Vibrio betreut Systems in der Schweiz

Messen Die Münchner IT-Messe Systems hat Vibrio Kommunikationsmanagement mit ihrem PR-Mandat für die Schweiz betraut.

Messen Die Münchner IT-Messe Systems hat Vibrio Kommunikationsmanagement mit ihrem PR-Mandat für die Schweiz betraut.Im Mittelpunkt stehen die Kontaktpflege zu den Medien und ein aktives Themenmanagement, um die Systems in der Schweiz als wirksame Marketingplattform weiter zu profilieren. Die Zürcher Agentur will mit gezielten Massnahmen die generelle Bedeutung von IT-Messen im Marketingmix, aber auch die besonderen Stärken der Systems als «Kontakt- und Entscheidermesse» für hiesige Unternehmen vermitteln. Die Systems 2005 findet vom 24. bis 28. Oktober statt.

Als Werber noch Reklame machten

Agenturen Vor fünfzig Jahren gründete André Berner die Werbe & Verlags AG. Der Zürcher Pionier blickt zurück.

Agenturen Vor fünfzig Jahren gründete André Berner die Werbe & Verlags AG. Der Zürcher Pionier blickt zurück. «Werbung ist nicht nur Reklame, wo man schreibt, dass etwas 5 Franken kostet. Werbung arbeitet mit Ideen und Strategie.» Diese Erkenntnis war nur Insidern bekannt, als André Berner 1955 mit seiner ersten Agentur in die Werbung einstieg. Zusammen mit Viktor Cohen, dem Kopf der damaligen Advico in Zürich, hat er die Idee zur Gründung einer Firma mit dem viel versprechenden Namen Informaktion entwickelt. «Das war eine Zusammensetzung von Information und Aktion. Wir machten das, was man heute Eventmarketing nennt.» Als Erstes in dieser Pionierzeit hat Berner Strategien für die Milchverwertung aus der Ostschweiz entwickelt. Diese kreativen «Aktionen» betreute er nebenbei, denn im Hauptberuf war Berner «Reklamechef – wie man damals noch sagte» beim Zürcher Büro des Hollywood-Produzenten Paramount.
Neugierde als TriebfederZwar studierte der heute 79-Jährige ursprünglich Architektur. Weil aber sein Vater Chefredaktor und Herausgeber der «Schweizerischen Filmzeitung» war, musste – oder besser durfte – André Berner damals neben dem Studium auch als Reporter die immer häufiger in die Schweiz anreisenden Filmstars aus Hollywood interviewen. «Mein Vater war ein schüchterner Typ. Ich war sehr neugierig. So haben mich diese Treffen mit den Stars natürlich fasziniert.»
Alfred Hitchcock, der «Vom Winde verweht»-Produzent David O. Selznik und viele andere Leinwandgrössen nutzten die Schweiz damals regelmässig als Basis für ihre Promotionen in ganz Europa. Zürich konnte kurz nach dem Krieg mit dem Flughafen und dem Dolder Grand Hotel die beste und von Bomben verschont gebliebene Infrastruktur aller umliegenden Länder bieten.
Seine guten Umgangsformen mit den Stars brachten André Berner 1947 den Job als Reklamechef bei der Paramount ein. 750 Franken pro Monat hat er in jener Zeit verdient. Als seine Bosse im fernen Amerika nicht sehen wollten, dass nach ein paar Jahren eine kleine Lohnerhöhung fällig war, meinte Berner zu seinem Zürcher Chef: «Dann merken die in New York auch nicht, wenn ich in Zukunft am Mittwochnachmittag frei nehme!» Die gewonnene Zeit, zu der bald auch noch die Nachmittage vom Donnerstag und Freitag dazukamen, hat André Berner für eigene Aktivitäten genutzt.
Neben dem kurzen Intermezzo mit der Informaktion bei Advico sollte am 27. Januar 1955 die Gründung der Werbe & Verlags AG sein nachhaltigstes Projekt im Bereich Werbung werden. Die Idee war: ein gemeinsames Plakat für alle Zürcher Kinos. Der Zürcher Lichtspiel-Verband wollte den Versuch auf sechs Monate beschränken. Ein Kinobesitzer schaltete absichtlich falsche Anfangszeiten in seine Anzeige. Als das Publikum prompt zur falschen Zeit das Kino stürmen wollte, war der Verband von der Wirkung dieser neuen Art von Werbung überzeugt.
Heute liefert die Agentur im vierten Stock des Corso-Hauses in Zürich diese Kollektivwerbung neben Kinos auch für Theater und Konzerte. Zu den Plakaten ist das so genannte Magnet als Sammelinserat in diversen Zeitungen gekommen. Manche Aktivitäten laufen auch in Winterthur, Basel, Bern und Luzern. Als weitere Diversifikation beliefert die Werbe & Verlags AG heute auch alle Zeitungen von Tamedia sowie mehrere Publikationen in Deutschland mit den täglichen Spalten für das Fernseh- und Radioprogramm. Im Internet ist das Unternehmen Berner, das 1994 an Sohn Thomas übertragen worden ist, mit der Agenda www.kulturinfo.ch präsent. Die Agentur beschäftigt 18 Mitarbeitende. In der Grafikabteilung werden 90 Prozent aller Kinoinserate für die Schweiz gestaltet. Juniorchef Thomas Berner ist inzwischen auch Präsident des Zürcher Kinoverbandes.
Es war «nicht unbedingt nur in Amerika», wo André Berner schon früh das Know-how für solche Ideen gefunden hat. Erinnern will er sich trotzdem gerne an einen Werbekurs, den er 1956 in New York absolvieren konnte. «Wir waren aufgenommen wie Könige, weil die Schweizer Plakatgrafik damals sehr berühmt war. Donald Brun, Herbert Leupin …»
Vielseitiges Wirken rundum Fachsimpeleien über Werbung haben ab 1957 regelmässig im «Weissen Kreuz» beim Bahnhof Stadelhofen stattgefunden. Mit Freunden wie dem Grafiker Fredy Sigg hat André Berner den «allerersten Reklame-Klub Zürich» gegründet. Einmal pro Woche hat man sich zum gemeinsamen Mittagessen getroffen.
Zu den weiteren Gründungen von André Berner kam 1951 das Zürcher Jazzfestival. Bei diesem wirkte Ueli Prager mit seiner Mövenpick als Sponsor mit «oder Gönner, wie man damals noch sagte». Weil Gastro-pionier Prager von Berners Ideen beeindruckt war, hat er ihm ebenfalls eine Stelle als Reklamechef angeboten. Pragers Arbeitsbeginn mitsamt seiner Entourage bereits morgens um sechs war aber nicht der Stil von André Berner. Als Mensch der Abendunterhaltung hat er lieber sein Wissen aus dem Architekturstudium noch einmal entdeckt. Berner zeichnete für den Umbau legendärer Nachtlokale wie Joker im Kongresshaus, Red House, Kings Club und Mascotte in Zürich verantwortlich. In Luzern, Bern oder Montreux hat er die Casinos neu gestylt.
Da er als Architekt oft lieber eine Gewinnbeteiligung nach dem Umbau von fünf Prozent auf den Mehrumsatz als ein Honorar vereinbaren wollte, ist er später zum Mitinhaber oder zumindest Verwaltungsrat verschiedener Lokale geworden. Von 1955 bis 1985 hat ihm das Mascotte in Zürich gehört, bevor Berner das geschichtsträchtige Lokal unterhalb seines heutigen Büros an Freddy Burger verkaufen konnte.
Von 1968 bis 1984 realisierte André Berner den Zürcher Modeball. 1968 hat er mit dem damaligen Unterhaltungschef des Schweizer Radios Beromünster, Walo Linder, den Prix Walo ins Leben gerufen.
«Diese Sachen waren aber immer nur Hobby. Ich wusste, dass die Werbeagentur der stabile Teil meines Wirkens war. So etwas konnte auch einmal von meinem Sohn weitergeführt werden», meint André Berner. Trotzdem sieht er sich in der Branche als Aussenseiter. «Weil im Firmennamen das Wort ‹Verlag› vorkommt, bin ich nie richtig in die Werbeszene aufgenommen worden – weil man als Werber nicht selber Verleger sein darf.»
Aber das wird wohl an den Kursen in New York, wie sie André Berner einst besucht hat, nicht mehr so deutlich ins Lehrbuch geschrieben.
Kulturwerbung in Rot, Grün und BlauIm Jahr 1955 erhielt André Berner den ersten unterschriebenen Vertrag eines Kinobesitzers zurück, um seine Idee eines gemeinsamen Plakates
aller Zürcher Kinos zu realisieren. Heute, nach 50 Jahren, fallen neben den roten Plakaten für Cinema in der ganzen Stadt Zürich überall auch grüne Plakate für Konzerte und blaue für die Theater auf. Gleichzeitig präsent ist die Werbe & Verlags AG in allen wichtigen Zeitungen mit den Kollektivinseraten Magnet für Kino, Theater, Museen und Konzerte.
Die Idee der Kollektivwerbung für Cinema hat die Agentur ebenfalls in Winterthur, Basel, Bern und Luzern realisiert. Die Theaterplakate gibt es auch in Basel.
Alle diese gesammelten Informationen fliessen auch in die Website www.kulturinfo.ch ein.
Der Kurzlebigkeit der Branche mit der Werbe & Verlags AG getrotzt: André Berner und Sohn Thomas.
André Berner, Hazy Osterwald, Walo Linder und Stapi Landolt (v. l.) beim Erfinden des Prix Walo.
Lilo Pulver mit André Berner bei einem der zahlreichen Interviews für die Schweizer Filmzeitung.
Andreas Panzeri

«Die Hausaufgaben gemacht»

Markus Ehrle, Marketing Director von Publimedia, über die derzeitige Situation und künftige Chancen der IT-Zeitschriften.

Markus Ehrle, Marketing Director von Publimedia, über die derzeitige Situation und künftige Chancen der IT-Zeitschriften.WW In der Schweiz existieren rund 20 IT-Titel, und im Informatikbereich werden jährlich gut 9 Milliarden Dollar umgesetzt. Stimmt dieses Verhältnis, wenn man mit ähnlich grossen Märkten vergleicht?Markus Ehrle Verglichen etwa mit Deutschland ist die absolute Zahl der Schweizer IT-Publikationen eher klein, denn dort gibt es laut MediaService Wasmuth 28 Fachzeitschriften im Bereich der EDV-Wirtschaft sowie 68 Special Interest im Bereich EDV/Computer. Es gilt aber zwei Dinge zu berücksichtigen: Zum einen ist der Übergang zwischen Fachzeitschrift und Special Interest in keiner anderen Branche so fliessend wie in der IT-Branche.
Zudem widmet sich die Schweizer Wirtschaftspresse ebenfalls sehr stark diesen Themen und wird auch mit Inseraten aus dieser Branche belegt.
Wie hat sich der Markt der IT-Titel in den letzten drei Jahren verändert?Einige der in den Boomjahren lancierten IT-Publikationen überlebten das Schwinden der Werbegelder der letzten fünf Jahre nicht. Jene Titel, die vor drei Jahren noch auf dem Markt waren, konnten sich aber bis heute fast ausnahmslos behaupten; ja, sie mussten aus der Not heraus gar an publizistischem Profil gewinnen.
Auch viele Titel aus Deutschland wollten ja bei uns Fuss fassen. Wie sieht das heute aus?
Das müssten Sie die deutschen Verlagshäuser fragen. In Deutschland wird aber mit härteren Bandagen gekämpft. Dass sich die rund 100 deutschen Publikationen im Profil weniger unterscheiden als die von Ihnen erwähnten 20 Schweizer Zeitschriften, liegt auf der Hand. Wenn man sich im Bahnhofkiosk umschaut, sieht man sehr viele
Special-Interest-Publikationen mit Breitenwirkung aus dem Nachbarlande. Diesen Platz werden die ausländischen Verlagshäuser auch mittelfristig nicht so leicht preisgeben. Über die Verkaufszahlen haben wir allerdings keine oder nur wenige Infos. Sie dürften relativ stark schwanken. Schweizer Inseratesplit-Möglichkeiten gibt es jedenfalls nicht. Ausnahmen bilden – auf Anfrage – Prospektbeilagen.
Die Fachzeitschriften gehören zu jenen Printkategorien, die in den letzten Jahren am meisten Anzeigen verloren haben. Traf dies die IT-Titel ebenso, stärker oder weniger?
Dass Fachzeitschriften generell zu den Verlierern gehören sollen, stimmt aus unserer Sicht nicht ganz. Einerseits messen alle Auguren wie die Stiftung Werbestatistik Schweiz, die Wemf mit AIS und Media Focus nur einen marginalen Teil der Fachzeitschriften aus, andrerseits wird zumindest auf Ebene der Planung der Bereich Fachzeitschriften und Special Interests unvermindert nachgefragt. Auf Grund der fehlenden Datenbasis lässt sich – zumindest für uns – denn auch nicht nachweisen, ob die IT-Presse überdurchschnittlich viel verloren hat. Gegenüber den Boomjahren dürfte sich das Volumen aber sicherlich etwas reduziert haben.
Von vielen IT-Titeln gibt es weder beglaubigte Auflagen noch Leserzahlen. Ist das ein Nachteil?
Grundsätzlich haben es alle Publikationen schwer, bei professionell Werbetreibenden ohne Leistungsnachweis Anzeigenvolumen zu generieren. Gerade in so bedeutenden Branchen wie im IT-Bereich oder beispielsweise auch im Bausektor wäre es wünschenswert, wenn sich die relevanten Player am runden Tisch zusammenfinden und über Branchenerhebungen publizieren würden. Das Verlagshaus IDG Communications AG (Computerworld, PCtipp) kam dem Bedürfnis der Werbewirtschaft mit der Lancierung der Studie MA IT Business einen grossen Schritt entgegen. Die Studie wurde dieses Jahr übrigens erstmals vollständig über die Mach-Online-Planungstools zugänglich gemacht.
Wie sehen Sie die Zukunft dieses Marktes?In Anbetracht des latenten Investitionsstaus der letzten Jahre im IT-Markt und dessen grosser Bedeutung in der technologiegetriebenen Zukunft sehen wir die Entwicklung in dieser Branche positiv. Wir gehen aber nicht davon aus, dass so wie Ende der Neunzigerjahre neue Publikationen wie Pilze aus dem Boden schiessen werden. Die bestehenden Schweizer IT-Zeitschriften und -Zeitungen werden eher erstarken, denn die Hausaufgaben sind bei den meisten gut gemacht worden.
Markus Knöpfli

Hart am Wind

Peter Hürlimann bietet in seinem Stäfner Atelier Hürlimann & Friends Beratung für Design und visuelle Kommunikation an. Sein Rezept: Nähe zu den Kunden.

Peter Hürlimann bietet in seinem Stäfner Atelier Hürlimann & Friends Beratung für Design und visuelle Kommunikation an. Sein Rezept: Nähe zu den Kunden.
«Weil alle möglichen Namen rund um Hürlimann bereits besetzt waren, fand ich die Lösung in den Friends.» Darunter versteht der Designer Peter Hürlimann Freelancer, die für ihn heute je nach Auftrag ein Netzwerk bilden.Der Einstieg in die Welt des Designs ist bei Hürlimann über einen Umweg erfolgt. Nach dem Abschluss an der Diplommittelschule in Basel wollte er «nicht mit leeren Händen nach Hause kommen». Deshalb hat er sich auf dem Heimweg als Friedhofsgärtner beim jüdischen Friedhof beworben. Nach der Absage probierte er es auch noch bei der Psychiatrischen Universitätsklinik. Hier lautete die Antwort: «Zu sensibel.»
Seine Mutter war von diesen überstürzten Gehversuchen im Erwerbsleben nicht sonderlich begeistert. «Wieso nicht Grafiker?», meinte sie. Ein paar Wochen später hat Peter Hürlimann «drei Tage lang schwarze Papierchen verschoben». Seine zukünftige Berufswelt war gefunden.
An der Kunstgewerbeschule entdeckte er die Fotografie. «Ich habe tagelang nichts anderes gemacht und verbrachte endlose Stunden in der Dunkelkammer.» Mit einer Postkartenidylle von der griechischen Insel Santorini hat der Bildjäger noch während der Schule bei einem Fotowettbewerb die Goldene Minolta gewonnen.
Nach der Schule folgte 1982 ein Stage bei TWBA in Zürich. Diese Referenz öffnete die Türen zu Sommer Marketing in Basel. Nach zwei Jahren wurde Peter Hürlimann Freelancer. Für das Barclay-Arrows-Team von Marc Surer im damaligen Formel-1-Zirkus hat er das Design betreut. Später wirkte er auch für Porsche in Stuttgart.
Nach einer ersten Reise nach Australien liess Hürlimann sich wieder fest anstellen. Er lernte als Junior-AD das Agenturleben bei Young & Rubicam in Zürich kennen, später als Art Director bei McCann
Erickson. Kodak mit Faces, Coca- Cola oder die Schweizer Illustrierte waren wichtige Kunden. Max Weber und später Rodolphe Deville waren seine Ziehväter. Ein zweiter Abstecher nach Australien endete bei Seiler DDB Needham in Zürich. Sechs Jahre arbeitete Hürlimann dort zum Beispiel für Subaru, Jaguar und Frisco Findus. Später bei Bosch und Butz vor allem für UBS, Philip Morris und Landrover.
Als diese Agentur verkauft wurde, musste sich Hürlimann für einen neuen Weg entscheiden. Da er während seiner Agenturzeiten viele Preise – unter anderem vom ADC Schweiz – gewonnen hat und auch im deutschen Jahrbuch der Werbung mehrmals zu Ehren gekommen ist, wagte er den Sprung: Anfang 2000 eröffnete der Designer in Stäfa seine Hürlimann & Friends GmbH. Dass das Atelier in Stäfa und nicht in Zürich domiziliert ist, liegt an Hürlimanns Segeljolle. «Die hat dort ihren Anlegeplatz.» Hürlimann, der bis zu seinem 12. Lebensjahr in Herrliberg «als Seebub» aufgewachsen ist, besitzt sowohl den Binnensee- wie auch den Hochseeschein.
In Stäfa hat er aber nicht nur sein Schiff, sondern in seiner Nachbarin auch seine kolumbianische Ehefrau Liliana gefunden. Die Stimmung an der Goldküste gefällt ihm. «Stäfa ist gut, die Leute sind freundlich, und man findet eine gute Infrastruktur.» Hürlimann arbeitet in einer Bürogemeinschaft. Yann le Cunff bietet hier Französischübersetzungen an. Der Psychologe Patrick Seiler baut ein Unternehmen für Coaching, Ausbildung und Entwicklung auf.
In seinem noch jungen Atelier konnte Hürlimann schon einige Preise gewinnen, zum Beispiel den Swiss Star Konsumentenpreis 2004 für sein Heidiland-Mineralwasser-Design sowie einige Erwähnungen im Jahrbuch der Werbung Econ Ullstein List 2004 unter anderem für
die Sportsponsoring-Kampagne mit Phonak für Team Alinghi – ein Traumjob für den Segler Hürlimann.
Hürlimanns Kunden stammen vorwiegend aus dem KMU-Bereich. Er liebt den direkten Kundenkontakt, «wie er in der Agentur weniger stattfand». Da viele seiner Auftraggeber als Chefs von KMU tagsüber kaum Zeit für Meetings mit dem Herzblut-Werber finden, kann man Hürlimann «auch an Wochenenden oder abends anrufen». Bei einem spontanen Besuch in seinem Büro schätzen Kunden auch «schnell einen Blick» in noch laufende Design-Arbeiten.
Zurzeit wirkt er am Logo und Internetauftritt für eine internationale Immobilien-Holding. Weitere drei Webseiten sind ebenfalls bestellt, daneben warten Flyer, Prospekte, Broschüren und andere Projekte im Bereich Corporate Design.
Einen Teil seiner Kunden hat Hürlimann im privaten Beziehungsnetz seines Rugby-Clubs gefunden. Nach seinem Umzug von Basel nach Zürich 1986 wollte Hürlimann Anschluss finden und hörte, dass man beim hier noch seltenen Rugby schnell in der Nationalliga A spielt, «auch wenn man nur einmal pro Woche trainiert». In seinem Club finden sich Leute aus über 22 Nationen. Hürlimann zitiert gerne die geflügelte Wertung: «Rugby ist ein Rowdy-Sport für Gentlemen – während Fussball ein Gentlemen-Sport für Rowdys ist.» Seine dritte Leidenschaft neben Rugby und Segeln ist nach wie vor das Fotografieren. «Dieses Hobby kann ich immer mehr auch in den Job einfliessen lassen.» Hürlimann, der in seinen Agenturzeiten mit Fotoshootings viel nach New York, Miami oder zum Beispiel mit Alberto Venzago auf die Malediven gekommen ist, hat sich im 2004 dank der Ermunterung seiner «Friends» auch zu einer eigenen ersten Fotoausstellung entschlossen. In der Galerie Villa Sunneschy in Stäfa zeigte Hürlimann im Oktober 2004 Bilder seiner «Reise durch die Zeit» mit Fotos aus Santorini, New York und Australien.
Gute Infrastruktur und das Boot vor der Haustür: Peter Hürlimann zieht Stäfa Zürich als Arbeitsort vor.

Andreas Panzeri

Harte Schale, weicher Kern

Prävention Ruf Lanz warnt für bfu und Suva vor dem Horror bei einem Unfall mit dem Velo – wenn kein Helm getragen wird.

Prävention Ruf Lanz warnt für bfu und Suva vor dem Horror bei einem Unfall mit dem Velo – wenn kein Helm getragen wird.
Bei sportlichen Mittdreissigerinnen auf dem Bike sowie flotten Managern, die mit dem Velo zur Arbeit fahren, ist ein schicker Velohelm ein «must» für die trendige Ausrüstung. Bei Kindern ist es von den Eltern verordnet, dass ein Helm getragen wird. Probleme mit der Tragquote gibt es allerdings immer noch bei Teens und Twens. In diesem eitlen Alter wird befürchtet, dass ein Helm die sorgsam drapierte Frisur zerstören könnte. Ruf Lanz hat dieses Hirngespinst auf dem Kopf 2004 mit einer Kampagne ad absurdum geführt. Auf Plakaten sah man landesweit eine attraktive junge Frau mit auffälliger Narbe am teilrasierten Kopf, dazu die unzweideutige Schlagzeile: «Keinen Velohelm zu tragen, kann die Frisur zerstören.» Das Sujet wurde national und international mehrfach ausgezeichnet.
An diesen Erfolg will Ruf Lanz mit der neuen Velohelmkampagne für die Suva und die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) jetzt anknüpfen. Die ebenso einfache wie brutale Grundaussage: Für Velofahrer ohne Helm kann ein Unfall in Sekundenschnelle zum Horror mit bleibenden Schäden werden.
Diese Aussage wird eindrücklich visualisiert durch einen Velohelm, dessen Optik verblüffend an die Masken aus Horrrorfilmen wie «Scream» erinnert. «Der Helm für unsere Horrorvorlage ist tatsächlich echt. Wir mussten nur wenig am Computer verändern», erklärt CD Markus Ruf, der mittlerweile «in allen Helmen nur noch Masken sieht».
Mit diesem Bezug kommt der TV-Spot zuerst wie ein Trailer für einen neuen Horrorfilm daher, um am Ende durch einen Wechsel der Kameraperspektive überraschend aufgelöst zu werden: Aus der vermeintlichen Horrormaske wird ein ganz normaler Velohelm. Dazu hört man die sonore Stimme aus dem Off: «Tragen Sie einen Velohelm. Damit Unfälle nicht zum Horror werden.»
Wirkung im und auf dem Kopf
Mit dem Aufkommen der Mountainbikes und dem wachsenden Fitnessbewusstsein der Bevölkerung nahm die Popularität des Velofahrens in den 80er-Jahren stark zu. Als Folge davon stieg auch die Zahl der Velounfälle stark an.
1987 lancierte die Suva erstmals eine Velohelmkampagne, um etwas gegen die zahlreichen Velounfälle und die potenziell gefährlichen Kopfverletzungen zu unternehmen. Durch Sensibilisierung sowie den Verkauf von Velohelmen konnte seither erreicht werden, dass in der Schweiz immer mehr Velofahrerinnen und Velofahrer freiwillig einen Helm tragen. Seit dem Jahr 2000 arbeiten die Suva und die bfu in der Förderung des Velohelmtragens eng zusammen.
Der Erfolg der Kampagne ist nachhaltig: Seit 1994 führt die bfu regelmässig Erhebungen über die Velohelmtragquote in der Schweiz durch. Seither ist die Helmtragquote von 4 auf 27 Prozent im Jahr 2003 gestiegen.
Für 2004 war das Ziel, die Helmtragquote auf 30 Prozent zu erhöhen. Die neuste Helmzählung der bfu hat ergeben, dass dieses Ziel deutlich mit 33 Prozent übertroffen wurde. Mitverantwortlich dafür dürfte auch die überraschende letztjährige Plakatkampagne von Ruf Lanz gewesen sein.
Auf die prägnante Lösung mit dem Horrorfilm ist man nach gründlicher Analyse des Verhaltens der verschiedenen Personengruppen gekommen. Jugendliche und junge Erwachsene sind die grösste Risikogruppe bezüglich Freizeitunfälle. Werte wie Freiheit und Spass haben bei ihr einen hohen Stellenwert. Dies dürfte der Grund dafür sein, dass die Velohelmtragquote bei dieser Altersgruppe noch unter dem Durchschnitt liegt. Die Gruppe soll mit der Kampagne darum besonders angesprochen werden.
Der Horrortrailer wurde bei Condor produziert. Regie führte Martin A. Fueter. Die 3-D-Animation stammt von Dany Bittel. Der horrorgerechte Sound stammt von Space Train, Dave Kohler & Dean Montenegro. Im TV wird die deutsche Version des Films gezeigt. Für einen eventuellen späteren Einsatz im Kino ist auch schon eine englische Version abgemischt worden, damit die Horrorparodie inmitten der konventionellen Spots dereinst wie ein echter Filmtrailer wirkt.
Schäden vermeidenDie Suva ist nicht nur eine Versicherung für Arbeitsunfälle. Wer bei einem Suva-versicherten Unternehmen mehr als acht Stunden pro Woche arbeitet, ist automatisch auch gegen so genannte Nichtberufsunfälle oder Freizeitunfälle versichert. Die Suva unternimmt deshalb grosse Anstrengungen, die versicherten Personen und Unternehmen bei der Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz und in der Freizeit zu unterstützen. Damit Unfälle und die damit verbundenen Kosten gar nicht erst entstehen.
Die Erhöhung der Freizeitsicherheit nimmt dabei einen grossen Stellenwert ein. Dies, weil es heute deutlich mehr Nichtberufsunfälle (2253770) als Berufsunfälle (177442) gibt.
Im Spot von der Horrormaske zum Velohelm: Ruf Lanz warnt alle, die keinen Helm tragem, vor dem echten Horror einer Kopfverletzung.
Andreas Panzeri

Tiefer Einblick ins Konsumverhalten

Marktdaten Kantone waren gestern: Kommunikation findet in dynamischen Räumen statt. Der neue Atlas nimmt sie unter die Lupe.

Marktdaten Kantone waren gestern: Kommunikation findet in dynamischen Räumen statt. Der neue Atlas nimmt sie unter die Lupe. Das Herz des Deutschschweizer Privatfernsehens schlägt im Zürcher Unterland. Das zeigt ein Blick in den Kommunikations-Atlas 2005. Tiefrot eingefärbt, dominiert die Flughafenregion die Übersichtskarte «Reichweite des stärksten Regional-TV».Mit dem Kommunikations-Atlas 2005 gibt die Medienberatungsfirma Publicom einen tiefen Einblick in die vielfältige Medien- und Konsumlandschaft Schweiz. Die Übersichtskarten zu Themen wie Wohnbevölkerung, Einkommen und Pendlersaldo am Anfang des 290 Seiten starken Bandes sind eigentlich nur ein Teaser. Das Herzstück des Atlas ist die Aufschlüsselung der Daten auf 65 Kommunikationsräume, in welche Publicom die Eidgenossenschaft eingeteilt hat. Wer sich genauer für das Zürcher Unterland interessiert, findet nicht nur heraus, dass TeleZüri dort einen Engeren Nutzerkreis (ENK) von 56 Prozent besitzt, sondern auch, dass der Sender als tagesaktuelles regionales Medium Konkurrenten wie Tages-Anzeiger und Radio 24 punkto Reichweite glatt abhängt.
Dynamische RäumeUnter Kommunikationsräumen versteht Publicom geografisch abgrenzbare Gebiete mit einer inneren Identität. Anders als politische Strukturen sind sie dynamischen Entwicklungen unterworfen. So hat die Zahl der Räume zwischen der Einführung des Konzepts 1994 und dem Update von 2004 um fünf abgenommen. Zu den Kriterien für die Einteilung gehören demografische Faktoren wie Sprache, Religion, Parteipräferenzen, Mobilität und subjektives Zugehörigkeitsgefühl ebenso wie topografische Barrieren oder Verbreitungsgebiete von lokalen Medien.
Die einzelnen Kommunikationsräume variieren stark in der Grösse. An der Spitze steht der Raum Zürich, den nach der Definition von Publicom 707500 Personen bewohnen. Am unteren Ende steht das Puschlav, hier «Bernina» genannt, mit nur 4427 Einwohnern. Dass auch kleinste Räume als eigenständige Einheiten betrachtet werden, bringt eine Schwierigkeit mit sich: Für sie lassen sich wegen zu geringer Fallzahlen bei vielen Themen keine statistischen Aussagen machen.
Das gilt beispielsweise für die Verortung im psychografischen Raum gemäss dem Demoscope-Market-Radar oder die Verteilung der Konsumausgaben. Erstere gibt nicht nur Aufschluss über die Affinität der Einwohner eines Kommunikationsraums zu bestimmten Werthaltungen, sondern zugleich auch Hinweise auf geeignete Werbe- und Mediastrategien. Zu Letzterer fehlt im Atlas leider eine Gesamtschau, weshalb die Werbewoche einen kleinen Überblick gibt.
Konsumfreudiges Millionen-ZürichAm meisten für Konsum ausgegeben wird – wie zu erwarten – im grössten Kommunikationsraum, also in Zürich. Interessanter sind die Konsumausgaben pro Haushalt. Hier liegt das Zürcher Oberland mit über 69000 Franken an der Spitze. Dahinter folgen Zug und das Zürcher Unterland mit rund 68900 bzw. 67000 Franken. Sieben der zehn Räume in den Top Ten gehören zum Gebiet der Zürcher S-Bahn. Das Baselbiet liegt auf Rang vier mit 65350 Franken. Die konsumfreudigsten Westschweizer Räume liegen am Genfersee: Lavaux/
Vevey (62400 Franken) und Genf (61000 Franken).
Am unteren Ende der Skala stehen Bellinzona und das Emmental mit unter 52000 Franken. Interessanterweise gehören beide zugleich zu den Räumen mit den höchsten Ausgaben für Gesundheit. Das Emmental ist dabei schweizweit führend. Nimmt man den eidgenössischen Durchschnitt als 100 Punkte, so erreichen die Emmentaler einen Rekordwert von 145. Sie geben also fast anderthalbmal so viel für Gesundheit aus wie durchschnittliche Schweizer. Gleichzeitig gehören die Verkehrsausgaben hier mit 71 Punkten zu den niedrigsten im Land. Man darf vermuten, dass hier eine Altersstatistik aufschlussreich sein könnte. Leider ist diese im Kommunikations-Atlas nicht enthalten, was angesichts der notorischen Fixierung der Werbung auf die 15- bis 49-Jährigen sogar ein wenig erstaunt.
In den Konsumbereichen Freizeit und Bekleidung sind die Unterschiede zwischen den Kommunikationsräumen weniger ausgeprägt als bei der Gesundheit, wo die Skala bis hinab zu 59 Punkten geht. Dieser Wert wird in Wil SG erreicht, wo umgekehrt mit 116 Punkten am zweitmeisten Geld für Kleider ausgegeben wird. Die Spitze mit 117 Punkten nimmt das Linthgebiet ein. Als Modemuffel der Nation zeigt sich das Toggenburg mit nur 81 Indexpunkten. Die billigste Freizeitgestaltung findet man in Solothurn (84 Punkte), während in der Region Weinland/Winterthur am meisten dafür ausgegeben wird (112 Punkte).
An dieser Ausgaben-Hitparade nehmen wegen der erwähnten statistischen Schwierigkeiten allerdings nur 40 der 65 Kommunikationsräume teil. Nicht dabei sind zum Beispiel weite Teile der Innerschweiz. Gut möglich also, dass sich vor dem Auge des Atlas-Benutzers heimliche Konsumkönige verbergen. So liegen ausgerechnet für den Raum mit dem höchsten Pro-Kopf-Reineinkommen keine Angaben vor: In Nyon verdient jeder Einwohner statistisch 38532 Franken. Mit 73165 Personen ist die westliche Genferseeküste zudem der grösste Kommunikationsraum, aus dem zu wenige Daten für die Konsumstatistik vorliegen.
Geballte InformationDer Kommunikations-Atlas der Schweiz 2005 weist für die 65
Kommunikationsräume auf jeweils vier Seiten Informationen aus zu
• Bevölkerungszahl, Anzahl Haushalte
• Reineinkommen, Konsumausgaben
• Anteil «Stopp Werbung»-Kleber
• Auflage, Haushaltabdeckung und Reichweite der stärksten und zweitstärksten Tageszeitung
• ENK der stärksten Radio- und TV-Sender
• Anzahl Kinos, Leinwände, Sitzplätze
• Pendlersaldo und Pendlerströme
• Position im psychografischen Raum.
Da gewisse Daten nur für ein Jahr gültig sind, können Besitzer des Atlas auf www.kommunikationsatlas.ch mittels Passwort aktualisierte Daten sowie zusätzliche Verzeichnisse herunterladen. Der Kommunikations-Atlas wird von der Publicom AG herausgegeben und ist beim Verlag Media-Daten für 248 Franken erhältlich. Abonnenten der Werbewoche oder des MediaTrend Journals erhalten einen Vorzugspreis von 198 Franken.
Bestellungen: Tel. 044 296 97 98 oder [email protected]
Kommunikations-Atlas 2005: Ergiebige Quelle für die Optimierung von Mediaplänen.
Stefano Monachesi

Das gedruckte Web

Gastkommentar Nirgends ist die Publizierlust grösser als im Internet. Medienhäuser versuchen von der Gratisarbeit der Netznutzer zu profitieren, schreibt Nick Lüthi.

Gastkommentar Nirgends ist die Publizierlust grösser als im Internet. Medienhäuser versuchen von der Gratisarbeit der Netznutzer zu profitieren, schreibt Nick Lüthi.
Im Prinzip ist es zu spät. Ein Blick auf die Rubrikenmärkte zeigt: Online hat die Nase vorn, Print hinkt hinterher und droht bald ganz abgehängt zu werden. Bemühungen der Verleger, mit eigenen Plattformen die Abwanderung von Stellen-, Auto- und Immobilieninseraten aufzuhalten, sind in den seltensten Fällen erfolgreich; branchenfremde Anbieter haben längst dankend übernommen.Ein anderes Bild bei redaktionellen Inhalten: Hier gilt Papier weiter als angemessenes Medium für journalistische Beiträge aller Gattungen; Internet bleibt – wenigstens hier zu Lande – ein oft lästiges, weil Geld verschlingendes Anhängsel, das bestenfalls als Werbefenster fürs dazugehörige Printprodukt dient. Weder die Situation bei den Rubriken noch jene beim redaktionellen Content kann aus Verlegersicht befriedigen. Doch wie lassen sich Papier und Pixel (kommerziell) erfolgreich unter einen Hut bringen?
«Reverse Publishing» lautet eine mögliche Antwort. Erste Ansätze wie die Partnerschaft von Tamedia mit dem Online-Fahrzeugmarkt car4you.ch lassen sich bereits beobachten. Seit einem halben Jahr publizieren die Zürcher ein Gebrauchtwagenblatt, dessen Inhalt automatisch aus der Inseratedatenbank der Online-Plattform generiert wird. Le Temps prophezeit der neuen Zeitung eine Zukunft als «neue Bibel der Occasionsautos». Doch auch ohne Superlativ lässt sich am Car4you-Beispiel ablesen, wie eine solche Rückführung von Onlinecontent in Printprodukte aussehen kann.
Zentrale Motivation dafür ist natürlich die Reduktion des redaktionellen Aufwands aufs absolute Minimum. Erfasst werden die Inserate – sprich: der Zeitungsinhalt – von den verkaufswilligen Autobesitzern selbst; vor Drucklegung wird nur noch ein Kontrollblick über die Fahnen geworfen, die aufwändige Datatypistenarbeit entfällt. Einen ähnlichen Weg geht die Rheinische Post mit ihrer Beilage Opinio. Leserinnen und Leser verfassen auf der Webseite der Tageszeitung Beiträge zu beliebigen Themen, die besten werden schliesslich zweiwöchentlich als Opinio publiziert.
Zwar hält sich die Ressourcenoptimierung hier in Grenzen – die Bürgerjournalisten schreiben gratis, doch arbeiten rund zehn Redaktoren für die Beilage –, aber darum geht es bei dem Düsseldorfer Reverse-Publishing-Projekt auch nicht primär. Im Vordergrund steht Leserbindung. Und diese scheint schon nach wenigen Ausgaben Fortschritte zu machen. Jedenfalls haben die mehr als 500 registrierten Opinio-Schreiber seit der Lancierung im Februar bereits über 3000 Beiträge verfasst.
Die Car4you-Zeitung und Opinio zeigen vor allem eines: Die von Medienhäusern oft bejammerte Gratiskultur des Internets lässt sich auch produktiv nutzen. Genauso, wie Internauten erwarten, die Artikel ihres Leibblatts kostenlos am Bildschirm zu lesen, sind sie bereit, ohne Entgelt einen Aufwand zu leisten, den Verlage in bare Münze wandeln können. Eine Win-Win-Situation? Vielleicht. Die ersten Gehversuche an Krücken stimmen zumindest hoffnungsvoll.
> Nick Lüthi ist Medienjournalist in Bern mit langjähriger Online-
erfahrung.

Accessoires vom NZZ-Chinesen

Magaloge Mit seinem zum Lifestyle-Magazin aufgerüsteten Katalog Shanghai demonstriert Globus Innovationsgeist. Und beginnt denZeitschriftenverlagen Konkurrenz zu machen.

Magaloge Mit seinem zum Lifestyle-Magazin aufgerüsteten Katalog Shanghai demonstriert Globus Innovationsgeist. Und beginnt denZeitschriftenverlagen Konkurrenz zu machen.
Der Schweizer Konsumfrühling treibt heuer manch chinesische Blüte. Der Zürcher Chinagarten etwa wirbt mit Mailings für «besonders authentischen Fingerfood» bei seiner Neueröffnung, und das Warenhaus Manor preist seine «China Today»-Wochen gleich flächendeckend auf Plakaten und in Zeitungsbeilagen an. Konkurrent Globus hingegen setzt zur Annoncierung seiner exotischen Shanghai-Aktionen und -Produkte auf ein – zumindest hier zu Lande – nicht minder exotisches Mixmedium, den «Magalog» (siehe Kasten).Entwickelt wurde dessen inhaltliches und optisches Konzept, das letzte Weihnachten bereits erstmals umgesetzt wurde, von der Zürcher Corporate-Publishing-Agentur Primafila – freilich in enger Abstimmung mit der Marketingabteilung von Globus, wie Mitinhaberin Viviane Egli betont. Für Egli ist das 84-seitige Kundenmagazin, das in einer Auflage von 250000 Exemplaren erscheint und zu vier Fünfteln di-rekt an Kundenkarteninhaber verschickt wird, auch «kein Magalog im klassischen Sinne». Wobei sie mit «klassisch» nicht Lucky, die amerikanische Mutter aller Magaloge, sondern zum Beispiel die einheimischen Kuoni-Kataloge meint, welche schon seit einem Jahr auf dem Prinzip des Produkterzählens beruhen.
Texte mit AnspruchMit Shanghai hat Primafila gemeinsam mit ihrem Münchner Editorial-Design-Partner Horst Moser das neue Schweizer Genre des Verkaufsprospekts mit journalistischem Anspruch weiter ausgebaut und deutlich verfeinert. So berichtet niemand Geringeres als Urs Schoettli, seines Zeichens seit 2002 China-Korrespondent der NZZ, über die dortigen Teekulturen und Handtaschenträgerinnen. Hinterlegt sind seine Berichte – wie sämtliche redaktionellen Beiträge – durch Abbildungen der bis Ende Mai in den zwölf Globus-Filialen feilgebotenen China-Ware.
Wie mit anderen hochwertigen CP-Titeln avancieren Unternehmen auch mit Magalogen zu potenziellen Konkurrenten traditioneller Zeitschriftenverlage. Doch Globus-Marketingleiter Urs Freudiger relativiert: «Wir verstehen uns nicht als Verleger.» Dazu fehle das hierfür nötige Langfristdenken gegenüber dem Leser- wie dem (Fremd-)Anzeigenmarkt. «Sobald etwa Jelmoli die Magalog-Idee kopiert, probieren wir etwas Neues. So lange profitieren wir von unserem First-Mover-Vorteil.»
Fremdinserate refinanzierenMehr noch als das innovative Produkt dürfte den Verlegern strategisches Bauchweh bereiten, dass Shanghai neben ansprechendem Content natürlich auch attraktiven Anzeigenraum bietet. Und diesen clever vermarktet. Dank einem Seitenpreis von geschätzten 25000 Franken (genaue Angaben verweigert Freudiger) und 15 Buchungen konnte die Weihnachtsausgabe so «fast vollständig refinanziert» werden. In der aktuellen Ausgabe des zweimal jährlich erscheinenden Magalogs finden sich allerdings nur mehr 2,5 bezahlte Inserateseiten. Aber nächste Weihnachten wirds «bestimmt wieder üppiger», meint Freudiger zuversichtlich. Und wenn nicht? «Kein Problem, im Gegensatz zu den Verlagen leben wir ja nicht von diesem Geschäft.»
Hybride PrintgattungEine der ersten deutschen Belegstellen fürs amerikanische «Magalog» findet sich im «Wörterbuch der Szenesprachen» des Hamburger Trendbüros. Dieses definierte die begriffliche Zusammenziehung aus Magazin und Katalog bereits Mitte 2000 als «Vermischung von Information, Unterhaltung und Werbung in beziehungsweise zu einem neuen Medium». Für die linksalternative Tageszeitung (taz) hingegen sind die neuen Bastarde auf dem Presseboulevard schlicht «redaktionell angereicherte und journalistisch kaschierte Einkaufslisten».
In den USA sind Magaloge im Leser- und Anzeigenmarkt so erfolgreich, dass sie die Fachpresse seit Jahren schon als «Shooting Stars und Cash Cows der Zeitschriftenbranche» (Media Week) feiert. Marktführer ist Condé Nast mit dem Monatstitel Lucky (bezahlte Auflage 2004: über 1 Mio. Ex.) fürs weibliche und dem vor einem Jahr lancierten Cargo (350000 Ex.) fürs männliche Zielpublikum. Auch in Frankreich lässt sich mit publizistisch gestylten Kaufempfehlungen Geld verdienen, wie Gruner + Jahr seit 2003 mit seinem vierteljährlichen Magalog Shopping beweist.
Dessen deutsche Version wurde allerdings Ende 2004 ins Mutterheft Woman reintegriert. Kurz zuvor erst hatte der Bauer Verlag Shop & Style wieder aus dem Verkehr gezogen und die Milchstrasse ihren Amico sistiert. Man darf gespannt sein, ob innovative Handelsunternehmen und Detaillisten – respektive deren Corporate-Publi-
shing-Agenturen – mit dieser neuen Gattung im deutschsprachigen Raum mehr Glück haben werden als die (vorerst) gescheiterten Zeitschriftenverlage. (oc)
Produktewerbung journalistisch aufbereitet: Kuoni machte den Anfang, Globus zieht nach.
Oliver Classen

Wieder Umsatz-Milliardär

Bilanz I Dank überaus starkem Wachstum in Mittel- und Osteuropa erzielt Ringier einen Rekordumsatz.

Bilanz I Dank überaus starkem Wachstum in Mittel- und Osteuropa erzielt Ringier einen Rekordumsatz.Ringier schrieb 2004 das beste Ergebnis seiner Geschichte. Der Gewinn konnte um 28,7 Prozent auf 55,6 Millionen Franken gesteigert werden, der Cashflow legte um 8 Prozent auf 130,6 Millionen Franken zu. Erzielt wurde eine Umsatzrendite von 11,7 Prozent. Die Gewinnmarge liegt mit 5 Prozent über dem Vorjahreswert von 4,4 Prozent.Der Umsatz des grössten Schweizer Medienunternehmens stieg vor allem dank deutlichem Wachstum in Mittel- und Osteuropa, zwei Drittel davon durch Akquisitionen. Das Geschäft im Osten blüht geradezu. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: In der Tschechischen Republik hat der 2004 lancierte Blesk pro zeny (Blick für die Frau) im Segment der Wochenmagazine bereits Platz zwei eingenommen. Kein Wunder, wagte Ringier nun im März dieses Jahres mit Blikk Nök auch noch ein ungarisches Pendant.
Print Schweiz stagniertUmsatzmässig steigerte sich das Europageschäft 2004 um ganze 41,6 Prozent oder 94 Millionen Franken. Damit trug es knapp 29 Prozent zum Gesamtumsatz von 1113,5 Millionen Franken bei; 2003 hatte dieser Anteil noch 23 Prozent betragen. Kein anderer Ringier-Bereich wächst derart rasant. Das Hauptstandbein mit einem Umsatzanteil von 66,7 Prozent machen aber noch immer die Aktivitäten im Schweizer Print- und Verlagsbereich aus. Trotz rückläufiger Werbeumsätze weist zumindest der Verlag Schweiz einen Zuwachs um 5,4 Prozent aus, der Schweizer Druckbereich hingegen litt unter rückläufigen Preisen, zudem führten Restrukturierungen und Sanierungen zu leichten Umsatzeinbussen von 1,1 Prozent. Das Ergebnis im Druckbereich konnte aber dank Stellenabbau – unter anderem im Zusammenhang mit der Druckerei Winterthur – verbessert werden.
Ringiers Zeitungsbereich blieb insgesamt bei 197,9 Millionen Franken Umsatz stabil, allerdings gingen die Verkaufszahlen leicht zurück, während die Anzeigenerlöse etwas gesteigert werden konnten. Die Zeitschriften dagegen legten um 8 Prozent deutlich auf 235,1 Millionen Franken zu. Die Wirtschaftsmedien hingegen lagen 2004 mit 21,5 Millionen Franken unter Vorjahr (–2,7 Prozent).
Ganze 26 Prozent Umsatzzuwachs weist Ringier für seine TV-Aktivitäten aus, dieser Bereich kommt mittlerweile auf 32,4 Millionen Franken.
In Ungarn neu lanciert: Blikk Nök – der Blick für die Frau.

Markus Knöpfli

Dank sei dem Kunden Düsentrieb

Telecom AY&R will Sunrise als Innovations-Brand positionieren, bei dem Kundenwünsche subito erfüllt werden.

Telecom AY&R will Sunrise als Innovations-Brand positionieren, bei dem Kundenwünsche subito erfüllt werden.
«Indem wir uns an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren, schaffen wir Vertrauen – Vertrauen in die Marke Sunrise, das sich langfristig auszahlt. Für uns und für Sie», so Sunrise im eigenen Unternehmensporträt. Als Messlatte für die Arbeit gelte die Zufriedenheit der Kundschaft. Zu Wort kommt Letztere denn auch in den Produktekampagnen, die seit wenigen Monaten den Stempel von Advico Young & Rubicam (AY&R) tragen. Die Agentur, die zuvor schon für die B-to-B-Marketingkommunikation von Sunrise zuständig war, will der Marke, die sich mit ihrem Brand- claim «Always a smile» als die menschliche Telecomanbieterin von der Konkurrenz abheben will, die zusätzliche strategische Ausrichtung geben: Ideen bringen uns weiter.Brücke zur KundschaftUnd bei diesem Pay-off, der die Marke extern wie intern noch klarer positionieren soll, schlägt die neue Kampagne ihre Brücke zur Sunrise-Kundschaft. Sie sei es nämlich, die all die neuen Dienste und Angebote ausheckt und so die Produktpalette erweitert. Mit diesem Statement beweist Sunrise zugleich, dass ihr die Kundenbedürfnisse wichtig sind.
Nicht nur das. Als unkompliziertes Unternehmen weiss Sunrise die Kundenideen nicht nur aufzunehmen, sondern diese auch flugs in die Praxis umzusetzen. Denn, so das Kampagnenkonzept, wer nah an den Kunden sein will, der muss diesen auch zuhören, erklären die CDs Urs Schrepfer und Daniel Comte.
Um diese Bedürfnisorientierung zu betonen, griffen die Kreativen von Gockhausen zu einem Kunstgriff: die crossmediale Kampagne, die sich schlau selbst zitiert. Ob in der Modeboutique, beim Einkaufen oder im Kino: Spontane Einfälle der Kunden werden unmittelbar festgehalten, umgesetzt und im Handumdrehen als neues Produkt von Sunrise auf Plakataushängen präsentiert. «Durch den crossmedialen Mechanismus gewinnt die Kampagne zusätzlich an Wirkung», sagt Comte. In den TV-Spots werde auch die Entstehung der Poster dramatisiert, die tatsächlich zeitgleich die Strassen schmücken.
Dachten viele, dass der harte Preiswettbewerb zur Vergangenheit gehört, heizten ihn mehrere Anbieter kürzlich wieder an, sei es mit neuen Mobilfunknetzen für Grossagglomerationen, Gratistelefonie oder Halbtaxabos fürs Festnetz. Die Betriebsamkeit der Telecomdienstleister wie der TDC-Tochter Sunrise lässt darauf schliessen, dass Strategien gefragt sind für die anbrechende Zeit der stagnierenden Wachstumsdynamik. Auch die betonte Kundenoptik in der Sunrise-Kampagne muss als Reaktion auf den harten Verdrängungswettbewerb gesehen werden.
Beinhartes GeschäftTrotz gesteigerter Gewinnmarge dürften Sunrise vor allem rückläufige Kundenzahlen schmerzen. Gemäss eigenen Angaben haben diese nicht nur im Festnetzbereich abgenommen wie bei fast allen Anbietern. Selbst im Mobilbereich musste Sunrise einen Negativtrend hinnehmen: Ende vergangenen Jahres wies das Unternehmen 1190000 aktive Mobilkunden aus, zehn Prozent weniger als noch Mitte 2004. Mediensprecher Mathieu Janin relativiert diese Veränderung: «Der Rückgang ist teils der verpassten Registrierung von Prepaid-Handys, teils der restriktiveren Definition des aktiven Kundenstammes zuzuschreiben, die für alle Telecomanbieter eine technische Angleichung war.» Tatsächlich habe sich die Zahl der Mobil-kunden bei Sunrise aber kaum verändert.
Laut Urs Schrepfer will man sich künftig auf weniger Fokusthemen konzentrieren, damit sich das Produktangebot besser in den Köpfen der Konsumenten verankern kann. Was nicht heissen soll, dass das Budget reduziert werde. Immerhin wurde die aktuelle Kampagne Sunrise Relax für TV, Print, Radio und den POS umgesetzt, die für Sunrise Pronto mit Inseraten, Plakaten und POS-Mitteln und Sunrise Message Xtra für den Online- und POS-Auftritt. Im gleichen Kampagnenauftritt wird AY&R in Kürze auch für Sunrise ADSL, Family und weitere Angebote werben.
Wunschlos glücklich: Die neuen Plakate signalisieren, dass Sunrise offene Ohren für Kundenanliegen hat.

Die Realität ist schneller: Ideen, die Sunrise-Kunden in Spots entwickeln, sind bereits umgesetzt.
Luca Aloisi

Medaillensegen für Schweizer Agenturen

Awards Die Zürcher Werbeagentur Jung von Matt/Limmat vermeldet eine ganze Reihe von Preisgewinnen.

Awards Die Zürcher Werbeagentur Jung von Matt/Limmat vermeldet eine ganze Reihe von Preisgewinnen.So beim Schweizer DM-Award für die Beiträge «Steckmodem und Schaufensterpuppe» (Bluewin) sowie «Buschgesichter» (Angel Coiffeur). Auf die Shortlist schafften es die «Reinschmuggel-Aktion» (Granador) und das «Lebende Mailing» für die Landschaftsarchitekten Tur & Partner. Letzteres überzeugte auch in den USA, wo es im Final des Kreativwettbewerbs One Show steht und einen Distinct Merit Award an der Jurierung des ADC New York erhielt. Auch Publicis und Ruf Lanz waren in Übersee erfolgreich. Während Publicis Zürich mit ihren Plakaten für Médecins sans Frontières zu den Gewinnern des ADC New York gehört, erhielt Ruf Lanz’ Spot «I just called» (Blindenwohnheim Mühlehalde) beim One Show eine Auszeichnung.

Entspannung für Bonzen

Print Kaderleute können sich durchaus von ihren Geldsorgen ablenken lassen.

Print Kaderleute können sich durchaus von ihren Geldsorgen ablenken lassen.Zum Beispiel bei der Lektüre des Geo, das gemäss Leserforschung MA Leader 2005 beim Leader-Segment besonders beliebt ist. Wieso das so ist, erklärte Wyler Werbung anhand eines reich bebilderten Inserats: 39 ausgesuchte Banknoten, die die Magazin-Welt ironisch wiedergeben – Landschaften, Tiere, Persönlichkeiten und Pflanzen aus der ganzen Welt.
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