Gut gebrüllt, Nilpferd

Fundraising Publicis hat für den Zoo Zürich in die Trickkiste von Pariser Staranimatoren gegriffen.

Fundraising Publicis hat für den Zoo Zürich in die Trickkiste von Pariser Staranimatoren gegriffen.
Er gilt als König der Tierwelt. Im Zoo muss er aber vielerorts wie ein Schwerverbrecher hinter Gittern darben. Das soll sich ändern. Der Zürcher Zoo hat sich zu seinem 75-jährigen Bestehen im letzten Jahr eine angepasstere Stallung für die edlen Raubkatzen gewünscht. Ein Staraufgebot engagiert sich seither für das neue Löwengehege. Und wenn eine Agentur einen Löwenkopf in ihrem Logo hat, will sie bei dieser Jagd nach Geldern für die Löwen natürlich an vorderster Stelle mitwirken. Die Zürcher Agentur Publicis hat beim Pariser Studio Mac Guff Line einen Trickfilm produzieren lassen. Dieser soll dafür sorgen, dass die nötigen 7,5 Millionen Franken für das Gehege schneller zusammenkommen. Den beiden Filmfiguren hat der über die Schweizer Grenzen hinaus erfolgreiche Musiker Marc Sway seine Stimme geliehen.
Die Hauptdarsteller im Trickfilm sind Pat und Stanley, ein Nilpferd und ein Hund. Für den guten Zweck legen die beiden eine Gesangs- und Tanzeinlage à la «The Lions King» hin. Sie intonieren aus voller Brust «In the town, the nice Swiss town, the lion needs your help». Zum Schluss erscheint die Schrift: «Wir singen für das neue Löwengehege. Helfen auch Sie: PC-80-804-4.»
Der TV- und Kinospot wird im Zoo bei einer Gala zum Spatenstich der neuen Löwenanlage am 30. März auf Grossleinwand gezeigt, live begleitet von Marc Sway. Dann ist der Film in diversen Schweizer Kinos zu sehen und wird auf TeleZüri und Star TV ausgestrahlt.
Der Indische Löwe ist bedroht Wer spendet, verhilft Indischen Löwen zu mehr Lebensqualität. Mit 200 Franken wird man in Tages-Anzeiger und Zürichsee-Zeitung erwähnt. Ab 1000 Franken gibt es zusätzlich eine Einladung zur Eröffnung der Anlage. Wem die Löwen 10000 Franken wert sind, soll auf einer Donatorentafel in der neuen Anlage verewigt werden.
In diese kommt ein Löwe, der seit 1991 in Zürich lebt. Damals ist Baghirat als Geschenk der indischen Regierung zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft gekommen.
In seiner alten Heimat bewohnten Löwen ursprünglich ein grosses Verbreitungsgebiet, das sich von der arabischen Halbinsel, Palästina, Mesopotamien, Kleinasien bis nach Vorderasien erstreckte. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde diese Löwenart durch die Jagd immer mehr nach Osten zurückgedrängt.
Um dem Aussterben der Indischen Löwen entgegenzutreten, arbeiten die indischen Naturschutzbehörden eng mit den zoologischen Gärten zusammen. Seit 1991 hat sich der Bestand im Erhaltungszuchtprogramm in Europa auf 80 vermehrt. Dieses internationale Erhaltungszuchtprogramm in zoologischen Gärten ist damit zu einem wesentlichen Teil der Erhaltung dieser seltenen Löwen geworden.
Moderne Zoos sehen sich als Naturschutzzentren und haben gemeinsam eine Welt-Zoo-Naturschutzstrategie formuliert, die von der Internationalen Naturschutz-Union mitgetragen wird. Die vom Zoo Zürich 1992 formulierte Strategie stützt sich darauf und wird den Zoo Zürich zu einem der modernsten Zoos der Welt machen. Ein Kernstück ist der Masoala-Regenwald. Ein attraktives Naturerlebnis mit Tieren und Pflanzen im Mittelpunkt soll die Herzen der Besucher erobern. In Zürich sind rund 2000 Tiere in über 260 Arten zu sehen.
Stars für den KingDie 3-D-Animation für den Sammelspot zum Löwengehege wurde von Pierre Coffin und Jacques Bled vom international renommierten Produktionsstudio Mac Guff Ligne realisiert. Mac Guff Ligne wurde 1986 in Paris gegründet und sorgte mit einer 40-teiligen Miniserie auf MTV und später mit einem Musikvideo für Neneh Cherry für Aufsehen. Heute produziert Mac Guff Ligne Animationen für Werbeagenturen in der ganzen Welt wie BBC in England, Snickers in Russland, Mercedes in den USA oder Nissan in Japan.
Auch die Stimme von Pat und Stanley ist hitverdächtig: Sie gehört dem Zürcher Popstar Marc Sway. Der Sohn eines Schweizers und einer
Brasilianerin wurde vor drei Jahren von BMG München entdeckt. Letztes Jahr eroberte die Debüt-Single «Natural High» in kürzester Zeit die deutschen Airplaycharts.
Der Zoo-Song wurde von Renzo Selmi komponiert und im Zürcher Tonstudio Selmi aufgenommen. (pan)
Spass mit ernsthaftem Hintergrund: Ein Nildpferd und ein Hund trommeln im Duett Geld für das neue Löwengehege im Zoo Zürich zusammen.
Brustton der Überzeugung: Marc Sway beim Vertonen des originellen Benefiz-Spots.
Andreas Panzeri

SFLB wirbt für Migros-Mode

Detailhandel Die Migros hat Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) mit ihrem Werbebudget für Mode betraut. Die Agentur setzte sich mit einem langfristig einsetzbaren Kreativkonzept gegen die Mitbewerber durch.

Detailhandel Die Migros hat Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) mit ihrem Werbebudget für Mode betraut. Die Agentur setzte sich mit einem langfristig einsetzbaren Kreativkonzept gegen die Mitbewerber durch.Erste Arbeiten werden im Spätsommer zu sehen sein.

IP guckt bei PubliGroupe ab

Vermarkter Strategiewechsel am Goldbach: IP Multimedia (Schweiz) steigt ins Lokal-TV-Geschäft ein. Und sie will neu auch für Radio, AdScreen und Online den lokalen Markt bearbeiten.

Vermarkter Strategiewechsel am Goldbach: IP Multimedia (Schweiz) steigt ins Lokal-TV-Geschäft ein. Und sie will neu auch für Radio, AdScreen und Online den lokalen Markt bearbeiten.Bisher fokussierte die IP Multimedia (Schweiz) auf den nationalen oder sprachregionalen Markt. Entsprechend vermarktete sie neben ihren TV-Werbefenstern und Energy Zürich primär Radiopools sowie ganze Ad-Screen-Netze, und auch im Onlinebereich betreute sie vorwiegend nationale Kunden.Nun ändert sie diese Strategie per 1. April: Die IP will künftig für alle ihre elektronischen Medien auch den lokalen Markt bearbeiten. «Wir wollen nun auch dieses Potenzial ausschöpfen», sagt IP-CEO Michi Frank.
Wie gross dieses ist, kann er zwar noch nicht beziffern, doch hat er nun lange genug der PubliGroupe über die Schultern geschaut und gesehen, wie gut dort das Geschäft mit den Gelben Seiten (LTV) funktioniert. Und mehr noch: Dieser Markt scheint krisenresistent zu sein, hat doch der entsprechende P-Bereich PubliDirect auch in den letzten Jahren stetig zugelegt. «Das, was die PubliGroupe mit LTV macht, übertragen wir nun auch auf die elektronischen Medien. Wir diversifizieren in den lokalen Markt», sagt Frank.
Das bedeutet für die IP zweierlei: Zum einen steigt sie nun in einen Bereich ein, den sie bisher andern überlassen hat – in die Vermarktung der Lokal-TVs. Drei Vermittlungsverträge mit den Stationen TeleZüri, TeleBasel und TeleBärn sind bereits unterzeichnet, mit weiteren wird noch verhandelt. «Wir konzentrieren uns auf die grossen Städte und kommen bewusst nicht mit einer nationalen Strategie», betont Frank.
Zudem muss die IP nun in die lokalen Märkte hineingehen und dort vor Ort präsent sein. Dazu eröffnet sie zusätzlich zu den bestehenden Vertretungen in Küsnacht ZH, Biel und Lausanne zwei weitere Filialen in Basel (1. April) und Bern (1. Mai). Sieben neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden eingestellt. «Wir wollen nah bei den neuen lokalen Kunden sein, gleichzeitig sind wir so aber auch den nationalen Kunden in den Zentren näher», sagt Frank.
Jede der nunmehr fünf Filialen funktioniert als eigenständiges Crossmediazentrum: Die Teams sind in der Lage und haben den Auftrag, alle elektronischen Medien und Netze im Portfolio der IP zu verkaufen. «One face to the customer», so lautet Franks Devise. Falls die Sache gut anläuft, erwägt die IP zudem schon jetzt die Eröffnung weiterer Filialen in der Ost- und Zentralschweiz sowie in der Schweizer Sonnenstube. «Im Tessin haben wir ohnehin bereits einen Mitarbeiter für Ad-Screen», sagt der IP-Multimedia-CEO.
In diesem Jahr sollen die IP-Aussenposten aber zuerst einmal die für das Unternehmen neuen Märkte kennen lernen, Kontakte aufbauen und sich entsprechende Kompetenz aneignen. Insbesondere gilt es, bei den KMU zunächst die Akzeptanz für das Medium TV zu erhöhen und das Image vom teuren Werbemedium abzubauen, indem man über die «wahren Kosten» aufklärt.
Beim Medium TV erwartet die IP dieses Jahr folglich noch keinen «Return on Investment» aus den lokalen Märkten. Anders im Online- und Ad-Screen-Bereich: «Mit dem, was wir mit lokalen Kunden generieren, wollen wir bereits Geld verdienen», sagt Frank. Er schätzt, dass Umsätze von je einer Million Franken drinliegen sollten.
«Wir glauben, dass wir Bewegung in diese Märkte bringen können», fasst Frank zusammen. Und Klaus Kappeler, CEO der IP-Mutter Goldbach Media, doppelt optimistisch nach: Mit dem Einstieg in die Vermarktung der Lokal-TVs ziele die IP nicht bloss auf eine Umverteilung der Budgets und Marktanteile. «Wir entwickeln den TV-Markt und bringen echtes Wachstum», sagt er.
Zwei neue UnitsDer IP-Strategiewechsel schlägt sich auch organisatorisch nieder: Zu den bestehenden Units TV (Werbefenster), Energy Zürich, Radio und Ad-Screen bildet die IP Multimedia neu die Bereiche Regional-TV und Lokalverkauf, wo rund 10 Personen beschäftigt werden. Die Leitung
Regional-TV übernimmt Philip Hofmann, für den Lokalverkauf zuständig wird Peter Isler. Und an den Standorten Küsnacht (Zürich, Ost- und Zentralschweiz), Basel (Nordwestschweiz), Bern (Bern), Biel (Mittelland) und Lausanne (Westschweiz) werden lokale Salesteams aufgebaut. Die Ansprechpartnerinnen in den neuen Aussenstellen
sind in Basel Tamara Schmid (Key Account Manager TV) und in Bern Margarita Cupin (Account Manager Ad-Screen). (mk)
«Wir haben den lokalen Markt im Griff»Walter Liechti, Verkaufsleiter bei TeleBasel, und Marcel Geissbühler, sein Kollege bei TeleBärn, bestätigen, dass sie mit IP Multimedia einen neuen Vertrag unterschrieben haben. Beide betonen, dass es sich um einen «ganz normalen Kommissionierungsvertrag» zu marktüblichen Konditionen handle.
Grosse Veränderungen erwartet Geissbühler aber nicht: «Wir hatten schon früher mit der IP einen Vertrag, Aufträge haben daraus aber nie resultiert», sagt er. «Aber wenn sie das ändern können, begrüssen wir das natürlich.»
Liechti rechnet allenfalls mit einigen wenigen zusätzlichen nationalen Kampagnen. Aber dass die IP den lokalen Markt neu aufzurollen vermag, erwartet er nicht: «Wir sind im lokalen Geschäft sehr stark geworden und haben zusammen mit den bereits akkreditierten Vermittlern letztes Jahr den regionalen Werbeumsatz verdoppelt.» Allenfalls werde sich die Konkurrenz unter den lokalen Vermittlern etwas verschärfen.
Auch Geissbühler räumt der IP im lokalen Markt wenig Chancen ein. «Die meisten Regionalsender haben ihren lokalen Markt gut im Griff, ich sehe IPs Stärken eher im nationalen Markt», meint er. (mk)
Ausbau: Neben Küsnacht, Biel und Lausanne steigt IP Multimedia auch in Basel und Bern mit Filialen ins lokale Business ein.
Markus Knöpfli

Runder Tisch für gesunde Ernährung

Ernährung Die EU nimmt die Werbung gegen Übergewicht in die Pflicht. Die Schweiz hinkt hinterher.

Ernährung Die EU nimmt die Werbung gegen Übergewicht in die Pflicht. Die Schweiz hinkt hinterher.Die Werbebranche soll gemeinsam mit der Nahrungsmittelindustrie, Konsumentenverbänden und Gesundheitsorganisationen gegen die zunehmende Fettleibigkeit vorgehen. So will es die EU-Kommission, die dazu am Dienstag die Aktionsplattform für Ernährung, körperliche Tätigkeit und Gesundheit ins Leben gerufen hat. Rund zehn Organisationen sind der Plattform beigetreten. Sie sollen bis im Sommer Vorschläge ausarbeiten, wie sie zum Kampf gegen Übergewicht beitragen können. Im Blickfeld stehen Konsumenteninformation, Erziehung, Förderung von köperlicher Bewegung, Zusammensetzung von Produkten sowie Marketing und Werbung.Zu den Mitgliedern der Aktionsplattform gehört auch die World Federation of Advertisers (WFA). Sie will sich für verantwortungsvolle Werbung und die Einhaltung von «best practice»-Verhaltensregeln einsetzen. Man sei sich bewusst, dass dieses komplexe Problem nur gemeinsam gelöst werden könne.
Über die WFA ist die Schweizer Branche an der Plattform beteiligt, denn ihr gehört auch der Schweizer Werbeauftraggeber-Verband (SWA) an. Direktor Jürg Siegrist sagte der Werbewoche, gemeinsam mit der Schweizer Werbung (SW) und dem BSW verfolge man die Entwicklung in Brüssel genau. In der Schweiz gebe es erst ein internes Arbeitspapier des Bundesamts für Gesundheit. Klar ist für Siegrist, dass für frei erhältliche Produkte auch freie Kommunikation erlaubt sein muss. «Fettleibigkeit ist ein Problem, doch darf es nicht zu Werbeverboten führen», meint auch BSW-Geschäftsführer Walter Merz.
Kein neues Verbot, aber eine strengere Auslegung bestehender Einschränkungen fordert CVP-Nationalrätin Ruth Humbel Näf. Sie hat ein Postulat eingereicht, das den Bundesrat auffordert, gemeinsam mit der Industrie Massnahmen im Kampf gegen Übergewicht zu prüfen. So sollen etwa Milchriegel nicht mehr als «gesund» angepriesen werden dürfen, wenn Zucker- und Fettgehalt zu hoch sind.
Stefano Monachesi

Limited Edition

Zigaretten Was zurzeit auf Plakatwänden begeistert, kann man nun auch in Taschenformat haben: kunstvolle Scherenschnitte, wie aus der aktuellen Parisienne-Kampagne bekannt.

Zigaretten Was zurzeit auf Plakatwänden begeistert, kann man nun auch in Taschenformat haben: kunstvolle Scherenschnitte, wie aus der aktuellen Parisienne-Kampagne bekannt.Dabei zeigen die Limited Edition Packs der Parisienne Noire verschiedene Themen, die – nebeneinander gelegt – den Ablauf eines Wintertages visualisieren. Erhältlich sind die Mini-Kunstwerke von Irina Polin aus der Kreation von Sulzer Sutter überall dort, wo es Zigaretten zu kaufen gibt.

Diskontinuität des Erfolgs

«Gewissheit ist nichts anderes als ein Mangel an Fantasie»: Diesen Satz des Philosophen Descartes schrieben sich 1996 weltweit Tausende von Werbern hinter die Ohren.

«Gewissheit ist nichts anderes als ein Mangel an Fantasie»: Diesen Satz des Philosophen Descartes schrieben sich 1996 weltweit Tausende von Werbern hinter die Ohren.Denn er stand an zentraler Stelle von «Disruption» (bildungsbürgerlich für «Unterbrechung») und fasste das Kreativitätsprinzip dieser Anleitung zum Regelbruch elegant zusammen. Dass das Sprengen kommunikativer Konventionen und Traditionen zuweilen kommerzielle Grosserfolge zeitigt, war zwar auch damals keineswegs neu. Nur hatte vor Jean-Marie Dru diese Erkenntnis noch niemand auf einen so einfachen und zugleich Eindruck schindenden Begriff gebracht. Mit dem Lehrbuch vom heutigen CEO des Agenturnetzwerks TBWA liessen sich Werbeassistentinnen und Auftraggeber gleichermassen beeindrucken. Kein Wunder, schob der findige Franzose 2002 «Beyond Disruption» nach. Dass der Zweitling nicht mal mehr auf Deutsch übersetzt wurde, liegt wohl an dessen mangelnder Sprengkraft. Lerne: Auch das beste Wortpulver ist in dieser Branche schnell verschossen.
> Disruption: Regeln brechen und den Markt aufrütteln von Jean-Marie Dru. Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1997. 280 Seiten, ursprünglich 73 Franken. (Heute vergriffen, aber antiquarisch gut und billig erhältlich.)
(oc)

Tom Kummer berichtet aus Hollywood

Zeitschriften Das Schweizer Lifestylemagazin Faces hat Tom Kummer als Kolumnisten verpflichtet.

Zeitschriften Das Schweizer Lifestylemagazin Faces hat Tom Kummer als Kolumnisten verpflichtet.Die Galionsfigur des Borderline-Journalismus, wohnhaft in Los Angeles und berüchtigt für seine gefälschten Starinterviews, kommentiert für Faces künftig die Glitzerwelt Hollywoods. Neue für Faces schreiben auch Maxim Biller und Uwe Kopf, wie Kummer ehemalige Kolumnisten des verblichenen Magazins Tempo.

Primus im Club der fünfzig

Alexander Fleischer will als neuer Präsident des Harbour Club den Berufsstand der Kommunikationschefs weiter professionalisieren.

Alexander Fleischer will als neuer Präsident des Harbour Club den Berufsstand der Kommunikationschefs weiter professionalisieren.Ob in der Politik oder in der Privatwirtschaft: Kommunikation wird immer wichtiger. Trotzdem ist der Kommunikationsleiter in einem Unternehmen noch nicht auf gleichem Niveau wie der Finanzchef oder Personalleiter. «Aber in die Richtung wird es gehen», meint Alexander Fleischer.Der Leiter Marketing & Kommunikation bei PricewaterhouseCoopers in Zürich ist im Februar zum neuen Präsidenten des Harbour Club gewählt worden. Dieser Club der Pressesprecher, Werbeleiter, Sponsoringverantwortlichen und anderen Kaderleute im Bereich Corporate Communications ist 2000 gegründet worden. Die Mitgliederzahl ist auf 50 beschränkt. «Wir wollen überschaubar bleiben, damit man sich wirklich kennen lernen und persönliche Gespräche führen kann.»
Die Mitglieder dürfen nicht in einer Agentur arbeiten, sondern müssen in einem Unternehmen auf höchster Stufe zuständig sein für die Kommunikation. Es gibt eine Warteliste für den Club, aber die ist «nicht dramatisch». Die Idee des Clubs: «Wir wollen auf oberster Ebene sensibilisieren, dass die Kommunikation ein strategischer Werttreiber ist und wie man am besten damit umgeht.»
«Harbour Club» tönt international. Das Netzwerk ist aber rein schweizerisch. Der Name geht auf das Clubhouse am Zürichsee zurück, wo alle zwei Monate die Lunch-Treffs stattfinden. An diesen nehme die Hälfte aller Mitglieder teil, freut sich Fleischer. Zufrieden ist der neue Präsident auch mit den regelmässigen «Guerilla Workshops» zu einzelnen Themen. Weil hier nur Mitglieder zugelassen sind, kann man «frei von der Leber reden und auch heikle Fragen austauschen». Einmal im Jahr findet ein öffentliches Symposium statt. Das letzte, zum Thema «Reputation Management», war ausgebucht und hat auch extern gutes Feedback bekommen. Im nächsten wird es um «Wertschöpfung durch Kommunikation» gehen.
Was trägt Kommunikation bei zur Wertschöpfung? Das ist eine Frage, mit der sich Fleischer täglich in seinem Job auseinander setzen muss. «Wie kann ich nachweisen oder verständlich machen, was es eigentlich wert ist, zu kommunizieren?»
Kommunikation wird wichtig, weil der Bilanzwert und der Kapitalwert von Unternehmen oft «sehr auseinander gehen». Beim Kapitalwert spielen Faktoren wie Reputation, Brand und Image eine grosse Rolle. «Das mehr in den Griff zu bekommen und nicht wie heute einfach als gegeben hinzunehmen, ist unser Job.»
Man erwartet heute überdies, dass ein Unternehmen ein Stück weit auch Sinn stiftet für den einzelnen Mitarbeiter ebenso wie in der Gesellschaft. «Das geht dann fast schon in moralisch-philosophische Dimensionen.»
Alexander Fleischer hat sich schon früh für solche Fragen interessiert. Auf der Suche nach einer sinnvollen Arbeit ging er nach der Schule für neun Monate nach Guatemala und wirkte dort in der Entwicklungshilfe mit. Zurück in Deutschland, studierte er in Worms Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Tourismus. In Berlin hängte er ein Zusatzstudium für Publizistik an und spezialisierte sich auf Unternehmenskommunikation.
Auf Stellensuche stiess er auf das Inserat einer «internationalen PR-Agentur». Fleischer bekam den Job – bei Peter Bütikofer, der damals mit seiner Zürcher PR-Agentur auch Niederlassungen in Berlin und Dresden hatte. Wegen seines betriebswirtschaftlichen Backgrounds wurde Fleischer immer mehr für Kunden im Bereich Investor Relations (IR) eingesetzt. Das führte ihn häufig nach Zürich. Ein wichtiger Kunde 1995 bis 1998 war Jacobs mit der Fusion von Adia und Ecco zu Adecco.
Als letztes Mandat für Bütikofer betreute er die Börsenspezialisten Deloitte & Touch. Das weckte endgültig sein Interesse an IR. Fleischer liess sich 1998 als Leiter Kommunikation bei PricewaterhouseCoopers anstellen. Zwei Jahre später wurde er zum Leiter Marketing & Kommunikation befördert.
«Mich fasziniert an dieser Branche, dass ihr Thema sehr intellektuell, abstrakt und nicht fassbar ist. Andere sagen, das ist schrecklich. Mir gefällt das.»
Vor der Fusion mit Coopers war Revi Suisse Price Waterhouse nicht ausgeprägt marketing- und kommunikationsorientiert. Die Fusion war «ein Meilenstein in der Branche», weil da erstmals Branding und Identity professionell angegangen wurden.
Fleischer hat bei PWC drei Werbekampagnen aufgegleist. Stolz ist er auf ein weiteres «Baby», das CEO-Magazin. Dieses wird an Kunden, Opinionleader und ausgewählte Studenten verschickt.
Die Unternehmenskommunikation fasziniert ihn, weil darin psychologische und soziologische Aspekte mitspielen – und dies in einem wirtschaftlichen Kontext, der zu strategisch-analytischen wie auch kreativen Prozessen herausfordert. «Das Potenzial, das weiterzuentwickeln, ist noch riesig, denn in der Kommunikationsbranche stehen wir erst am Anfang.»
Fleischer liebt heute das Leben in Zürich, auch wenn er «ein bisschen zu früh» gekommen sei. «In dieser Stadt bleibt man hängen. Ich würde deshalb allen empfehlen, erst für ihren beruflichen Abschluss nach Zürich zu ziehen.»
Der neue Präsident des Harbour Club ist verheiratet mit einer Schweizerin, hat einen zwanzig Monate jungen Sohn und entspannt sich beim Schwimmen, Handball, Basketball, Klavierspielen und Ins- Theater-Gehen.
Alexander Fleischer, Leiter Marketing & Kommunikation bei PricewaterhouseCoopers.

Andreas Panzeri

JobChange

Anfang September wird Tobias Trevisan (Bild) Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Seine Nachfolge als Verlagsleiter von NZZ und NZZ am Sonntag ist noch nicht geregelt. Ab Ende März übernimmt interimistisch Marco de Stoppani, Lei

Anfang September wird Tobias Trevisan (Bild) Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Seine Nachfolge als Verlagsleiter von NZZ und NZZ am Sonntag ist noch nicht geregelt. Ab Ende März übernimmt interimistisch Marco de Stoppani, Leiter Verlag und Druck der NZZ, seine Aufgaben….
Joachim Tillessen (Bild) wird verlegerischer und publizistischer Leiter der Coop-Presse. Anfang November löst er Karl Vögeli ab, der in Pension geht. Tillessen ist derzeit Gesamtleiter Medien des Bieler Verlagshauses W. Gassmann.
…
Seit 1. März ist Felix Dammann (Bild) neuer Creative Director von Metzgerlehner Worldwide Partners. Er war bisher in der gleichen Funktion für Sulzer Sutter tätig. Gleichzeitig gibt Agenturgründer Ted Metzger die Geschäftsleitung an Beratungschef Andreas Meier ab. Metzger bleibt VR-Präsident und fokussiert auf die Betreuung von Key Accounts und New Business.
…
Samuel Knaus (Bild) formuliert neu für Euro RSCG Zürich. Zuvor arbeitete der studierte Publizistikwissenschaftler und Texter bei Wirz Werbung.
…
Die «Sternstunden» auf SF 1 werden ab 10. April von Bernard Senn (Bild) moderiert. Er bleibt daneben als Journalist für Radio DRS 1 und 2 tätig. Senn löst Bettina Boller und Erich Grasdorf ab. Boller wird wieder vermehrt als Geigerin, Grasdorf als Texter tätig sein.
…
Die SDA-Tochter News Aktuell Schweiz hat Kai Gerwig (Bild) zum stellvertretenden Geschäftsführer befördert. Kai Gerwig arbeitet seit Herbst 2000 als Berater für PR-Agenturen, politische Organisationen und Consulting-Unternehmen für den Pressetext-Service.
…
Diego Yanez, bisher stellvertretender Redaktionsleiter von «Quer», wechselt in der gleichen Funktion zu «10 vor 10». Er löst Bruno Bonometti ab, der ins Produzententeam wechselt. Yanez war schon früher als Nahost- und Bundeshauskorrespondent für «10 vor 10» tätig.

Der Kampf um des Bären Fell

Pierre C. Meier über das Gerangel um die Bundesgelder für Privat-TV und -Radio.

Pierre C. Meier über das Gerangel um die Bundesgelder für Privat-TV und -Radio.Der Ständerat war spendabler als der Nationalrat. An Stelle der maximal vier Prozent der Gebührengelder, die dieser für die privaten Radio- und TV-Veranstalter vorsah, will die Ständevertretung den regionalen Privat-TV-Stationen mindestens zwei und maximal fünf Prozent der Gebühren zur Verfügung stellen. Die Lokalradios in den Randregionen sollen zwischen drei und fünf Prozent erhalten. Freude herrscht entsprechend landauf und landab.
Sie kommt aber etwas früh, denn wie viel Prozent es frühestens 2007 wirklich sein werden, müssen die Räte erst noch abmachen. Aber sie ist verständlich, denn gut schweizerisch wird man sich auf einen Kompromiss einigen, mit dem alle (über)leben werden. Auch die SRG, denn die zu erwartenden Mindereinnahmen sind bei einem Budget von mehr als einer Milliarde ein Klacks. Jedes privatwirtschaftlich organisierte Medienunternehmen musste in den letzten Jahren prozentual gesehen höhere Ertragseinbussen verkraften.
Wer die Gebührenmillionen aber dereinst kassiert, ist noch völlig offen. Beim Radio ist es vergleichsweise klar. So ist anzunehmen, dass die meisten Lokalradiostationen in den Berg- und Randregionen mit zusätzlichem Geld aus Bern rechnen können. Spannend wird es beim Lokal-TV, denn jeder Sender nimmt heute für sich in Anspruch, im lokalen Bereich «Service public» zu bieten.
Erklärtes Ziel des Bakom ist es aber, die Schweiz in zehn bis zwölf Versorgungsgebiete zu unterteilen, in denen nur noch je eine TV-Station Geld aus dem Gebührentopf erhalten soll. Zur Selektion gibt es verschiedene Kriterien: Man könnte das Geld nur denen geben, die in
einem zu kleinen Sendegebiet zu Hause sind. Ober aber man könnte die Erfolgreichen bestrafen, indem man nur denen Gelder zuspricht, die keinen Gewinn machen.
Der Bundesrat wird darüber entscheiden und es wird noch viel zu reden geben. Egal, wie die Kriterien sind. Wie immer bei Subventionen. Sei es wie seit eh in der Landwirtschaft oder neuerdings bei den Medien.
> Pierre C. Meier, Chefredaktor

Canons Concerto in London

Digitaldruck Canon stellte kürzlich neue Geräte und Lösungen für den Office- und Production-Bereich vor.

Digitaldruck Canon stellte kürzlich neue Geräte und Lösungen für den Office- und Production-Bereich vor.Auf der Kundenveranstaltung Canon Concerto in London präsentierte Canon Europe (Canon) letzte Woche seinen Kunden aus England und Skandinavien sowie europäischen Fachjournalisten neue Produkte und Lösungen. Die Ausstellungsfläche im in der Nähe des Towers gelegenen Old Billingsgate Market war in zwei gleich grosse Teile aufgeteilt – für Office und für Production. Siegfried Alder, Product Marketing Manager Professional Solutions bei Canon Schweiz, freute sich über diesen Sachverhalt. Dies belege, dass sich das Unternehmen vermehrt im Production-Segment engagiere.
Neue Systeme für das Office-…Canon hat zwei neue Multifunktionsgeräte vorgestellt und erweitert damit sein Sortiment an Schwarzweissdruckern. Die neuen iR 2230 (die ersten beiden Ziffern geben jeweils die Geschwindigkeit in A4-Seiten/Minute an) und iR 3530 sind für kleine Arbeitsgruppen geeignet. Die Geräte wurden besonders Platz sparend konzipiert und sind mit Druck-, Kopier-, Scan- und Faxfunktionalitäten ausgestattet.
Insgesamt scheint Canon im Office-Bereich die Wünsche der Kunden zu treffen. Bedürfnisse aus dem Banken- und Versicherungsumfeld wurden umgesetzt: Mittels Bestätigung per Chip-Karte oder Fingerabdruck (beides optional) können Dokumente am Gerät ausgegeben werden, die vorher an das Drucksystem übertragen wurden. Neu lassen sich auch mit USB-Memorysticks Daten direkt auf das Ausgabegerät kopieren und dru-cken – umgekehrt können Vorlagen gescannt und auf den Stick gespeichert werden. Möglich ist dies alles dank der neuen Gerätebedienerplattform Meap (siehe Kasten).
Daneben bietet Canon auch Produkte an, die sowohl dem Office- als auch dem Production-Segment zugeordnet werden können. Diese Drucksysteme mit Leistungen zwischen 70 und 105 A4-Seiten/ Minute haben Leistungssteigerungen erfahren und wurden entsprechend der neuen Ausgabeleistung umbenannt. Zudem werden auch hier die Drucksysteme iR 8070, iR 9070, iR 85+ und iR 105+ mit der neuen Meap-Plattform ausgerüstet.
… und Production-SegmentSeit Anfang Jahr bietet Canon mit den Produkten iR 125 und iR 150 zwei neue Hochleistungsdrucksysteme für das Schwarzweiss-Segment an. Die Drucker, die bis zu 125 bzw. 150 A4-Seiten/Minute drucken, ermöglichen dank einer neuen Bebilderungstechnologie auch eine bessere Druckqualität. In den – neu – bis zu neun Papierkassetten können entweder farbige Vordrucke oder insgesamt 12000 Blatt Papier gelagert werden. Mit optional erhältlichen, ansetzbaren Weiterverarbeitungsmodulen können so schnell und einfach gelochte, geheftete oder gebundene (Umschlag muss vorgerillt sein) Unterlagen bzw. Drucksachen produziert werden.
Canon hat auch drei seiner Rips bzw. Controller (zum Verarbeiten der übertragenen Daten und zum Steuern der Farbdrucker) aufgerüstet. Die ColorPass Z6100, Z7100 und Z7500 genannten Produkte (entwickelt von EFI) wurden hinsichtlich Verarbeitungsgeschwindigkeit von Dokumenten, Auftragsmanagement, variablem Datendruck etc. optimiert. Die Controller sind geeignet, Canons Farbdrucker CLC4000 und CLC5100 zu steuern.
Weiter stellte Canon eine neue Software zum Zusammenstellen von Dokumenten vor. Der iW Publishing Manager Pro, eine Komplettlösung, ist für Agenturen und Inhouse-Drucke- >> reien konzipiert. Die einfach zu handhabende Software ermöglicht es Anwendern, sowohl Word-, Powerpoint-, Excel- und PDF-Dokumente zu einem Canon-eigenen iWD-Datenformat zusammenzufassen. Zudem können gescannte Dokumente und Datenbankinformationen beigefügt werden. Per Drag&Drop können dazu die Seiten auf einfachste Art und Weise zusammengenommen und natürlich auch ausgegeben werden. Auf Wunsch kann das so erstellte iWD-Dokument softwaregestützt auch in ein PDF-Dokument konvertiert und weitergeleitet werden – spezifische Ausgabeparameter gehen dann aber verloren.
Unterschiedlich positioniertIm Office-Bereich und bei den Lösungskonzepten hat Canon mit den neuen vorgestellten Produkten und Lösungen seine Position gefestigt. Hier ist das Unternehmen, das acht Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung steckt, in den meisten Segmenten in der Schweiz klarer Marktführer. Die Technik stimmt, die Bedienerplattform ebenso.
Im Production-Bereich (Schwarzweiss) setzt Canon bei den neuen Druckern iR 125 und 150 zwar auf OEM-Produkte (also Produkte, die Canon einkauft und unter eigenem Namen vertreibt); durch spezielle Lösungen grenzt sich Canon aber von seinen Mitbewerbern ab. So bietet Canon für die beiden Drucker beispielsweise Verbindungen zu ERP- beziehungsweise Warenwirtschaftssystemen an, um von dort Daten zu übernehmen und aufzubereiten sowie zu gewährleisten, dass auch wirklich alle Formulare, Rechnungen etc. ausgedruckt werden.
Etwas schwer tut sich Canon hingegen im zum Teil vernachlässigten Segment Production (Farbe). Das Unternehmen verfügt über kein Drucksystem, das mit einem der Systeme wie beispielsweise DocuColor iGen3 (Xerox), NexPress (Kodak NexPress), Indigo Press (HP) oder Xeikon 5000 (Xeikon) vergleichbar wäre. Nicht dass die CLCx-Geräte keine hochwertigen Drucksysteme wären, nur klafft hier zu den Mitbewerbern eine deutliche Lücke. Wenn Canon hier in Zukunft punkten will, wird das Unternehmen nicht um die Entwicklung eigener, neuer Drucksysteme herumkommen. Dass das japanische Unternehmen dazu in der Lage ist, zeigen die Erfolge der bestens akzeptierten Office-Produkte.
MeapDie «multifunktionale und integrierte Applikationsplattform» Meap basiert auf der von Sun Microsystems entwickelten Programmiersprache Java und ist in allen neueren Imagerunner-Geräten integriert, die mit der Zahl 70 enden (z. B. iR 8070). Im Gegensatz zu anderen Systemen setzt Canon damit nicht auf eine serverbasierende Lösung, sondern verleiht den Ausgabegeräten Intelligenz bzw. mehr Funktionalitäten. Dank Java kann auch die Bedieneroberfläche (GUI) am Gerät sehr individuell angepasst werden.
Meap ist modular. Seit Anfang März sind insgesamt sechs Applikationen für unterschiedliche Bedürfnisse verfügbar. Diese werden etwa Sicherheitsanforderungen gerecht, ermöglichen die Übertragung von Dokumenten via USB-Stick oder das Verwalten von Accounts (Verwaltung von Druckaufträgen u. a. zur Verrechnung von Ausdrucken auf Kostenstellen). Weitere Meap-Programme werden folgen. (jf)
Für Canons Farbdrucksysteme CLC4000 und CLC5100 sind neue Controller verfügbar, die eine bessere Druckqualität ermöglichen.
Das neue Multifunktionsgerät iR 2230 ist besonders Platz sparend konzipiert und für kleine Büroumgebungen geeignet.
Die Drucksysteme iR 125 (Bild oben) und iR 150 sowie iR 105+ (rechts) sind Canons Topmodelle im Schwarzweissdruck.
Jürgen Franck

Für alle Beteiligten etwas

Medienpolitik Mal liberal, mal restriktiv: Der Ständerat zeigte sich bei der RTVG-Session sehr kompromissfreudig.

Medienpolitik Mal liberal, mal restriktiv: Der Ständerat zeigte sich bei der RTVG-Session sehr kompromissfreudig. Grosse Stricke wollte niemand zerreissen. Darin war man sich im Ständerat schon vor den eigentlichen Beratungen zum neuen Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) einig. Von links bis rechts herrschte vor allem in einem Punkt grosse Einigkeit: An der starken Rolle der SRG als Gebühren finanzierter Quasimonopolist sollte nicht ernsthaft gerüttelt werden, die Medienkampagne gegen SRG-Generaldirektor Armin Walpen (Stichwort: Porsche Cayenne) zeitigte keinerlei Wirkung. Im Gegenteil: Reihum führten die Räte die starke Konkurrenz durch ausländische Programme als Argument gegen eine Schwächung der SRG ins Feld.Trotz des immer wieder ertönenden Service-Public-Mantras und des behutsamen, bewahrenden Grundtenors nahm der Zweitrat qualitative Änderungen im neuen RTVG vor. Zwar ist das Gesetzeswerk noch nicht zu Ende beraten – in einigen Punkten müssen noch Differenzen mit dem Nationalrat bereinigt werden –, doch die Eckpfeiler stehen nun.
Bier und Wein am BildschirmEine der zentralen Neuerungen ist die Aufhebung des Werbeverbotes für leichte Alkoholika (Bier, Wein, Sekt) auf den Kanälen der privaten Schweizer Veranstalter wie auch in den Schweizer Werbefenstern der ausländischen Sender. Für die SRG hingegen bleibt Alkoholwerbung am Fernsehen tabu. Bei der Lockerung für die inländischen Veranstalter folgte der Ständerat, wie schon der Nationalrat, dem Entwurf des Bundesrats, bei der Regelung für ausländische Programmfenster obsiegte in der kleinen Kammer knapp ein Minderheitsantrag aus der vorberatenden Kommission.
Ungeachtet der gesundheits- und gesellschaftspolitischen Sprengkraft, welche das Thema Alkoholwerbung birgt, dominierten bei der Debatte
im Ständerat medienpolitische und ökonomische Argumente. Eine vom Nationalrat eingefügte Generalklausel, die den Bundesrat ermächtigt hätte, zum Schutz der Gesundheit und der Jugend Werbesendungen zu verbieten, fand beim Ständerat keine Gnade. Im Gegenzug wurde jedoch einem offen formulierten Artikel zugestimmt, der dem Bundesrat die Kompetenz gibt, zum Schutz von Minderjährigen Vorschriften zur Gestaltung der Werbung zu erlassen. Auch in diesem Punkt folgte der Ständerat dem Entwurf des Bundesrats, der – im Gegensatz zum Nationalrat –Werbung, die sich an Minderjährige richtet, generell verbieten wollte.
Zeigte sich der Ständerat bei der Alkoholwerbung liberaler als die Grosse Kammer, so schob er der medialen Promotion politischer und religiöser Inhalte einen Riegel und widersetzte sich damit dem Nationalrat, der diese zulassen wollte. Der Aargauer SVP-Ständerat Maximilian Reimann versuchte die Bestimmungen wenigstens für Politwerbung zu lockern. Es sei für ihn nicht einsehbar, weshalb private Radio- und Fernsehveranstalter von diesem Werbesegment ausgeschlossen werden sollen. «Welches Rechtsgut wird dadurch denn geschützt? Wenn man etwas verbietet, muss man auch etwas oder jemanden schützen.» Diese rhetorische Frage rief Bundesrat Moritz Leuenberger auf den Plan, der nicht medien-, sondern staatspolitische Erwägungen ins Feld führte. «Werbung für Politik ist teuer, und eine Öffnung würde es finanzstarken Gruppierungen ermöglichen, sich überdimensional in einen Abstimmungskampf einzumischen», so der Medienminister. Maximilian Reimanns Antrag scheiterte schliesslich deutlich mit 31 zu sechs Stimmen.
«Schutz von Kunstwerken»Auch die Form der Werbung war Thema der ständerätlichen RTVG-Debatte. Während der Nationalrat nur eine maximal zulässige Werbezeit festsetzen wollte, ging der Ständerat einen Schritt weiter und setzte der Unterbrecherwerbung klare Grenzen. Allerdings kann der Bundesrat Abweichungen von diesen Grundsätzen erlauben. Künftig muss Fernsehwerbung «grundsätzlich zwischen einzelnen Sendungen eingefügt und in Blöcken gesendet» werden. Eine Freigabe der Unterbrecherwerbung hatte keine Chance.
Ohne Konsequenzen blieb auch der Hinweis des Tessiner CVP-Ständerats Filippo Lombardi, wonach künftig vermehrt Geräte für den Fernsehempfang auf den Markt kommen, die Unterbrecherwerbung gezielt ausblenden können, und eine gesetzliche Regelung deshalb ins Leere ziele. Bundesrat Leuenberger verteidigte die restriktive Regelung: «Es geht um den Schutz von Kunstwerken. Filme sollen nicht bis zur Verunstaltung unterbrochen werden dürfen.»
Das Werbeverbot für leichte Alkoholika ist auf privaten Kanälen aufgehoben – religiöse und politische Werbung hingegen bleiben tabu.
Nick Lüthi
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