Lukas Tenger ist als Director Client Service zu
Advico Young & Rubicam zurückgekehrt und will jetzt auch der Beratung den nötigen Punch verleihen.Die Gegend ist ihm auch schon einmal
grüner vorgekommen. Es hat sich einiges getan rund ums Advico-
Young-&-Rubicam-Gebäude, seit Lukas Tenger vor sieben Jahren
weggegangen ist. Trotzdem findet es der neue Director Client Service
nach seinem Comeback in Gockhausen erstaunlich, wie «der gleiche Mood»
immer noch spürbar ist. «Vielleicht hat das mit dieser speziellen Lage
zu tun.» Man kennt sich bei AY&R besser als in anderen Agenturen,
weil man abseits der Stadt fast täglich zusammen im hauseigenen Bistro
am Mittagstisch sitzt.
Lukas Tenger wirkte von 1992 bis 1998 schon einmal bei AY&R.
Weggegangen ist er aus Liebe. «Nach zehn Jahren Zusammenleben musste
sich etwas ändern», verrät er, wie er damals mit seiner späteren Frau
auf eine Weltreise mit unbekanntem Ausgang gestartet ist. «Wir haben
beide unsere Jobs gekündigt und sind einfach losgefahren, ohne weitere
Perspektiven zu haben.»
Nach dem «halbjährigen Honeymoon» durch Südostasien, Australien und
Neuseeland wollte Tenger auch sein berufliches Glück verwirklichen. Bei
einer Kleinagentur hoffte er, mehr selber einbringen und gestalten zu
können. «Die drei Agenturinhaber waren aber stark damit beschäftigt,
sich in ihrer Partnerschaft zu finden», musste er feststellen.
So hat er lieber wieder zu einem Topplayer gewechselt. Bei Publicis
durfte er «mit sehr guten Leuten sehr interessante Arbeiten»
mitgestalten. Tenger blieb sechs Jahre und hat eine der drei Units für
Kunden wie Swisscom Mobile, Migros, Die Post, NZZ oder den Zürcher
Verkehrsverbund geleitet, bevor er jetzt wieder zu AY&R
zurückgekehrt ist.
Eingestiegen in die Werbung war Tenger einst bei Lintas, weitere
Erfahrungen sammelte er bei JW Thompson oder auch kurz bei Gisler &
Gisler. Erst bei AY&R habe er aber «richtig ‹erlickt›, worum es in
der Werbung eigentlich geht». In diese Zeit fiel die Geburt der
Milchkuh Lovely sowie das Aufsehen, das die kecke Mazda-Werbung mit den
Zürcher Posträubern erregte. Solche Werbung habe auch im
internationalen Netzwerk für Furore gesorgt. «Wir waren uns in
Gockhausen bewusst, dass wir die führende kreative Agentur von Y&R
sind. Entsprechend sind wir gepflegt worden.»
Lukas Tenger wollte schon immer in der Werbung arbeiten. Als er nach
der Handelsschule in Basel keinen Platz für ein Praktikum fand,
wechselte er in die Hochburg Zürich. Neben der klassischen
Weiterbildung zum Werbeassistenten und Werbeberater hat der neue
Director Client Service auch die Kaderkurse der Marbach Academy
besucht.
Am Beraten gefällt ihm, dass er als Generalist ein breites Wissen und
die unterschiedlichsten Talente haben muss, um mit Spezialisten dealen
zu können. «Ein Berater muss in der Lage sein, die verschiedensten
Charaktere zusammenzubringen, um ein gutes Produkt zu machen.» Hier
sieht er sich als guter Vermittler mit einem Gespür für
unterschiedliche Bedürfnisse vom Kunden bis zum Mitarbeiter.
Tenger findet es wichtig, dass die Beratung stärker wird. «Der Berater
ist der Einzige in der Agentur, der den gesamten Prozess begleitet und
verantwortet, also nicht nur Teilinteressen vertritt. Deshalb vertraut
der Kunde ihm auch sein Mandat an – aber nur, wenn er entsprechend
kompetent ist.» Zudem: «Auftraggeber sind heute gleich ausgebildet wie
die Werber auf Agenturseite. Viele haben zum Teil auch selber schon auf
Agenturseite gearbeitet und wollen stark mitprägen. Dabei übersehen sie
oft, dass im zu engen Korsett keine gute Werbung entstehen kann.»
Als Kontrast zur Arbeitswelt liebt Tenger das Wohnen auf dem Land mit
eigenen Hühnern und Hasen. Seine Kinder sind viel auf einem nahen
Bauernhof anzutreffen. Eine weitere Gegenwelt zur Werbung findet er
seit 12 Jahren bei der A-cappella-Gruppe Singing Pinguins. Elf Männer
aus unterschiedlichen Berufen proben jeden Sonntag nostalgische Songs.
Eine Zeit lang waren es sogar vier singende Werber, die in Gockhausen
über Mittag im Keller geprobt haben. Heute ist er der einzige. Dafür
sind andere schöne Töne aus Gockhausen zu hören.
«Advico Young & Rubicam ist nach wie vor ein starker Brand. Das
höre ich auch bei Gesprächen in der Branche», führt Tenger seine
Analyse weiter. Die Strategie sei in Gockhausen immer stark gewesen und
die Kreation sende seit einem Jahr wieder die genau richtigen Signale.
«Gute Leute kommen zu uns, und das ist es, was eine gute Werbeagentur
braucht.»
Andreas Panzeri