Autopresse Die einzige Automobilzeitung der Schweiz, die Automobil Revue, wird 100-jährig. Grund für ein sanftes Redesign.«Früher glänzte unsere Zeitung eher durch
ihre Beständigkeit denn durch Innovation», sagt Roselien Huisman, seit
drei Jahren Geschäftsführerin der Automobil Revue beziehungsweise der
Revue Automobile, die zu Espace Media gehört. Wenn am 25.
Januar das neue Blatt auf den Markt kommt, wird das zwar die
Zeitungsgestaltung nicht revolutionieren, doch die grafischen und
inhaltlichen Modernisierungen wird die geneigte Leserschaft sowohl in
der Deutschschweiz als auch in der Romandie zu schätzen wissen.
Auf den ersten Blick fällt das Format der neuen Automobil Revue auf.
Sie ist, im halben Broadsheet gehalten, etwas kleiner als die bisherige
Zeitung, welche seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihrem
Format treu geblieben war. Die Macher haben auch bewusst darauf
verzichtet, einen weiteren Tabloidtitel auf den Markt zu werfen, zudem
der Touring-Club bereits einen solchen herausgibt. «Wir wollen die
einzige Autozeitung der Schweiz bleiben», sagt Huisman, die um die
Verkaufsargumente des Titels wohl weiss. Die gängigen
Automobil-Publikationen sind allesamt Magazine, Huisman ist denn auch
überzeugt davon, dass eine Zeitung landläufig eher mit hochwertigem
Journalismus gleichgesetzt werde. Vorgängige Leserumfragen unter 4000
Befragten haben den Wunsch nach einer Zeitung bestätigt.
Kompakte Einbundzeitung
Das Blatt hat sich von der umständlichen Vierbundzeitung verabschiedet
und erstrahlt als kompakte Einbundzeitung mit separatem Occasionsbund,
den Huisman bereits 2003 zu Gunsten besserer Übersichtlichkeit
eingeführt hat. Als weitere wichtige Neuerung wurde die Leserführung
verändert. Gliederte sich früher die Abfolge der Ressorts in Aktuell,
Test und Technik, Wirtschaft, Sport, so rutscht der Bereich Test jetzt
neu nach vorne. Da wurde dem starken Interesse des Publikums an
den Tests der Automobil Revue Rechnung getragen, die als Kernelement
des Blattes einen hohen Beachtungsgrad geniessen. Als weitere Ressorts
folgen Neuheiten, Ratgeber, Wirtschaft, Drivestyle und Sport. «Den
Ratgeber haben wir weiter ausgebaut», sagt Geschäftsleiterin Huisman.
Da geht es um Autoversicherungen, Pneuwechsel und so fort. Im
Magazinbereich möchte man näher an die Leserinnen und Leser herangehen,
indem vermehrt Reportagen und Hintergrundberichte ins Blatt gerückt
werden. «Das können Themen sein, die das Auto im weitesten Sinne
begleiten, aber auch Reportagen wie zum Beispiel über einen Tag in der
Opel-Werkstatt in Rüsselsheim», erklärt Huisman.
Die neue Automobil Revue verfügt über neue Titelschriften und eine
Reihe von Auflockerungen, was dem vorher eher textlastigen
Erscheinungsbild wohltuend entgegenwirkt. Dem Leser werden eine Reihe
von Einstiegshilfen geboten, man setzt vermehrt auf Infografiken und
kürzere Texte. Kurznachrichten sind jetzt neu in Randspalten
untergebracht. «Wir möchten künftig auch den Bildern eine grössere
Bedeutung einräumen», sagt Huisman. Bei der Automobil Revue soll
deshalb in absehbarer Zeit eine neue Bildredaktion aufgebaut werden.
Eine durchschnittliche Zeitung umfasst 36 Seiten, das Westschweizer
Pendant 32 Seiten.
Regelmässig publiziert die AR Specials zu Themen wie Tuning, Cabrio,
Offroad oder Klassik. Eine Ausgabe wird sich dem kommenden Autosalon in
Genf widmen, wo das 100-Jahr-Jubiläum des Titels im Rahmen einer
Sonderausstellung gefeiert wird und wo notabene entsprechende
Automobilveteranen zu bestaunen sein werden, die in der
autojournalistischen Berichterstattung des Blattes eine Rolle gespielt
haben. Jeweils gleichzeitig mit der Eröffnung des Automobilsalons gibt die AR
seit 1947 einen durchschnittlich 600-seitigen Katalog mit allen
weltweit produzierten Autos heraus, jene von China ausgenommen, weil da
die Produktion kaum überschaubar ist.
Da, wo in den Medien Konsumgüter zum Gegenstand des journalistischen
Interesses werden, stellt sich schnell die Frage nach der
journalistischen Unabhängigkeit. Wie unabhängig ist die Redaktion der
Automobil Revue? «Es gibt bei uns eine strikte Trennung von Redaktion
und Verlag», sagt Roselien Huisman. So kam es auch schon zu
Inserateboykotten von Autoherstellern, die mit den Testberichten der
Testredaktion nicht einverstanden waren.
Journalist und Rennfahrer
Die Tests – die Kernkompetenz der Redaktion – sind denn auch eine
aufwändige Angelegenheit. Normalerweise verbleibt ein Auto während
dreier Wochen in der AR-Garage, wird gewogen, neu ausgemessen, nach
Verbrauch, Beschleunigung, Fahrverhalten, Geländetauglichkeit (in der
Kiesgrube) und so fort getestet. Damit die Messresultate möglichst
unanfechtbar sind, werden auch die Luftdruckverhältnisse während der
Testzeiten berücksichtigt. Für beide Ausgaben arbeiten zusammen 15
Redaktoren und eine Redaktorin mit hohen Ansprüchen, wie das Beispiel
von Sportredaktor Peter Wyss zeigt, der in Belgien 2004 für seine
Leistungen gleichzeitig als Journalist und als Sieger eines
24-Stunden-Rennens ausgezeichnet wurde.
Die Auflage der AR, die zu 90 Prozent im Abonnement verkauft wird,
beträgt in der Deutschschweiz 38 215 (Reichweite 5,1%) und in der
Romandie 18 622 Exemplare (Reichweite 5,8%). Für Inserenten gilt der
Standardtarif für SW und vierfarbig, der Farbzuschlag entfällt.
Individualtarife sind praktisch verschwunden. Damit auch für
Kleininserenten Anzeigen erschwinglich bleiben, können Inserate bis
hinunter auf 1/32 Seite geschaltet werden. Der Wegfall der
Farbzuschläge verbilligt eine Seite vierfarbig im Inseratekombi mit der
Westschweizer Ausgabe um 5,7 Prozent (1/4 Seite um 17% und 1/8 Seite um
44%).
René Worni