Print Der deutsche Druckmaschinenhersteller MAN Roland thematisierte bei seinem «Heimspiel» in Augsburg das Supergrossformat.Im Oktober lud der
Druckmaschinen- hersteller MAN Roland Kunden und Fachpresse ins Werk nach
Augsburg zu einer zweitägigen, «Heimspiel» genannten Veranstaltung ein.
Erklärt wurde, was auf den ersten Moment nicht unbedingt einleuchtet:
Grössere Maschinen produzieren auch Kleinauflagen wirtschaftlicher.
Dazu wurde das Thema XXL (Supergrossformat) an der Kunden- veranstaltung
im Bogen, Illustrations- und Zeitungsdruck im wahrsten Sinne des Wortes
gross geschrieben.
Fehleinschätzung im Bogenbereich korrigiert
Jens Gebel, Leiter Geschäftsfeld Grossformat Bogendruck- systeme bei MAN
Roland, räumte ein, dass das Unternehmen im grossformatigen Bogendruck
Fehler bei der Einschätzung des Marktes begangen und das Feld lange
einem Mitbewerber überlassen habe. Ebenso hat man den
Entwicklungsaufwand unterschätzt. Der Konzern, der sich im Bogenbereich
in einer Restrukturierungsphase befindet, erkennt heute vor allem im
Bereich Verpackungsdruck einen Trend hin zu grösseren Formaten und
Maschinen. Doch nicht nur dort macht das Supergrossformat XXL – dazu
gehören das Format 7 (1,120 ¥ 1,620 mm), 7B (1,200 ¥
1,620 mm) und 8 (1,300 ¥ 1,850 mm) – Sinn. Auf die grossen Druckbogen
können 64
Seiten DIN A4 auf einmal gedruckt werden, womit sich XXL zum Beispiel
auch für die Buchproduktion eignet. Das Problem der anfänglich knappen
Auswahl an Druckformenbelichtern (CtP) und bei
Druckweiterverarbeitungsmaschinen ist inzwischen weitgehend gelöst. So
gibt es heute mehrere Anbieter von CtP-Belichtern – neben Agfa,
Basysprint und Creo bietet auch der
Schweizer Anbieter Lüscher entsprechende Systeme an –, auch sind
entsprechende Falzmaschinen (T1420 von MBO und TD 142 Topline von
Heidelberg) zum Falzen dieser riesigen, bis maximal knapp 2,5
Quadratmeter grossen Bogen im Markt erhältlich. Auch für Firmen, die
für die Weiterverarbeitung von Bogen im XXL-Format nicht ausgerüstet
sind, steht mit dem auf den letzten Druckzylinder montierbaren, so
genannten InlineSlitter ein Werkzeug zur Verfügung, das den Bogen
inline und hochpräzise in zwei Bogenteile trennt. Damit können auch
kleinere Falzmaschinen verwendet werden, ohne dass auf die Vorteile des
XXL-Formats (unter anderem höhere Produktivität, weniger Makulatur)
verzichtet werden muss. Auch die Papierhersteller haben sich auf die
grossen Formate eingestellt. Von M-real, Sappi, Stora Enso und UPM
steht inzwischen eine recht gute Auswahl an Papieren für das XXL-Format
zur Verfügung. Hier muss allerdings angefügt werden, dass die
Papierproduzenten weder alle Sorten noch sämtliche Grammaturen einer
Sorte führen. Da bekanntermassen Rollenpapiere günstiger sind als
Bogenpapiere, hat MAN Roland bei dieser Gelegenheit darüber informiert,
dass das Unternehmen im nächsten Jahr einen Inline-Sheeter samt einem
Rolle-Bogen-Anleger entwickeln will, der auch dem Format 8 Rechnung
trägt. Damit können Rollenpapiere im Bogenoffset eingesetzt werden.
72 Seiten von der Rolle
Obwohl der Rollendruck etwas anders tickt als der Bogendruck – die
Maschinen werden nicht nach ihren maximalen Druckformaten (z.B.
Speedmaster 74, Rapida 74, Roland 700 = Druckmaschinen verschiedener
Hersteller im «50 ¥ 70 cm [Netto]Format»), sondern nach den pro
Zylinderumdrehung produzierbaren Seiten bezeichnet –, macht gemäss
Vertriebsleiter Peter Kuisle auch im Illustrationsrollenoffset das
XXL-Konzept Sinn. Kuisle begründet dies mit Trends wie
Zielgruppen-Splitting, Regionalisierung/Lokalisierung,
Vor-/Testauflagen, Just-in-Time-Produktion und crossmediales
Publishing. «Wenn man sich diese Trends ansieht, dann fallen vor allem
die damit verbundenen kleineren Auflagen auf. Doch die
Schlussfolgerung, wonach kleinere Auflagen besser mit kleineren
Maschinen produziert werden, ist die falsche.» Warum diese Schlussfolgerung nicht
zutrifft, begründet Kuisle damit, dass grössere Maschinen im
Rollenbereich eine Produktion mit weniger Signaturen (ein dem
Druckformat entsprechender Bahnabschnitt) erlaubt. Weniger Signaturen
bedeuten kürzere Rüstzeiten, was zudem zu einer deutlichen Reduktion
der Makulatur führt – die das Unternehmen mit einer «Closed Loop»
genannten Qualitätssicherungslösung mit diversen Mess- und
Regelsystemen zudem noch unterstützt. Zum Erfolgsrezept XXL, das im
Illustrationsdruck zu einer Reduktion der Exemplarkosten führt (siehe
Kasten Seite 22), zählt nicht zuletzt die Automatisierung der
Druckanlage. Die Möglichkeiten reichen vom automatischen Rollenhandling
über einen automatischen Bahneinzug und Plattenwechsel bis zu
Maschinendiagnosesystemen. Der den Weltmarkt Illustrationsrollenoffset
(24 bis 72 Seiten) beherrschende Maschinenanbieter hat mit der
72-Seiten-Maschine Lithoman (2,06 m Bahnbreite) die weltweit grösste
(XXL-)Rotation im Portfolio.
XXL-Konzept auch auf den Zeitungsdruck übertragbar
Beim Zeitungsdruck sind die Ergänzungen zu den Maschinennamen auf die
maximal druckbaren Seiten in der Breite und im Umfang bezeichnet. Eine
2/1-Maschine verfügt demnach über eine Druckzylindergrösse, die zwei
(Broadsheet)-Seiten breit (Broadsheet = Sammelbegriff diverser
Zeitungsformate; siehe Ausgabe 37, Seite 24) und eine Seite hoch ist;
eine 4/2-Maschine vermag demnach mit einer Zylinderumdrehung 4 ¥ 2
Blatt = 16 (Broadsheet)-Seiten zu drucken – vierfarbig wohlgemerkt.
Doch obwohl Zeitungsmaschinen von Haus aus schon «extragross» sind,
bezeichnet MAN Roland erst die neue Zeitungsrotation Colorman 6/2 als
XXL-Maschine. Anton Hamm, Geschäftsfeldleiter Zeitungsmaschinen, ist
sich im Klaren darüber, dass die Technik nicht den Markt bestimmt.
«Aber», so erklärt er, «die Colorman XXL schafft 50 Prozent mehr
Druckkapazität als vergleichbare 4/2-Maschinen – pro Bahn bei gleicher
Geschwindigkeit. Damit lässt sich ein deutlich grösserer Ausstoss bei
gleichzeitig weniger Aufwand bei der Wartung, Energie und Gebäudekosten
erzielen.» Verlangt wurden von einer Zeitungsrotation in der
Vergangenheit zuerst mehr Möglichkeiten bei der Farbe, dann eine
einfachere Bedienung, gefolgt vom Wunsch nach einer flexibleren
Produktion, dann höchste Qualität – und schliesslich ist heute die
höchste Produktivität vordringlich. Die aktuelle Forderung nach einer
maximalen Produktivität erfüllten, so Hamm, gerade
XXL-Zeitungsrotationen in idealer Weise. Gefragt seien im Zeitungsdruck
zunehmend auch vorgelagerte Konzepte (Papierrollenlogistik) und
Lösungen nach der Rampe. Hamm weist damit auch darauf hin, dass die
Investition in die Maschine nur ein Teil der Gesamtinvestition ausmacht
und dass vor allem bei Investitionen in Rotationsanlagen der «ganze
Lebenszyklus» der Maschine berücksichtigt werden müsse. Dass MAN Roland
mit dem XXL-Konzept offenbar auch im Zeitungsbereich richtig liegt,
zeigen die Erfolge des auch im Bereich Zeitungsrotation führenden
Maschinenherstellers. Die Produktion des Augsburger Werks ist
dreischichtig ausgelastet, man produziert an sechs Tagen in der Woche.
Die erste weltgrösste Colorman 6/2 oder auch XXL genannte Maschine ist
ausgeliefert und produziert, die zweite wird gerade aufgebaut – bei
Pressedruck in Augsburg. So wurde der Kundenevent auch in diesem Sinne
zum Heimspiel.
Integrierte Produktion
Wie an der Veranstaltung immer wieder zu vernehmen war, ist die
eigentliche Produktion nur ein Teil der gesamten Produktionskette.
Gerade im XXL-Bereich ist es nicht zuletzt auf Grund der grossen
Investitionskosten besonders wichtig, sich diese genauer anzuschauen.
Norbert Ohl, Geschäftsführer der MAN-Roland-Tochter ppi Media GmbH,
erklärte hierzu die Bedeutung der Vernetzung für Verlage und
Druckhäuser. «Die Vernetzung der Produktionsmittel ist bei
XXL-Maschinen besonders wichtig.» Er spricht von elektronischen
Lauftaschen und digitalen Plantafeln, die auf dem neueren, so genannten
JDF-Standard basieren, der eine durchgehende Vernetzung ermöglicht.
Damit ist es zumindest technisch möglich, bisherige Produktionsinseln zu einem grösseren Ganzen zusammenzuführen.
Fazit: Grösste Hürden bestehen noch im Bogenbereich
Die Vorteile von XXL sind insgesamt nicht von der Hand zu weisen, wenn
auch das Thema selbstverständlich differenziert betrachtet werden muss.
Hürden gibt es noch im Bogenbereich. Obwohl dort die
Druckformenherstellung und das Falzen gelöst sind, gibt es bislang
keine Stanzmaschine, die mit der Roland 900 gedruckte Bogen zu stanzen
vermag. Auch ist die eingeschränkte Verfügbarkeit von Papieren im
Bogenbereich zu berücksichtigen. Einem von den Anwendern adressierten
Bedürfnis geht MAN Roland nach: Die Inline-Messung (automatische
Qualitätsprüfung des Bogens) ist in der Entwicklung. «Wir arbeiten
daran, weil wir wissen, dass die Handhabung der grossen Formate naturgemäss sehr schwierig ist», erklärt CEO
Gerd Finkbeiner, der die Veranstaltung mit einer Zusammenfassung
abgeschlossen hat.
Jürgen Franck