Wohnen Neue Produkte, neues Design und ein Relaunch-Paket sollen das Image von Eternit korrigieren und das Traditionsprodukt bis ins Ausland trendy machen.Das aschgraue Eternit-Geranienkistchen gehört zur Schweizer Postkartenidylle wie das Matterhorn und das Chalet. Am Bekanntheitsgrad konnte es daher nicht liegen, dass die Verkäufe in den vergangenen Jahren konstant zurückgegangen sind. Ebenso wenig an der Qualität der Pflanzengefässe, davon ist Marianne Zweifel, Konzepterin bei der Basler Werbeagentur Una überzeugt. Doch das Image der Eternit-Blumenkiste ist längst nicht so beständig wie sie selbst. In ihrer 90-jährigen Geschichte hat sie nicht nur Staub angesetzt. Noch heute leidet die Marke an den Spätfolgen ihrer Asbestvergangenheit, obwohl beim Konzernunternehmen der BA Holding AG die Asbest-Ära seit über zehn Jahren zu Ende ist.Die Blumenkisten sind sogar seit zwanzig Jahren asbestfrei und frostsicher wie zuvor. Deshalb gehört das Material nach wie vor zum Besten, was es für Pflanzen gibt, ist sich auch die Glarner Herstellerin sicher. Vielmehr lag es im ästhetischen Bereich, dass das Interesse an den Töpfen und Balkonkistchen massiv einbrach. Seit Willy Guhl und andere Industriedesigner in den 1950er-Jahren Möbelklassiker aus Eternit gestaltet hatten, erfuhr die Produktegruppe kaum mehr grössere Neuerungen.
Doch der Selbstläufer aus Niederurnen erhielt nach Jahren des unangetasteten Alleingangs Konkurrenz – vorwiegend aus Asien und Italien. «In den Gärtnereien und Gartencentern rückten die Eternittöpfe immer weiter in den Hintergrund. Gefragt waren Ziergefässe aus Terrakotta oder bunt glasierte Töpfe», sagt Zweifel.
Eine erstaunliche Entwicklung, weil sie der aktuellen, schlichten Architektur völlig widerspricht. Eine Eternit-eigene Umfrage brachte das altmodische Image vollends an den Tag. Das gab dem Unternehmen den nötigen Kick zum Handeln.
Beauty Contest der Designs Von nun an wurde nichts mehr dem Zufall überlassen. Obwohl die Produktgruppe Gartengefässe mit fünf Prozent einen geringen Anteil am Nettoumsatz von rund 90 Millionen Franken hat, ist sie, verglichen mit den Sparten Fassade und Dach, die weitaus imageträchtigste. «Unsere Anstrengungen in diesem Bereich haben einerseits mit dem Produktionsverfahren zu tun, das eine höhere Auslastung der Arbeitskräfte erlaubt. Andererseits erreicht die Marke Eternit mit diesen Produkten breitere Konsumentenschichten als mit den anderen, die sich fast ausschliesslich an Architekten und Baufirmen wenden», erklärt Daniel Hauri, Product Manager Garten- und Designbereich bei Eternit. Mehrere Designer erhielten den Auftrag, neue Pflanzengefässe zu kreieren.
Die Favoriten wurden bei Händlern getestet, bis sechs neue Formen und zwei neue Farben (Anthrazit und Rubin) für die Serienproduktion gewählt wurden. Dass die wichtigsten Wiederverkäufer in die Entscheidung einbezogen wurden, löste ebenfalls ein sehr positives Echo aus.
Der erste Schritt war damit getan. Nun sollten neues Sortiment und Imagekorrektur bei der Zielgruppe, sprich: bei den 30- bis 50-jährigen Frauen, die sich auf dem Balkon und im Garten etwas Schönes gönnen, bekannt gemacht werden.
Daniel Hauri entschied, die Werbe- und Kommunikationsmassnahmen mit den «Zielgruppen»-Frauen Kate Isler und Marianne Zweifel von Una, Basel, zu erarbeiten. Das auffällige Händlermailing kurbelte die Bestellungen der Detaillisten an, während ein wohl gestalteter Auftritt an der Lifestyle- und Gartenmesse Giardina und eine aussergewöhnliche Image-Broschüre für die Endkonsumenten den Pull-Effekt verstärkten. Eine massive Veränderung nahm Una auch beim optischen Auftritt von Eternits Gartenbereich vor. Die sachlich und architektonisch kühlen Umsetzungen sind Menschen und Emotionen gewichen.
Die Wirkung blieb nicht aus. Das unmittelbare Echo war so gross, dass die Produktion der Eternit AG noch vor den Image-Anzeigen mit Beihefter weit über Budget lag. Der erste Schub in der Schweiz scheint gelungen. Beste Vorzeichen also für eine Expansion ins angrenzende Ausland, wo das Wachstumspotenzial des Bereichs Gartengefässe (bis 2004 nur ein kleiner Anteil des Umsatzes) noch riesig erscheint.
Kühle, moderne Formen, die Emotionen wecken: Eternit-Kampagne von Una.
Imagekorrektur: Handarbeit, nicht Industrieware.
Luca Aloisi