Nette Léman-Welle

Privatradios Die Lokalradios am Genfersee haben ihren jahrelangen Streit beigelegt.

Privatradios Die Lokalradios am Genfersee haben ihren jahrelangen Streit beigelegt. Die Privatradios One FM und Lausanne FM zogen vor drei Jahren gegen ihre französischen Konkurrenten NRJ und Nostalgie vor Gericht: Diese würden vom Westschweizer Werbekuchen profitieren, ohne dieselben Verpflichtungen wie Schweizer Privatradios eingehen zu müssen, hiess es. Zwar lehnte das Gericht Massnahmen ab, doch der Streit schwelte weiter. Am vergangenen Dienstag haben die beiden Parteien formell das Kriegsbeil begraben und wollen künftig mit- statt gegeneinander arbeiten. Francis Rivollet, Verwaltungsratspräsident der NRJ-Gruppe, betont, man bleibe Konkurrent, doch eine Zusammenarbeit auf kommerzieller Ebene sei denkbar. Mehr will Rivollet nicht sagen.
Es kommt jedoch nächstes Jahr voraussichtlich zu einer Veränderung der Werbepoolsituation. Bis dahin sind One FM und Lausanne FM vertraglich an den Swiss Radio Pool gebunden. Besitzer Antoine de Raemy, dürfte grosses Interesse daran haben, denn durch den Streit blieben ihm die Zugänge zu Werbekombis in der Westschweiz praktisch verschlossen.
(rw)

Keiner Grand-Prix-würdig

Awards An der zweiten Auflage des Westschweizer Kreativwettbewerbs Grand Prix de la Création Romande reichten bereits mehr als 100 Teilnehmer nahezu 300 Arbeiten ein.

Awards An der zweiten Auflage des Westschweizer Kreativwettbewerbs Grand Prix de la Création Romande reichten bereits mehr als 100 Teilnehmer nahezu 300 Arbeiten ein.Als Jurypräsident waltete Benoît Pirson, CD von Grey Brüssel und Präsident des belgischen Kreativclubs. Nur in fünf der acht Kategorien gab es Auszeichnungen, und auch für den Grand Prix fand die strenge Jury keine würdige Kampagne. Aufs Podium schafften es sechs Arbeiten: zweimal Saatchi & Saatchi Simko für Nutrilait Tam Tam (TV/Kino) und Carlsberg Bier (Print), Lang Gysi Knoll für Swisspatat (Poster), Grey für die Modeboutique Casalucis (Print), Vincent Fischard für Reitzel (Buchgestaltung) und Tasmanie für die Winzer Willy & Gilles Blondel (Graphic Design).

Durch Kleber wird man klug

Versicherungen Wirz Werbung sucht eine Sprache, um der noch sorglosen Jugend zu erklären, weshalb man Risiken abdecken soll.

Versicherungen Wirz Werbung sucht eine Sprache, um der noch sorglosen Jugend zu erklären, weshalb man Risiken abdecken soll.Wer eben flügge gewordene Kinder hat oder sich noch selber an seine Zeit in der ersten WG, an seine ersten Tramperferien oder seine jugendlichen Heldentaten im Sportclub erinnern kann, der weiss: An eines denkt man in diesen Jahren garantiert nicht, nämlich an eine Versicherung. «Fact ist, dass die jungen Leute ein geringes Interesse an der Auseinandersetzung mit Versicherungen haben», steht folgerichtig im Briefing der Wirz Werbung für eine neue Kampagne ihres Kunden Mobiliar. Trotzdem: «Shit happens!» – und wenn die Versicherungsthematik in der Zielgruppe der 16- bis 26-Jährigen aktuell wird, dann muss die Mobiliar zu diesem Zeitpunkt präsent sein.
Ganz egal, was passiert: Wenn etwas schief geht, ist die Mobiliar mit der Angebotslinie MobiJeunes als zahlender Retter in der Not willkommen. Was für verrückte Dinge in diesem Alter so passieren können, wenn man nicht aufpasst oder zu viel riskiert, zeigt Wirz Werbung in einer frischen und witzigen Kampagne für «die Versicherung der Jungen» in der Produktepalette der Schweizerischen Mobiliar.
Dass alle Sujets in den Köpfen der Zielgruppe hängen bleiben, dafür sorgt die provokative Aussage: «Shit happens!» Es bleibt aber nicht nur bei der frechen Ansprache. Auch die Sujets wurden ziemlich unkonventionell zu Papier gebracht. Mit lustigen, überraschenden und skurrilen Bildern von allen möglichen und unmöglichen Missgeschicken sowie kleineren oder auch grösseren Unfällen machen die Kreativen von Wirz Jugendlichen schnell klar, warum man nicht auf eine MobiJeunes- Versicherung verzichten kann.
Neben Plakaten und Anzeigen kommen im Below-the-line-Bereich «Shit happens»-Pflaster und «Shit happens»-Warnwesten fürs Auto zum Einsatz. Für den kommenden Winter sind in den Skigebieten auch Rettungsschlitten mit dem «Shit happens»-Logo geplant.
Unter www.mobijeunes.ch gibt es ein exklusiv für diese Kampagne gestaltetes «Shit happens»-Internetportal. Hier können die Jugendlichen lustige und schräge Foto- oder Videobeiträge zum Thema einschicken und von den anderen bewerten lassen. Wenn es funktioniert, soll hier eine neue Comunity von MobiJeunes-Versicherten entstehen. Falls die Idee bei der Zielgruppe nicht angenommen wird, gilt auch für die Werber bei diesem neuartigen Experiment: «Shit happens!»
Wirz Werbung hat die Kampagne mit den Schadenskizzen für die Mobiliar von Publicis übernommen, weil die Agentur an der Zürcher Theaterstrasse mit ihrem
Neukunden Zürich-Versicherungen
eine Konkurrenzklausel hat. Mit MobiJeunes und MobiLife sind inzwischen erstmals in der Geschichte des Unternehmens sämtliche Produkte der Mobiliar in nur noch einer Agentur bei Wirz gebündelt.
Die Sujets mit dem «Shit», der passieren kann, führen konzeptionell die Idee der Schadenprotokolle weiter. Die Kampagne kann ebenfalls endlos fortgesetzt werden. Statt als Karikaturen gezeichnet sind die immer wieder neuen Fälle jetzt aber jugendkonform wie Actionbilder gestylt. «Die spezielle Ansprache birgt Risiken», ist sich CD Matthias Freuler bewusst. Man bewegt sich auf mega dünnem Eis, wenn man in coolem Slang ein so absolut uncooles Produkt wie eine Versicherung an Jugendliche verkaufen will. Wenn die Sprache als anbiedernd empfunden wird, ist der Negativerfolg programmiert.
Damit Form und Inhalt stimmen, werden die Plakate als Wildplakate aufgehängt – in den dafür erlaubten Zonen. Echt «guerilla» sollen knallrote Kleber unter die Jugend gebracht werden, welche die «Shit happens!»-Flyer quasi als Entschuldigung überall dort hinpappen soll, wo etwas passiert ist, sei es ein Parkschaden, Glasbruch oder sonst ein Fall für die Haftpflichtversicherung.
Und wenn sie dann dort die Erwachsenen nerven, dann könnte es immer noch diese Zielgruppe sein, welche schliesslich als Eltern stellvertretend für ihre Kids zur Überzeugung kommt, dass es Zeit wäre, dem Filius oder der Tochter eine dieser coolen Versicherungen von MobiJeunes mit auf den weiteren Lebensweg zu geben.
Shit happens zwar auch Versicherten, bloss kostet er dank MobiJeunes weniger.

Ob mit oder ohne MobiJeunes-Versicherung: Shit happens. Wirz Werbung will Jungen aufzeigen, dass sie die Schäden wenigstens in Grenzen halten können. >> Seite 7
Andreas Panzeri

Im Aargau sind föif Liebi

Alltag Seit 1. Juni berichten AZ-Medien über das Leben der Familie Hagenbuch-Tresch. Das interessiert das Publikum – und auch die Sponsoren.

Alltag Seit 1. Juni berichten AZ-Medien über das Leben der Familie Hagenbuch-Tresch. Das interessiert das Publikum – und auch die Sponsoren.Schon sitzt die nächste Familie im Glashaus, beargwöhnt von Kameras und Mikrofonen. Nicht schon wieder, möchte man in Erinnerung an die aufs vorletzte Jahrhundert getrimmten Familien ausrufen, die im vergangenen Gotthelfjahr auf dem Sahlenweidli so authentisch in die Objektive flinker Medienleute geblinzelt hatten – ganz zu schweigen von Big Brother und Co.Doch diesmal soll alles etwas anders werden. Zwar geht es auch hier um Geld und Geist: um die Interessen und Produkte von Sponsoren einerseits und andererseits um die multimediale Begleitung des real existierenden Familienalltags auf dem Bauernhof im Freiamt, im aargauischen Rottenschwil, also um Freuden und Sorgen der Familie von Landwirt und Gemeindeammann Franz Hagenbuch-Tresch (44), seiner Frau Esther (45) und den drei Söhnen Sebastian (16), Niklaus (15) und Simon (12).
15 Monate Vorbereitungszeit
Doch im Unterschied zu den sattsam bekannten Realityformaten setzen die Macher des Projektes mit dem nüchternen Titel «Alltag» auf Unspektakuläres: «Wir wollen nicht inszenieren, sondern den Alltag abbilden», sagt Jörg Meier, der geistige Vater des Projektes. Meier hat für dieses auf den ersten Blick schlichte Anliegen 15 Monate Vorbereitung benötigt, eine eigene siebenköpfige Redaktion auf die Beine gestellt, der er als publizistischer Leiter vorsteht, und dafür Medienschaffende aus Print, TV, Internet und Radio von verschiedenen Medien der AZ-Medien-Gruppe zusammengezogen. «Es gibt auch noch andere Arten des Journalismus», sagt Meier, der aus einer 15-jährigen Vergangenheit im Lokal- und Regionaljournalismus schöpft und darauf brennt, über eine längere Zeitdauer an einem einzigen Thema dranbleiben zu können.
Seit dem Ersten dieses Monats sind die Hagenbuchs nun für die kommenden neun Monate fester Bestandteil in den Rubriken der Aargauer Zeitung, von Radio Argovia, Tele M1, der Aargauer Woche sowie des SonntagsBlicks, für den die «Alltag»-Redaktion selber textet. Auf der eigenen Website www.alltag.ch sind zusätzlich täglich aufdatierte News, Medienberichte, Hintergrund- und Serviceinformationen abrufbar. Immerhin wären 59 Aargauer Familien bereit gewesen, diesen multimedialen Striptease über sich ergehen zu lassen. Allein drei kamen in die von «Quer»-Ex-Moderator Röbi Koller moderierte Endausscheidung, wobei die Bauernfamilie Hagenbuch schiesslich den Stich machte – sehr zur Zufriedenheit des Aargauer Bauernverbandes, der auf seiner Homepage Wahlempfehlungen für die Sache des Bauernstandes abgegeben hatte.
Doch ist das schon alles? «Wir nehmen in Kauf, dass das Ganze unspektakulär wird», gibt Jörg Meier zu. Das publizistische Konzept von «Alltag», das es so in der Schweiz noch nicht gegeben hat, geht über die Langzeitstudie des Aargauer Familienalltags hinaus. Denn dieser Alltag generiert Hunderte von Geschichten und Nebenthemen fast automatisch.
Das Identifikationspotenzial für das Publikum ist gross: Was der Familie Hagenbuch widerfährt, damit beschäftigen sich andere Familien auch: Reifenwechsel, Steuererklärung, Ferienpläne, Berufswahl, Sprachaufenthalt, Garten bestellen, Eltern, die älter werden, und so fort. «Das Potenzial ist riesig», sagt Meier. Die entsprechenden Serviceartikel und Beiträge schreiben sich da beinahe schon von selbst.
Von der «Alltag»-Idee haben sich auch acht Firmen überzeugen lassen, welche das Projekt unterstützen und es als eine Art neuer Werbeplattform nutzen – wobei Meier lieber von Partnern spricht als von Sponsoren. So fahren die Hagenbuchs zum Beispiel einen VW Sharan des Automobilimporteurs Amag, den sie nach erfolgreichem Durchstehen der neun Monate behalten dürfen. «Wir erwarten eine entsprechende Präsenz des Autos in den Beiträgen, wenn es Sinn macht, und die Möglichkeit, bei Mobilitätsthemen, die im Alltag auftauchen, fachliche Hilfe zu leisten», sagt Dino Graf, Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei Amag.
Auch für die SBB bietet «Alltag» eine willkommene Möglichkeit, im Herbst den eher dünnen Reiseverkehr in den Süden anzukurbeln. «Wir wollen mit unserer Aktion klar mehr Verkehr generieren», sagt SBB-Pressesprecher Roland Binz. Unter dem Titel «Raus aus dem Alltag» bietet das Transportunternehmen Halbtax-Abonnenten für 35 Franken Tickets ins Tessin an. Bezogen werden können die Fahrkarten auch in den Filialen des Modehauses Charles Vögele, eines weiteren «Alltag»-Partners, was diesem wiederum einen Auftritt im Projekt erlaubt. «Für uns war entscheidend, dass das Projekt Familien anspricht, das ist unsere klassische Zielgruppe», sagt Renzo Radice, Leiter der Unternehmenskommunikation der Charles-Vögele-Gruppe. Dem Unternehmen geht es darum, neue Formen der Kommunikation zu testen, wobei der multimediale Charakter des Projektes ideal sei.
Auch die Aargauer Axpo-Tochter AEW Energie AG ist beteiligt und will mit der Familie ein Energietagebuch führen, das am Ende umfassend über den Energieverbrauch der Hagenbuchs Auskunft gibt. «Das Projekt bietet viele Möglichkeiten. Wir könnten uns auch vorstellen, Kinder ins Unterwerk einzuladen und ihnen zu zeigen, wie Strom funktioniert», sagt die AEW-Medienverantwortliche Elke Piller. Schliesslich sieht auch Pro Senectute eine willkommene Gelegenheit, die Anliegen der älteren Generation zu thematisieren.
Die Macher von «Alltag» waren vorgängig 80 potenzielle Partner angegangen. Seit dem Start nähmen die Anfragen von interessierten Firmen zu, erklärt Jörg Meier. «Wir wollen die Anzahl Partner aber im Rahmen halten», sagt er. Wie viel der Anteil der Sponsoren am Budget des Projektes ausmacht, will Meier nicht beziffern. Doch man sei zufrieden, wenn am Ende die Investitionen wieder zurückkämen und man kostendeckend habe arbeiten können. Wenn die Sache ein Erfolg wird und wenn die Familie Hagenbuch den neunmonatigen multimedialen Stress durchsteht und dabei gesund bleibt, dann könnte sich Meier eine Fortsetzung durchaus vorstellen. «Vielleicht gibts dann eine zweite Runde, vielleicht mit einem KMU.»
Ungewöhnlich gewöhnlich: Bauernfamilie Hagenbuch-Treschpräsentiert sich in Aargauer Medien und im SonntagsBlick.
Werbeplattform mit ZukunftspotenzialMit der multimedialen Langzeitbegleitung der Familie Hagenbuch während neun Monaten hat die AZ-Medien-Gruppe – vorausgesetzt, das Experiment gelingt – eine Art neuer Werbeplattform geschaffen. Diese
erlaubt es Unternehmen, die als Sponsoren auftreten, über die Beiläufigkeit von Alltagsereignissen und –problemen der Familie ihre Produkte und Dienstleistungen in den Medien der AZ-Gruppe zu thematisieren. Von Schleichwerbung will man in Baden nicht sprechen, denn die Werbeinhalte seien klar deklariert, heisst es. Das Konzept ist in dieser Art im deutschsprachigen Raum neu und könnte Schule machen. Nach dem Start haben sich bereits weitere Firmen für eine Partnerschaft interessiert. (rw)
René Worni

WPP gewinnt Shell-Etat

Energie Den Pitch um das internationale Mediabudget von Shell (schätzungsweise 240 Millionen US-Dollar) konnten die Agenturen Mediacom (New York) und Maxus (London) der britischen Werbegruppe WPP für sich entscheiden.

Energie Den Pitch um das internationale Mediabudget von Shell (schätzungsweise 240 Millionen US-Dollar) konnten die Agenturen Mediacom (New York) und Maxus (London) der britischen Werbegruppe WPP für sich entscheiden.An der Schlussrunde waren auch Carat und Starcom beteiligt.

EU-Gesetzesentwurf für Foodwerbung

Werberecht Die Konsumentenschutz-Minister der EU-Staaten haben einen Verordnungsentwurf gegen irreführende Werbung bei Lebensmitteln angenommen.

Werberecht Die Konsumentenschutz-Minister der EU-Staaten haben einen Verordnungsentwurf gegen irreführende Werbung bei Lebensmitteln angenommen.Künftig sollen Hersteller nicht mehr einseitig mit gesunden Bestandteilen der Produkte werben dürfen und Gefahren unterschlagen. Dazu muss sich jetzt noch das Europaparlament äussern, das in der vergangenen Woche wesentliche Passagen des Entwurfs entschärft und vor allem die Forderung nach Angabe eines Nährwertprofils gestrichen hatte.

Affichage bietet für deutsche Bahnwerbung

Aussenwerbung Die Affichage Holding hat der Deutschen Bahn ein Angebot für die Deutsche Eisenbahn-Reklame GmbH (DERG) unterbreitet.

Aussenwerbung Die Affichage Holding hat der Deutschen Bahn ein Angebot für die Deutsche Eisenbahn-Reklame GmbH (DERG) unterbreitet.Zur Höhe der Offerte wurden keine Angaben gemacht. In der deutschen Presse wird der Wert des Unternehmens mit 40 bis 60 Millionen Euro veranschlagt. Die Deutsche Bahn hat die DERG im Dezember 2004 zum Verkauf ausgelobt. Als Interessenten werden auch die deutschen Aussenwerber Ströer-DSM und Wall sowie die US-Firma Viacom Outdoor genannt.

Guantánamo als mediales Verdrängungssymptom

Aufgefallen Die globale Primeur-Jagd hat fatale Risiken und Nebenwirkungen. Unter anderem jene, viel grundsätzlichere Skandale zu überdecken.

Kolumne Die globale Primeur-Jagd hat fatale Risiken und Nebenwirkungen. Unter anderem jene, viel grundsätzlichere Skandale zu überdecken.Dass Medien starke Wirkungen entfalten, hat der Newsweek-Bericht über Koranschändungen im US-Militärgefängnis Guantánamo einmal mehr belegt. Die 17 Toten, die antiamerikanische Proteste in Afghanistan in Reaktion auf die Geschichte gefordert haben, werden dadurch nicht wieder lebendig, dass sich die Chefredaktion des Nachrichtenmagazins bei den Angehörigen inzwischen entschuldigt hat.Psychologisch verständlich ist es immerhin, dass sich Newsweek nicht noch einmal nachsagen lassen wollte, die Redaktion habe
einen Scoop anderen überlassen, weil sie gezaudert hat. Die Schmach war wohl noch nicht vergessen, dass Präsident Clintons Affäre mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky nur deshalb vom Internet-Reporter Matt Drudge aufgedeckt wurde, weil die entsprechende Newsweek-Story bei Redaktionsschluss noch nicht ausrecherchiert war.
Nur: War die Story vom Koran im Klo wirklich ein Scoop? Dass Gefängnisaufseher die ihnen Anvertrauten auf diese oder jene Weise demütigen, ist vermutlich nicht so einzigartig auf dieser Welt – weder in den US-Haftanstalten noch anderswo. Nicht weniger naiv ist hingegen, wer nun generell anprangert, dass sich Medien anonymer Quellen bedienen. Ohne jene «informierten Kreise» und gezielte Indiskretionen von Eingeweihten, die selbst im Dunkeln bleiben, ist (regierungs)kritischer Journalismus undenkbar.
Wichtig ist indes, dass sich jeder Journalist, der anonyme Quellen nutzt, der Gefahr bewusst ist, instrumentalisiert zu werden: Wer nicht einfach Gerüchte streuen möchte, sollte sich also Dokumente aushändigen lassen oder zumindest einen zweiten Informanten suchen, der die Aussage des ersten bestätigt.
So weit die Lehrbuch-Regeln, die freilich in der beinharten Konkurrenz um Primeurs nicht einfach einzuhalten sind. Zumal Journalisten auch selbst gerne mit anonymen Informanten spielen – und ihrem Publikum so vorspiegeln, wie gut sie vernetzt sind. Grundsätzlich hat die Leserschaft natürlich ein Anrecht, zu erfahren, woher eine Information stammt. So hielt die in Sachen Selbstkontrolle führende New York
Times in einem internen Bericht jüngst fest, dass es die journalistische Glaubwürdigkeit untergräbt, wenn sich im Blatt ständig Berichte ohne greifbare Quellen finden.
Vielleicht sollten wir es uns auch mit den starken Medienwirkungen nicht allzu leicht machen. Denn wer Hass sät, wird Hass ernten. Im vorliegenden Fall hat diesen nicht Newsweek gesät. Die Toten in Afghanistan gehen eher auf das Konto derjenigen islamischen Fundamentalisten, die sie tatsächlich umgebracht haben. Und wohl auch der kaum minder fundamentalistischen, auf bigotte Weise christlichen Krieger, die in Washington regieren und bei ihren Kreuzzügen auch liberale Medien drangsalieren.
Wer, wie Newsweek, schlechte Nachrichten zu überbringen hat, sollte allerdings etwas tun, was unter Journalisten noch immer verpönt ist: über mögliche Folgen einer Publikation nachdenken und abwägen, ob es wirklich ein öffentliches Interesse am Vorfall gibt. Dass Journalisten der Koranschändung auf Guantánamo weltweit hohen Nachrichtenwert zumessen würden, war absehbar, obschon diese Episode vielleicht gar nicht unser aller Aufmerksamkeit verdient hat. Jedenfalls steht sie in einem merkwürdigen Kontrast dazu, wie wenig sich die Medien als Vierte Gewalt bisher darüber erregt haben, dass es dieses Lager überhaupt gibt. Der eigentliche Skandal ist ja wohl, dass dort Menschen seit Jahren ohne jedwede Rechtsgrundlage schikaniert und ihrer Freiheit beraubt werden – entgegen allen Menschenrechtsdeklarationen.
>Stephan Russ-Mohl ist Publizistikprofessor an der Universität
der italienischen Schweiz in Lugano.

DMB verliert Media Markt in Österreich

Etats Demner Merlicek & Bergmann (DMB) muss den Kunden Media Markt in Österreich abgeben. Neue Betreuerin ist Dirnberger de Felice, wie DMB in Wien ansässig.

Etats Demner Merlicek & Bergmann (DMB) muss den Kunden Media Markt in Österreich abgeben. Neue Betreuerin ist Dirnberger de Felice, wie DMB in Wien ansässig.In der Schweiz werde Media Markt weiterhin (wie schon seit 1994) mit DMB zusammenarbeiten, sagte ein Sprecher des Unternehmens der Werbewoche.

Auflagenbetrug fürs Nachttischchen

Branchenkrimi Interessant macht den Thriller über numerische und menschliche Manipulationen im Medienmarkt erst sein Realitätsgehalt.

Branchenkrimi Interessant macht den Thriller über numerische und menschliche Manipulationen im Medienmarkt erst sein Realitätsgehalt.Dem Standard war der Roman zwar keine Rezension, aber immerhin eine Anfrage beim Springer Verlag wert. Und die Konzernsprecherin bestätigte der Wiener Tageszeitung auch prompt «gewisse Unregelmässigkeiten bei der Auflagenerfassung im Zeitschriftenbereich – vor ungefähr zehn Jahren». Diese seien damals selbstverständlich sofort abgestellt worden. Die in «Kokoschanskys Schachzug» erhobenen Vorwürfe werde man dennoch prüfen.Einen Anspruch hat der dritte Band in der Krimi-Reihe des ös-
terreichischen Ex-TV-Journalisten Günther Zäuner also eingelöst: Er beruht auf wahren Begebenheiten. Tatsächlich treten in dem Opus einige wohlbekannte Akteure und Unternehmen, die in dubiose Machenschaften rund um obigen deutschen Grossverlag, Scheinrechnungen einer Verteilfirma und – natürlich – den obligaten Mord verwickelt sind, kaum chiffriert auf. Das macht die Branchenburleske durchaus unterhaltsam und punktuell auch mal spannend.
Literarisch jedoch hat der Text trotz mehrmaliger Referenz auf Stefan Zweigs «Schachnovelle» entweder keinen Anspruch oder vermag ihn nicht zu erfüllen. Dazu bleibt das ungleiche Protagonistenpaar, bestehend aus dem zum Bauernopfer degradierten Geschäftsmann Lichtenhagen und dem investigativen Gemütsjournalisten Kokoschansky, in seinen Aktionen und Reflexionen einfach zu klischeehaft und kalkulierbar. Da helfen auch die allzu offensichtlichen Anleihen bei der «Tatort»-Legende Schimansky (Typus harte Schale, weicher Kern und flottes Mundwerk) und das Kokettieren mit Insidertum nichts.
Etwas durchsichtig und wacklig konstruiert ist auch die reisserische Rahmenhandlung dieses inzwischen verjährten Skandälchens. Zäuner konnte es sich leider nicht verkneifen, die gesamte Zeitgeschichte in seinen dritten Kokoschansky zu packen, inklusive 9/11, RAF-Neugründung und wüster Verschwörungstheorien. Weniger (künstliche Aufregung) wäre hier mehr (echte Dramatik) gewesen. Das fand vielleicht auch die Springer-Sprecherin – und wartet mit der versprochenen Prüfung bis zum nächsten, hoffentlich auch erzählerisch etwas glaubwürdiger gemachten Kokoschansky-Abenteuer.
> Kokoschanskys Schachzug oder Geld spielt keine Rolle von Günther Zäuner. Schmidt Verlag, Freiburg i.Br. 2004. 252 Seiten, 20 Franken.
Oliver Classen

SexSells

Zugegeben, die Alldays-Kampagne ist nicht brandneu. Nichtsdestotrotz ist ihre Wirkung nach wie vor so irritierend und fernab jeglichen trockenen Humors, dass es mindestens dreier Martinis bedarf, um nicht in Verlegenheit zu geraten. Etwas weniger ...

Zugegeben, die Alldays-Kampagne ist nicht brandneu. Nichtsdestotrotz ist ihre Wirkung nach wie vor so irritierend und fernab jeglichen trockenen Humors, dass es mindestens dreier Martinis bedarf, um nicht in Verlegenheit zu geraten. Etwas weniger ins Detail gingen die Kreativen mit dem Three Olives Wodka. Doch auch hier sorgten weibliche Reize für männliche Verwirrung beziehungsweise weibliche Strümpfe. Oder war es der Alkohol? Wie dem auch sei: Ein Martini – ob mit Gin oder Wodka zubereitet – scheint das männliche Auge für weibliche Unterwäsche zu schärfen. Oder gibt es einen anderen Grund, Slips und Strümpfe zum Apéro serviert zu bekommen? Vielleicht hätte 007 die Antwort darauf.
(ck)

Heisser Velosommer

Sportgeschäfte Ein gepflegtes Burn-out unter Freunden mit dem richtigen Racing Bike von Sportplausch Wider, so jedenfalls lautet die Empfehlung der Agentur Publicis.

Sportgeschäfte Ein gepflegtes Burn-out unter Freunden mit dem richtigen Racing Bike von Sportplausch Wider, so jedenfalls lautet die Empfehlung der Agentur Publicis.Auch an heissen Sommertagen zeigen sich ihre sportlich gestählten Kreativen von ihrer produktivsten Seite. (Scheinbar) mühelos entwickelten sie erneut mehrere Werbeauftritte für den Händler der Hardcore-Biker-Szene: vom Rosenkranz – eine Velokette –, über das Hero-Plakat bis zum vertikalen Veloständer.
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