Martin Zahner hat seine PR-Agentur in die Trimedia integriert und will als neuer CEO die Trimedia Schweiz zurück in die Topposition der Branche führen.Als Präsident des Openair St.Gallen, dem
grössten Deutschschweizer Musikfestival, gibt er während drei Tagen
backstage jeweils sehr viele Interviews, die meisten davon über
Radio. «Dies bringt einem dazu, für den O-Ton möglichst klare Aussagen
zu machen», meint Martin Zahner.
Der neue CEO von Trimedia Schweiz kommt auch bei unserem Gespräch immer
wieder sofort auf den Punkt. Ob es nicht weh tat, die florierende
eigene Agentur in einem grossen Netzwerk aufgehen zu lassen? «Wo das
Herz schlägt, da gibt man sich voll rein», bestätigt Zahner. So hätten
er und seine sechs Mitkämpfer in St.Gallen zu Beginn tatsächlich etwas
Mühe gehabt, ihren Namen Zahner & Partner zu verlieren. «Nach
erfolgter Integration sind wir jetzt aber klar der Meinung, dass wir
die gleiche Identität brauchen, um voll einsteigen zu können», weiss er
heute mit Überzeugung zu argumentieren.
Trimedia als Brand hat ihn schon immer gereizt. «Ich habe das
Unternehmen viele Jahre beobachtet und bin Trimedia ab und zu auch als
Konkurrent begegnet». Manchmal hat David gegen Goliath verloren –
manchmal gewonnen. Heute gibt es eine Win-Win-Situation für beide.
Zahner ist überzeugt, mit all den neuen Synergien aus dem
Zusammenschluss und dem internationalen Netzwerk, die Trimedia Schweiz
von den Diplomrängen im Ranking wieder aufs Podest zu bringen. 2006
kann Trimedia das 25-jährige Bestehen feiern. Eine gute Gelegenheit,
die Marke Trimedia neu zu beseelen und klar Stellung im Markt zu
beziehen.
Neu mit seinem Eintritt ist ein Büro in St.Gallen sowie viel Know-how
aus den Bereichen Öffentliche Hand, Kultur und Sponsoring dazu-
gekommen. Zahner selber will in Zukunft mit Schwerpunkt in Zürich
arbeiten und neben Genf, Basel und Lugano auch die kürzlich
geschlossene Niederlassung in Bern «irgendwann» wieder öffnen.
Zahner sitzt auch im Board von Trimedia International. Dieses Netzwerk
ist seit der Übernahme durch die Londoner Huntsworth vor bald zwei
Jahren nebst der Präsenz in den tradierten Trimedia-Märkten Frankreich,
Deutschland und Österreich auch im weiteren Europa sehr stark am
Wachsen. Bald soll Trimedia auch in Süd- und Nordeuropa eingeführt
sein. «Paneuropäische Strategien entwickeln zu können und dies mit
lokaler Taktik umzusetzen» gehört zu den Reizen, die den St.Galler nun
in den grösseren Verbund eines internationalen Players gelockt haben.
Martin Zahner ist in St.Gallen aufgewachsen und hat nach der Matura in
Zürich Phil I mit Geschichte, Deutsch und Philosophie studiert. Wie
viele seiner Zunft hat er aber statt abgeschlossen lieber als freier
Journalist gejobbt und praktische Erfahrungen bei diversen
Lokalzeitungen in der Ostschweiz gesammelt.
Als der junge Zeitungsmann eines Tages einen Bericht über den
amerikanischen Star-Designer Mario Garçia gelesen hat, kam Zahner eine
verrückte Idee: Wieso nicht bei diesem Guru in Amerika arbeiten?
Direkt – wie er alles angehe – hat der Lokaljournalist dem Trendsetter
einen Brief geschrieben und wurde umgehend nach Florida eingeladen.
Fast zwei Jahre durfte der Schweizer für Garçia Leserschaftsanalysen
für dessen Zeitungsprojekte in Europa durchführen, weil der Designer
aus den USA zu wenig Deutsch und Französisch konnte. Als Gegenleistung
durfte der Assistent am Institute for Media Study in St. Petersburg die
gewünschten Seminare besuchen.
Nach der Rückkehr in die Schweiz wirkte Martin Zahner an der Hochschule
St.Gallen als Chefredaktor des internationalen Studentenmagazins Forum.
Seinen Einstieg in die Public Relations fand er 1990 als Berater bei
Frontpage von Wirz Corporate Publishing. Dort hat Zahner vor allem die
Swissair Gazette betreut sowie Eurocard.
Eine erste Heirat brachte den Auswanderer nach St.Gallen zurück.
Sieben Jahre «amtete» Zahner mit vielen Ideen als
Informationsbeauftragter der Stadt. Irgendwann kam aber das Gefühl:
«Ist das wirklich alles gewesen?»
1999 hat er sich selbstständig gemacht und die Zahner & Partner
gegründet. Das PR-Büro hat sich schnell einen guten Namen verdient und
immer grössere Mandate gewonnen. Beim Expo-Projekt für die Ostschweizer
Kantone hat Zahner & Partner die Gesamtleitung Marketing und
Kommunikation für den beim Publikum sehr beliebten «Barfuss-Pavillon»
in Neuenburg betreut. Gleichzeitig wirkte man auch federführend für
«200 Jahre Kanton St.Gallen».
Inzwischen als BPRA-Mitglied ist Zahner & Partner auch eine Liaison
mit Wirz PR eingegangen. Diese Beteiligung wurde aber wieder gelöst,
nachdem die heutige Wirz Corporate in verschiedene Einzelfirmen
aufgelöst worden war.
Die neue Integration mit Trimedia hat sich aus längeren
Gesprächen mit Werner Mäder ergeben. Der bisherige CEO will sich
bei Trimedia wieder mehr als Consultant betätigen und suchte einen
frischen Macher als Nachfolger.
Zahner hofft, der Trimedia einen neuen Impuls auch im Sinne einer
Verjüngung geben zu können. Der Brand soll neu beseelt werden und nach
dem starken, aber nicht spurlos erlebten Ausbau der letzten Jahre noch
einmal eine neue Vision entdecken.
Kraft dazu holt sich der neue CEO jeden Morgen bei seinem sitzenden
Meditieren mit Zen. Die Frage nach einem weiteren «Hobby» erübrige
sich, da der inzwischen zum zweiten Mal verheiratete Vater möglichst
viel Zeit auch für seine fünf Kinder zwischen vier und dreizehn Jahren
aufwenden will.
Andreas Panzeri