Der Zahlensalat ist angerichtet
Statistik Weil die Wemf beim Umstellen der Inseratestatistik auf AIS schlampte, geriet alles durcheinander. Die Statistik ist eine Baustelle.
Statistik Weil die Wemf beim Umstellen der Inseratestatistik auf AIS schlampte, geriet alles durcheinander. Die Statistik ist eine Baustelle.
Anfang Jahr stellte die Wemf ihre Inseratestatistik für einige Zeitungskategorien auf Daten aus dem Advertising Index Switzerland (AIS) um, denn sie wollte zwei Statistiken auf dieselbe Basis stellen und erst noch präzisere Daten liefern. Stattdessen kam es zu überraschenden Abweichungen. Ende Mai schien die Wemf aber wieder Herrin der Lage zu sein. Direktor René Schmutz sagte damals (WW 22/05): «Die Fehler wurden identifiziert und behoben. Ich gehe davon aus, dass die Daten jetzt untereinander vergleichbar sind.»Kurz danach tauchten aber neue Unstimmigkeiten auf. So enthalten die Mai-Daten plötzlich den Vermerk, wonach die Volumina 2005 der Mittelland Zeitung und der Aargauer Zeitung nicht mit dem Vorjahr vergleichbar sind. Erklärungen gibt die Wemf nicht.
Immer wieder Differenzen
Auch andernorts stiess man auf Ungereimtheiten: So entdeckte etwa Jörg Salzmann, Verlagsmanager des Walliser Boten, dass die Wemf für sein Blatt im 2004 und 2005 monatlich 30 bis 50 Anzeigenseiten weniger ausweist, als gemeldet waren. Differenzen entdeckte man auch beim St. Galler Tagblatt, bei den Freiburger Nachrichten, beim Tages-Anzeiger, bei der Basler Zeitung und weiteren Titeln. Ein Verlagsleiter, der nicht genannt sein will, schimpft: «Da stimmt überhaupt nichts. Und folgert: «Deshalb drohten wir der Wemf, aus der Statistik auszusteigen.»
Rolf Blum, Statistikleiter bei der Wemf, will sich nicht auf Einzelfälle einlassen. Er bestätigt allerdings, dass bei ihm «einige Reklamationen» eingegangen und noch Ungereimtheiten vorhanden seien. Grund dafür sei der Wechsel zu AIS-basierten Daten.
Doch das allein erklärt solche Konfusionen nicht – nicht in der Printbranche, die mit Währungswechseln bestens umzugehen weiss. Fest steht hingegen, dass die Sta-tistikauftraggeber, der Verband Schweizer Presse und der Verband Schweizerischer Werbegesellschaften, sich beim Umstellungsentscheid über die Folgen nicht im Klaren waren. Noch am 2. Dezember 2004 sagte Wemf-Präsident Tobias Trevisan der Werbewoche, dass es «kaum zu einem Währungsbruch» kommen werde. Mittlerweile weiss es die Branche besser, und auch René Schmutz räumt ein: Der AIS führte bei der Inseratestatistik «zu einem Bruch wie damals, als wir die Mach Basic vom K1- auf den LpA-Wert umstellten».
Dennoch wissen viele Verlagsleute noch immer nicht, ab wann die neue Währung gilt – ab 2005 oder ab 2004? Beides ist möglich, hängt jedoch von der Statistik ab, die man konsultiert. Denn die Wemf brachte 2004 zwei Statistiken in Umlauf: Am 14. Januar 2005 publizierte sie die bis Dezember 2004 nachgeführte Version nach altem System, deren Volumina mit jenen von 2003 oder 2002 vergleichbar sind.
Der Währungsbruch fiel also auf den Jahreswechsel 2004/05. Damit wären aber schon ab den AIS-basierten Daten für Januar 2005 keine Vorjahresvergleiche mehr möglich gewesen. Um den Verlagen dennoch einen Vergleich mit dem Vorjahr zur Verfügung zu stellen, rechnete sie die Seitenvolumina 2004 auf Grund der ebenfalls vorhandenen AIS-Daten um, nahm im
Februar die zuerst veröffentlichten 2004er-Zahlen wieder von der Homepage und publizierte stattdessen die AIS-basierten Volumina, gleichzeitig mit jenen vom Januar 2005.
Mit dieser neuen Statistik war nun der Währungsbruch elegant auf den Jahreswechsel 2003/04 vorverlegt. Doch mit Parallelstatistiken war ein Zahlensalat geradezu vorprogrammiert. Ein Teil der eingangs erwähnten Konfusionen ist denn auch allein darauf zurückzuführen. Blum betont dagegen, er habe die Austauschaktion am 21. Dezember in einem Mail angekündigt. Stimmt, doch er tat dies derart beiläufig, dass die Tragweite kurz vor Weihnachten geradezu untergehen musste. Und auch in Pressecommuniqués der Wemf war bestenfalls von «Neuerungen», nie aber von unvergleichbaren Währungen die Rede.
Warnhinweis fehltKommt dazu, dass die Wemf auf den Beginn der «Neuerung» nur einmal, im Januar, hinwies, seither aber den Zeitpunkt des Währungsbruchs verwischt: Wer die 2004er-Volumina abruft, erhält automatisch die unvergleichbaren Daten von 2003 ohne Warnhinweise mitgeliefert. Immerhin: Diesen Automatismus will Blum ab den Juni-Daten beenden: Der Bruch soll sichtbar werden.
Auch in anderer Hinsicht entspricht die Inseratestatistik kaum dem State of the Art: Sechs Zeitungstitel, deren 2004er-Volumina die Wemf nicht nach AIS rekons-
truieren konnte, werden weiter nach altem System ausgewiesen. Auch im Jahr 2005. «Im Sinne einer Übergangslösung», beschwichtigt Blum. Doch damit mischt die Wemf systematisch Kraut und Rüben, ohne dies irgendwo zu vermerken.
Wer die vorbildliche Wemf-Kommunikation seinerzeit bei der Mach Basic erlebt hat, gewinnt den Eindruck, dass das Institut diesmal das Problem unterschätzte, dann die Fehler vertuschen und schliesslich den Verlagen den schwarzen Peter zuschieben wollte. Viele Titel hätten ihre Volumina nicht richtig deklariert, was die Umstellung auf AIS erst nötig gemacht habe, klagen Schmutz und Blum. Das stimmt zweifellos, macht ihr eigenes Vorgehen aber nicht besser.
Den Vertuschungsvorwurf weist Blum jedoch von sich: «Ich glaubte, dass wir via Mail ausreichend kommuniziert haben. Umso mehr, als das E-Mail in Sachen Inseratestatistik das einzige Kommunikationsmittel zwischen Wemf und Verlagen ist. Inzwischen merkten wir aber, dass wir nachfassen und nachkommunizieren müssen.»
So wird Blum nun die Statistik-Richtlinien «präzisieren» sowie jeden einzelnen Fall abklären. In einigen Verlagsbuchhaltungen sind auch Umprogrammierungen nötig. Ab Herbst will er dann nochmals auf jeden Titel zugehen, mit jedem eine Ausgabe auswerten und die
Resultate abgleichen.
Fazit: Die Inseratestatistik ist – entgegen den Wemf-Beschwichtigungen – noch lange nicht im Lot. Auf dieser Baustelle muss füglich noch viel geflickt und ausgebessert werden.
Markus Knöpfli
Anfang Jahr stellte die Wemf ihre Inseratestatistik für einige Zeitungskategorien auf Daten aus dem Advertising Index Switzerland (AIS) um, denn sie wollte zwei Statistiken auf dieselbe Basis stellen und erst noch präzisere Daten liefern. Stattdessen kam es zu überraschenden Abweichungen. Ende Mai schien die Wemf aber wieder Herrin der Lage zu sein. Direktor René Schmutz sagte damals (WW 22/05): «Die Fehler wurden identifiziert und behoben. Ich gehe davon aus, dass die Daten jetzt untereinander vergleichbar sind.»Kurz danach tauchten aber neue Unstimmigkeiten auf. So enthalten die Mai-Daten plötzlich den Vermerk, wonach die Volumina 2005 der Mittelland Zeitung und der Aargauer Zeitung nicht mit dem Vorjahr vergleichbar sind. Erklärungen gibt die Wemf nicht.
Immer wieder Differenzen
Auch andernorts stiess man auf Ungereimtheiten: So entdeckte etwa Jörg Salzmann, Verlagsmanager des Walliser Boten, dass die Wemf für sein Blatt im 2004 und 2005 monatlich 30 bis 50 Anzeigenseiten weniger ausweist, als gemeldet waren. Differenzen entdeckte man auch beim St. Galler Tagblatt, bei den Freiburger Nachrichten, beim Tages-Anzeiger, bei der Basler Zeitung und weiteren Titeln. Ein Verlagsleiter, der nicht genannt sein will, schimpft: «Da stimmt überhaupt nichts. Und folgert: «Deshalb drohten wir der Wemf, aus der Statistik auszusteigen.»
Rolf Blum, Statistikleiter bei der Wemf, will sich nicht auf Einzelfälle einlassen. Er bestätigt allerdings, dass bei ihm «einige Reklamationen» eingegangen und noch Ungereimtheiten vorhanden seien. Grund dafür sei der Wechsel zu AIS-basierten Daten.
Doch das allein erklärt solche Konfusionen nicht – nicht in der Printbranche, die mit Währungswechseln bestens umzugehen weiss. Fest steht hingegen, dass die Sta-tistikauftraggeber, der Verband Schweizer Presse und der Verband Schweizerischer Werbegesellschaften, sich beim Umstellungsentscheid über die Folgen nicht im Klaren waren. Noch am 2. Dezember 2004 sagte Wemf-Präsident Tobias Trevisan der Werbewoche, dass es «kaum zu einem Währungsbruch» kommen werde. Mittlerweile weiss es die Branche besser, und auch René Schmutz räumt ein: Der AIS führte bei der Inseratestatistik «zu einem Bruch wie damals, als wir die Mach Basic vom K1- auf den LpA-Wert umstellten».
Dennoch wissen viele Verlagsleute noch immer nicht, ab wann die neue Währung gilt – ab 2005 oder ab 2004? Beides ist möglich, hängt jedoch von der Statistik ab, die man konsultiert. Denn die Wemf brachte 2004 zwei Statistiken in Umlauf: Am 14. Januar 2005 publizierte sie die bis Dezember 2004 nachgeführte Version nach altem System, deren Volumina mit jenen von 2003 oder 2002 vergleichbar sind.
Der Währungsbruch fiel also auf den Jahreswechsel 2004/05. Damit wären aber schon ab den AIS-basierten Daten für Januar 2005 keine Vorjahresvergleiche mehr möglich gewesen. Um den Verlagen dennoch einen Vergleich mit dem Vorjahr zur Verfügung zu stellen, rechnete sie die Seitenvolumina 2004 auf Grund der ebenfalls vorhandenen AIS-Daten um, nahm im
Februar die zuerst veröffentlichten 2004er-Zahlen wieder von der Homepage und publizierte stattdessen die AIS-basierten Volumina, gleichzeitig mit jenen vom Januar 2005.
Mit dieser neuen Statistik war nun der Währungsbruch elegant auf den Jahreswechsel 2003/04 vorverlegt. Doch mit Parallelstatistiken war ein Zahlensalat geradezu vorprogrammiert. Ein Teil der eingangs erwähnten Konfusionen ist denn auch allein darauf zurückzuführen. Blum betont dagegen, er habe die Austauschaktion am 21. Dezember in einem Mail angekündigt. Stimmt, doch er tat dies derart beiläufig, dass die Tragweite kurz vor Weihnachten geradezu untergehen musste. Und auch in Pressecommuniqués der Wemf war bestenfalls von «Neuerungen», nie aber von unvergleichbaren Währungen die Rede.
Warnhinweis fehltKommt dazu, dass die Wemf auf den Beginn der «Neuerung» nur einmal, im Januar, hinwies, seither aber den Zeitpunkt des Währungsbruchs verwischt: Wer die 2004er-Volumina abruft, erhält automatisch die unvergleichbaren Daten von 2003 ohne Warnhinweise mitgeliefert. Immerhin: Diesen Automatismus will Blum ab den Juni-Daten beenden: Der Bruch soll sichtbar werden.
Auch in anderer Hinsicht entspricht die Inseratestatistik kaum dem State of the Art: Sechs Zeitungstitel, deren 2004er-Volumina die Wemf nicht nach AIS rekons-
truieren konnte, werden weiter nach altem System ausgewiesen. Auch im Jahr 2005. «Im Sinne einer Übergangslösung», beschwichtigt Blum. Doch damit mischt die Wemf systematisch Kraut und Rüben, ohne dies irgendwo zu vermerken.
Wer die vorbildliche Wemf-Kommunikation seinerzeit bei der Mach Basic erlebt hat, gewinnt den Eindruck, dass das Institut diesmal das Problem unterschätzte, dann die Fehler vertuschen und schliesslich den Verlagen den schwarzen Peter zuschieben wollte. Viele Titel hätten ihre Volumina nicht richtig deklariert, was die Umstellung auf AIS erst nötig gemacht habe, klagen Schmutz und Blum. Das stimmt zweifellos, macht ihr eigenes Vorgehen aber nicht besser.
Den Vertuschungsvorwurf weist Blum jedoch von sich: «Ich glaubte, dass wir via Mail ausreichend kommuniziert haben. Umso mehr, als das E-Mail in Sachen Inseratestatistik das einzige Kommunikationsmittel zwischen Wemf und Verlagen ist. Inzwischen merkten wir aber, dass wir nachfassen und nachkommunizieren müssen.»
So wird Blum nun die Statistik-Richtlinien «präzisieren» sowie jeden einzelnen Fall abklären. In einigen Verlagsbuchhaltungen sind auch Umprogrammierungen nötig. Ab Herbst will er dann nochmals auf jeden Titel zugehen, mit jedem eine Ausgabe auswerten und die
Resultate abgleichen.
Fazit: Die Inseratestatistik ist – entgegen den Wemf-Beschwichtigungen – noch lange nicht im Lot. Auf dieser Baustelle muss füglich noch viel geflickt und ausgebessert werden.
Markus Knöpfli
