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Aufgefallen Die besten redaktionellen Ideen liegen häufig zuunterst auf dem Schreibtisch begraben. Ein Ferienputz kann die Zombies zu neuem Leben erwecken.

Kolumne Die besten redaktionellen Ideen liegen häufig zuunterst auf dem Schreibtisch begraben. Ein Ferienputz kann die Zombies zu neuem Leben erwecken.Lebe schnell, stirb jung. So, Mbwana, lautet die erfolgreichste Devise im Showbusiness. (Knapp vor dem Tipp des Hollywood-Moguls Louis B. Meyer für einen guten Film: «Mit einem Erdbeben anfangen – und dann langsam steigern!» Und Alfred Hitchcocks Devise: «Achte immer genau darauf, wie es die andern machen. Und dann tu exakt das Gegenteil!»)Journalismus ist eine Unterdisziplin der Showbranche, die vielleicht alltäglichste und langweiligste, aber trotzdem. Deshalb ist es auch eine Tragödie, dass Journalisten nicht mit 40 enthauptet werden. Stattdessen werden sie Ressortleiter, Chefredaktoren und Dauermeinungskolumnisten: Was folgt, sind 25 Jahre, in denen dieselbe Show Tag für Tag variiert wird. Aus Routine wird Senilität. Und das live, vor aller Augen.
Ein ähnliches Schicksal, Mbwana, steht mir bevor. Ich bin 39, habe nichts anderes gelernt und bin zu glücklich und zu feige für Selbstmord. Somit habe ich beschlossen, wenn schon nicht die Haut, dann doch wenigstens den Bürostuhl zu wechseln und meinen Job bei der Wochenzeitung WOZ zu kündigen.
Nun räume ich den Schreibtisch auf: Berge von Notizen, prähistorischen Sandwiches und nie durch- oder umgesetzten Plänen. Einige davon sind zu schade, um sie direkt auf den Müll zu kippen, also befördere ich sie indirekt über Ihren Kopf dorthin. Danke!
1) Eine Redaktion heuert einen Monat lang clevere und bösartige Profis aus der Branche an, die sämtliche Artikel noch auf derselben Seite kritisieren. Die Folgen wären: 1. Alle würden ehrgeiziger schreiben. 2. Man hätte etwas sehr Seltenes im Haus: eine feurige Qualitätsdebatte. 3. Die Leser würden in diesem Monat die Zeitung lesen wie wild – erst die Kritik, und dann, egal, ob Lob oder Verriss, den Artikel: Um zu sehen, ob die Kritik stimmt. (Nachteil des Plans: Es braucht eine sehr selbstbewusste Redaktion dazu.)
2) In der Weihnachtsausgabe schreibt jeder Journalist, wo er sich im letzten Jahr irrte und warum: Fehleinschätzungen sind nichts Unehrenwertes und oft interessanter als die Wirklichkeit. (Und schliesslich könnte man in der Januarausgabe bestens legitimiert die Fehler der Konkurrenz auflisten – als Zückerchen für die Selbstgeisselung.)
3) Eine Zeitung wie die WOZ hat eine grosse Tradition. Blättert man in vergilbten Jahrgängen, findet man oft beschämend gut geschriebene, verblüffend aktuelle Artikel. Hat man die Beleidigung verdaut, dass guter Journalismus nicht von einem selbst erfunden wurde, könnte man hervorragende alte Artikel wieder veröffentlichen – mit einem recherchierten Kasten: Was danach geschah.
4) Überhaupt müsste man eine Strategie entwerfen, die dem Mangel an wirklichen News, Primeurs, Skandalen Rechnung trägt: No news are good news! Leser lieben Geschichten; Primeurs interessieren nur Journalisten. Eines der beim Publikum beliebtesten WOZ-Formate ist der Cheer-up-Artikel: Sich über einen Sieg zu freuen oder bei einer Niederlage zu ärgern. Null Neuigkeit, dafür aber die Botschaft: Wir fühlen mit, wir haben euch verstanden!
5) Sonstige Pläne: Grundsätzlich sämtliche Kommentare als Pro-Contra-Memos schreiben; eine Serie zur Rehabilitation der Gutmenschen als interessante Köpfe (nicht nur böse Zeitgenossen sind klug); Telefonterror als neues journalistisches Genre; eine Serie nach dem Motto «Wie überzeuge ich meine Tante, in dieser Frage links zu denken? Argumentarien für den Hausgebrauch»; etc. pp.
So weit, Mbwana, meine Mülldeponie, die nun in Ihrem Kopf zwischengelagert wird. Und nun nichts wie weg in die Ferien!
> Constantin Seibt war bis heute Redaktor für Politik und Wirtschaft bei der Wochenzeitung WOZ.
Constantin Seibt über vielfältige Möglichkeiten, Texte originell aufzupeppen.

Publicitas kann nicht rekurrieren

Presse Publicitas ist mit ihrer Beschwerde gegen die Auftragsvergabe für den Anzeiger Region Bern gescheitert.

Presse Publicitas ist mit ihrer Beschwerde gegen die Auftragsvergabe für den Anzeiger Region Bern gescheitert.Die Werbevermittlerin rekurrierte gegen die Vergabe des Anzeigenmandats, wo sie selbst den Zuschlag erhalten hatte. Sie reklamierte einen Mehraufwand, weil die Trägergemeinden des Anzeigers die Aufträge für Vorstufe und Druck an verschiedene Standorte vergeben haben und verlangte eine neue Festsetzung ihrer Entschädigung.

Medien im Clinch

Weko Wird Radio Basilisk etwa vom Monopol der Basler Zeitung benachteiligt? Ein Fall für die Wettbewerbskommission (Weko).

Weko Wird Radio Basilisk etwa vom Monopol der Basler Zeitung benachteiligt? Ein Fall für die Wettbewerbskommission (Weko).
Mit dem Relaunch vom letzten Sommer verbannte die Basler Zeitung (BaZ) das Radioprogramm aus ihren Seiten. Auf Wunsch von Lesern gab sie später aber den Programmen von DRS 1 und 2 wieder etwas Raum – und auf einer 16 Quadratzentimeter grossen Restfläche auch dem Programm des zur Basler Zeitung Medien (BZM) gehörenden Radio Basel 1. Nicht erwähnt wird dagegen Konkurrenzsender Basilisk, was dessen Mutterkonzern Tamedia sauer aufstiess. «Die BaZ grenzt in ihren Programmhinweisen Radio Basilisk (nota bene die Nummer 1 im Raum Basel) systematisch aus. Nach unserem Empfinden nützt die BaZ damit eine marktbeherrschende Stellung aus, weshalb wir bei der Weko Klage eingereicht haben», sagt Tamedia-Sprecherin Franziska Hügli.Stellungnahme verlangt
Bei der Weko nimmt man die Klage durchaus ernst. Es gehe nicht nur um ein paar Quadratzentimeter Zeitungsfläche, sagt Vizedirektor Patrik Ducrey, «sondern um die Frage, ob ein Unternehmen mit Quasi-Monopolstellung diese Macht auf einem nachgelagerten oder benachbarten Markt zum Nachteil von Konkurrenten einsetzt oder ob es für den Radiohörer genügend Ausweichmöglichkeiten gibt, um sich über das Radioprogramm von Radio Basilisk zu informieren». Die Weko habe deshalb die BZM zu einer Stellungnahme aufgefordert.
Den Dritten freut’sBei der BZM macht man sich jedoch keine Sorgen. «Wir betrachten die Klage eher als Zeichen für die zunehmende Nervosität bei Basilisk, weil unser Basel 1 immer mehr Hörer gewinnt», sagt CEO Beat Meyer.
Wenn Zürcher und Basler sich streiten, herrscht Freude in Winterthur. «Diese Klage ist super», lacht Günter Heuberger, Chef von Radio Top und TeleTop. Denn vom Weko-Urteil erhofft er sich ein deutliches Signal an das St. Galler Tagblatt. Dieses publiziert seit Jahren zwar die Programme der zur Tagblatt-Gruppe gehörenden Radio Aktuell und Tele- Ostschweiz, die Top-Sender dagegen bleiben unerwähnt.
Markus Knöpfli

APG forscht allein weiter

Die APG hält am Plakatforschungsprojekt fest, das bisher unter dem Namen Swiss Poster Research (SPR) lief.

Aussenwerbung Die APG hält am Plakatforschungsprojekt fest, das bisher unter dem Namen Swiss Poster Research (SPR) lief.
Dies, obwohl Konkurrent Clear Channel Plakanda (CCP) vor zwei Wochen
aus dem gemeinsamen Projekt ausgestiegen ist (WW 26/05). «Einzig das
SPR-Konzept liefert eine klar verständliche Kontaktdefinition», betont
die APG in einem Communiqué. Der Grundsatzentscheid für die bisherige
Methode ist gleichzeitig eine Absage an den Ansatz der deutschen
Forschungsträgerschaft AGMA, dem CCP den Vorzug gibt. Wie die APG ihre
Plakatforschung weiterführt, wird sie am 17. August darlegen. (mk)

Eine sommerliche Straff-Aktion

Kosmetik Wer sich scheut, im Sommer nackte Haut zu zeigen, muss nicht gleich den Schönheitschirurgen aufsuchen. Die Botschaft für die straffende Bodytonic-Lotion von Garnier sollte Publicis plakativ umsetzen.

Kosmetik Wer sich scheut, im Sommer nackte Haut zu zeigen, muss nicht gleich den Schönheitschirurgen aufsuchen. Die Botschaft für die straffende Bodytonic-Lotion von Garnier sollte Publicis plakativ umsetzen.Was die Kreativen denn auch direkt auf den Aushang kleisterten – auf nebeneinander stehenden B-200-Stellen – einmal mit «ungepflegten» Wellen und daneben mit glattem Plakat. Unterstützt wurden die Plakate mit einer Aktion – eine knapp bemessene Banderole für Frauenmagazine – in Coiffeur-, Kosmetik- und Beauty-Salons.

Kopf der Woche: Der Top – Stratege

David Allemann ist neuer Managing Director von Advico Young & Rubicam mit dem Ziel, die Agentur als Nummer eins zu etablieren.

David Allemann ist neuer Managing Director von Advico Young & Rubicam mit dem Ziel, die Agentur als Nummer eins zu etablieren.
Werbung ist für David Allemann «der Rock’n’Roll der Geschäftswelt». Was heisst das? Nur in wenigen anderen Branchen, wie zum Beispiel in der Musikindustrie oder beim Film, schaffen kreative Ideen gemäss seiner Ansicht «gleichzeitig so viel emotionalen Wert für Konsumenten und kommerziellen Wert für Unternehmen». Und genau dieser Mix von Business und Kreativität – der Rock’n’Roll eben – ist es, was den neuen Managing Director von Advico, Young & Rubicam nicht nur fasziniert, sondern ihm beim beruflichen Engagement auch besonders Spass macht. Eine andere Prämisse: Nach einer bestimmten Zeit muss es für ihn «immer wieder etwas Neues» sein. Das sieht er als weiteres Plus der schnellen Werbebranche.
Eigentlich hat David Allemann Jus studiert. «Architektur fand ich auch spannend, sah bei meinen Eltern aber den harten täglichen Kampf für die gestalterisch beste Lösung», meint er heute, denn sowohl die Mutter wie der Vater arbeiteten als erfolgreiche Architekten. Schon im Verlauf seines Studiums der Gesetze und Paragraphen hat den Filius aber etwas Neues gelockt. Allemann gründete zusammen mit ein paar Freunden den heute noch aktiven Party-Veranstalter «use it!».
Trotz damit verbundenen unzähligen Partys, quasi aus professionellen Gründen, hat er das Studium abgeschlossen – um gleich noch einmal etwas Neues zu entdecken.
Das Internet war noch kaum jemandem genauer vertraut, als Allemann 1996 die Chance bekam, für AY&R im Start-up-Team die Internet-Agentur Futurecom aufzubauen. Nur wenige glaubten damals an die kommende Revolution, wie Werbung und die völlig neue Technologie Internet kombiniert werden könnten. Aber bereits nach einem Jahr zählte das mit drei Pionieren gestartete Abenteuer Futurecom 25 Leute.
Der Erfolg führte für David Allemann zu einer Berufung ins Mutterhaus AY&R als Group Account Director. In Gockhausen hat man ihm die Verantwortung für grosse Kundenprojekte anvertraut. Dieser Einstieg in die klassische Werbung hat ihn gelockt, weil bei dieser Arbeit immer wieder neue Aufgaben mit neuen Problemen aus den verschiedensten Branchen gelöst werden müssen. «Das fasziniert mich.»
Trotzdem war auch in dieser Funktion seine Neugier noch nicht endgültig gestillt. Eine weiter führende Entwicklung eröffnete sich für ihn bei McKinsey. Beim renommierten Unternehmensberater arbeitete David Allemann etwas mehr als zwei Jahre, bis 2002, als Strategieberater. Als Werber und Jurist unter Ingenieuren, Managern oder Finanzexperten im Team durfte er sich vor allem mit Projekten in den Bereichen Marketing, Medien, Telekommunikation und Banking befassen. «Ich habe die Chance bekommen, mein Spektrum und die Perspektiven noch einmal zu öffnen. Ich habe das Glück gehabt, dass ich bei vielen Wachstumsprojekten mit dabei sein konnte», lobt er diese Zeit. Als grössten Erfolg bei McKinsey gibt er augenzwinkernd an, dass er im Beraterteam bei McKinsey eine Ärztin als seine zukünftige Frau kennen gelernt habe.
Sein Wissen als Stratege hat David Allemann «mit der bestmöglichen Variante» gewonnen, nämlich «in der Praxis». AY&R habe für ihn schon immer eine führende Strategieabteilung und eine starke Beratung gehabt. «Davon, und von meinen Kollegen habe ich profitiert.» Ergänzt habe er später bei McKinsey, wie man ein Unternehmensziel neben Marketing gekoppelt auch mit betriebswirtschaftlichen Methoden erreicht. Zudem durfte er bei McKinsey ein MBA-Programm in den USA besuchen sowie verschiedene Projekte im Ausland betreuen.
Allemann selber unterrichtet als Gastdozent am MBA der Universität St. Gallen HSG sowie an der ADC/BSW Kreativschule. An seinem Fach Strategie interessiert ihn, dass man sich stark mit der Zukunft auseinander setzt. «Man muss ein Ziel kennen, damit eine Strategie formuliert werden kann. Kein Status Quo, sondern die Frage: Was passiert in einem Jahr, in fünf Jahren – und welches ist der beste Weg, um dorthin zu gelangen?»
Nach drei Jahren zurück bei AY&R, wo er zuletzt die Strategie-abteilung geleitet hat, wird er jetzt als Managing Director «verantwortlich für die weitere Entwicklung» von Advico Young & Rubicam sein, zusammen mit den beiden CDs Dani Comte und Urs Schrepfer sowie Lukas Tenger, der neu nach Gockhausen kommt und bisher Unitleiter bei Publicis war.
«Die Agentur ist seit drei Jahren in Aufbruchstimmung. In dieser Zeit ist sehr viel gelaufen, sowohl, was das Neugeschäft anbelangt, als auch bezüglich grossartiger Talente, die zu uns gestossen sind. Wir wollen für Unternehmen die anspruchsvollsten Kommunikationsaufgaben mit kreativen Strategien und Kampagnen lösen.» Ziel ist «wieder die Nummer eins unter den Kreativagenturen».
Als Neukunden neben Sunrise hat AY&R soeben auch das Portfolio von Campari «mit all seinen tollen Traditionsmarken» gewonnen sowie den Verband Swiss Ski.
Allemann ist es wichtig, dass die Agentur mit den Kunden «eine
Diskussion auf Augenhöhe» führen kann. Man will nicht erst beraten, wie eine Werbekampagne aussehen soll, sondern auch herausfinden: Was ist wirklich das Problem des Kunden? Wie können wir mit effektiver Kommunikation helfen, dieses zu lösen? Soeben hat AY&R zu diesem Thema auch eine erweiterte neuste Ausgabe der Markenstudie Brand Asset Valuator vorgestellt (siehe Seite 9).
Mit dem neuen Studienbestandteil «Y&R Buying Steps» wird analysiert, was die Marke im Kaufprozess leistet.
In seiner privaten Zeit lebt David Allemann gern seine Leidenschaft für Architektur und Design an der eigenen Wohnung aus. Daneben versucht er jedes Jahr mindestens drei Wochen Auszeit zu nehmen und weit weg zu reisen. Zuletzt war er in Burma, einem «von Touristen bisher wenig entdeckten Land, das noch sehr spirituell ist».
Andreas Panzeri

Sieben Schweizer ADCE-Finalisten

Awards Mit 9 der 14 verliehenen Goldmedaillen war Deutschland der Abräumer des ADC of Europe Awards 2005. Zwei Auszeichnungen gingen nach Frankreich, je eine nach Tschechien, Österreich und Portugal.

Awards Mit 9 der 14 verliehenen Goldmedaillen war Deutschland der Abräumer des ADC of Europe Awards 2005. Zwei Auszeichnungen gingen nach Frankreich, je eine nach Tschechien, Österreich und Portugal.Neben Gold vergeben die ADCE-Jurys nur Nominationen. Davon gabs sieben für die Schweiz – wie schon in Cannes – vor allem in der Kategorie DM. Nominiert wurden Ruf Lanz für McKinsey, Matter & Partner für Tribis Hundeschule und das lebende Mailing von Jung von Matt/Limmat für Tur & Partner. Ebenfalls ins Final schafften es Publicis für Médecins sans Frontières sowie für den Zürcher Verkehrsverbund und das ADC-Jahrbuch 2004 von AY&R.

Grünes Licht für Léman bleu

Fernsehen Hersant hat den Zuschlag für den Genfer Stadtsender Léman bleu erhalten, Edipresse geht leer aus.

Fernsehen Hersant hat den Zuschlag für den
Genfer Stadtsender Léman bleu erhalten, Edipresse geht leer aus. Jetzt
fehlt nur noch das Ja des Departements Leuenberger.Nach monatelangem Übernahmekampf liessen
sich die Aktionäre des Genfer Fernsehens Léman bleu vom Angebot des
französischen Verlegers Philippe Hersant überzeugen. Eine Frage bleibt
offen: Bewilligt das Departement Leuenberger die neue Zusammensetzung
der Léman bleu AG?
«Wir haben die lokale Verankerung des Senders gerettet und behalten die
volle Kontrolle über die Werberegie», sagt Olivier-Georges Burri. Der
juristische Berater der Stadt Genf ist zufrieden. Kein Wunder: Die
Stadt hat im Ringen um die Zukunft des Lokalfernsehens Léman bleu ihre
Vorstellungen vollumfänglich durchgesetzt. Während Philippe Hersant und
sein Genfer Partner Stéphane Barbier-Mueller je etwa 20 Prozent der
Aktien erwerben, behalten die Stadt und das von ihr kontrollierte
Kabelnetz Naxoo die Mehrheit der Stimmrechte.
Mit Verleger Philippe Hersant und Immobilienhändler Stéphane
Barbier-Mueller zieht ein Tandem in den Verwaltungsrat ein, das den
Sender als Erstes vor dem Konkurs retten muss – Hersant habe die
versprochenen 1,2 Millionen Franken bereits auf der Bank deponiert, ist
aus informeller Quelle zu vernehmen. Anschliessend dürfte es vor allem
von seinen Plänen abhängig sein, in welche Richtung und mit welchen
Synergien sich Léman bleu entwickelt, ist Hersant doch der einzige
Medienprofi im Verwaltungsrat.
Sein Konzern hat die Konzession für ein Privatfernsehen im
französischen Grenoble und freundnachbarliche Beziehungen zum
grenznahen Hochsavoyer Sender TV8 Mont-Blanc; er besitzt drei
Westschweizer Tageszeitungen am Genfersee und im Kanton Neuenburg,
zudem werden ihm Pläne zur Lancierung einer Pendlerzeitung im Raum
Genf-Lausanne nachgesagt. Die Stadt Genf will darüber wachen, dass
Lokalbezug und Bürgernähe des Senders nicht verraten werden: «Wir
werden dafür sorgen, dass sowohl das Programm als auch die Produktion
genferisch bleiben», sagt Burri. Für Fragen zur endgültigen Verteilung
des Aktienkapitals sowie zu einer verlegerischen Linie, die erst noch
entworfen werden muss, sei es zu früh.
Den Ausschlag für Hersant gab das letzte Angebot des seit kurzem in
Genf ansässigen Erben des Presseimperiums von «Zeitungsfresser» Robert
Hersant. Sohn Philippe Hersant gestattet dem Sender, seine eigene
Werberegie zu betreiben, und übernimmt während fünf Jahren sämtliche
Defizite.

Edipresse zog Angebot zurück
Konkurrent Edipresse hatte nicht so viel Geld auf den Tisch legen
wollen, auch sah der Verlag eine Zusammenarbeit mit der Werberegie des
Genfer Privatradios Radio Lac vor. Edipresse zog sein Angebot in
letzter Minute zurück – und man fragt sich im Lausanner Verlag etwas
hämisch, warum die linke Stadtregierung ausgerechnet mit einem
Immobilienmakler und einem Pressemagnaten gemeinsame Sache macht,
herrscht doch in Genf chronische Wohnungsnot und fallen Hersants
französische Presseerzeugnisse nicht gerade durch soziales Engagement
auf.
So wie die Sache aussieht, dürften Hersant und Edipresse sich also an
je einem der beiden einträglichsten Privatfernsehprojekte der Romandie
beteiligen. Für Hersant Léman bleu in Genf, für Edipresse Vaud TV, ein
Zusammenschluss von drei oder vier Lokalfernsehstationen im Kanton
Waadt, an dem Edipresse zu rund einem Drittel beteiligt sein wird. Für
Vaud TV gibt es erst eine Absichtserklärung, das Konzessionsgesuch wird
erst nach Inkrafttreten des neuen RTVG eingereicht.
Doch auch die Léman bleu AG wird noch ein paar Monate zu reden geben.
Denn noch während der Übernahmekampf tobte, griff das Bundesamt für
Kommunikation (Bakom) mit einem Brief an den Veranstalter ein: Die
Aktienmehrheit in der Hand eines staatlichen Gemeinwesens, hiess es da,
könne ein Problem darstellen, denn sowohl die eidgenössische Verfassung
wie auch das Radio- und Fernsehgesetz garantieren die Unabhängigkeit
von Radio und Fernsehen. Dazu gehöre auch die Unabhängigkeit von
staatlicher Beeinflussung.
Was steht in der Verfassung? «Die Unabhängigkeit von Radio und
Fernsehen sowie die Autonomie in der Programmgestaltung sind
gewährleistet», heisst es im Artikel 93. Artikel 5 des RTVG sagt nicht
viel mehr: «Soweit das Bundesrecht nichts anderes bestimmt, sind die
Veranstalter nicht an Weisungen von eidgenössischen, kantonalen oder
kommunalen Behörden gebunden.» Die Interpretation des Bakom stösst in
Genf auf wenig Verständnis, hier ist man der Ansicht, die Verfassung
verbiete einzig eine Einflussnahme auf die redaktionellen Inhalte. Laut
Jurist Burri sind die Differenzen an einem Treffen in Biel ausgeräumt
worden: «Wir haben das Amt davon überzeugt, dass wir lautere Absichten
haben und kein Staatsfernsehen machen wollen», ironisiert er. Zur
Sicherung der Unabhängigkeit führen die neuen Besitzer ein strenges
Redaktionsstatut ein und stellen ein vom Verwaltungsrat unabhängiges
Redaktionskomitee auf die Beine.

Skepsis beim Bakom
Doch Marcel Regnotto, zuständiger Bakom-Sektionschef, ist nicht bereit,
die Waffen so schnell zu strecken. Léman bleu müsse ein Gesuch
unterbreiten, das in Anhörung gehe, anschliessend werde das Bundesamt
für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (UVEK) beschliessen, ob es den
wirtschaftlichen Übergang bewillige – das alles beanspruche drei bis
fünf Monate. «Wir werden prüfen, ob die in Aussicht gestellten
flankierenden Massnahmen genügen, um die journalistische Freiheit und
die Unabhängigkeit im strukturellen und organisatorischen Bereich zu
wahren.» Für das Bakom handelt es sich um einen Präzedenzfall: «Léman
bleu ist der einzige regionale Veranstalter von Bedeutung mit einer
solchen Aktionärsstruktur», sagt Regnotto.
Hat das Amt zumindest Verständnis dafür, dass die Stadt Genf, die in
den Neunzigerjahren mit La Suisse und Le Journal de Genève zwei
Zeitungen verloren hat, die Hand über ihren Sender hält? «Ja, schon»,
meint Regnotto, man habe die Veranstalter allerdings darauf aufmerksam
gemacht, dass mit dem neuen RTVG auch das Bakom über den lokalen Bezug
wache. «Wenn ein Veranstalter Gebührengelder beanspruchen will, muss er
einen regionalen Service public erfüllen. Und», so die rhetorische
Frage, «kennen Sie einen einzigen Sender, der keine Gebührengelder
will?»
Vertrauen ist gut, heisst es derweil in Genf, doch Kontrolle sei
besser. «Möglicherweise werden wir mit dem Bakom ein kleines
juristisches Problem zu lösen haben», sagt Patrice Mugny, Mitglied der
Stadtregierung. Er sehe nicht ein, weshalb eine Stadt oder eine
Gemeinde nicht Mehrheitsaktionärin bei einem Radio oder Fernsehen sein
könne. «Wenn nötig, gehen wir bis vor Bundesgericht – und warum nicht
bis nach Strassburg?!»

Helen Brügger

Formelzwei wirbt für CAT Watches

Caterpillar ist nicht nur für Baumaschinen und Arbeitskleidung bekannt. Auch Uhren für jeden Lebensbereich tragen dieses Logo.

Caterpillar ist nicht nur für Baumaschinen und Arbeitskleidung bekannt. Auch Uhren für jeden Lebensbereich tragen dieses Logo.Promotor Time Network, weltweiter Lizenznehmer für Caterpillar Timekeeping Equipment bzw. CAT Watches, hat in einer Konkurrenzpräsentation eine neue Werbeagentur gesucht und mit Formelzwei in Bern gefunden. Geplant sind eine weltweite Inseratekampagne, ein Online-Auftritt sowie Prospekt- und Promotionsmaterial.

Neue Wochenzeitung im Engadin

Unter dem Titel Engadiner Wochenzeitung (ewo) ist vergangene Woche eine neue Gratiszeitung gestartet.

Unter dem Titel Engadiner Wochenzeitung (ewo) ist vergangene Woche eine neue Gratiszeitung gestartet.Presse Das Tabloid erscheint in einer Auflage von 18000 Exemplaren und wird jeweils freitags allen Haushaltungen im Ober- und Unterengadin, Bergell, Puschlav, Münstertal und in Samnaun zugestellt. Auch ein Online-Auftritt ist geplant. Als Herausgeber zeichnet Joachim Ernst, Inhaber der Firma Multimedia Touristik Design in Samedan, verantwortlich.

ImmoScout24 träumt weiter

TV Der Online-Marktplatz ImmoScout24 hat seine Partnerschaft mit der Immobiliensendung «wohntraumTV» bis Ende 2006 verlängert.

TV Der Online-Marktplatz ImmoScout24 hat seine Partnerschaft mit der Immobiliensendung «wohntraumTV» bis Ende 2006 verlängert.Das Fernsehsponsoring ergänze den Absatzkanal Internet optimal, heisst es in einer Mitteilung. Dank des Engagements, das seit Herbst 2003 läuft, habe ImmoScout24 seinen Bekanntheitsgrad in der deutschen Schweiz deutlich erhöhen können. «wohntraumTV» ist wöchentlich auf TeleZüri, TeleTop und im Schaffhauser Fernsehen zu sehen.

9000 Tonnen

Food Die Schweizer verspeisen jährlich gut 82 Millionen Cervelats (9000 Tonnen), so Saucenhersteller Heinz. Das entspricht elf Nationalwürsten pro Mund und Jahr.

Food Die Schweizer verspeisen jährlich gut 82 Millionen Cervelats (9000 Tonnen), so Saucenhersteller Heinz. Das entspricht elf Nationalwürsten pro Mund und Jahr.Dank ihrer Beliebtheit landet die Cervelat bei der Migros auf Platz eins der meistverkauften Schweizer Güter. Hinter ihr folgen Butter, Hackfleisch, Schweinskoteletts und Fleischkäse.
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