Die Dresdner Küchenrezepte
Agenturen Hinter dem Erfolg der Berliner Scholz & Friends steht Lores Gesetz: «Was gut gehen soll, wird gut. Es kann aber etwas dauern.»
Agenturen Hinter dem Erfolg der Berliner Scholz & Friends steht Lores Gesetz: «Was gut gehen soll, wird gut. Es kann aber etwas dauern.»Nein, Lore Schumann ist keine Werberin. Sie hat weder Löwen noch Würfel gewonnen und gehört auch nicht dem ADC an. Und doch hat sie die Geschichte der deutschen Werbung geprägt wie Clementine. Nur stand Lore nicht vor der Kamera, sondern in der Küche.Genauer: in der Küche der Familie Schumann in der Mathildenstrasse in Dresden. Dort kochte sie Suppe. Für ihren Sohn Olaf und seine Studienfreunde Thomas und Sebastian. Nach dem Fall der Mauer kehrten die drei zurück und gründeten eine Werbeagentur. Sie arbeiteten, wohnten, lebten tagein, tagaus bei Lore. Die kochte nicht nur Suppe, nein, sie gab ihnen auch Ratschläge mit auf den Weg.
Und die waren offenbar gut. Jedenfalls schlossen sich Olaf Schumann, Thomas Heilmann und Sebastian Turner 1999 Scholz & Friends an. Ein Jahr später zogen sie mit ihrer Agentur von Dresden nach Berlin um, und seit 2001 leiten Heilmann und Turner die Agenturgruppe Scholz & Friends, die heute in 19 Ländern – inklusive der Schweiz – arbeitet und mit rund 870 Mitarbeitenden über eine halbe Milliarde Euro erwirtschaftet. Im selben Jahr noch kehrte Olaf Schumann nach Dresden zurück und kaufte das enteignete Haus der Familie. Heute lebt er mit seinen Eltern, Frau, Kind und Hund dort, wo alles begann.
Von der Suppe zur Werbung
Lores Weisheit blieb das Erfolgsgeheimnis von Scholz & Friends. Ihre zehn wichtigsten Regeln sind das eherne Grundgesetz der Agenturgruppe. Nun hat Scholz & Friends «Lore’s Law» öffentlich gemacht und ehrt damit jene Frau, die massgeblich am Erfolg der Agenturgruppe beteiligt ist. Lore lehrte die drei Jungs, was ihnen keine Schule und kein Gründerzentrum hätte beibringen können: mit gesundem Menschenverstand und einem grossen Herzen zu arbeiten.
Mit diesen Zutaten gelingt alles: ein Unternehmen, eine Revolution, eine gute Suppe. Und gute Werbung, wie Scholz & Friends auch 14 Jahre später noch beweist. Jeder Paragraf in «Lore’s Law» ist verständlich, nachvollziehbar und macht unmittelbar Sinn. Zum Beispiel Absatz eins: «Was man nicht mit Freude macht, macht auch anderen keine Freude.» Jede Werberin, jeder Werber sollte sich diesen Satz an die Wand hinter dem Schreibtisch pinnen. Die kreativen Köpfe bei Scholz & Friends scheinen ihn verinnerlicht zu haben. Immerhin stammt mit der Fotoserie für die FAZ die weltweit erfolgreichste Medienkampagne aus dieser Kreativküche. Keine andere deutsche Kampagne hat es bisher auf die Frontseite der Bild-Zeitung und in die Fernsehhauptnachrichten geschafft.
Königsdisziplin Intuition
Wichtiger noch als Paragraf 1 ist wohl Paragraf 5: «Wenn man das Gefühl hat, da stimmt was nicht, dann stimmt das meistens.» Diese Erfahrung aus Lores Küche bringt auf den Punkt, wie alles entscheidend unsere Intuition ist. Im Gegensatz zu intellektuellen Analytikern, die zwar gründlich, aber oft ohne viel Esprit und Emotionen arbeiten, erfassen intuitive Menschen ein Problem sofort und haben häufig auch gleich eine Lösung zur Hand. Weil Leute, die ihrer inneren Stimme folgen, ihre Lösungen nur selten zwingend logisch begründen können, nehmen sie jedoch nicht alle ernst. Und zahlen am Ende einen hohen Preis für ihre Skepsis. Ein Beispiel dafür ist Steven Jobs, der Apple vor dem Untergang gerettet hat.
«Lore’s Law» ist kein Lehrbuch, sondern ein Denkanstoss für alle, die gerne ein wenig weiter und quer denken – nicht nur, aber auch Werberinnen und Werber. Dankenswerterweise haben sich die Autoren auf 92 Seiten beschränkt, so passt das Büchlein in jede Jackentasche. Dort gehört es auch hin, damit es immer zur Hand ist.
> Lore’s Law von Scholz & Friends. Redline Wirtschaft, Frankfurt 2005. 92 Seiten, 12.80 Franken.
Helmut Kohl posierte mit der FAZ für die Zeitungskampagne «Dahinter steckt immer ein kluger Kopf» auf dem «Europa»-Dampfer.
Roger Hausmann
Und die waren offenbar gut. Jedenfalls schlossen sich Olaf Schumann, Thomas Heilmann und Sebastian Turner 1999 Scholz & Friends an. Ein Jahr später zogen sie mit ihrer Agentur von Dresden nach Berlin um, und seit 2001 leiten Heilmann und Turner die Agenturgruppe Scholz & Friends, die heute in 19 Ländern – inklusive der Schweiz – arbeitet und mit rund 870 Mitarbeitenden über eine halbe Milliarde Euro erwirtschaftet. Im selben Jahr noch kehrte Olaf Schumann nach Dresden zurück und kaufte das enteignete Haus der Familie. Heute lebt er mit seinen Eltern, Frau, Kind und Hund dort, wo alles begann.
Von der Suppe zur Werbung
Lores Weisheit blieb das Erfolgsgeheimnis von Scholz & Friends. Ihre zehn wichtigsten Regeln sind das eherne Grundgesetz der Agenturgruppe. Nun hat Scholz & Friends «Lore’s Law» öffentlich gemacht und ehrt damit jene Frau, die massgeblich am Erfolg der Agenturgruppe beteiligt ist. Lore lehrte die drei Jungs, was ihnen keine Schule und kein Gründerzentrum hätte beibringen können: mit gesundem Menschenverstand und einem grossen Herzen zu arbeiten.
Mit diesen Zutaten gelingt alles: ein Unternehmen, eine Revolution, eine gute Suppe. Und gute Werbung, wie Scholz & Friends auch 14 Jahre später noch beweist. Jeder Paragraf in «Lore’s Law» ist verständlich, nachvollziehbar und macht unmittelbar Sinn. Zum Beispiel Absatz eins: «Was man nicht mit Freude macht, macht auch anderen keine Freude.» Jede Werberin, jeder Werber sollte sich diesen Satz an die Wand hinter dem Schreibtisch pinnen. Die kreativen Köpfe bei Scholz & Friends scheinen ihn verinnerlicht zu haben. Immerhin stammt mit der Fotoserie für die FAZ die weltweit erfolgreichste Medienkampagne aus dieser Kreativküche. Keine andere deutsche Kampagne hat es bisher auf die Frontseite der Bild-Zeitung und in die Fernsehhauptnachrichten geschafft.
Königsdisziplin Intuition
Wichtiger noch als Paragraf 1 ist wohl Paragraf 5: «Wenn man das Gefühl hat, da stimmt was nicht, dann stimmt das meistens.» Diese Erfahrung aus Lores Küche bringt auf den Punkt, wie alles entscheidend unsere Intuition ist. Im Gegensatz zu intellektuellen Analytikern, die zwar gründlich, aber oft ohne viel Esprit und Emotionen arbeiten, erfassen intuitive Menschen ein Problem sofort und haben häufig auch gleich eine Lösung zur Hand. Weil Leute, die ihrer inneren Stimme folgen, ihre Lösungen nur selten zwingend logisch begründen können, nehmen sie jedoch nicht alle ernst. Und zahlen am Ende einen hohen Preis für ihre Skepsis. Ein Beispiel dafür ist Steven Jobs, der Apple vor dem Untergang gerettet hat.
«Lore’s Law» ist kein Lehrbuch, sondern ein Denkanstoss für alle, die gerne ein wenig weiter und quer denken – nicht nur, aber auch Werberinnen und Werber. Dankenswerterweise haben sich die Autoren auf 92 Seiten beschränkt, so passt das Büchlein in jede Jackentasche. Dort gehört es auch hin, damit es immer zur Hand ist.
> Lore’s Law von Scholz & Friends. Redline Wirtschaft, Frankfurt 2005. 92 Seiten, 12.80 Franken.
Helmut Kohl posierte mit der FAZ für die Zeitungskampagne «Dahinter steckt immer ein kluger Kopf» auf dem «Europa»-Dampfer.
Roger Hausmann
