Tibite dich gesund
Gastronomie Für die Vegi-Kette Tibits lässt es Wirz nicht bei Häppchenkost bewenden.
Spot für Vegi-Food bei Tibits bleibt einer gepflegten Dame ein
unschönes Stück Grünzeug zwischen den Zähnen stecken. Kein Problem für
Knigge: Ihr charmanter Nachbar putzt das Häppchen weg – und steckt es
in seinen eigenen Mund. Die Idee bewegt sich in der bewährten Tradition
der Tibits-Werbung, die bisher schon mit einem Spot über Rosen
verzehrende Gourmets, Fleisch fressende Pflanzen oder in Anzeigen mit
Rüebli als Hotdog, Fenchel als Poulet oder einer Banane mit
Handtäschchen-Griff aufgefallen ist.
Die Vegi-Kette Tibits kann sich freche Werbung erlauben. Nicht
unanständig, aber ein bisschen kecker als andere gehört bei diesen
Trendlokalen sogar zu einem gepflegten Tisch. «Viele Leute denken bei
vegetarisch Essen immer noch an Körnchen picken und Genuss verachten»,
meint Reto Frei, Mitbegründer und COO der Tibits-Restaurants. Der
geistige Chefkoch des Gourmet-Vegi hat sich deshalb bei Wirz Werbung
erneut ein Menü mit mehreren Gängen als Kampagne bestellt. «Solche
Auftraggeber werden leider immer seltener. Viele wollen heute nur noch
mit spontanen Einzelsujets werben», freut sich CD Hanspeter Schweizer
bei Wirz Werbung.
Die Kreativ-Küche an der Uetlibergstrasse darf bereits die fünfte
Kampagne für Tibits in den Ofen schieben. 2001 hat es mit dem ersten
Restaurant im Zürcher Seefeld begonnen. Seither sind Winterthur und
Bern dazugekommen. Demnächst sind weitere Tibits «an interessanten Standorten geplant», wie die Geschäftsleitung verrät.
Tibits leistet sich eine «richtige Kampagne», obwohl das florierende
Unternehmen zurzeit Werbung gar nicht nötig hätte. Aber: «Auch wenn es
gut läuft, soll man proaktiv an seinem Image arbeiten», meint Frei. Er
versucht deshalb mit der Werbung das zu spiegeln, was die
Tibits-Restaurants auch im vegetarischen Bereich bieten wollen:
unkomplizierte Ideen und Essen, mit einem Lächeln und Genuss im
Vordergrund.
Als Hauptspeise oder «grosse Kampagne» kommen drei sportlich-fruchtige
Plakate auf den Tisch: «Essen Sie sich fit». Früchte und Gemüse sind
dabei wie schön angerichtete Tibits-Spezialitäten als «Sportgeräte»
verziert oder umfunktioniert worden. Als Beilage gibt es für die
Zürcher eine Karottenkomposition, speziell fürs Opernhaus zubereitet.
Dessen Corps de Ballet wird nämlich von Tibits unterstützt, indem die
Ballerinen im Restaurant gleich um die Ecke vergünstigt auf ihre
schlanken, aber trotzdem starken Beine achten können. Die Rüebli in der
Anzeige sind marktfrisch und echt. Auf eine Verschönerung mittels
Computer hat die Wirz-Grafik mit AD Barbara Hartmann bei soviel
gesunder Ästhetik getrost verzichten können.
Lokal inspiriert hat Tibits auch in Bern zur allgemeinen Kampagne für
das Catering mit einem Sandwich geworben. Dieses wurde aus Anlass des
von Tibits gesponserten Einstein-Jahres kreiert. Markus Weber hat die
rote Tomate in Form der berühmten Zunge fotografiert. Zurzeit touren
auch Trams durch Bern, die mit einer Broccoli-Allee den Leuten den Mund
wässrig machen sollen.
Der Spot aus dem Catering-Service von Rosas’n’Co mit Beni Kempf am
Regielöffel fokussiert auf den Angeboten des Restaurants und wird
deshalb von Wirz am POS mit einem Zahnstocher als Reminder ergänzt.
Dieser wird in den Tibits abgegeben mit einem Textaufdruck von John
Leuppi: «Gut bis zum letzten Bisschen.»
Andreas Panzeri
