panta rhei pr neu nach internationalen CMS-Standards zertifiziert

Ostschweizer Agentur setzt auf Qualitätsmanagement.

(pr) panta rhei pr Amriswil/Zürich hat letzte
Woche mit Erfolg das international anerkannte CMS-Qualitäts-
Zertifikat erworben. Dieses Audit wird nach den Vorgaben des
Consultancy Management Standards durchgeführt. Die
renommierte Fullservice-Agentur für Tourismus sowie Hochschul-
und Wissenschafts-Marketing ist Mitglied des Bunds
der PR-Agenturen Schweiz (BPRA), der diese Qualitätsoffensive
lanciert hat.
Die international tätige PR- und Marketing-Agentur panta rhei pr
mit Sitz in Amriswil, Zürich und Chur hat diese Woche mit Erfolg
das externe Audit nach den international anerkannten CMSStandards
II (Consultancy Management Standards) der PRCA
(Public Relations Consultancy Association) bestanden. Dieses
Zertifkat attestiert der Agentur, dass sie ihre Dienstleistungen und
Prozesse nach den gültigen Vorgaben des Qualitätsmanagements
in PR- und Marketing-Agenturen ausrichtet. Der Zertifizierungsprozess
ist Teil der Qualitätsoffensive des Bundes der PRAgenturen
Schweiz (BPRA), bei dem panta rhei pr seit zwei Jahren
Mitglied ist.

Telenovela-Produzent Dori Media erhöht Kapital

Das Unternehmen mit Sitz in Zürich will damit die Expansion finanzieren.

Die Dori
Media Group mit Sitz in Zürich stockt ihr Kapital um über 2,3 Millionen Franken auf. Dies
entspricht einer Ausgabe von rund 920’000 Aktien zugunsten der
deutschen BF Holding, die nun 4,76 % des erweiterten Stammkapitals
hält. Die Kapitalerhöhung werde die Position der Gruppe im
deutschsprachigen Raum erheblich stärken und die weitere Expansion in
Europa vorantreiben, schreibt Dori Media in einer Mitteilung. Das
Unternehmen, dessen Wurzeln in Israel liegen, ist hauptsächlich auf Produktion,
Distribution und Ausstrahlung von Telenovelas spezialisiert und plant
für 2006 einen eigenen Telenovela-Kanal in Deutschland. Für die BF
Holding liegt die Attraktivität ihrer Neuwerbung denn auch in der
weltweit steigenden Popularität der Fernsehromane.

Stars nur noch gegen Bares

Online-Bezahlmodelle Mit Gebühren für die Webnutzung verärgert die New York Times ihre Leser.

Online-Bezahlmodelle Die schlingernde New York Times ärgert ihre Leser mit Gebühren für die Webnutzung.Der konservative Kommentator Mickey Kaus
konnte sich auf der Website slate.com vor Schadenfreude kaum halten:
«Vor ein paar Tagen schlug ich vor, den neuen Internetservice
TimesSelect mit TimesDelete zu ersetzen, einem Dienst, der es Lesern
erlaubt, die nervigsten Times-Kolumnisten zu löschen. Aber das ist gar
nicht nötig. TimesSelect ist Time Delete!» Der einflussreiche Blogger
war damit nur eine der vielen Stimmen, die das neue Online-Bezahlmodell
der New York Times für eine schlechte Idee halten. «Die öffentliche
Debatte funktioniert besser, wenn Kommentar und Meinung ungehindert
erhältlich sind», argumentiert er. «Das Free-Content-Modell ist daher
besser für die Demokratie.»
Doch die New York Times, deren wirtschaftliche Bilanzen in den letzten
Jahren nicht so rosig aussahen (siehe Kasten), will sich aus der
Abhängigkeit von launischen Werbeeinnahmen lösen und hat daher das
heiss diskutierte Online-Bezahlmodell TimesSelect eingeführt. Der
Zugang zu den Artikeln seiner einflussreichsten Kolumnisten wurde damit
gebührenpflichtig. Fünfzig Dollar jährlich müssen die insgesamt 12,5
Millionen Unique Visitors der Onlineausgabe nun zahlen, um einige der
grössten Stars des amerikanischen Journalismus wie Thomas Friedman,
Paul Krugman und Maureen Dowd lesen zu können. Nicht mehr als der Preis
«einiger Gläser Martini», wie Online-Chef Martin Nisenholtz verlauten
liess.
Das Referenzblatt will seine Leserschaft mit Zusatzangeboten wie dem
unbeschränkten Zugang zu den Times-Archiven seit 1981 überzeugen.
Darüber hinaus sollen die populären Kolumnisten mehr als nur die
üblichen Meinungsbeiträge liefern. Thomas Friedman etwa, dessen neues
Buch «The World is Flat» ihn zum Liebling der Business-Elite gemacht
hat, liefert ein Webfeature namens «Talking World Politics with Thomas
Friedman», über das auch Leser mit ihm diskutieren können. John Tierney
hat einen Online-Buchclub aufgebaut, und Globetrotter Nicolas Kristof
bietet künftig einem Collegestudenten an, sich mit ihm auf eine
Recherchereise zu begeben. Business-Kolumnistin Gretchen Morgenson
führt ein interaktives Feature über Löhne in der Geschäftswelt, und
Sportreporter bieten öffentliche Diskussionsrunden an.

Blogger tun sich schwer
Die Bloggerwelt, in der die Diskussion der Times-Kolumnen zum täglichen
Brot gehört, tut sich am schwersten mit TimesSelect. Manche hatten
angekündigt, sie könnten sich die Gebühr nicht leisten, andere
versuchten eine Zeit lang, TimesSelect zu umgehen. Der Blogger John
Tabin nutzte in den ersten Wochen den Umstand, dass die Times ihre
Kolumnisten über ein Syndikationsmodell in regionalen Zeitungen
verbreitet, die die Kolumnen auf ihre Webseiten stellten. Unter der
Schlagzeile «Who Needs TimesSelect» listete er täglich alle verfügbaren
Links zu den Regionalzeitungen. Doch auch damit wird nun Schluss sein:
Die Times hat ihre Kooperationspartner aufgefordert, die Kolumnen
ebenfalls zu verschlüsseln.
Auch «The Unofficial Paul Krugman Archive», die Website eines
Krugman-Fans, löste eine mahnende E-Mail des Star-Ökonomen selbst aus,
in der er schreibt: «Leider, leider – die Times hat sich beschwert. Sie
haben mich gebeten, diese Notiz zu schreiben und darum zu bitten, die
Kolumne nicht mehr kostenlos zur Verfügung zu stellen. Schade.»
Doch viele Medienmacher halten das Modell für sinnvoll. «Die Times hat
damit etwas Einzigartiges angefangen», sagte etwa Melinda Gipson,
Direktorin für elektronische Medien bei der Newspaper Association of
America (NAA). «Es zeigt, dass das Internet nicht mehr nur ein grosses
Experiment ist, sondern ein Mittel für die Zeitungen, neue
Leserschichten zu erschliessen.»

Gerti Schön

Für und wider Gratiscontent

Die New York Times hadert seit 2002, ihrem letzten grossen Erfolgsjahr,
mit sinkenden Einnahmen, instabilen Werbeumsätzen und sinkenden
Aktienpreisen. Die Auflage stagniert bei rund 1,1 Millionen trotz
grosser Anstrengungen, die Zeitung weiterhin verstärkt auf nationaler
Ebene zu bewerben. Daher will die Geschäftsleitung jetzt 500 Stellen
der NYT Company innert eines Jahres abbauen. Obwohl die grössten
Einschnitte bei der NYT (Zeitung) mit 1200 Beschäftigten
geschäftsseitig zu erwarten sind, gehen doch 45 Redaktionsstellen
verloren.

Die New York Times kämpft mit dem gleichen Problem wie viele ihrer
Konkurrentinnen: Die meisten Einnahmen des Titels kommen nach wie vor
durch das traditionelle Zeitungsgeschäft herein, doch das Medium der
Zukunft ist zweifellos das Internet. Zum Vergleich: Der Onlinebereich,
zu dem neben der New York Times Digital und boston.com auch der
Informationsdienst about.com gehört, verzeichnet ein stabiles Wachstum
von jährlich 30 bis 40 Prozent und einen Umsatz von 100 Millionen
Dollar.
Die Geister streiten sich darüber, ob es Sinn macht, für Onlinecontent
Gebühren zu verlangen. Lediglich 39 der rund 1500 Zeitungs-Websites in
den USA verlangen derzeit laut der NAA Gebühren, häufig für
spezialisierte Services wie Sportnachrichten oder lokale Informationen.
Die Gegner der Bezahlpraxis verweisen auf frühere Versuche etwa der Los
Angeles Times. Das Blatt hat die Gebühren für einen Entertainmentdienst
inzwischen wieder eingestellt. Die Befürworter dagegen argumentieren
mit dem Wall Street Journal und seinen 750000 Abonnenten. (gs)

Anleitung zum Kommunizieren

Nicht jede Firma, die ihre Kommunikation verbessern will, kann sich einen Kommunikationsberater leisten. Ein Leitfaden schafft Abhilfe.

«Man kann nicht nicht kommunizieren»,
schrieb Paul Watzlawick schon in den Sechzigern. Ein Kernsatz, der im
heutigen Kommunikationszeitalter auch für KMU an Bedeutung gewinnt,
meint Daniela A. Caviglia. Weil aber nicht jedes Unternehmen, das seine
Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitenden verbessern möchte, sich
einen Kommunikationsberater leisten kann, schafft sie mit ihrer Firma
Präsenz und Effizienz in Printmedien (PEP) Abhilfe: Ein kostenloser
Leitfaden zeigt KMU-Inhabern, wie sie ihre Kommunikation selber
verbessern können. Planungsbeispiele veranschaulichen die Erläuterungen
und Checklisten laden zur aktiven Mitarbeit ein. Der 15-seitige
Leitfaden kann als interaktives PDF von der PEP-Website heruntergeladen
werden.

Staat befragt Volk zu Radio Liechtenstein

Die liechtensteinische Regierung hat beschlossen, eine repräsentative Umfrage über die Nutzung und Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Senders durchzuführen.

Die liechtensteinische Regierung hat
beschlossen, eine repräsentative Umfrage über die Nutzung und Akzeptanz
von Radio Liechtenstein durchzuführen. Sie möchte herausfinden, wie der Sender nach den Interessen der Bevölkerung
weiterentwickelt werden kann. Auch zu möglichen Finanzierungsmodellen werden Fragen gestellt. Der
Kleinstaat verfügt seit
Anfang 2004 mit dem öffentlich-rechtlichen Radio über ein eigenes
elektronisches Medium. Die Finanzierung erfolgt über Werbeeinnahmen und
Beiträge des Staates. Im vergangenen Jahr erlitt der Sender trotz
Werbeeinnahmen von rund 1,7 Millionen Franken ein operatives Defizit,
was sich laut der Regierung heuer wiederholen dürfte. Für die
anstehende Debatte über das Budget 2006
wird die Regierung dem Landrat zur Novembersitzung einen Bericht über
die Situation und Entwicklung von Radio Liechtenstein vorlegen. Dieser
Schritt erfolgt unabhängig von der Meinungsumfrage, die in den
kommenden Wochen durchgeführt wird. 

«Wir integrieren radikal»

Wirtschaftspresse Europa-Chefredaktor Raju Narisetti über den gründlichsten Relaunch der WSJ-Geschichte.

Europa-Chefredaktor Raju Narisetti über den gründlichsten Relaunch der WSJ-Geschichte.WW: Mister Narisetti, Ihr Mutterblatt
erscheint nach dem 17. Oktober weiter als Broadsheet. In den USA ist
man offenbar skeptischer gegenüber dem Kleinformat als in Asien und
Europa.Raju Narisetti: Bei Innovationen wie zuletzt der Farbeinführung auf der
Frontseite spielen die internationalen Ausgaben des Wall Street Journal
immer eine Pionierrolle. Dass die US-Edition mit ihren knapp zwei
Millionen Lesern nicht auch umstellt, hat vor allem logistische Gründe:
60 bis 70 grosse Seiten ergäben statt einer Kompaktzeitung ein
Wirtschaftsbuch. In Europa zielen wir auf ein kleineres, dafür noch
feineres Publikum und machen eine entsprechend schlankere Zeitung.
WW:
Die Tabloidisierung dürfte Art und Umfang der Berichterstattung stark beeinflussen.Raju Narisetti:
Die Beibehaltung unserer journalistischen Tiefenschärfe ist eine der
grossen Stärken dieses radikalen Relaunchs. Einige Storys werden zwar
konziser ausfallen; dafür haben in einem 36-seitigen Blatt sechs
Artikel mehr Platz als im vergleichbaren Broadsheet. Von
«Tabloidisierung» kann also nur rein formal, nicht aber qualitativ die
Rede sein.
WW:
Warum haben Sie nicht – wie zuletzt der Guardian – dem so genannten Berliner Format den Vorzug gegeben?Raju Narisetti:
Weil unsere Druckereien in Europa und Asien die Voraussetzungen nicht
haben, um dieses Mittelformat zu produzieren. Dass die Financial Times
Deutschland (FTD) bereits in dieser ja auch in der Schweiz gängigen
Grösse erscheint, erschwerte uns diese Entscheidung natürlich nicht.
WW:
FTD wie auch das Handelsblatt bieten bald elektronische Abendausgaben per PDF an.Raju Narisetti:
Deutschland ist ein wichtiger, hochdynamischer und für uns wachsender
Markt. Unser Kompaktangebot ist allerdings keine Reaktion auf dortige
Konkurrenten, sondern eine proaktive Verschmelzung von Print und
Internet, wie es sie in dieser Konsequenz und Konsistenz bislang nicht
gegeben hat. Das Doppel-Logo symbolisiert dieses neue, durch und durch
integrierte Produkt.
WW:
Wen erachten Sie als Mitbewerber im Schweizer Lesermarkt?Raju Narisetti:
Grundsätzlich jede Publikation, die eine Story bringt, welche ich gern
im eigenen Blatt gehabt hätte. Denn mit einer verkauften Auflage von
5244 Exemplaren (2004) gehört die Schweiz zu unseren Top-Sieben-Märkten
in Europa.
WW:
Gilt dies auch bezüglich der Werbeeinnahmen?Raju Narisetti:
Die Schweiz ist ein wichtiger Anzeigenmarkt für das Wall Street Journal
Europe. Und ein wachsender: Im Vergleich zum letzten Jahr legten wir
2005 bislang deutlich zu.

WW: Gab es redaktionellen Widerstand gegen die Öffnung der sakrosankten Frontseite für Werbung?Raju Narisetti:
Was von aussen wie ein Tabubruch aussehen mag, war intern ein
organischer Prozess. Andere globale Qualitätszeitungen wie die
International Herald Tribune und die Financial Times bieten ihren
Werbekunden diese Premium-Platzierung schon lange. Wir antworten damit
auch nur auf langjährige Kundenwünsche. Aber keine Sorge, etwas ist und
bleibt uns heilig: die chinesische Mauer zwischen Verlag und Redaktion.
Interview: Oliver Classen

Dramatisierte News

Fernsehen Mit dem Werbetarif fürs erste Halbjahr 2006 sorgt TeleZüri gleich selbst für News.

Fernsehen Mit dem Werbetarif fürs erste
Halbjahr 2006 sorgt TeleZüri gleich selbst für News: Denn bei
steigenden Zuschauerzahlen bleibt der Tausender Kontakt-Preis (TKP)
auch im nächsten Jahr gleich klein wie bisher. Diese gute Nachricht für
alle TeleZüri-Werbekunden war dem grössten Schweizer Privatsender
gleich eine Kampagne in der Fachwelt wert. Cavegnwerbung hat die
Botschaft vom kleinen TKP in origineller Weise umgesetzt. Und beweist
damit gleich das Credo von TeleZüri: Auch die kleinen Dinge können für
Herrn und Frau Zürcher von grosser Wichtigkeit sein beziehungsweise
eine grosse Werbeeffizienz bedeuten. Die Anzeige erscheint ab Oktober
in der Fachpresse, die neue Tarifbroschüre von TeleZüri wird ebenfalls
noch im Oktober versandt.

Die Borderline-Akademie

Journalismus Tom Kummer gründet eine «School of Borderline Journalism». Studenten kämen mehrheitlich aus der Werbung, weiss der «Bad Guy of German Journalism».

Journalismus Tom Kummer gründet eine
«School of Borderline Journalism». Studenten kämen mehrheitlich aus der
Werbung, weiss der «Bad Guy of German Journalism». Mit seiner «School of Borderline
Journalism» meldet sich Tom Kummer aus dem fernen Kalifornien zurück,
nachdem er vor fünf Jahren wegen seiner eigenwilligen Auslegung
journalistischer Wahrheitspflicht (Stichwort: gefälschte Interviews)
aus dem deutschsprachigen Blätterwald verbannt worden und seither nur
sporadisch und zum Teil anonym in den Gazetten präsent war. Kummers
«School of Borderline Journalism» existiert lediglich virtuell.
Spätestens bei der Nennung seiner einstigen Abnehmer Weltwoche und
Spiegel als Sponsoren des Studiengangs dürfte jedem klar sein, dass es
sich hierbei um ein Fantasieprodukt handelt. Das stimme nur bedingt, so
Kummer auf Anfrage der Werbewoche. Bereits über 50 Studenten hätten
sich angemeldet. «Bezeichnenderweise kommen fast alle Interessenten aus
der Werbung», weiss Kummer. Und ergänzt: «Dort denkt man freier.»
Nach den Fälschungsskandalen in etlichen US-Medien werden sich
Journalisten wohl davor hüten, sich mit einem zum Fälscher
abgestempelten Kollegen einzulassen, obwohl Kummer seine Ansichten in
eine journalistische Tradition stellt. «Je tiefer ich mit meinen
Studenten in die Materie eindringe, desto einleuchtender wird, dass
Borderline-Journalismus nichts mit Abschreiben oder Fake zu tun hat. Es
handelt sich vielmehr um eine Sonderform des New Journalism.»
Neudefinition von Realität im Journalismus ist denn auch erklärtes Ziel
des Lehrgangs.
Ganz offensichtlich besteht inzwischen auch in den USA ein Interesse am
eigenwilligen Schweizer Journalisten, der seit nunmehr zwölf Jahren in
Kalifornien lebt. Er werde öfter zu Vorträgen an Medienschulen
eingeladen. Als abschreckendes Beispiel. «Entsprechend kommen viele
Leute, und die wollen natürlich eine Wortschlacht zwischen dem ‹Bad
Guy› und ihren Professoren erleben.» Doch dazu komme es nicht, vielmehr
interessiere die Studenten das Thema «Borderline-Journalismus», denn
davon habe man in den Staaten noch wenig gehört. «Das klingt nach
Terrorismus. Gefährlich, aber spannend.» Aus der Tätigkeit als
Gastreferent sei während der Sommerferien in Bern spontan die Idee
entstanden, was er den Studenten der verschiedenen Medienschulen
erzähle, zu ordnen und zu bündeln.

Kummers viele Wirklichkeiten
Auf der Website der Borderline-Akademie gibt es unter der Adresse
noch nicht allzu viel zu lesen – gerade mal zehn
Einträge finden sich auf Kummers Weblog. Ein Grossteil sind
rezyklierte, bereits auf Papier veröffentlichte Texte, daneben stehen
zwei programmatische Dokumente zur fiktiven Schule. Und wie es sich für
eine Institution mit einer Mission gehört, findet sich an zentraler
Stelle ein Manifest. Das Dokument erschien unlängst als Artikel im
deutschen Medienmagazin Cover. Es ist weder eine Abrechnung noch ein
«mea culpa» und auch keine Rechtfertigung für früheres Tun. Vielmehr
unternimmt Kummer den Versuch, die Borderline-Variante in das System
Journalismus, Version 2005, einzuordnen. Sein Credo: Der Weg zur
Wahrheit führt heute über viele Wirklichkeiten. Er glaube, die Leute
erwarteten beim Aufschlagen ihrer Zeitung gar nicht mehr, dass da die
Wahrheit schwarz auf weiss stehe. Gegenüber der Werbewoche ergänzt
Kummer, dass er den Borderline-Journalismus als Antithese verstehe zur
«Embedded-Kriegsberichterstattung», zum Infotainment, zum
Spin-Journalismus, «die alle Printmedien verschlammt haben».
Treibt hier einer den Teufel mit dem Beelzebub aus? Kreative Montage
versus PR-Schwurbel? Als pointierter Beitrag zu einer Debatte, die
allzu oft in aufgeregtem Ton und mit ausgestrecktem Zeigefinger geführt
wird, taugen Kummers Ansichten alleweil. Wer sich angesprochen fühlt,
kann Kummer mittels Kommentarfunktion auf seinem Weblog direkt
widersprechen. Die Chance hat bisher noch niemand genutzt.

Nick Lüthi

Insel der Unseligen

Editorial Oliver Classen über kritische globale Grösse und die kleine Schweiz.

Oliver Classen über kritische globale Grösse und die kleine Schweiz.Amerika, du hast es besser! Diese
Gewissheit Goethes, von dem der Ausruf stammt, ist längst zum
ideologischen Grabenkampf zwischen Liberalisten und Etatisten und U-
und E-Kulturellen mutiert. Wir können die sich daran knüpfenden
Gretchenfragen auch nicht beantworten, wissen aber immerhin: Für
Grossverlage und ihre Mitarbeiter ist Amerika inzwischen das Land der
unbeschränkten Existenzkämpfe.
Die neuen Feinde der US-Presse sind die Überlebenden der alten Interneteuphorie. Was Yahoo,
Google und AOL Ende der 90er mit ihrer Portal-Philosophie verpasst
haben, wollen sie nun nachholen – und von blossen Web- zu veritablen
Medienmarken werden. Diese Entwicklung hat sich mit der Eroberung des
Kleinanzeigengeschäfts ökonomisch angekündigt und setzt sich im Content
Business derzeit fort. Den Anfang machte Yahoo mit der Verpflichtung
namhafter Kolumnisten und Kriegsberichterstatter. Andere werden folgen
beim systematischen Aufbau publizistischer Kompetenz.
Unter diesen Auspizien ist es nur konsequent, dass den Big Three jetzt
Sondierungen in der Verlagsbranche nachgesagt werden. Im Zentrum der
Übernahmespekulationen steht zwar deren Heimmarkt. Doch auch
Springer-Chef Mathias Döpfner rechtfertigt seine TV-Akquisitionspläne
schon mit dem Hinweis, nur so jene kritische Grösse gewinnen zu können,
die ihn vor Googles Verlegerambitionen schützt.
Aus einem Schweizer Mund würden solche Befürchtungen lächerlich tönen.
Für Global Player sind unsere sprachregionalen Medienmärkte zum Glück
nicht mal «Peanuts». Die Gnade der Provinzialität erlöst die (selbst ja
zum Teil sehr international ausgerichteten) Schweizer Verlage indes
nicht vom Innovationszwang. Ein schon seit geraumer Zeit durch die
hiesige Verlagslandschaft geisterndes Gespenst ist das auf Seite 13
evaluierte Tagesmagazin. Mit einem anderen, ebenfalls bimedialen
Konzept geht das Wall Street Journal Europe dieser Tage an den Start
(siehe Seite 16). An Ideen fehlt es also nicht, wohl aber an
Pioniergeist. Auch diesbezüglich lässt sich von Internet-unternehmen
viel lernen.

Oliver Classen, Redaktor

Alcatel setzt auf Individualfernsehen, Bluewin TV wartet ab

Alcatel kündigt mit «My Own TV» und «Amigo-TV» Angebote an, die individuelles Fernsehen möglich machen.

Der Telekommunikationsausrüster Alcatel
kündigt mit «My Own TV» ein Angebot an, das individuelles Fernsehen
möglich macht, wie der Bund berichtet. Es zielt auf Familien ab –
digital festgehaltene Geburtstagsparties, Weihnachtsfeste und
Ferienerlebnisse können weltweit im Internet-Fernsehen betrachtet
werden. Im elektronischen Programmführer werde das Familienprogramm
gleichwertig neben öffentlichen und kommerziellen Sendern erscheinen,
aber durch einen Code geschützt sein. Einem ähnlichen Prinzip folgt «Amigo-TV», das ebenfalls von Alcatel vorgestellt wurde. Freunde, die
an verschiedenen Orten die gleiche Sendung anschauen, können sich damit
gegenseitig Kommentare auf den Bildschirm schicken.
Fernsehen über das
Telefonkabel müsse mehr sein als herkömmliches Fernsehen, ist Alcatel
überzeugt. Der Bund fragte bei der Swisscom nach, ob im Rahmen von
Bluewin TV ähnliche Anwendungen geplant seien. Sie stünden nicht im
Vordergrund, der Entscheid über eine spätere Einführung sei noch nicht
gefallen, wird Swisscom-Sprecher Sepp Huber vom Bund zitiert.
Das
digitale Fernsehen Bluewin TV war ursprünglich für dieses Jahr geplant,
die kommerzielle Lancierung wurde aber auf 2006 verschoben. Der Grund
war die noch nicht ausgereifte Software von Microsoft. Diese sei nun
aber nicht mehr der kritische Punkt, erzählte Alcatel-Marketingleiter
Alan Mottram dem Bund. Neuralgisch sei eher, ob die Netze und Server
für das Fernsehangebot gerüstet seien. Alcatel testet nun die Software
von Microsoft und integriert sie in das Netz. Der
Telekommunikationskonzern hat weltweit Verträge mit 32 Netzbetreibern
abgeschlossen. Als erstes wird Ende Jahr das amerikanische Unternehmen
SBC loslegen und 18 Millionen Haushalte mit fernsehfähigen Anschlüssen
ausrüsten. In Europa liegt die Pionierrolle laut Bund bei der Swisscom,
sie hatte vor zwei Jahren als erste europäische Firma auf Microsoft
gesetzt.

Gratis-TV-Magazin von U1 heisst FreeTV Schweiz

Nach einer dreimonatigen Testphase in Zürich soll die Zeitschrift schweizweit erhältlich sein.

Die geplante kostenlose Programmzeitschrift von U1 TV wird nun definitiv Free TV Schweiz heissen, wie der
Privatsender mitteilte. Bisher war das Heft als «TV-Time» angekündigt. Nach
einer dreimonatigen Testphase in Zürich soll Free TV schweizweit
erhältlich sein, daher der Zusatz Schweiz im Titel. Starttermin ist gemäss dem vorab veröffentlichten Cover der 24. Oktober. Das täglich
erscheinende Free TV versteht sich gemäss dem Communiqué nicht als Konkurrenz zu
20 Minuten, neben dem es an ÖV-Haltestellen aufgelegt werden wird. Indem es sich auf
Themen rund ums Fernsehen konzentriert, soll das Heft vielmehr eine
Ergänzung zur Pendlerzeitung darstellen. So wurde bewusst auf Nachrichten,
Kinoprogramm und Horoskop verzichtet.
Der Programmteil umfasst sechs der 16 Seiten; drei Seiten sind für
Anzeigen vorgesehen. Am Freitag erscheint Free TV mit erweitertem
Umfang für das Wochenend-Programm und vier zusätzlichen Anzeigenseiten.
Laut eigener Aussage ist der Inserateraum bis 15. November ausgebucht.

Mobilmachung für Manager

Wirtschaftspresse Das Wall Street Journal Europe führt die Off- und Onlineredaktionen zusammen

Wirtschaftspresse Das Wall Street Journal Europe erfindet sich neu und macht Ernst mit der Verschmelzung von Off- und Online.Das 1889 gegründete Wall Street Journal
(WSJ) war für die globale Finanzgemeinde immer schon das, was das
NZZ-Feuilleton für die Schweizer Kulturschickeria ist:
prestigeträchtiger Pflichtstoff. Legendär sind etwa die ellenlangen,
mit kupferstichartigen Porträts prominenter Gastautoren verzierten
Börsentraktate. Im Vergleich zum WSJ mutete die zunehmend buntere NZZ
wie ein Revolverblatt an. Daran änderte auch das sanfte Facelifting der
Europa-Edition anno 2000 nicht viel.
Entsprechend wirkt der am 17. Oktober erfolgende Relaunch der
europäischen und asiatischen Spin-offs des Flaggschiffs vom
börsenkotierten Medienkonzern Dow Jones wie eine Palastrevolution. Die
radikale Komplettumstellung auf Tabloid sei nicht kriseninduziert,
versichert Raju Narisetti, seit August «Editor in Chief» des 1983
lancierten WSJ Europe. Vielmehr trage man damit den
Nutzungsgewohnheiten der zu zwei Dritteln aus Senior Managern
bestehenden Leserschaft Rechnung. «Diese Leute behandeln Zeitung und
Internet gleichberechtigt, konsumieren beides vor allem mobil und
wollen einander möglichst nahtlos ergänzende Medien.»

Wasser- als Zukunftszeichen?
Ausdruck findet die angestrebte Verschmelzung von Off- und Online durch
den neuen, vom Editorial-Design-Papst Mario Garcia gestalteten
Zeitungskopf: Der von Blau auf Schwarz umgestellte Namenszug, in dem
«Europe» nur mehr als Untertitel erscheint, wurde mit dem Wasserzeichen
WSJ.com hinterlegt. Neben optischen Features wurde vor allem auch die
Navigation durch die redaktionellen Off- und Online-Angebote
harmonisiert.
Entstanden ist so ein völlig neues Doppelprodukt, das durch die
einschneidenden Änderungen und die Umstellung aufs Kleinformat
übersichtlicher, einheitlicher und vor allem einfacher werden wollte.
Dass den internationalen Ausgaben letzten Montag ein achtseitiges
«Reader’s Manual» im neuen Format beilag, lässt indes auf einigen
Erklärungsbedarf schliessen. Anzeigenkunden dürfen sich derweil über
mehr Farbpositionen, neue Formate wie auch die kommerzielle Freigabe
der Frontseite freuen. Was dort geschaltet wird, erscheint künftig
zudem als Homepage-Banner.

Abo wirkt neu auch online
Inhaltlich wirkt der bereits letzten September angekündigte Relaunch
allenfalls evolutionär. Ein paar weitere Special-Interest-Seiten – von
«health» bis «wealth» – und neue Kolumnen, ansonsten soll redaktionell
alles beim Altbewährten bleiben. Das Innovativste ist da noch die so
genannte «Landing Page» eurolinks.com, wo täglich alle eigenen und
fremden Zusatzinhalte gebündelt werden. Wegweisend und mutig hingegen
ist die Entscheidung der Dow-Jones-Zentrale, allen internationalen
Abonnenten künftig freien Zugang zu WSJ.com zu gewähren – ein in der
gloriosen Geschichte dieser mit aktuell 744000 zahlenden Nutzern
erfolgreichsten publizistischen Website einmaliger Vorgang.
Apropos Konzernzentrale: Mit der Umstellung seiner Regionalsplits aufs
Trendformat huldigt das globale Wirtschaftsblatt nicht nur dem
Zeitgeist, sondern auch Dow Jones’ Spardoktrin. So rechnet das
Mutterhaus – bei einem Entwicklungsbudget von 7 Millionen Dollar – mit
Kostenreduktionen von jährlich 17 Millionen Dollar. Wo genau gespart
wird, lässt der in Brüssel stationierte Raju Narisetti offen. An der
Redaktion jedenfalls nicht, denn dort gebe es nur «relocations of
ressources» zwischen Print und Internet.    

Oliver Classen

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