Gillette zieht Mediabudget von Mindshare ab

Weil der Körperpflegekonzern von Procter & Gamble übernommen worden ist, muss das Medianetzwerk dessen Mandat Ende Jahr abgeben.

Weil der Körperpflegekonzern Gillette von
Procter & Gamble (P&G) übernommen worden ist, muss das
Medianetzwerk dessen Mandat Ende Jahr abgeben. Mindshare betreute
bisher weltweit den Mediaeinkauf für Gillette, ist aber seit rund einem
Jahr auch für P&G-Erzrivale Unilever tätig. Man sei davon nicht
überrascht, sagte ein Mindshare-Sprecher gegenüber MarketWatch: «Wir
hatten eigentlich schon Mitte Jahr mit dem Verlust des Etats
gerechnet.» Das Mandat von Unilever sei viel grösser als jenes von
Gillette. Neue Etathalter der neuen P&G-Tochter sind offenbar die
Publicis-Agenturen Zenith Optimedia und Starcom Mediavest. Dies sagte
eine anonyme Quelle aus dem Umfeld von Publicis der Nachrichtenagentur
Reuters. Dabei werde der Hauptteil an Starcom gehen, die laut
Advertising Age bereits den US-Etat von P&G sowie rund 70 % seiner
internationalen Mediaausgaben betreut. Der Gesamtetat von Gillette
wird auf 800 Millionen Dollar geschätzt.

Le Matin Bleu sorgt für rote Köpfe bei anderen Blättern

Die Westschweizer Gratiszeitung Le Matin Bleu könnte Schätzungen zufolge nach fünf Jahren einen Gewinn von gegen 10 Millionen Franken erzielen.

Die welsche Gratiszeitung Le Matin Bleu
könnte nach fünf Jahren bereits einen Gewinn von gegen 10 Millionen
Franken erzielen, schätzt das Wirtschaftsmagazin Bilan in seiner neuen
Ausgabe. Die Kosten für die Lancierung dürften sich demgegenüber schon
jetzt auf etwa 3 Millionen Franken belaufen. Mit 15 Millionen Franken
beziffert Bilan das jährliche Budget des Blattes. Ziel sei es, dass
der Umsatz aus Inseraten im ersten Jahr bei 15 Millionen Franken und im
fünften Jahr bei 25 Millionen Franken zu stehen komme.
Das Gratisblatt,
das am 31. Oktober 2005 zum ersten Mal erscheint, wird nach
Einschätzung von Bilan einige Turbulenzen in der Medienszene der
Romandie hervorrufen. Titel anderer Verlage, aber auch eigene Blätter
von Edipresse, bangen um ihre Anzeigenkunden. Gefährdet sind Le Matin,
Tribune de Genève und 24 heures – sie alle werden von Edipresse
herausgegeben. Schneidet sich das Medienunternehmen mit der Lancierung
eines Gratisblattes also ins eigene Fleisch? Nicht zwingend, findet
Sacha Wigdorovits gegenüber Bilan. Der Zürcher hatte 20 Minuten bei
dessen Start vor sechs Jahren beraten und weist darauf hin, dass
Edipresse mit einer eigenen Gratiszeitung Konkurrenten fernhalten
könne. Tamedia werde mit 20 Minuten nicht in der Westschweiz aktiv
werden, glaubt Wigdorovits. Edipresse könne als führender Verlag am Ort
den Versuch im Alleingang wagen, Tamedia hingegen nicht. Was anderen
Edipresse-Publikationen durch Le Matin Bleu an Inseratevolumen verloren
geht, könne wenigstens innerhalb der Gruppe wieder hereingeholt werden.
Während die Macher der meisten welschen Zeitungen erst einmal
abwarten
wollen, wie sich die Lage durch den Einstieg eines neuen Titels
verändert, rüstet die Fribourger Tageszeitung La Liberté schon zum
Gegenschlag. Falls Le Matin Bleu auch in Fribourg verteilt werde, wolle
man eine eigene Gratiszeitung lancieren, bestätigt Albert Noth,
VR-Mitglied von Saint-Paul, dem Verlag von La Liberté. Durch den
Einstieg von Le Matin Bleu werde es für andere Blätter schwieriger,
Werbungen aus nationalen Kampagnen zu akquirieren, sagte er gegenüber
Bilan. Dieser Einfluss bestehe auch, wenn das neuste Edipresse-Kind
gar nicht direkt ins Gebiet von La Liberté vorstossen würde.

René Stupf leitet Marketing der Neuen Aargauer Bank

René Stupf ist seit Anfang Oktober als Marketingleiter der Neuen Aargauer Bank tätig.

René Stupf ist seit Anfang Oktober als
Marketingleiter der Neuen Aargauer Bank tätig. Der 42-Jährige arbeitete
davor während 16 Jahren bei der Schweizerischen Kreditanstalt und der
Credit Suisse in verschiedenen Funktionen wie Abteilungsleiter
Marketing Services, Sektorchef Marketing Retail Banking und Head of
Marketing Cooperations & Projects.

Hintersinn mit Sinn

Books&more Wir lachen gerne. Darauf setzen Werber: Humor und Hintersinn wirken stärker als Fakten, Fakten, Fakten.

Wir lachen gerne. Darauf setzen Werber:
Humor und Hintersinn wirken stärker als Fakten, Fakten, Fakten. Doch
ganz so einfach ist es nicht, eindeutig mehrdeutig und mehrdeutig
eindeutig zu texten. Andreas Rother, Kommunikationsforscher und Autor
für Comedies wie «Was guckst du?» und «Ohne Worte», weiss, wovon er
schreibt: Die Grenze zwischen platt und Blattschuss ist fliessend. In
«Das kauft Ihnen jeder ab!» zeigt er alle Macharten der Vieldeutigkeit
auf, erklärt ihre Stärken und  Schwächen.
> Das kauft Ihnen jeder ab von Andreas Rother. Redline Wirtschaft, Frankfurt a.M. 2005. 200 Seiten, Fr. 31.70.

M geschmort und à la minute

Kochmagazine Mit einem Relaunch verabschiedet sich Helvetiens grösste Koch-Illustrierte, die Saisonküche, vom reinen Rezeptheft.

Kochmagazine Mit einem Relaunch verabschiedet sich Helvetiens grösste Koch-Illustrierte, die Saisonküche vom reinen Rezeptheft. Seit zwei, drei Jahren ist Kochen eine
Disziplin, mit der sich im Bekannten- und Freundeskreis wieder Staat
machen lässt. Wer etwas auf sich hält, verabredet sich nicht im
Restaurant, sondern lädt zu selbst inszenierten Tafelfreuden zu sich
nach Hause. Wer kocht, tut dies nicht aus innerem Aggressionsstau,
sondern zelebriert im erwählten Kreis ein Lebensgefühl, wofür
Hardcore-Koch Jamie Oliver und unzählige Nachahmer am Bildschirm die
Messlatte gesetzt haben: Kochen ist hip. «Es gehört zum guten Ton, dass
auch Männer kochen», sagt Saisonküche-Chefredaktorin Christine
Kunovits. So genanntes  Cocooning, der Trend, die eigenen Wände
vermehrt als Lebens-, Arbeits und Einkaufswelt zu nutzen, beeinflusst
dabei den Markt.
Diesen Trend möchte auch das seit mittlerweile 13 Jahren in drei
Sprachen erscheinende Magazin Saisonküche etwas stärker spiegeln und
kommt aktuell im Oktober mit seinem neu gelifteten Blatt auf den Markt:
Mehr Text, grosszügige Bildsprache, mehr Luft und Weiss-räume. «Mehr
Menschen, mehr Unterhaltung, mehr Genuss», sagt Christine Kunovits. Mit
dem Relaunch wolle man als Marktführerin die Konkurrenten Le Menu
beziehungsweise Kochen noch stärker in die Defensive drängen.

Auflage temporär erhöht
Das Blatt verfügt aktuell über eine Auflage von 198000 Exemplaren mit
einer Reichweite von 677000 Leserinnen und Lesern und ist drei- bis
viermal grösser als die Konkurrenz. Und man will weiter zulegen: «Im
Oktober und November erhöhen wir unsere Auflage um jeweils zusätzliche
150000 Exemplare», sagt Verlagsleiter Andi Huggel. Das Blatt wird neu
auch in der Romandie und im Tessin am Kiosk erhältlich sein.
Die Richtung ist klar: Saisonküche möchte weg vom einseitigen Image des
Rezeptheftes und stattdessen hin zu einem «Foodheft», wie sich
Verlagsleiter Huggel ausdrückt. In einem Foodheft geht es denn
folgerichtig nicht nur um Rezepte, sondern darüber hinaus um
Geschichten rund ums Kochen. Mehr Menschen rückt die Redaktion ins
Blatt, indem sie in den privaten Küchen von bekannten foodaffinen
Persönlichkeiten stöbert und daselbst die Kühlschranktüren öffnet.
In der aktuellen Ausgabe wurde die Küche von Tim Raue examiniert,
seines Zeichens Berliner Starkoch und Gault-Millau-Aufsteiger des
Jahres 2005. Zu den im Genre üblichen Marktnotizen gehören auch
Reisereportagen, bei Saisonküche unter dem Titel «Essen in …». Dort
versucht man, bei der Auswahl der Destinationen im In- und Ausland
Rücksicht auf prominente Ereignisse zu nehmen: Die Redaktion wird
deshalb zum Beispiel anlässlich der Olympischen Winterspiele der
norditalienischen Metropole Turin einen Besuch mit Fokus auf lokale
Speisegewohnheiten in entsprechenden Restaurants abstatten.
Eine Doppelseite ist jeweils dem Kochen mit Kindern gewidmet. Die
Rubrik «Kochen mit …» widmet sich rund um ausgefallene Zutaten wie
beispielsweise Tee dem eher experimentellen Kochen.

Augenzwinkernde Zutaten
Auch Spass und Unterhaltung sollen nicht fehlen: So firmiert unter
einem artverwandten Thema einmal pro Monat der aus Tagi-Magi und BaZ
bekannte Kolumnist Max Küng. In der Romandie und im Tessin werden eine
Kolumnistin und ein Kolumnist eigene Texte verfassen. Für
augenzwinkernden Humor sorgt zudem Fotograf Jérôme Bischler in der
neuen Rubrik «Bischlers Amusebouche», der seine Bildideen rund um die
Nahrungsaufnahme am Küchentisch in Szene setzen wird.
Das neue Heft beinhaltet zu Gunsten von mehr Text durchschnittlich zehn
Rezepte weniger als früher. Pro Ausgabe sind es aber immer noch gegen
40. Jeden Monat präsentiert Saisonküche in der Rubrik «Saison für …»
acht bis zehn Seiten saisonale Gerichte. Zwar auf der Titelseite
angezeigt, im Inhaltsverzeichnis aber gut versteckt unter «Thuts
Auslese» und ganz Gottlieb Duttweiler unlike, enthält das Magazin neu
auch eine Seite mit Weintipps. «Es ist blauäugig, anzunehmen, dass man
zu unseren Menüs keinen Wein trinken soll», sagt Andi Huggel.
Und wie geht Saisonküche mit der Nähe zum Detailhandelsriesen um? «Wir
sind das Kochmagazin der Migros, das weiss man», sagt Huggel. Deshalb
binde man auch Migros-Produkte ein. Doch weil das Angebot sehr breit
ist, gibt es keine Einschränkungen für die Zubereitung der Menüs. Mit
dem Lifting des Blattes ging gleichzeitig jenes der Website
www.saison.ch einher, die die gestalterischen Neuerungen im Heft
respektiert. Dort können Abonnentinnen und Abonnenten auf Tausende von
Rezepten zugreifen, Restaurant- und Weintipps abrufen und von den
Leserangeboten profitieren.

René Worni

Kleines ABC der Bindung

Weiterverarbeitung Die Fachbegriffe von A wie Aufschlagverhalten bis Z wie Zwillingsbroschur.

Weiterverarbeitung Die Fachbegriffe von A wie Aufschlagverhalten bis Z wie Zwillingsbroschur.Die Umsetzung einer ideenreichen Bindung
von Broschur oder Buch kann an den produktionstechnischen
Möglichkeiten, aber auch an den damit verbundenen Kosten scheitern.
Muss aber nicht, wenn man rechtzeitig den Kontakt mit einer
Buchbinderei aufnimmt und Musterexemplare von ihr anfertigen lässt, die
zudem als verbindliche Grundlage dienen können. Nachfolgend ein Kleines
ABC der Bindung in alphabetischer Reihenfolge (unvollständig):

Aufschlagverhalten: Wenn
eine aufgeschlagene Broschur wie ein Buch flach liegen und geöffnet
bleibt (Lay-flat), ohne zuzuklappen, dann ist das Aufschlagverhalten
positiv. Weder Bindeart, Blockformat, Buchdecke oder Umschlag und auch
nicht die Steifigkeit der verwendeten Papiersorten beeinträchtigen die
Handhabung.
 

Drahtkammbindung: Ein zu
ringförmigen, aneinander gereihten Schlaufen gebildeter Endlosdraht
greift in Ausstanzungen der gesamten Rückenlänge ein und wird
geschlossen. Die gebundenen Blätter (Blockdicke max. 25–30 mm) können
nicht mehr ausgewechselt werden. Diese Art ist auch unter den Begriffen
Wire-O- und Ring-Wire-Bindung bekannt. Kommen mehrere, verkürzte Kämme
in der Rückenlänge zum Einsatz, zum Beispiel bei Wandkalendern mit
Aufhänger, dann ist von Skip-Bindung die Rede.

Drahtrückstichheftung: Bei
dieser Bindeart, auch als Sammelheften bezeichnet, werden ineinander
gesteckte Falzbogen mit oder ohne Umschlag mit einer oder maximal vier
Klammern durch den Rücken (im Bundfalz) gleichzeitig von aussen nach
innen verbunden. Die herzustellenden Produkte sollten aus ästhetischen
Gründen eigentlich nicht dicker als 4 bis 6 mm sein, was einem Umfang
von zirka 96 Seiten (bei Verwendung eines 100-g/m2-Papiers) entspricht.

Englische Broschur: Eine
edle Ausführung, die durch einen Schutzumschlag entsteht. Während es
sich bei KöselBuch (D) um eine Freirückenkonstruktion mit seitlicher
Anklebung des Schutzumschlages an beiden Kartondeckeln handelt,
versteht die Buchbinderei Burkhardt in Mönchaltorf darunter die
Anklebung des Schutzumschlages ausschliesslich am Rücken des
Softcovers. 

Fadenheftung: Darunter wird
hauptsächlich verstanden, dass die zu einem Buchblock
zusammengetragenen Falzbogen – Lage für Lage – mit Faden
(Polyamidseide, Baumwolle) und Stichbildung im Rücken verbunden
(genäht) werden.

Fadensiegeln: Diese
alternative Technologie, in der Schweiz kaum verbreitet, eignet sich
als Blockbindeverfahren mehrlagiger Produkte und vereint die Vorzüge
des Fadenheftens und Klebebindens.

Freirückenbroschur: Diese
Broschuren sind ein- oder mehrschichtig verklebt und haben einen
Hohlraum zwischen Blockrücken und Umschlag. Man kennt sie auch unter
den Begriffen Otabind, Repkover, Libretto (ein Patent der Buchbinderei
Schlatter, Bern).

Klappenbroschur: Das sind
Broschuren, die zwischen Buchblockrücken und Umschlag vollständig
beleimt sind. Ihre vierfach gerillten Umschläge sind entweder mit
breiten eingefalzten, zurück- oder vorstehenden Klappen ausgestattet.
Die Klappen können als Merkzeichen bzw. Leserführung genutzt
werden. 
 

Klebebindung: Diese Art
dominiert bei der Herstellung von Büchern und Broschuren. Hier wird auf
die zusammengetragenen Bogen (Blockklebebindung) oder Blätter
(Fächerklebebindung) ein spezieller Klebstoff aufgetragen, so dass die
Verbindung kaum mehr trennbar ist. Rückenbearbeitung, Klebstoffauswahl,
Klebstoffauftrag, Papiereigenschaft, Fälzeltechnologie und Trocknung
entscheiden über Festigkeit und Lebensdauer des klebegebundenen
Produktes.

Klebstoffe: Für die
Klebebindung kommen Dispersions- (Kaltleim), Heissschmelz- (Hotmelt)
und Polyurethan-Klebstoffe (PUR) in Frage. Hotmelt ist günstiger, lässt
sich ohne Trockengerät schnell verarbeiten, aber das Aufschlagverhalten
(Lay-flat) und die Lebensdauer lassen zu wünschen übrig. Dispersion
verfügt über ein hervorragendes Aufschlagverhalten und hat eine hohe
Alterungsbeständigkeit. Mit zusätzlichem, künstlichem Trockenprozess
besteht schon nach wenigen Stunden Weiterverarbeitungsmöglichkeit; auf
im Bund überlaufende und vollflächig lackierte Bilder sollte man hier
verzichten. PUR bietet ein gutes Aufschlagverhalten und eignet sich
speziell für die Verarbeitung von Problempapieren. Mit PUR gebundene
Produkte (für Broschuren mit hohem Qualitätsanspruch vorzuziehen) sind
nach zirka 24 Stunden gebrauchsfähig. Eine kombinierte Anwendung von
Klebstoffen (auch mit Fadenheftung) ist technisch möglich und empfiehlt
sich für Produkte mit höherem Kreativitäts-, Image- und
Qualitätsanspruch.

Knotenfadenheftung: Meistens
werden die ineinander gesteckten Bogen mit drei Nadelstichen im
Bundfalz zu Doppelklammern geformt und die Fadenenden durch Verknotung
fixiert. Diese relativ lockere Bindeart wurde für Schulhefte und wird
noch für Spezielles eingesetzt. Die Leistung der einschlägigen
Maschinen ist allerdings ziemlich niedrig.
  

Plastikbindung: In eine
parallel zur Rückenkante verlaufende, ausgestanzte Lochreihe werden
durch einen Steg verbundene, geöffnete Kunststoffhaken geführt und
zusammengerollt. Die Bindung für Produkte bis zirka 45 mm Dicke lässt
sich zerstörungsfrei für die Auswechslung von Blättern wieder öffnen.
Die Plastikbindung ist überwiegend im Bürosektor anzutreffen.

Schweizer Broschur: Der
Buchblock ist hierbei nur ein- bzw. hinterseitig mit der dritten
Umschlagseite verklebt (eingehängt), wobei sein Rücken mit einem
Gewebe- oder Papierband verstärkt ist, also gefälzelt ist und sich
flach aufschlagen lässt. 

Spiralbindung: Federdraht
aus Metall oder Kunststoff wird unter Wärmeeinwirkung durch die
Lochreihe der Blockblätter gezogen und gewunden. An ihren Enden wird
die Spirale eingebogen, so dass ein Ausdrehen vermieden wird. Mit einer
Kunststoffschicht überzogener Stahlspiraldraht kann ein Bindeobjekt
attraktiver gestalten, da er in verschiedenen Farben erhältlich ist.

Zwillingsbroschur: Auch als
Doppelbroschur oder Twinbook (Buchbinderei Sieber, Fehraltorf)
bezeichnet, stellt sie in Form und Grösse zwar eine Einheit dar, die
optisch wie physisch aber eine einzigartige Trennung von zwei Teilen
(in PUR-Klebebindung) ermöglicht. (hjl)

Zwischen Zauberei und Trickkiste

Books&more Harry Potter ist ein Schulbeispiel für effiziente Markenbildung. Und ihre Autorin eine Selbstmarketingikone wie Madonna.

Branding Harry Potter ist ein Schulbeispiel
für effiziente Markenbildung. Und ihre Autorin eine
Selbstmarketingikone wie Madonna.Vergangenen Samstag, den 1. Oktober, um
Schlag Mitternacht erhielten hiesige Fans die deutschsprachige Ausgabe
von «Harry Potter und der Halbblutprinz» ausgeliefert. Der Weltbild
Verlag nahm endlich Bestellungen entgegen, die Postboten der
Schweizerischen Post schlichen mitten in der Nacht von Tür zu Tür.
Etwas später erst, zwischen 7.30 und 9.30 Uhr, bediente amazon.ch seine
ungeduldige Kundschaft. Dafür bekamen die Leseratten mit dem
wundersamen Wälzer frei Haus auch eine Frühstücksüberraschung geliefert.
Mit dem sechsten und damit vorletzten Buch der Reihe wird J.K.
Rowling ihre Erfolgsgeschichte weiter schreiben. Die Zahlen sprechen
für sich: 260 Millionen verkaufte Exemplare weltweit, in 62 Sprachen
übersetzt. Dazu 20 Millionen verkaufte Videospiele und eine
Filmtrilogie, die gesamthaft über 2,5 Milliarden Dollar einspielte. Die
Marke Harry Potter, welche inzwischen Warner Brothers gehört, ist
aktuell vier Milliarden Dollar wert. Und Rowling, das ehemalige
Aschenputtel, ist heute reicher als die Queen.
Die Bücher des Zauberlehrlings sind Marketing pur. Das ist das Fazit
von Stephen Brown, Professor für Marktforschung, in «Die Botschaft des
Zauberlehrlings». Jeder Idiot könne einen Roman schreiben; ihn in
dieser Grössenordnung zu verkaufen, setze indes wahres Genie voraus.
Und dieses attestiert er Rowling,
die Interviews verweigere, gezielt Gerüchte streue, kurz: virtuos mit
den Medien – und damit ihren Lesern – spiele. Brown vergleicht sie mit
Marketingnaturtalenten wie Madonna oder Steve Jobs.
Die Aktionen rund um den Verkaufsstart sind Teil einer Inszenierung,
wie versehentlich zu früh ausgelieferte oder gestohlene Bücher. In
Kanada verpflichtete ein Gericht die Käufer irrtümlich vorab verkaufter
Exemplare von «Harry Potter and the Half-Blood Prince», das Buch bis
zum Verkaufsstart weder zu lesen noch darüber zu sprechen. Ob solche
Pannen nun Pannen sind oder mehr, spielt keine Rolle. Die Medien
berichten darüber und steigern, wie die Verrisse der Literaturkritiker,
die Auflage.
Rowling vermarktet ihr Werk nicht nur geschickt, sie packt es voll mit
Marketing. Für Brown stecken die Potters voller brillanter Marken- und
Produktkonzepte. Etwa die Scherzartikel der Weasley-Brüder, die
Feuerblitz-Rennbesen oder das Zubehör, das alle brauchen, die in
Hogwarts zaubern lernen wollen. Doch Rowling ist auch ironiefähig, etwa
beim pomadisierten Lehrer Gilderoy Lock und dessen Haarpflegeprodukten.

Browns Botschaft: In keinem anderen Bestseller lernt man so
unterhaltsam, anschaulich und effizient, wie Marken aufgebaut werden,
wie Marketing funktioniert. Brown selbst hat die Lektion offenbar gut
gelernt: Sein Buch erscheint kurz vor dem Halbblutprinz.

Roger Hausmann
Die Botschaft des Zauberlehrlings von Stephen Brown. Carl Hanser Verlag, München 2005. 234 Seiten, 36 Franken.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet …

Weiterverarbeitung Buch und Broschur im Direktvergleich.

Weiterverarbeitung Was ist der Unterschied zwischen einem Buch und einer Broschur? Die Antwort gibt es hier.Die ältesten gebundenen Bücher sind nicht
auf Papyrus (seit ca. 3500 v. Chr. bekannt) und nicht auf Pergament
(seit ca. 2000 v. Chr. bekannt) geschrieben worden, sondern auf Seiten
aus Holz. So berichtete jedenfalls vor 15 Jahren eine internationale
Archäologengruppe, die im Wüstensand Ägyptens zwei durch Ledereinband
gehaltene Ausgaben von je acht Blatt – also sozusagen 16-seitige
Signaturen – aus dem 4. Jahrhundert nach Christi Geburt fand.

Geistesgrösse oder doch eher Gegenstand?
Aber was sind überhaupt Bücher? Nach Winston Churchill, zweimaligem
britischem Premierminister und Nobelpreisträger der Literatur 1953,
sollen sie Genuss beim Lesen vermitteln und für die Ewigkeit haltbar
sein. Natürlich haben Bücher Geist und Seele und sind meistens das
Produkt von Autoren, Verlagen, Druckereien und Buchbindereien.
Betrachtet man sie ganz profan als konstruktiven Gegenstand, so ergeben
sich ziemlich klare Abgrenzungen. Ein Buch ist ein aus bedruckten
Papierbahnen oder -bogen entstandenes Erzeugnis, das zu Signaturen geformt, zu einem
Block zusammengetragen und -gefügt, mit der separat hergestellten Decke
montiert, allenfalls mit einem Schutzumschlag und einem Leseband
ausgestattet ist. Wesentliche Merkmale des von Bindereien als Buch
bezeichneten Produkts sind der Buchblock mit Vorsätzen und die
Verbindung der Buchdecke an den Vorsätzen, also ausserhalb des
Buchrückens; zudem muss die Buchdecke an Kopf, Fuss und an der Seite
über den Buchblock hinausragen.
Wenn auch in der Alltagssprache und bei der Swisscom vom Telefonbuch
und im Buchhandel vom Taschenbuch die Rede ist, dann sind es streng
genommen keine Bücher, sondern Broschuren*.
Aber auch deren Inhalt ist aus Bahnen oder Bogen gesammelt
beziehungsweise zusammengetragen und mit einem einteiligen,
durchgehenden Umschlag (statt mit einer Buchdecke) ausgestattet. Durch
gleichzeitigen, zwei- oder dreiseitigen Beschnitt entsteht im
Allgemeinen das Endformat der aus Umschlag und Block bestehenden
Broschur. Doch stellen zum Beispiel Klappenbroschuren die Ausnahme dar.
Dagegen ist die Verbindung von Umschlag und Block im Rücken oder in
Rückennähe ein weiteres Merkmal der Broschur. Vor allem fehlen bei
einer Broschur die Vorsätze. Eine wichtige Definition erfolgt nach
Einlagen-, Mehrlagen- und Einzelblattbroschuren.

Hardcover oder Softcover?
Die meisten Zeitschriften, viele Kundenmagazine und die Mehrheit der
Geschäftsberichte sind aus der Sicht der buchbinderischen Konstruktion
nichts anderes als Broschuren. Und beim Periodikum Zeitung ist selten
eine Form der Bindung anzutreffen; ihre Bogen sind gefalzt und lose
ineinander gesteckt. Insbesondere schwedische Zeitungen weichen hiervon
ab, da sie im Falzrücken des Zeitungsformats geleimt sind. Für den
Buchhändler gibt es Bücher und Broschüren, er nennt sie Hardcover und
Softcover.
Die Versandhauskataloge von A wie Ackermann bis V wie Veillon sind
Broschuren, also Softcover-Produkte. Die dickeren Kataloge, etwa solche
vom Werkzeughandel, sind auf Grund ihres Hartdeckeneinbandes Bücher.
Deswegen wird man diese Hardcover-Erzeugnisse aber nicht beim
Buchhändler kaufen und kaum in einer Stadtbibliothek ausleihen können.
Wenn vom fadengehefteten oder klebegebundenen Buchblock gesprochen
wird, ist das ein Teil eines zu fertigenden oder fertigen Buches (siehe
Kasten «Arbeitsschritte der Buchbindetechnik» auf Seite 25). Und wenn
Buchbindereien über englische und Schweizer Broschuren sprechen, dann
hat dies nichts mit der EU zu tun (siehe Kasten «Kleines ABC der
Bindung» auf Seite 26). Obendrein gibt es noch harte und flexible
Ringordner.

Verwendung vs. Verarbeitung
Konfrontiert mit der vorgesehenen Verwendung als Geschäftsbericht,
Imagepublikation, Katalog, Manual, Verzeichnis, Lehrmittel,
Jubiläumsband oder einer anderen Einsatzart stellen sich die Fragen
nach der buchbinderischen Verarbeitung beziehungsweise nach ihrer
Unterscheidung. Danach gibt es folgende Varianten:

Einzelblattbroschuren: Den Innenteil bilden hier einzelne Blätter, die
zusammen mit Front- und Rückdeckel eine Spiral-, Drahtkamm-, Plastik-
oder Klemmschienenbindung haben. Beispiele sind Listen, Anleitungen,
Kalender, Dissertationen, Blöcke.
Einlagenbroschuren: Sie bestehen aus einem oder mehreren ineinander
gesteckten Falzbogen, die so oder im Falz geleimt beziehungsweise im
Rücken mit Drahtklammern oder Faden geheftet eine Lage bilden.
Beispiele ohne Umschlag sind Wurfsendungen, Werbebeilagen,
Vereinsblätter. Als Beispiele mit Umschlag seien Fach- und
Kundenzeitschriften, Produktbeschreibungen und Geschäftsberichte
genannt.
Mehrlagenbroschuren: Durch das Zusammentragen der Falzbogen in
richtiger Reihenfolge sind mehrere Lagen entstanden. Um den Buchblock,
auch Innenteil genannt, liegt ein zwei- oder mehrfach gerillter
Umschlag. Der Block ist durch Klebebindung, Fadenheftung oder
Fadensiegeln zusammengefügt. Auch die Verbindung mit dem Umschlag ist
unterschiedlich, entweder mit konventionellem (Verklebung von
Blockrücken und Umschlag) oder buchähnlichem (Hohlraum zwischen
Blockrücken und Umschlag) Aufschlagverhalten. Beispiele sind Telefon-
und Taschenbücher (eigentlich Broschuren), Special-Interest-Magazine,
Fachzeitschriften, Geschäftsberichte.

Bindearten – das Für und Wider
Bei einem gut gebundenen Produkt sind die Bindeart und die Qualität von
Bedeutung. Abgesehen von differenten Kosten sollten in der Regel
Lebensdauer und Leserbedürfnisse bei der zu wählenden Bindeart
berücksichtigt werden, was sich fertigungstechnisch und ökonomisch
auswirkt.
Gegenüber drahtgehefteten Druck- erzeugnissen, wie man sie bei
Zeitschriften und einfacheren Printprodukten vorfindet, haben einige
Buchbinder immer noch ihre Vorbehalte. Sie geben als Grund die
schlechte ästhetische Wirkung dieser Bindeart an und die
Verletzungsgefahr der Leserschaft an den Drahtklammern.
Dabei sind solche auf Sammelheftern gebundenen
Draht-Rückstichbroschuren sehr wirtschaftlich realisierbar. Auch sind
entgegen der Buchbindermeinung hierfür hinsichtlich Massen- und
Individualmarkt in jüngerer Vergangenheit die interessantesten
Entwicklungen für die Ergänzung mit Beilagen, Karten, Haftzetteln und
Warenproben sowie zur Personalisierung zu Stande gekommen (vor allem
auch dank der Schweizer Zulieferfirmen Ferag und Müller Martini).
Dass das fadengeheftete Hardcover-Buch immer noch das Mass aller Dinge der Buchbindekunst ist, steht hier ausser Zweifel. Doch
daneben hat die klebegebundene Broschur längst ihr Image als billigere
Alternative abgelegt, zumal auch mit Kreativpapieren ein grosser
Gestaltungsraum offen steht. Drei Gründe zeichnen dafür verantwortlich:
1. Stark verbesserte Qualität wegen neuer Klebebindetechnologie. 2.
Neuer moderner PUR-Klebstoff, der sich auch für die früheren
Problemanwendungen stark gestrichener und vollflächig bedruckter
Papiere eignet. Dieser Klebstoff kann neuerdings (in der Buchbinderei
Schlatter, Bern) auch mit exaktem Leimfilm per Düsenauftrag, eine
Entwicklung der Schweizer Firma Robatech, aufgetragen werden. 3. Fast
grenzenlose Möglichkeiten kreativer Gestaltung von Broschuren, sogar
mit nur zirka 1 mm breiten und scharfkantigen Rücken.
Doch keine Buchbinderei der Welt wird das so genannte Abbinden einer
Klebebindung (Kleb- und Trockenprozess) beschleunigen können. Deshalb
sollte bei der Terminplanung hierfür genügend Zeit eingeräumt werden.

Sonderfall Heisssiegel
Aber keine Regel ohne Ausnahme: Bei der industriellen Einzelexemplar-
und Kleinserie-Buchfertigung gelangt in Kaltleim-Klebebindung und
Fächertechnik eine spezielle Heisssiegelbeschichtung
(Planatol-RecoSeal) mit entsprechenden Einbandmaterialien zum Einsatz.
Die damit erzeugte Verklebung ist unmittelbar nach diesem
Arbeitsschritt weiter verarbeitbar. Diese Produktion von Büchern, bei
Bedarf in Auflagen ab einem Exemplar, eignet sich nebst Nachauflage und
Wissenschaftsliteratur speziell auch für limitierte Vorproduktionen,
exklusive Werbepublikationen, gediegene Diplomarbeiten und andere
individuelle Kleinstauflagen.
Nicht selten werden für kleinere Auflagen, die zunehmend im
Kopierverfahren oder im Digitaldruck reproduziert werden, so genannte
äussere Bindearten verwendet. Diese Spiral-, Plastik- oder
Drahtkamm-bindungen werden mit Betriebsanleitungen und Wandkalendern in
Verbindung gebracht und ermöglichen ein optimales Aufschlageverhalten
(Lay-flat-Verfahren). Hinsichtlich Qualität und Habitus ist zu
bedenken, dass beim Durchblättern die Seiten sich meistens in der Höhe
verschieben. Wird eine Drahtkammbindung im Umschlag integriert,
hinterlässt diese Heftart dagegen einen sehr guten Eindruck.

Hans Joachim Laue

Wieland, Fohrler und Havel machen Gastmoderation für „Glanz & Gloria“

Sie vertreten Nadja Zimmermann, die in die Ferien fährt und sich weiterbildet.

Im Oktober und Dezember moderieren
Isabella Wieland, Nina Havel und Dani Fohrler das People-Magazin „Glanz
& Gloria“ des Schweizer Fernsehens. Sie vertreten Nadja Zimmermann
während ihrer Ferien- und Weiterbildungszeit. Isabella Wieland
übernimmt die Woche vom 10. bis 17. Okotber 2005. Die Moderatorin von
Televisiun rumantscha wird bei „Glanz & Gloria“ zwar hauptsächlich
deutsch sprechen, ihre Muttersprache aber nicht ganz vernachlässigen.
Nina Havel, bekannt von „Music Star“ und „Junior“, erscheint vom 17.
bis 21. Oktober 2005 auf dem Bildschirm. In der Klauswoche vom
5. bis 9. Dezember 2005 moderiert Dani Fohrler, der derzeit bei SR DRS
tätig ist und daneben die TV-Sendung „Retro“ präsentiert.

Das P-Tandem

Mit p formance erfüllen sich Pascal Baumann und Sacha Baer den Traum von der Freiheit.

Pascal P Baumann und Sacha Baer wollen mit ihrer p formance eine Nische zwischen klassischer Werbung und Design ausfüllen.Der beratende Kreative und der kreative
Berater: So sieht das Duo Pascal Baumann und Sacha Baer die Stärke
ihrer neuen Agentur p formance an der Gasometerstrasse in Zürich. Woher
der  Name kommt? Pascal hat es gefallen, wie ihn eine Amerikanerin
früher liebevoll P (sprich: «Pi») nannte. Seither ist der Buchstabe zum
Label geworden und auch Sacha hat inzwischen unabhängig dieses
«Branding» vorgeschlagen.
Beide Partner von p formance haben in der Werbung eine spannende
Vergangenheit vorzuweisen. Sacha Baer setzte sich nach zwei Jahren
Studium der Wirtschaft in die Kommunikation ab. Er stellte vier Monate
lang in Knochenarbeit ein Dossier zusammen, um dann bei Benetton in
Treviso einen heiss begehrten Job im Sponsoring Team für die Formel 1
und Moto GP zu ergattern. Es folgten drei Jahre als Junior Berater bei
McCann Erickson, zwei Jahre als Berater bei Advico Young & Rubicam
und noch einmal fast so lange bei Jung von Matt/Limmat.  
 
Pascal Baumann hat an der Schule für Gestaltung in Bern Grafik
studiert, dann in einer kleinen Agentur Verpackungen designt und
zuletzt bei AY&R seine Entwicklung bis zum AD erlebt. Stolz ist er
auf die Gestaltung des ADC-Jahrbuches 2004 rund um die «Sklaven der
Idee». Dieses Latex-Buch hat in New York zweimal Bronze gewonnen. P hat
schon immer nebenbei als Designer gearbeitet. Aufsehen hat sein
weiblicher Turnschuh für Puma erregt, den er mit einem spitzen Absatz
sexy gemacht hat. Seiher hat die Branche ein Auge auf seine Kreationen
geworfen.
Kennen gelernt haben sich Pascal und Sacha bei Advico im Jahre 2002. P
pendelte in dieser Zeit noch aus Bern. Sacha hat ihm in Zürich eine
Bleibe in seiner WG angeboten. Dort haben sich beide «auf Anhieb
perfekt verstanden». Die Kreativ-Freaks haben nächtelang Videos aus
ihrer edel-trashigen Filmsammlung reingezogen, Trends diskutiert, Ideen
ausgebrütet und gemeinsame Nebenjobs ins Reine gebracht.   
Am Tag bei Advico, nachts in der WG, also 24 Stunden zusammen: «Das hat
so gut geklappt, dass viele Kollegen uns für ein Pärchen hielten»,
witzelt Pascal, der seit vier Wochen einen kleinen Sohn hat. Dieser
«neue Mittelpunkt» seines Lebens wohnt allerdings ausser Haus, «in
bestem Einvernehmen mit der Mutter».  
Sacha wechselte zu Jung von Matt/Limmat und sammelte weitere Erfahrung
als Berater, während P bei AY&R geblieben ist. Erst jetzt
konkretisierten sich die Pläne, aus dem Nebenjob einen Fulltime-Job zu
machen. Beiden Agenturen zollen die beiden höchstes Lob, wie man sie
für den Schritt in die Selbständigkeit unterstützt hat: «Man hat sehr
kooperativ reagiert. Advico und Jung von Matt gaben uns bereits
Aufträge, was uns natürlich riesig freute und uns auf unserem Weg
bestärkte.»
Sacha und P sehen es als ihre Chance, dass sie in solchen Agenturen
«von den besten Werbern lernen durften». Bei einem solchen Background
musste eines Tages die Überzeugung kommen: «Jetzt ist es Zeit, den
Sprung zu wagen.»
Bei vielen Kunden wird immer mehr Budget gekürzt, also beschäftigen
diese neben ihrer Hauptagentur auch noch ein paar freie Kreative «für
die kleinen Ideen zwischendurch». Hier sieht p formance eine Chance,
auch wenn die Neugründer nicht verhehlen, dass ihr langfristiges Ziel
«eine Agentur mit 10 bis 15 Leuten» ist. Ihre Taktik dazu: Die grossen
Kunden mit kleinen Ideen so «gluschtig» machen, dass es einmal zu einem
«richtigen Budget» führen könnte.
Interessant an der Selbständigkeit in ihrem Stil sei die Flexibilität.
Beide haben sich bei Grossagenturen damit aufgerieben, wie kreative
Prozesse von endlos langen Diskussionen behindert worden sind. «Es
brauchte eine Unzahl von Kontrollen, bis eine Idee wirklich einmal
durchgegangen ist, da hat man schon viel Gutes rausgefiltert,», klagt
Pascal. «Eine Verschlechterung der Werbung», pflichtet auch Sacha bei.
In ihrer eigenen Agentur sei das Tempo «extrem vorteilhaft: Wir
kreieren etwas – und raus geht es.»
Das Duo von p formance sowie je nach Bedarf weitere freie Spezialisten
arbeitet sowohl als Ergänzung für andere Agenturen wie auch für direkte
Kunden. Mit Pascals Talent als Illustrator soll ein besonderer Ansatz
vom Design her kommen. Aus dieser Nische heraus will man aber auch ganz
klassische Werbung und Kommunikation anbieten.  
Zu den ersten Kunden gehören neben tilllate bereits InvestInvent,
Graber Sportgarage, das Wirtschaftsmagazin Cash, mobilezone oder das
russisch inspirierte Modelabel Kalte Zeiten. Ein Auge auf die Kultur
geworfen hat p formance mit Ascot Elite und Vega Film. Hier durfte man
für Viktor Giacobbos neue Komödie «Undercover» alle Grafiken sowohl für
die Werbung wie auch auf dem Dreh gestalten. Als Set-Design lieferte
man Logos für eine Kaffeefabrik, einen Shushi-Express oder einen
Fernsehsender, gestaltete Wahlplakate, passte das Logo für einen
Polizeiposten an oder «verunstaltete» eine Wand mit jugendlichen
Sprayereien, «weil die Kids zuwenig frech waren».
In eine ähnliche Richtung zielen die Kontakte zu zwei skandinavischen
Bands. Sacha hat einfach die Leadsänger angeschrieben und Arbeitsproben
geschickt. Jetzt sind die Zürcher bereits für das Design des
Merchandising für eine kommende Welttournée zuständig und «dürfen
jederzeit neue Ideen einreichen». Das seien zwar «Spinner-Projekte»,
die vorderhand wenig einbringen. Trotzdem haben sie Potenzial. Genau so
wir die pdf-Zeitschrift «Artstübli», die von p formance patroniert wird
und bereits über 2000 Downloads verzeichnen kann mit ihren Filmen,
Infos und Beiträgen aus dem Bereich des neuen Design.

Andreas Panzeri

Aufgepeppte Missen

Low-Fat-Produkte Exxtra zeigt mit der Kampagne für Slimline, dass im Missen-Milieu originell geworben werden kann.

Low-Fat-Produkte Exxtra zeigt mit der Kampagne für Migros-Marke Slimline, dass im Missen-Milieu originell geworben werden kann.Bei der Einführung der Marke vor fünf
Jahren war Slimline die erste fettreduzierte Milch- frischproduktlinie
auf dem Schweizer Markt. Der äusserst grosse Erfolg – auf Grund der
immer bewussteren Ernährung und des Themas Schönheit in jungen
Segmenten – rief Konkurrenzprodukte auf den Plan.
Als jüngste Marke kam das Joint Venture zwischen Coop und Weight
Watchers hinzu. Gerade an Letzterem liess sich aber auch die zunehmend
austauschbare Tonalität in der  Kommunikation beobachten:
Klischees der Leichtigkeit und Schönheit, Jugendlichkeit und Gesundheit
wurden luftig und emotional visualisiert. In diesem einheitlichen
Umfeld setzt die Hausagentur der Migros zusätzlich zu den
Produktkampagnen seit 2002 die Miss Schweiz
als Gallionsfigur für Slimline ein. Dazu ist die Marke ein offizielles
Sponsorship mit der Veranstaltung sowie der dabei erkorenen Miss
eingegangen. Im Laufe der Jahre wurde das Engagement kommunikativ
kontinuierlich besser und kreativ anspruchsvoller ausgeschöpft.
Nicht alleine die Massnahmen – von der Degustation in ausgewählten
Filialen bis zur üblichen Testimonial-Anzeige – standen im Zentrum,
sondern auch deren Image-relevante Umsetzung gewann an Gewicht. Wohl,
weil die Brand Personality von Slimline eine höhere Symmetrie zu den
Tugenden der Titel-Anwärterinnen aufweist, als dies der Fall bei
anderen Sponsoren ist.

Mehr Augenzwinkern
Auf den gemeinsamen Elementen wie schlank, jung, ästhetisch,
sympathisch, die sowohl zur Miss Schweiz wie zu Slimline passen, wollte
man die Werbekampagne aber nicht beruhen lassen. Die Kernbotschaft –
bei einem Fettgehalt von nur 0,5% kann man die Slimline-Produkte
jederzeit mit gutem Gewissen geniessen – durfte gemäss einer
qualitativen Umfrage durchaus mit mehr Humor und Augenzwinkern
transportiert werden. So würden sich die Kommunikationsziele, wie die
Verstärkung einer eigenständigen Positionierung, Erhöhung des
Bekanntheitsgrades und die Bekanntmachung von Produktneuheiten,
nachhaltiger erreichen lassen, ist man überzeugt. «Viel Augenmerk wurde
deshalb in diesem Jahr darauf gelegt, dass mit den üblichen Klischees
im Rahmen der Veranstaltung aufgeräumt wird», sagt Berater Michael
Broglin.

Appell an Missen und Jury
Bereits im Vorfeld der Wahlen wurde in den Spezialausgaben der
Schweizer Illustrierten intensiv geworben. So wurden in der ersten
Inseratewelle die Teilnehmerinnen direkt angesprochen: «Liebe
Kandidatinnen, jetzt habt ihr die Qual der Wahl», hiess es zum Beispiel
über einem Motiv mit Slimline-Produkten. Mit fortschreitendem Wettbewerbsprozess
kamen jeweils neue Motive hinzu, die indirekt auch die Jury ansprechen
konnten: «Liebe Kandidatinnen, hoffentlich hat die Jury auch so viel
Geschmack.» Begleitend wurde zudem ein Wettbewerb lanciert, bei dem ein
Treffen mit der Schönheitskönigin als Hauptpreis winkte.  Und kaum
hatte die neue Miss Schweiz ihr Amtsjahr angetreten, stiftete Slimline
im People-Magazin SI Verwirrung mit einem Teaser-Inserat. Zitate der
frisch gebackenen Miss, wie «Ich kann ein richtiges Grossmaul sein»
oder «Ich hab schon so manchen vernascht» waren unerwartet dreist.
Keine Spur von bie-der anmutender Missen-Diplomatie und braven
Statements schöngeistiger Kaffeetanten. Erst die Auflösung auf der
zweiten Anzeige setzte die Aussage in Bezug zu einem Slimline-Produkt.
    
  

Luca Aloisi

Werbung als rotes Tuch

Immobilien In Zürich-Oerlikon sorgt ein Plakataushang für neugierige Blicke.

Immobilien In Zürich-Oerlikon sorgt ein
Plakataushang für neugierige Blicke. Rémy Giger + Partner hat für das
von Architekt Theo Hotz 1997 errichtete Geschäftshaus Toro nämlich ein
Plakat entwickelt, mit dem man auf Tuchfühlung gehen muss, wenn man
wissen will, wofür es wirbt. Der Name «Toro» stammt von «Stiereried»,
wie das Gelände früher benannt wurde. Daran erinnert jetzt nicht nur
das Stierkampf-Plakat, sondern eine Metallskulptur von Niklaus
Tobler.
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