Zeitungen Mit ihrem Relaunch baut die Mittelland Zeitung ihr Angebot aus. Vor allem aber zeigt der Verbund, was er unter Partnerschaft versteht.Das Layout der Aargauer Zeitung ist so alt
wie die AZ selbst, neun Jahre. «Nun wurde es Zeit für eine
Auffrischung», sagt Ueli Eckstein, Leiter Printmedien bei der
Herausgeberin AZ-Medien-Gruppe. Doch das ist leichter gesagt als getan.
Erstens tangiert ein Designwechsel bei der AZ auch die Partner des
Verbundes Mittelland Zeitung – die Solothurner Zeitung (SZ), das Oltner
Tagblatt (OT) und das Zofinger Tagblatt (ZT) –, die das
AZ-Erscheinungsbild vor drei Jahren übernommen haben. Da aber jeder der
vier Verlage eigene Druckmaschinen mit unterschiedlichen
Kapazitäten und Farbdruckfähigkeiten besitzt, sind für jede Änderung
Absprachen und viel Knowhow in Sachen Drucktechnik und Informatik
nötig. Zweitens war lange unklar, ob die SZ aus der Mittelland Zeitung
ausschert und der Verbund bestehen bleibt. Bekanntlich tut er dies,
doch das vereinfacht die Redesignplanung nicht gerade.
Punkto Format ändert sich bei der AZ am 17. September nichts. Der
Mantel bleibt im Broadsheet-, die Regionalausgaben im Tabloidformat.
Dennoch kommt es beim Blatt und seinen Partnern zu drei augenfälligen
Veränderungen. Die Hauptinnovation: ein inhaltlicher Ausbau von vier
auf täglich fünf Bünde (ausser montags), im Gegenzug verschwindet am
Samstag, dem bisher einzigen Tag mit fünf Bünden, jener mit dem Titel
Weekend.
Der neue fünfte Faszikel heisst Foyer und unterscheidet sich schon in
der türkisfarbenen Auftaktseite deutlich von den übrigen Bünden. Foyer
enthält neben Kulturseiten auch wechselnde Special-Interest-Themen
(Lifestyle, Natur, Reisen, Wissen etc.), eine tägliche Medienseite
sowie das Radio- und TV-Programm. Am Samstag stehen zudem ein
zweiseitiger monothematischer Schwerpunkt sowie eine Sachbuchseite im
neuen Bund. «Mit Foyer wollen wir den Lesern nicht nur Zusatzstoff
liefern, sondern auch die Leserschaft verbreitern», sagt
AZ-Chefredaktor Peter Buri.
Auch die Änderungen am Zeitungskopf auf der Front fallen auf: Das
zweistöckige Logo wird durch die Kürzel AZ, SZ, OT oder ZT in einem
separaten Würfel ergänzt, rechts davon verweist ein Anriss auf den
neuen fünften Bund. Die übrigen Anrisse erscheinen neu in einem Balken
über dem Logo. Auch jede Bundauftaktseite erhält einen eigenen
Kopfbalken mit Anrissen.
Der bisher fünfspaltige Umbruch wird flexibler: Der Zeitungsdesigner
Kurt Schwerzmann, der schon das bestehende AZ-Erscheinungsbild
gestaltet hat, unterlegte die Seiten mit einem 18-spaltigen
Grundraster, was auf einer Seite Artikel mit unterschiedlichen
Spaltenbreiten zulässt. Das ist grob die Architektur der neuen AZ und
Mittelland Zeitung.
Doch die verschiedenen Ansprüche der vier Partner komplizieren alles.
Dass jede Zeitung eine auf die eigene Region zugeschnittene Frontseite
haben will, war schon bisher eine Selbstverständlichkeit. Ebenso, dass
jedes Blatt im Mantel, den die AZ liefert, einzelne Inland- oder
Sportartikel und Kommentare individuell austauschen und regional
anpassen kann.
Knifflig wird es jedoch beim Ausbau auf fünf Bünde. Nicht alle Partner
können oder wollen die Innovation mittragen. Das OT zum Beispiel
übernimmt den neuen Foyer-Bund nur am Mittwoch und am Samstag, doch
nicht so, wie er an diesen Tagen in den übrigen Zeitungen erscheint.
Der Inhalt ist ein Artikelmix der besten Storys vom Erscheinungstag und
der vorangegangenen zwei Tage. Es gilt also, bereits erschienene
Artikel am richtigen Tag im richtigen andern Blatt (hier im OT) zu
platzieren, auf der richtigen und korrekt paginierten Seite, eventuell
mit inhaltlichen Anpassungen und Anriss. Das ist selbst im
Computerzeitalter ein schwieriges Unterfangen, auch für die Disposition
der Inserate. «Wenn wir Ja gesagt haben zur Partnerschaft, müssen wir
sie auch leben», sagt dazu Ueli Eckstein. Und Peter Buri ergänzt: «Wir
nehmen Rücksicht auf die Situation unserer Partner und stärken ihnen
den Rücken. Die SZ zum Beispiel muss gegen das Solothurner Tagblatt
bestehen.»
Markus Knöpfli