Breitbild an der Werdstrasse
TV Tamedia denkt wieder an mehr Fernsehen: Das Zürcher Medienhaus sicherte sich die Marke Tele Plus.
TV Tamedia denkt wieder an mehr Fernsehen: Das Zürcher Medienhaus sicherte sich die Marke Tele Plus. Einen «Geheimplan» hat Tele vergangene Woche aufgedeckt: Tamedia mache sich erneut bereit, den Schweizer Fernsehmarkt aufzurollen, berichtet die Ringier-Programmzeitschrift. Mitte März habe der Zürcher Medienkonzern das Logo der geplanten Station – «Tele Plus» – eintragen lassen. Noch sei beim Bundesamt für Kommunikation aber kein Konzessionsgesuch eingegangen.Kein Wunder. Derart hektisch, wie Tele suggeriert, wird Tamedia das Wagnis eines sprachregionalen Senders kaum angehen. Tatsächlich macht man sich an der Werdstrasse schon weitaus länger Gedanken über eine TV-Expansion. Das Logo wurde zwar vom Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum am 15. März eingetragen. Den Antrag dazu stellte Tamedia aber bereits am 1. September 2004. Die Wortmarke Tele Plus war sogar schon Ende Juni eingereicht und am 19. August eingetragen worden.
Raum zum SpekulierenTele Plus ist nicht die einzige inaktive Fernsehmarke von Tamedia. Auch wenn das defizitäre TV 3 Ende 2001 eingeschläfert wurde, hat das Medienhaus dennoch die Rechte am Namen behalten. Und nur wenige Tage nach der letzten Sendung von TV 3 reservierte sich Tamedia die Bezeichnung «Tele25». Unter diesem Arbeitstitel suchten damals Markus Gilli und Peter Canale nach Geldgebern für einen Nachfolger ihres eingestellten Senders Tele 24.
Möglich, dass die neuen TV-Pläne nicht ausgereifter sind als damals. So will es Tamedia jedenfalls verstanden wissen: «Wir halten uns alle Optionen offen und haben prophylaktisch die Marke Tele Plus im Markenregister eintragen lassen», verlautbarte die Pressestelle des Konzerns.
Doch die parallele Ausführung des Logos zu dem von TeleZüri lädt zu Spekulationen ein. Das Programm des Lokalsenders lasse sich ohne übertriebenen Aufwand auch national verwerten, glaubt Tele. Bereits heute habe TeleZüri einen nationalen Anstrich und produziere News von schweizweitem Interesse. Zudem werden Sendungen wie «Lifestyle» und «Swissdate» auch von anderen Regionalsendern erfolgreich ausgestrahlt. Der Schritt zum sprachregionalen Sender würde nur drei bis vier Millionen Franken kosten, zitiert Tele ungenannte TV-Experten.
Die Kosten sind aber nur eine Seite der Medaille. Die andere ist das Interesse beim Publikum und im Werbemarkt – eine schwierige Angelegenheit, wie zurzeit gerade U1 TV erfahren muss. Das gibt auch Bruno Oetterli zu bedenken, Chef des Vermarkters Radiotele und neuer Geschäftsführer des Senderverbunds TeleNewsCombi (TNC). Er meldet leise Zweifel an, ob Tamedia ausserhalb Zürichs die nötige Resonanz erzeugen kann. Besonders, wenn das System der Stundenschlaufe beibehalten werde, dürfte es für ein allfälliges Tele Plus schwierig werden. Konkret will Oetterli zur Frage eines Tamedia-Senders für die ganze Deutschschweiz aber nicht Stellung nehmen. «Ich habe nur die kurze Meldung von Tele gelesen, da fehlen mir einfach die Informationen», gibt er sich vorsichtig.
Tele Plus wäre auf jeden Fall eine Knacknuss für das TNC. Einerseits entstünde ein neuer Konkurrent – anderseits fehlte dem Kombi die wichtige Abdeckung in Zürich, wenn TeleZüri ausscheren oder gar in Tele Plus aufgehen würde. Fraglich auch, was aus den bisherigen Programmkooperationen würde.
Umsatzriese TeleZüriBetrachtet man die Werbeumsätze der Regionalsender, fällt TeleZüri schon heute aus dem Rahmen des TNC. Der Advertising Index Switzerland, dessen Zahlen auch Tamedia-Chef Martin Kall an der Bilanzkonferenz benutzte, beziffert die Bruttoeinnahmen des Zürcher Fernsehens auf 21 Millionen Franken. Das ist fast doppelt so viel, wie Tele M1, TeleBärn, TeleTell und TeleBasel zusammen umsetzen. TeleZüri spürt starken Aufwind. Gemäss Martin Kall wird TeleZüri 2006 die schwarzen Zahlen erreichen. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres lag der Sender 30 Prozent über Budget. Der März sei komplett ausverkauft gewesen, freut sich Verkaufsleiter Tarkan Özküp. Tatsächlich könnte die beschränkte Werbezeit nach dem geltenden Radio- und TV-Gesetz sich als Wachstumshemmnis erweisen. Der Gedanke, stattdessen die Reichweite auszubauen, liegt nahe.
Die Resonanz im Werbemarkt dürfte Tele Plus sicher sein. TeleZüri ist bereits stark in den nationalen Mediaplänen vertreten. Laut Özküp betrug der Anteil der nationalen Kunden im ersten Quartal 2005 rund 90 Prozent. Doch eine der Stärken des Senders als Werbemedium ist seine regionale Verankerung. «Das Fenster zum Hof» sei TeleZüri für die Zuschauer, meint Özküp. Diese emotionale Bindung spielt er auch im Werbeblock aus, indem bewusst regionale Informationen unter die nationalen Kampagnen gemischt werden. Wer TeleZüri während der TV-Spots einschaltet, soll merken, dass er nicht bei RTL ist, so der Verkaufsleiter. Dadurch erziele der Sender eine auffällig tiefe Wegzappquote von nur 25 Prozent.
Auf eine solche Identifikation des Publikums wird Tele Plus nicht hoffen dürfen. Das weiss man auch bei Tamedia. Sprecherin Eta Pavlovic stellt klar: Trotz der Gedankenspiele um ein Going national besteht zurzeit «keine Absicht, am Konzept von TeleZüri etwas zu ändern». Tele Plus wird vorläufig weiter in der geheimen Schublade bleiben.
TV-Hochsommer Tamedia hat die Marke Tele Plus still und leise im Sommer 2004 angemeldet. Damals herrschte Hochsaison für TV-Projekte:
Anfang August stieg Christian Heeb bei Nordwest 5 ein, das sich anschickte, die ganze Region Basel zu erobern. U1 TV kündigte die Integration in den MediaOptimizer von Publisuisse und eine eigene Programmzeitschrift an. Cablecom stellte ein Konzessionsgesuch, um seinen Infokanal zum sprachregionalen Sender auszubauen, und Swisscom lancierte den Bluewin-TV-Feldversuch. An der Screen-up Anfang September kündigte RTL 2 ein Schweizer Programmfenster an. (sm)
Evolutionärer Lerneffekt: Tamedia könnte wieder nationaler Player im TV-Geschäft werden.
Stefano Monachesi
Raum zum SpekulierenTele Plus ist nicht die einzige inaktive Fernsehmarke von Tamedia. Auch wenn das defizitäre TV 3 Ende 2001 eingeschläfert wurde, hat das Medienhaus dennoch die Rechte am Namen behalten. Und nur wenige Tage nach der letzten Sendung von TV 3 reservierte sich Tamedia die Bezeichnung «Tele25». Unter diesem Arbeitstitel suchten damals Markus Gilli und Peter Canale nach Geldgebern für einen Nachfolger ihres eingestellten Senders Tele 24.
Möglich, dass die neuen TV-Pläne nicht ausgereifter sind als damals. So will es Tamedia jedenfalls verstanden wissen: «Wir halten uns alle Optionen offen und haben prophylaktisch die Marke Tele Plus im Markenregister eintragen lassen», verlautbarte die Pressestelle des Konzerns.
Doch die parallele Ausführung des Logos zu dem von TeleZüri lädt zu Spekulationen ein. Das Programm des Lokalsenders lasse sich ohne übertriebenen Aufwand auch national verwerten, glaubt Tele. Bereits heute habe TeleZüri einen nationalen Anstrich und produziere News von schweizweitem Interesse. Zudem werden Sendungen wie «Lifestyle» und «Swissdate» auch von anderen Regionalsendern erfolgreich ausgestrahlt. Der Schritt zum sprachregionalen Sender würde nur drei bis vier Millionen Franken kosten, zitiert Tele ungenannte TV-Experten.
Die Kosten sind aber nur eine Seite der Medaille. Die andere ist das Interesse beim Publikum und im Werbemarkt – eine schwierige Angelegenheit, wie zurzeit gerade U1 TV erfahren muss. Das gibt auch Bruno Oetterli zu bedenken, Chef des Vermarkters Radiotele und neuer Geschäftsführer des Senderverbunds TeleNewsCombi (TNC). Er meldet leise Zweifel an, ob Tamedia ausserhalb Zürichs die nötige Resonanz erzeugen kann. Besonders, wenn das System der Stundenschlaufe beibehalten werde, dürfte es für ein allfälliges Tele Plus schwierig werden. Konkret will Oetterli zur Frage eines Tamedia-Senders für die ganze Deutschschweiz aber nicht Stellung nehmen. «Ich habe nur die kurze Meldung von Tele gelesen, da fehlen mir einfach die Informationen», gibt er sich vorsichtig.
Tele Plus wäre auf jeden Fall eine Knacknuss für das TNC. Einerseits entstünde ein neuer Konkurrent – anderseits fehlte dem Kombi die wichtige Abdeckung in Zürich, wenn TeleZüri ausscheren oder gar in Tele Plus aufgehen würde. Fraglich auch, was aus den bisherigen Programmkooperationen würde.
Umsatzriese TeleZüriBetrachtet man die Werbeumsätze der Regionalsender, fällt TeleZüri schon heute aus dem Rahmen des TNC. Der Advertising Index Switzerland, dessen Zahlen auch Tamedia-Chef Martin Kall an der Bilanzkonferenz benutzte, beziffert die Bruttoeinnahmen des Zürcher Fernsehens auf 21 Millionen Franken. Das ist fast doppelt so viel, wie Tele M1, TeleBärn, TeleTell und TeleBasel zusammen umsetzen. TeleZüri spürt starken Aufwind. Gemäss Martin Kall wird TeleZüri 2006 die schwarzen Zahlen erreichen. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres lag der Sender 30 Prozent über Budget. Der März sei komplett ausverkauft gewesen, freut sich Verkaufsleiter Tarkan Özküp. Tatsächlich könnte die beschränkte Werbezeit nach dem geltenden Radio- und TV-Gesetz sich als Wachstumshemmnis erweisen. Der Gedanke, stattdessen die Reichweite auszubauen, liegt nahe.
Die Resonanz im Werbemarkt dürfte Tele Plus sicher sein. TeleZüri ist bereits stark in den nationalen Mediaplänen vertreten. Laut Özküp betrug der Anteil der nationalen Kunden im ersten Quartal 2005 rund 90 Prozent. Doch eine der Stärken des Senders als Werbemedium ist seine regionale Verankerung. «Das Fenster zum Hof» sei TeleZüri für die Zuschauer, meint Özküp. Diese emotionale Bindung spielt er auch im Werbeblock aus, indem bewusst regionale Informationen unter die nationalen Kampagnen gemischt werden. Wer TeleZüri während der TV-Spots einschaltet, soll merken, dass er nicht bei RTL ist, so der Verkaufsleiter. Dadurch erziele der Sender eine auffällig tiefe Wegzappquote von nur 25 Prozent.
Auf eine solche Identifikation des Publikums wird Tele Plus nicht hoffen dürfen. Das weiss man auch bei Tamedia. Sprecherin Eta Pavlovic stellt klar: Trotz der Gedankenspiele um ein Going national besteht zurzeit «keine Absicht, am Konzept von TeleZüri etwas zu ändern». Tele Plus wird vorläufig weiter in der geheimen Schublade bleiben.
TV-Hochsommer Tamedia hat die Marke Tele Plus still und leise im Sommer 2004 angemeldet. Damals herrschte Hochsaison für TV-Projekte:
Anfang August stieg Christian Heeb bei Nordwest 5 ein, das sich anschickte, die ganze Region Basel zu erobern. U1 TV kündigte die Integration in den MediaOptimizer von Publisuisse und eine eigene Programmzeitschrift an. Cablecom stellte ein Konzessionsgesuch, um seinen Infokanal zum sprachregionalen Sender auszubauen, und Swisscom lancierte den Bluewin-TV-Feldversuch. An der Screen-up Anfang September kündigte RTL 2 ein Schweizer Programmfenster an. (sm)
Evolutionärer Lerneffekt: Tamedia könnte wieder nationaler Player im TV-Geschäft werden.
Stefano Monachesi
