Stephan Küng hat die Initiative Media Schweiz mit neuen Grosskunden in die vorderen Ränge der Agenturen gebracht.Das Jahr hatte «super angefangen» und
endet jetzt mit einem «Big Bang». Stephan Küng und seine Initiative
Media in Wallisellen haben zusammen mit dem Londoner Büro aus dem
internationalen Netzwerk Anfang 2005 das Budget der Credit Suisse
gewonnen. Küng betreut die Schweiz. London den Rest der Welt. Im Laufe
des Jahres ist die CS-Tochter «Winterthur» dazugekommen. Und jetzt war
das Glück den Tüchtigen noch einmal hold. Nach einem «sehr weit
gehenden» Pitch hat Initiative mit Coop auch noch das Budget des
zweitgrössten Werbetreibenden der Schweiz gewonnen.
«Team, Arbeitsprozess, Tools und (dafür immer noch mit Kinodias) ‹value
for money›», nennt Küng die vier Gründe für seinen Erfolg. Die
wichtigste Stärke seiner Agentur seien dabei die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. «Media ist Kopfarbeit.» Der Chef ist stolz darauf, dass
fast alle Leute, die er bis jetzt eingestellt hat, bei der Firma
geblieben sind. «Das ist im Vergleich zur Branche sehr stabil.»
2001 hat Stephan Küng die Initiative Media Schweiz übernommen.
Die Agentur wurde 1993 gegründet und ist 1998 international mit Western
Media fusioniert worden. Als Folge der Neukunden hat Initiative im
laufenden Jahr sechs neue Stellen geschaffen und beschäftigt heute 16
Leute, davon zwei bei einem Ableger in Genf.
Initiative Media gehört zu IPG Interpublic, ebenso wie die Werbeagentur
FCB Leutenegger Krüll. Deshalb sind Küngs Büros an der gleichen Adresse
in Wallisellen eingemietet. In einer alten Mühle teilt man sich die
Infrastruktur. Das Gebäude mit einem Stauwehr und Wasserweiher wirkt
wie eine Oase im hektischen Zürcher Industriequartier. «Inspirationen
für meinen Job kann ich mir beim Beobachten der Forellen und Karpfen in
der lauschigen Umgebung vor meinem Fenster aber keine holen», meint
Küng. Die Kreativität des Media-Spezialisten orientiert sich mehr an
nüchternen Zahlen.
Die Agentur hat im letzten Jahr grosse Investitionen in die Entwicklung
neuer Arbeitsprozesse gemacht. «Wir sind weltweit ein führendes
Netzwerk und haben dort Zugriff auf interessante eigene Tools.»
Initiative Media arbeitet weltweit mit
dem vorgegebenen Arbeitsprozess «I connect». Dieser muss aber jeweils
für die einzelnen Märkte adaptiert werden. Ein ganzes Jahr lang war
eine Person in Wallisellen fast ausschliesslich mit dem Einführen dieses Tools beschäftigt.
«I connect» führt durch sämtliche Planungsschritte. Wichtig dabei sei,
dass man sich konsequent bei jedem Schritt nach Kreativität und
Innovationen ausrichte. Jeder Schritt muss Einsparungen oder Mehrwert
für den Kunden bringen. «Wenn wir diesem Prozess richtig folgen, können
wir wirklich aufzeigen, wo Potenzial für unsere Kunden liegt»,
verspricht Küng.
Ein anderes Tool ist «Matrix». Dieses gilt als das weltweit einzige,
das Mixkampagnen berechnen kann. Auch dazu hat Initiative viel in die
Forschung gesteckt, um das Tool optimal mit dem Schweizer Markt
kombinieren zu können. Eine repräsentative Gruppe wurde über ihr
Verhalten bei der Mediennutzung befragt. Diese Daten kombiniert nun
«Matrix» mit den Zahlen von Mach, Telecontrol und Radiocontrol. Damit
kann nicht mehr nur die Wirkung in einzelnen Medien, sondern können
auch Gesamtkampagnen berechnet und immer feiner abgestimmt werden.
Um hier an vorderster Front mitreden zu können, ist Stephan Küng seit
Jahren in verschiedenen Institutionen im Bereich Forschung engagiert.
Bei der Igem ist er Vorstandsmitglied, beim BSW ist er zuständig für
Mediaforschung, und auch bei der User Group von Swiss Poster Research
ist er aktiv mit dabei. Dazu wirkt er als Prüfungsexperte beim eidg.
Leiter Marketing-Kommunikation. «Wenn man will, dass sich eine Branche
entwickelt, soll man selber etwas aktiv für Forschung und Ausbildung
tun.»
Küng selber ist «wie viele» über die Publicitas in die Branche
gekommen. Anfang der 80er-Jahre machte er bei der P in St. Gallen das
KV. Die folgenden 20 Jahre Berufserfahrung holte er sich in
verschiedenen Werbeagenturen wie Grendene & Lanz, Sulzer Sutter,
BBDO. Über die Fusion von Grendene & Partner mit Ogilvy ist er in
der Funktion eines Medialeiters in die WPP-Gruppe gekommen. Dort hat er
1998 MindShare gegründet.
Nach einem kurzen Wechsel als Verlagsleiter beim
Werbewoche-Konkurrenten Persönlich hat er gespürt, dass sein «Herz
weiter für die Media schlägt». In dieser Stimmung hat Stephan Küng
schliesslich die Initiative Media übernommen.
«Die Arbeit mit Media ist spannend, weil man in verschiedene Richtungen
Kontakt hat: Medien und Kunden. Man muss sich mit Zielgruppen
auseinander setzen und darf immer wieder einen Spagat machen zwischen
einem Zahlenjob, Einkaufsjob und dem kreativen strategischen Teil.»
Küng bezeichnet sich als einen «heavy internet user». Er nimmt sich
aber auch jeden Morgen 45 Minuten Zeit, um bei einem Kaffee die
Zeitungen zu lesen. Fernsehen dient ihm vor allem zum Entspannen.
Privat geniesst er das Leben auf dem Land bei seiner Familie mit drei
Mädchen von 9, 14 und 15 Jahren. «Da lerne ich, wie neue Medien
funktionieren und junge Zielgruppen ticken», schmunzelt er und
beschreibt, wie seine Kids bei eingeschaltetem Fernseher im Internet
chatten, SMS austauschen und gleichzeitig über das Festnetz mit
Kollegen verbunden sind.
Sein eigenes Hobby war früher «in wilden Zeiten mit langen Haaren als
Rossschwanz gebunden» die Musik. Küng hat in mehreren Bands Saxofon
gespielt, vorwiegend Blues und Soul. Genau einen Tag vor dem Eintritt
in die Jazzschule kam dann ein Jobangebot als Medialeiter. Er trauert
aber nichts nach. «Ich arbeite sehr gern und liebe mein Fach.» Privat
will er für die Zukunft «mehr persönliche Inseln schaffen».
Sein Ziel im Geschäft: Nachdem das Unternehmen in den letzten Jahren
die Grösse erreicht hat, bei der eine Mediaagentur optimal
funktionieren und strukturiert werden kann – das heisst spezialisierte
Teams bilden und darauf bauen–, will Küng und seine Initiative in der
Zukunft vorwiegend qualitativ wachsen. «Wir wollen den Kunden nicht nur
Reichweiten und GRP verkaufen, sondern auch Werbewirkung aufzeigen.
Damit Kunden wissen, was ihre Investitionen in die Werbegelder wert
sind.» ;
Andreas Panzeri