Im Lauf

Bücher Viele Texter träumen davon – ein Ex-Moderator hat es erneut geschafft. Matthias Ackeret hat seinen zweiten Roman geschrieben.

Bücher Viele Texter träumen davon – ein
Ex-Moderator hat es  erneut geschafft. Medienjournalist Matthias
Ackeret hat seinen zweiten Roman geschrieben. «Der Hammermann» nennt
sich die fingierte Wahrheitsfindung, bei welcher ein abgehalfterter
Fernsehmann seine Vergangenheit noch einmal Revue passieren lässt,
während er sich über die 26 Meilen des New York Marathon quält. Das
Leben als Langlauf, auch wenn vieles manchmal nur kurz währt – so wie
die Liebe. Im Buch wird diese von einer Warhol-Biografin und Exfrau des
Starwerbers Frank Parazini verkörpert. Diese Figur ist aus mehreren
Versatzstücken echt lebender Werber zusammengesetzt. Fast echt ist auch
ein Voodoo-Fotograf namens Alberto Venzini, und ganz echt ist sogar
Roger Köppel als «Chef der Welt».

Kanton Thurgau erhält neues Erscheinungsbild

Die Verwaltung des Kantons Thurgau und die Marke «Thurgau» treten nächstes Jahr mit gemeinsamem Logo und Schriftbild auf.

Der Kanton Thurgau und die
Marke «Thurgau» erhalten nächstes Jahr ein neues Logo und Schriftbild.
Die kantonale Verwaltung und die Marketingorganisation des Thurgau werden künftig mit einem gemeinsamen, integralen Erscheinungsbild auftreten.
Das Logo der Verwaltung wird durch die Löwen des Kantonswappens ergänzt, die Marke «Thurgau» mit dem roten Apfel. Entwickelt wurde das Design von der Agentur CI Programm in Zürich. Durch
den aufeinander abgestimmten Auftritt sollen Synergien entstehen, die
allen Beteiligten durch die Geschlossenheit mehr Prägnanz und Kraft
verleihen. Diese Form der Zusammenarbeit zwischen einer kantonalen
Verwaltung und kantonalen Marketingorganisationen sei bis anhin
einmalig in der Schweiz, heisst es in der Medienmitteilung der
Thurgauer Verwaltung. Das neue Erscheinungsbild des Kantons hat den
Thurgau 150’000 Franken gekostet und wird ab Ostern 2006 verwendet.

U1 will nicht in die Röhre gucken

TV Seit dem 1. März 2004 ist U1, einer der wenigen sprachregionalen Schweizer Privat-TVs, auf Sendung. Doch um den Sender aus Schlieren wurde es rasch still.

Fernsehen Neue Crew, umgebautes Programm,
verändertes Logo – und zum ersten Mal eine Marketingstrategie. Die
Investoren geben dem TV-Sender U1 eine zweite Chance.Seit dem 1. März 2004 ist U1, einer der
wenigen sprachregionalen Schweizer Privat-TVs, auf Sendung. Doch um den
Sender aus Schlieren wurde es rasch still. Kein Wunder, kaum jemand
schaut das Programm. Das gibt Peter Kölbel, Projektleiter von U1,
unumwunden zu. «Unser Ziel war es, bis Ende 2004 einen
durchschnittlichen Marktanteil von einem Prozent zu erreichen. U1 kam
aber gemäss Telecontrol auf höchstens 0,7 Prozent», sagt er. Schlimmer
noch: Aus den Zahlen lässt sich keine Entwicklung ablesen.
Weitere Unbill kam hinzu: U1 muss seit dem Frühjahr auf Programmteile
verzichten, die es zuvor von seinen Partnersendern TV Berlin und TV
München bezog. Beide deutschen Sender meldeten Insolvenz an. Sie hatten
der Wiener Kanal 1 Fernsehbetriebsgesellschaft  gehört (siehe
Interview unten), die zu 49 Prozent auch an U1 beteiligt ist. Doch
damit noch nicht genug: Wegen der übernommenen Programmteile haftet U1
das Etikett «deutsch» an, obwohl der Sender zu 51 Prozent in Schweizer
Händen ist.
Trotz Imageproblem, Programmlücken und verfehlten Zielen dachten die
Investoren aber nicht ans Aufgeben. Kölbel erklärt dies so: «Der
Vorteil von U1 ist die nationale Konzession. Die grösseren
Zuschauerpotenziale von TV Berlin und TV München nützen wenig, weil die
Grosskunden keine regionalen Werbebudgets haben.» Ein zweites Plus von
U1: In der Schweiz sind die Plätze auf den Kabelnetzen begrenzt, was
den Spielraum für neue Konkurrenten einengt. Darum wählten die
U1-Investoren erneut eine Vorwärtsstrategie, wechselten aber die
Mannschaft aus, selbst den Geschäftsführer Thomas Sadecky, laut Kölbel
eine «einvernehmliche Lösung».  An seine Stelle traten Simon
Schmidli vom ehemaligen U1-Schwestersender Intro TV sowie die
Österreicherin Beatrix Schartl, die 10 Prozent an der Wiener Kanal 1
hält und dort Gesellschafterin ist. Insgesamt sind wieder 40 Personen
bei U1 beschäftigt, drei Stellen sind noch offen.
Parallel dazu wurden die Kosten gesenkt, Beteiligungen abgestossen, das
Programm umgekrempelt und auf die Schweiz ausgerichtet – auch
sprachlich (siehe Kasten auf Seite 17). «Wir müssen jetzt mit dem
halben Budget viermal so viel Programm machen wie vorher», sagt Kölbel.
Ein neues Logo und neue Sendedesigns unterstreichen den Willen zum
Neuanfang. «Die Umstellung soll bis zum 1. Dezember abgeschlossen sein,
doch für die neue Mannschaft war die Stunde null am 1. September», sagt
Kölbel. Von da an werden ihre Leistungen gemessen. Die Vorgaben sind
laut Kölbel «ehrgeizig»: Ende 2006 muss U1 einen durchschnittlichen
Marktanteil von 3 Prozent erreichen, Ende 2008 gar 5 Prozent.
Teil des Neuauftritts ist das angekündigte Gratisprogrammheft
(Arbeitstitel: TVTime), das von der U1-Schwesterfirma U1 Programm TV
herausgegeben wird und nach Kölbels neusten Angaben ab 24. Oktober in
149 Boxen an Zürcher Haltestellen aufliegen soll. U1 habe die
Tageszeitungen vergeblich um Aufnahme in die TV-Programme gebeten,
begründet Kölbel den Schritt.
Der Investition liege auch eine Marketingidee zu Grunde: «Ein
Programmheft, in dem U1 gleichberechtigt neben anderen frei
empfangbaren Programmen vorkommt und in dem auch mal auf U1-Sendungen
hingewiesen wird, ist für unseren Sender die nachhaltigere Promotion
als eine einmalige Plakatkampagne.» Zudem hoffe er auf Inserate:
«TVTime muss spätestens in einem Jahr selbsttragend sein.» Der
Gratwanderung ist sich Kölbel bewusst: «Sobald TVTime als Programmheft
von U1 wahrgenommen wird, ist es tot», sagt er.
Damit der Schwierigkeiten nicht genug: In vielen der 1,8 Millionen
Haushalte, die U1 technisch erreichen kann, fehlt der Sender auf der
Fernbedienung. Darum setzt er künftig auf thematische Wochen, in denen
jeweils eine Stadt, eine Touris-
tenecke oder eine Messe möglichst gefässübergreifend (vom Reisemagazin
via Talk bis hin zur Kochsendung) vorgestellt wird. Man verfolgt dabei
eine Doppelstrategie: Die Sendungsmacher wollen bewusst möglichst viele
Leute interviewen und sie so dazu animieren, den Sender zu Hause zu
programmieren. Ähnlich beim örtlichen Gewerbe: U1 bietet KMU die
Produktion einer einminütigen Präsentation und eines 20-Sekundenspots
mit 30 Ausstrahlungen für 1800 Franken an. Finanziellen Gewinn rechnet
sich Kölbel davon nicht aus. «Aber die regionalen Wochen helfen uns,
Zuschauer auf U1 zu locken», sagt er.
Haupteinnahmequelle bleibt auch bei U1 die kommerzielle Werbung – mit
einem Sekundenpreis von 4 bis 36 Franken. Künftig will Kölbel den
Sender aber nicht mehr selbst vermarkten, er klopfte deshalb bei
Cinecom, Radiotele und IP Multimedia an. Wer anbeisst, ist offen.
Weitere Einnahmen erhofft sich Kölbel aus interaktiven Sendungen und
Spielen: Televoting, SMS, Merchandising und Zubehör für Spiele.
 

Markus Knöpfli

IP Multimedia vermittelt Léman Bleu

Der Vermarkter dehnt sein Portfolio der lokalen Vermittlung in die Westschweiz aus.

Der Vermarkter IP Multimedia (Schweiz) hat
einen Vertrag mit dem Genfer Lokalfernsehen Léman Bleu abgeschlossen.
Nach den bestehenden Partnerschaften mit TeleZüri, TeleBärn und
Telebasel werde das Portfolio der lokalen Vermittlung somit in die
Westschweiz erweitert, heisst es in einer Mitteilung. Léman Bleu hat
laut IP Multimedia zudem einen Pool mit dem nationalen französischen TV
Sender M6 gebildet.

Innovative Idee mit Haken

Radiomarkt Die Idee «Radio Pool Schweiz» von Goldbach Media erhält Applaus, doch es gibt noch viele Zweifler.

Radiomarkt Die Idee kommt gut an,
aber sie ist noch unausgereift. So lautet der Tenor der Mediaplaner zum
«Radio Pool Schweiz» der Goldbach Media.Am 31. August schlug die Goldbach Media
vor, per 2006 ein neues Vermarktungsmodell für die Radiobranche
einzuführen. Anders als dies der Name «Radio Pool Schweiz» suggeriert,
handelt es sich dabei aber nicht um einen Pool, sondern um ein
leistungsbezogenes Tarifsystem, das allen Sendern und Vermarktern offen
steht. Voraussetzung ist, dass alle Pools und Exklusivpachten
verschwinden. Zudem müssen alle Beteiligten die Stundenreichweite in
der Zielgruppe 15- bis 49-Jährige als massgebend für die Berechnung
eines zwar nicht einheitlichen, aber doch angeglichenen
Tausenderkontaktpreises (TKP) anerkennen. Kunden können nach diesem TKP
einkaufen, wenn sie mindestens fünf Sender à 18 Frequenzen buchen.
Die Radios hätten bis zum 15. September ein Feedback abgeben sollen. In
der kurzen Zeit waren dazu aber nur etwa acht Sender in der Lage, sagt
Goldbach-CEO Klaus Kappeler auf Anfrage. Darum habe er die Frist bis
Ende September verlängert. Das Echo sei grundsätzlich positiv. Bisher
habe aber kein Sender Bereitschaft signalisiert, schon ab 2006
mitzuwirken.
Mittlerweile hat Kappeler sein Modell aber auch sechs Mediaagenturen,
dem Verband Schweizerischer Werbeauftraggeber (SWA) sowie den
Vermarktungskonkurrenten präsentiert. Von dieser Seite kommt ihm
grösstenteils Beifall entgegen. Vielerorts hatte man aber noch nicht
Gelegenheit, sich in die Details zu vertiefen. So wird denn auch primär
gelobt, dass überhaupt ein Vorschlag auf dem Tisch liege, der eine
längst fällige Diskussion anstosse. «Seitens der Auftraggeber besteht
schon lange der Wunsch, die Radios nach eigenen Bedürfnissen statt nach
politischen Kriterien kombinieren zu können», sagt SWA-Direktor Jürg
Siegrist. Als Radioplaner habe er die ständig wechselnden Radiopools
satt, insofern biete das «innovative Modell eine massive
Vereinfachung», meint Peter Hofstetter, Inhaber von Mediaxis-MPG. Und
Marco Rose, Geschäftsführer von Universal McCann, ergänzt: «Von der
Grundlage her bietet das Modell die beste Voraussetzung für eine
neutrale Planung.» Auch Andy Lehmann, Managing Director der Aegis Media
Group Schweiz bezeichnet den Vorschlag als «Schritt in die richtige
Richtung». Begeistert ist Hansruedi Kölliker, Inhaber des
Radiovermarkters Spot Promotion. «So liessen sich Radiokampagnen
endlich besser nach Regionen oder Zielgruppen verstärken.» Weiter
begrüsst er das Wegfallen von Exklusivpachten. «Dann könnte ich mit den
Sendern direkt verhandeln», sagt er.

Radios sind uneinig
Allerdings glaubt niemand der Angesprochenen, dass sich die Idee auf
nächstes Jahr hin umsetzen lässt. «Es gibt kein Medium, in dem die
Uneinigkeit so gross ist wie unter den Radios», so Hofstetter.
Einige weisen jedoch auch auf systemimmanente Probleme des
Goldbach-Modells hin. «Was passiert mit dem Lokalgeschäft?», fragt etwa
Jürg Siegrist, der festgestellt hat, dass der vorgeschlagene
Einheits-TKP bei einigen Sendern günstiger ist als der heutige
Einzeltarif. «Das wird für viele Sender eine Hemmschwelle sein», glaubt
er. Dem pflichtet Bruno Oetterli vom Radiovermarkter Radiotele bei:
«Die Sender verkaufen sich im lokalen Markt über dem Einzeltarif. Das
bringt ihnen zwei Drittel des Umsatzes. Weshalb sollten sie da zu
Gunsten des einen Drittels aus dem nationalen Markt die andern zwei
Drittel aufs Spiel setzen?»
Einen zweiten wunden Punkt sieht Christof Kaufmann, CEO von OMD
Schweiz: «Ich bin mir nicht sicher, ob das Modell sehr
marktwirtschaftlich ist. Immerhin wird das Marketinginstrument Preis
ziemlich kastriert», sagt er.

Knacknuss Exklusivpachten
Und Andy Lehmann findet es «unglücklich», dass das Modell
Exklusivpachten ausschliesst. «Das könnte zum Killer für das an sich
sehr gute Modell werden», befürchtet er. Allein die derzeit gültigen
Pachtverträge könnten so einen raschen Systemwechsel verhindern.
Lehmann: «Die Initianten machen einen Fehler, wenn sie damit Politik
machen.» Noch aus einem andern Grund findet er das Verbot von
Exklusivpachten falsch. «Wenn jeder Sender einzeln gebucht werden kann,
steigen auch die Ansprüche der Planer: Wir wollen mehr individuelle
Informationen über das erreichte Zielpublikum und über andere Stärken
und Schwächen des Senders, um beurteilen zu können, ob wir ihn in eine
Kampagne reinnehmen sollen oder nicht. Der Beratungsaufwand für die
Radios steigt also.» Den aber könnten sich gerade kleine Sender nicht
leisten. «Nur schon deshalb muss es den Sendern freigestellt bleiben,
ob und über wen sie sich vermarkten lassen», sagt Lehmann.

Markus Knöpfli

Neue HSG-Professorin für Corporate Communication

Miriam Meckel tritt am 1. Oktober ihr neues Amt an der Universität St. Gallen (HSG) an.

Miriam Meckel tritt am 1. Oktober ihr
neues Amt als Professorin für Corporate Communication an der
Universität St. Gallen (HSG) an. Meckel verbindet wissenschaftliche
Theorie und reiche Praxiserfahrung. So arbeitete sie zuvor als
TV-Journalistin beim Westdeutschen Rundfunk und bei RTL und war
Professorin für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der
Universität Münster. Zuletzt war sie Staatssekretärin für Europa,
Internationales und Medien beim Ministerpräsidenten des Bundeslandes
Nordrhein-Westfalen. Fachlich hat Meckel an der HSG das gesamte Feld
des Kommunikationsmanagement abzudecken, das vom Stakeholdermanagement
über die Unternehmenskommunikation bis zum Kommunikationscontrolling
reicht. Die 38-Jährige Meckel wird zugleich Direktorin am Institut für
Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen
(MCM-HSG).

Grünes Papier nützt Natur und Unternehmen

Papier Auch in der Druckindustrie ist die Nachhaltigkeit ein Faktor, der neben dem Gewisssen immer stärker auch die Kosten entlastet.

Papier FSC-zertifizierte Druckereien bekennen sich zu umweltfreundlich produzierten Papieren.Auch in der Druckindustrie ist die
Nachhaltigkeit ein Faktor, der neben dem Gewisssen immer stärker auch
die Kosten entlastet. Nicht zuletzt deshalb setzen immer mehr
Druckereien auf ein neues Umweltlabel: Druckereien, die
FSC-zertifiziert sind, signalisieren damit, dass sie für die
Herstellung von Drucksachen nach FSC-Vorgaben produzierte Papiere
einsetzen können respektive dürfen und damit auch die Verwendung dieser
aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammenden Bedruckstoffe nachweisen
können.

So erhielt im Juni 2005 auch die Sticher Printing AG das FSC-Zertifikat
des «Forest Stewardship Council» (Weltforstrat) und erweitert damit
sein Engagement als «grüne» Akzidenzdruckerei. Mit der Zertifizierung
setzt sich die Luzerner Offsetdruckerei das Ziel, ihren Kunden wenn
immer möglich den Druck auf FSC-Papieren anzubieten und das FSC-Signet
mit dem Baum auf den Drucksachen mitzudrucken. Damit signalisieren die
Abnehmer von Druckerzeugnissen, dass ihnen die Ausweitung einer
nachhaltigen Forstwirtschaft ein ebenso grosses Anliegen ist wie ihrem
Drucker.

Für Forstbetriebe und Handel
Das Zertifizierungsverfahren garantiert durch eine lückenlose
Kontrolle, dass das FSC-Papier mit Zellstoff hergestellt wurde, der zu
mindestens 50 Prozent Fasern aus FSC-zertifizierten Wäldern enthält.
Deshalb werden für die Zertifizierung die beiden Bereiche Wald und
Verarbeitung unterschieden, für die jeweils spezifische Anforderungen
bestehen. Die Kontrolle der Forstbetriebe weist die Erfüllung der
Richtlinien für die Waldbewirtschaftung nach, die Überprüfung der
Produktions- und Handelskette verfolgt den Weg des Holzes vom Erzeuger
zum Verbraucher. Die Verarbeitungskontrolle schliesslich prüft den
Warenfluss und dokumentiert diesen.
Der Handel, das letzte Glied in der Produktionskette, arbeitet im
Regelfall mit fertig bezeichneten Produkten, an denen keine
Veränderungen vorgenommen werden. In der Schweiz werden die FSC-Papiere
inzwischen von allen führenden Papiergrosshändlern angeboten. Gegenüber
dem Kunden tragen diese auch die Verantwortung dafür, dass die
verkaufte Ware tatsächlich die zugesicherten Eigenschaften – sprich:
die nach FSC-Richtlinien produzierte Qualität – aufweist.
Druckereien müssen über ein FSC-Zertifikat verfügen, wenn sie auf dem
Markt mit dem FSC-Logo auftreten wollen. Das Zertifikat verpflichtet
sie sicherzustellen, dass es keine Vermischung mit anderen Papieren
geben kann – und zwar vom Einkauf der Papiere über die Lieferung, den
Druck und die Ausrüsterei bis zur Auslieferung. Diese Kontrollen sind
nötig, weil die FSC-Papiere sich von «normalen» Papieren nur schwer
oder gar nicht unterscheiden. Sie weisen etwa den gleichen Weissgrad
auf und ermöglichen damit auch die gleiche Druckqualität – im
Gegensatz etwa zu Recyclingpapieren, die an ihrem Grauton zu erkennen
sind.

Die Einrichtung eines solchen getrennten Materialflusses ist Teil des
Zertifizierungsprozesses und wird nach Erteilung des Zertifikats
regelmässig überprüft. Von jedem Auftrag, wo FSC-Papier verwendet
wurde, muss die Druckerei alle Unterlagen mindestens fünf Jahre
archivieren: den Lieferschein des Papierlieferanten mit der FSC-Nummer,
die Lauftasche mit der FSC-Nummer, den Lieferschein der Druckerei und
die Computerdaten des Auftrags. Zusätzlich wird eine Mengenkontrolle
durchgeführt, die periodisch Einkauf und Produktion zertifizierter Ware
nach Menge und Sorten vergleicht.

FSC-Papier ist positive Werbung
Sticher wirbt nicht nur im direkten Verkauf, sondern auch mit
Kundeneinladungen in die Druckerei für FSC-Papiere. Geschäftsführer
Robert Sticher: «Heute bestimmen die Kunden oft aus Kostengründen die
Papierqualität für ihre Druckaufträge. Wir können deshalb nicht immer
auf FSC-Papier drucken.» Es bleibt zu hoffen, dass mit steigendem
Bekanntheitsgrad des FSC-Labels auch die Zahl der Drucksacheneinkäufer
steigt, die bereit sind, für das Ziel einer nachhaltigen Waldwirtschaft
auf FSC-Papiersorten zu wechseln.

Denn mit dem FSC-Label auf ihren Prospekten und Katalogen zeigen die
Unternehmen, dass sie die Bemühungen für eine umweltverträgliche und
nachhaltige Holzproduktion mittragen. Zugleich unterstützen sie damit
Unternehmen wie Sticher Printing beim Beweis, dass eine hochmoderne,
industrielle Produktion die ökologischen Aspekte des Umweltschutzes
einschliessen kann.  

Kurt K. Wolf

Mit dem Rücken zur Wand

Vorstufe Gerade die grafische Industrie ist bekannt für ihre zum Teil ruinöse Preispolitik. Das in der Druckvorstufe tätige Unternehmen Agfa kann und will sich diesem Preisdruck nicht länger aussetzen.

Vorstufe Agfa-Gevaert muss in schwierigen Zeiten die Preise für Druckplatten erhöhen.Gerade die grafische Industrie ist bekannt
für ihre zum Teil ruinöse Preispolitik. Druckaufträge werden auch schon
mal unter den Gestehungskosten offeriert, um die schleppende
Maschinenauslastung zu verbessern. Überkapazitäten gekoppelt mit einer
lahmenden Wirtschaft sind die Gründe der sich nach unten drehenden
Preisspirale. Als Massnahme wenden sich die Betriebe ihrerseits an ihre
Lieferanten und versuchen auch dort alles, um Maschinen und
Verbrauchsmaterialien günstiger einkaufen zu können. Das alles ist
nichts Neues. Erkennbar ist in letzter Zeit allerdings, dass die
Lieferanten zunehmend grosse Schwierigkeiten haben, diesen Preisdruck
abzufedern.

Die nach unten drehende Spirale durchbrechen
Das in der Druckvorstufe tätige Unternehmen Agfa kann und will sich
diesem Preisdruck nicht länger aussetzen. Neben einer Neuorganisation
des Unternehmens (Agfa Transition Program), das den Geschäftsbereichen
eine grössere Unabhängigkeit verschaffen soll, hat Agfa eine deutliche
Preiserhöhung bei seinen Druckplatten angekündigt. Moritz Rogger,
Geschäftsführer Agfa Deutschland und Agfa Schweiz, gab an einem
Pressegespräch den Tarif zumindest für Deutschland bekannt: Filme
werden zwischen 12 und 15 Prozent teurer, analoge Platten um 8 bis 12
Prozent und digitale Platten (darunter versteht man Druckplatten, die
mit CtP-Systemen bebildert werden) um 4 bis 8 Prozent. Auch wenn Moritz
Rogger die Preiserhöhung für die Schweiz relativierte – sie soll
nicht so hoch ausfallen, da hier bereits ein sehr hohes Preisniveau
herrsche –, ist für ihn klar, dass es nicht wie bisher weitergehen
kann. Die Margen der Verbrauchsmaterialien seien bereits sehr dünn und
könnten nicht mehr gesenkt werden – wenn das Unternehmen noch weiter
bestehen solle.
Nur dank einschneidender Massnahmen, vor allem durch Kostensenkung in
der Vertriebsorganisation, konnte Agfa in den letzten Jahren die
höheren Rohstoff- und Energiepreise weitgehend kompensieren und
Preiserhöhungen für seine Kunden vermeiden, rechtfertigt Rogger die
bevorstehenden Massnahmen. Dennoch bewegen sich die Margen heute auf
einem Rekordtief. «Binnen weniger Jahre sind die Preise zum Beispiel
für Aluminium um 20 Prozent und für Energie um 80 Prozent gestiegen»,
erklärt Rogger die derzeitige Lage, die das Unternehmen jetzt zum
Handeln zwinge. Es bleibt hier abzuwarten, wie die Kunden
reagieren, und vor allem, ob beziehungsweise wann die Mitbewerber
nachziehen.

Neue Plattenbelichter
Ungeachtet der Schwierigkeiten bei den Verbrauchsmaterialien gibt Agfa
nicht auf. Im Gegenteil: Der Konzern hat kürzlich auf der Fachmesse
Print 05, die vom 9. bis 15. September in Chicago stattfand, unter
anderem seine neue Generation von Thermoplattenbelichtern vorgestellt.
Die Avalon genannten CtP-Systeme, die als 8-Seiten-Belichter (LF) und
16-Seiten-Belichter (VL) ab Oktober verfügbar sein sollen, basieren
zwar auf dem Vorgängermodell Xcalibur, wurden dennoch umfangreich
modifiziert.
Der Avalon LF wird in fünf Grundkonfigurationen angeboten – vom 10
Platten/Stunde belichtenden LE-Modell bis hin zum 40 Platten/Stunde
schnellen XXT-Modell. Der Avalon VLF wird gar in acht Grössen
angeboten. Damit unterstützt Agfa auch neue grossformatige
Druckmaschinen wie die Bogenmaschine KBA Rapida 205 oder die
Rollenoffsetmaschine MAN Roland Lithoman 72.  
Daneben hat Agfa auch seine Software-Produkte ApogeeX und Delano
aktualisiert. Neu in Agfas Vorstufen-Workflow-Lösung ApogeeX ist der
Remote Proofing Controller, mit dem sich weitgehend farbverbindliche
digitale Proofdaten in Verbindung mit Farbmanagement erzeugen lassen.
Diese Daten können an Drucksacheneinkäufer für die Ausgabe auf
Agfa-Sherpa-Proofsystemen weitergegeben respektive übermittelt werden.
Dadurch entfällt ein erneutes, zeitaufwändiges Umwandeln der Daten. Das
Qualitätsmanagementsystem QmsX von Agfa garantiert, dass alle
Farbproofs von beliebigen Sherpa-Proofsystemen stets einheitliche,
konstante und wiederholbare Farben aufweisen. Daneben ermöglicht
ApogeeX jetzt dank SpectraSpot eine bessere Reproduktion von
Sonderfarben und
Duplexbildern.
Weniger dramatische Neuerungen hat Agfa bei seiner internet-
basierten Projektmanagementlösung Delano vorgestellt. Dank neuer
Funktionen lassen sich Dateien komfortabel online einstellen und Seiten
für die Produktion freigeben. Zudem haben sich die Möglichkeiten für
das Softproofen (weitgehend originalgetreue Darstellung auf dem
Bildschirm) erweitert. Die auf dem JDF-Format – einem neueren
Datenformat und Vernetzungsansatz, das zu einer besseren Integration
von Prozessen führen soll – basierende Lösung Delano bietet Verlagen,
Druckvorstufenbetrieben und Druckereien Möglichkeiten einer engen,
unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit.

Jürgen Franck

Die tägliche Überdosis «Cash»

Wirtschaftspresse Ein Projekt von Ringier rund um den Titel Cash schockiert die Branche und sorgt für Ärger.

Wirtschaftspresse Ein Projekt von Ringier rund um den Titel Cash schockiert die Branche und sorgt für Ärger.«Ein derartiges Sponsoringkonzept ist
indiskutabel. Wenn das wirklich so kommt, bin ich schockiert», sagt
Ralph Büchi, Verleger der HandelsZeitung. Konkret geht es um ein
Ringier-Projekt mit dem Titel «Cash daily», womit der Verlag einen
Medienverbund rund um seinen seit Jahren mit roten Zahlen kämpfenden
Wirtschaftstitel Cash aufbauen will. Dazu soll ein tägliches Schweizer
Programmfenster auf n-t-v mit Wirtschaftsinformationen und Interviews
von Studiogästen sowie ein Abendblatt mit einer Auflage von 30000
Exemplaren mit Geschichten über Wirtschaft und Lifestyle gehören,
aufgelockert mit Glossen und Comics.
Was Büchi besonders ärgert, ist die Offerte, womit Ringier den neuen
Medienverbund potenziellen Werbepartnern und Sponsoren beliebt machen
will: Wer als Hauptsponsor für ein Jahr 1,5 Millionen Franken aufwerfen
will, bekommt Werbefläche in allen Cash-daily-Medien. Die Medienpräsenz
richtet sich dabei nach der Höhe der Investitionen, fernab von
journalistischen Kriterien. Büchi befürchtet, dass damit die ethischen
Grundsätze des Wirtschaftsjournalismus an den Meistbietenden verkauft
werden.
Die Geschichte ist in der aktuellen Bilanz nachzulesen. Chefredaktor
René Lüchinger rechnet, dass das Projekt kurzfristig erfolgreich sein
könnte, doch es werde mittelfristig die Marke Cash zerstören. Im
Artikel der Bilanz stützt man sich sowohl auf eine «streng
vertrauliche» Präsentation als auch auf Aussagen von
Ringier-Konzernleitungsmitglied Thomas Trüb. Gemäss Trübs Vorstellungen
soll ein etwa zehnköpfiges Redaktionsteam den Inhalt für die rund
16-seitige Abendzeitung im Tabloid sowie für das TV-Fenster
produzieren. Die Abendzeitung soll von Montag bis Freitag ab 16 Uhr in
SBB-Erstklasswagen und an Flughäfen durch die Airlines verteilt werden
beziehungsweise bei den Werbepartnern aufliegen. Auch sei eine
abonnierbare elektronische Ausgabe im Internet vorgesehen.
Die Bilanz schreibt, dass Ringier mit dem Vorhaben die Zahl der
wöchentlichen Kontakte in Print und TV zu wirtschaftsinteressierten
Leuten um 150000 auf 850000 steigern wolle. Bis Redaktionsschluss war
Trüb nicht erreichbar. Ringier-Pressesprecher Marco Castellaneta
relativiert die meisten Fakten. Man befinde sich «noch tief in der
Projektphase» mit Cash daily. «Im Moment testen wir die
Markttauglichkeit. Dabei gelten Kriterien wie für alle anderen
Ringier-Titel auch.» Dass journalistische Grundsätze aufgehoben werden
sollen, bezeichnet Castellaneta als «Blödsinn». Grundsätzlich handle es
sich nicht um einen Stützungsversuch von Cash. Man prüfe eben
verschiedene Channels und Plattformen, stehe aber konzeptionell noch
nirgends.
Gemäss Bilanz soll Ringier bereits Ende Oktober das Interesse der
Werbekunden ermittelt haben, bis Jahresende der Entscheid für oder
gegen Cash daily fallen. Zum Zeithorizont des Projektes mochte
Castellaneta keine verbindlichen Angaben machen.
René Worni

«Prompt reagieren»

Krisenbewältigung Der Krisenspezialist Jonathan Bernstein gibt Tipps für die Kommunikation der Tourismusindustrie in der Region New Orleans und spricht über den entstandenen Imageschaden der USA nach Katrina.

Jonathan Bernstein betreibt in Los Angeles
das Bernstein Crisis Management. Er ist seit elf Jahren spezialisiert
auf das Krisenmanagement bei Naturkatastrophen, Terrorattacken und
Firmenkrisen.WW: Wie sollte die Tourismusindustrie in der Region New Orleans mit Kunden und Touristen
kommunizieren, um den entstandenen Imageschaden einzudämmen?
Jonathan Bernstein: Es
gelten hier die gleichen Grundregeln wie bei jeder anderen Krise. Diese
lauten: Prompt reagieren, je langsamer man ist, desto grösser ist der
Schaden. Seien Sie ehrlich, versuchen Sie die Öffentlichkeit nicht zu
manipulieren, sondern versorgen Sie sie mit akkurater und hilfreicher
Information. Vermitteln Sie das Gefühl, dass Sie das Problem unter
Kontrolle haben.

WW: Wie sollte der Ton in Anzeigen und Presseerklärungen ausfallen?
Jonathan Bernstein: Man
muss darin seine Kooperation ausdrücken und die Besorgnis über die Lage
und wie die zu leistende Hilfe aussehen kann. Geben Sie den Leuten die
Möglichkeit, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen, entweder per
Telefon-Hotline oder per Internet. Eine interaktive Komponente ist
unbedingt nötig.

WW:Wie können die USA den nach Katrina entstandenen Imageschaden wieder beheben?
Jonathan Bernstein: Das
US-Image ist international dermassen schlecht, dass dies beinahe nur
noch eine Kleinigkeit ist. Die Katastrophenschutzbehörde FEMA hatte
bisher einen guten Ruf und galt als Vorbild für viele andere
Organisationen. Der ist nun dahin.

WW:Lässt sich dagegen noch etwas tun?
Jonathan Bernstein: Es
war gut, dass der alte FEMA-Chef gegangen ist, der neue kann die Lage
nun etwas verbessern und dafür sorgen, dass dies nicht nochmal
passiert, indem er die Behörde wie ein Unternehmen führt. Die Aktionen
von Präsident Bush können den Schaden jetzt nicht mehr gutmachen, er
hat zu spät reagiert und das hat seine Glaubwürdigkeit beschädigt.

Interview: Gerti Schön

Winning Horse

Umwelt «Never change a winning horse.» Dieses Sprichwort hat Wyler Werbung wörtlich genommen und in diesem Jahr noch einmal das gleiche Plakatsujet für den autofreien Sonntag in Zürich verwendet.

Umwelt Einen Tag lang bleibt die Zürcher City autofrei. Wyler Werbung durchleuchtet die Wirkung davon.«Never change a winning horse.» Dieses
Sprichwort hat Wyler Werbung wörtlich genommen und in diesem Jahr noch
einmal das gleiche Plakatsujet für den autofreien Sonntag in Zürich
verwendet. Das Ferrari-Pferdchen, das für einmal eine Pause macht, ist
im letzten Jahr bei der Dienstabteilung «Zürich multimobil» in
hunderten von Mails gelobt und als Plakat bestellt worden, wie Lorenz
Steinmann von der Stadt Zürich verrät. «So ist uns mit dem erneuten
Verwenden ein dankbarer Wiedererkennungswert garantiert», freut sich
Ruedi Wyler.

Zwölf Zylinder in der Brust
Trotzdem will Wyler Werbung nur die Autos und keinesfalls die Zeit
stehen lassen. Also wurden zusätzlich zum Plakatpferd zwei neue
Anzeigen kreiert. Ein «Röntgenbild» zeigt einen Menschen, der als Herz
und Lunge einen V-12-Motor in seinem Brustkasten hat. Auf einer
Klebeetikette steht dazu die Schlagzeile: «Verlassen Sie sich für
einmal auf Ihre eigenen Kräfte: Am Sonntag, 25.9. ist die Zürcher City
autofrei.» Das Sujet wird auch mit einem «echten» Röntgenbild für einen
Presseaussand verwendet.
Ein zweites Sujet zeigt den WWF-Pandabär, allerdings von hinten.
Schlagzeile: «Aktion gegen Resignation im Umwelt-schutz …» Angesichts
der weltweiten Klimakatastrophen eine Botschaft mit hoffentlich grosser
Wirkung.

Andreas Panzeri

«Comedy im Casino»: Lapsus lösen Thiel ab

Die Unterhaltungssendung «Comedy im Casino» auf SF1 erhält neue Gastgeber.

Die Unterhaltungssendung «Comedy im
Casino» auf SF1 erhält neue Gastgeber. Das Komikerduo Lapsus (Peter
Winkler und Christian Höhener) löst ab 2006 Andreas Thiel ab. Rolf
Tschäppät, Redaktionsleiter «Comedy und Talk», betont, dass die
Comedy-Sendung zwei unterschiedliche Aufgaben habe. Einerseits sei das
Ziel der Sendung, Neuentdeckungen im Comedy-Bereich einem breiteren
Schweizer Publikum zu präsentieren, andererseits sollen etablierte
Komiker und Kabarettisten aus dem In- und Ausland die Zuschauer zum
Lachen bringen. Die Sendung verpflichtet jeweils jährlich ganz
unterschiedliche Schweizer Kleinkünstler als Gastgeber. «Nach FlügZüg,
Ursus & Nadeschkin, Simon Enzler und Andreas Thiel wurden mit Lapsus
würdige Nachfolger verpflichtet», erklärt Tschäppät. Die letzte Sendung
mit Andreas Thiel wird am Sonntag, 6. November 2005, um ca. 22.00 Uhr
auf SF1 ausgestrahlt.
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