Die Ökologie macht Druck
Ökologie Qualitative Bemühungen und ökologisches Verhalten müssen sich nicht ausschliessen.
der qualitativen Seite sind sie zunehmend gefordert, entsprechende
Druckstandards zu erfüllen – ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist
etwa die ISO-Norm 12647 zur Prozesskontrolle. Dazu kommen
Umweltauflagen, die, wenn sie ignoriert werden, Kosten verursachen. So
wird auf flüchtige Verbindungen (VOC) wie Isopropylalkohol (IPA) vom
Bund ein Zollaufschlag erhoben. IPA ist aber notwendig, da er unter
anderem dazu beiträgt, die Oberflächenspannung des Wassers zu
verringern, und ist damit ein drucktechnisches Erfordernis. Da bei der
Einführung der VOC-Abgaben beschlossen wurde, keine weiteren Steuern zu
erheben, fliessen diese Zolleinnahmen seither an sämtliche in der
Schweiz wohnenden Bürger zurück – ausbezahlt über die jährliche
Krankenkassenrechnung.
Der Ansatz über Abgaben funktioniert bestens – die Druckereien werden
damit sanft zu einer Reduktion der Lösemittel gedrängt, was der Luft im
Drucksaal und der Umwelt im Allgemeinen zugute kommt. Hans Peter Vieli, Geschäftsleiter der Ropress AG, erklärt, dass sein Unternehmen vor zehn Jahren noch
doppelt so viel IPA eingesetzt habe. Viele Druckereien verwendeten
heute nur mehr noch 5 Prozent oder weniger dieses Industriealkohols.
Druckereien der Kantone AG, BE, BL, BS, LU und SG, die sich in diesem
Bereich engagieren, sind übrigens auf der Website www.voc-arm-drucken.ch in einer Positivliste aufgeführt.
Zertifizierte Produktionskette
Für die Verwendung umweltfreundlich oder nachhaltig hergestellter
Papiere gibt es für Druckereien weder direkte noch indirekte
finanzielle Anreize. Im Gegenteil sind solche Papiere teurer. Dafür
gibt es hier ein Label, mit dem Druckereien und die darauf setzenden
Kunden signalisieren können, dass ihnen die Herstellung des Papiers am
Herzen liegt. Hinter FSC, so der Name des Labels, steht eine
Organisation, die sich für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung
einsetzt. Unter anderem trägt die Nachhaltigkeit der langen
Regenerationsphase der Wälder Rechnung. Der Forest Stewardship Council
setzt sich damit für eine umweltgerechte, sozial verträgliche und
wirtschaftlich tragbare Waldwirtschaft ein.
Erklärtes Ziel ist «die Förderung
einer vorbildlichen Waldbewirtschaftung». Der FSC-Waldrat legt
Standards fest, entwickelt Zertifizierungssysteme und kennzeichnet mit
dem FSC-Warenzeichen Produkte – neben Papier etwa auch im Fachgeschäft
oder Baumarkt erhältliche Paneele oder Holzbänke –, die aus
zertifizierter Waldwirtschaft stammen. Die Zertifizierung der
partizipierenden Unternehmen sowie die Überprüfung der Einhaltung sind
an spezialisierte Unternehmen übertragen.
Von FSC-zertifizierten Unternehmen aus zertifizierten Wäldern und nach
entsprechenden Richtlinien produziertes Papier – man spricht dann oft
von FSC-Papier – kommt über den (FSC-zertifizierten) Papierhandel in
die Schweiz. Erst wenn eine Druckerei ebenfalls nach den FSC-Richtlinien zertifiziert ist und somit die Nachhaltigkeitskette (Chain of Custody = COC) nicht
unterbrochen wird, kann oder darf diese die Drucksachen mit dem
FSC-Label versehen.
FSC-Papier aus der Schweiz
In der Schweiz wird auch FSC-Papier hergestellt: M-real Biberist, die
grösste Papierfabrik der Schweiz, ist FSC-zertifiziert (Biberist
verwendet mindestens 30 Prozent FSC-Fasern). Ziegler Papier,
Grellingen, stellt seine Produkte nach «FSC-STD-40-004» her, die dem
Label FSC «Mixed Sources» (siehe Kasten Seite 21) entsprechen, und ist
damit eine der ersten Papierfabriken, die nach dieser neuen Norm
zertifiziert sind. Auch die Papierfabrik Utzenstorf, die sich auf die
Herstellung von Zeitungspapier aus Altpapier spezialisiert hat, stellt
Papier nach FSC-Richtlinien her, ebenso die in Balsthal ansässige
Tela-Kimberly ihre Haushaltspapiere sowie Halbfabrikate.
Jürgen Franck
