Pascal P Baumann und Sacha Baer wollen mit ihrer p formance eine Nische zwischen klassischer Werbung und Design ausfüllen.Der beratende Kreative und der kreative
Berater: So sieht das Duo Pascal Baumann und Sacha Baer die Stärke
ihrer neuen Agentur p formance an der Gasometerstrasse in Zürich. Woher
der Name kommt? Pascal hat es gefallen, wie ihn eine Amerikanerin
früher liebevoll P (sprich: «Pi») nannte. Seither ist der Buchstabe zum
Label geworden und auch Sacha hat inzwischen unabhängig dieses
«Branding» vorgeschlagen.
Beide Partner von p formance haben in der Werbung eine spannende
Vergangenheit vorzuweisen. Sacha Baer setzte sich nach zwei Jahren
Studium der Wirtschaft in die Kommunikation ab. Er stellte vier Monate
lang in Knochenarbeit ein Dossier zusammen, um dann bei Benetton in
Treviso einen heiss begehrten Job im Sponsoring Team für die Formel 1
und Moto GP zu ergattern. Es folgten drei Jahre als Junior Berater bei
McCann Erickson, zwei Jahre als Berater bei Advico Young & Rubicam
und noch einmal fast so lange bei Jung von Matt/Limmat.
Pascal Baumann hat an der Schule für Gestaltung in Bern Grafik
studiert, dann in einer kleinen Agentur Verpackungen designt und
zuletzt bei AY&R seine Entwicklung bis zum AD erlebt. Stolz ist er
auf die Gestaltung des ADC-Jahrbuches 2004 rund um die «Sklaven der
Idee». Dieses Latex-Buch hat in New York zweimal Bronze gewonnen. P hat
schon immer nebenbei als Designer gearbeitet. Aufsehen hat sein
weiblicher Turnschuh für Puma erregt, den er mit einem spitzen Absatz
sexy gemacht hat. Seiher hat die Branche ein Auge auf seine Kreationen
geworfen.
Kennen gelernt haben sich Pascal und Sacha bei Advico im Jahre 2002. P
pendelte in dieser Zeit noch aus Bern. Sacha hat ihm in Zürich eine
Bleibe in seiner WG angeboten. Dort haben sich beide «auf Anhieb
perfekt verstanden». Die Kreativ-Freaks haben nächtelang Videos aus
ihrer edel-trashigen Filmsammlung reingezogen, Trends diskutiert, Ideen
ausgebrütet und gemeinsame Nebenjobs ins Reine gebracht.
Am Tag bei Advico, nachts in der WG, also 24 Stunden zusammen: «Das hat
so gut geklappt, dass viele Kollegen uns für ein Pärchen hielten»,
witzelt Pascal, der seit vier Wochen einen kleinen Sohn hat. Dieser
«neue Mittelpunkt» seines Lebens wohnt allerdings ausser Haus, «in
bestem Einvernehmen mit der Mutter».
Sacha wechselte zu Jung von Matt/Limmat und sammelte weitere Erfahrung
als Berater, während P bei AY&R geblieben ist. Erst jetzt
konkretisierten sich die Pläne, aus dem Nebenjob einen Fulltime-Job zu
machen. Beiden Agenturen zollen die beiden höchstes Lob, wie man sie
für den Schritt in die Selbständigkeit unterstützt hat: «Man hat sehr
kooperativ reagiert. Advico und Jung von Matt gaben uns bereits
Aufträge, was uns natürlich riesig freute und uns auf unserem Weg
bestärkte.»
Sacha und P sehen es als ihre Chance, dass sie in solchen Agenturen
«von den besten Werbern lernen durften». Bei einem solchen Background
musste eines Tages die Überzeugung kommen: «Jetzt ist es Zeit, den
Sprung zu wagen.»
Bei vielen Kunden wird immer mehr Budget gekürzt, also beschäftigen
diese neben ihrer Hauptagentur auch noch ein paar freie Kreative «für
die kleinen Ideen zwischendurch». Hier sieht p formance eine Chance,
auch wenn die Neugründer nicht verhehlen, dass ihr langfristiges Ziel
«eine Agentur mit 10 bis 15 Leuten» ist. Ihre Taktik dazu: Die grossen
Kunden mit kleinen Ideen so «gluschtig» machen, dass es einmal zu einem
«richtigen Budget» führen könnte.
Interessant an der Selbständigkeit in ihrem Stil sei die Flexibilität.
Beide haben sich bei Grossagenturen damit aufgerieben, wie kreative
Prozesse von endlos langen Diskussionen behindert worden sind. «Es
brauchte eine Unzahl von Kontrollen, bis eine Idee wirklich einmal
durchgegangen ist, da hat man schon viel Gutes rausgefiltert,», klagt
Pascal. «Eine Verschlechterung der Werbung», pflichtet auch Sacha bei.
In ihrer eigenen Agentur sei das Tempo «extrem vorteilhaft: Wir
kreieren etwas – und raus geht es.»
Das Duo von p formance sowie je nach Bedarf weitere freie Spezialisten
arbeitet sowohl als Ergänzung für andere Agenturen wie auch für direkte
Kunden. Mit Pascals Talent als Illustrator soll ein besonderer Ansatz
vom Design her kommen. Aus dieser Nische heraus will man aber auch ganz
klassische Werbung und Kommunikation anbieten.
Zu den ersten Kunden gehören neben tilllate bereits InvestInvent,
Graber Sportgarage, das Wirtschaftsmagazin Cash, mobilezone oder das
russisch inspirierte Modelabel Kalte Zeiten. Ein Auge auf die Kultur
geworfen hat p formance mit Ascot Elite und Vega Film. Hier durfte man
für Viktor Giacobbos neue Komödie «Undercover» alle Grafiken sowohl für
die Werbung wie auch auf dem Dreh gestalten. Als Set-Design lieferte
man Logos für eine Kaffeefabrik, einen Shushi-Express oder einen
Fernsehsender, gestaltete Wahlplakate, passte das Logo für einen
Polizeiposten an oder «verunstaltete» eine Wand mit jugendlichen
Sprayereien, «weil die Kids zuwenig frech waren».
In eine ähnliche Richtung zielen die Kontakte zu zwei skandinavischen
Bands. Sacha hat einfach die Leadsänger angeschrieben und Arbeitsproben
geschickt. Jetzt sind die Zürcher bereits für das Design des
Merchandising für eine kommende Welttournée zuständig und «dürfen
jederzeit neue Ideen einreichen». Das seien zwar «Spinner-Projekte»,
die vorderhand wenig einbringen. Trotzdem haben sie Potenzial. Genau so
wir die pdf-Zeitschrift «Artstübli», die von p formance patroniert wird
und bereits über 2000 Downloads verzeichnen kann mit ihren Filmen,
Infos und Beiträgen aus dem Bereich des neuen Design.
Andreas Panzeri