Catherine Maret leitet Le Matin Bleu

Die erste Chefredaktorin für die neue Westschweizer Gratiszeitung kommt von Télétop.

Als Chefredaktorin für die neue
Westschweizer Gratiszeitung Le Matin Bleu wurde Catherine Maret
verpflichtet. Sie wird die Leitung während der Phase der Lancierung
innehaben. Anschliessend kehrt die 45-Jährige zu Télétop zurück, einer
Beilage von Le Matin. Maret ist gegenwärtig als stellvertretende
Chefredaktorin von Télétop tätig.

Überflüssiges Imagetool

Gastkommentar Mediaspezialist Christof Kaufmann zur Länder übergreifenden Anzeigenkombi «D-A-CH».

Gastkommentar Mediabudgets werden heute
global vergeben, weiss Christof Kaufmann – und wundert sich dennoch
über das Dreiländerkombi von Tagi & Co.Seit dieser Woche bietet sich also die
Anzeigenkombination «D-A-CH» Länder übergreifenden Werbeetats
internationaler Kunden an. Eine Vierfarben-Seite kostet 92700 Euro und
erscheint in den Tageszeitungen Süddeutsche Zeitung (SZ), Der Standard
und Tages-Anzeiger. Der Inserateverbund ist günstiger als die
Einzelbelegung der Titel. Branchennorm also.
Das gilt auch für die zentrale Buchungsstelle bei einer
SZ-Tochtergesellschaft. Fein. Herzlichen Dank den drei Verlagen. Die
Welt globalisiert sich. In diesem Zuge ist dieses Angebot ja eigentlich
zu befürworten und zu unterstützen. Vereint es doch 2,1 Millionen
Leser, 500000 davon Führungskräfte. Und dies in den Wirtschaftszentren
München, Wien und Zürich.
Doch es wird ganz anders kommen. Internationale Mediamandate werden auf
Grund von Synergien, Benchmarks und Best-Practice-Cases je länger je
mehr bei internationalen Netzwerken platziert. Deren Aufgabe ist es, im
Sinne der zentralen oder auch länderspezifischen Marketingstrategie im
jeweiligen Land die Aufgabe der Mediastrategie und -planung zu
übernehmen. Klar länderspezifische Budgets mit Fokus auf geografisch
zugeordnete Zielgruppen also. Denn «Streuverluste» bedeutet auch,
Schweizer Mediagelder in die Nachbarschaft zu streuen. Freier
Personenverkehr hin oder her.
Mag sein, dass es einige wenige Luxusgüter und Finanzdienstleister
gibt, welche ihre Produkte paneuropäisch anbieten können und wollen.
Doch schon bei Autoherstellern habe ich da grösste Bedenken: Die
Produkte gleichen sich zwar, sind oft gar identisch, doch alle anderen
Instrumente (Preis, Distribution, Positionierung,
Kommunikationsplattform etc.) unterscheiden sich grundsätzlich. Die
Binsenweisheit «all business is local» ist deshalb im lokal-regionalen
Marketingmix von entscheidender Bedeutung. Und zwar obwohl sich die
Streuung der Budgets, Kunden und selbst Psychografien globalisieren, so
irre sich das auch anhören mag.
Die Kombination sei auch aus Imagegründen ins Leben gerufen worden,
heissts von Tagi-Seite. Image mag ja «everything» sein, doch bleibt es
eben «nothing», wenn ein Return on Investment  ausbleibt. Ich kann
mir nicht vorstellen, dass sich viele Fische im grossen Teich der
Mediaagenturen um diesen Köder raufen werden. Deshalb hoffe ich für die
beteiligten Verlagsgruppen, dass sie ihre potenziellen Kunden dafür
selbst ausfindig machen können. Uns hilft dieser Anzeigenverbund
jedenfalls nicht, die täglich steigenden Kundenbedürfnisse abzudecken.
Für uns gilt nach wie vor mit/ohne Tages-Anzeiger und bei meinen
Kollegen mit/ohne Süddeutsche Zeitung respektive mit/ohne Der Standard.
Ein Hoch auf die Individualität im globalen Medienmarkt.

Christof Kaufmann ist CEO der Schweizer Dépendance des globalen Media-Agenturnetzwerks OMD.

Food für Anspruchsvolle

Detailhandel Als Gegenpol zu M-Budget lanciert Migros die Séléction-Linie für gut Verdienende.

Detailhandel Die Migros will ihre Kundschaft inskünftig mit der Premium-Linie Sélection verwöhnen. Schon in wenigen Monaten soll sie über 100 Produkte umfassen. Exxtra hat die Kampagne entwickelt.Das Konsumverhalten der Mittelklasse
ändert sich grundlegend: Immer mehr Discount- und Premium-Produkte
landen in ihrem Warenkorb, während der Mittelmarkt schrumpft. 
Mehrere Faktoren haben diesen Trading-up- und -down-Trend begünstigt:
vom höheren, frei verfügbaren Einkommen über die wirtschaftliche und
soziale Emanzipation der Frau bis hin zum höheren Stress, was die
Akzeptanz des Einkaufsmotivs «Ich kann es mir leisten, und ich verdiene
es» gesteigert hat. Und das besonders in den Kategorien Körperpflege,
Schmuck, Bekleidung und Comestibles.
Nachdem sich Grossverteiler Migros in den vergangenen Jahren im
Discount-Segment stark profiliert hat, will sie jetzt auch auf den
starken Nachfrageschub im oberen Preisband reagieren. Hier, wo die
Bedürfnisse nach Genuss, Sinnlichkeit und identitätsstiftenden,
abgrenzenden Lifestyles gedeckt werden, locken die Margen sowie das
seit Jahren starke Wachstum. Allerdings ist Migros dieses Mal nicht die
Erste beim Umsetzen ihrer Premium-Linie-Strategie: Coop und Manor kamen
ihr mit Fine Food beziehungsweise Gran Delizia zuvor.
Anders als Letztere schickt sich Migros nun an, ihre «Luxus»-Kompetenz
nicht nur auf der Ebene des schlichten Verpackungsdesigns, das von
Külling + Partner stammt, zu vermitteln. Mit drei von 35 hochwertigen
Produkten geht das Sélection-Sortiment nämlich mit einer von Exxtra
entwickelten Werbekampagne an den Start. Diese wird vorerst einen sehr
dosierten Werbedruck aufweisen. Erst 2006, wenn die Linie mit weiteren
Produkten ausgebaut wird, soll das Massnahmenpaket aufgefächert werden,
erklärt Stefan Erhart, Berater bei Exxtra.

Zentral: emotionale Nähe
Bei der Erarbeitung der Werbeidee hat sich das Team um CD Dieter
Hofmann und Texter Beat Fedier weniger auf der technischen oder
funktionalen, sondern fast ausschliesslich auf der emotionalen
Differenzierungsebene konzentriert. Denn die hohen Mehrwertansprüche an
Qualität, Echtheit oder Zubereitungsart setzt die Kundschaft voraus,
weshalb sie auf der Gefühlsebene adressiert wird. Und das tut Exxtra
nach Vorbildern wie Manufactum mit einer Umsetzung im klassischen
Reportagestil, welcher die Authentizität glaubwürdig nachvollziehbar
macht. Das Stilmittel der Reportage wird in ungekünstelten Motiven aus
den Herkunftssorten der Produkte, mit deren echten Herstellern
aufgefangen. Die Sélection-Welt soll Ehrlichkeit und Unverfälschtheit
vermitteln. Sie tut also das, was bei Konkurrentin Coop bis jetzt auf
einem Leporello Platz findet: Sie erzählt Geschichten über die
Spezialitäten.
Auf den Anzeigen liefert wenig Text Fakten zum Produkt und führt den
Betrachter schliesslich zum Packshot von Pata Negra, schottischem
Wildlachs oder einer Käsespezialität, die im RieslingX-Silvaner
gelagert wurde. Der anspruchsvollen Klientel sind diese grösstenteils
bekannt, nicht aber der durchschnittlichen Migros-Kundschaft, die
ebenfalls den Alltag gerne zum Feiertag macht. Unterstützt werden die
Inserate mit Reportagen in der Saisonküche, einem originellen Direct
Mailing, einer Micro-Site und einem Newsletter für die Vertiefung und
einer POS-Präsenz mit Degustationsständen. Eine Spot-Umsetzung steht
noch zur Diskussion.

Luca Aloisi

Die Jugend ist multifunktionaler

Mediennutzung Im Handy konvergieren immer mehr Kommunikationskanäle. Aber viele Funktionen werden nur zögerlich genutzt.

Mediennutzung Im Handy konvergieren immer
mehr Kommunikationskanäle. Aber viele Funktionen werden nur zögerlich
genutzt. Ähnliches gilt für Festplattenrekorder.Früher war die Welt einfach. Wer Radio
hören wollte, kaufte sich ein Radio und schaltete es ein. Wer
telefonieren wollte, kaufte ein Telefon und wählte eine Nummer. Tempi
passati. Heute ist Konvergenz der letzte Schrei. Telefone zum Beispiel
sind nicht nur mobil geworden, sondern auch gleich noch zu Radios,
Fotokameras, Organizern und Spielkonsolen.
Doch das Zusammenwachsen der Technik ist das eine, ihre Nutzung das
andere. Der Frage, ob die Konsumenten solche Multifunktionalität
überhaupt wollen, ging Mediaexperte Ueli Custer am Digi Trend Forum vom
5. Ok-tober nach. Hinweise dazu gibt die KommTech-Studie der
Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) und der Publica
Data. Sie fragte 1050 Deutschschweizer sowohl nach der vorhandenen
Ausstattung ihrer Handys als auch nach der tatsächlichen Nutzung.
Dabei tut sich eine deutliche Schere auf. Zwar können 19 Prozent der
Besitzer eines Mobiltelefons damit Radio empfangen. Doch nur 5 Prozent
schalten auch wirklich wenigstens ab und zu ein. Ähnlich bei den
Organizerfunktionen: Fast die Hälfte verfügt darüber, nicht einmal ein
Fünftel nutzt sie. Zehn Prozent haben Geräte, die auch Musik abspielen
können, doch nur drei Prozent benutzen diese Möglichkeit. Etwas
geringer fällt die Differenz bei der Handykamera aus, die rund ein
Drittel der Befragten besitzt und etwa ein Viertel einsetzt.

Junge benutzen die Handykamera öfter
Besonders beim Knipsen zeigt sich allerdings ein
Generationsunterschied. Von den 15- bis 24-Jährigen haben schon 47
Prozent eine Kamera im Handy – und genauso viele benutzen sie auch.
Auch die andern Nebenfunktionen sind unter Jugendlichen beliebter.
Während ebenfalls etwa der Hälfte ein Organizer zur Verfügung steht,
nutzt ihn schon über ein Viertel. Radio hören können 27 Prozent, acht
Prozent tun es. Nur zehn Prozent spielen Musik auf dem Handy ab, obwohl
22 Prozent dies könnten.
Heisst das also, dass sich die Konvergenz erst mit dem Erwachsenwerden
der jungen Generation allgemein durchsetzen wird? Ueli Custer sieht
eine andere Möglichkeit: Die Jugendlichen als Early Adopters, als
Frühanwender und Trendsetter, denen die älteren Schichten etwas
verspätet folgen. Dafür sprechen weitere Ergebnisse der
KommTech-Studie. So ist die Verbreitung von DVD-Rekordern in der
Gesamtbevölkerung heute so hoch, wie sie letztes Jahr bei den
Jugendlichen war – während diese schon weiter vorausgeeilt sind.
Ähnlich sieht es mit dem Einsatz von MP3-Playern als Aufnahmegerät oder
dem Computer als Abspielgerät für Musik aus.
Klar bleibt für Custer dennoch, dass das Vorhandensein von Geräten und
deren Nutzung zwei völlig verschiedene Paar Stiefel sind. Diese
Erkenntnis lässt sich wohl auch auf den Festplattenrekorder anwenden,
der von Trendforschern wiederholt zur Nemesis der Fernsehwerbung
stilisiert worden ist. Immerhin ermöglicht er, unerwünschte Werbespots
einfach auszublenden.
Aber auch beim Festplattenrekorder handelt es sich um eines der
modernen Multifunktionsgeräte mit allerhand Zusatznutzen. Welche davon
den Konsumenten interessieren, muss sich erst noch zeigen. Immerhin
wird das Gerät gewöhnlich als Rekorder bezeichnet und nicht als
Werbeblocker, was bereits eine Gewichtung erahnen lässt. Und
tatsächlich ermittelte die deutsche Studie «TimeBudget 11» im Auftrag
von SevenOne Media, dass zum Kauf eines Festplattenrekorders das
Überspringen von Werbung ganz zuletzt motiviert hat. Nur vier Prozent
der Befragten nannten dies als Grund. Auch das zeitverschobene
Fernsehen erwies sich mit sieben Prozent als nicht besonders attraktiv.
Am wichtigsten war den Käufern, dass sie keine Wechselmedien wie
Kassetten oder DVD mehr benötigen (20%), gefolgt von der besseren
Qualität in Bild und Ton (18%) und dem Wunsch, auf dem neusten Stand
der Technik zu sein (16%). Das Aufnehmen, Speichern oder Digitalisieren
von Sendungen nannten 13 Prozent.
Allerdings stossen auch Festplattenrekorder in der Schweiz derzeit vor
allem bei Jugendlichen auf vermehrten Anklang. Letztes Jahr nutzten
unter den Jungen wie unter der Gesamtbevölkerung nur 0,8 Prozent ein
solches Gerät für Aufzeichnungen. 2005 stieg der Anteil insgesamt auf
3,3 Prozent – unter den 15- bis 24-Jährigen aber auf mehr als doppelt
so viel. Ob die Jugendlichen auch hier als Vorreiter neuer
Nutzungsmuster wirken werden, bleibt abzuwarten.

Stefano Monachesi

Neues Image für SF DRS

Eigenwerbung Mit viel TV-Prominenz präsentiert sich SF DRS in seinem neuen Imagefilm.

Eigenwerbung Mit viel TV-Prominenz
präsentiert sich SF DRS in seinem neuen Imagefilm und ruft so wieder
einmal sein vielfältiges Programmangebot in Erinnerung. Der
vierminütige, mo-dular aufgebaute Werbefilm von Reiner Roduners
Absolutturnus bietet Einblicke in die Bereiche Kultur, Unterhaltung,
Sport und Information. Dazu  holte er Aushängeschilder wie Katja
Stauber, Kurt Aeschbacher oder Regula Späni vor die Kameralinse und
produzierte zudem fünf kurze Trailers. Der Imagefilm kommt an Festivals
und Betriebsführungen zum Einsatz.

Blocher als Cervelat-PromiFleischwaren

Fleischwaren Le Matin kam der Humor mit der Bell-Anzeige von Metzgerlehner in den falschen Hals.

Den Welschen ist Werbung aus der deutschen Schweiz nicht wurst.
Le Matin kam der Humor mit der
Bell-Anzeige von Metzgerlehner in den falschen Hals. Hier werde Humor
mit Politik verwurstelt, findet die Tageszeitung der Edipresse. Es geht
um die sieben Bundesräte, die von Metzgerlehner auf einem Gruppenbild
mit Dame als sieben Würste abgebildet worden sind. «Nein, für mich sind
Politiker nicht Würste. Wir wollten mit diesem Sujet nicht aggressiv
provozieren, sondern nur etwas Humor in die Werbung bringen», meint
Marco Lehner, Stratege bei der Zürcher Agentur.
Er ist überrascht, dass Le Matin am Dienstag auf das leckere Inserat
gleich so prominent reagiert habe. Zwar freut er sich, dass das
Blatt  sich ernsthaft mit der scheinbaren Beleidigung unserer
Regierung befasst und recherchiert habe, dass die «Charcuterie
fédérale» die Magistraten nicht nach Grösse in verschiedene Wursthäute
gesteckt habe, sondern nach Herkunft: Blocher aus der Ostschweiz ist im
Ostschweizer Cervelat verwurstelt und Calmy-Rey im trockenen
Waadtländer Saucisson. Im Bundeshaus hat Bundesratssprecher und
Vegetarier Oswald Sigg nichts Aufstossendes an diesen Würsten
feststellen wollen. Bei der Grossmetzgerei Bell in Basel meint
Marketingleiter Davide Elida zu diesem Einstieg in die Politik: «Damit
zeigen wir auf humorvolle Art, dass das Bell- Sortiment ebenso
vielseitig und vielfältig ist wie unser Bundesrat.» Marco Lehner bei
Metzgerlehner bleibt das Erstaunen, dass ein biss-chen Wursteln mit
Bundesräten viel mehr Medienecho bringt als seine ernsthafte Kampagne
für Pro Infirmis.  Aber Metzgerlehner haut nichts mehr um:
Kürzlich sei doch tatsächlich jemand in die Agentur gekommen und wollte
eine Wurst kaufen – weil am Gebäude «metzgerlehner» als Logo prangt.

Andreas Panzeri

Der Berliner Säulenheilige

Books&more Sein Name ist heute Allgemeingut. Doch kaum jemand kennt den Ernst Litfass, der vor 150 Jahren die Plakatwerbung neu erfand.

Biografie Sein Name ist heute Allgemeingut.
Doch kaum jemand kennt den Ernst Litfass, der vor 150 Jahren die
Plakatwerbung neu erfand.Am Anfang war die Notdurft. Oder genauer,
die Schwierigkeiten mit der Entfernung von deren Resultaten. Mitte des
19. Jahrhunderts leiteten die Berliner ihr Ab(ort)wasser noch in die
Spree. Die Stadtoberen hatten zwar etwas dagegen, aber kein Geld für
eine Alternative. Wer kein Geld hat, braucht Ideen. Eine solche hatte
man auch: Ernst Litfass, der Brunnen mit Reklame bekleben wollte,
sollte für die Erlaubnis dazu 100 «Urinoirs» aufstellen. Die Verwaltung
hatte die Rechnung allerdings ohne den Drucker gemacht: Litfass stimmte
zu, doch im Vertrag, den der Polizeipräsident für die Stadt
unterzeichnete, stand zuletzt kein Wort mehr von Urinoirs.
Pakt mit der Polizei
Denn Litfass und sein Kumpan, der Polizeipräsident, hatten andere
Pläne. Sie störten sich an den wild plakatierten Anschlägen mit meist
aufwieglerischen Inhalten, die Berlin nach den Unruhen von 1848
jahrelang verschandelten. Und das, obwohl sich Litfass anfangs auch für
bürgerlich-republikanische Freiheiten stark gemacht hatte. Nicht auf
den Barrikaden, dafür am Setzkasten: Er druckte Flugblätter und gab das
satirische Revolutionsblatt «Berliner Krakehler» heraus. Weil er seine
demokratischen Hoffnungen bald begrub und zudem einen gesunden
Geschäftssinn hatte, bereitete ihm der Seitenwechsel keine Probleme.
Anders als seinem Kompagnon ging es Litfass nicht um Ruhe und Ordnung,
sondern um Geld und Einfluss. Mit dem genannten Vertrag hatte er sich
ein Monopol gesichert: Nur er durfte in Berlin so genannte
Annoncier-Säulen aufstellen, wie man sie in Paris und London schon
länger kannte. Am 1. Juli 1855 wurde die erste «Litfasssäule»
eingeweiht, mit einer eigens dafür komponierten Polka. 150 Jahre später
stehen allein in der neuen Bundeshauptstadt 4000 davon.
Zu Lebzeiten blieb Litfass jene Anerkennung verwehrt, die er so sehr
suchte. Obwohl er Bälle, Bankette und patriotische Jubelfeiern
inszenierte, obwohl er erfolgreicher und kreativer war: Er schaffte es
nie in die besseren Kreise Berlins. Litfass stand immer im Schatten der
Siemens, Halskes, Borsigs und Rathenaus. Vielleicht, weil er sich nie
einer Überzeugung hingab, weil er nur machte, was machbar war.
Vielleicht aber auch, weil er seine Nase zu oft nach dem Wind richtete,
ein gewiefter Marktschreier für sich selbst war.

Doppelleben eines Bohemian
Dass Ernst Litfass seiner Zeit voraus war, lässt sich auch daran
erkennen, dass er Reklame für seine Reklame machte. Das Plakat selbst
war für ihn bereits die Botschaft. Seine Litfasssäulen waren pure
Augenlust, huldigten wie «Totempfähle der Ware» – so Wilfried F.
Schoeller in seiner lesenswerten Biografie – und veränderten das
Stadtbild nicht nur in Berlin. Litfass war ein Grenzgänger zwischen
Kunst und Kommerz: Mit 34 Jahren gründete er das Theater Lätitia, und
unter dem Pseudonym Flodoardo trat der erfolgreiche Geschäftsmann als
Laiendarsteller und Freizeitpoet auf. Buchhändler, Drucker,
Schauspieler, Werbekolporteur, Erfinder, Poet, Impresario – Ernst
Litfass spielte viele Rollen gut. Am besten war er jedoch als
Selbstdarsteller. Nichts, was er tat, tat er ohne den Hintergedanken,
ob es ihm die Tür zu den höheren Kreisen aufstossen würde. Doch die
Standesbarrieren waren zu hoch. Erst nach seinem Tod verehrten ihn die
Berliner, wie er sich das immer ersehnt hatte. Heute liegt er in einem
Ehrengrab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin Mitte.
Roger Hausmann

Ernst Litfass, der Reklamekönig;
von Wilfried F. Schoeller. Schöffling & Co, Frankfurt a.M. 2005. 224 Seiten,
36 Franken.

Talent Screen: Alle Erwartungen wurden übertroffen

Über 100 Teams gingen am Dienstag beim 48-Stunden-Movie-Marathon an den Start.

«Wir suchen Marcs, die Forsters werden
möchten.» Mit diesen Worten hat die Zürcher Werbeagentur Wirz für den
Filmwettbewerb Talent Screen geworben, der vom Kollektiv für
audiovisuelle Werke ins Leben gerufen wurde. Mit Erfolg: Über 100
gingen am Dienstag beim 48-Stunden-Movie-Marathon an den Start.Teilnehmer aus der ganzen Schweiz sind mit
dabei, wobei sich in erster Linie ein urbanes Publikum angemeldet hat.
Aus der Deutschschweiz sind vor allem Teams aus Zürich, Bern, Basel,
Chur und Winterthur am Start, aus der Romandie sind es vorwiegend
Teilnehmer aus Genf, Lausanne und La Chaux-de-Fonds. Ausserdem haben
sich auch Teams aus Österreich und Deutschland eingeschrieben.

Jedes Team hat am Dienstagmittag von der künstlerischen Leiterin Anna
Luif einen Umschlag mit dem vorgegebenen Thema erhalten. Nun gilt es,
einen Film unter fünf Minuten zu drehen, in Bezug auf das Genre ist man
offen. Abgabetermin ist der Donnerstag, 6. Oktober, um 12.00 Uhr. Die
besten Filme werden am Freitag, 7. Oktober ab 19:00 Uhr im Zürcher Club
Mascotte dem Publikum vorgeführt.

Neben dem Movie-Marathon findet auch ein Pitch Battle statt. 20
Anmeldungen sind eingetroffen. Acht Teilnehmer sollen nun am Freitag
mit ihrer Filmidee für einen Spielfilm ab 60 Minuten vor Publikum
gegeneinander antreten.

Talent Screen möchte die Filmtalente der
Zukunft fördern. «Wir haben offenbar ein vorhandenes Bedürfniss
getroffen und betrachten den Talent Screen als Riesenerfolg. Alle
Erwartungen wurden übertroffen», erklärt Stefan Zuber vom Kollektiv für
audiovisuelle Werke gegenüber der Werbewoche. «Dies ist in erster Linie
auf die tolle Werbekampagne von Wirz zurückzuführen und der
Unterstützung unserer filmaffinen Sponsoren zu verdanken», führt Zuber
weiter aus.

Rona Grünenfelder

Starwood Europe wählt Agence Virtuelle

Die Genfer Suchmaschinen-Marketing-Agentur konnte sich im Pitch gegen europäische Konkurrenten durchsetzen.

Die Genfer Suchmaschinen-Marketing-Agentur
Agence Virtuelle konnte sich im Pitch gegen andere europäische
Agenturen durchsetzen und wird ab Oktober 2005 das
Suchmaschinen-Marketing für Starwood Europe betreuen. Ziel ist es, die
Reservationen der rund 200 Hotels der Starwood Gruppe (Sheraton, Four Point etc.) zu
maximieren. Dazu ist eine viersprachige Keywordkampagne auf Sites wie MSN, Yahoo und Google geplant.

Neue Verlagsagentur für Luxus- und Premiumbereich

Martina Anderberg-Allenspach betreut mit Mediensatellit Zeitschriften wie Adress und Galore.

Martina Anderberg-Allenspach gründet unter dem Namen
Mediensatellit eine Verlagsagentur, die Schweizer Firmen eine Plattform
für Werbung in ausgewählten Special-Interest-Zeitschriften bieten soll.
Die Magazine im Mediensatellit-Portfolio sind primär auf eine spezifische Zielgruppe
ausgerichtet und nicht auf Sprach- oder Landesgrenzen fixiert.
Ausserdem sind die Zeitschriften dem Luxus- und Premium-Bereich
zuzuordnen, heisst es in einer Mitteilung. So
gehören beispielsweise das neue Schweizer Lifestyle-Magazin Adress
sowie das Magazin für Wissen und Gesellschaft GDI-Impuls zum Sortiment, das internationale Magazin für Design
Plaza und das Interview-Magazin Galore. Martina Anderberg-Allenspach war von
1999 bis Ende November 2004 Geschäftsführerin des Bolero
Zeitschriftenverlages.

Knobelspiespartner neu in Zürich

Ekkehard Knobelspies, zuvor als Director Central Europe bei Park Avenue in London tätig, gründet eine Markenagentur mit Büros in Zürich und London.

Ekkehard Knobelspies, zuvor als Director
Central Europe bei der britischen Markenagentur Park Avenue tätig, gründet
Knobelspiespartner mit Büros in Zürich und London. Das Unternehmen soll
«ganzheitliche Marken- und Erlebniswelten kreieren für führende
europäische Unternehmen, die den Anspruch haben, mit ihren
Kommunikationsmassnahmen einen Unterschied zu machen». Hinter
Knopelspiespartner stehe ein Netzwerk von 140 fest angestellten
Mitarbeitern mit langjähriger nationaler und internationaler Erfahrung,
heisst es in einer Pressemitteilung von Knobelspies. «Wir greifen dabei
auf ein Netzwerk von drei bereits bestehenden Firmen zurück», erklärt
Ekkehard Knobelspies gegenüber der Werbewoche. Detaillierte
Informationen über die Zusammensetzung will er jedoch erst
Anfang 2006 bekannt geben, wenn eine eigene Holding-Struktur geschaffen
wird. 100 bis 110 Mitarbeiter werden im neuen Büro in Zürich arbeiten.
Knobelspiespartner hat sich für Zürich entschieden, da die Schweiz und
insbesondere Zürich ausgezeichnete Rahmenbedingungen für international
agierende Agenturen bieten soll.

20 Minuten und Ticketino gehen Vertriebspartnerschaft ein

Über den Internet-Kanal von 20 Minuten können per sofort Ticketino-Tickets gekauft werden.

Die Gratiszeitung 20 Minuten und der
Electronic-Ticketing-Anbieter Ticketino haben eine
Vertriebspartnerschaft vereinbart. Über den Internet-Kanal von 20
Minuten können per sofort Ticketino-Tickets gekauft werden. Die
Partnerschaft steigere den Nutzen für Veranstalter, heisst es in einer
Mitteilung: Wird eine Veranstaltung über 20 Minuten vertrieben,
soll sie im Internet speziell ausgezeichnet werden. Kosten von wenigen
Prozenten entstehen dem Veranstalter nur, wenn über diesen Kanal auch
Verkäufe getätigt werden. «Dank dieser Kooperation sind
Ticketino-Kunden
noch näher bei ihrer Zielgruppe und unsere Leser und User näher bei den
Tickets. Zudem ergeben sich spannende Promotionsmöglichkeiten gepaart
mit unserer Mobile-Plattform in Print und Online», erklärt Stephan
Obwegeser, Leiter Marketing & New Business bei 20 Minuten Schweiz.
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