Alter schützt vor Werbung nicht
Seniorenmarketing Silver surfer, master consumer, best ager – Menschen über 50 werden immer wichtiger. Ein Leitfaden zeigt, wie sie umworben werden wollen.
Seniorenmarketing Silver surfer, master consumer, best ager – Menschen über 50 werden immer wichtiger. Ein Leitfaden zeigt, wie sie umworben werden wollen.Laut einer Studie von Axel Springer besitzen und benutzen heute 82 Prozent aller Deutschen ein Mobiltelefon. Das sind wohl alle, die mobil telefonieren können und wollen. Bei einer solchen Marktdurchdringung können die Anbieter nur noch in Nachbars Garten Kirschen klauen. Oder sie werben um die, wie es so schön heisst, reifen Kunden. Denn nur gerade 29 Prozent der über 50-Jährigen haben ein eigenes Handy.Menschen über 50 sind eine Zielgruppe mit Zukunft, nicht nur für Mobilfunkanbieter. Das belegt die Demografie: In Westeuropa ist heute ein Sechstel aller Menschen 64 Jahre alt oder älter, 2040 wird es ein Viertel sein. Und diese Leute besitzen eine vergleichsweise hohe Kaufkraft. Kein Wunder, werben immer mehr Firmen um deren Gunst.
Doch werben sie richtig darum? Nein, meinen Hanne und Gundolf Meyer-Hentschel. Die beiden deutschen Marktforscher, die als Wegbereiter des Seniorenmarketings in Europa gelten, kritisieren Händler, Dienstleister, Marketer und Werber gleichermassen. Ihre Rüge auf den Punkt gebracht: Produkte, Dienstleistungen und die Werbung dafür sind nicht zielgruppengerecht.
Doch sie zeigen auch, wer es wie besser macht. Zum Beispiel Beiersdorf. Der deutsche Kosmetikproduzent erkannte bereits Mitte der 90er-Jahre, dass ältere Menschen nicht nur häufiger einkaufen als früher, sondern auch genau wissen, was sie wollen. Darum lancierte Beiersdorf eine Pflegeserie für Menschen mit «reifer Haut» – ein Volltreffer, vor allem bei Frauen.
Nicht nur Hersteller, auch Händler können viel lernen. Etwa von Adeg, einer österreichischen Supermarktkette, die zwei «50plus» genannte Filialen hat. Dort sind die Preisschilder grösser, am Eingang gibt es Lupen oder Lesebrillen, und die Einkaufswagen haben eine Bremse. Zudem sind alle Mitarbeiter älter als 50 und verstehen darum die Anliegen ihrer Kunden.
Darin liegt laut den Meyer-Hentschels der Schlüssel zum Erfolg: Wer seine Zielgruppe versteht, kann sie richtig bedienen. Denn ältere Menschen sind erfahrener und darum auch anspruchsvoller; sie wollen verständlich informiert werden und kaufen nur, was ihnen nützt. Auf Image und entsprechende Kampagnen legen sie weniger Wert.
Wer sich für das Thema (und den Trend) interessiert, ist mit diesem Leitfaden gut bedient. Auf 56 Seiten fassen die Autoren das wichtigste Wissen aus Praxis, Theorie und ihrem 824 Seiten dicken «Handbuch Seniorenmarketing» zusammen. Das Büchlein sieht zwar wie
eine Diplomarbeit aus, doch der Inhalt überzeugt.
> Seniorenmarketing von Hanne und Gundolf Meyer-Hentschel. Business Village, Göttingen 2004. 56 Seiten, 35 Franken.
Doch werben sie richtig darum? Nein, meinen Hanne und Gundolf Meyer-Hentschel. Die beiden deutschen Marktforscher, die als Wegbereiter des Seniorenmarketings in Europa gelten, kritisieren Händler, Dienstleister, Marketer und Werber gleichermassen. Ihre Rüge auf den Punkt gebracht: Produkte, Dienstleistungen und die Werbung dafür sind nicht zielgruppengerecht.
Doch sie zeigen auch, wer es wie besser macht. Zum Beispiel Beiersdorf. Der deutsche Kosmetikproduzent erkannte bereits Mitte der 90er-Jahre, dass ältere Menschen nicht nur häufiger einkaufen als früher, sondern auch genau wissen, was sie wollen. Darum lancierte Beiersdorf eine Pflegeserie für Menschen mit «reifer Haut» – ein Volltreffer, vor allem bei Frauen.
Nicht nur Hersteller, auch Händler können viel lernen. Etwa von Adeg, einer österreichischen Supermarktkette, die zwei «50plus» genannte Filialen hat. Dort sind die Preisschilder grösser, am Eingang gibt es Lupen oder Lesebrillen, und die Einkaufswagen haben eine Bremse. Zudem sind alle Mitarbeiter älter als 50 und verstehen darum die Anliegen ihrer Kunden.
Darin liegt laut den Meyer-Hentschels der Schlüssel zum Erfolg: Wer seine Zielgruppe versteht, kann sie richtig bedienen. Denn ältere Menschen sind erfahrener und darum auch anspruchsvoller; sie wollen verständlich informiert werden und kaufen nur, was ihnen nützt. Auf Image und entsprechende Kampagnen legen sie weniger Wert.
Wer sich für das Thema (und den Trend) interessiert, ist mit diesem Leitfaden gut bedient. Auf 56 Seiten fassen die Autoren das wichtigste Wissen aus Praxis, Theorie und ihrem 824 Seiten dicken «Handbuch Seniorenmarketing» zusammen. Das Büchlein sieht zwar wie
eine Diplomarbeit aus, doch der Inhalt überzeugt.
> Seniorenmarketing von Hanne und Gundolf Meyer-Hentschel. Business Village, Göttingen 2004. 56 Seiten, 35 Franken.
Roger Hausmann
