Vorsicht: Fixformat-Rabatte täuschen
Anzeigen Bei einigen Inseratetarifen sinkt zwar der Frankenbetrag, übers Ganze gesehen und in Relation zur Leistung wird Print aber teurer.
gehe 2006 in Richtung «günstigere Preise und einfachere Handhabung» –
so liess sich die Publimedia, Verkäuferin der Gattung Print, am 27.
September am Publimedia-Forum vernehmen. Doch auch dieses Jahr gilt:
Ganz so eindeutig ist die Sache keineswegs.
Zwar reduziert tatsächlich eine Anzahl Tageszeitungen ihren Tarif für
eine Seite vierfarbig – und zwar um bis zu 10 Prozent. Das hat jedoch
primär mit dem Wechsel zum neuen Tarifmodell zu tun. Dieser findet vor
allem in der Deutschschweiz statt, weil die meisten Westschweizer
Zeitungen schon früher umgestellt haben. Der Wechsel beinhaltet unter
anderem die Einführung eines Farbmillimeterpreises als neue Basis.
Dieser ist allerdings oft so bemessen, dass er ein ganzseitiges,
vierfarbiges Inserat (1/1vf) gegenüber heute verteuern würde. Da aber
viele Tageszeitungen gleichzeitig auch Fixformate einführen, die
gegenüber dem besagten Millimeterpreis bis zu 24 Prozent billiger sind,
ist der Preisaufschlag nicht so augenfällig. Denn der Nachlass auf
Fixformate führt dazu, dass einige Titel beispielsweise ihre
1/1vf-Inserate 2006 selbst gegenüber dem heute geltenden Tarif
günstiger anbieten. Das gilt jedoch nur für Fixformate, Zwischenformate
werden teilweise happig teurer. Der Stellenanzeiger Alpha legt dies als
einziger Titel einigermassen offen: Sein neuer Farbmillimetertarif
verteuert das 1/1vf-Inserat um 5 Prozent, was hier aber keine Rolle
spielt, weil dieses Format kaum je gebucht wird. Dank
Fixformat-Nachlass auf eine halbe oder eine Viertelseite reduziert
Alpha aber die gebräuchlicheren Stellenformate gegenüber heute.
Allerdings ist gerade bei den Zeitungen zu beachten, dass diese
tendenziell Leser verloren. Somit kommen mancherorts die Nachlässe auf
Fixformate bloss einem stabilen Tausendleserpreis (TLP) gleich.
Bei den Zeitschriften gilt jedoch nicht einmal das: Sie belassen in der
Regel ihre Tarife auf bisherigem Niveau, obwohl sie teils signifikante
Leserverluste zu beklagen haben. Damit treiben sie also ihren TLP in
die Höhe. Dies trifft klar zu bei Facts, Tele, Gesundheit Sprechstunde,
Gesundheits-Tipp, Glückspost, Illustré, TV-Star und Femina, aber auch
bei Coopération und Cooperazione sowie bei der deutschen und
französischen Ausgabe des TCS-Blattes Touring – um nur einige zu
nennen. Eine Ausnahme ist Cash. Es gleicht seinen aktuellen
Reichweitenverlust von 7,8 Prozent mit einem um 10 Prozent reduzierten
Tarif aus. Auch Bon à savoir geht um 5,4 Prozent zurück, die Leistung
reduzierte sich allerdings um 8,5 Prozent.
Weltwoche wird günstiger
Was ebenfalls auffällt: Die Weltwoche, deren Leserrückgang im
Vertrauensbereich blieb (–4,8 Prozent), reduziert den Tarif dennoch um
2 Prozent. Das tut sonst kein Zeitschriftentitel. Ob der Jean Frey
Verlag mit dieser Massnahme tariflich einen weiteren, intern sich
abzeichnenden Reichweitenverlust vorwegnimmt?
Interessant ist auch, was bei den Zürcher Landzeitungen geschieht:
Zürichsee-Zeitung, Zürcher Oberländer und Zürcher Unterländer senken
ihre sw- und vf-Tarife um 5 bis 10 Prozent. Sie tun dies, obwohl sie
nur kleine Verluste und sogar Lesergewinne zu verzeichnen haben. Der
Grund dürfte klar sein: Die drei Zeitungen wappnen sich auch auf
tariflicher Ebene gegen die neuen Tagi-Splits. Zudem können sie so das
Züriland-Kombi wettbewerbsfähiger machen, jetzt, da dieses nicht mehr
mit dem Kombi 1 aus Landbote, Thurgauer Zeitung und Schaffhauser
Nachrichten zum Kombi Nordostschweiz verbunden werden kann. Was die
Thurgauer Zeitung in tariflicher Hinsicht tun wird, ist übrigens noch
nicht klar (siehe Kasten), der Landbote und die Schaffhauser
Nachrichten ihrerseits bieten aber ihr Fixformat 1/1vf um 9,3
respektive 1,8 Prozent günstiger an.
Doch zurück zu den allgemeinen Tariftrends: Während die Verlage
gesunkene Leistungen kaum mit sinkenden Preisen ausgleichen, überwälzen
sie gestiegene Reichweiten sofort auf die Kunden – in Form höherer
Tarife. Dies ist der Fall bei der NZZ am Sonntag, beim NZZ Folio, beim
Anzeiger St.Gallen, beim PME Magazine, bei Il Caffè, La Regione Ticino
und 20 Minuten. Doch gibt es auch hier Ausnahmen, so 24 Heures und das
Migros Magazin: Sie belassen ihre Tarife trotz signifikantem
Leserzuwachs auf bisherigem Niveau. Es gibt allerdings auch einige
wenige Titel, die trotz gleich bleibender oder gar sinkender Leistung
teurer werden. So schlägt etwa der Walliser Bote um 2 Prozent und der
Beobachter um 0,6 Prozent auf. Der Walliser Bote begründet dies mit
gestiegenen Papierpreisen.
Etliche Tarife stehen noch aus
Folgende Titel sind mit ihren Tarifen 2006 noch nicht so weit: Blick,
SonntagsBlick, Aargauer Zeitung, Thurgauer Zeitung, Metropool sowie
diverse Gratistitel. Interessant ist darüber hinaus, dass die Basler
Zeitung als Titel mit P-Regie nicht auf das neue Tarifmodell umstellt.
Auch der Tages-Anzeiger wechselt noch nicht sofort, hat dies allerdings
im Laufe des nächsten Jahres vor. Die Umstellung erfolgt, sobald er mit
seiner Splitstrategie im Reinen ist. Einige kleinere Zeitungen, so zum
Beispiel die Schaffhauser Nachrichten
oder die Freiburger Nachrichten, machen zwar erste Schritte Richtung
neues Tarifmodell, einen Farbmillimetertarif können sie aber noch nicht
anbieten, weil sie nicht durch-
gehend vierfarbig erscheinen.
Markus Knöpfli
