Marktdaten Kantone waren gestern: Kommunikation findet in dynamischen Räumen statt. Der neue Atlas nimmt sie unter die Lupe. Das Herz des Deutschschweizer Privatfernsehens schlägt im Zürcher Unterland. Das zeigt ein Blick in den Kommunikations-Atlas 2005. Tiefrot eingefärbt, dominiert die Flughafenregion die Übersichtskarte «Reichweite des stärksten Regional-TV».Mit dem Kommunikations-Atlas 2005 gibt die Medienberatungsfirma Publicom einen tiefen Einblick in die vielfältige Medien- und Konsumlandschaft Schweiz. Die Übersichtskarten zu Themen wie Wohnbevölkerung, Einkommen und Pendlersaldo am Anfang des 290 Seiten starken Bandes sind eigentlich nur ein Teaser. Das Herzstück des Atlas ist die Aufschlüsselung der Daten auf 65 Kommunikationsräume, in welche Publicom die Eidgenossenschaft eingeteilt hat. Wer sich genauer für das Zürcher Unterland interessiert, findet nicht nur heraus, dass TeleZüri dort einen Engeren Nutzerkreis (ENK) von 56 Prozent besitzt, sondern auch, dass der Sender als tagesaktuelles regionales Medium Konkurrenten wie Tages-Anzeiger und Radio 24 punkto Reichweite glatt abhängt.
Dynamische RäumeUnter Kommunikationsräumen versteht Publicom geografisch abgrenzbare Gebiete mit einer inneren Identität. Anders als politische Strukturen sind sie dynamischen Entwicklungen unterworfen. So hat die Zahl der Räume zwischen der Einführung des Konzepts 1994 und dem Update von 2004 um fünf abgenommen. Zu den Kriterien für die Einteilung gehören demografische Faktoren wie Sprache, Religion, Parteipräferenzen, Mobilität und subjektives Zugehörigkeitsgefühl ebenso wie topografische Barrieren oder Verbreitungsgebiete von lokalen Medien.
Die einzelnen Kommunikationsräume variieren stark in der Grösse. An der Spitze steht der Raum Zürich, den nach der Definition von Publicom 707500 Personen bewohnen. Am unteren Ende steht das Puschlav, hier «Bernina» genannt, mit nur 4427 Einwohnern. Dass auch kleinste Räume als eigenständige Einheiten betrachtet werden, bringt eine Schwierigkeit mit sich: Für sie lassen sich wegen zu geringer Fallzahlen bei vielen Themen keine statistischen Aussagen machen.
Das gilt beispielsweise für die Verortung im psychografischen Raum gemäss dem Demoscope-Market-Radar oder die Verteilung der Konsumausgaben. Erstere gibt nicht nur Aufschluss über die Affinität der Einwohner eines Kommunikationsraums zu bestimmten Werthaltungen, sondern zugleich auch Hinweise auf geeignete Werbe- und Mediastrategien. Zu Letzterer fehlt im Atlas leider eine Gesamtschau, weshalb die Werbewoche einen kleinen Überblick gibt.
Konsumfreudiges Millionen-ZürichAm meisten für Konsum ausgegeben wird – wie zu erwarten – im grössten Kommunikationsraum, also in Zürich. Interessanter sind die Konsumausgaben pro Haushalt. Hier liegt das Zürcher Oberland mit über 69000 Franken an der Spitze. Dahinter folgen Zug und das Zürcher Unterland mit rund 68900 bzw. 67000 Franken. Sieben der zehn Räume in den Top Ten gehören zum Gebiet der Zürcher S-Bahn. Das Baselbiet liegt auf Rang vier mit 65350 Franken. Die konsumfreudigsten Westschweizer Räume liegen am Genfersee: Lavaux/
Vevey (62400 Franken) und Genf (61000 Franken).
Am unteren Ende der Skala stehen Bellinzona und das Emmental mit unter 52000 Franken. Interessanterweise gehören beide zugleich zu den Räumen mit den höchsten Ausgaben für Gesundheit. Das Emmental ist dabei schweizweit führend. Nimmt man den eidgenössischen Durchschnitt als 100 Punkte, so erreichen die Emmentaler einen Rekordwert von 145. Sie geben also fast anderthalbmal so viel für Gesundheit aus wie durchschnittliche Schweizer. Gleichzeitig gehören die Verkehrsausgaben hier mit 71 Punkten zu den niedrigsten im Land. Man darf vermuten, dass hier eine Altersstatistik aufschlussreich sein könnte. Leider ist diese im Kommunikations-Atlas nicht enthalten, was angesichts der notorischen Fixierung der Werbung auf die 15- bis 49-Jährigen sogar ein wenig erstaunt.
In den Konsumbereichen Freizeit und Bekleidung sind die Unterschiede zwischen den Kommunikationsräumen weniger ausgeprägt als bei der Gesundheit, wo die Skala bis hinab zu 59 Punkten geht. Dieser Wert wird in Wil SG erreicht, wo umgekehrt mit 116 Punkten am zweitmeisten Geld für Kleider ausgegeben wird. Die Spitze mit 117 Punkten nimmt das Linthgebiet ein. Als Modemuffel der Nation zeigt sich das Toggenburg mit nur 81 Indexpunkten. Die billigste Freizeitgestaltung findet man in Solothurn (84 Punkte), während in der Region Weinland/Winterthur am meisten dafür ausgegeben wird (112 Punkte).
An dieser Ausgaben-Hitparade nehmen wegen der erwähnten statistischen Schwierigkeiten allerdings nur 40 der 65 Kommunikationsräume teil. Nicht dabei sind zum Beispiel weite Teile der Innerschweiz. Gut möglich also, dass sich vor dem Auge des Atlas-Benutzers heimliche Konsumkönige verbergen. So liegen ausgerechnet für den Raum mit dem höchsten Pro-Kopf-Reineinkommen keine Angaben vor: In Nyon verdient jeder Einwohner statistisch 38532 Franken. Mit 73165 Personen ist die westliche Genferseeküste zudem der grösste Kommunikationsraum, aus dem zu wenige Daten für die Konsumstatistik vorliegen.
Geballte InformationDer Kommunikations-Atlas der Schweiz 2005 weist für die 65
Kommunikationsräume auf jeweils vier Seiten Informationen aus zu
• Bevölkerungszahl, Anzahl Haushalte
• Reineinkommen, Konsumausgaben
• Anteil «Stopp Werbung»-Kleber
• Auflage, Haushaltabdeckung und Reichweite der stärksten und zweitstärksten Tageszeitung
• ENK der stärksten Radio- und TV-Sender
• Anzahl Kinos, Leinwände, Sitzplätze
• Pendlersaldo und Pendlerströme
• Position im psychografischen Raum.
Da gewisse Daten nur für ein Jahr gültig sind, können Besitzer des Atlas auf www.kommunikationsatlas.ch mittels Passwort aktualisierte Daten sowie zusätzliche Verzeichnisse herunterladen. Der Kommunikations-Atlas wird von der Publicom AG herausgegeben und ist beim Verlag Media-Daten für 248 Franken erhältlich. Abonnenten der Werbewoche oder des MediaTrend Journals erhalten einen Vorzugspreis von 198 Franken.
Bestellungen: Tel. 044 296 97 98 oder
[email protected]Kommunikations-Atlas 2005: Ergiebige Quelle für die Optimierung von Mediaplänen.
Stefano Monachesi