Kampagne des Jahres II SuvaLiv, Bank Coop
und Swisscom Fixnet sind die unangefochtenen Spitzenreiter in der Gunst
des Publikums. Weshalb Werbewoche-Redaktor Luca Aloisi umso neugieriger
ist und den verantwortlichen Marketingleitern auf den Zahn fühlte.
«Jährlich können dank dem Velohelm 800 Kopfverletzungen verhindert werden.»
Für Susan Huber, Leiterin Freizeitsicherheit,
Werbung und Kommunikation, spart die Kampagne 30 Millionen Franken
Versicherungskosten.
WW: Trug im Jahr
2000 erst jeder fünfte Velofahrer einen Helm, tut das heute mehr als
jeder dritte. Wo steht die Schweiz mit dieser hohen Tragquote im
internationalen Vergleich?
Susan Huber (Freizeitsicherheit,Werbung und Kommunikation): Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da unsere Nachbarländer keine Velohelm-Tragquoten erheben.
WW: Bleiben wir also innerhalb der Landesgrenzen. Welchen Anteil haben Ihre Marketingmassnahmen zu diesem Erfolg beigetragen?
SH: 1987
lancierte die Suva erstmals eine Velohelm-Kampagne. Auf Grund des
fehlenden Angebots war die Suva sogar gezwungen, dem Fachhandel einen
eigenen Velohelm anzubieten. Heute ist aus dem puren «Kopfschutz» ein
trendiges Bike-Accessoire geworden. Durch die
Sensibilisierungskampagnen konnte der Nutzen des Velohelms einem
breiten Publikum auf eine attraktive, unterhaltende Art und Weise
kommuniziert werden. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass eine
mehrgliedrige Kampagne, welche Kinder, Jugendliche, Erwachsene jeweils
gezielt anspricht, die besten Resultate erreicht. Dank den immer wieder
neuen Ideen wird die Thematik jeweils wieder frisch beleuchtet.
WW: Welchen Anteil haben die Velounfälle am Schadenvolumen der Suva?
Und in welchem Verhältnis stehen die Werbeausgaben dazu?
SH: Die
Fahrradunfälle nehmen mit 26 Prozent den zweiten Platz aller Unfälle
mit Verkehrsmitteln ein und verursachen jährlich 140 Millionen Franken
Versicherungskosten. Jährlich können dank dem Velohelm rund 800
Schädel- und Hirnverletzungen verhindert werden. In Zahlen ausgedrückt
heisst dies, dass die Suva jährlich über 30 Millionen Franken an
Versicherungskosten spart. Ein Unfall mit Kopfverletzungen kostet
durchschnittlich 45 000 Franken; ein Unfall ohne Kopfverletzungen etwa
5000. Da sind die jährlichen Werbeausgaben von rund einer Million
Franken gut investiertes Geld.
«Die Suva erhält weder Steuergelder noch Subventionen.»
Eine reine Imagekampagne kommt für Urs Schaad,
Markom-Leiter bei der Suva, auch in der aktuellen, aussergewöhnlichen
Situation nicht in Frage. Für die Präventionskampagnen erhält er
bereits den zweiten Publikumspreis in drei Jahren.
WW: Sie sind privilegiert.
Im Unterschied zu den Sozialversicherungen erhalten Sie
Präventionsgelder des Bundes für Ihre Werbekampagnen. Wie hoch ist der
Anteil der Eigenmittel für die Werbekampagnen?
Urs Schaad (Leiter Marketing-Kommunikation): Da
muss ich etwas richtig stellen. Die Suva ist selbsttragend und erhält
weder Steuergelder noch Subventionen. Die Suva arbeitet nicht
gewinnorientiert. Alle Prämieneinnahmen und Erträge aus Kapitalanlagen
kommen vollumfänglich den Kunden und Versicherten zugute und fliessen
nicht in die Taschen von Aktionären.
WW: Seit einigen Monaten
sorgt die Suva vor allem für Negativschlagzeilen. Wie wichtig ist diese
Publikumsauszeichnung für die Wahrnehmung der Marke unter diesen
Umständen?
US: Verschiedene
Immobilienverkäufe haben ein immenses Mediengewitter verursacht.
Allerdings blendeten die Medien immer wieder aus, dass nicht die
Struktur unseres Unternehmens als viel mehr die kriminelle Energie
einer Einzelperson der Auslöser zu sein scheint. All die anderen
Mitarbeitenden der Suva leisten tagtäglich eine gute Arbeit für unsere
Kunden. Das wird uns bei regelmässigen Kundenzufriedenheitsumfragen
immer wieder bestätigt. Schön ist es aber schon, wenn wir – wie jetzt –
wegen unserer guten Taten in den redaktionellen Spalten erscheinen.
Dies umso mehr, weil das bereits der zweite Publikumspreis innert
dreier Jahre ist, den wir erhalten haben.
WW: Wäre im vorherrschenden Klima nicht eine Imagekampagne angebracht?
US: Eine reine
Imagekampagne, die weder die Prävention noch die Wiedereingliederung
zum Thema hat, würde ich auch in der aktuellen, aussergewöhnlichen
Situation nicht empfehlen. Von der Suva wird erwartet, dass sie
effiziente Unfallprävention betreibt und Verunfallte so gut und so
rasch als möglich wieder eingliedert. Und dies alles zu einem tiefen
Preis. Wenn wir Kampagnen lancieren, die diese Ziele realisieren
helfen, hat das automatisch auch einen positiven Imageeffekt.
«Die Festnetzanschlüsse werden wieder an Bedeutung gewinnen.»
Roger Renfer, Marketingleiter bei Swisscom
Fixnet, ist überzeugt, dass seine Sitcom die junge Zielgruppe
anspricht. Ein Beweis dafür sind mitunter die Liebesbriefe an Denis
Bondi.
WW: Herr Renfer,
das TV-Publikum hat die Becks und Bondis ins Herz geschlossen. Ist denn
die Werbewirkung der Seifenoper für Swisscom immer noch grösser als die
Bekanntheit ihrer Protagonisten?
Roger Renfer: Die
Werbewirkung von Beck & Bondi ist nach wie vor sehr gross. Gerade
weil das Publikum die beiden Familien ins Herz geschlossen hat. Beck
& Bondi steht stellvertretend für Swisscom Fixnet. Je bekannter die
Protagonisten sind, umso besser für uns.
WW: Mittlerweile treten die
Familienmitglieder in allen möglichen Werbemitteln und -kanälen auf –
bis hin zur Single von Brown & Bondi mit Videoclip. Gibts noch eine
B&B-freie Zone bei Swisscom Fixnet?
RR: Nein. Beck & Bondi
ist eine Kommunikations-Plattform, deren Stärke unter anderem darin
liegt, dass sie eine integrierte Kommunikation über sämtliche
Dienstleistungen und Produkte von Swisscom Fixnet ermöglicht. Und das
in allen Kanälen. Die Single Brown & Bondi und der dazugehörige
Videoclip sind ein gutes Beispiel für gelungene crossmediale
Kommunikation.
WW: Obwohl vor allem der
Festnetzbereich den intensiven Konkurrenz- und Kostendruck zu spüren
bekommt, hat er gegenwärtig den stärkeren Werbeauftritt im Vergleich zu
den anderen Swisscom-Units. Führen Sie einen internen Wettbewerb?
RR: Die verschiedenen
Swisscom Units haben verschiedene Werbeauftritte. Deswegen herrscht
noch lange kein interner Wettbewerb. Es freut uns aber, dass Sie den
Auftritt von Swisscom Fixnet als stärksten innerhalb des Konzerns
wahrnehmen. Auch das ist wohl eine Folge der konsequenten integrierten
Kommunikation.
WW: Die Anzahl der
Festnetzanschlüsse sinkt, vor allem bei jüngeren Zielgruppen, die zudem
weniger fernsehen als andere Segmente. Ist Beck & Bondi eine
Kampagne für Ältere und für ein veraltetes Produkt?
RR: Erfreulicherweise kommt
Beck & Bondi nicht nur bei einer älteren Zielgruppe an, sondern
auch bei jungen Zuschauern. Das zeigen zum Beispiel die Liebesbriefe,
die Denis Bondi erhält. Oder die Tatsache, dass er von den Lesern von
20 Minuten zum Star der Serie gewählt wurde. Es ist auch unser
erklärtes Ziel, die Jungen stärker anzusprechen. Denn die
Festnetzanschlüsse werden in Zukunft wieder an Bedeutung zunehmen. Auch
in einer Zusammenarbeit mit Mobile. Swisscom Fixnet wird darauf
vorbereitet sein.
«Mit unserem Budget ist dieser Erfolg keine Selbstverständlichkeit.»
Christoph Loeb, Leiter Kommunikation bei der
Bank Coop AG, hätte seinen Omi-Spot gerne häufiger geschaltet und den
Italo-Schlager die Hitparade stürmen lassen.
WW: Herr Loeb, mit der Kampagne der bösen Potentaten, die ihre
Millionen in Schweizer Instituten lagern ausser bei der Bank Coop,
haben Sie vor zwei Jahren verschiedene Awards gewonnen. Welchen
Stellenwert hat diese neue Auszeichnung für die letztjährige
Werbekampagne?
Christoph Loeb: Für die
Bank Coop hat die Auszeichnung für unser «Taschenklau-Omi» einen
höheren Stellenwert als die diversen hochkarätigen Awards für die
Kampagne mit den Potentaten. Denn diesmal hat das Publikum abgestimmt
und uns aufs Podest gehoben, während die Potentaten von der Werbewelt
prämiert wurden. Wir freuen uns darüber, dass unser aktuellster Spot
den TV-Zuschauerinnen und -Zuschauern so gut gefallen hat, und wir
freuen uns noch mehr darüber, dass er offensichtlich auch wahrgenommen
wurde. Dies ist bei unserem vergleichsweise äusserst bescheidenen
Budget und dem damit verbundenen tiefen Werbedruck absolut keine
Selbstverständlichkeit.
WW: Haben Sie mit der humoristischen Werbung nebst den Preisen auch quantitative und qualitative Ziele erreicht?
CL: Innert dreier Jahre haben wir unsere gestützte Bekanntheit von
69 auf 80 Prozent erhöht – und dies bei einem unveränderten Budget! Die
ungestützte Bekanntheit ist gar um mehr als 50 Prozent gestiegen. Der
«Omi-Spot» hatte zum Ziel, die Bank Coop auch als Anlagebank zu
positionieren. Eine repräsentative Befragung hat ergeben, dass 85
Prozent der Befragten wissen, dass die Bank Coop eine Anlageberatung
anbietet. Schliesslich belegte die moralisch-ethisch anständige
Geschäftspolitik bei den Imagewerten der Bank Coop hinter der
Sicherheit den zweiten Platz – ein Beleg dafür, dass die
Positionierung als anständige Bank greift.
WW: Trotz der hohen
Aufmerksamkeitswerte besteht laut Werbepsychologie bei humorvoller
Werbung schon binnen kurzer Zeit die Gefahr der Ermüdung. Erhöhen Sie
deshalb nicht den Werbedruck?
CL: Wir hätten unser Omi
liebend gerne noch viel länger durch die Schweizer TV-Stuben
fahren lassen. Denn noch nie hatten wir so viele
positive Reaktionen auf einen Spot. Und der Sound, der eigens für
diesen Spot komponiert wurde, hätte wahrscheinlich in der
Sommerhitparade einen der ersten Plätze belegt – so gross war die
Nachfrage bei uns. Doch unser Budget ist und bleibt beschränkt.
Deshalb ist es für uns so wichtig, im wahrsten Sinne des Wortes
hervorragende Spots zu senden. Ausserdem bleiben wir damit unserem
eigenem Anspruch treu, hohe Qualität zu fairen Preisen anzubieten.
WW: Auf Grund von
Supercard-Promotionen und anderen Co-Branding-Massnahmen scheint die
Anbindung an die Detailhandelsgruppe wichtig zu sein. Wird Ihr Institut
künftig als Bank für mich und dich beworben?
CL: Die Bank Coop ist eine
Retailbank – und damit eine Bank für mich und dich. Und sie ist
eine Tochter der Basler Kantonalbank. Selbstverständlich wird die Bank
Coop auch in Zukunft ihre partnerschaftliche Nähe zu ihrem bedeutenden
Minderheitsaktionär Coop betonen und vor allem auch die Vorteile des
Supercard-Programms nutzen. Daneben wird sie aber ihren eigenständigen
Auftritt beibehalten.
Interview: Luca Aloisi
> Bild: Susan Huber