Werbeanstalt Schweiz wirbt für Gesundheit

Die Agentur hat das Kommunikationsbudget des Schweizerischen Apothekerverbandes gewonnen.

Die Werbeanstalt Schweiz hat in einer
mehrstufigen Konkurrenzpräsentation das Kommunikationsbudget des
Schweizerischen Apothekerverbandes gewonnen. Der 1843 gegründete
Schweizerische Apothekerverband (SAV) ist die Dachorganisation der rund
1350 Apotheken, der Amts- und Spitalapotheker und der Pharmazeuten in
der Industrie und beteiligt sich aktiv an der schweizerischen
Gesundheitspolitik.

Die Krankenkasse als Partner

Krankenkassen Die Kampagnen täuschen. Pro Kunde und Jahr investiert die Branche nur ein paar Franken in Werbung.

Krankenkassen Die Kampagnen täuschen. Pro
Kunde und Jahr investiert die Branche nur ein paar Franken in Werbung –
oder: knapp ein Promille der gesamten Versicherungsleistung.«Die ersten provisorischen Prämien 2006
sind da!», verkündet derzeit der Internet-Vergleichsdienst Comparis.ch.
Wohl wissend, dass nur wenige aus dem Prämienvergleich ihre
Konsequenzen ziehen und zu einer anderen Versicherung wechseln. «Das
schwankt von Jahr zu Jahr zwischen drei und fünf Prozent», sagt Richard
Eisler, Geschäftsführer von Comparis. In Sachen Krankenkassen verhalten
sich die Schweizer trotz stetig steigenden Kosten und mässiger
Zufriedenheit wie Couch Potatoes. Als Entscheidungshilfe für die
Kassenwahl haben zudem nur ein Prozent die Werbung angegeben, so das
Ergebnis der letztjährigen Comparis-GfS-Studie. Ein ernüchterndes
Resultat bei über 17,5 Millionen Franken, die 2004 laut Media Focus für
«Above-the-line»-Massnahmen investiert wurden und einer Zunahme von gut
37 Prozent entsprechen. Wozu also noch Werbung treiben?

Im Brennpunkt der Öffentlichkeit
Der Eindruck trügt: Zum einen liegen die Werbespendings der
Krankenkassen weit unter jenen 24 Millionen Franken im Jahr 2000. Und:
Im Vergleich zu den erbrachten Leistungen von rund 18 Milliarden
Franken und den relativ tiefen Verwaltungskosten (knapp 6 Prozent der
gesamten Gesundheitskosten) hat die klassische Werbung geradezu
bescheidene Ausmasse. Nicole Graf, Leiterin PR & Information bei
Swica, hat nichts zu verbergen: «Die Kosten für Above- und
Below-the-line belaufen sich auf rund 2,9 Millionen Franken.» Knapp ein
Fünfliber pro Kunde. Auch die grösste Kasse Helsana gehe sehr sparsam
mit dem Werbefranken um, sagt Wirz-CD Matthias Freuler. Denn: «Niemand
soll das Gefühl haben, dass mit den Geldern aus der Prämienerhöhung
teure Kampagnen finanziert werden», so Freuler.
Doch nicht nur dies stellt die kommerzielle Kommunikation vor grosse
Herausforderungen. «Der Themenkreis der Krankenkassen kann nicht als
besonders lustvoll oder attraktiv bezeichnet werden», gibt Isabelle
Vautravers, Leiterin Kommunikation bei Sanitas, unumwunden zu. Im
Gegenteil: Man bewegt sich in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen
heiklen und nüchternen Themen – zwischen Krankheit und Geld, zwischen
Low Interest und gesetzlich vorgeschriebener Grundversicherung. Sich in
diesem Umfeld jedes Jahr von der Konkurrenz abzuheben und dabei billige
Pointen und Plattitüden zu umgehen, darf ohne falsche Bescheidenheit
als Challenge bezeichnet werden. Roland Lacher von der CSS-Hausagentur
Pinx erkennt nebst dem Anrennen gegen die Volksmeinung auch die
Herausforderung, beim Zielpublikum Interesse, Verständnis und
Eigenverantwortung zu fördern.

Profillosigkeit, die wenige stört
Die Hochsaison der Imagekampagnen hat nicht Neukundenakquisition zum
Ziel, so viel ist klar. Prioritär geht es dabei um Bestätigung der
Kunden und um Vertriebsunterstützung der Agenten. Zudem soll der
prekäre Goodwill, der im Vorfeld der Prämienerhöhung von den Medien
zusätzlich strapaziert wird, mit positiven Bildbotschaften im Lot
gehalten werden. Und was eignet sich da besser als Schutz und
Zuverlässigkeit vermittelnde Motive, die inhaltlich und mit der
konzentrierten Werbepräsenz suggeriert werden?
Da der Produktbereich und die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen
über Veränderungen den erläuternden, massenmedialen BtL-Kanälen wie
Broschüren, DM, Internet, Messen, Kundenzeitschriften sowie Community
bildenden Wettbewerben und Vergünstigungen vorbehalten ist, die
durchschnittlich zwei Drittel des Media-Mix umfassen, werden auch
dieses Jahr für die Imageauftritte gängige Motive in einer neuen
Umsetzung aufgelegt.
Das scheint weder Auftraggeber noch Werber zu stören, zumal die geringe
Preissensitivität beim grössten Teil der Krankenversicherten für die
tradierten Konzepte spricht. Abgrenzende Konzepte wie Vergleiche oder
die Thematisierung von Zusatzversicherungen, wo der wahre zukünftige
Markt liegen wird, sucht man vergebens. Dieser Umstand kommt vor allem
den grossen Kassen wie Helsana, CSS oder Swica zugute, deren
Imagekampagnen sich hauptsächlich formal differenzieren und vor allem
mit Wohlfühlargumenten wie Sicherheit durch Grösse, das Vertrauen ihrer
Kundschaft erhalten. Gemäss Comparis-Umfrage erklärt sich die Treue zur
Kasse bei 55 Prozent schlicht mit der Tradition oder der Zufriedenheit.
Diese wird oft mit der Dramatisierung von immer wieder neuen
Leistungsaspekten aufgefrischt – wie im Fall der sachlich-plakativen
Helsana-Kampagne. Auch KPT begegnet der Herausforderung, «Kunden zu
überzeugen, dass sie trotz jährlicher Prämienerhöhungen bei der
richtigen Krankenversicherung sind», so Kommunikationsexpertin Sabine
Zaugg, mit einer Profilierungsstrategie, die auf Serviceorientierung
und Fortschrittlichkeit basiert. Die Kampagne von LangGysiKnoll setzt
dafür einen Laptop in überspitzten Situationen humorvoll in Szene, um
die Internetplattform KPTNet zu bewerben.

Sparen als Werbebotschaft
Gleich mehrere Krankenkassen richten sich mit ihrer Hauptbotschaft
«Sparen» an einen preissensibleren und jüngeren Segment, sprich: an
gutes Risiko. Für jeden vierten Versicherten sind
Preis-Leistungs-Verhältnis sowie Prämien für die Wahl der Kasse
Ausschlag gebend. Mit Sparstrümpfen als Ideenplattform tut dies die
Luzerner Agentur Felder und Vogel für Concordia. Was ins Auge sticht:
das junge und frische Motiv, das die Aufmerksamkeit auf die
alternativen Versicherungsmodelle lenken soll, mit denen Prämien
gespart werden können. Pinx dekliniert für die CSS das grosse
Sparpotenzial für die Familie mit witzigen Sujets und einem
überraschenden TV-Spot.
Dass dies nicht jedes Jahr frische Originalität erfordert, scheint die
ÖKK beweisen zu wollen, indem sie einen Spagat versucht zwischen dem
13-jährigen Kreativraster – Kindergesicht, Slogan und Hausfarben
–  und der neuen Schlagzeile «Der Zeit voraus!». Mit dem wieder
erkennbaren Konzept hat sie laut Markom-Leiter Roger Müller «die
höchsten Sympathiewerte beim Publikum erzielen und die ÖKK klar als
familienfreundliche Kasse positionieren können».
Dieselbe Agentur, die den ÖKK-Markenaufbau in den 80er-  und
90er-Jahren gestaltete, SEC in Luzern, positioniert derzeit die
ehemalige Betriebskrankenkasse Landis und Gyr als landesweit tätige
KLuG. Der «gestylte» Approach mit dem ironisch erhobenen Zeigefinger
«Sind Sie KLuG versichert?» soll die Bekanntheit der kleinen
Krankenkasse mit den Leistungen einer grossen rasch steigern, so
Konzepter Mark Furrer.
Besonders hohe Zuwachsraten konnten jene Versicherungen verbuchen –
unter anderen Assura und Groupe Mutuel –, die schon vor Jahren ihre
günstigen Preise dramatisiert und vor allem auf Direct Response und
Personal Selling gesetzt haben. Die Aufstockung dieses Markom-Bereichs
zahlte sich aus, weil sich die interpersonelle Kommunikation als sehr
effizient erwies und diese Art der Betreuung und Nähe bei vielen
geschätzt wird.
Diese zwei wichtigen Elemente, aber sehr unaufdringlich umgesetzt,
nimmt Atupris Agentur Fruitcake in ihrem neuen Werbeansatz auf und
ersetzt nach vier Jahren die Werbefigur Clown Linaz durch «reale
Geschichten». Im ersten der zwei TV-Spots, den Filetstücken der
kürzlich gestarteten Kampagne, wird in mehreren Situationen das
Entstehen einer modernen Kleinfamilie begleitet. An mehreren Stellen
sind die Parallelen zum Beziehungsaufbau zur Krankenkasse
hineingewoben. «Die Geschichte hat für die Zielgruppe zwei
Identifikationsmomente: das Paar – die neue Liebe – und das Kind – das
neue Leben», erklärt Fruitcake-CD Lahor Jakrlin. Flankierend
positioniert der Plakat- und Inseratauftritt  Atupri als
Krankenkasse, die in den wichtigen Momenten des Lebens zur Seite steht.
Mit Blick auf die lange ebenso exponierte Bankenbranche plädiert
Jakrlin für eine offensivere, eigenständigere und anspruchsvolle
Krankenkassenwerbung. Werbung sei gerade bei diesen eine wichtige
Komponente der Unternehmensidentität, die viel über die Philosophie der
Kasse verrät.
In diesem Licht darf sich auch die neue Sanitas-Kampagne der Zürcher
Agentur Frei Partner sehen lassen. Mit viel Mut zu Emotionen – von der
Vaterliebe mit Jöh-Effekt bis zur Erotik mit gewagter Headline – wird
einer sehr breiten Zielgruppe die Kernbotschaft vermittelt, dass sich
die Sanitas für ihre Versicherten ein Leben lang einsetzt. Die
Umsetzung lässt die porträtierten Menschen und ihre allzu menschlichen
Schwächen und Laster sympathisch und lebensnah  erscheinen. Mit
deren Vorsätzen zeigt die Sanitas aus einer ungewohnten Perspektive,
dass sie für sie da ist – egal, was passiert.

Luca Aloisi

News-Futter online

RSS Die Verbreitung von RSS feeds (Real Simple Syndication) ist in der Schweiz noch nicht gross. Für die Werbewirtschaft ist die neue Technologie dennoch interessant.

RSS Die Verbreitung von
RSS feeds (Real Simple Syndication) ist in der Schweiz noch nicht
gross. Für die Werbewirtschaft ist die neue Technologie dennoch interessant. «Nein, im Moment gibt es RSS nicht bei
uns», sagt Urs Holderegger von NZZ Online. Anfang August war im
Medien-Weblog dienstraum.com nachzulesen, dass sich die
Verantwortlichen an der Falkenstrasse davor hüten, ihre redaktionellen
Inhalte mit RSS feeds (siehe Kasten) zu verwässern. Nachdem die
Washington Post Mitte Juli angekündigt hatte, sie werde ihre RSS feeds
mit Werbung anreichern, meinten amerikanische Experten, dass ein neues
Zeitalter für das traditionelle Web-Publishing sowie für das Verbreiten
und Nutzen von News und Werbeinhalten angebrochen sei. Die Rede war von
einer neuen Ära der «consumer controlled media», die demnächst
anbrechen werde. Mit der Ankündigung seitens der Washington Post
reagierte ein Medium auf eine Technologie, die einerseits den Nutzern
bequem und wirkungsvoll  schnelles und spamfreies Websurfen
erlaubt, die andererseits aber die herkömmliche Internetwerbung hinten
anstehen lässt.

Bricht eine neue Ära an?
Überall haben in den vergangenen Monaten Medien neue RSS-Dienste
angekündigt oder ihre Websites entsprechend aufgerüstet. Auch hier zu
Lande bieten Medien wie zum Beispiel Le Temps, Weltwoche, Wochenzeitung
oder Tages-Anzeiger eigene RSS-Dienste an. In der Regel beschränken
sich die Nutzer auf das Anklicken eines, sofern vorhanden, blauen
RSS-Logos am Ende der URL-Zeile ihres Browsers und extrahieren die
Site-News als blossen Text.  Dieser lässt sich sogar mit einem
Regler auf die Titelzeile reduzieren. Noch sind es wenige, die
eigentliche Feeds abonnieren und News automatisch updaten lassen.
Doch deutet die Technologie den Beginn einer neuen Ära an? «RSS ist
derzeit nicht massentauglich», sagt Dominik Janko von der Mediaagentur
Optimedia. «Menschen denken in Bildern.» Und wo diese fehlen, sei die
Technologie höchstens für Spezialisten interessant, etwa für
Journalisten oder Mediaplaner. Auch Martin Radelfinger, CEO von
Onlinevermarkter AdLink stellt keine Anzeichen eines Paradigmenwechsels
im Internet fest.
Doch für die Werbewirtschaft ist die Technologie dennoch interessant.
Radelfinger unterscheidet dabei zwischen Push- und Pull-Verfahren.
Interessant sei es dann, wenn die Werber zum Beispiel einem abonnierten
RSS feed auf Grund des Anmeldeprofils Werbung gezielt
hinterher-«pushen» könnten. «Dann können wir Werbung im richtigen
Kontext platzieren», sagt Radelfinger. Weniger werbewirksam ist
dagegen, wenn sich der Nutzer seine Informationen selber aus dem Netz
«zieht» und Werbung, wenn überhaupt, damit ungesteuert zu ihm gelangt.
RSS feeds sind dann attraktiv, wenn es um teure journalistische Inhalte
geht, die entweder vom Anbieter oder aber über Werbung refinanziert
werden müssen. Hier steht die Entwicklung noch in der
Experimentierphase. Führt ein RSS feed auf eine Site mit Werbung oder
enthält der feed bereits selber welche? Unterschiede sind für Nutzer
nicht immer leicht zu erkennen.

Bei NZZ Online noch kein Thema
Bei NZZ Online soll dieses Jahr noch alles bleiben, wie es ist. «Wir
sind noch nicht ganz vom Anwendernutzen überzeugt», sagt Urs
Holderegger. Angesichts von steigenden Besucherzahlen auf NZZ Online
und einem bevorstehenden Wechsel auf ein neues Content Management
System sei RSS derzeit eher ein Nebenkriegsschauplatz. «Doch man muss
sich dem Markt anpassen und sich zu gegebener Zeit Gedanken machen», so
Holderegger.

René Worni

Idee für Aufgeweckte

Werbung Der Claim ist natürlich angelehnt an den abschätzigen «Sich nach oben schlafen»-Spruch.

Werbung Der Claim ist natürlich angelehnt
an den abschätzigen «Sich nach oben schlafen»-Spruch. Wer seine Ziele
aber seriöser angehen möchte, kann sich auch nach oben lernen. Wirz
Werbung kommuniziert – mit Anzeige, Plakate und Radiospot –, dass eine
Aus- oder Weiterbildung beim Sawi, dem Ausbildungszentrum für
Marketing, Werbung und Kommunikation, ein Muss für alle ist, die
beruflich weiterkommen möchten.

Die Hersteller setzen sich mehr und mehr unter Druck

Digitaldruck Neben etablierten Anbietern wenden sich zunehmend grosse Player dem Digi-Biz zu.

Digitaldruck Grosse Player bringen Updates für ihre Systeme. Die von führenden Herstellern angebotenen
Laserdrucksysteme, von denen hier die Rede ist, zählen zu den
Seitendruckern. Bislang sind von diesen Herstellern hauptsächlich im
Schwarzweissbereich für viele dieser Drucker auch integrierte
Produktionsstrassen verfügbar. Neben dem Zusammenführen/Ergänzen oder
auch Lochen von vorgedruckten oder separat gedruckten Blättern können
diese um Finishing-Geräte ergänzten Systeme auch Broschüren inline (in
einem Durchgang) zusammentragen, verschiedenartig binden oder heften.
Nachfolgend werden neue Produkte, Lösungen und auch Strategien einiger
führender Anbieter vorgestellt. Dabei fällt rasch auf, dass sich neben
den etablierten Anbietern auch zunehmend grosse Konzerne wie Canon, HP
und Kodak dem Digitaldruck-Business zuwenden, und zwar mit grosser Lust
und viel Engagement.

Canon platziert erstes ImageRunner-Produktionssystem
Der japanische Konzern Canon, der in den Geschäftsbereichen Business
Solutions, Professional Printing Solutions und in den Bereichen
Fotografie/Imaging sowohl Technologien als auch Lösungen für den
Business- wie auch den Home- und Office-Bereich anbietet, will auch im
Digitaldruck-Segment wachsen. Um diese Zielsetzung zu erreichen, hat
das Unternehmen weltweit – so auch in der Schweiz – Mitarbeitende
rekrutiert.
Im Rahmen dieser neuen Strategie hat Canon das Angebot im Bereich der
professionellen Drucksysteme erweitert und Canon Europa mit den
digitalen Produktionssystemen iR125VP (125 Seiten*) und iR150VP (150
Seiten) bereits Drucker für hohe Produktionsvolumen auf den Markt
gebracht. Beide Modelle wurden für das Drucken bedarfsgerechter
Auflagen entwickelt, dies für «Print(ing) on demand»-Umgebungen (z.B.
für Hausdruckereien, zum Drucken von Banktransaktionen oder anderen
Auszügen) und für traditionelle Offsetdruckereien. Die beiden
ImageRunner-Modelle eignen sich zudem speziell für das
One-to-one-Marketing.
Mit der Installation einer ersten digitalen
Schwarzweiss-Produktionsstrasse in der Schweiz hat Canon (Schweiz) AG
für den hiesigen Markt nun einen wichtigen Grundstein gelegt. Für das
in Interlaken ansässige Unternehmen Schlaefli
& Maurer AG ist das schnelle Schwarzweiss-Produktionssystem iR125VP
inkl. der Software PrintShop Mail (für variablen Datendruck) und
Balance (für die Datenaufbereitung) der Einstieg in ein neues
Marktsegment.
Siegfried Alder, Product Marketing Manager Professional Printing
Solutions, kommentiert das Unterfangen: «Für Canon Schweiz war die
Installation des iR125VP bei Schlaefli & Maurer der erste Schritt
in den professionellen Markt. Dass dieser gemeinsam mit einem weit über
die Region hinaus bekannten, innovativen Partner realisiert werden
konnte, zeigt, dass Canon konkurrenzfähige Produkte für den
professionellen Markt anbietet. Die Kunden von Schlaefli & Maurer
können dabei von einem breiteren Dienstleistungsangebot als bis anhin
profitieren, auf deren Wünsche kann das Unternehmen insgesamt flexibler
reagieren.»
Die Einführung der Systeme iR125VP/iR150VP ist für Canon der Einstieg
in den professionellen Markt. Der logische und konsequente nächste
Schritt soll im nächsten Jahr an der im Frühjahr 2006 in Birmingham
stattfindenden Fachmesse Ipex mit der Lancierung eines revolutionären
Produktions-Farbsystems unternommen werden.

HP wächst im Digitaldruck-Segment durch Übernahmen
Bei Hewlett-Packard (HP) fällt ein zunehmendes Interesse am
Digitaldruck auf. Der Computerhersteller und ursprünglich reine
Anbieter von Office- und Large-Format-Druckern und Proof-Systemen hat
sich mit dem Zukauf von Indigo (neu: HP Indigo) im Herbst 2001 auf
einen Schlag zur Technologie auch eine im Digitaldruck sehr bekannte
Marke einverleibt. Besonders interessant ist eine Nachricht von Mitte
August, wonach HP mit der Übernahme des im Grossformatdruck führenden
Anbieters Scitex Vision sein Produktportfolio massiv ausweiten will.
Die Large-Format-Drucker dieses israelischen Herstellers werden vor
allem von Unternehmen eingesetzt, die im Display-, Beschriftungs- und
Verpackungsmarkt tätig sind.
Doch im Zentrum des HP-Digitaldrucksortiments stehen die
HP-Indigo-Maschinen: Technisch betrachtet sind diese den
Laserdrucksystemen zuzuordnen, denn auch sie übertragen die
Bildinformation auf einen Zwischenträger (Druckform). Der Unterschied
der HP-Indigo-Systeme zu anderen Digitaldrucksystemen liegt bei der
eingesetzten feuchten beziehungsweise flüssigen Tinte (ElectroInk).
«Die ElectroInk kommt dem immer zum Vergleich herangezogenen
Offsetdruck beim ‹look & feel» am nächsten», erklärt Bruno
Brechbühl, Abteilungsleiter Digitaldruck bei der Chromos AG, welche die
HP-Indigo-Drucksysteme in der Schweiz vertreibt.
Von HP-Indigo gibt es vier Bogensysteme (HP Indigo press s2000, 1050,
3050 und 5000) und drei Rollendrucksysteme (ws2000, w3200 sowie
ws4050). Das jüngste Produkt, die HP Indigo Press 5000, bezeichnet HP
auch als die «Digitaldruckmaschine für den Drucker». Sie druckt 4000
A4-Seiten in Vollfarbe pro Stunde und verarbeitet ein breites Spektrum
von gestrichenen und ungestrichenen Bedruckstoffen, Etiketten, Folien
und anderen Materialien. Diese Maschine wurde auf der Fachmesse drupa
im Mai 2004 vorgestellt und steht seit den erfolgreich durchgeführten
Betatests seit Anfang 2005 zur Verfügung.

Océ bringt Platinum-Versionen mit neuer Tonertechnologie
Ganz im Trend liegen kleinere Multifunktionssysteme. Dies sind Drucker,
die um die 30 Seiten schaffen und durch Zusatzfunktionen (scannen,
kopieren, faxen) die Bedürfnisse von kleinen Arbeitsgruppen abdecken.
Ende Juni hat die holländische Océ mit den Modellen Océ CS230 und CS181
für diesen mittleren bis hochvolumigen Farbmarkt zwei 35 Seiten
druckende Systeme eingeführt. Beide können auch für den
Schwarzweissbereich eingesetzt werden – das Modell CS230 druckt dann
bis zu 45 Seiten, beim kleineren Modell ist auch hier die Leistung auf
35 Seiten begrenzt. Daneben gibt es mit dem Modell CS520 noch ein
Multifunktionsgerät für den Druck von 51 Seiten – in Farbe oder
Schwarzweiss.
Mit CPS800 (Kopierer und Drucker) und CPS900 (reiner Drucker) wurden
von Océ unlängst neue Drucksysteme für den Einsatz in grafischen
Unternehmen und Hausdruckereien vorgestellt; sie lösen das
Vorgängermodell CPS700 ab. Beide Modelle sind seit einiger Zeit zudem
als «Platinum»-Modelle erhältlich – diese verwenden einen neuen Toner
und sind bei der Verarbeitung der Bedruckstoffe (Papierformate und
Papierqualitäten) flexibler.
Urs Maute, Product Manager Farbe bei Océ Schweiz, erklärt: «Die
Platinum-Drucker CPS800 und CPS900 ermöglichen unter anderem durch den
neuen Toner die Wiedergabe feinerer Raster. Im Gegensatz zu den
Multifunktionsgeräten, mit denen sich idealerweise nur normale
Kopierpapiere bedrucken lassen, können mit dem Platinum-System Papiere
zwischen 80 und 300 g/m2 in voller Geschwindigkeit bedruckt werden.»
Ihre Ambitionen für den anspruchsvolleren grafischen Markt hat Océ
kürzlich an der Fachmesse X’05 dokumentiert. Am Stand von Sihl + Eika
wurde anhand des Farbdrucksystems CPS900 live demonstriert, dass sich
auch Kreativpapiere im Digitaldruck bedrucken lassen.

Epson rollt das Office-Segment von unten auf
Anbieter wie Epson machen mit ihren Produkten deutlich, dass der
klassische Digitaldruck wohl langsam unter (Markt)Druck kommt. Das
jüngste Beispiel aus dem japanischen Konzern ist der AcuLaser C4200.
Dieser Drucker schafft in seinem Segment eine beachtliche Leistung: Bis
zu 35 Seiten in Schwarzweiss und bis zu 25 Seiten in Farbe landen pro
Minute in der Auslage. Selbst im Duplexdruck (serienmässig) schafft der
Neue von Epson noch bis zu 20 Seiten. Gemäss Epson schafft man mit dem
brandneuen Modell bis zu 90000 Seiten im Monat.
Schon im Mai hat Epson mit dem AcuLaser 2600 einen neuen
Monochrome-Laserdrucker vorgestellt, der durch den Zukauf und das
Einsetzen von Farbtonerkassetten schnell in einen Farbdrucker
verwandelt werden kann. Damit können Unternehmen kostengünstig in den
Schwarzweissbereich einsteigen und bei Bedarf auf Farbe aufrüsten. Wer
will, kann das Gerät auch als Farbdrucker (AcuLaser C2600) ordern.
Epson weist bei seinen AcuLaser-Druckern besonders auf die niedrigen
Anschaffungs- und Betriebskosten, ihre Netzwerkfähigkeit, die hohe
Flexibilität in der Anwendung sowie eine brillante Druckqualität hin.
Damit sind die Drucker auch ideal für Einzelarbeitsplätze oder kleine
Arbeitsgruppen.

Kodak baut das Segment Produktionsdruck aus
Nachdem HP dick ins Digitaldruckgeschäft eingestiegen ist, hat nun auch
die aus dem Fotogeschäft kommende Eastman Kodak Company (Kodak) den
Einstieg in den Digitaldruck gewagt.  Neben der Übernahme von
Encad (Grossformatdrucker) und Scitex digital printing (hochvolumiger
Inkjet-Digitaldruck) hat Kodak letztes Jahr zu seinen 50 Prozent auch
die 50-prozentige Heidelberg-Beteiligung am
Joint-Venture-Unternehmen Nexpress übernommen. Innert kürzester Zeit
ist damit aus dem Filmhersteller ein im Digitaldruck führendes
Unternehmen entstanden, das mit der digitalen Farbdruckmaschine Kodak
NexPress 2100 und dem optionalen fünften Druckwerk samt neuen
Anwendungslösungen Druckdienstleistern neue, innovative
Dienstleistungen für ihre Kunden ermöglicht: Kodak NexPress intelligent
color für die präzise Reproduktion von Sonderfarben und eine
Farbraumerweiterung, intelligent coating für das Aufbringen einer
Schutzschicht oder den Druck von Wasserzeichen und anderen Schutz- und
Schmuckmerkmalen sowie intelligent glossing für die Veredelung durch
Hochglanz-Finish im Zusammenhang mit den Kodak NexGlosser
Hochglanz-Finisher. Bei den Digimaster-Schwarzweissdrucksystemen gab es
letzten Herbst Umstellungen im Portfolio. Leistungsfähigstes
Drucksystem ist neu die 150-Seitenmaschine Digimaster E150.

Xerox erweitert Portfolio
Der europäische Unternehmensbereich der Xerox Corporation, die in
Kloten ansässige Xerox Schweiz, hat neue Produkte vorgestellt. Weitere
Informationen dazu auf Seite 23.

Jürgen Franck

Messlatte für Berufsregister der TexterInnen hoch angelegt

Die Anmeldefrist für die Herbst-Zertifizierungsrunde des Schweizer Texterinnen- und Texterverbandes script läuft.

Die Anmeldefrist für die
Herbst-Zertifizierungsrunde des Schweizer Texterinnen- und
Texterverbandes script läuft. Das Schweizer Berufsregister der
TexterInnen ist ein Qualitätsnachweis für diese Berufsgattung. Geführt
wird es vom Berufsverband script. Die Zertifizierung der eingereichten
Arbeiten – je drei pro AntragstellerIn – erfolgt anonym durch eine
Bewertung nach festgelegten Kriterien. „Die Messlatte für die Aufnahme
ist bewusst hoch gelegt, um den hohen Stellenwert des Titels zu
erhalten“, heisst es in einer Medienmitteilung von script. Derzeit sind
16 Texterinnen und Texter im Berufsregister vertreten. Die
Antragsunterlagen inklusive Bewertungsraster und Tipps für die Wahl der
Texte können kostenlos und unverbindlich über die Website scriptweb.ch
bestellt werden. Die definitive Einschreibung muss bis am 15. Oktober
vorliegen, die Arbeitsproben können bis 31. Oktober 2005 eingereicht
werden.

Positive Bilanz für Bilan und Bilanz

Wirtschaftspresse Seit sieben Monaten erscheinen Bilan und Bilanz vierzehntäglich – mit Erfolg, zumindest im Werbemarkt.

Wirtschaftspresse Seit sieben Monaten erscheinen Bilan und Bilanz vierzehntäglich – mit Erfolg, zumindest im Werbemarkt.In den letzten drei Jahren wies das
Wirtschaftsmagazin Bilanz der Jean Frey AG beim Inseratevolumen
regelmässig einen Rückgang im zweistelligen Prozentbereich aus. Seit
Anfang 2005 präsentiert sich die Situation aber komplett anders: «Für
2005 haben wir das Volumenbudget um 20 Prozent hochgeschraubt und es in
den ersten sieben Monaten sogar noch deutlich übertroffen», sagt
Bilanz-Verlagsleiterin Sandra Geiger. Auch bei Bilan hat sich das Blatt
gewendet. In den letzten zwei Jahren war das Magazin punkto
Inserateseiten stabil, jetzt aber steigt es auf wie eine Rakete. «Der
Umsatz legte seit Januar um 50 Prozent zu», freut sich Theo Bouchat,
bei Edipresse unter anderem zuständig für die Zeitschriften.
Die VSW-Inseratestatistik bestätigt die Aussagen: Die Zahlen dort sind
sogar zwar um einiges höher, sie zeigen aber, dass alle anderen
Wirtschaftsmagazine mit ihren Seitenvolumina weit unter jenen der
beiden Senkrechtstarter liegen – oder gar Rückgänge ausweisen.
Sowohl Bilanz als auch Bilan haben im Januar ihren Erscheinungsrhythmus
von monatlich auf vierzehntäglich umgestellt, deshalb die Kehrtwende.
In beiden Verlagen hatte man festgestellt, dass Anzeigen immer
kurzfristiger gebucht werden und beide Monatstitel wegen der langen
Vorlaufzeiten häufig unter den Tisch fielen. Da zudem viele Kampagnen
zeitlich konzentrierter geschaltet werden, wurden Bilan und Bilanz,
wenn überhaupt, oft nur einmal berücksichtigt.
«Unsere Annahmen punkto Werbedruck wurden bestätigt», stellt Bouchat
zufrieden fest. Auch die Mehrkosten von rund 30 Prozent für Papier und
Vertrieb wurden wettgemacht. «Im 2005 werden wir absolut und
proportional zum Umsatz einen höheren Gewinn ausweisen können», sagt
Bouchat. «Mit unseren Überlegungen haben wir voll ins Schwarze
getroffen, der neue Rhythmus der Bilanz kommt im Anzeigenmarkt sehr gut
an», sagt auch Sandra Geiger. Zugelegt habe das Heft etwa bei
Luxusgütern, Banken und Autos.
Ähnlich ist dies bei Bilan. Dort will man zudem die Gunst der Stunde
nutzen und die begonnene Line Extension von drei auf sechs Specials pro
Jahr ausbauen: Zu den bestehenden Themen Uhren, Luxus und Geschenke
kommen noch ein zweites Luxus-Heft und zwei Hightech-Sondernummern
hinzu.
Bei der Bilanz machte man dies gerade umgekehrt: Die sieben Specials,
die 2004 noch herausgegeben wurden, sind verschwunden, umgewandelt in
Hauptheft-ausgaben. So hatte die Bilanz ohne Mehrkosten bereits 19
Ausgaben und musste für die neue Kadenz nur drei zusätzliche Nummern
finanzieren.
So positiv das Echo aus dem Werbemarkt auch ist, die Leser sind
zurückhaltender. Oder langsamer. In den neuen Auflage- und Leserzahlen
wird sich der Wechsel erst teilweise widerspiegeln. Immerhin schätzt
Bouchat für Bilan, das per 2005 nicht nur einen Kadenz,- sondern auch
einen Layout- und Konzeptwechsel vollzogen hat, eine um rund fünf
Prozent höhere Auflage, bei gleichzeitigem Leserzuwachs von etwa zwei
Prozent. Bouchats Ziel bleibt: Bis in zwei Jahren will er rund zehn
Prozent mehr Leser erreichen.

Mehr Abos für beide Titel
Anders bei der Bilanz: Verlagsleiterin Geiger weiss jetzt schon, dass
die Leserzahlen leicht abnehmen werden. Bei der Auflage rechnet man
dagegen mit einer positiven Tendenz, nachdem die Bilanz im Hinblick auf
die Zwischenbeglaubigung vom letzten Oktober stark «entrümpelt» worden
war. Die Folge: Die Bilanz, die bisher gut zehn Leser pro Ausgabe
hatte, baut so nach und nach ihr Klumpenrisiko ab.
Bei den Abos haben beide Titel zugelegt: Die Bilanz nur leicht, Bilan
dagegen um zehn Prozent. «Das ging aber klar auf Kosten des
Einzelverkaufs», sagt Bouchat. Auch die Bilanz verkauft sich am Kiosk
schlechter als budgetiert, sagt Geiger. Zwar werden jetzt pro Monat
mehr Exemplare verkauft als zuvor, pro Ausgabe sind es aber weniger,
wobei die Schwankungen sehr gross sind. «Rein finanziell bringt uns der
Einzelverkauf nichts», sagt die Bilanz-Verlagsleiterin.
Aus diesem Grund ist klar, dass beide Verlage auf der Leserseite noch
mehr Anstrengungen unternehmen wollen. Sandra Geiger setzt auf eine
weitere Inseratekampagne im Herbst sowie auf Telefonmarketing. «Das ist
das Einzige, was wirklich funktioniert», sagt sie. Bouchat hingegen
sucht neue Vertriebskanäle, etwa über Firmen, denen er für Mitarbeiter
oder Kunden 100 oder 1000 Abos mit einem Mengenrabatt anbietet. Mit
Erfolg: Die Auflage der nächsten Bilan-Ausgabe ist bereits um 3000
Exemplare höher, als die Wemf in einem Monat ausweisen wird.

 Markus Knöpfli

Schawinski und Schäferkordt

Die Screen-up, früher allein auf TV ausgerichtet, will sich als unverzichtbarer audiovisueller Branchenanlass etablieren.

Die Screen-up, früher allein auf TV
ausgerichtet, schliesst auch Kino und AdScreens mit ein und will sich
als unverzichtbarer audiovisueller Branchenanlass mehr und mehr
etablieren. Diesmal wurde sie um einen Kongressnachmittag mit sieben
Veranstaltungen erweitert. Bisher organisiert von Cinecom und IP
Multimedia, ist diesmal neu auch Seven One Media Schweiz mit dabei.
«Wir hoffen, dass wir mit dem neuen Konzept an frühere Besucherzahlen
anknüpfen und mit dem hochkarätig dotierten Podium namhafte Kunden
anziehen können», erklärt Mathias Luchsinger, Cinecom-Geschäftsleiter
und Mitglied der Screen-up-Steuergruppe. Dass SRG und Publisuisse
fernbleiben, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen, denn die
Öffentlich-Rechtlichen hätten ihre Teilnahme 2006 bereits positiv
signalisiert. Luchsingers Vision: Was die 3-Königs-Tagung für die
Verleger, das soll die Screen-up für die audiovisuelle Branche werden.
Michi Frank, Chef von IP Multimedia, nebst Luchsinger und Gartmann der
dritte Organisator, umschreibt die Absichten der Veranstalter: «Wir
wollen die Besucher updaten, Fachkompetenz vermitteln und neue Trends
zeigen. Dafür investieren wir auch gutes Geld.» Für Frank ist der
Anlass klar wirtschaftsorientiert und deshalb nicht die Plattform für
politische Forderungen, etwa im Hinblick auf die laufende Revision des
Radio- und Fernsehgesetzes.
Zur geladenen Prominenz der deutschsprachigen Fernsehlandschaft zählen
dieses Jahr Roger Schawinski (Sat 1), Anke Schäferkordt (RTL),
Christoph Bürge (Prima TV Rumänien) sowie die Sendechefs von Pro-
Sieben, Kabeleins, RTL 2, Vox, Super RTL, M6 und MTV. Zur Eröffnung
diskutieren unter dem Patronat der Interessengemeinschaft elektronische
Medien (IGEM) Vermarkter, Regionalsender, Agenturen, Auftraggeber und
Politiker kommerzielle und politische Aspekte der Schweizer
Fernsehlandschaft.
Die Screen-up findet am 25. Oktober im Kinotheater Abaton im Zürcher
Cinemax statt. Das Programm ist auf www.screen-up.ch abrufbar. (rw)

Fernsehmacher frei arbeiten lassen

Screen-up & congress Christian Gartmann, Mitorganisator und Geschäftsführer Schweiz der ProSieben-Sat1-Gruppe, äussert sich zum jährlichen Branchenanlass der Meinungsmacher für TV-Werbung und Fernsehmarketing.

Screen-up & congress Christian Gartmann, Mitorganisator und Geschäftsführer
Schweiz der ProSieben-Sat1-Gruppe, äussert sich zum jährlichen
Branchenanlass der Meinungsmacher für TV-Werbung und Fernsehmarketing.WW: Warum braucht es eine Veranstaltung wie Screen-up?Christian Gartmann: Die Branche will den Überblick an einer einzigen
Veranstaltung gewinnen. Cinecom, IP Multimedia, RTLGroup und wir
organisieren nun an einem einzigen Tag ein prominentes Lineup von
Fachleuten aus Werbewirtschaft und Senderlandschaft der Schweiz,
Deutschland und Frankreich. Das schafft kein Anlass sonst, einen
vergleichbaren Event gibt es selbst in Deutschland nicht.
WW:
Der Anlass wurde diesmal um einen Kongressteil mit Diskussionspodium erweitert. Was versprechen Sie sich davon?Christian Gartmann:
Wir haben von Anfang an an eine Erweiterung gedacht. In diesem Jahr
wollen wir  neben den Neuheiten der Sender mehr Know-how
vermitteln. Das hat sich zum Kongressnachmittag entwickelt, der mit dem
IGEM-Talk beginnt und mit sieben Veranstaltungen bis abends um 19 Uhr
dauert.
WW:
Der Anlass ist mit «Visionen zum TV-Markt von morgen» überschrieben. Was ist zu erwarten?Christian Gartmann:
Wir werden nicht über das Fernsehen der kommenden 25 Jahre
philosophieren. Mediaagenturen und Kunden wollen vielmehr eine
Orientierung, wie sich die Digitalisierung aktuell entwickeln wird,
über neue Verbreitungswege, über die wachsende Anzahl digitaler
Recorder und die Folgen. Sie wollen wissen, wie Fachleute die
Entwicklung innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre in der Schweiz
und im Ausland einschätzen.
WW:
Welches sind die grössten Herausforderungen, die in den nächsten fünf Jahren auf das Fernsehen zukommen?Christian Gartmann:
Die strategischen Herausforderungen ergeben sich aus der
Digitalisierung. Der Markt wird sich fragmentieren. Man geht in Europa
davon aus, dass es vermehrt kleine Sender geben wird. Damit sind die
Grossen weiterhin gefordert, ihre Marke zu stärken. Fernsehen soll auch
mit digitalen Inhalten ergänzt werden, weg vom heutigen FreeTV. Die
Digitalisierung wird aber auch zu Hause beim Publikum stattfinden, wo
ein Medienserver die bisherigen Einzelgeräte ablösen wird.
WW:
Hat das Fernsehen der Zukunft auch einen Bildungsanspruch? Oder überlässt man das den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten?Christian Gartmann:
Keineswegs. In Deutschland ist zu beobachten, dass beim
Bildungsfernsehen nicht das ZDF, sondern ProSieben die Nummer eins ist.
Auch andere Privatsender haben damit Erfolg.
WW:
In Frankreich generiert Télé M6 über 40 Prozent seiner Einnahmen mit
Nebengeschäften. Welche Bedeutung haben solche in der Schweiz?Christian Gartmann:
Für die Privaten werden Nebengeschäfte zu einem wichtigen Faktor
werden. RTL ist in dieser Hinsicht schon ziemlich weit und auch bei
unserer Gruppe steht die Diversifikation weit oben.
WW:
Was sind Ihre Wünsche an ein revidiertes Radio- und Fernsehgesetz (RTVG)?Christian Gartmann:
Dass eine Liberalisierung – so war die Revision anfänglich
überschrieben – auch durchgeführt wird. Heute muss ich das Gegenteil
befürchten. Gegenwärtig, also vor der Herbstsession der Räte, wäre
Unterbrecherwerbung verboten, Alkoholwerbung nur regionalen Sendern
erlaubt und Filme ausstrahlende Privatsender müssten vier Prozent ihrer
Einnahmen für Filmförderung abgeben. Solches stellt die Schweizer
Programmtätigkeit von ausländischen Fenstern, aber auch neue Projekte
wie Elevator TV völlig in Frage. Zudem will eine starke Minderheit die
Werbung für Kinder unter 18 Jahren verbieten. Das wäre das Ende für
Viva Schweiz, für Radio 105, und das geplante Jugendradio für Zürich
würde nie senden. Es wird im neuen Gesetz viel zu viel reguliert. Man
sollte einfach die europäischen Richtlinien annehmen und jene, die
Fernsehen ohne Gebühren und Verbreitungszwänge machen wollen, endlich
frei arbeiten lassen. Nur ein freier Markt kann auch wachsen. Noch habe
ich Hoffnung, dass die Liberalisierung im neuen Gesetz zumindest
teilweise sichtbar wird.
   

Interview: René Worni

Zwei Suppléments für Marie Claire

Frauenpresse Das französische Hochglanzmagazin Marie Claire lanciert in der Westschweiz zwei Themenhefte.

Frauenpresse Frankreichs Monatszeitschrift für Frauen, Marie Claire, lanciert zwei neue Splitausgaben für die Romandie.
Marie Claire, renommiertes französisches
Hochglanzmagazin für Frauen, gelesen auf fünf Kontinenten in 26 Ländern
und 14 Sprachen, brachte es weltweit vergangenes Jahr auf 4,1 Millionen
Exemplare. Nun will das Blatt in der Romandie ab November zwei neue
Splitausgaben produzieren. Die Schweizer Redaktion in Chardonne
oberhalb von Vevey wird für die beiden Suppléments Marie Claire Idée
und Marie Claire Maison je 16 bis 24 zusätzliche Schweizer Seiten
produzieren. Seit rund sechs Jahren gibt es analog zu unzähligen
regionalen und internationalen Splits auch eine Edition Suisse des
regulären Magazins, das bald seinen 50. Geburtstag feiert. Und der
Erfolg nimmt zu: «Innert der vergangenen zweieinhalb Jahre hat sich der
Umfang verdoppelt, im November werden wir sogar 48 Seiten produzieren»,
freut sich Verleger Marc-Henri Debluë. Der Umfang der Edition Suisse
stieg von 12 bis 15 Seiten auf 30 bis 40 Seiten im 300 bis 400 Seiten
starken Magazin. An diesen Erfolg möchte Debluë auch mit den
Themenheften anschliessen, vorerst viermal jährlich. Beide
Suppléments  zusammen sollen eine Auflage von etwa 20000
Exemplaren pro Ausgabe umfassen.

Doppelt so viele Inserate
Die Integration von Schweizer Seiten in die französische Ausgabe
scheint eine Formel zu sein, die funktioniert. Das hat auch die Werbung
gemerkt. Die Inserate hätten sich seit dem vergangenen Jahr ebenfalls
verdoppelt, allein im Monat Juli habe man 20 Seiten Inserate
produziert, erklärt Debluë. Das Magazin, das einen Bekanntheitsgrad hat
wie etwa Brigitte in Deutschland, hat in der Romandie 83000 Leserinnen
und Leser, davon 84 Prozent Frauen (Wemf 2004). Damit liegt das Blatt
vor den französischen Frauentiteln wie Elle, Profil femmes und Blandice
und nur knapp hinter Edelweiss aus dem Hause Ringier. «Wir sind eine
echte Konkurrenz, obwohl Marie Claire keinerlei Promotion betreibt»,
erklärt der Verleger. 84 Prozent der Leserschaft sind Frauen. Die
Macher des Magazins bezeichnen Marie Claire denn auch als «femininer»
als die übrigen Frauenzeitschriften in der Romandie. Der unbestrittene
Edipresse Erfolgstitel Fémina mit einer Leserschaft von fast 495000
Personen bringt es bei seinen Leserinnen lediglich auf 60 Prozent. Und
Marie Claire findet auch namhafte Beachtung bei der Leserschaft 
anderer Frauenzeitschriften. Beinahe 80 Prozent der Leserinnen wohnen
in städtischen Einzugsgebieten. In Genf sei Marie Claire, so Debluë,
bereits die Nummer eins.
Rückblickend wertet der Verleger besonders das Jahr 2003 als hart. Doch
mit kleiner Struktur und geringen Fixkosten blieb der Schweizer Ableger
des Titels flexibel. Chefredaktorin Hélène Béziat arbeitet
mittlerweilen mit etwa zwölf freien Journalistinnen und Journalisten
zusammen. Für die Produktion der zusätzlichen Seiten der Themenhefte
soll sich der Kreis der Journalisten weiter vergrössern.

René Worni

U1 will Tele und TVStar kitzeln

Programmzeitschriften Der Privat-TV-Sender U1 in Schlieren macht offenbar ernst mit dem immer wieder angekündigten TV-Programmheft.

Programmzeitschriften Der Privat-TV-Sender
U1 in Schlieren macht offenbar ernst mit dem immer wieder angekündigten
TV-Programmheft. Gemäss Peter Kölbel, Projektleiter von U1, soll das
Magazin nun «am zweiten oder dritten Montag im Oktober» erstmals mit
einer Auflage von 100000 Exemplaren in Boxen an Haltestellen der
Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) aufliegen. Noch evaluiere man die
Standorte, was VBZ-Sprecher Andreas Uhl bestätigt.
Gemäss Kölbel wird das inseratefinanzierte Heft die Sendezeiten aller
frei empfangbaren Sender enthalten und somit in Konkurrenz zu
TVtäglich, Tele und TVStar treten. Darüber hinaus enthält es
Programmtipps, People-Storys und ein interaktives Quiz. Der Hauptasset
liege aber in der Aktualität, so Kölbel. Obwohl das Programmheft in der
Slowakei gedruckt werden soll, werde es laut Kölbel mit einem Vorlauf
von etwa vier Tagen noch immer «eines der aktuellsten TV-Magazine»
sein. Kölbel sinnt noch darüber, ob er mit einer Billig- oder
Luxusvariante starten soll. (mk)

Singing in the Drain

Below the line Die Firma Face in Frauenfeld treibt die Idee der Klommunikation einen Schritt weiter.

Below the line Die Firma Face in
Frauenfeld startete vor zehn Jahren mit Werbung an ungewöhnlichen
Orten. Am Anfang wurden ihre Ideen oft belächelt. Heute arbeitet Face
erfolgreich in drei Niederlassungen – und fällt häufig als
Branchenpionier auf. Zum Beispiel für Auftraggeberin Bioforce AG. Diese
will mit einer nationalen Kampagne für ihr pflanzliches Prostatamittel
in öffentlichen Toilettenanlagen werben. Flankiert wird die Kampagne
mit einer weltweiten Werbepremiere, die der Schweizer Kampfjetpilot
Josua Inderbitzin entwickelt hat: das akustische Element Soundpee.
Soundpee wird Toilettenbesucher mit einem anerkennenden «Olé»
beglücken, wenn er vom Urinstrahl berührt wird und soll «unverkrampft»
auf das Tabuthema Prostataleiden aufmerksam machen.
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