«Mittwoch-Studio» gibt Löffel ab

TV-Spots Nach 27 Jahren Laufzeit kommt für das Advertainment-Format das Aus.

TV-Spots Nach 27 Jahren Laufzeit kommt für das Advertainment-Format das Aus.1978 führte Coop für das
informationsinteressierte «Tagesschau»-Publikum eine Alternative zu den
hektischen Kurzspots ein – eine Art Coop-Wochenschau. Die Akzeptanz
sollte nicht über die Form, die immer umstritten blieb, sondern über
die informativen Inhalte erfolgen. Getreu dem Motto «gut informiert –
besser einkaufen». In den mehrminütigen Sendungen sollten Reportagen,
Shoppingservice, Rezepttipps sowie Studiogäste durch Transparenz die
Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in Coop stärken. Mit dem anhaltenden
Effekt, dass die 19.25-Uhr-Werbeinsel jeweils am Mittwoch das höchste
Rating aller TV-Tage aufwies und zehn Prozent der Zuschauer in
Befragungen angaben, speziell wegen des «Coop-Mittwoch-Studios» den
Apparat einzuschalten.
«Welcher Spot kann das schon von sich behaupten?», fragt
Coop-Pressesprecher Karl Weisskopf. Doch die Reichweiten fielen mit
steigender Senderzahl und neuen Kochsendungen – auch eigenen
Co-Produktionen wie «al dente» – auf rund 800000 (Oktober 2005). Damit
und mit den hohen Kosten nahmen die Fragezeichen zur Weiterführung des
«Studios» zu. Im Sinn der neuen und integrierten
Kommunikationsstrategie «für mich und dich» will der Grossverteiler
vermehrt TV-Kurzspots für verschiedene Zielgruppen einsetzen.
   

Luca Aloisi

Tom Hänni und Sven König gewinnen CreaTVty Award

Am Mittwochabend ist zum 4. Mal der TPC CreaTVty Award verliehen worden.

Am Mittwochabend ist zum 4. Mal der TPC
CreaTVty Award verliehen worden. Die Auszeichnung ging an Tom Hänni,
Absolvent der Hochschule der Künste
Bern, in der
Kategorie Film und an Sven König, Absolvent der Hochschule für Kunst
und Gestaltung Zürich, in der Kategorie Medienkunst. Hännis
Animationsfilm «Briefe an
die Mutter» illustriert ein Lied des Berner Rappers Tommy Vercetti.
Laut der Jury überschreitet er aber die Grenzen des musikalischen
Materials und schafft, inspiriert vom amerikanischen Kriegskino und vom
japanischen Animationsfilm, «eine dichte Erzählung, in der die
Zeichnung immer der menschlichen Hoffnung und Verzweiflung dient».
Königs Arbeit «Scrambled Hacks», eine «Gedankenmusikmaschine», besticht
laut den Juroren durch spielerische Genialität und kritische Ironie:
«Die virtuelle Bilderwelt, der schöne aseptische Schein, der auf Konsum
ausgerichteten Musikclips wird in Sven Königs Installations-Arbeit
demontiert, indem die Verbindung zwischen Körperkult und Musik
zertrennt wird.» Der CreaTVty Award als Förderpreis für junge Künstler
wird vom TV Productioncenter Zürich (TPC) ausgeschrieben. Die Sieger
durften den Preis und das Preisgeld von 10’000 Franken aus den Händen
von TPC-Verwaltungsratspräsidentin Ingrid Deltenre entgegen nehmen. 600
geladene Gäste aus Fernsehen, Wirtschaft, Marketing und Werbung
verfolgten die Award-Verleihung im Studio 1 des TPC.

Nascar gilt bei Werbern und Sponsoren als cool

Der Jahresumsatz der National Association for Stock Car Auto Racing beträgt laut Schätzungen drei Milliarden Dollar, die Fan-Gemeinde zählt 75 Millionen Amerikaner.

Der Jahresumsatz der National Association
for Stock Car Auto Racing (Nascar) beträgt laut Schätzungen drei
Milliarden Dollar, die Fan-Gemeinde zählt 75 Millionen Amerikaner: eine
ideale Werbeplattform. Zurzeit ist sie besondere beliebt bei Hollywood,
welches fleissig die Marketingtrommel bei Nascar-Rennen rührt. Immer
öfter promoten die Stars und Sternchen ihre neusten Filme am Rand des
Speedways. Und umgekehrt: Nascar war in diesem Sommer einer der
Hauptsponsoren des Film «Herbie: Fully Loaded» mit Teenstar Lindsay
Lohan. Natürlich profitieren auch Werber, Eventsponsoren und
Autohersteller von dem enormen Markenbewusstsein, welches die
Autoevents in Amerika momentan hervorrufen. Lesen Sie mehr über das
grosse Geschäft mit der Geschwindigkeit in der Werbewoche vom 10.
November 2005. Kein Abo? Einzelausgaben der Werbewoche können bei
Ginette Peter – – bestellt werden (CHF
8.00 + MwSt./Porto).

Mann der Initiative

Stephan Küng hat die Initiative Media Schweiz mit neuen Grosskunden in die vorderen Ränge der Agenturen gebracht.

Stephan Küng hat die Initiative Media Schweiz mit neuen Grosskunden in die vorderen Ränge der Agenturen gebracht.Das Jahr hatte «super angefangen» und
endet jetzt mit einem «Big Bang». Stephan Küng und seine Initiative
Media in Wallisellen haben zusammen mit dem Londoner Büro aus dem
internationalen Netzwerk Anfang 2005 das Budget der Credit Suisse
gewonnen. Küng betreut die Schweiz. London den Rest der Welt. Im Laufe
des Jahres ist die CS-Tochter «Winterthur» dazugekommen. Und jetzt war
das Glück den Tüchtigen noch einmal hold. Nach einem «sehr weit
gehenden» Pitch hat Initiative mit Coop auch noch das Budget des
zweitgrössten Werbetreibenden der Schweiz gewonnen.
«Team, Arbeitsprozess, Tools und (dafür immer noch mit Kinodias) ‹value
for money›», nennt Küng die vier Gründe für seinen Erfolg. Die
wichtigste Stärke seiner Agentur seien dabei die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. «Media ist Kopfarbeit.» Der Chef ist stolz darauf, dass
fast alle Leute, die er bis jetzt eingestellt hat, bei der Firma
geblieben sind. «Das ist im Vergleich zur Branche sehr stabil.»
 2001 hat Stephan Küng die Initiative Media Schweiz übernommen.
Die Agentur wurde 1993 gegründet und ist 1998 international mit Western
Media fusioniert worden. Als Folge der Neukunden hat Initiative im
laufenden Jahr sechs neue Stellen geschaffen und beschäftigt heute 16
Leute, davon zwei bei einem Ableger in Genf.

Initiative Media gehört zu IPG Interpublic, ebenso wie die Werbeagentur
FCB Leutenegger Krüll. Deshalb sind Küngs Büros an der gleichen Adresse
in Wallisellen eingemietet. In einer alten Mühle teilt man sich die
Infrastruktur. Das Gebäude mit einem Stauwehr und Wasserweiher wirkt
wie eine Oase im hektischen Zürcher Industriequartier. «Inspirationen
für meinen Job kann ich mir beim Beobachten der Forellen und Karpfen in
der lauschigen Umgebung vor meinem Fenster aber keine holen», meint
Küng. Die Kreativität des Media-Spezialisten orientiert sich mehr an
nüchternen Zahlen.

Die Agentur hat im letzten Jahr grosse Investitionen in die Entwicklung
neuer Arbeitsprozesse gemacht. «Wir sind weltweit ein führendes
Netzwerk und haben dort Zugriff auf interessante eigene Tools.»
Initiative Media arbeitet weltweit mit
dem vorgegebenen Arbeitsprozess «I connect». Dieser muss aber jeweils
für die einzelnen Märkte adaptiert werden. Ein ganzes Jahr lang war
eine Person in Wallisellen fast ausschliesslich mit dem Einführen dieses Tools beschäftigt.

«I connect» führt durch sämtliche Planungsschritte. Wichtig dabei sei,
dass man sich konsequent bei jedem Schritt nach Kreativität und
Innovationen ausrichte. Jeder Schritt muss Einsparungen oder Mehrwert
für den Kunden bringen. «Wenn wir diesem Prozess richtig folgen, können
wir wirklich aufzeigen, wo Potenzial für unsere Kunden liegt»,
verspricht Küng.

Ein anderes Tool ist «Matrix». Dieses gilt als das weltweit einzige,
das Mixkampagnen berechnen kann. Auch dazu hat Initiative viel in die
Forschung gesteckt, um das Tool optimal mit dem Schweizer Markt
kombinieren zu können. Eine repräsentative Gruppe wurde über ihr
Verhalten bei der Mediennutzung befragt. Diese Daten kombiniert nun
«Matrix» mit den Zahlen von Mach, Telecontrol und Radiocontrol. Damit
kann nicht mehr nur die Wirkung in einzelnen Medien, sondern können
auch Gesamtkampagnen berechnet und immer feiner abgestimmt werden.
Um hier an vorderster Front mitreden zu können, ist Stephan Küng seit
Jahren in verschiedenen Institutionen im Bereich Forschung engagiert.
Bei der Igem ist er Vorstandsmitglied, beim BSW ist er zuständig für
Mediaforschung, und auch bei der User Group von Swiss Poster Research
ist er aktiv mit dabei. Dazu wirkt er als Prüfungsexperte beim eidg.
Leiter Marketing-Kommunikation. «Wenn man will, dass sich eine Branche
entwickelt, soll man selber etwas aktiv für Forschung und Ausbildung
tun.»

Küng selber ist «wie viele» über die Publicitas in die Branche
gekommen. Anfang der 80er-Jahre machte er bei der P in St. Gallen das
KV. Die folgenden 20 Jahre Berufserfahrung holte er sich in
verschiedenen Werbeagenturen wie Grendene & Lanz, Sulzer Sutter,
BBDO. Über die Fusion von Grendene & Partner mit Ogilvy ist er in
der Funktion eines Medialeiters in die WPP-Gruppe gekommen. Dort hat er
1998 MindShare gegründet.

Nach einem kurzen Wechsel als Verlagsleiter beim
Werbewoche-Konkurrenten Persönlich hat er gespürt, dass sein «Herz
weiter für die Media schlägt». In dieser Stimmung hat Stephan Küng
schliesslich die Initiative Media übernommen.

«Die Arbeit mit Media ist spannend, weil man in verschiedene Richtungen
Kontakt hat: Medien und Kunden. Man muss sich mit Zielgruppen
auseinander setzen und darf immer wieder einen Spagat machen zwischen
einem Zahlenjob, Einkaufsjob und dem kreativen strategischen Teil.»
Küng bezeichnet sich als einen «heavy internet user». Er nimmt sich
aber auch jeden Morgen 45 Minuten Zeit, um bei einem Kaffee die
Zeitungen zu lesen. Fernsehen dient ihm vor allem zum Entspannen.
Privat geniesst er das Leben auf dem Land bei seiner Familie mit drei
Mädchen von 9, 14 und 15 Jahren. «Da lerne ich, wie neue Medien
funktionieren und junge Zielgruppen ticken», schmunzelt er und
beschreibt, wie seine Kids bei eingeschaltetem Fernseher im Internet
chatten, SMS austauschen und gleichzeitig über das Festnetz mit
Kollegen verbunden sind.

Sein eigenes Hobby war früher «in wilden Zeiten mit langen Haaren als
Rossschwanz gebunden» die Musik. Küng hat in mehreren Bands Saxofon
gespielt, vorwiegend Blues und Soul. Genau einen Tag vor dem Eintritt
in die Jazzschule kam dann ein Jobangebot als Medialeiter. Er trauert
aber nichts nach. «Ich arbeite sehr gern und liebe mein Fach.» Privat
will er für die Zukunft «mehr persönliche Inseln schaffen».

Sein Ziel im Geschäft: Nachdem das Unternehmen in den letzten Jahren
die Grösse erreicht hat, bei der eine Mediaagentur optimal
funktionieren und strukturiert werden kann – das heisst spezialisierte
Teams bilden und darauf bauen–, will Küng und seine Initiative in der
Zukunft vorwiegend qualitativ wachsen. «Wir wollen den Kunden nicht nur
Reichweiten und GRP verkaufen, sondern auch Werbewirkung aufzeigen.
Damit Kunden wissen, was ihre Investitionen in die Werbegelder wert
sind.» ;

Andreas Panzeri

Beklemmende Büroklammer

Theater FCB Leutenegger Krüll visualisiert den Tod eines Handlungsreisenden.

Theater Letzten Monat wäre Arthur Miller
90-jährig geworden. Im Februar dieses Jahres ist Amerikas Gewissen,
Moralist und Marilyn Monroes Mann gestorben. Weltruhm erlangte der
Dramatiker mit seinem 1949 geschriebenen Klassiker «Tod eines
Handlungsreisenden». Das Theater Rigiblick hat es in seine
Spezial-Reihe aufgenommen. Und Hausagentur FCB Leutenegger Krüll hat,
passend zur modernen Inszenierung von Regisseurin Caroline Ulli, ein
auffälliges Werbesujet geliefert: In der zur Pistole gebogenen
Büroklammer verschliesst sich der ganze Leidensweg Willy Lomans bis zu
seinem Selbstmord.

Witchcraft präsentiert neuen Geschäftsführer

Seit 1. Oktober ist Toni Loher teilhabender Geschäftsführer von Witchcraft, der Tochterfirma von Advertising Art Ideas.

Seit 1. Oktober ist Toni Loher
teilhabender Geschäftsführer von Witchcraft, der Tochterfirma von
Advertising Art & Ideas für Relationship Marketing und Events. Er
war die letzten Jahre bei der Trendcommerce Group in St. Gallen tätig,
zuerst als Leiter von Callworld Telemarketing, danach als Mitglied der
Gruppen-Geschäftsleitung. Toni Loher wird bei Witchcraft, und auch bei
Advertising Art & Ideas, für Ideen und Prozesse im Bereich Dialog-
und Telemarketing sowie für CRM-Programme und Events verantwortlich
sein. Neben dem personellen Zuwachs kann sich Witchcraft auch über ein
neues Verkaufsbüro freuen. Seit dem 1. November betreut nun auch ein
Team in Rebstein im Rheintal Kunden in der Ostschweiz, dem Fürstentum
Liechtenstein und im Vorarlberg.

Freicom kommuniziert für St. Galler Festspiele

Die St. Galler Festspiele, die ab dem 23. Juni 2006 erstmals auf dem Klosterplatz in St. Gallen stattfinden, setzen in der Kommunikation auf Freicom Beziehungsmanagement und Kommunikation.

Die St. Galler Festspiele, die ab dem 23. Juni 2006 erstmals auf dem
Klosterplatz in St. Gallen stattfinden, setzen in der Kommunikation auf
Freicom Beziehungsmanagement und Kommunikation. Neben der Begleitung
aller Kommunikationsmassnahmen zeichnet die Agentur insbesondere für
den Internet-Auftritt, die Media- und PR-Planung sowie die Gestaltung
des Programmhefts verantwortlich. Ausserdem unterstützt Freicom die
klassischen Musikfestspiele in der Sponsoring-Akquisition.

Domo gewinnt erneut Goldene Feder

Das Mitarbeitermagazin Domo von Ringier hat der Jury wegen seiner Vielseitigkeit und Lebendigkeit gefallen.

Das Mitarbeitermagazin Domo von Ringier
hat zum zweiten Mal in Folge die «Goldene Feder» gewonnen. Der
Schweizer Verband für interne Kommunikation (SVIK) verleiht den Preis
jährlich für die beste Mitarbeiterzeitschrift. Domo habe der Jury wegen
der Vielseitigkeit und Lebendigkeit, der attraktiven Texteinstiege, des
ausgewogenen Bild-Text-Verhältnisses und der kurzen Artikel gefallen,
teilt Ringier mit.

Online Consulting realisiert Websites für TC Training Center-Gruppe

Die TC Training Center-Gruppe hat Online Consulting beauftragt, die Gruppenwebsite sowie diejenigen der 18 Fitnesstempel zu erstellen.

Die TC Training Center-Gruppe hat Online
Consulting beauftragt, die Gruppenwebsite sowie diejenigen der 18
Fitnesstempel zu erstellen. Geplant sind Seiten in einem frischen und
sportlichen Design, auf welchen der Kunde die aktuellen News und
Informationen zu den lokalen Dienstleistern findet. Die TC Training
Center-Gruppe ist ein Verbund von 18 Fitnesscentern in der ganzen
Schweiz, welcher den Kunden unter anderem ermöglicht, mit einem Abo an
verschiedenen Standorten zu trainieren.

Eine öffentliche Entschuldigung

Internet Zum Launch des Online-Handelsplatzes Piazza.ch bedauert die Agentur Malstube, was man selbst dort nicht los wird.

Internet Die Agentur Malstube hat eine
Lancierungskampagne für den Online-Handelsplatz Piazza.ch entwickelt
und nennt bedauernd die Dinge, die man selbst dort nicht los wird.
«Sorry, aber Ihre pubertierende Tochter eher nicht», lautet eines der
zwölf Schlagzeilensujets. Zusätzlich machen Radiospots die neu
gegründete Tamedia-Tochter bekannt, deren Dienst im Rahmen der
Einführung bis auf weiteres kostenlos ist.

Lektüre ohne Ballaststoffe

Kolumne Stephan Russ-Mohl über den Relaunch des Wall Street Journal Europe.

Kolumne Zeitungen kommen oft so umfangreich
und bedrohlich fett daher, dass man sie nicht mehr in die eigene
Wohnung schleppen mag. Doch es geht auch federleicht und farbenfroh, findet Stephan Russ-Mohl.Hokuspokus – weniger Zeitung, mehr
Qualität! Dieses Zauberstück verdient unser aller Aufmerksamkeit, auch
wenn es anderen Verlegern derzeit noch kaum zur Nachahmung empfohlen
sei: Man stelle aufs kleine Tabloidformat um und lasse den
Zeitungsumfang dabei drastisch schrumpfen – so heftig, dass damit
jährlich 22 Millionen Franken Kosten (= 17 Millionen Dollar) eingespart
werden können, wohl überwiegend für Druck und Papier. Man verlange fürs
Blatt und für die kleineren Anzeigen den gleichen Preis wie bisher. Und
man kommuniziere den Lesern und Inserenten, man biete ihnen jetzt weit
mehr als zuvor.
So geschehen vor einigen Tagen beim Wall Street Journal Europe (vgl.
Werbewoche vom 13.10.05). Und der Witz an der Sache ist, dass alles
stimmt – jedenfalls für die Kernzielgruppe, die das Wirtschaftsblatt
erreichen möchte. Jeder Manager, jeder Banker und auch sonst jeder, der
etwas zu sagen hat, klagt heute über «information overload». Schon die
vielen E-Mails, die einen täglich erreichen, sind oft kaum zu verdauen.
Da kann es – für Leser wie für Werbetreibende – durchaus zum
Qualitätsmerkmal einer Zeitung werden, wenn sie auf knappem Raum das
Wesentliche kondensiert, statt bedrohlich fett und umfangreich
daherzukommen. Ich kann mich an den Brief eines genervten
New-York-Times-Lesers erinnern, der die Zeitung abbestellt hat, als
sein vier- oder fünfjähriger Sohn die mehrere Pfund schwere
Sonntagsausgabe nicht mehr vom Briefkasten in die Wohnung zu schleppen
vermochte.

Kein Manager, kein Banker kann es sich ausserdem heute mehr leisten,
nicht im Internet vernetzt zu sein. Warum sollte also ein
Wirtschaftsblatt noch viele Seiten Kurszettel drucken, wo sich doch
längst alle Daten um ein Vielfaches aktueller und auch bequemer online
abrufen lassen? Und warum sollten Verleger nicht ihre Zeitung und ihr
Webangebot so intelligent vernetzen, dass die gedruckte Information
gerade ausreicht, um sich unterwegs auf dem Laufenden zu halten, die
speziellere, vertiefende Hintergrundberichterstattung dagegen im Web
bereitgestellt wird? Und weshalb glauben so viele Blattmacher und auch
Werbetreibende weiterhin, ihre Botschaften würden nur ernst genommen,
wenn sie auf grossformatigem Papier gedruckt werden, das in den meisten
Lebenslagen, in denen der gestresste Zeitgenosse noch Zeit zum
Zeitungslesen findet, unhandlich ist?

Ich habe keinen Einblick in die Bücher des Wall Street Journal. Wenige
Tage nach dem Relaunch ist es auch gewiss viel zu früh, um verlässlich
Auskunft zu geben, ob sich das Experiment rechnet. Nur einen
Erfolgsindikator habe ich im Moment anzubieten: An der kleinen, aber
feinen Università della Svizzera Italiana, an der ich lehre, steht im
Eingangsbereich ein stummer Verkäufer: Das Wall Street Journal Europe
wird dort täglich für die Studierenden gratis bereitgestellt. Bis vor
drei Wochen lagen die grossformatigen Zeitungen bleischwer herum, kaum
einer hat sich für sie interessiert. Jetzt, seit das Blatt federleicht
und farbenfroh daherkommt und in jede Damenhandtasche passt, muss man
gleich frühmorgens zugreifen – denn mittags ist das Regal mitunter
bereits leer geräumt.

Stephan Russ-Mohl ist Publizistikprofessor an der Università della Svizzera Italiana in Lugano.

Die Schöne und das Pixel-Biest

Digital-TV Wer ab 2009 in den USA wie bisher fernsehen will, braucht Zusatzgeräte.

Digital-TV Wer ab 2009 in den USA wie bisher fernsehen will, braucht Zusatzgeräte, denn dann ist die TV-Welt vollkommen digital.Bei der Einführung des digitalen
Fernsehens in den USA spielt der Gesetzgeber eine wichtige Rolle. Nach
jahrelangem Hin und Her wurde vom US-Kongress festgesetzt, dass die
Übergangsphase am 31. Dezember 2008 beendet werden soll. Ab dann wird
es den verbleibenden 20 Prozent der Haushalte, die bis heute analoges
Fernsehen über die Antenne empfangen, nicht mehr möglich sein, ohne
technologische Aufrüstung fernzusehen. Schon 1997 hatte die
Medienaufsichtsbehörde FCC neue Richtlinien verabschiedet, nach denen
den TV-Betreibern kostenlose Lizenzen für die Übertragung eines
digitalen Signals gegeben wurden, um neue Technologien voranzutreiben.
Ursprünglich bis Ende 2006 sollten alle 1500 TV-Stationen in den USA
digitales Equipment implementiert haben und dann ihre analogen Lizenzen
zurückgeben. Doch die Vorstellungen der Gesetzgeber liessen sich nicht
realisieren. «Es muss noch eine Menge Verwirrung ausgebügelt werden,
bis das analoge Fernsehen wirklich Geschichte sein wird», urteilt Brad
Adgate, Forschungsdirektor des Media-Services-Unternehmens Horizon in
New York.

Dabei kann es die Regierung kaum erwarten, bis die Umstellung
abgeschlossen ist, wird doch dadurch ein riesiges Volumen von analogen
Frequenzen frei, die der öffentlichen Hand gehören. Schon seit langem
drängen nicht nur die Katastrophenschutzbehörden auf Zugang zum
analogen Spektrum. Auch neue High-techunternehmen, die drahtlose
Dienste anbieten wollen, warten begierig auf die frei werdenden
Kapazitäten. «Die Regierung könnte damit Milliarden von Dollars wieder
hereinbekommen, um ihr Haushaltsloch zu stopfen», sagt Adgate.
Auch Technologiegurus jeglicher Couleur drängen die Content Provider
zum Einsatz neuer Technologien. «Machen Sie High-Definition-Werbespots
zu einer Priorität», rät zum Beispiel Josh Bernoff, Analyst beim
Forschungsunternehmen Forrester. «Jede Werbung, die auf ein
Entertainment-hungriges Publikum abzielt – und das schliesst Spots für
Kinofilme, Videogames und elektronische Geärte ein –, sollte im
Widescreen-Format und mit Surround Sound gedreht werden.»

Unklar ist jedoch bis heute vielen Konsumenten der Unterschied zwischen
dem Standard Digital Television (SDTV) und dem hochauflösenden
Fernsehen, HDTV. Reguläres digitales Fernsehen empfangen heute schon
rund 45 Prozent der Amerikaner über digitale Kabel oder Satellit. Um
die leicht verbesserte Bildqualität und die häufig mit angebotenen
Zusatzkanäle zu bekommen, die SDTV verspricht, braucht man ein
Dekodiergerät oder einen neuen Fernseher. HDTV geht einen Schritt
weiter. Es verspricht kristallklare Bilder und ein der Kinoleinwand
ähnlicheres Format von 16:9 statt wie bisher 4:3. Doch HDTV verbreitet
sich in den USA nur schleppend. Ein Grund für die Verzögerung waren
lange Zeit die hohen Kosten eines Endgerätes. Mindestens 3000 Dollar
kosteten die Fernseher in den Anfangsjahren, heute sind die billigsten
für 600 Dollar zu haben. Rund 15 Millionen Amerikaner haben inzwischen
ein HDTV-taugliches Gerät zu Hause stehen, allerdings wissen viele
Zuschauer nicht, dass nur ein Bruchteil der Sendungen, die sie sehen
können, auch in HDTV-Qualität produziert wurden. Viele TV-Veranstalter
scheuen bis heute die hohen Umstellungskosten für neue Schnitt- und
Sendeanlagen. Allerdings purzelten auch hier die Preise: Eine
HDTV-Kamera kostet heute noch 80000 Dollar, verglichen mit den 200000
Dollar vor zehn Jahren.
Die allmählich anwachsende Zahl der Nutzer erhöht den Druck auf die
Produzenten, auch entsprechend hochklassige Programme anzubieten. Waren
es anfangs lediglich Live-Events wie der Superbowl oder die
Oscar-Verleihung, die in HDTV übertragen wurden, so sind es jetzt auch
die Spiele der NFL-Football-Liga, die «Late Night Show» mit David
Letterman auf CBS, die populäre NBC-Frühsendung «Good Morning America»
und der ABC-Hit «Desperate Housewives». Das Sportunternehmen ESPN
überträgt inzwischen einen ganzen Kanal, ESPN 2, in High Definition
(HD) über den Satellitenbetreiber DirecTV, auch der Pay-TV- Anbieter
HBO und Showtime bieten ihre Unterhaltungs- und Sportprogramme in HD
an.

Auch die Produktionsfirmen springen allmählich auf den Zug auf. Die
Firma High Noon Entertainment in Colorado etwa hat sich die neue
Technik zur Marktnische gemacht und produziert HD-Shows für den
Discovery Channel, das Food Network, Pax und ABC Family. «Die
Umstellung ist nicht schwer», sagt Kreativchef Chris Wheeler. «Die
HD-Kameras sind sehr nutzerfreundlich. Ein erfahrener Kameramann lernt
es in ein paar Stunden.» Zu beachten sind bei der Umstellung vor allem,
dass die Beleuchtung vorsichtiger gehandhabt werden muss und dass die
Nachbearbeitung in der Regel länger dauert als beim analogen Fernsehen.

Vielen US-Zuschauern ist jedoch bis heute nicht klar, was HDTV leisten
kann. Laut Forrester Research sind nur 30 Prozent der Amerikaner auch
nur halbwegs mit der neuen Technologie vertraut. «HDTV braucht eine
Kampagne zur Förderung des öffentlichen Bewusstseins», empfiehlt
Forrester-Analyst Bernoff. «30-Sekunden-Spots im nationalen und lokalen
Fernsehen wären eine gute Idee.» Die Regierung hat den Gedanken
inzwischen aufgegriffen und will die Sender zur gegebenen Zeit zu einer
derartigen Aufklärungskampagne zwingen. Andere sind nicht scharf auf
die kristallklaren Bilder, und das nicht einmal des Geldes wegen.
Philip Swann etwa macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. «Cameron
Diaz hat seit der Schule ein Akne-Problem, und ihre Wangen sind voller
Narben», enthüllt der Medienkritiker auf der «HDTV Celebrity Liste»
(www.tvpredictions.com), auf der Diaz an erster Stelle jener Stars
steht, die die neue Technologie eindeutig schlechter aussehen
lässt.  «HDTV macht aus ihr einen anderen Menschen. Sie sieht eher
aus wie Charlie als wie ein Engel.»

Gerti Schön

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