Claude Catsky freut sich auf den ersten Geburtstag seines Löwen und über seinen neuen Kunden Ikea.Es wäre wohl vermessen, in diesem Jahr noch einmal auf einen Cannes-Löwen zu spekulieren. Zudem wäre es psychologisch auch nicht allzu gesund, einen solchen zu gewinnen. Seit Claude Catsky im letzten Jahr als einziger Schweizer am wichtigsten Kreativwettbewerb der Welt, am Internationalen Festival in Cannes, eines der bronzenen Kuscheltiere in die Arme schliessen konnte, durfte Catsky & Partner «eine geballte Ladung von Wertschätzung in Form von Neid» erfahren. Trotzdem steht der Zürcher Werber bei der Jagd nach Cannes-Katzen auch in diesem Jahr wieder Gewehr bei Fuss. Das damals preisgekrönte Sujet zeigte einen verunfallten Handwerker im Spital, der sein Bett repariert, weil er rasch in seinen Alltag zurückkehren will. Jetzt schickt Catsky erneut Ideen für seinen Kunden Suva ins Rennen. Dazu hofft er auf Gehör bei der Jury mit seiner Kampagne für die neuen Hörbücher der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte. Dank Fundraising mit Catskys Werbung sollen diese auf verbilligten CD-Geräten abgespielt werden können.
Kreative Werbung, die auch etwas bewirkt, gehört zum Stolz der kleinen Agentur. Natürlich sei es nicht allein der Verdienst seiner Kampagnen in den letzten Jahren, dass die Unfallzahlen bei den Freizeitunfällen bei der Suva im 2004 um vier Prozent zurückgegangen sind. «Aber auch unsere Arbeit ist ein Mosaiksteinchen» im Prozess.
«Werbung mit Schnauze», nennt Catsky seinen Stil, der aber für jeden Kunden wieder anders aussehen soll. «Mit kreativer Qualität kann man einiges an Mediageldern einsparen, weil man mit Auffälligkeit mehr Aufmerksamkeit erreicht», ist der CD überzeugt. Und: «Mit ungewöhnlichen Ideen kann man mehr bewegen.» Die Strategie dient dabei als Sprungbrett zum Abspringen. «Vorausgesetzt, es ist nicht morsch.»
Mit seinem Ziel, «für grosse Marken und auch kleine Kunden tolle Werbung» zu machen, ist Catsky & Partner inzwischen neben Suva auch für Unaxis weltweit, die Fifa und nach einem Pitchgewinn neuerdings auch für Ikea tätig. Claude Catsky arbeitet erst seit zweieinhalb Jahren unter eigenem Namen. Vor seiner Agenturgründung hat der Kreative aber bereits mehrere Jahre als Freelance-CD die Selbstständigkeit erprobt.
Der Mut zur Agenturgründung hat ihn «in einer schwierigen Zeit» heimgesucht. Aber nach über 200 nationalen und internationalen Auszeichnungen, davon zehn Nominationen auf der Shortlist in Cannes in den letzten zehn Jahren sowie zwei Löwen – einen silbernen hat er bereits 1994 als Angestellter bei Weber, Hodel, Schmid für eine Kampagne der Basler Zeitung gewonnen – gab es zu diesem Schritt nicht allzu viele Bedenken. Zu Catsky & Partner gehören inzwischen auch ein Art Director sowie ein fixer Berater. Zurzeit wird eine zusätzliche Beratungsassistentin gesucht. Seit wenigen Wochen teilt man sich das Backoffice mit der Agentur Viva im Zürcher Seefeld. Das hat sich ergeben, weil Catsky früher als Freelancer für Viva gearbeitet hat, und nun ist plötzlich ein attraktives Stockwerk im «Werberhaus» im Seefeld frei geworden. Die Möglichkeit für weitere Synergien sind offen. «Wir beziehen gegenseitig Leistungen voneinander, wie Ärzte oder Anwälte in einer Praxisgemeinschaft.»
Mit solchen Ressourcen kann das Wachstum einfacher bewältigt werden. «Ich kann bei einem neuen Kunden nicht sofort fünf neue Leute anstellen, muss aber vom ersten Tag an einen perfekten Service bieten», rechnet Catsky. Er glaubt daher, dass dieser unternehmerische Entscheid Catsky & Partner nun «attraktiver auch für grössere Kunden» macht.
Claude Catsky, der ursprünglich mit einem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte angefangen hat, ist über einen Ferienjob bei
Aebi & Partner zur Werbung gekommen. Dort wirkte er später als Junior Texter. Damals, als Jean-Etienne Aebi, Fredy Collioud, Reini Weber, Claude Martin oder Martin Suter seine Kollegen oder Vorgesetzten waren, «war es fast unmöglich, von diesen Koryphäen nichts zu lernen». GGK Basel, WHS in den Pionierjahren, noch einmal Aebi, Publicis und fünf Jahre freischaffend auch als CD bei McCann Erickson, waren die weiteren Stationen bis zur Gründung der eigenen Agentur.
Nur wenige wissen, dass Claude Catsky in früheren Jahren wie sein Vater Nico auch Cartoons zeichnete. Diese wurden sogar in den Luzerner Neusten Nachrichten regelmässig abgedruckt. Vater Nico haben die Zeichnungen gefallen. Der Sohn hat darin zu wenig Zukunft gesehen. Auch das Studium an der Luzerner Jazzschule wollte er nur als Hobby betrachten. Umso mehr Spass macht es dem Werber jetzt, wenn seine elfjährige Tochter mit ihrer Hip-Hop-Truppe «Da Kidz & Tiffany» bereits eine Vorausscheidung beim «Sprungbrett» des Kleinen Prix Walo gewonnen und schon einen TV-Auftritt absolviert hat.
Höheres im Sinn: Claude Catsky will «für grosse Marken und kleine Kunden tolle Werbung machen».
Andreas Panzeri