) machen es möglich. Durch automatische Bestellauswertung lassen sich sogar Beratungsfunktionen generieren: So listet der Internetbuchversand Amazon bei jedem abgefragten Produkt auf, für welche ähnlichen Titel sich andere Käufer noch entschieden haben.
Print und FinishingAuflagenhöhe und Seitenumfang eines Kataloges entscheiden über das Druckverfahren. Dominierend bei den Versandhauskatalogen ist der Tiefdruck deutlich vor dem Heatset-Rollenoffset. Berücksichtigt man jedoch auch Kataloge mit geringeren Seitenumfängen und niedrigeren Auflagen, hat der Offsetdruck insgesamt ein leichtes Übergewicht.
Unabhängig davon wird bei hochvoluminösen Tiefdruck- oder Heatset-
Katalogen der Umschlag oftmals vom Bogenoffsetdruck beigesteuert.
Tiefdruck und Heatset sind qualitativ ebenbürtig. Ikea lobt jährlich die qualitativ beste Tiefdruckerei für ihre in mehreren Ländern gedruckten Kataloge.
Ein kleines, aber stetig wachsendes Anwendungsgebiet ist der On-Demand-Druck von sehr kleinen oder stark gesplitteten Katalogauflagen. Dann bietet sich der toner- oder tintenbasierte Digitaldruck an. Der Seitenumfang spielt dabei keine Rolle; es ist kein Problem, digital mehrere 1000 Seiten in sortierter Reihenfolge auszudrucken. Darüber hinaus kommen im Versandraum Inkjetsysteme für den Adresseneindruck auf den Umschlag oder in Umschlagfenstern zum Einsatz.
Wichtig ist, dass bei hohen Seitenumfängen die Weiterverarbeitungstechnik – vor allem Falzbogenlogistik und Kapazität im Dreiseitenbeschnitt – dafür ausgelegt ist. Zweckmässig sind Diskus-Zwischenlagersysteme als Kapazitätspuffer zwischen Druck- und Falzmaschine. In Zeitschriftendruckereien sind solche Systeme vorhanden, weshalb diese Betriebe oft auch im Katalogdruck engagiert sind. Abschliessend werden die Kataloge in Schrumpffolien oder Tragebeutel eingeschweisst.
Planungskriterien bei der KatalogproduktionOrganisation und Volumen Allgemein: Auflagenhöhe/Seitenumfang (Druckverfahren!), Jahres-/ Saison-Editionen. Contentmanagement: Bild- und Textübernahme aus Office-Programmen, Datenbanken, Warenwirtschaftssystemen (XML-kompatibel, Intranet-Anbindung).
Crossmedia: Mehrfachverwendung der medienneutral vorgehaltenen Katalogdaten (Print, CD, Web), Versionierung. Distribution: adressiert (Post, Kurier), Beileger in Printprodukten/Verpackungen, Web-Download (mit Erfassen der Kundendaten).
Kreative Gestaltung/Illustration Allgemein: Produktfotos, Anwendungsfotos (Screenshots, Action), CAD-Zeichnungen, Schemata, Diagramme, Markenlogos. Bilderstellung: digitale Studiofotografie, Models/Locations buchen, Grafiken erstellen. Layout: einheitliche oder individuelle/wechselnde Aufmachung, Bildplatzierung frei oder nach Schema. Erster Eindruck: emotional, originell, seriös, technisch, übersichtlich. Versionen: Format- und Sprachversionen (Übersetzer beauftragen), Special-Interest-Editionen. Convenience: Stichwort-Index (Seitenzahlen, Links), Produktgruppen (verschiedenfarbig,
Piktogramme, Querverweise, digitale Finder), Bestellnummern.
Preisdarstellung: direkt neben den Produkten, tabellarisch, in separater Preisliste. Bestellmöglichkeiten: perforierte Postkarten, Faxformular,
E-Mail, Telefon-Hotline, Aussendienst, Onlineshopping (Warenkorbsystem, Zahlungsweise Kreditkarte/Rechnung/Nachnahme).
Funktion und Business Allgemein: Versandhandel, Internethandel, Vertriebsunterstützung, Beratung, Kundenbindung, Image.
Zielgruppe: Privatendkunden (Consumer), Firmenendkunden (Geschäftsführer, Büro/Verwaltung, Einkauf, Technik/Support), Handel (Einkauf, Vertrieb/Verkauf). Branche: Industrie, IT/Elektronik, Möbel, Bekleidung, Allround, Reise/Touristik, Bücher (Verlag, Buchhandel) etc.
Response: Marketing- und Messinstrument für die erfolgreiche Platzierung der Produkte im Markt. (dk)
Tiefdruck: Die Druckformzylinderbreite der KBA TR12 beginnt bei 4,32 m – bei entsprechendem Zylinderumfang bietet sie Platz für bis zu 288 A4-Katalogseiten.
Mit der XTension Atomik Roundtrip von Easypress können in QuarkXPress verschiedenen Versionen eines Katalogs erzeugt werden.
Dank XML können Inhalte auch im Internet publiziert werden.
Dieter Kleeberg