Fusion Im Fricktal wird der kleinste Verleger zum grössten – weil ihm die BaZ den Vortritt lässt. Sieschafft anderswo so Vertrauen.Die Zeitungsfusion im Fricktal (siehe Kasten) macht vor allem einen zum grossen Gewinner: Walter Herzog, Inhaber der Herzog Medien und Herausgeber der Fricktaler Zeitung (FZ). Denn Herzog wird bei der Neuen Fricktaler Zeitung (NFZ) nicht nur eine deutliche Mehrheit halten, sondern auch gleich die Funktionen des VR-Präsidenten und des Chefredaktors ausüben. Zudem darf er die ganze NFZ drucken, die Basler Zeitung Medien (BZM), die beim Fricktaler Boten (FB) bisher den Druck besorgte, geht (vorläufig) leer aus. Herzog gewinnt noch mehr: Als bisher kleinster Zeitungsverleger dieser Region avanciert er zur Nummer eins. Denn mit ihren 11000 abonnierten Exemplaren wird die NFZ auch den bisher grössten Titel, den Fricktal-Split der Aargauer Zeitung (AZ) mit seinen 6639 Exemplaren, deutlich abhängen. Und dank der wöchentlichen Grossauflage von 31000 Exemplaren, die gratis an alle Haushalte des oberen und unteren Fricktals verteilt wird, überragt die NFZ auch das Wochenblatt Bezirksanzeiger mit seinen 18137 Exemplaren. Dennoch gibt sich Herzog bescheiden. Ein Triumphgefühl gegenüber seinen bisherigen Konkurrenten verspüre er nicht, sagt er. «Aber es erfüllt uns mit Freude, dass unsere Familie, die seit 1878 in Rheinfelden eine Zeitung herausgibt, nun auch bei der NFZ federführend ist.»Eine Art HahnenkampfDer jetzigen Fusion ging allerdings eine Art Hahnenkampf voraus: Nachdem die BZM vor zwei Jahren beim FB eingestiegen war, vergrösserte die FZ im letzten Mai ihre Grossauflage und verteilt sie seither auch im oberen Fricktal, dem Stammgebiet des FB. Unter der Ägide von Verlagsleiterin Riccarda Mecklenburg reagierte diese im Herbst mit einem Relaunch und ebenfalls einer Grossauflage, die ihrerseits das Stammgebiet der FZ mitabdeckte. Auf welcher Seite der Leidensdruck am Ende grösser war, ist schwer auszumachen. Herzog sagt, seine FZ habe nicht gelitten, sondern 2004 etwa das Inseratevolumen von 2003 halten können. Die Inseratestatistik der Wemf weist demgegenüber für die FZ ein Minus von 12 Prozent aus. Der FB hingegen war letztes Jahr erklärtermassen in den roten Zahlen – wegen dem Relaunch, wie Mitherausgeber Bernhard Binkert betont. Dennoch behauptet er, dass gerade der Relaunch zu der «guten gesamtfricktalischen Lösung beigetragen» habe. Letzteres sieht auch Ruth Ludwig-Hagemann so, die die BZM beim FB vertritt und auch bei der NFZ im Verwaltungsrat Einsitz nimmt.
Wie dem auch sei: Ludwig ist ebenfalls mit der neuen Lösung zufrieden, obwohl die BZM künftig nur eine Minderheit halten wird. Für die BZM sei es viel wesentlicher, im Fricktal das Entstehen einer «besser positionierten Zeitung» zu ermöglichen. Vor allem aber komme so der von der BZM angestrebte Zeitungsverbund ein konkretes Stück weiter. BZM und NFZ haben auch vereinbart, ab dem 1. Juni den Zeitungsverbund Nordwestschweiz als nationale Werbeplattform zu lancieren. Diese Kooperation sei offen für weitere Partner, betonen Ludwig, Binkert und Herzog.
Sämtliche Kombis verstärkenDass dieser Verbund zu Stande kam, macht die BZM tatsächlich ebenfalls zur Gewinnerin der Fricktaler Fusion. Denn als BaZ-Verleger Matthias Hagemann die Idee nach dem Vorbild des Verbundes Südostschweiz vor zwei Jahren präsentiert hatte, war er bei sämtlichen Verlegern der Nordwestschweiz nur auf Skepsis gestossen. Die BZM als Partner der kleinen Verleger konnte sich niemand vorstellen, eher als deren Totengräber.
Im Fricktal kann die BZM nun aber erstmals konkret zeigen, wie sie Partnerschaft versteht. Diese Chance hat sie wohl verstanden. So hat sie nicht nur das Verbundangebot erneuert, sondern dieses auf die selbe Stufe gestellt wie die bisherigen Inseratekombinationen. Denn der FB ist im Kombi Hattrick, zusammen mit der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) in Liestal und mit der Volksstimme in Sissach. Und die FZ ist mit dem Freischütz von Muri und der Aargauer Woche, dem Gratisblatt der AZ Medien, liiert. Alle diese Kombis sollen dank NFZ verstärkt werden, sagen Ludwig, Binkert und Herzog gemeinsam. In den nächsten Wochen will Herzog deshalb mit den andern Verlegern Gespräche über die zukünftige Zusammenarbeit aufnehmen.
Alle profitieren von der FusionDas Festhalten an den bisherigen Kombis demonstriert am deutlichsten, dass alle Verleger von der NFZ-Fusion profitieren werden, auch ohne neue Verpflichtungen. Diese Botschaft ist zumindest in Liestal und Sissach angekommen, ebenso die Tatsache, dass sich die BZM im Fricktal stark zurücknahm. «Dass der Grosse nicht einfach den Kleinen schluckt, bestärkt unser Vertrauen in die BZM schon», bestätigt Rolf Wirz, Chefredaktor der Volksstimme und Geschäftsleitungsmitglied beim Herausgeber Schaub Medien. An einem Weiterführen des Hattrick sei man deshalb interessiert. «Und wir werden uns sicher auch das neue Inseratekombi mit der BaZ genauer anschauen», fügt er an.
Anders sieht das bz-Verleger Mathis Lüdin: Zwar begrüsst er die NFZ-Fusion «wegen dem Overkill im Fricktal» auch, punkto Verbund Nordwestschweiz gibt er sich allerdings weiter zurückhaltend. «Schauen wir mal», sagt er nur – was jedoch weit weniger abgeneigt klingt als auch schon. Abgesehen davon ging auch er in den letzten Jahren schon zwei Kooperationen mit der BZM ein: Zum einen lässt er seine bz von der BZM-Vertriebsorganisation frühzustellen, andrerseits besteht seit dem letzten Sommer zwischen bz und BaZ ein samstägliches Stellenkombi. Und Letzteres hat der bz bisher «sicher nicht geschadet», das zumindest ist Lüdin zu entlocken.
Mit etwas Wehmut betrachtet man die neue Situation im Fricktal nur gerade in Baden. «Wir hätten uns dort ebenfalls eine Zusammenarbeit vorstellen können», sagt Ueli Eckstein, Leiter Printmedien bei den AZ Medien. Die NFZ werde aber dennoch nicht zum Hauptkonkurrenten der Aargauer Zeitung. «Das ist immer noch die BaZ», stellt Eckstein klar. Ob die Aargauer Woche deshalb das Kombi mit der NFZ aufrechterhalten will, weiss Eckstein noch nicht. «Wir müssen uns erst einmal genauer ansehen, ob wir dadurch nicht allzu sehr mit der BaZ verlinkt werden», sagt er.
Fusion im FricktalDie Regionalblätter Fricktaler Zeitung (FZ) und Fricktaler Bote (FB) fusionieren per 1. Juni 2005 zur Neuen Fricktaler Zeitung (NFZ). Hinter der FZ steht die Herzog Medien AG in Rheinfelden. Der FB wird von der Fricktaler Bote AG herausgegeben, an der die Binkert Druck AG in Frick und die Basler Zeitung Medien (BSM) je hälftig beteiligt sind. An der NFZ übernimmt Herzog 58 Prozent, BZM und Binkert erhalten je 21 Prozent. Ein gegenseitiges Vorkaufsrecht ist vereinbart.
Die NFZ wird ihren Erscheinungsrhythmus von drei auf vier Wochentage ausweiten. Das neue Blatt wird offizielles Publikationsorgan fast aller Gemeinden im unteren und oberen Fricktal. Die Redaktionsbüros in Rheinfelden und Frick bleiben bestehen, die Satzproduktion findet bei Herzog Medien und Binkert Druck statt. Druckort ist Rheinfelden. Für die Anzeigenakquisition ist die Publicitas in Rheinfelden und Frick zuständig. (mk)
Aus zwei mach eins – die Neue Fricktaler Zeitung.
Markus Knöpfli