Somedia: Gewinn verdreifacht

Somedia hat im Geschäftsjahr 2014 bei konstantem Umsatz den Jahresgewinn verdreifacht. Das Jahr stand ganz im Zeichen der neuen Markenführung und des Einzugs ins neue Medienhaus in Chur.

Somedia gelang es im vergangenen Geschäftsjahr, die Rentabilität markant zu steigern. Bei leicht erhöhtem Umsatz und praktisch gleichem Cash flow wie im Vorjahr steigerte sich der Jahresgewinn von 1 Million Franken auf 3,2 Millionen Franken. Dies ist umso bemerkenswerter, als das Jahr für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit erheblichen Zusatzaufgaben belastet war: Im Frühling wurde die neue Konzernmarke Somedia mit den beiden Servicemarken Somedia Promotion und Somedia Production aus der Taufe gehoben. Darauf folgten umfangreiche Arbeiten für die Etablierung der Medienfamilie Südostschweiz mit den vier Teilmedien Zeitung, Online, Radio und Fernsehen. Die erste Etappe auf diesem Weg wurde mit dem Relaunch der Zeitung Südostschweiz im Januar 2015 erreicht, es folgten im Februar das Radio und im März Online und Fernsehen. Bereits im Dezember 2014 konnte das neue Medienhaus an der Sommeraustrasse 32 in Chur in Teilen bezogen werden. Seit Oktober 2013 war gebaut worden, und dank eines milden Winters konnten die Arbeiten im Verlaufe des Jahres 2014 plangemäss ausgeführt werden. Der Hauptumzug erfolgte allerdings erst im Februar 2015.

Die Gesamtinvestitionen für den Neubau belaufen sich inklusive Aufwendungen für Radio- und TV-Studios, IT und Möblierung auf rund 30 Millionen Franken. Die Verkaufszahlen in den Bereichen Promotion und Production entwickelten sich erfreulich. Der Werbe- und Inseraternarkt konnte höhere Umsatz- und Gewinnzahlen ausweisen als im Vorjahr. Auch die Drucksparte legte sowohl bei Umsatz wie bei Gewinn zu. Hier waren die ersten Auswirkungen der crossmedialen Angebote für Geschäftskunden deutlich zu spüren. Die Werbewoche ist Teil der Somedia-Medienfamilie.

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Umstrittener SBB-Pitch geht an Rod

Rod gewinnt den im Vorfeld vieldiskutierte SBB-Pitch «Weiterentwicklung SBB Dachkommunikation» und bleibt damit als Leadagentur für das Image der Marke zuständig. Die Agentur konnte sich in der Konkurrenzpräsentation gegen vier weitere Agenturen durchsetzen.

Rod wurde bereits 2011 als Leadagentur der SBB nominiert. Daraus entstanden die populäre «unterwegs zuhause»-Kampagne mit dem Hit «Welcome Home», der von den SBB-Mitarbeitenden Hanspeter Zweifel und Selina Beyeler eingesungen wurde und sich in die Charts katapultierte. Für Furore sorgt derzeit auch die Nachhaltigkeitsinitiative #sbbmääh, welche die Aufmerksamkeit internationaler Medien auf sich zieht.

David Schärer, Partner von Rod, in einer Mitteilung: «Wir sind überglücklich, dass es uns nach der langjährigen Zusammenarbeit gelungen ist, mit frischen Impulsen die SBB erneut zu überzeugen. Wir sind sehr stolz, für eine der exponiertesten Marken und begehrtesten Auftraggeber der Schweiz tätig zu sein.» Die neue Kampagne ist auf Oktober 2015 zu erwarten.

Der SBB-Pitch hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt, da der Verband BSW Swiss Leading Agencies das Auswahlverfahren, welches nicht den BSW-Richtlinien für Agenturevalationen entspreche, kritisierte (Werbewoche.ch berichtete). Die SBB nahm darauf hin Stellung und wies die BSW-Vorwürfe zurück (Werbewoche.ch berichtete). Im März trafen sich die beiden Parteien zu konstruktiven Gesprächen und beschlossen, das bereits laufende Verfahren fortzuführen (Werbewoche.ch berichtete). (pd/hae)

«Wir stimmen nicht über den Service public ab»

SRG-Präsident Raymond Loretan wehrt sich gegen die Themenvermischung im Abstimmungskampf zum neuen Radio- und Fernsehgesetz. «Wir stimmen am 14. Juni nicht über den Service public ab», sagte Loretan in einem Interview mit der Schweiz am Sonntag.

Es gehe um den Ersatz des alten, bürokratischen Gebührensystems durch ein neues System, das einfacher, günstiger und fairer sei. Die heutige Gerätegebühr solle durch eine Haushaltsabgabe ersetzt werden, da heute fast alle Haushalte ein Empfangsgerät hätten. Die Billag erhalte dann weniger Geld, die Kontrollen fielen weg. «Das ist der Grundgedanke der Reform», sagte Loretan. Der SRG-Präsident betonte zudem, dass das Finanzierungssystem mit dem Leistungsauftrag an die SRG nichts zu tun habe: «Auch unter dem neuen System lässt sich der Service public redimensionieren oder lassen sich die Gebühren senken, wenn das gewünscht wird.» Es schmerze ihn zudem, dass sich die SRG-Medien nicht gegen «die zum Teil absurden Vorwürfe» im Abstimmungskampf wehren dürften und neutral bleiben müssten, sagte Loretan. Dadurch widerspreche kaum jemand den Unwahrheiten, die im Abstimmungskampf verbreitet würden. (SDA)

SRF: Frauenfussball total

Die Fifa Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015 ist das Sommersportereignis bei SRF: Mindestens 18 Spiele sind live auf SRF zwei zu sehen, darunter sämtliche Partien der Schweizerinnen, das Eröffnungsspiel, die Halbfinal- und Finalspiele.

Doppelte Premiere für den Frauenfussball: Erstmals überhaupt haben sich die Schweizerinnen für eine WM-Endrunde qualifiziert, und erstmals überhaupt berichtet SRF umfassend live von einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft. Mindestens 18 WM-Begegnungen sind bei SRF zwei zu sehen. Den Auftakt macht am Samstag, 6. Juni 2015, das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Kanada und China. Die Übertragung ist ab 23.30 Uhr direkt im Anschluss an den Final der Uefa Champions League aus Berlin im Programm.

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Einen wichtigen Eckpfeiler in der Liveberichterstattung von SRF bilden die Spiele der Schweizerinnen: Bei SRF zwei zu sehen sind alle drei Gruppenspiele, gegen Titelverteidiger Japan (in der Nacht auf Dienstag, 9. Juni, 03.50 Uhr), gegen Ecuador (in der Nacht auf Samstag, 13. Juni, 00.55 Uhr) und gegen Kamerun (Dienstag, 16. Juni, 22.35 Uhr). Auch allfällige Schweizer Begegnungen in der K.-o.-Phase überträgt SRF live. Ein weiterer Fixpunkt in der Liveberichterstattung ist das Spiel des Tages. An ausgewählten Spieltagen von der Gruppenphase bis zu den Viertelfinals ist in der Regel um 22.00 Uhr ein Livespiel bei SRF zwei zu sehen. Halbfinal- und Finalspiele werden um 01.00 Uhr Schweizer Zeit angepfiffen. Das Eröffnungsspiel, die Schweizer Spiele, beide Halbfinals und das Finale werden am Folgetag auf SRF zwei wiederholt.

Prominente Ko-Kommentatorinnen bei TV-Übertragungen

Als Kommentatoren an der FIFA Frauen-WM im Einsatz stehen Dani Wyler, Sascha Ruefer und Patrick Schmid, jeweils unterstützt von einer Ko-Kommentatorin. Dani Wyler begleitet unter anderen alle Spiele der Schweizerinnen, das Eröffnungsspiel sowie in der Nacht auf Montag, 6. Juli, den WM-Final in Vancouver. Ihm zur Seite als Ko-Kommentatorin steht Kathrin Lehmann. Die langjährige Schweizer Nationaltorhüterin ist eine profunde Kennerin des Schweizer Frauenfussballs. Weitere Ko-Kommentatorinnen sind die zweifache Europameisterin aus Deutschland, Inka Grings, sowie die ehemalige Schweizer Nationaltorhüterin Marisa Brunner. Die Interviews nach den Spielen führt Silvia Exer; Olivier Borer ist als Reporter in Kanada ganz nah am Schweizer Team dabei und berichtet regelmässig aus dem Schweizer Camp.

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Im WM-Studio in Zürich führt Päddy Kälin durch das Programm. In den Pausen und nach dem Schlusspfiff analysiert er mit wechselnden Gästen und Expertinnen die einzelnen Partien, unter anderem mit der ehemaligen Nationaltrainerin Béatrice von Siebenthal.

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Frauen-WM am Radio und Online

Mit Frauenfussball in den Tag heisst es bei Radio SRF 3: Ab 05.00 Uhr erhalten die Hörerinnen und Hörer aktuelle Informationen zu den Spielen der Nacht. Im Programm sind kurze Zusammenfassungen der Matches, Geschichten, Hintergründe und Interviews aus dem Schweizer Lager. Auch Online dreht sich während der FIFA Frauen-WM alles um das Schweizer Team. Alle Partien der Schweizerinnen können im Liveticker mit integriertem Livestream verfolgt werden. Online abrufbar sind auch Porträts der Spielerinnen, Hintergrundinformationen zu den Schweizer Gegnerinnen und alle aktuellen News aus dem Schweizer Lager. Jeden Morgen bietet Srf.ch/sport zudem ein Update über die Geschehnisse der Nacht mit Zusammenfassungen und Analysen.

Die beliebtesten Youtube-Videos der Schweiz

Zum zehnten Geburtstag veröffentlicht Youtube die beliebtesten Videos der Schweiz. Unter den zehn meistegeklickten Clips befindet sich auch ein Schweizer Beitrag.

Zwei ganz Kleine stehen ganz zuoberst: «Charlie bit my finger» heisst das meistgeschaute Youtube Video der Schweiz über den Zeitraum der letzten zehn Jahre. In die Bestenliste hat es auch ein Schweizer Beitrag geschafft, nämlich ein Ausschnitt aus dem Comedy-Programm vom Cabaret Divertimento.

Schweizer Youtube Szene startet durch

Die lokale Youtube Szene wächst stetig und zählt immer mehr Mitglieder. Seit der Lancierung haben Schweizer Creator zahllose Videos erstellt und hochgeladen. Mit ihren Videos erreichen die Youtuber ein Publikum weit über die Landesgrenzen hinaus und können ihre Videos mit dem Partnerprogamm monetarisieren. So Beatboxer Pepouni, Beauty Vloggerin Julia Graf und Komödiant LeGrandJD, die mit ihren Videos schon seit den Anfängen auf Youtube präsent sind und mittlerweile zu den etablierten Stars gehören. Fast täglich stossen neue, aufstrebende Talente zur Schweizer Youtube Szene hinzu. Das frisch verheiratete Paar Alysa & Colvin alias Mr. & Mrs. Vlogs erzählt Geschichten aus dem Alltag zu zweit und trifft damit den Nerv der Zeit. Musikalisch unterwegs ist Roli als Harproli . Mit seinen Mundharmonika-Klängen fasziniert er jung und alt. Der Erfolg gibt ihm Recht: Auf seinem Kanal verzeichnet er täglich über 8000 Besucher. Weltweit zählt das Partnerprogramm über eine Million Partner aus 30 Ländern.

Erfolgreiche Markenpositionierung und Interaktion mit Kunden

Schweizer Unternehmen entdecken und nutzen Youtube vermehrt als effizienten Werbekanal, wie auch zur Positionierung der eigenen Marke. Die Ostschweizer Traditionsmarke Appenzeller Käse positioniert sich mit Ihrer Kampagne «Das würzigste Geheimnis der Schweiz» über Youtube bei Kunden im In- und Ausland. Die Swisscom nutzt Youtube ebenfalls zur Interaktion mit Kunden durch innovative Kampagnen wie dem legendären Youtube Live-Stream «All Eyes on S4» am Zürcher HB. Neben innovativen Werbeformen wie Trueview macht auch die Reichweite die Plattform für Werbetreibende attraktiv, wie Youtube.

Das YouTube Entwicklungszentrum in Zürich

Zahlreiche Schlüsselfunktionen von Youtube werden am Standort Zürich entwickelt. Die Zürcher Entwickler konzentrieren sich auf Technologien und Innovationen, die für Nutzer, Inhalteanbieter und Werbetreibende stetig verbessert. Konkret arbeitet man hier an Youtube Analytics, Videoanzeigen wie die überspringbaren Trueview Anzeigen und an «Content ID», einem Feature, welches den Urheberrechtsschutz auf der Plattform sicher stellt. «Das Youtube Team bei Google Schweiz entwickelt Youtube Dienste, die von Nutzern, Creators, Partnern und Werbetreibenden weltweit tagtäglich und millionenfach genutzt werden.» sagt David Erb, Engineering Director für Youtube in Zürich.

Top 10 Videos Schweiz der letzten 10 Jahre (*)

1. Charlie bit my finger – by HDCYT

https://www.youtube.com/watch?v=_OBlgSz8sSM

2. Wheels On The Bus Nursery Rhymes – by LittleBabyBum

3. Winner Stays. ft.Ronaldo, Neymar Jr., Rooney, Ibrahimović, Iniesta – by Nike Football

https://www.youtube.com/watch?v=3XviR7esUvo

4. evian baby&me – by EvianBabies

https://www.youtube.com/watch?v=pfxB5ut-KTs

5. The AnnoyingOrange – by daneboe

6. The Ultimate Fails Compilation ✔ – by FunnyvideosArchive

https://www.youtube.com/watch?v=Ujwod-vqyqA

7. Umfrage zum Integrationstest (was nicht gesendet wurde) – by TeddyComedy

8. DivertiMento – 8 Popstern Casting – 4 Julian Kaufmann – by uthj78

9. The Sneezing Baby Panda – by jimvwmoss

https://www.youtube.com/watch?v=FzRH3iTQPrk

10. The Evolution of Dance – by judsonlaipply
 

Alpha 245: Kampagne für Jumbo-Wiedereröffnung

Die Jumbo Filiale in La Chaux-de-Fonds wurde renoviert und bietet jetzt auf 4500 Quadratmetern fast doppelt so viel Platz und Angebote. Anlässlich der Wiedereröffnung hat Alpha 245 diese riesige Verkaufsfläche als Teil einer Kampagne erlebbar gemacht.

So wurden alle Werbemittel am Wiedereröffnungs-Fest in Relation zur neuen Fläche des Baumarktes gesetzt, damit die Besucher schon vor dem Baumarkt beim Wurststand erfuhren, wie gross der neue Jumbo geworden ist.

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Verantwortlich bei Jumbo-Markt: Jérôme Gilg (CEO), Daniel Hofmann (Leiter Marketingservices a.i.), Sonja Opprecht (Projektleiterin). Verantwortlich Alpha 245: Patrick Bucher (Text), Barney Rees, Mario Moosbrugger (AD), Patrick Senn, Patrick Beeli (Creative Direction), Sylvia Kohler, Inma Mediola (Beratung), Barbara Hähne (DTP), Pam Hügli, Diana Wick (Gesamtverantwortung).

 

Saatchi & Saatchi: Bärenhilfe für SOS-Kinderdorf

Saatchi & Saatchi Zürich hat für SOS-Kinderdorf eine Frühlingskampagne kreiert. TV-Spot und Mailing machen auf das Schicksal notleidender Kinder aufmerksam.

SOS Kinderdorf setzt sich weltweit für Kinder in Not ein, damit sie in einer liebevollen Familie mit einer Ersatzmutter aufwachsen können. So, wie beispielsweise Mouna. Im Alter von drei Jahren lebte sie allein auf sich gestellt auf der Strasse. Alles, was sie besass war ihr Teddy. Heute lebt Mouna dank der Unterstützung von SOS-Kinderdorf zusammen mit anderen Waisenkindern bei ihrer SOS Mutter Alice.

Mit einer Frühlingskampagne setzt sich SOS-Kinderdorf für notleidende Kinder ein. Off- und Online-Dialogmassnahmen fordern dazu auf, Kindern wie Mouna ein Leben auf der Strasse zu ersparen. Mounas Teddy wird dabei Sinnbild für das Schicksal von notleidenden Kindern: vom Briefkasten über das Mailing bis zum TV-Spot. Die Umsetzung für SOS-Kinderdorf entwickelte das Zürcher Office der Lovemarks Agentur Saatchi & Saatchi.

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Verantwortlich bei SOS Kinderdorf: Philipp Scheidiger (Leiter Marketing & Kommunikation). Verantwortlich bei Saatchi & Saatchi Zürich: Pascal Schaub (Managing Director), Felix Freese, Frédéric Nogier (Creative Direction), Léonie Kelly, (Beratung), Stella Feurer (Grafik), bei Filmbreeding: Alfonso Gordillo (Regie).

 

Eine Gewissensfrage für Lobbyisten (und Werber)

Noch problematischer als ihre Intransparenz ist die Skrupellosigkeit mancher Lobbyisten. Schwarze Schafe, die etwa für Diktatoren oder deren Firmen weibeln, müssen vom Fachverband ausgeschlossen und rechtlich belangt werden. Aber auch Werber brauchen mehr Auftraggeber-Ethik.

Jeder Lobbyist muss seine Mandate mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren können.» Dieser unbeachtet gebliebene Schlüsselsatz der aktuellen «Kasachgate»-Debatte stand letzte Woche in der Handelszeitung. Er stammt von Walter Stüdeli, Geschäftsführer der Berner Agentur Köhler, Stüdeli & Partner und (offenbar stolzes) Mitglied der Schweizer Public Affairs Gesellschaft. Stüdeli betreut primär sozialpolitische Dossiers und hat seine Mandate auf Public-affairs.ch offengelegt. Allem Anschein sogar vollständig und inklusive Auftragsbeginn, also ganz so, wie es sein Fachverband seit Mitte letzten Jahres fordert.

Ruinierte Branchenreputation

Viele andere SPAG-Mitglieder foutieren sich aber weiter um diesen ersten Schritt in die richtige Richtung – bislang ohne jegliche Konsequenzen. Damit ruinieren die Dunkelmänner und -frauen exakt jene Branchenreputation, welche die SPAG mit diesem grandios gescheiterten Selbstregulationsversuch eigentlich polieren wollte.

Intransparenz ist aber nur das i-Tüpfelchen eines noch fundamentaleren Problems dieser geächteten Gilde: Lobbyisten haben keinerlei ethische Kriterien, wenn es um die Art und die Motivation ihrer Auftraggeber geht. Dass Tabakindustrie, Rüstungskonzerne oder Rohstoffmogule zu den Grosskunden der Grossagenturen gehören, ist hinlänglich bekannt. Inzwischen lassen sich aber auch Autokraten und deren Umfeld in Bundesbern lieber von luschen Lobbyisten als ihren diplomatischen Statthaltern vertreten.

Für diese Erkenntnis müsste man Christa Markwalder eigentlich danken. Kasachstan ist gewiss nicht die einzige Diktatur, welche sich die unguten Dienste von Schweizer Kommunikationsprofis verlassen kann. Ein weiterer Fall ist gar aktenkundig, hat unverständlicherweise aber keinen Shitstorm ausgelöst: Die Vorzeigewerber von Jung von Matt promoten seit 2013 den aserbaidschanischen Tankstellenbetreiber Socar. Dies, obschon sie wissen, dass dieser staatliche Ölkonzern eines der repressivsten Regime in Europa finanziert.

Vom Gemeinen zur Gemeinheit

Sich nicht gemein machen mit den Gemein(heit)en dieser Welt: Auf einen solchen oder ähnlichen Mindeststandard sollte sich eine Dienstleistungsbranche, die behauptet, im öffentlichen Interesse zu handeln, doch wohl einigen können. Und ihn dann, bitte schön, auch wirklich umsetzen. Transparenz über die aktuellen Mandate wäre zwar weiter unabdingbar, hätte dann aber nicht mehr diese politische Brisanz. Auf den Websites von Schweizer PublicAffairs-Marktleadern wie FurrerHugi, der Dynamics Group oder den Konsulenten finden sich statt klarer Kriterien für die Annahme von Aufträgen jedoch bloss mehr oder minder rücksichtsvolle Referenzlisten. (Dasselbe gilt freilich für die führenden Werbeagenturen.) Und beim Anpreisen der hausinternen «Werte» geht es immer nur ums biedere Handwerk, nie um die berufsethische Haltung. Dabei dürfte, nein: müsste ein «sauberes» Kundenportfolio heutzutage eigentlich ein geldwerter Wettbewerbsvorteil sein. Zumal in einem diesbezüglich so rückständigen Konkurrenzumfeld.

Zeit für die Gewissensfrage

«Was müssen Lobbyisten leisten, damit ihre Arbeit von Politik, Verwaltung, Medien und Bevölkerung geschätzt wird?» Diese Leitfrage des nächsten SPAGSessionsanlasses zeigt: Die Spin-Doktoren gieren mehr denn je nach gesellschaftlicher Anerkennung. (Auch das haben sie übrigens mit der notorisch profilneurotischen Werbebranche gemein.)

Höchste Zeit also, sich die Gewissensfrage zu stellen. Wenn nicht aus Überzeugung dann wenigstens zum Schutz der ohnehin schon ramponierten Reputation. Das nächste «Kasachgate» wird nämlich nicht lange auf sich warten lassen.

Oliver Classen ist Mediensprecher der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern. Zuvor arbeitete er als Medienjournalist.

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Ogilvy setzt Ford im Untergrund in Szene

Ford Schweiz konnte sich für ein Jahr die Plakatstelle in der Fussgängerunterführung am Bahnhof Hardbrücke in Zürich sichern. Um die rund 16 auf 2 Meter kreativ zu füllen, wurde Ogilvy & Mather beauftragt.

Das Resultat – ein Plakat, das gleichzeitig ein neues Ford Modell und die jeweilige Zielgruppe «zeigt» – ist seit Mitte Mai 2015 zu sehen. Die Idee von Ogilvy & Mather für das grossflächige Plakat in der Fussgängerunterführung war, sowohl die Ford Modelle als auch die Passanten gleichermassen ins Szene zu setzen. Dafür sorgt eine 16 mal 2 Meter grosse Spiegelfläche, auf der jeweils ein aktuelles Ford Modell, aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen, abgebildet ist. So können die Passanten sozusagen im Vorbeigehen testen, wie gut ein neuer Ford zu ihnen passen würde.

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Verantwortlich bei Ford Motor Company Switzerland: David Frey (Direktor Marketing), Stefanie Schaer (Communication & Event Supervisor). Verantwortlich bei Ogilvy & Mather: Thomas Bolliger (CD); Stephanie van Ophuisen, Urs Westermann (Art/Grafik); Marcel Elsener (Text); Max Brunner (Beratung); Dominik Abt (Gesamtverantwortung).

Comqed: Kampagne zum PET-Jubiläum

Es ist eine «Erfolgsstory dank Ihnen». So lautet auch der Titel der voin Comqed realisierten, nationalen «Danke»-Kampagne von PET-Recycling Schweiz, die aktuell lanciert wird.

Seit einer Generation sammeln und recyceln wir in der Schweiz leere PET- Getränkeflaschen. Ein einzigartiges System, das ohne Pfandregelung, allein durch die Kommunikation mit der Bevölkerung zu einer der weltweit höchsten Rücknahmequoten geführt hat, feiert das 25-Jahr-Jubiläum. Zeit, sich bei den eigentlichen Leistungsträgern zu bedanken: der Schweizer Bevölkerung.

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Mit Sammelfleiss, Umweltbewusstsein und Kontinuität konnte quer durch alle Bevölkerungsschichten ein Verhalten implementiert werden, das den grossen Erfolg des Systems erst ermöglicht hat. Jung und Alt, Bildungsbürger und Büezer, Romands, Deutschschweizer und Ticinesi – überall ist ein grosses Engagement für das PET-Recycling verankert. In der heterogenen Schweizer Bevölkerung mit ihren unterschiedlichen Verhaltensmustern ist das nicht immer selbstverständlich. Es zeigt aber, dass allein mit einer guten Kommunikation und ohne erhobenen Zeigefinger vieles erreichbar ist. Mehr als mit allen Zwangsmassnahmen. Dies wird nicht zuletzt auch durch das grosse Interesse des Auslands am Schweizer System PET-Recycling verdeutlicht.

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Es ist eine «Erfolgsstory dank Ihnen». So lautet auch der Titel der neuen nationalen «Danke»-Kampagne von PET-Recycling Schweiz, die aktuell lanciert wird.

Im TV-Spot werden die 25 Jahre anhand einer Recycling-Generation visualisiert. Die Lovestory eines Pärchens zeigt dabei auf, wie selbstverständlich PET-Recycling ist. In fünf Vignetten wird eine emotionale Geschichte vom Schul-Schatz bis zur Familiengründung erzählt, die darin mündet, dass nun auch die neue Generation ganz natürlich PET recycelt.

Im Rahmen der Kampagne werden flankierend Inserate, Online-Banner, Social-Media-Aktionen und viele Side-Events realisiert – darunter Gratis-Konzerte mit Steff la Cheffe (Bern), Marc Sway (Zürich) und Gustav (Fribourg).

Verantwortlich bei PET-Recycling Schweiz: Lukas Schumacher (Marketingleiter), Stefanie Brauchli (Kommunikationsleiterin), Carla Wilhelm (Marketingkommunikation). Verantwortlich bei Comqed Dialog, Erlenbach: Tomas Rozas (Creative Direction), Bettina Dührkoop (Strategie/Konzept), Roman Steinacher (Beratung), Janine Aebischer (Art Direction), Bruno Breitenmoser (Produktion/DTP). Public Relation: Communicators, Zürich; Ueli Heer, Consultant. Media: Mediatonic, Genève; Marco Rose, Pascal Werlen. Social Media: Virtua, Morges; Raphael Via, Social Media Specialist. Filmproduktion: Shining Pictures, Zürich; Produzent: Stefan Bircher, Produktionsleitung: Sophie Toth, Regie: Christine Wiederkehr, Schnitt: Yves Gmür, Kamera/Fotografie: Filip Zumbrunn, Musik: Great Garbo, Zürich; Bildbearbeitung: Detail, Zürich.
 

Kommerzielle Medien, vom Staat finanziert

Die vor 25 Jahren deregulierte Rundfunklandschaft in Neuseeland wird oft als beispielhaftes Modell zitiert. Die Werbewoche hat sich bei John Drinnan, Medienredaktor beim New Zealand Herald, der grössten Zeitung Neuseelands, nach den Vor- und Nachteilen erkundigt.

John Drinnan ist Medienredaktor beim New Zealand Herald, der grössten Zeitung Neuseelands. Er hat während der letzten 25 Jahre über die Medienbranche geschrieben und hat damit einen einzigartigen Überblick über die Deregulierungspolitik in diesem Bereich. Im Interview mit der Werbewoche berichtet er, wie dieses System die Medienlandschaft belebt und auch weltweite Kinofilm-Erfolge ermöglicht hat — aber auch wie die Regierung einen ihr nicht genehmen Radiosender aushungert.

WW: Vor 25 Jahren hat Neuseeland das alte Rundfunk-Regime, das sich am Vorbild der britischen BBC orientierte aufgegeben und dafür eine stark privatwirtschaftlich orientierte Regelung eingeführt, vor allem im Fernseh-Bereich. Verglichen mit ähnlichen Ländern und unter Berücksichtigung der allgemeinen Veränderungen im TV-Geschäft: Steht Neuseeland mit diesem Vorgehen generell besser da oder eher schlechter? In den Augen des Publikums und in der Auffassung der Kritiker und Produzenten?
John Drinnan: Ich würde hinterfragen wollen, ob die Restrukturierung tatsächlich auf das private Unternehmertum zielte, obwohl das damals die Prämisse war. Vielmehr ging es darum, den Markt als Kontrollmechanismus beim Rundfunk in den Vordergrund zu stellen und so die Selbstregulierung anstatt die staatliche Regulierung zu betonen. Die neue Politik vor 25 Jahren beendete ein langes und verworrenes Verfahren, um neuen Bewerbern eine Sendebewilligung zu erteilen, basierend auf der subjektiven Tauglichkeit des Anwärters. Das war veraltet und führte dazu, dass neue Angebote für Konsumenten verzögert und begrenzt wurden. Und es wäre nie in der Lage gewesen, mit dem Tempo der Veränderungen im 21. Jahrhundert Schritt zu halten. Der positive Aspekt der neuen Politik war es, dass — zumindest anfänglich — eine erhebliche Menge an lokalen Inhalten auf die Bildschirme kamen. Die damals neu geschaffene Rundfunk-Kommission, NZ on Air, wurde zum Vermittler zwischen Produzenten und den Sendern und setzte eine Menge an Kreativität frei. Dieser unabhängige Geist wurde inzwischen in die Schranken gewiesen — doch das Internet hat wieder zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnet. Kritiker — das heisst Medienkritiker — waren anfangs harsch negativ gegenüber der kommerziellen Kost eingestellt, die mit Steuergeldern finanziert wurde. Doch mit der wachsenden Zahl an Unterhaltungsmöglichkeiten hat das frei empfangbare Fernsehen inzwischen ohnehin ein geringeres Ansehen.

Wenn also Publizistikforscher hier in Europa schlussfolgern, Neuseelands Medienpolitik sei mit vielen Nachteilen verbunden wie eben die starke kommerzielle Ausrichtung, Nachrichtenprogramme von niedriger Qualität und mit wenig Vielfalt, dass die geförderten Produktionen oft ausserhalb der Hauptsendezeiten ausgestrahlt werden und dass es nicht mehr nationale Programmproduktionen gebe: Inwiefern haben sie Recht oder nicht?
Aus Neuseeländischer Sicht sind diese Behauptungen teilweise richtig, teilweise falsch. Das Problem hat seine Wurzeln im kleinen Mass des neuseeländischen Marktes und der Erwartung, dass Anleger mit Programmen in der einen oder anderen Form einen Ertrag sollen erzielen können. Rundfunkanstalten und NZ on Air sind beide nur auf Inhalte ausgerichtet, die genug Publikum erreichen, so dass mit Werbung ein Beitrag an die Produktionskosten erzielt werden kann. Ein Grossteil der Produktionskosten wird durch NZ On Air bezahlt und dort muss man sich ausserordentlich bemühen, einen kulturellen Wert damit zu verbinden, um die eigenen Vorgaben zu erfüllen. Es trifft zu, dass es Bestreben gibt, wahrhaftig wertvolle — ein subjektives Wort, ich weiss — Inhalte ausserhalb der Hauptsendezeit setzen, doch lässt sich nur dort Geld verdienen. Insgesamt gab es indes einen signifikanten Anstieg bei den lokalen Inhalten, ohne dass es dazu eine gesetzliche Quote brauchte. Die Qualität dieser Inhalte ist hingegen eine offene Frage.

Rückblickend: Was hätte in der Gestaltung des Wandels besser gemacht werden können?
Wie schon gesagt, der hauptsächliche positive Aspekt liegt darin, dass unabhängige Produzenten Mittel von NZ on Air erhalten können, womit sie bei den Stationen besser gestellt wurden. Inzwischen machen die Sender ihre Macht wieder geltend. Alle von NZ on Air finanzierten Shows müssen eine Garantie einer Station haben, dass sie tatsächlich gesendet werden. Das grösste Manko — und das liegt zum Teil an der geringen Grösse des neuseeländischen Marktes — ist, dass NZ on Air zum Geldgeber für die Medienbranche geworden ist und nicht seine ursprüngliche Rolle als Kulturinstitution verfolgt. Da die Rundfunkunternehmen keine sozialen oder kulturellen Verpflichtungen haben, konzentrieren sich die Produzenten und NZ on Air auf den kommerziellen Erfolg von Shows, und orientieren sich dabei oft an Programmformaten aus Übersee. So wie die Sender auf Einschaltquoten und Werbeeinnahmen fokussiert sind, ist NZ on Air auf Berechnungen basierend auf Zuschauerzahlen und Popularität ausgerichtet, um so seine Leistungserfüllung gegenüber der Regierung zu belegen. Nischen-Programme oder intellektuellen oder kulturelle Inhalte kommen so zu kurz.

Welches waren die wichtigsten Änderungen in der Medienpolitik seit der Reform und welche Wirkung hatten sie?
Es gab verschiedene Aspekte einer gesunden Laissez-faire-Politik gegenüber den Medien, um geschäftliche Gewinne zu schützen und politische Einflussnahme bei den Inhalten zu verhindern. Allerdings hat dies zu einer Selbstzensur bei den Medien selber geführt. So gab es zum Beispiel in den letzten Jahren einen deutlichen Verlust bei den satirischen Inhalten. Es gibt eine andauernde Skepsis gegenüber den Reformen von 1989 in einigen Teilen der Öffentlichkeit — in der Regel bei Älteren und / oder bei Linken — derweil die Rechte den kapitalistischen Laissez-faire-Ansatz beim Rundffunk unterstützt. Kritiker dieser Politik haben vehement argumentiert, es gebe einen Bedarf für einen nicht-kommerziellen TV-Sender, der „sich mit Zuschauern als Menschen und nicht als Verbraucher” befasst. Und tatsächlich gab es für einen Zeitraum von fünf Jahren einen vom Staat finanzierten nicht-kommerziellen Sender, TVNZ 7, der abrupt abgeschafft wurde, als die staatlichen Mittel ausgingen. Politiker von rechts und von links waren offen in der Nähe des marktbeherrschenden Pay TV-Unternehmen Sky TV – früher von Murdoch. Zwei Jahrzehnte ohne eine Pay-TV-Regelung verlangsamte die Ankunft neuer Wettbewerber. Allerdings gab es vor kurzem einen Zustrom von SVOD Dienstleistern (Subscription Video on Demand) und viele glauben, dies werde den Wettbewerb beleben.

Vor ein paar Jahren gab es eine Diskussion, TV1 wieder als öffentliche Sendeanstalt zu etablieren mit dem Argument, ein System mit einer Rundfunkkommission wie NZ on Air können einen öffentlich-rechtlichen Sender nicht ersetzen. Wohin hat diese Diskussion geführt und was ist in dieser Hinsicht immer noch im Gange?
Dies kommt und geht – und ist ein echtes Spiegelbild der Sorge, dass der Fokus der Medien — einschliesslich der staatlichen Medien — auf Verbraucheraktivitäten und nicht auf Ideen oder auf „Kultur“ fokussiert ist. Ich würde behaupten, dass die Vorstellung von einem nicht-kommerzielle TV One höchst unwahrscheinlich umgesetzt wird, obwohl es ist immer noch die Möglichkeit gibt, einen digitalen Kanal zu betreiben, sollte es den politischen Willen geben, ihn zu finanzieren. Das kommerzielle TV-System ist abhängig geworden von der Finanzierung durch NZ on Air und macht sich — zusammen mit den Lobbyisten der Produzenten — stark, um jeden Versuch zu entmutigen, seine kommerzielle Ausrichtung anzutasten. Die letzte Kampagne für einen nicht-kommerziellen TV-Sender fiel mit Sorgen über das Einfrieren der staatliche Förderung der staatlichen nationalen Radiosender Radio New Zealand zusammen. Und wie erwähnt, die Unterstützung für öffentlich-rechtliche Rundfunk wird als eine Sorge des linken Flügels wahrgenommen und wird von der konservativen Regierung der Nationalen Partei kurz abgefertigt, die in den 1990er Jahren die treibende Kraft der Deregulierungs-Bewegung war.

Inwiefern erscheint es empfehlenswert, dass ähnliche Länder, vor allem in West-Europa, das neuseeländische Modell der Rundfunk-Regulierung übernehmen?
Grundsätzlich bin ich da vorsichtig, weil ich zu wenig weiss, über die jeweiilgen Besonderheiten. Aber wie gesagt, hat das System seine Pluspunkte darin, die Bürokratie für neue Ideen zu öffnen. Die Schwächen in Neuseeland liegen vor allem darin, dass die Deregulierung hier in den späten 80er Jahren durch eine Ausrichtung geprägt war, wonach der Staat eine ineffiziente und teilnahmslose Institution sei, derweil der Markt die Bedürfnisse der Öffentlichkeit besser abdecken könne. In diesem Land ist die Hand des Staats sehr leicht und man kann argumentieren, dies sei eine gute Sache. Aber es hat zu einer ideologischen Ausrichtung in allen Medien geführt. Das Konzept der Medienregulierung kann jetzt irrelevant sein, da das Internet zu einer aussergewöhnlichen Fragmentierung geführt hat und der Zugang zu Informationen grösser und grösser wird. In diesem Fall kann argumentiert werden, das öffentliche Finanzierungssystem solle Werte und kulturellen Werte der Minderheiten sowie Inhalte fördern, die im Rahmen eines kommerziellen Systems nicht überleben würden, anstatt das kommerzielle System selber zu pflegen.

Die Rundfunkgesetzgebung in der Schweiz legt grossen Wert darauf, dass Minderheiten eine gleichwertige Programmversorgung erhalten wie die deutschsprachige Mehrheit. Neuseeland hat mit seiner Ureinwohner-Minderheit der Maori eine vergleichbare Herausforderung. Wie wurde damit umgegangen und wie zufriendenstellend sind die Erfahrungen in dieser Hinsicht?
Das wurde durch die Entschlossenheit der Maori selber erreicht, die relativ gut versorgt werden. Vor 25 Jahren kämpften sie beim Kronrat in London dafür, dass der Staat die Pflicht habe, die Sprache der Maori im Fernsehen zu behalten, wofür ein von den Steuerzahlern finanzierter eigener Kanal eingerichtet wurde. Die Finanzierung und die Einrichtungen für die Maori sind akzeptabel, wenn nicht sogar üppig. Und die Maori-Stammesgruppen können Maori-TV zunehmend autonom führen. Die Station spiegelt den Konflikt zwischen den traditionellen, konservativen Stammesbehörden und den jüngeren, liberalen städtischen Gruppen wieder und erfüllt in diesem Sinne eine wichtige Rolle.

Ein entscheidender Teil der neuseeländischen Rundfunkregulierung ist die unabhängige Rundfunkkommission, NZ on Air, die von der Regierung finanziert wird und deren Aufgabe es ist, Medienproduktionen zu finanzieren, die für das Land als wertvoll erachtet werden und die der Privatsektor allein nicht finanzieren kann oder will, so zum Beispiel Radio New Zealand, den nationalen Radiosender. Wie gut funktioniert dieses Gremium?
Die geringe Grösse Neuseelands führt zur Annahme, es gebe nur eine begrenzte Anzahl von Produktionsfirmen, die imstande sind, eine Fernsehserie herzustellen. So brachte die Tatsache, dass viele der grossen Produktionen von ausländisch dominierten Produktionsfirmen hergestellt werden, die Alarmglocken zum läuten. Förderungswürdige Projekte werden aufgrund einer ungewöhnlichen Formel ausgewählt, wobei es NZ On Air vordegründig nicht erlaubt ist, in redaktionelle oder inhaltliche Aspekte einzugreifen. Da Stationen aufgrund der Fragmentierung zunehmend unter Druck kommen, wird NZ on Air zunehmend grosszügig im Finanzieren teurer kommerzieller Projekte, wozu auch Übersee-Format wie X-Factor [analog zu Musicstar bei SRF], Neuseelands grösste Talente und Let’s Dance gehören, dies mit dem Argument ‘ohne unsere Unterstützung würden sie nicht gemacht’. So gesehen bezahlen wir dafür, dass Neuseeländer zum zum Futter für die Werbeindustrie gemacht werden.

Im Jahr 1999 wurde die Rundfunkgebühren abgeschafft und NZ on Air wird seither durch das Ministerium für Kultur und Kulturerbe finanziert. In Diskussionen über ein solches Konzept gibt es hier oft die Angst, die Politik könnte womöglich Disziplinarmassnahmen gegen missliebige TV-Programme ergreifen, indem etwa das Budget reduziert wird. Hat sich etwas in dieser Richtung in Neuseeland zugetragen? Oder gibt es auch Stimmen, die wieder eine Rundfunkgebühr wollen?
Ein zu grosser Anteil der Rundfunkgebühr wurde in den Inkasso-Abläufen verschwendet. In den meisten Fällen würden man sagen, Neuseelands Behörden sei nicht korrupt, aber das nicht-kommerzielle Radio New Zealand ist finanziell ausgehungert worden, weil es der Linken zugerechnet wird. Die Finanzierung des staatseigenen nicht-kommerziellen Radiosenders wurde für sieben Jahre eingefroren und man hofft dort nun verzweifelt darauf, dass sein Budget im Mai freigegeben wird. Es gibt ein valides Argument, die staatliche Finanzierung habe den Unternehmensgeist gelähmt und bis vor zwei Jahren hat die anhaltende Finanzierungskrise zu einer Bunkermentalität geführt. Vormalige Chefs nahmen die derzeitige Regierung als Feind wahr, und die Regierung betrachtete RNZ als Teil der Linken. RNZ wird auch dadurch behindert, dass es in der Hauptstadt Wellington sitzt, derweil alle kommerziellen Medien ihren Sitz in Auckland, der grössten Stadt, haben. Im TV gab es im Laufe der Jahre Vorwürfe der Einmischung in Staatsfernsehen – aber es gab auch ähnliche Vorwürfe, Unternehmen des privaten Sektors seien vorteilhafter behandelt worden.

Inwiefern hat ein dereguliertes Rundfunksystem die Innovation im Medienbereich gefördert? Gibt es Verbindungen zu den globalen Erfolgen wie die Herr-der-Ringe-Trilogy, Hobbit oder Avatar, die Aushängeschilder für die Leistungsfähigkeit der neuseeländischen Filmindustrie sind?
Die Deregulierung hat hier eine Produzentenbranche hervorgebracht, die sich zuerst erneuern musste, um qualitativ hochwertige Inhalte zu geringen Kosten bereitzustellen. In der Folge wurden Film- und TV-Fertigkeiten ein Teil dieser Infrastruktur. Aber dies sollte auch im Rahmen der neo-liberalen Veränderungen in Neuseeland gesehen werden mit dem raschen Rückgang und schwindenden Einfluss der Gewerkschaften, die Lohnkosten hoch hielten. Peter Jackson [Regisseur und Produzent der Herr-der -Ringe- und Hobbit-Trilogien] und Konsorten sind eindeutig sehr geschickt, aber sie wurden von einer starken Regierung unterstützt, die Gewerkschaften aussperrte, um Kosten niedrig zu halten. Es gibt eine Besorgnis, dass Neuseeland wegen des steigenden Wechselkurses für amerikanische Produktionen nun trotz dieser anhaltenden Vorteile weniger attraktiv wird, so dass die Branche unter einem erhöhten Druck ist, mehr Subventionen zu erhalten.

Hier wird der öffentlich-rechtliche Sender [SRF] dafür kritisiert, horrende Beträge für Übertragungsrechte, etwa für Formel-1-Rennen, auszugeben, die über Rundfunkgebühren finanziert werden. Wie wird in Neuseeland mit diesem Aspekt umgegagen, etwa bei der Übetragung des America’s Cup oder bei Spielen der Rugby-Nationalmannschaft?
Abgesehen von Rechten für Sonder-Sportarten beteiligt sich NZ on Air nicht in diesem Genre und in der Tat sind Neuseeländer oft gezwungen, für Pay-TV-Sender zu bezahlen, um die nationalen Sport-Teams spielen zu sehen. Zwar werden einige Spiele auf den frei empfangbaren Sendern gezeigt und auch die Berichterstattung über den America’s Cup war immer frei zugänglich, nicht aber Rugby-Spiele. Dies wird als eines der grössten Versagen des Systems gesehen, zusammen mit der Tatsache, dass nachfolgende Regierungen dagegen nicht unternommen haben, da sie den Pay-TV-Sender Sky-TV, der das Pay-TV-Monopol innehat, über alle Massen unterstützten. Die Frage wird immer komplexer mit dem Wachstum der neuen Video-on-Demand-Dienste für individuelle Sportveranstaltungen.

In der Schweiz wird grosser Wert darauf gelegt, die Bürger müssten über politische Themen orientiert sein, damit sie an der Urne entscheiden können. Wie gedeiht diese Art von Programmen in Neuseelands deregulierter Rundfunk-Umgebung?
Es gibt neue Begeisterung der Medien für die Politik in einem Wahljahr und es entsteht der Eindruck, Politik werde diskutiert, aber die kommerzielle Rundfunkmedien fokussieren dabei weitgehend auf den Wahlkampf zwischen den Parteien. Da gibt es oberflächliche Podiumsdiskussionen, wo die Parteibosse debattieren. Doch die Abdeckung der Politik ist boulvardesk und konzentriert sich auf Triviales.

Wie ist es möglich, dass Neuseeland, das in der Grösse etwa dem deutschsprachigen Teil der Schweiz entspricht, grössere TV-Produktionen wie Schauspiele oder Dokmentarfilme, mit Werbeeinnahmen finanzieren kann?
Ziel war es, Produzenten zu ermöglichen, ihre Produktionen im Ausland zu verkaufen und die Erträge zu verwenden, um die Produktion hier existenzfähig zu machen. Sowohl beim TV sowie bei unabhängigen Filmen hat sich der Schwerpunkt zunehmend auf Ko-Produktionen im Ausland verlagert, wo Vergünstigungen und staatliche Investoren angegangen werden können. Neuseelands Vorteil liegt in den tieferen Kosten, vor allem verglichen mit den USA oder mit Grossbritannien.

Wie glücklich ist die Werbebranche mit einem Umfeld das als Eldorado beschreiben werden kann?
Es ist eine Art von ein Eldorado. Werbetreibende versuchen, mit der rasanten Fragmentierung des Mediamarktes zu Rande zu kommen und buchen dabei auch nicht-traditionelle Medien. Gerade bei Franchisen aus dem Ausland, wie X-Factor und Neuseelands grösste Talente gab es die offensichtlichsten Fälle verbreiteter Produktplatzierung und eines gemeinschaftlichen Handelns mit Werbekunden. Auch Sport-Sponsoring hat immer noch einen sehr hohen Stellenwert und es gibt dafür viele Möglichkeiten, aber ich habe den Eindruck, dies sei inzwischen nicht mehr so lukrativ wie es war.

Interview: Christoph J. Walther

Neuseeland auf einen Blick

Land: zwei Inseln im Süd-Pazifik mit Bergen wie in der Schweiz, aber auch mit Vulkanen und Meeresstränden

Bevölkerung: 4,5 Mio., davon 74 % europäisch, 15% Māori-Ureinwohner, 12% asiatisch, 7% aus der Pazifikregion stammend

Regierung: unabhängige parlamentarische Monarchie nach britischem Vorbild, aber ohne Oberhaus. Zwei sehr grosse Parteien: die National Party, eine Mitte-rechts gerichtete, konservative Volkspartei und die Labour Party, eine Mitte-links gerichtete, sozialdemokratische Volkspartei. Daneben etliche weitere kleinere Parteien, von denen deren sechs im Parlament vertreten sind und die mitunter bei Entscheiden Ausschlag-gebend sein können.

Fernsehen:

1. frei empfangbar

öffentlich-rechtlich: Television New Zealand, TVNZ, mit hauptsächlich zwei Sendern: TV One und TV2. Dominante Marktposition; Werbe-finanziert, bezahlt Dividenden an den Staat.

Māori Television: Zur Wiederbelebung der Kultur und Sprache der Māori-Ureinwohner wird eine eigene TV-Station betrieben.

privat: TV3, FOUR, im Besitz der MediaWorks New Zealand, die wiederum von einer australischen Investitionsfirma gehalten wird.

2. Bezahlfernsehen (Pay-TV):

Sky-TV (unabhänging vom gleichnamigen TV-Sender in Grossbritannien): Startete 1990 mit einem Angebot von drei Sendern und bietet heute ein Basispaket mit zahlreichen Zusatzpaketen (Filme, Sport, Musik etc.) an, die digital terrestrisch und über Satellit übetragen werden. Ist somit vergleichbar mit Angeboten hiesiger Kabelfernseh-Betreibern.

Radio: Radio New Zealand wird als öffentlich-rechtliche Station vom Staat finanziert. Daneben gibt es private Radiostationen, die oft in Netzwerken zusammengeschlossen sind. Einwohner von Neuseeland dürfen mit einer Gratis-Lizenz eigene Radiostationen betreiben, die aber nur eine geringe Sendeleistung (weniger als 1 Watt) haben dürfen, was oft für Gemeinderadios verwendet wird.

Freeview: Ein non-profit Gemeinschaftsunternehmen für die digitale Übetragung von Radio- und TV-Programmen, das von den wichtigsten Stationen, die frei empfangbar übertragen werden, betrieben wird.

NZ on Air: Eine von der Regierung unabhängige Behörde für die Finanzierung von Inhalten für Radio-, Fernsehen und für Neue Medien. Seit der Abschaffung der Rundfunkgebühr im Jahr 1999 wird die Behörde durch Gelder des Kulturministeriums finanziert. Das jährliche Budget beträgt derzeit 126 Mio. NZ$, wovon 82 Mio. für nationale TV-Produktionen im Umfang von 877 Stunden und 32 Mio. für das öffentlich-rechtliche Radio ausgegeben werden.

Artikelserie Medienpolitik

Medienpolitik gerät zunehmend ins politische Blickfeld, vor allem im Hinblick auf die absehbare Service-Public-Debatte im eidgenössichen Parlament. Diese muss ganz wesentlich auch von der Medienbranche im weitesten Sinne angestossen und getragen werden. Mit dieser Artikelserie will die Werbewoche Beiträge für eine fundierte Diskussion liefern.

In dieser Artikelserie sind bisher diese Beiträge erschienen:

• “Ohne Grundlage keine Hilfe”, Werbewoche 05 | 13.03.2015, Seite 24f
• “Vom Leitmedium zum Lückenbüsser?”, Werbewoche 06 | 27.03.2015, Seite 22

Website zur Artikelserie: www.medienwende.ch

 

Neuer Geschäftsführer von Grupa Onet.pl

Ab 1. August 2015 übernimmt Aleksander Kutela (43) die Position des Geschäftsführers von Grupa Onet.pl. Kutela tritt damit die Nachfolge des Interimsgeschäftsführers Jonny Crowe (44) an und wird Mitglied des Group Executive Board in Polen.

Mark Dekan, CEO der Ringier Axel Springer Media und Group CEO Poland: «Ich freue mich sehr, Aleksander Kutela als den neuen CEO von Grupa Onet.pl zu begrüssen. In seiner vorherigen Funktion hat Alek digitale Angebote und Bezahlmodelle erfolgreich aufgebaut und HBO in eine der wichtigsten Medienmarken in Polen entwickelt. Sein Start bei Onet unterstreicht unser Commitment für Content, Brands und unseren Fokus auf starke Partnerschaften. Ich danke Jonny Crowe für seine herausragenden Leistungen als Interimsgeschäftsführer von Onet und wünsche gleichzeitig Aleksander Kutela einen erfolgreichen Start.»

Aleksander Kutela wurde 2007 zum Senior Vice President von HBO Europe und 2000 zum President von HBO Poland ernannt. Seit 1997 war er als Marketing und Sales Director, General Manager sowie Vice President HBO Central Europe mit dem Zuständigkeitsbereich Brand Management und Original Production sowie in weiteren Führungspositionen für das Unternehmen tätig. Seit 2014 ist er Mitglied im Verwaltungsrat der ING Bank Slaski. Er hat einen Abschluss im Fach internationale wirtschaftliche und politische Beziehungen der Wirtschaftsuniversität Krakau und hat das General Manager Program (TGMP) der Harvard Business School absolviert.
 

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