Wie viele dürfen es denn sein?

Konsumentenmagazin Hat es in der Deutschschweiz neben Beobachter, K-Tipp und Saldo noch Platz für einen weiteren Konsumententitel?

Konsumentenmagazin Hat es in der Deutschschweiz neben Beobachter, K-Tipp und Saldo noch Platz für einen weiteren Konsumententitel?Rüdiger Hahn, Inhaber des Vierwaldstätter Verlags in Kastanienbaum (LU), ist davon überzeugt. So sehr, dass er voraussichtlich Ende Mai ein solches Magazin mit einer Startauflage von 100000 Exemplaren und ganz ohne Inserate lancieren will. Der Vertrieb ist via Kiosk, Abos und Zielversände geplant. Den Namen des Titels, der vorerst monatlich, je nach Leserecho vielleicht auch vierzehntäglich oder gar wöchentlich erscheinen soll, verrät er nicht, ebenso wenig dessen Positionierung.Hahn, der schon mit Nachlassstundungen und Betreibungen zu kämpfen hatte, hat Erfahrung mit kamikazehaft anmutenden Lancierungen. Als er 2001 ohne Aufhebens sein Billig-TV-Programmheft TVvier in ähnlicher Manier startete, glaubte niemand an einen Erfolg, mittlerweile hat Ringier es ihm aber abgekauft.
(mk)

Vom Geranienkistchen zum Armani der Töpfe

Wohnen Neue Produkte, neues Design und ein Relaunch-Paket sollen das Image von Eternit korrigieren und das Traditionsprodukt bis ins Ausland trendy machen.

Wohnen Neue Produkte, neues Design und ein Relaunch-Paket sollen das Image von Eternit korrigieren und das Traditionsprodukt bis ins Ausland trendy machen.Das aschgraue Eternit-Geranienkistchen gehört zur Schweizer Postkartenidylle wie das Matterhorn und das Chalet. Am Bekanntheitsgrad konnte es daher nicht liegen, dass die Verkäufe in den vergangenen Jahren konstant zurückgegangen sind. Ebenso wenig an der Qualität der Pflanzengefässe, davon ist Marianne Zweifel, Konzepterin bei der Basler Werbeagentur Una überzeugt. Doch das Image der Eternit-Blumenkiste ist längst nicht so beständig wie sie selbst. In ihrer 90-jährigen Geschichte hat sie nicht nur Staub angesetzt. Noch heute leidet die Marke an den Spätfolgen ihrer Asbestvergangenheit, obwohl beim Konzernunternehmen der BA Holding AG die Asbest-Ära seit über zehn Jahren zu Ende ist.Die Blumenkisten sind sogar seit zwanzig Jahren asbestfrei und frostsicher wie zuvor. Deshalb gehört das Material nach wie vor zum Besten, was es für Pflanzen gibt, ist sich auch die Glarner Herstellerin sicher. Vielmehr lag es im ästhetischen Bereich, dass das Interesse an den Töpfen und Balkonkistchen massiv einbrach. Seit Willy Guhl und andere Industriedesigner in den 1950er-Jahren Möbelklassiker aus Eternit gestaltet hatten, erfuhr die Produktegruppe kaum mehr grössere Neuerungen.
Doch der Selbstläufer aus Niederurnen erhielt nach Jahren des unangetasteten Alleingangs Konkurrenz – vorwiegend aus Asien und Italien. «In den Gärtnereien und Gartencentern rückten die Eternittöpfe immer weiter in den Hintergrund. Gefragt waren Ziergefässe aus Terrakotta oder bunt glasierte Töpfe», sagt Zweifel.
Eine erstaunliche Entwicklung, weil sie der aktuellen, schlichten Architektur völlig widerspricht. Eine Eternit-eigene Umfrage brachte das altmodische Image vollends an den Tag. Das gab dem Unternehmen den nötigen Kick zum Handeln.
Beauty Contest der Designs Von nun an wurde nichts mehr dem Zufall überlassen. Obwohl die Produktgruppe Gartengefässe mit fünf Prozent einen geringen Anteil am Nettoumsatz von rund 90 Millionen Franken hat, ist sie, verglichen mit den Sparten Fassade und Dach, die weitaus imageträchtigste. «Unsere Anstrengungen in diesem Bereich haben einerseits mit dem Produktionsverfahren zu tun, das eine höhere Auslastung der Arbeitskräfte erlaubt. Andererseits erreicht die Marke Eternit mit diesen Produkten breitere Konsumentenschichten als mit den anderen, die sich fast ausschliesslich an Architekten und Baufirmen wenden», erklärt Daniel Hauri, Product Manager Garten- und Designbereich bei Eternit. Mehrere Designer erhielten den Auftrag, neue Pflanzengefässe zu kreieren.
Die Favoriten wurden bei Händlern getestet, bis sechs neue Formen und zwei neue Farben (Anthrazit und Rubin) für die Serienproduktion gewählt wurden. Dass die wichtigsten Wiederverkäufer in die Entscheidung einbezogen wurden, löste ebenfalls ein sehr positives Echo aus.
Der erste Schritt war damit getan. Nun sollten neues Sortiment und Imagekorrektur bei der Zielgruppe, sprich: bei den 30- bis 50-jährigen Frauen, die sich auf dem Balkon und im Garten etwas Schönes gönnen, bekannt gemacht werden.
Daniel Hauri entschied, die Werbe- und Kommunikationsmassnahmen mit den «Zielgruppen»-Frauen Kate Isler und Marianne Zweifel von Una, Basel, zu erarbeiten. Das auffällige Händlermailing kurbelte die Bestellungen der Detaillisten an, während ein wohl gestalteter Auftritt an der Lifestyle- und Gartenmesse Giardina und eine aussergewöhnliche Image-Broschüre für die Endkonsumenten den Pull-Effekt verstärkten. Eine massive Veränderung nahm Una auch beim optischen Auftritt von Eternits Gartenbereich vor. Die sachlich und architektonisch kühlen Umsetzungen sind Menschen und Emotionen gewichen.
Die Wirkung blieb nicht aus. Das unmittelbare Echo war so gross, dass die Produktion der Eternit AG noch vor den Image-Anzeigen mit Beihefter weit über Budget lag. Der erste Schub in der Schweiz scheint gelungen. Beste Vorzeichen also für eine Expansion ins angrenzende Ausland, wo das Wachstumspotenzial des Bereichs Gartengefässe (bis 2004 nur ein kleiner Anteil des Umsatzes) noch riesig erscheint.
Kühle, moderne Formen, die Emotionen wecken: Eternit-Kampagne von Una.
Imagekorrektur: Handarbeit, nicht Industrieware.
Luca Aloisi

U1 plant wieder Gratis-Programmzeitschrift

Fernsehen Im vergangenen Herbst plante der Schweizer Privatsender U1 TV eine gratis verteilte Programmzeitschrift.

Fernsehen Im vergangenen Herbst plante der Schweizer Privatsender U1 TV eine gratis verteilte Programmzeitschrift.Dazu kaufte er die alten Zeitungsboxen des Pendlerblatts Metropol. Zur Screen-up 04 lag eine Nullnummer vor, dann war Ruhe. Nun kehrt das Projekt aus der Versenkung zurück. Peter Kölbel, graue Eminenz hinter U1, kündigte gegenüber der Basler Zeitung (BaZ) für September den Start in Zürich an. Eine Erlaubnis der Zürcher Verkehrsbetriebe liege vor. Dort wusste man laut BaZ allerdings «absolut nichts» davon.

Dampf ablassen

Aufgefallen Die Umsatzkurven geben Mario Moretti Polegato fraglos Recht. Der Gründer der Schuhmarke Geox scheint mit seinen membranebestückten Tretern den Kampf gegen eine von Fussschweiss durchweichte Welt zu gewinnen.

Schuhmode Die Umsatzkurven geben Mario Moretti Polegato fraglos Recht. Der Gründer der Schuhmarke Geox scheint mit seinen membranebestückten Tretern den Kampf gegen eine von Fussschweiss durchweichte Welt zu gewinnen.Jedenfalls hat ihn der gut durchlüftete Gang zur Börse zusätzlich bestätigt.Auch die Werber haben allen Grund, sich – nein, nicht die Füsse –, die Hände zu reiben. Immerhin ist Signor Polegato die gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach einer duften Welt mehr als ein Zehntel seines Umsatzes wert. Und was ist der Dank der Kreativen? Anzeigen, die das Produkt als Helden darstellen, genauer: als Retter unseres zum Himmel stinkenden Planeten. Fragwürdig erscheint die Darstellung der aus dem Schuhwerk heraustretenden Schweisswolken. Erinnern sie uns doch an Druckdampf-Bügelsysteme, die perfekte Hemden hinzaubern und die Bügelzeit auf die Hälfte reduzieren. Sollte das Hansdampf Polegatos nächste Business-Idee sein, bekommen die Laura Star-Hersteller garantiert kalte Füsse.
(la)

Italienische Verhältnisse

Aufgefallen Wochenlang fungierte der Petersplatz in Rom als Nabel der säkularen Medienwelt. Dieses Phänomen heisst südlich der Alpen «temmatizzazione» und hat gefährliche Konsequenzen.

Kolumne Wochenlang fungierte der Petersplatz in Rom als Nabel der säkularen Medienwelt. Dieses Phänomen heisst südlich der Alpen «temmatizzazione» und hat gefährliche Konsequenzen.Habemus papam: Jetzt, wo der neue Bischof von Rom gewählt und der alte zu Grabe getragen ist, noch eine Meinung zu diesem Thema? Ja, unbedingt – auch auf die Gefahr hin, mein Scherflein zu dem beizutragen, was ich harsch kritisiere: Die Art und Weise, wie die Medien hier und anderswo über Wochen hinweg aus dem Leiden und Sterben eines 84-Jährigen ein Welt- und Kultereignis gemacht und Millionen Menschen in Bewegung versetzt haben.So kam eine Internet-Suchmaschine noch vor der Beerdigung von Johannes Paul II. zum Ergebnis, der Tod des Papstes habe weltweit zehnmal mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich gelenkt als die Wiederwahl des (angeblich) mächtigsten Mannes auf dieser unserer Erde, US-Präsident Bush. Ein weiteres Indiz: Das sonst für seine Unaufgeregtheit berühmt-berüchtigte Wall Street Journal schrieb dem toten Pontifex das «Charisma eines Rockstars» zu – eine Übertreibung, die Madonna und Mick Jagger schlaflose Nächte bereiten dürfte. Selbst der NZZ war der Wechsel an der Spitze des Weltkatholizismus gleich drei (!) Farbbilder wert.
Was also hat die Journalisten – oder vielleicht besser entpersonalisiert – die Medien (weltweit oder zumindest in der westlichen Hemisphäre) dazu veranlasst, das politisch-ökonomisch-kulturelle Tagesgeschehen «unter ferner liefen» abzuhandeln? Warum so viel Aufmerksamkeit für etwas eigentlich Alltägliches, normalerweise jedoch kollektiv Verdrängtes, nämlich das Ableben eines Einzelnen?
Vorab das Eingeständnis, dass auch mich das schiere Ausmass dieses Ausnahmezustands überrascht hat. Und dass es folglich auch für den geübten Beobachter nicht einfach ist, plausible Erklärungen für diese exzessive Medieninszenierung zu finden. Zumal diese im denkbar grössten Kontrast steht zum üblichen Umgang mit spirituellen Themen in unserer bis auf die Knochen säkularisierten Gesellschaft, in der Sekten meist mehr journalistisches Interesse wecken als die grossen Religionsgemeinschaften.
Angesichts leerer Kirchen zeigen inzwischen viele Regionalblätter die Gottesdienste längst nicht mehr genauso selbstverständlich an wie das
Kinoprogramm. Sprich: Die Medien selbst sind für viele von uns zur
Ersatz-Religionsgemeinschaft geworden, sei es, dass wir, statt in der Kirchenbank vor der Glotze sitzen, sei es, dass manch einer die Talkshow mit dem Beichtstuhl verwechselt und dort sein Innerstes nach aussen kehrt.
Journalistische Lemmingeffekte und Herdentriebe liefern also nur eine Teilerklärung des Phänomens. Mindestens ebenso wichtig ist die Inszenierungsmacht einer uralten Institution, die seit zweitausend Jahren für alles Jenseitige, Nicht-Fassbare und damit eben auch für unsere Todesängste respektive Erlösungssehnsüchte zuständig ist. Deshalb widerspreche ich meinem Kolumnistenkollegen Sacha Wigdorovits (WW 14/05) diesmal ganz entschieden: Mit Marketingkategorien wie «Markenführung» und der Charakterisierung des Papstes als «Brandmanager» ist dieses Kommunikationswunder, das wochenlang über uns hereingebrochen ist, nur sehr unzureichend erklärbar. Womit die PR-Leistungen von Johannes Paul II. und seiner Kirche nicht geschmälert werden sollen – eher im Gegenteil.
Was wir erlebt haben, war indes keine Sternstunde eines sich globalisierenden Journalismus, sondern eher ein Indiz für die fortschreitende «Italienisierung» der Medien. Denn nirgendwo sonst in der westlichen Welt neigen Journalisten so zur «tematizzazione», zur Fokussierung auf jeweils ein einziges Tagesthema, wie südlich der Alpen. Und nirgendwo unter freiheitlich-westlichen Bedingungen scheinen sie mir von ihren Einflüsterern in Politik und Gesellschaft abhängiger und instrumentalisierbarer zu sein wie in Italien.
> Stephan Russ-Mohl ist Publizistikprofessor an der Universität der italienischen Schweiz in Lugano.

Hintertür zur Tabakwerbung

Onlinewerbung Auf www.telebasel.ch ist das Sendearchiv gratis zugänglich, da werbefinanziert. Auch Alkohol-, Tabak- und Politspots sind erlaubt.

Onlinewerbung Auf www.telebasel.ch ist das Sendearchiv gratis zugänglich, da werbefinanziert. Auch Alkohol-, Tabak- und Politspots sind erlaubt. Wer bisher im Onlinearchiv auf www.telebasel.ch eine Sendung abrief, musste jeweils rund fünf bis acht Sekunden lang Däumchen drehen, bis die riesigen Datenmengen für das Streaming geladen waren. Nun haben findige Onlinevermarkter von TeleBasel die Wartezeit verkürzt: Die Besucher werden mit maximal achtsekündigen Werbeclips unterhalten.Zwar braucht der PC für den Download der mehrminütigen Sendungen weiterhin dieselbe Zeit wie vorher, ein vorgeschalteter kurzer Clip hingegen ist innert einer Sekunde auf dem Bildschirm. «Jeder Sendung, die ins Archiv kommt, setzen wir neuerdings einen Clip voran. Dieser enthält jetzt Eigenwerbung für TeleBasel, künftig wollen wir aber Fremdwerbung zeigen», sagt Joel Jira von der Abteilung Multimedia-Marketing bei TeleBasel. Der Regionalsender will den so genannten Preload als neue Onlinewerbeform ins Angebot aufnehmen, um mit den Einnahmen dereinst die Kosten für das Gratisarchiv zu decken.
Und so sieht das Angebot aus: Der Kunde bestimmt entsprechend seiner Zielgruppe eine Senderubrik, die er beclippen will – beispielsweise News, das Kurzinterview Telebar oder die Jugendsendung Mash. Daraufhin stattet TeleBasel jede neue Sendung der gewählten Art mit dem Clip des Kunden aus.
Zusätzlich aber wird jede Archiv-sendung derselben Rubrik mit dem Clip versehen. Da das Onlinearchiv mindestens ein Jahr zurückreicht, kann dies durchaus attraktiv sein. Immerhin verzeichnet das Archiv von TeleBasel rund 34000 Downloads pro Monat.
Die Tarife hat Jira bereits festgesetzt. Die Mindestbuchungsdauer beträgt einen Monat, was beispielsweise bei der werktäglich ausgestrahlten Telebar 500 Franken kostet, für die gesamte Newssendung 7 vor 7 bezahlt man 1500 Franken und für Einzelberichte 1000 Franken. Voraussetzung ist zudem, dass der Kunde bereits über einen TV-Spot oder zumindest ein Billboard verfügt. Diese kürzt TeleBasel auf die gewünschte Sendelänge von maximal 8 Sekunden und wandelt sie in den erforderlichen technischen Standard um.
Die neue Werbeform hat, abgesehen von der Zielgruppenselektion, für den Kunden weitere Vorteile: So wird der Clip pro Rubrik exklusiv geschalten, auch kann er von den Archivbesuchern nicht übersprungen werden. Der Kunde kann zudem bis zu vier verschiedene Clips liefern, die dann nach einem Zufallsgenerator abgespielt werden. Und schliesslich ist TeleBasel in der Lage, pro Einzelclip die Zahl der Besucher auszuweisen. Theoretisch möglich, aber von TeleBasel nicht angeboten, sind Unterbrecherwerbung oder die Einschränkung der Schaltung auf bestimmte Zeiten, denkbar etwa für Erotikwerbung, die nur nachts erscheinen soll. Und selbst Tabak-, Alkohol- oder politische Werbung wären möglich, auch rechtlich, das hat Jira bereits beim Bundesamt für Kommunikation abgeklärt.
Bisher hat TeleBasel das neue Angebot nicht aktiv verkauft, Jira hat aber bei vier Kunden schon mal einen Versuchsballon gestartet. Mit Erfolg: Zwei haben bereits einen Clip gebucht.
34000 Downloads pro Monat: gefragtes Sendearchiv von TeleBasel.
Markus Knöpfli

AY&R betreut Campari Schweiz

Etats Der Spirituosenhersteller Campari Schweiz hat Advico Young & Rubicam mit der Kampagnenentwicklung für ihr Markenportfolio betraut.

Etats Der Spirituosenhersteller Campari Schweiz hat Advico Young & Rubicam mit der Kampagnenentwicklung für ihr Markenportfolio betraut.Dazu gehören unter anderem Cynar, Fernet-Branca, Grand Marnier, Skyy Vodka und Jose Cuervo. AY&R soll diese Marken langfristig weiter aufbauen «und nicht mit unüberlegter Aktionitis traditionsreichen Markenwert vernichten», wie Campari-Marketingleiter Peter Schmid sagt.

Wo die Welt zu Hause ist

Medien Für das Oltner Tagblatt hat die Werbeanstalt aus Zürich die Eisenbahnknotenstadt an der Aare zum Nabel der Welt erkoren.

Medien Für das Oltner Tagblatt hat die Werbeanstalt aus Zürich die Eisenbahnknotenstadt an der Aare zum Nabel der Welt erkoren.«Früecher hets öppis golte, Olte», hat Endo Anaconda von Stiller Has einmal getextet. Aber die Zeiten der Selbstsuche und -unterschätzung gehören bald der Vergangenheit an. Zumindest wenn es nach den Plänen der Agentur Werbeanstalt geht. Denn die ist in Zürich domiziliert, wo Selbstwertgefühl zum Verschenken vorhanden ist. Und ein grosses Stück davon hat das Team um Berater Reto Dürrenberger und Kreative Sarah Hiltebrand für Verlagsleiter Markus Joerin und sein Oltner Tagblatt (OT) abgeschnitten. Damit soll die Auflage, die im Unterschied zu den seit Jahren stabilen Leserzahlen rückläufig ist, wieder auf den Pfad des Wachstums gebracht werden. Der Nebel- und Tagungsstadt, die von den meisten als die Mitte der Mitte wahrgenommen wird, steht deshalb in den nächsten Wochen eine originelle Imagekampagne bevor.Glokalisierung nach Oltner Art
Ziele wie Abonnentenakquisition und Imagebildung standen für Joerin im Vordergrund. «Wie bei anderen Lokal- und Regionaltiteln steht wegen der Überalterung die Durchdringung jüngerer Segmente unter Druck», sagt er. Doch mit Durchschnittswerbung sei im Lesermarkt nichts zu bewegen. Da die Kampagne den USP einer echten Regionalzeitung hervorheben sollte, diese jedoch nur selten für echte Hypes sorgt, löste die Agentur die medialen Wellen der Aufmerksamkeit und Politisierung kurzerhand gleich selbst aus. Der erhoffte Nebeneffekt des Werbekonzepts: Die Identifikation stiftende Kampagne schafft bei der Bevölkerung Goodwill und Selbstbewusstsein und macht auf das Geschehen in der Nachbarschaft neugierig. Da eine breite Zielgruppe angesprochen wird, sollte der Zugang emotional sein, beziehungsweise ironisch, um ein Schmunzeln zu erzeugen.
Den schmalen Grat zwischen Witz und Sauglattismus meistert die Kampagne dank der Authentizität der Motive und der spontanen Hilfe der OT-Redaktion. Hier erzielte der schnelle Mechanismus des Dufts der grossen, weiten Welt eine solche Eigendynamik, dass der Fundus für künftige, gepfefferte Umsetzungen inzwischen gross ist, sagt Dürrenberger.
Den Startschuss gab Ende April aber die Agentur selbst: In einer Nacht- und Nebelaktion wurde am Oltner Regierungsgebäude ein riesiges Transparent angebracht mit der Aufschrift «Unser Weisses Haus». An den folgenden Tagen lösen Plakate und Anzeigen das Rätsel auf und geben den Absender der Kampagne preis.
«Die ganze Welt daheim», so der neue Claim der Kampagne, ist Programm, erklärt Dürrenberger. Das habe nichts mit Scheuklappenhaltung zu tun, sondern mit den Stärken des Oltner Tagblatts: Pflichtstoffe Nationales und Internationales und als Kür ein starker Regionalbund, der über die lokale Aktualität berichtet. So kommt die nahe und ferne Welt nach Hause – in den Briefkasten der OT-Leserschaft.
Kurz: Alles, was die Welt zu bieten hat, ist genauso oder ähnlich auch in Olten zu finden. Denn die Welt ist immer dort, wo über sie auch berichtet wird – im Grossen wie im Kleinen.
Augenzwinkernd präsentiert sich der Lokalstolz in vorerst fünf Motiven. Da wird das «Weisse Haus» von Olten – das Stadthaus – und nicht Washington zum Inbegriff der Politik, der FC Wangen b. Olten wird ins Scheinwerferlicht gerückt, als ob es sich um die Kicker von Real Madrid handelte. Sogar Donald Trump und das Weltbier Budweiser finden in Gäupark-Gründer Georg Hein beziehungsweise im Karbacher ihre Pendants mit lokaler Prägung.
Der Steilpass ist vorgelegt: Das regional verankerte OT misst sich mit der New York Times. In sechs Radiospots spinnt die Kampagne an der verzerrten Selbstwahrnehmung gleich weiter. Eine Mailing- und
eine «reader get reader»-Aktion flankieren die Imagekampagne.
«Unser Glatt-Zentrum»Der Gäupark in Egerkingen bei Olten ist nach der Erweiterung mit einer zusätzlichen Einkaufsfläche mit seinen 52 Geschäften unter einem Dach eines der grössten Einkaufszentren im schweizerischen Mittelland. Und dank seiner zentralen Lage an der A1 schnell und bequem erreichbar. Wie schnell zeigt die Berner Agentur Contexta mit einem überraschend reduzierten Sujet: Eine Autofahrerin – oder ein Autofahrer – hat die Distanz zum Gäupark offensichtlich überschätzt und einen Moment zu spät gebremst. In der Kampagne für das Oltner Tagblatt der Zürcher Agentur Werbeanstalt posiert dessen Gründer Georg Hein als Trump-Verschnitt. (la)
Klein , aber stark: Das Oltener Tagblatt schenkt seiner Leserschaft jede Menge Selbstwertgefühl.
Warum denn in die Ferne schweifen? Für Contexta ist der Gäupark in Stossstangenreichweite.
Luca Aloisi

TPC-Chef tritt ab

TV-Produktion Roger Sidler, Geschäftsleiter und VR-Delegierter der TV Productioncenter Zürich AG (TPC), tritt Ende April in den vorzeitigen Ruhestand.

TV-Produktion Roger Sidler, Geschäftsleiter und VR-Delegierter der TV Productioncenter Zürich AG (TPC), tritt Ende April in den vorzeitigen Ruhestand.Da nach der geplanten Neuwahl eines neuen Verwaltungsrates die Strategie der SRG-Tochter überprüft und eventuell modifiziert werden solle, sei er mit der SRG übereingekommen, das TPC in jüngere Hände zu geben, erklärt der 59-Jährige. Ad interim übernimmt der bisherige Stellvertreter August Reinhard die Leitung des TPC.

Angelink gewinnt gleich drei Neukunden

Onlineshops In kurzer Folge hat die Crossoveragentur Angelink drei neue Mandate im Bereich Affiliate Marketing (AM) gewonnen.

Onlineshops In kurzer Folge hat die Crossoveragentur Angelink drei neue Mandate im Bereich Affiliate Marketing (AM) gewonnen.Sie hilft den Kunden, virtuelle Vertriebsnetze aufzubauen: bei Heineken Switzerland für die Heimzapfsäule Beertender, bei Distrelec für den Disdata-Onlineshop für Computertechnik und bei Geschenkidee.ch für den gleichnamigen Online-Geschenkshop. Die Programme werden über die Plattform des europäischen AM-Spezialisten Zanox verbreitet. Angelink ist seit Ende letzten Jahres zertifizierter Schweizer Partner von Zanox und begleitet die Programme von der Werbemittelerstellung bis zum eigentlichen Affiliate Management.

SBB, bitte melden

Pendlerblätter Diesen Sommer noch startet 20 Minuten St. Gallen.

Pendlerblätter Diesen Sommer noch startet 20 Minuten St. Gallen. Egal ob die SBB 20 Minuten das Stellen von Zeitungsboxen an den gut 70 Ostschweizer Haltestellen erlaubt – die Pendlerzeitung wird so oder so im Sommer in St. Gallen mit 45000 Exemplaren starten, «eher in der ersten Hälfte des Sommers», wie Geschäftsführer Rolf Bollmann präzisiert. Will heissen: vor den Sommerferien. Der Grund für die Eile: Der Tamedia-VR will 20 Minuten St. Gallen schon in der Mach Basic 2006 ausgewiesen sehen, zudem soll es auf das neue Budgetjahr hin bereits St. Galler Boden unter den Füssen haben.«Nicht überrascht» vom baldigen Start ist Daniel Ehrat, bei den Tagblatt Medien Verlagsleiter des Gratiswochentitels Anzeiger St. Gallen. Ob er sich ebenfalls um Boxenstandorte bewirbt, ist offen: Ehrat wartet auf Antwort der SBB. Diese hatte er angefragt, ob sich auch eine Wochenzeitung bewerben könne (WW 13/05). In der Ausschreibung wird fünfmaliges Erscheinen pro Woche verlangt. «Ich beharre dennoch auf eine Antwort», sagt Ehrat. Erwägt er sonst rechtliche Schritte gegen die SBB? «Wir hoffen jedenfalls noch immer auf eine Antwort», wiederholt Ehrat bloss. (mk)

Best of Print Advertising

Marktforschung Emmi, das Thailändische Fremdenverkehrsamt und die Suva schalteten im ersten Quartal dieses Jahres die beliebtesten Anzeigen in den Schweizer Medien.

Marktforschung Emmi, das Thailändische Fremdenverkehrsamt und die Suva schalteten im ersten Quartal dieses Jahres die beliebtesten Anzeigen in den Schweizer Medien.Best of NorthwestAffinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland»
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Bronze (129) Keramik Laufen AG Wellness, aber ganz privat (Wingeier, Jacques & Picker)
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der Werbewoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der Resultate aus dem Advertising-Index (AX-Print). Dieser Index (siehe unten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigen. In den Kästen links und rechts befinden sich Anzeigen, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top Three» gezeigt. (ww)

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