Sportsponsoring (II) In den USA boomt Nascar als Werbeplattform, in Europa die Formel 1. Beim Stock Car Auto Racing Nascar in den
USA steht eine konkrete Werbung für die beteiligten Automarken –
(«Stock Cars» = Serienfahrzeuge) – im Vordergrund. Bei der Formel
1 können die siegreichen Boliden von Ferrari, BMW oder Toyota nicht für
den Strassenverkehr gekauft werden. Nur bei der Wertung der
Konstrukteure findet ein Imagetransfer für die Marke statt. Sowohl bei
Nascar wie bei der Formel 1 sind im werbefreundlichen Umfeld dieser
Spektakel aber immer mehr «Trittbrettfahrer» zu beobachten. Einerseits
garantieren die Zuschauerzahlen im TV eine gute Plattform für Spots.
Noch wichtiger sind in der Formel 1 aber die weiteren Sponsoren.
Tatsächlich scheint das Sportsponsoring resistent gegen den generellen
Trend zu schrumpfenden Werbeumsätzen und zeigt sich nach wie vor in
fittester Form. International gesehen ist die Formel 1 dabei das
Liebkind der Sponsoren. Im Erfolg eines Teams sonnen sich vor allem die
Hightechprodukte, die im Hintergrund eines solchen Rennens zum Sieg
geführt haben. Die Formel 1 drohte mit Michael Schumacher als
Dauer-Weltmeister zwar langweilig zu werden. In der Schweiz sind die
Zuschauerzahlen im TV pro Rennen von 345000 im letzten Jahr auf heuer
noch 298000 gesunken. 2004 lag aber die Formel 1 beim Fernsehzuschauer
selbst im Fussballmekka Deutschland gemäss einer Studie mit 40 Prozent
Interesse im Jahresranking immer noch knapp vor Fussball mit 39 Prozent
– und dies sogar im Jahr der Fussball-EM. Nach Formel 1 und Fussball
folgen auf der Beliebtheitsskala des Fernsehens – und damit auch der
Sponsoren – Skispringen, Radsport und Boxen. Hier heissen wichtige
Sponsoren zum Beispiel Vodafone, T-online oder diverse Biermarken.
Trendsportarten wie Snowboarden oder Surfen werden mit Sportartikeln,
Nahrungs- und Genussmitteln in Verbindung gebracht.
Und wohin führen die Trends? Fussball und Beachvolleyball werden in
Zukunft besonders vom Sportsponsoring profitieren, lautet die Prognose
des Faspo, des Fachverbands für Sponsoring und Sonderwerbeformen. Als
Verlierer sieht der Verband Boxen und Tennis. Aber auch die Formel 1
müsse einen Gang zurückschalten und sich im Sponsoring auf geringere
Volumina einstellen. Ein Grund sind drohende Werbeverbote. Geschätzte
300 Millionen Euro sind bis anhin jährlich von den fünf beteiligten
Tabakkonzernen in die Formel 1 geflossen. Bereits in dieser Saison sind
die ersten Restriktionen aber wirksam geworden, und diese Geldquelle
wird sich über kurz oder lang ganz in Rauch auflösen.
Technologie statt Tabak
Eine Möglichkeit, diese Ausfälle wettzumachen, sah Niki Lauda einmal
darin, dass die Formel 1 ganz einfach in Länder ausweiche, wo
Tabakwerbung noch erlaubt ist. Das wird aber immer schwieriger. Also
müssen neue Kleber für die Rennwagen gefunden werden. Mit dem
Sponsoring findet ein Imagetransfer statt. Bei der Formel 1
profitierten in der Geschichte neben den Automarken vorwiegend Banken
von diesem Effekt. Seit die Zigarettenmarken bei der Formel 1 nicht
mehr sichtbar präsent sein dürfen, drängt vor allem die
Elektronikindustrie auf die vorderen Startplätze. Als Trend zeichnet
sich ab, dass immer mehr Technologiefirmen ihr Image mit dem
Hightechsport Formel 1 in Verbindung bringen.
«In der Formel 1 geht alles rasend schnell, und zwar nicht nur auf der
Piste, sondern auch, was die technischen Entwicklungen anbelangt»,
hiess es bei McLaren schon 1987. Damals haben sich die über 300
Ingenieure und Techniker des Teams mit dem britischen
Technologieunternehmen Sun als Partner und Sponsor zusammengefunden.
«Die Technik steht bei der Formel 1 immer im absoluten Mittelpunkt»,
meint Ron Dennis, CEO der TAG McLaren Group. Da brauche es auch
Partner, die auf ihrem Gebiet führend sind. Ayrton Senna ist mit diesem
Team Weltmeister geworden. Auch nach dem Zusammenschluss mit
Mercedes werden die Boliden nach wie vor mit Hilfe der Technik von Sun
entwickelt. Nach acht Jahren ist der Zigarettenhersteller West auf
Grund des Tabakwerbeverbots bei McLaren ausgestiegen. Unter den heute
wichtigsten Sponsoren als Ersatz für die Tabakindustrie steht hier der
Chiphersteller Intel mit versprochenen 32 Millionen Euro in der
Poleposition. McLaren-Mercedes will das aber noch nicht bestätigen.
Intel war bereits in der vergangenen Saison als Partner von Toyota
tätig. Erschwert wird ein weiteres Engagement von Intel, weil die
oberste Motorsportbehörde FIA mit dem Intel-Konkurrenten AMD aufwändige
Simulationsprogramme vereinbart hatte.
Panasonic ist 2001 bei Toyota eingestiegen und hat einen Vertrag als
Namensgeber des Teams auf den Seiten und auf dem Heckflügel bis 2006.
Auch Siemens ist seit 1998 bei McLaren-Mercedes dabei und einer der
ersten Elektrokonzerne in der Formel 1. Siemens bietet seine Dienste
auch als offizieller Technologiepartner der gesamten Rennserie an.
Coca-Cola ante portas
Vodafone ist Sponsor des Ferrari-Teams mit Michael Schumacher. Vodafone
in der Formel 1 erzielt dank diesem Sponsoring überdurchschnittlich
hohe spontane Erinnerungswerte. In einer Befragung unter 1000 Personen
kannten 9 Prozent die Marke, und 5 Prozent verbanden sie mit der Formel
1. Aber auch im Hightechbereich fliesst das Geld nicht ungebremst. BMW
Williams muss im nächsten Jahr auf Sponsor HP verzichten. Denn der
Computerhersteller sieht seine Ziele erreicht. «Wir waren im Jahre 2005
in 200 Ländern präsent, wo weltweit 160 Millionen Menschen jeden der 19
Grands Prix verfolgten», dankt HP seinem Team zum Abschluss. Es heisst,
dass HP das Sponsoring aus Imagegründen gestrichen hat, weil in
Deutschland bis Ende 2006 1500 Stellen abgebaut werden müssen. BMW
Williams setzt jetzt vermehrt auf das Sponsoring der Allianz. Die
Versicherung will mit diesem Engagement ihren Namen stärker in
relevante Märkte wie Asien und Osteuropa tragen.
Dementiert wird, dass Coca-Cola in die Formel 1 einsteigen will. Hier
lautet die wildeste Spekulation in diversen Weltmedien, dass der
Getränkemulti nicht nur ein einzelnes Team unterstützen, sondern sogar
als Namensgeber für alle Rennen auftreten will: «Coca-Cola Formula One
Championship». Philipp Bodzenta, der Director Communications beim
Konzern, wehrt ab, meint aber: «Auch wenn wir derzeit keine Gespräche
führen, heisst dies nicht, dass wir uns diesem Thema für die Zukunft verschliessen.» Würde Coca-Cola tatsächlich einsteigen,
gäbe es sicher ein paar Crashs mit Red Bull. Auch Formel-1-Zampano
Bernie Ecclestone wollte entsprechende Gespräche mit Coca-Cola «nicht
bestätigen» – aber auch nicht dementieren. Ein Namenssponsoring der
ganzen Rennserie würde gemäss Experten pro Jahr rund 130 Millionen Euro
kosten. Ecclestone steht in der Formel1 zunehmend unter Druck. Einige
Autohersteller wie Renault, DaimlerChrysler, BMW oder Toyota drohen mit
einer eigenen Rennserie ab 2008. Ein Sponsoring-Vertrag, wie jener mit
Coca-Cola, würde Ecclestone im Poker mit den Teams eine gute Karte in
die Hände spielen.
Sportsponsoringmarkt Schweiz
Und wie läuft dieses Geschäft in der Schweiz? Der Sponsoringmarkt hier ist mit einem Volumen von 350 bis 400 Millionen Franken eher bescheiden, sagt eine Studie der Gesellschaft für Sportförderung, gfs.
Die bekanntesten Sponsoren sind hier die Banken, wobei die UBS mit 43
Prozent vor Credit Suisse (30 Prozent) und den Raiffeisen-Banken (13)
liegt. Eine wichtige Rolle im Sportsponsoring spielen auch Swisscom und
Rivella. UBS wird bis zum Finale des America’s Cup 2007 rund 20
Millionen Euro in die Segelcrew von Alinghi stecken und damit rund um
das Stichwort «Teamwork» werben. Die Credit Suisse, seit der Saison
2001 Sponsor des Teams Sauber Petronas, wird auch nach dem Verkauf von
Sauber nach Deutschland das neugeschaffene BMW-Team ab dem kommenden
Jahr und sicher noch bis 2008 unterstützen. «Die Formel 1 ist eine
wertvolle globale Marketingplattform, mit der die Marke Credit Suisse
in der ganzen Welt präsent ist», meinte Marco Taborelli, Head of Global
Marketing bei der Bank. Wie viele Unternehmen nutzt auch die CS ihre
Rennsportförderung nicht zuletzt zur Kundenpflege. Eine Einladung in
die Boxen von Monte Carlo ist als kleine Aufmerksamkeit nämlich kaum
mehr zu überbieten.
Andreas Panzeri