Hans Beer ist vom Kunden zum Partner geworden. Damitverdoppelt er das feste Personal der Walker Werbeagentur
in Zürich auf einen Schlag.
«Ob das wohl gut kommt?», dachte Hans Beer. Sein damaliger Arbeitgeber Düring in Dällikon, wo er eben als Marketingleiter eingestiegen war, wollte die frisch gegründete Agentur eines jungen Werbers aus dem Dorf engagieren, um die Produkte WC-Ente, Powerflame und Durgol besser verkaufen zu können. Pius Walker hiess der unbekannte Mann, der dem Juniorchef Heinz Düring allerdings bekannt war, weil der Sohn des lokalen Posthalters als Schüler gelegentlich bei Düring jobbte. Walker füllte in den Ferien an der Maschine WC-Enten ab.Knapp 20 Jahre später sind es nun die WC-Enten, die inzwischen ein Tablar auf dem Ikea-Gestell der Walker Werbeagentur mit Kreativ-preisen auffüllen. Die Agentur von Pius Walker wurde für ihre Kampagnen für Produkte der Düring beim New York Festival, bei der Klappe in Deutschland sowie beim ADC Deutschland und Schweiz mehrfach ausgezeichnet und hat die Schweiz in Cannes gerade mit einem Platz auf der Film-Shortlist vertreten.
Es ist gut gekommen: «Die kleine Agentur hat mit ihrer grossen
internationalen Erfahrung eine Marktlücke gefunden», kann Hans Beer heute freudig feststellen. Nach zwei Jahren Zusammenarbeit hat der Marketingleiter deshalb die Fronten gewechselt und kämpft seit ein paar Tagen an der Seite von Pius Walker für die Kunden und Zukunft der «kleinsten Werbeagentur der Welt».
Sie hätten sich sofort ergänzt und verstanden, schaut Beer auf seine fast dreijährige Kundenbeziehung mit Walker zurück. Der Marketingspezialist verkauft nun statt Konsumprodukte deren Werbung. Die Qualität ist jedoch auch hier entscheidend für den Erfolg. Mit den Ideen von Walker verkaufe er ein Produkt, von dem er als Kunde in eigener Erfahrung erlebt hat, was es im Markt bewegt. «Werbung aus unserer Agentur passt zum Ansehen der guten Schweizer Marken», sagt Beer überzeugt.
Selbstständig zu werden, war ein alter Traum von ihm. Den Frontenwechsel zu einer Grossagentur hätte ihn aber weniger gelockt. «Jetzt hat man mir den Teppich im schönen Walker-Rot ausgerollt mit der Chance für eine Partnerschaft. Da konnte ich nicht nein sagen.»
New Business und seine Erfahrungen als Kunde einbringen, sieht Beer als seine Hauptaufgaben. «Wir sind zwei Partner mit total unterschiedlicher Vergangenheit – der Kreative mit internationalem Werdegang und der Verkaufs- und Marketingleiter mit über zehn Jahren Schweizer Konsumgütererfahrung. Bei uns endet ein Kundengespräch nicht bei der Werbung. Wir beziehen Preispositionierung, Produktformen und Potenziale beim Handel mit ein», meint Beer, der mit Walkers Werbung einst den Detailhandel von Coop bis Pickpay überzeugte.
Beer studierte in St. Gallen Wirtschaft mit Schwerpunkt Finanzen. Seine Passion für das Rechnungswesen hielt sich aber in Grenzen. So ist er 1995 bei Lindt & Sprüngli ins Marketing eingestiegen. Fast vier Jahre betreute er die Lindt-Marken im Bereich der Tafelschokolade und war verantwortlich für die Touristik-Schoggi-Produkte, vom Landschaftsbildchen auf der Verpackung bis zu «gefüllten Kühen». Dann wechselte er in den Verkauf und leitete nach zwei Jahren im Key Account Management den nationalen Lindt-Aussendienst. In diesen Verkaufsfunktionen hat er einen umfassenden Einblick in den Schweizer Detailhandel gewonnen. «Es gibt praktisch keinen Kunden, den ich nicht persönlich besucht habe.»
Beer arbeitete mit Begeisterung an der heute sehr guten Positionierung von Lindt & Sprüngli. Nach dieser «lehrreichen und sehr harten Zeit des Konsumgütermarketing» wechselte er 2002 zu Düring. In Dällikon reizte ihn «eine gewisse Exotik». Die Firma war innerhalb der Near-Food-Produkte «ganz klein und trotzdem ein Teil der Grossen». Zu den Aufgaben des Marketingleiters im Familienunternehmen der dritten Generation gehörte der weitere Aufbau der Weltmarke WC-Ente, die im deutschsprachigen Raum nach wie vor direkt von Düring vertrieben wird. Neu war das Lancieren der Anzündhilfen Powerflame für Fondue, Grill und Cheminée. Mit Durgol Swiss Espresso, einem Entkalker für Espressomaschinen, hat Beer so etwas wie einen Modellfall für den Aufbau einer neuen Marke geliefert. Für dieses «Produkt mit viel Potenzial» hat er auch einen zukunftsträchtigen Schritt nach Amerika eingeleitet.
Hans Beer entspannt sich am liebsten beim Familienleben. Wenn das Töchterchen nächste Woche aber in den Kindergarten kommt, muss alles gut organisiert sein, denn seine Frau hat ebenfalls einen «150-Prozent-Job» als Einkaufsleiterin beim Globus. «Über meine Freizeitgestaltung muss ich mir zurzeit keine grossen Gedanken machen. Aber für kleine Abstecher in meine Engadiner Heimat wird es auch in Zukunft reichen», schmunzelt der Bündner.
Angesichts des «Teppichs im schönen Walker-Rot» ging Hans Beer die Partnerschaft mit Walker nur zu gern ein.
Andreas Panzeri