Denner-Werbeleiter Stefan Maegli, seit New-Denner (2001) dabei, über die Neuausrichtung des Discounters in der Marketingkommunikation.WW New-Denner startete vor vier Jahren. Vor knapp einem Jahr setzte die klassische Werbung dafür ein. Weshalb so spät?Stefan Maegli Wir haben vorerst die Hausaufgaben gemacht, sprich: die Ladenlokale entrümpeln, das Sortiment und die Qualität verbessern, das Vertrauen zurückgewinnen. Die darauf aufbauenden Markom-Massnahmen waren von Anfang an erst für die Schlussphase vorgesehen.
Dafür kommen die jetzt in geballter und ungewöhnlicher Form. Wie
wurden die Veränderungen im Werbeauftritt intern aufgenommen?
Der Ruck, der durch das Unternehmen und die kleine Verwaltung ging, war spürbar und wurde vorwiegend positiv aufgenommen. Wir wollten damit die Leute wieder wachrütteln und den neuen Geist spürbar machen. An der Front, wo immerhin über 2500 Leute tätig sind, war die Reaktion am erfolgreichsten, weil sie die grössere Wertschätzung spürten. Der Mensch wurde in den Mittelpunkt gerückt, die Mindestlöhne angehoben und alle «Missstände» korrigiert.
Letzteres war aber kaum ausschlag- gebend für die Kursänderung bei Denner.
Es war eine Notwendigkeit, weil man nur mit einer gewissen Grösse im Markt bestehen kann. Ohne Grundsatzdebatte war klar, dass Denner dafür weiter wachsen musste. Deswegen war eine klare Neuausrichtung unausweichlich.
Mit wie vielen Werbeagenturen haben Sie während der Konzeptumsetzung zusammengearbeitet?
2002 haben wir gepitcht für die Eröffnungswerbung der neuen Filialen. Den Aussenauftritt der Verkaufsstellen hat Christinger Partner nach unseren Vorgaben gemanagt. Die ursprüngliche Einführungskommunikation während der Umbauphase betreute WHS. Für die Phase nach dem Abschluss wollten wir erstmals auf Image-ebene werben. Hierfür kamen ein Radio-, später auch ein Plakatkonzept von Bonaparte ins Gespräch. Seit vergangenem April erweitern wir den Werbeauftritt mit ViznerBorel. Allerdings waren für diesen Prozess zwei Jahre Überzeugungsarbeit nötig. Erst nach und nach, mit jedem neuen Sujet, das on Air ging, kamen auch die Verantwortlichen aus anderen Bereichen, die eher traditionell sind, auf den Geschmack der witzig-intelligenten Imagewerbung.
Aber die Denner-Schweinebauchanzeigen wird es weiterhin geben.
Das war unser Kompromiss, denn der Schweinebauch steht unter scharfer Beobachtung, weil er Frequenz schafft. Aber man muss ihn trotzdem massiv optimieren. Egal, ob Image oder Schweinebauch, wichtig ist, dass man mit der richtigen Botschaft bei den richtigen Leuten präsent ist. Beide Massnahmen profitieren voneinander, wenn sie einheitlich umgesetzt sind.
Wie hat sich das Werbebudget während des New-Denner-Konzepts entwickelt?In der Projektphase sind die Investitionen um über 25 Prozent gestiegen, um das Ganze zu bewältigen. Jetzt haben wir erneut einen zusätzlichen, namhaften Betrag. Es gibt eine Verschiebung: Während früher 95 Prozent für Aktionen aufgewendet wurden, fliessen heute schon über 15 Prozent in imagebildende Massnahmen. Es ist klar, dass wir uns in einer Lancierungsphase befinden, die proportional zum Umsatz höher budgetiert ist als zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Kernbotschaft gut verankert sein wird.
Können Sie auf Grund der Neupositionierung bereits Veränderungen in der Struktur Ihrer Kundschaft feststellen?Wir machen einen Imagetrack, um festzustellen, in welcher Zielgruppe wir an Relevanz gewonnen haben. Statistisch-empirisch lässt sich noch nichts sagen. Das wird noch Zeit brauchen. Aber von dem, was ich höre, erreichen wir immer mehr Leute auch aus höheren Einkommenssegmenten.
In der Startphase der Neuausrichtung wollte Denner am Ende des Umbaus 400 Superdiscounter zählen. Davon sind Sie weit entfernt.
Wir sind vom Ziel ausgegangen, 100 zusätzliche, eigene Standorte innert fünf Jahren zu finden. Im Franchising sind die Chancen auf Grund der Veränderungen bei Primo/Vis-à-vis wieder gestiegen. Es gibt immer noch Standorte, die wir gerne hätten. Auch auf der grünen Wiese.
Also dort, wo demnächst die Konkurrenz aus dem Norden vorstösst. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den Markteintritt von Aldi und Lidl?
In einer Anfangsphase wird der Discount bestimmt populärer. Da wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und sich Denner auch für die folgenden fünf Jahre innerhalb der Sparte klar positioniert, stehen wir bereits gut da. Natürlich haben auch wir noch Potenzial, etwa im Weinbereich, um Gas zu geben.
Profilierung nicht nur über die permanente Tiefpreisschlacht: ViznerBorel zeigt im Denner-TV-Spot, dass auch Discounter Humor haben.
Interview: Luca Aloisi