Nicht nur die Technik ist verschieden
Rubrikenmarkt Toolanbieter wollen den Verlegern helfen, das verschlafene Rubrikenproblem anzupacken. Ansatz und Technik sind zwar sehr verschieden, ebenso Philosophie und Businessmodell.
verschieden, ebenso Philosophie und Businessmodell. Letztere sollten ebenfalls passen.Allen Unterschieden zum Trotz (siehe Tabelle), die fünf hier vorgestellten Tools haben auch Gemeinsamkeiten.
Den Verlagen ermöglichen sie – jedenfalls nach Angaben des jeweiligen
Anbieters – die mediabruchfreie Erfassung, Gestaltung, Verwaltung,
Disposition und Abrechnung von Online- und Printinseraten. Einige
beziehen auch Mobile und sogar die Administration von
Crossmediaaufträgen in weiteren Mediengattungen mit ein. Nicht jedes
Tool ist jedoch für alle Rubrikenbereiche geeignet, Prospective zum
Beispiel dient nur im Stellenbereich, mit anderen lassen sich alle
Rubriken (Stellen-, Immobilien-, Fahrzeug-, Kontakt-, Erotik-, Todes-
und Gelegenheitsanzeigen) erfassen, disponieren und verwalten. Alle
Tools funktionieren webbasiert.
Zugriff auf Mediadaten
Dem Inserenten erlauben alle Lösungen das mono- und crossmediale Buchen
(mindestens Print und Online), auch gewähren sie ihm Freiheit, wo und
wie er das tun will. Via all diese Tools hat der Kunde auch Zugriff auf
aktuelle Mediadaten (mindestens Tarife, Rabatte, Kombis, Masse und
Abschlusstermine). Kostenberechnungen sind generell möglich, auch kann
der Kunde alle Anzeigen-Formen (Händler- oder Sammel-Inserate)
editieren, selbst nach komplizierten CI/CD-Vorgaben. Inserenten können
ferner ihr Objekt- und Inserateportfolio online verwalten.
Nicht alle Tools sind marktplatzfähig, aber kein Tool verhindert die
Anbindung an Online-Marktplätze. Einige wiederum sind geradezu auf
Vernetzung angelegt und bieten sich als Marktplatzlösung an, in diesen
Fällen lässt sich aber der Vernetzungsgrad je nach Verlagsstrategie
einschränken. Ist das Tool marktplatzfähig, sollte der Verleger prüfen,
ob er bei der Vernetzung auch punkto Partnerwahl völlig frei bleibt und
alle Optionen offen hat – oder ob er allenfalls durch die Rivalität
unter den Toolanbietern in irgendeiner Form eingeschränkt oder
benachteiligt werden könnte.
Ganz andere Optionen (und Gefahren) bieten sich mit dem Webspidering,
dem Absuchen des Internets nach bestimmten Inhalten, in diesem Fall
nach Rubrikeninseraten von Drittanbietern. Drei Toolanbieter offerieren
diese Möglichkeit. Problematisch ist dies insofern, als dadurch
Insertionspreise gedrückt und letztlich der ganze Rubrikenmarkt ad
absurdum geführt werden könnte – denn welcher Inserent wollte da noch
für Inserate bezahlen, wenn sie eh überall erscheinen? Spidern könnte
einem Verlag jedoch dann zum Vorteil gereichen, wenn ihm in einem
bestimmten Bereich Onlineanzeigen fehlen. Diese Lücke lässt sich dann
mit Inseraten füllen, die bei Drittanbietern (gratis) gepflückt werden.
Markus Knöpfli
Äpfel mit Birnen verglichen?
Ein Vergleich von fünf völlig verschiedenen Lösungen für den
Rubrikenbereich vergrössert nur den Toolsalat bei den Verlegern,
befürchtet ein Anbieter. Wichtig sei, dass sehr präzise zwischen
Buchungstools und Marktplatzlösungen unterschieden werde, mahnt ein
anderer. Sicher, der Vergleich ist heikel. Wir wagen ihn dennoch (ohne
Anspruch auf Vollständigkeit), denn alle genannten Anbieter versprechen
den Verlegern, deren Problem im Rubrikenbereich lösen zu helfen.
Beim gesamten Vergleich waren wir denn auch bemüht, immer die
Verleger-Optik einzunehmen. Dieser muss sich am Ende für einen Anbieter
und dessen Lösung entscheiden. Ebenso, bei welchem Businessmodell er
andocken will. Und er muss wissen, was dies ihm und seinen
Inseratekunden (längerfristig) bringt. In den Vergleich nicht
einbezogen wurden übrigens die Unterschiede punkto Performance,
Bedienbarkeit oder Logik. (mk)
Vermittlerkommission kommt mit einer Retourkutsche
Im Printbereich bestimmt allein die Publicitas, welchen
Anzeigenvermittler sie mit der Vermittlerkommission (VK) für seine
Arbeit entschädigt. Dies führte bekanntlich zur Klage des kleinen
Vermittlers AdX, welche noch immer bei der Wettbewerbskommission hängig
ist.
Im Onlinebereich ist die Sache weniger einseitig: Zwar bestimmt die P
auch hier, wem sie die VK gewährt (Prospective erhalten sie), doch da
die P weder einziger noch führender Marktplatzanbieter ist, muss sie
auch Retourkutschen hinnehmen. Konkret: Scout24 ist nicht
VK-berechtigt, entlöhnt umgekehrt aber auch die P nicht, wenn diese
einem der Scout24-Onlinemarktplätze ein Inserat zuhalten muss. (mk)
Markus Knöpfli
